Sonntag, 15. Dezember 2019

Man kann nicht alles haben

Mein Kakadu-Experiment hat hiermit ein offizielles Ende gefunden.

Insgesamt zwölf Vögel habe ich in den vergangenen drei Jahren erworben, lauter Tiere, die nicht mehr erwünscht waren und ihr Leben in Käfigen oder kleinen Volieren fristeten. Das Ziel war, sie fliegen zu lehren, frei zu lassen und mich an ihrem Flug zu erfreuen. Das ging gründlich in die Hose. Sam, einer der ersten, tat wie ich mir vorstellte - kam zweimal täglich angesegelt, füllte sich seinen Kropf, ließ sich ein wenig kraulen und machte sich anschließend wieder davon. Elf Monate lang - dann war er fort, kam nicht wieder, vermutlich Opfer eines verärgerten Farmers.

Die Henne Euphrosyne fand ich ohne Kopf in Nachbars Vorgarten, typisches Vorgehen von Füchsen. Alex war offensichtlich handaufgezogen und verhaltensgestört, er wurde unberechenbar und biss mich x-mal blutig. Verzweifelt versuchte ihn weiter zu vermitteln, einmal war er für 14 Tage auf einem neuen Platz, wurde aber wieder zurückgebracht. Ich habe ihn schweren Herzens eingeschläfert, ich wusste mir nicht mehr zu helfen.

Louis war aus dem selben Holz geschnitzt - er vegetiert jetzt bei einer Tierfreundin für immer hinter Gitter. Was für ein trauriges Leben. Ich weiß nicht was besser ist? Tod oder Gefangenschaft? Diese fehlgeprägten Vögel sind wirklich arm dran.

Die Henne Aglaya operierte ich im vergangenen Jahr wegen eines Bauchbruchs, verursacht durch eine Eierstockszyste. Sie erholte sich gut und legte noch drei (unbefruchtete) Eier. Als heuer die Brutsaison begann bemerkte ich, wie sich das Abdomen erneut vergrößerte. Das Allgemeinbefinden verschlechterte sich rapide, der Vogel sass nur noch herum und mied den Kontakt mit ihrem Partner. Da konnte auch eine Operation nicht mehr helfen und so erlöste ich sie von ihrem Leiden.

Clyde und Alaya 2018

Letzte Woche verschwand der letzte Kakadu. Clyde war flugunfähig, wanderte täglich zwischen der offenen Voliere (die er bei Schlechtwetter bevorzugte), einem nahegelegenen Eukalyptusbaum und Nachbars Vorgarten hin- und her. Mittwoch Nacht (beinahe Vollmond und sehr hell draußen) hörte ich ihn kurz kreischen. Das war das letzte Mal. Seit dem ist keine Spur von ihm ausfindig zu machen. Das morgendliche Gezeter war kilometerweit zu vernehmen, jetzt herrscht Funkstille.

Clyde 02.12.2019 (♰ 11.12.2019)

Mir fehlen die Vögel. Ich hatte immer welche, Wellensittiche und Kanarienvögel waren die einzigen Tiere, deren Haltung mir meine Eltern erlaubten. Ich habe schon einige verstohlene Blicke auf die Seiten der Verkaufsbörse geworfen - und die Gedanken an einen erneuten Kauf wieder verworfen. Mein Ziel ist trekken zu gehen, mit den Kamelen ins Outback zu fahren. Jedes Tier welches ich mir zusätzlich anschaffe stellt eine Belastung dar 😢

Kommentare:

  1. ich hab in letzter zeit auf bildern aus australien so viele verendete kakadus gesehen. :-( hat mich traurig gemacht.

    wellensittiche hatte meine oma immer. die einzigen tiere, mit denen ich in meiner kindheit in berührung kam. als angebliche allergikerin wurde ich von meinen eltern panisch von allem ferngehalten, was fell oder federn hatte. das highlight des jahres waren für mich immer die 3 wochen im sommer, wenn meine oma auf kur ging und wir den vogel bei uns aufnehmen mussten.

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  2. Hallo Morphinchen, ... und jetzt hast Du eine Katze :-D
    Was hat Deine Eltern veranlasst, Dich als Allergikerin zu sehen? Oder war das nur ein Vorwand, weil die keinen Dreck im Haus wollten?

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