Mittwoch, 25. Dezember 2019

Heiligabend - der Tag der Wahrheit ☺

Jamahl hatte wohl Lunte gerochen - er hatte überhaupt keine Lust mehr. Normalerweise steht er wie ein Stiefel an der Stelle, an die er morgens angebunden wird um sein Frühstück zu empfangen. Jetzt stand er demonstrativ am entferntesten Punkt der Koppel. Die Mädels wollten nicht auf ihre Mahlzeit verzichten, kamen angeschlurft und ließen sich festmachen.
Irgendwann kam auch er, fraß seine Möhren und legte sich sofort ab. Als ich ihm sein Halfter anlegen wollte, machte er den Hals lang und platzierte seinen Dummschädel auf den Boden. "Ich habe keinen Nerv mehr" wollte er damit ausdrücken. "Macht euren Sch**ss ohne mich".

So geht das natürlich nicht. Er wurde genauso vor den Wagen gespannt wie Laila (Ali wie immer das Schlusslicht) und ab ging die Post. Von der Koppel bis zur Landstraße waren sie noch mit dem Auto verbunden, da das Grundstück eine leichte Neigung aufweist und sie zuviel Fahrt aufgenommen hätten. Nach 20 m hielt ich an und wir entfernten die Verbindung zwischen Zigeunerwagen und Auto. Der Trainer befand sich auf dem Kutschbock, ich fuhr vorneweg, meinen Blick fest auf die Rückspiegel gerichtet. Ging es bergab und die Kamele fielen in Trab gab ich Gas, um nicht gerammt zu werden, mussten sie bergauf und sie wurden langsamer, bremste ich ab. Die Überquerung der Hauptstraße war mangels Verkehr kein Problem und wie mir der Trainer im nachhinein mitteilte, waren die Tiere immer unter seiner Kontrolle. Er hatte nicht eine einzige kitzlige Situation zu bewältigen und war voll des Lobes meiner Tiere.



Die meiste Zeit ließ der Trainer die Zügel schleifen und die Kamele konnten sich ihre eigene Geschwindigkeit wählen. Und die war ganz schön flott. Ich schätze, 2/3 der elf Kilometer langen Rundstrecke legten sie im Trab zurück. Als wir sie von ihrem Geschirr befreiten, waren sie im Bereich der Gurte pitschnass. Ali und Jamahl hatten beide Durchfall, Laila kann sich das als Chefin nicht erlauben 😁.

Kann gar nicht genug betonen wie glücklich ich bin. Fünf Jahre Arbeit, Selbstzweifel und Unsicherheit haben sich letztlich bezahlt gemacht. Meine Kamele sind brav, ruhig, fügsam und vertrauen mir.

Nachmittags packte der Trainer zusammen und ich begleitete ihn noch ein Stück. Wir besuchten den 92jährigen Vorbesitzer von Ali, der jetzt im Altersheim lebt.


"Sheik" Gordon

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen