Montag, 23. Dezember 2019

Glückliche alte Frau

Heute war es soweit: die Kamele haben den Zigeunerwagen selber gezogen - ohne dass das Auto mitgeholfen hat.

Am Samstag zeigte ich meinem Besuch, wie ich bisher mit den Tieren trainiere. Wir fuhren zur ehemaligen Rennstrecke und drehten ein paar Runden, anschließend ca. ein Kilometer die Landstraße rauf und wieder runter. Zu Beginn gab es ein paar aufgeregte Hüpfer, aber mit zunehmender Dauer wurden die Kamele immer ruhiger. Jamahl war sehr angespannt und hatte untypischer Weise mit Durchfall reagiert, Laila war relaxt.

Der Trainer empfahl die Anbringung einer Querstange am Ende der Deichsel. Auch sollten D-Ringe am Ende der Stange angeschweißt werden. Ein Bekannter erklärte sich bereit, die Arbeit zu übernehmen, konnte leider erst am folgenden Nachmittag damit fertig werden. So beschäftigten wir uns am Sonntag mit den Reit- und Packsätteln. Der Fachmann probierte hier, änderte da, versuchte unterschiedliche Positionen der Polster - irgendwie war alles verquer. Er machte sich einen Haufen Notizen, fing an, die Sattelstangen mit dem Winkelschleifer zu durchtrennen und entschied sich, beide Sättel mitzunehmen und entsprechende Schweißarbeiten bei sich zu Hause durchzuführen. Doch vorher marschierten wir noch eine Runde mit den Kamelen über Nachbars Grundstück. Wie zu erwarten, rebellierte Jamahl als unser Grundstück außerhalb seines Gesichtsfeldes geriet. Er drückte gegen Laila und bockte wie ein Kleinkind. Erst als die Kette am Halfter mit dem hinteren Ende von Lailas Sattel verbunden wurde und er seinen Kopf kam noch bewegen konnte wurde er ruhiger und ergab sich seinem Schicksal. Es war so angenehm, einen erfahrenen  Kameltreiber neben sich zu wissen!

Und heute also die Zitterpartie: wie würden sie wohl reagieren? Würden sie durchgehen und versuchen schnell Heim zu laufen?

Wie Kamele, die noch nie in einen Wagen eingespannt wurden, reagieren kann man hier (23:45) sehen. Der Trainer (es handelt sich um den selben, der im Film zu sehen ist) erzählte mir, dass unerfahrene Tiere sich nach dem Einspannen und anfänglichen Chaos einfach müde laufen. Man braucht halt eine lange gerade Wegstrecke möglichst ohne Verkehr.

Den Weg zum Oval legten wir noch in gewohnter Manier zurück: der Wagen mit meinem Auto verbunden, Laila und Jamahl zwischen drin, Ali hinten angehängt. Als wir die Mitte der Rennstrecke erreichten hielten wir an und befestigten die Deichsel mit Halsbändern an die Kamele. Die Abschleppvorrichtung vom Auto wurde entfernt, der Trainer nahm auf dem Kutschbock Platz, ich setzte mich in den Wagen und fuhr los. Sobald sich das Fahrzeug bewegte, gingen die Tiere automatisch mit, realisierten allerdings schnell den Unterschied und ...  blieben stehen. Der Trainer gab ermunternde Kommandos und stupste ein wenig mit der Peitsche bis sie sich vorwärts bewegten. Sie wurden immer flotter und stießen zweimal an mein Auto, so dass ich seitwärts fuhr und schließlich anhielt. Runde um Runde legten sie zurück, dann hielt der Trainer, ich stieg dazu und übernahm die Zügel. Es ging etwas ruppig vorwärts, v.a. weil ich zu spät mit Korrekturen reagierte. Es braucht etwas Übung um zu checken, wann die Kamele eine Abkürzung nehmen wollen.

Morgen werden wir die 11 km Runde fahren - das wird spannend.

TBC

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