Montag, 30. Dezember 2019

Verspätetes Christkind 🌲

Schöne Kinder brauchen fesche Kleider 😎

Auf FB verkündete ein cameleer:



Das muss man mir nicht zweimal sagen und ohne zu zögern meldete ich mein Interesse an. Wir einigten uns schnell über den Preis und am Samstag war es so weit: Der nette Herr brachte die Fracht auf seinem Weg weiter Richtung Norden persönlich vorbei. Sicherlich über 20 kg in zwei große Kisten verpackt.

Sonntag morgens erfolgt die Anprobe. Prinzessin Laila trug es gelassen!


Erste Schicht


Fertig "full Monty"


Inspektion vom restlichen Zeug

Jamahl war gelangweilt und leicht angefressen. Einige Male vollführte er Bocksprünge - vielleicht erhoffte er, sich durch die Aktionen von dem unnötigen Ballast befreien zu können.


Jamahl ("Was soll der Weiberkram?")

Wie nicht anders zu erwarten fing Ali an zu spinnen, als ich ihr die Decke auflegen wollte. Ich ließ es zweimal durchgehen, dann fixierte ich ihre Vorderbeine, um sie am aufspringen zu hindern. Ganz schlimm wurde es, als die Dekoration des Halfters angesagt war. Beißen und spucken wollte sie - naja, ein wenig Geduld und gut zureden, dann war auch sie geschmückt.


Der nette Herr tat mir Leid. Erst verlor er seine geliebte Gattin vor zwei Jahren an Krebs, dann erwischte es ihn selber. Tumoren in der Rückenmuskulatur und jetzt in der Lunge! Seine acht Kamele verkaufte er bereits, jetzt möchte er noch ein wenig reisen. Wünsche ihm alles Gute.


Mittwoch, 25. Dezember 2019

Heiligabend - der Tag der Wahrheit ☺

Jamahl hatte wohl Lunte gerochen - er hatte überhaupt keine Lust mehr. Normalerweise steht er wie ein Stiefel an der Stelle, an die er morgens angebunden wird um sein Frühstück zu empfangen. Jetzt stand er demonstrativ am entferntesten Punkt der Koppel. Die Mädels wollten nicht auf ihre Mahlzeit verzichten, kamen angeschlurft und ließen sich festmachen.
Irgendwann kam auch er, fraß seine Möhren und legte sich sofort ab. Als ich ihm sein Halfter anlegen wollte, machte er den Hals lang und platzierte seinen Dummschädel auf den Boden. "Ich habe keinen Nerv mehr" wollte er damit ausdrücken. "Macht euren Sch**ss ohne mich".

So geht das natürlich nicht. Er wurde genauso vor den Wagen gespannt wie Laila (Ali wie immer das Schlusslicht) und ab ging die Post. Von der Koppel bis zur Landstraße waren sie noch mit dem Auto verbunden, da das Grundstück eine leichte Neigung aufweist und sie zuviel Fahrt aufgenommen hätten. Nach 20 m hielt ich an und wir entfernten die Verbindung zwischen Zigeunerwagen und Auto. Der Trainer befand sich auf dem Kutschbock, ich fuhr vorneweg, meinen Blick fest auf die Rückspiegel gerichtet. Ging es bergab und die Kamele fielen in Trab gab ich Gas, um nicht gerammt zu werden, mussten sie bergauf und sie wurden langsamer, bremste ich ab. Die Überquerung der Hauptstraße war mangels Verkehr kein Problem und wie mir der Trainer im nachhinein mitteilte, waren die Tiere immer unter seiner Kontrolle. Er hatte nicht eine einzige kitzlige Situation zu bewältigen und war voll des Lobes meiner Tiere.



Die meiste Zeit ließ der Trainer die Zügel schleifen und die Kamele konnten sich ihre eigene Geschwindigkeit wählen. Und die war ganz schön flott. Ich schätze, 2/3 der elf Kilometer langen Rundstrecke legten sie im Trab zurück. Als wir sie von ihrem Geschirr befreiten, waren sie im Bereich der Gurte pitschnass. Ali und Jamahl hatten beide Durchfall, Laila kann sich das als Chefin nicht erlauben 😁.

Kann gar nicht genug betonen wie glücklich ich bin. Fünf Jahre Arbeit, Selbstzweifel und Unsicherheit haben sich letztlich bezahlt gemacht. Meine Kamele sind brav, ruhig, fügsam und vertrauen mir.

Nachmittags packte der Trainer zusammen und ich begleitete ihn noch ein Stück. Wir besuchten den 92jährigen Vorbesitzer von Ali, der jetzt im Altersheim lebt.


"Sheik" Gordon

Montag, 23. Dezember 2019

Glückliche alte Frau

Heute war es soweit: die Kamele haben den Zigeunerwagen selber gezogen - ohne dass das Auto mitgeholfen hat.

Am Samstag zeigte ich meinem Besuch, wie ich bisher mit den Tieren trainiere. Wir fuhren zur ehemaligen Rennstrecke und drehten ein paar Runden, anschließend ca. ein Kilometer die Landstraße rauf und wieder runter. Zu Beginn gab es ein paar aufgeregte Hüpfer, aber mit zunehmender Dauer wurden die Kamele immer ruhiger. Jamahl war sehr angespannt und hatte untypischer Weise mit Durchfall reagiert, Laila war relaxt.

Der Trainer empfahl die Anbringung einer Querstange am Ende der Deichsel. Auch sollten D-Ringe am Ende der Stange angeschweißt werden. Ein Bekannter erklärte sich bereit, die Arbeit zu übernehmen, konnte leider erst am folgenden Nachmittag damit fertig werden. So beschäftigten wir uns am Sonntag mit den Reit- und Packsätteln. Der Fachmann probierte hier, änderte da, versuchte unterschiedliche Positionen der Polster - irgendwie war alles verquer. Er machte sich einen Haufen Notizen, fing an, die Sattelstangen mit dem Winkelschleifer zu durchtrennen und entschied sich, beide Sättel mitzunehmen und entsprechende Schweißarbeiten bei sich zu Hause durchzuführen. Doch vorher marschierten wir noch eine Runde mit den Kamelen über Nachbars Grundstück. Wie zu erwarten, rebellierte Jamahl als unser Grundstück außerhalb seines Gesichtsfeldes geriet. Er drückte gegen Laila und bockte wie ein Kleinkind. Erst als die Kette am Halfter mit dem hinteren Ende von Lailas Sattel verbunden wurde und er seinen Kopf kam noch bewegen konnte wurde er ruhiger und ergab sich seinem Schicksal. Es war so angenehm, einen erfahrenen  Kameltreiber neben sich zu wissen!

Und heute also die Zitterpartie: wie würden sie wohl reagieren? Würden sie durchgehen und versuchen schnell Heim zu laufen?

Wie Kamele, die noch nie in einen Wagen eingespannt wurden, reagieren kann man hier (23:45) sehen. Der Trainer (es handelt sich um den selben, der im Film zu sehen ist) erzählte mir, dass unerfahrene Tiere sich nach dem Einspannen und anfänglichen Chaos einfach müde laufen. Man braucht halt eine lange gerade Wegstrecke möglichst ohne Verkehr.

Den Weg zum Oval legten wir noch in gewohnter Manier zurück: der Wagen mit meinem Auto verbunden, Laila und Jamahl zwischen drin, Ali hinten angehängt. Als wir die Mitte der Rennstrecke erreichten hielten wir an und befestigten die Deichsel mit Halsbändern an die Kamele. Die Abschleppvorrichtung vom Auto wurde entfernt, der Trainer nahm auf dem Kutschbock Platz, ich setzte mich in den Wagen und fuhr los. Sobald sich das Fahrzeug bewegte, gingen die Tiere automatisch mit, realisierten allerdings schnell den Unterschied und ...  blieben stehen. Der Trainer gab ermunternde Kommandos und stupste ein wenig mit der Peitsche bis sie sich vorwärts bewegten. Sie wurden immer flotter und stießen zweimal an mein Auto, so dass ich seitwärts fuhr und schließlich anhielt. Runde um Runde legten sie zurück, dann hielt der Trainer, ich stieg dazu und übernahm die Zügel. Es ging etwas ruppig vorwärts, v.a. weil ich zu spät mit Korrekturen reagierte. Es braucht etwas Übung um zu checken, wann die Kamele eine Abkürzung nehmen wollen.

Morgen werden wir die 11 km Runde fahren - das wird spannend.

TBC

Sonntag, 15. Dezember 2019

Man kann nicht alles haben

Mein Kakadu-Experiment hat hiermit ein offizielles Ende gefunden.

Insgesamt zwölf Vögel habe ich in den vergangenen drei Jahren erworben, lauter Tiere, die nicht mehr erwünscht waren und ihr Leben in Käfigen oder kleinen Volieren fristeten. Das Ziel war, sie fliegen zu lehren, frei zu lassen und mich an ihrem Flug zu erfreuen. Das ging gründlich in die Hose. Sam, einer der ersten, tat wie ich mir vorstellte - kam zweimal täglich angesegelt, füllte sich seinen Kropf, ließ sich ein wenig kraulen und machte sich anschließend wieder davon. Elf Monate lang - dann war er fort, kam nicht wieder, vermutlich Opfer eines verärgerten Farmers.

Die Henne Euphrosyne fand ich ohne Kopf in Nachbars Vorgarten, typisches Vorgehen von Füchsen. Alex war offensichtlich handaufgezogen und verhaltensgestört, er wurde unberechenbar und biss mich x-mal blutig. Verzweifelt versuchte ihn weiter zu vermitteln, einmal war er für 14 Tage auf einem neuen Platz, wurde aber wieder zurückgebracht. Ich habe ihn schweren Herzens eingeschläfert, ich wusste mir nicht mehr zu helfen.

Louis war aus dem selben Holz geschnitzt - er vegetiert jetzt bei einer Tierfreundin für immer hinter Gitter. Was für ein trauriges Leben. Ich weiß nicht was besser ist? Tod oder Gefangenschaft? Diese fehlgeprägten Vögel sind wirklich arm dran.

Die Henne Aglaya operierte ich im vergangenen Jahr wegen eines Bauchbruchs, verursacht durch eine Eierstockszyste. Sie erholte sich gut und legte noch drei (unbefruchtete) Eier. Als heuer die Brutsaison begann bemerkte ich, wie sich das Abdomen erneut vergrößerte. Das Allgemeinbefinden verschlechterte sich rapide, der Vogel sass nur noch herum und mied den Kontakt mit ihrem Partner. Da konnte auch eine Operation nicht mehr helfen und so erlöste ich sie von ihrem Leiden.

Clyde und Alaya 2018

Letzte Woche verschwand der letzte Kakadu. Clyde war flugunfähig, wanderte täglich zwischen der offenen Voliere (die er bei Schlechtwetter bevorzugte), einem nahegelegenen Eukalyptusbaum und Nachbars Vorgarten hin- und her. Mittwoch Nacht (beinahe Vollmond und sehr hell draußen) hörte ich ihn kurz kreischen. Das war das letzte Mal. Seit dem ist keine Spur von ihm ausfindig zu machen. Das morgendliche Gezeter war kilometerweit zu vernehmen, jetzt herrscht Funkstille.

Clyde 02.12.2019 (♰ 11.12.2019)

Mir fehlen die Vögel. Ich hatte immer welche, Wellensittiche und Kanarienvögel waren die einzigen Tiere, deren Haltung mir meine Eltern erlaubten. Ich habe schon einige verstohlene Blicke auf die Seiten der Verkaufsbörse geworfen - und die Gedanken an einen erneuten Kauf wieder verworfen. Mein Ziel ist trekken zu gehen, mit den Kamelen ins Outback zu fahren. Jedes Tier welches ich mir zusätzlich anschaffe stellt eine Belastung dar 😢

Dienstag, 3. Dezember 2019

Weiter geht's

Gedanken | Der November ist auch schon wieder Geschichte. Ich habe nicht viel mit den Kamelen gemacht, irgendwie ist die Luft draußen. Jetzt weiß ich ja, dass ich in der Lage bin mit ihnen trekken zu gehen. Auch wenn es nicht perfekt und reibungslos sein wird, die Grundlage ist geschaffen und der enorme Stress, den ich mir selber auferlegt habe, ist erstmal gewichen.

Schönheitspflege | Die Kamele haben im Oktober begonnen abzuhaaren. Letztes Jahr waren sie ziemlich genau zu Weihnachten fertig, heuer wollte ich den Prozess beschleunigen - deshalb verbrachte ich Stunden damit, sie zu bürsten und zu entfilzen. Zwischenstand: Ali's Bart bedarf noch etwas Feinarbeit, der ist aber auch wirklich lang und entsprechend stark verfilzt. Jamahl und Laila tragen noch Locken im Bereich der Schultern und auch Lailas Bartmähne muss noch bearbeitet werden, aber ansonsten sind sie fertig - bereit für den Besuch, der am 15. Dezember eintreffen wird ☺.
Obwohl sie nicht nur stillhalten, sondern mir sogar hinter herlaufen um enthaart zu werden und jeden Bürstenstrich sichtbar genießen, haben sie ihren Wolle in den letzten Tagen sehr vermisst. Eine Kaltfront ist vorbeigezogen und bei 10°C und Sprühregen haben sie heute morgen gezittert wie Espenlaub (musste an die Zurechtweisung einer Leserin auf FB denken die letztes Jahr - als ich einen Videoclip zitternder Kamele veröffentlichte - kommentierte, ich solle mich besser um meine Tiere kümmern!)


Leibesübungen | War zweimal Sonntags eine Runde unterwegs. Habe mir eine 3 m Fahnenstange mit Signalflagge besorgt. Sowas wird normalerweise bei Wüstenfahrten verwendet, damit bei einspurigen Dünenüberquerungen entgegenkommende Fahrer rechtzeitig vor Gegenverkehr gewarnt werden. Auch habe ich ein Plakat an der Seite meines Fahrzeugs angebracht, dass auf mein fundraising project für Brustkrebs hinweisen soll. Vielleicht stimme ich mit dem Outfit die nörgelnde Bauernschaft etwas milder?


Ausrüstung | Der Sattler hat Lailas Sattel zurückgebracht! Der Fachmann war höchstpersönlich vor Ort und wir haben gleich getestet, ob die Verbreiterung um 10 cm etwas gebracht hat. Ich bin zufrieden - nur passt der Sattel nicht mehr in die Aufbewahrungskiste 😒.


Desweiteren machte der Sattler einen neuen Schuh, falls Probleme mit der Sohle (wie regelmäßig im Winter bei Ali) oder Verletzungen beim Trekken auftreten. Er ist noch nicht optimal, muss noch nach oben verlängert werden: wir sind auf einem guten Weg.


Meine Packtaschen befinden sich zur Zeit bei einer Firma, die auf Bearbeitung von Segeltuch spezialisiert ist. Ich lasse zusätzliche Schlaufen anbringen. Die Taschen hängen zu tief, reiben seitlich am Körper der Kamele. Es wurde mir angeraten, die Haken an den Sätteln nach oben zu verlagern - ärgerliche Schweißarbeiten die ich vermeiden will. Durch die zusätzlichen Schlaufen erhoffe ich mir den selben Effekt und erspare mir das Schweißen.

Luftgewehr | Es liegt doch nicht an mir! Welche Erleichterung. Trotz vieler Versuch, drehen an diversen Rädchen und Hilfe durch Kundige: ich habe nie ins Ziel getroffen. Letzte Instanz war der Verkäufer und siehe da, das Teleskop war defekt und ich bekam ein neues installiert. Jetzt treffe ich zumindest die Scheibe - Tauben waren noch nicht im Visier.