Samstag, 2. November 2019

Oktoberfest (4/4)

Eigentlich hatten wir bis zum 24.10. gebucht, aber ein Blick auf die Wettervorhersage bewog mich zu einer Planänderung. Die Prognose lautete:

Mittwoch, den 23.10. 35°C
Donnerstag, den 24.10. 38°C!

Im Schatten! Wo wir uns bewegten war kein Schatten! Steinwüste, ja. Sanddünen, ja. Aber kein Schatten. Das macht kein Spaß. V.a. unter Berücksichtigung des ungewöhnlichen Tagesablaufs und Zeitmanagements.

Vormittags die Zeit vertrödeln und wenn es richtig schön reinknallt die Kamele beladen und zur Mittagshitze losmarschieren? Das kann man im Winter machen. Ginge es nach mir, würde ich gleich nach dem Frühstück satteln und losziehen, wenn es heiß wird ein Päuschen einlegen und am Spätnachmittag 'shepherden' gehen, sprich die Viecher unter Aufsicht fressen lassen.

Montag, der 21.10. war schon heiß genug. Nicht nur wegen der Temperaturen (29°C), sondern wegen einer außertourlichen Aktion. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der schnarrende Laut des Funkgerätes unterbrach abrupt die magische Ruhe der vor sich hinstampfenden Karawane. Uns war nicht wirklich nach Konversation zumute - die sandigen Dünen machten jeden Schritt beschwerlich. Die Kamele bewegten sich fast lautlos, nur ihrer Sättel quietschten ab und zu.

Also das Funkgerät machte sich geräuschvoll bemerkbar. Das Begleitfahrzeug mit seinem Anhänger sei  stecken geblieben, ließ der Fahrer, ein junger Backpacker vernehmen. 'Yeap, can happen', meinte die Leiterin. Sei ihr auch schon passiert. Sie wies ihn an, nichts zu unternehmen, um die Situation nicht zu verschlimmern.

Wir guckten wie die Uhus, als wir - endlich oben auf der Düne Nummer 2543 angekommen - plötzlich dem Auto gegenüber standen! WTF? Wie ist der Traumtänzer überhaupt bis hierher gekommen? Er hielt zwar eine Schaufel in der Hand, hatte aber noch keinen Finger gerührt.

Das wurde eine schweißtreibende langwierige Aktion. Der Gatte der Leiterin wurde herbeigefunkt, Auto und Anhänger komplett entladen, die Vehikel ausgebuddelt, samt Hänger umgedreht, und auf festem Untergrund wieder beladen. Es fiel nicht ein einziges böses Wort dabei! Hut ab vor soviel Selbstbeherrschung - ich wäre komplett ausgeflippt.



Dienstag (22.10.) war also unser letzter Wandertag. Selbe Routine wie die Tage vorher: Frühstück, 'shepherding', zum letzten Mal satteln


und losmarschieren. Mittlerweile haben sie es begriffen: wir müssen in einer Reihe hintereinander gehen. Sogar schwierige Situationen wie die Durchquerung eines dry creeks klappte wie am Schnürchen! Wörtlich genommen.

Als wir die Yards erreichten, wartete bereits ein Resteessen auf uns. Die jungen Leute waren schon ganz hibbelig und machten sich bald auf Richtung Beltana Station, wo ein Swimmingpool wartete! Eine Woche ohne Dusche kann ganz schön lang werden. Die Chefin und ihr Gatte blieben noch bei uns. Sie wollten uns am folgenden Morgen mit dem Verladen meiner Kamele helfen.

Wie sie wohl reagieren? Ob sie es checken, dass sie von ihren neuen Freunden getrennt werden? Werden sie sich weigern, den LKW zu betreten? Ich war gespannt und äußerst überrascht, wie problemlos die Aktion verlief. Im Nu waren sie oben, als sei es das normalste der Welt. Als wir losfuhrenholperten (15 km gravel road !) beschwerten sie sich mit ein wenig brüllen, aber ansonsten standen sie wie die Stiefel. Kein verheddern unterwegs und ... das erste Mal überhaupt ... keinen Durchfall! 

Es kommt mir vor, als hätte ich neue Kamele. Seit unserer Rückkehr habe ich sie noch nicht einmal raufen gesehen oder gehört. Zweimal führte ich sie im Gänsemarsch übers Grundstück - problemlos!
Mal sehen, wie lange das anhält.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem verehrten Gast für seine rührende Mithilfe und die Überlassung seiner tollen Bilder bedanken! 



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