Freitag, 1. November 2019

Oktoberfest (3/4)

In der Früh hatte ich einen melt down und heulte mich bei der Leiterin aus. Es war mir plötzlich alles zuviel und ich hatte das Gefühl, versagt zuhaben:

Es wurde mir abends mitgeteilt, dass die Nachtlager neben den festgebundenen Kamelen aufzuschlagen wären. Die Mitstreiter/Backpacker/Hilfskräfte trugen ihren swag in das Dickicht und rollten ihn mitten in der Herde aus. So konnten sie nächtens etwaigen Problemen sofort auf den Grund gehen - sei es, dass sich ein Kamel in den Leinen verheddert, sich unerlaubt davon machen will oder was auch immer. Mir war es nicht möglich, mich in die Nähe der Kamele zu begeben, da ich ein Zelt besitze, jede Menge Kochutensilien, meinen ganzen Krimskrams ... sich alles in den monströsen Satteltaschen befindet und die neben den Sätteln im Lager liegen. Eine Satteltasche (incl. 20 l Trinkwasser) wiegt 38 kg - unmöglich alles ins Gebüsch zu schleppen. Die Leiterin betonte, sie werde auf meine Kamele aufpassen, was mir furchtbar peinlich, aber nun mal nicht zu ändern war.

Dann hatte ich mich auch noch verschlafen! Es war schon 06.00, als ich begann mir Tee zu kochen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, alles wieder zusammen zu packen. Die Zeit verrann und ich hatte noch keinen Blick auf meine Viecher geworfen! Was bin ich nur für ein egoistisches A***!

(Die alte Frau und ihr Gedöns 🙈 - hier noch im Wilpena Pound)

Nach einer herzlichen und tröstlichen Umarmung der Leiterin ging es mir wieder besser. Sie versprach mir, dass am Abend die Sättel und Taschen dort abgeladen werden, wo die Tiere ihre Nacht verbringen, ich mein Zelt also neben ihnen aufgeschlagen kann. Außerdem stellte ich mir für den nächsten Morgen den Wecker auf 05.00 Uhr - genug Zeit und Muße meine Routine durchzuziehen und rechtzeitig fertig zu werden.

Die Kamele wurden essen geschickt, nach zwei Stunden eingefangen und beladen.


Ein letzter prüfender Blick der Chefin auf die Sättel - dann zog die Karawane gegen 11.00 Uhr  los. Ein kleiner Umweg führte zu einer Viehtränke, wo die Kamele einen guten Schluck zu sich nahmen.


Heute wurden (wie auch in den kommenden Tagen) ca. 9 km zurückgelegt. Mein Begleiter übernahm öfter meinen string, so hatte ich viel Muße mit der Leiterin zu quatschen. Die Zeit verging wie im Flug.
An einer Weggabelung fanden wir den Hinweis der Versorgungscrew, ein kaltes Bier Wasser wartet auf uns in der 'bar' 😎



Meine drei verhielten sich so 'lala'. Zeitweise fixierte ich Jamahls Halfterkette mit Laila's Sattel, damit er nicht all zusehr pushte. Immer wieder korrigierte die Chefin die Länge der Leinen, um seine drängelnden Bewegungen einzudämmen.

Im Lager angekommen, dasselbe Prozedere wie tags zuvor: abladen, lunch einnehmen, mit den gehobbelten Kamelen fressen gehen, sie an einen Busch binden, Abendessen, Lager aufschlagen, tot umfallen!

Am nächsten Tag änderte die Chefin meinen string: als Leitkuh fungierte nun Dinny, eine resolute Führungspersönlichkeit, die Laila in die Schranken zu weisen wusste! Der Blick von Dinny, wenn Laila zu nahe kam war Gold Wert! Ein leichtes Grollen oder Schnappen zu rechten Zeit und Laila war da, wo sie hin gehörte. Das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ihren Meister gefunden hat. Herrlich anzusehen.

Auch Jamahl wurde gemaßregelt: zwischen Laila und ihm wurde Tanami platziert, ein 1000 kg bullock, der sich nicht so einfach durch die Gegend schubsen ließ. Ali behielt ihren Kontrapart: Molli spielte ihre Rolle ausgezeichnet, kein Grund sie auszuwechseln. 'Meine' Karawane bestand nun aus:

Dinny - Laila - Tanami - Jamahl - Ali - Molly


Eine perfekte Kombination, die bis zum Ende der Reise beibehalten wurde. Der einzige Nachteil war, dass Dinny nicht jede Person als Führung akzeptierte, so lief  ich nur neben- oder hinterher. Aber egal, in erster Linie geht es um die Viecher. Sie sollen kapieren, dass man gesittet hintereinander geht und trekken nicht aus drängeln, schubsen und wettlaufen besteht.


Jamahl war ziemlich k.o. Die Leiterin hatte bemerkt, dass der Sattel nach hinten verrutscht war und auf seinen linken Hüfthöcker drückte. Er bewegte sich etwas steif, so dass er am nächsten Tag die schweren Taschen nicht tragen musste. Sie fanden einen Platz im Begleitfahrzeug. 

Nächster Morgen (mittlerweile 20.10.) Erneuter Besuch einer Viehtränke:



Der Tag verlief im gewohnten Rhythmus und schien ereignislos - bis es abends ans absatteln ging: Laila hatte an ihrer rechten Schulter eine offene Druckstelle - saddle sore -wie man hier sagt. Keinen Mucks hatte sie von sich gegeben! Tapfer hat sie ihre Last tragen - die arme Maus. Eigentlich wollte ich sie am nächsten Tag reiten - tja, war wohl nix. Die nächsten Satteltaschen wanderten ins Begleitfahrzeug! Der Sattel muss vor der nächsten Nutzung alteriert werden, da geht kein Weg dran vorbei.

Dafür nahm am folgenden Tag mein Gast auf einem Kamel - Tanami - Platz und besah sich die Welt aus einer anderen Perspektive.






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen