Dienstag, 27. August 2019

Vertrauen

"Trust based camel training" war das Motto von einem in der FB-Welt nicht sehr beliebten Paares, dass sich hauptberuflich mit dem Training von Kamelen bzw. ihren Besitzern beschäftigt. Sie sind eloquent in ihrer Ausdrucksweise und mögen theoretisch gute Ideen haben, praktisch sind sie Verlierer (habe einige Horrorgeschichten über ihre tatsächlichen Trainingsmethoden gehört). Wie auch immer, dieses "trust based" kommt in der Trainingswelt (auch bei Pferdeleuten) immer wieder hoch und dauernd frage ich mich, wer traut wem? Das Vieh soll mir vertrauen oder ich ihm?

Gestern Morgen beuge ich mich wie gewohnt herab, um Laila die Fußfesseln abzunehmen. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie sie sich zu mir herabbeugt und im selben Moment verspüre ich einen Schlag am Hinterkopf und ein brennendes rechtes Ohr. Hat mich das Rabenaas tatsächlich gebissen! Ich war so perplex, dass ich gar nicht reagierte, mir nur das Ohr abtastete, ob es blutet. Ich hatte mein Kopftuch umgebunden, was wohl schlimmeres verhindert hat, weh tat es trotzdem. Wenn Jamahl mich beißt zu beißen versucht, geht reflexartig meine Hand hoch und ich schmiere ihm eine. Ich weiß, ich sollte es nicht tun - Gewalt erzeugt Gegengewalt - aber ich kann diese Reaktion nicht unterdrücken. Bei Laila tat ich gar nichts, so unvermutet und schnell kam die Attacke. Ich stand nur da und ergab mich meines Schmerzes. Es war weniger der physische Schmerz - das Ohr war noch am Schädel, kein Blut, also wird es schon wieder gut werden - eher die Erkenntnis, das MEINE geliebte Laila mir so was antut. Es sind halt Viecher, und man sollte ihnen nicht trauen. Sie sollen mir vertrauen, spüren/wissen, dass ich immer das Beste für sie will.

Oder auch nicht, eigentlich sollen sie mir nur gehorchen und mich nicht verletzen. Mich nicht beißen, ausknocken oder überrennen.

Mein Motto "Trust in God but tie your camel" hat sich mal wieder bestätigt.

Sonntag, 25. August 2019

Wo sich eine Tür schließt...

Es gibt hier tatsächlich eine Rennbahn! 


Kürzlich standen dort einige Pferdeanhänger - ein ungewöhnlicher Anblick. Sonst sieht man vielleicht mal ein paar Schafe den Rasen mähen, das Eingangstor ist i.d.R. verschlossen.

Hm, dachte ich. Wenn man den Pferdebesitzern erlaubt dort zu trainieren, warum nicht auch Kamelbesitzern?

Erste Anlaufstelle war die 'heimliche' Chefin des Ortes, Dianne - die Herrin der Postfächer. Täglich zwischen 09.00 und 10.00 Uhr befindet sie sich bei der Verteilerstelle und wartet auf die Lieferung. 'Wen muss ich fragen, wenn ich das oval benutzen will?' Sie grinste mich an: 'Ich habe die Schlüssel!'

Eine 'gmahte Wiesen' für mich, wie man so schön auf österreichisch sagt. Wir verstehen uns gut, ich erzählte ihr von dem Polizeibesuch und erhielt von ihr die Generalvollmacht, das Gelände nach belieben aufsuchen zu können.


Nachdem es an den vergangenen zwei Sonntagen geregnet und gestürmt hatte, war heute der Tag des Erstbesuchs. Beinahe hätte ich wieder verschieben müssen, weil Ali seit Mittwoch hinkt. Das linke Vorderbein tut weh. Am Freitag verabreichte ich ihr Schmerzmittel und legte einen Verband an (die Sohle schaut wie ein Mondkrater aus), heute lief sie fast normal. Ein flotter Gang über die Wege würde die unebene Fußsohle etwas abschmirgeln - so mein Gedanke.

Für den kurzen Weg zum oval hängte ich die drei an den Anhäger im vollen Bewusstsein des zivilen Ungehorsams. Sollen sie mich doch verhaften. Nach einigen Runden kehrte ich heim, genug Aufregung für die Kamele. Sie waren noch nie dort und somit völlig aus dem Häuschen. Laila schubste und drängelte Ali (was zum Verlust eines Teiles vom Anhäger führte und ich später danach suchen musste) und biss Jamahl ständig in den Nacken. Nächstes Mal verpasse ich ihr einen Beißkorb.

Wenn sie den Weg und das Gelände genügend kennen, werde ich mit dem wagon Training anfangen. Dort ist genug Platz zum rangieren und ich muss nicht die öffentliche Straße benutzen. Mein Grundstück ist wegen der vielen Pflanzen sehr beengt.

Der Herr Molière hat schon Recht mit seinem o.a. Spruch: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere!

Sonntag, 18. August 2019

Enttäuscht auf allen Linien

Ok, ein etwas dramatischer Titel, aber:

  • Das Interview auf SBS hat Null Reaktionen hervorgebracht. Keine einzige Anfrage, Nachfrage, Kritik - gar nichts. Als wenn es niemals stattgefunden hätte. Mein Bestreben, als Sprachrohr für die sanften Riesen zu agieren, gestaltet sich schwieriger als erwartet. Das erinnert mich an die Eröffnung meiner Kleintierpraxis 1984. Am Montag eröffnet und trotz Werbung (im Rahmen des Möglichen, da Freiberuflern aktive Werbung untersagt war) konnte ich meinen ersten Patienten am Samstag (!) Nachmittag behandeln. Es dauert halt einfach, wichtig ist am Ball zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.
  • In Zusammenarbeit mit dem lokalen Cartoonisten habe ich ein süßes Logo - als humorvolle Anregung an die Damenwelt, sich unbedingt einer Mammographie zu unterziehen - entworfen.
    Sowohl Aufkleber fürs Auto ($ 3,-) als auch T-Shirts (ca. $ 20,-) können käuflich erworben werden. Der Überschuss geht an die Krebsforschung - kein einziger hat bis jetzt was gekauft. Auch hier muss ich wohl geduldig sein und weiter die Werbetrommel rühren.
  • Der Polizeibesuch nagt natürlich an mir. V.a. das Gefühl, Feinde in der näheren Umgebung zu haben. 'Feinde' ist vielleicht übertrieben, halt Leute, die mir nicht gut gesinnt sind. Hoffentlich werden sie ihren Unmut nicht eines Tages an meinen Viechern auslassen. Da kommen die Erinnerungen an den Verlust von Clare und Coober wieder hoch: wäre ich eine 'local', dann hätten die Farmer meine Hunde sicher nicht erschossen/oder 'put away', wie mir gesteckt wurde. Ich weiß ja bis heute nicht, wie sie ums Leben gekommen sind.
  • Am Freitag folgte ich einer Einladung in die örtliche Bücherei. Ein Autor stellte sein Buch vor und es wurde angekündigt "he will also talk about self-publishing and researching his book, which is sure to be of interest to inspiring writers". Der Inhalt seines Buches interessierte mich überhaupt nicht - irgendwas über die vergangenen Zeiten der Eisenbahn in Australien - aber der Part über das self-publishing. Vielleicht schreibe ich ja mal meine Memoiren? Ich bin extra eine Stunde zu spät aufgeschlagen, um mir die Eisenbahn-Geschichte zu ersparen und wartete gespannt auf den zweiten Teil ... der nicht kam. Ich sprach ihn im Anschluss an den Vortrag darauf an. Am besten ich benutze die google- Suchmaschine, war sein Vorschlag. Aha! Guter Tip, wäre ich nie drauf gekommen 😒.
  • Letzte Woche verbrachten die Kamele auf Grund des schlechten Wetters fünf Tage in der Arena. Und sie sind die einzigen, die mich nicht enttäuscht haben 😀: wie zu erwarten haben sie aus lauter Langeweile das Sieb vom zweiten Tank zerlegt. Hoffe nur, dass sie die Einzelteile nicht geschluckt haben. Es besteht aus Metall, ist also unverdaulich und kann im schlimmsten Fall einen Darmverschluss hervorrufen. Die alte Frau durfte sich wieder mit Reparaturarbeiten beschäftigen.

Donnerstag, 8. August 2019

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Fangen wir mit den schlechten Zeiten an.

Um 13.59 Uhr klingelte das Handy: der Herr police officer stand vor meinem Tor und fragte an, ob ich daheim sei. Hat er sich doch erneut die Mühe gemacht, unangemeldet bei mir aufzutauchen. Muss also ziemlich wichtig sein! Ich zeigte ihm meinen Anhänger (das Video, welches ich ihm gestern zukommen ließ wurde offensichtlich von seinem Diensthandy geblockt und nicht weitergeleitet) und er winkte gleich ab. Er hatte seinen Vorgesetzten kontaktiert und der meinte, es sei prinzipiell verboten irgendein Tier auf einer öffentlichen Straße zu führen! Noch nicht einmal ein Hund an der Leine! Alles gesetzwidrig. Na bum, schöne Aussichten. Ich fragte ihn, welche Strafe mich erwarten würde, wenn ich es trotzdem tue? Keine, antwortete er. Es gehe nur darum, dass der Tierbesitzer die volle Haftung übernimmt, wenn etwas passiert. Es ging noch eine Weile hin und her, dann erzählte er mir, er und seine Kids hätte während des letzten Urlaus in Dubai ein Kamel geritten, was allen Spaß gemacht hatte, dann verließ er mich mit dem Spruch, es liegt an mir, wie ich künftig verfahre ???

Ja, wie soll ich weiter machen? Zum einen, werde ich mich nicht einschüchtern lassen und die Straße mit meinen Tiere nutzen. Vielleicht nicht mehr so regelmäßig und eher in der anderen Richtung. Zum anderen, werde ich mich vermehrt auf das aufwendige Training mit dem gypsy wagon konzentrieren. Und in der Ausbildung zum Reittier. Denn, man höre und staune: auf der Straße zu reiten, oder mit einem Zuggespann unterwegs zu sein ist erlaubt! Verrückt.

Doch nun zu den guten Zeiten.

Ich wurde von SBS interviewed! Der Titel ist völlig irreführend, aber immerhin. Ein Schritt in die richtige Richtung. Die Dame, mit der ich plauderte, interessierte sich für mein künftiges CIC (Camel Information Center) Projekt, die Redaktion kreierte einen click-bait-titel. Wie auch immer, bin mal gespannt, ob und welche Reaktionen mich erwarten.

Dienstag, 6. August 2019

Wie sagte schon Herr Friedrich von Schiller?

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!"

Gestern versuchte ich noch einmal erfolglos mein Glück beim Schießen. Ich hatte noch Styroporplatten vom neuen Kühlschrank übrig, die ich hinter die Zielscheibe positionierte - ein Fläche so groß wie ein LKW. Trotzdem traf nicht ein einziges Geschoss irgendwo. Ich war absolut ratlos, ob ich zu hoch, zu niedrig, zu weit links oder rechts zielte. Ich gab auf.

Ich brauchte Expertenmeinung, so fuhr ich nach Adelaide auf einem jedermann zugänglichen Schießplatz. Soll $ 50,- kosten stand auf ihrer Webseite, das war es mir Wert. Ich erklärte den netten Herren, dass ich ein Problem hätte, oder möglicherweise selber das Problem wäre. Sie lachten, waren sehr nett und einer erklärte sich bereit mir umgehend zu helfen. Tatsächlich war das Zielfernrohr völlig falsch (bzw. gar nicht eingestellt) und ich schaffte nach Korrektur drei Schüsse, die der Mitte der Scheibe recht nahe kam. Ich brauchte nur $ 5,- bezahlen und fuhr erleichtert heim.

Eigentlich wollte ich noch einkaufen gehen, da erreichte mich eine sms der Nachbarin: die Polizei war auf meinem Grundstück, ob alles in Ordnung sei oder ich Hilfe bräuchte?

Oh je. Was war jetzt los? Die Ruhe war vorbei und ich fuhr schnellstens nach Hause. Ich rief in der Dienststelle an, was ich wohl verbrochen hätte? Nun, es habe Beschwerden über mich gegeben! Das ich mit den Kamelen eine Verkehrsbehinderung darstellen würde! Wtf. Ich war außer mir. Mein Auto und der Anhänger sind ordnungsgemäß registriert, die Kamele hinten angebunden und nicht freilaufend, es ist genug Platz, um an mir vorbei zu fahren oder mich zu überholen. Fünf Jahre hat es keinen gestört und jetzt muss mir irgendein Trottel das Leben schwer machen? Am Sonntag wurde ich von einigen Autos überholt, die meisten fuhren langsam, manche Beifahrer schossen Fotos, viele grüßten ... bis auf ein Wagen! Der raste volle Pulle an uns vorbei, wirbelte ordentlich Dreck auf und hupte anhaltend als er auf unserer Höhe war. Ich zwang mich zur Ruhe, schließlich bedeutete die Situation ein Test für die Kamele, die sie mit stoischer Gelassenheit bewältigten.

Der Polizist war recht nett, er will sich kundig machen, wie die Rechtslage beschaffen ist. Angeblich ist der Hänger samt Kamelen zu breit. Wie auch immer, ich muss jetzt abwarten. Später fand ich noch die Handynummer von dem Beamten (vom Unfall mit dem Backpacker) - an die habe ich ein kurzes Video unseres set-ups geschickt.

TBC

Sonntag, 4. August 2019

Alles, außer Kamele

Juli und August sind für mich die schlimmsten Monate. Auch wenn es nicht regnet, ist es trotzdem kalt und ungemütlich. Der Wind aus der Antarktis und tief hängende Wolken lassen einen Aufenthalt draußen zu einer Strafexpedition mutieren. Kameltraining fällt flach.

Den Kamelen wäre das Wetter egal (wenn es nicht gerade schüttet). Sie haben ein molliges dichtes Fell und genug Grünzeug zum fressen. Manchmal kommen sie noch nicht einmal zum Zaun, um ihr Frühstück in Empfang zu nehmen. Sie schauen nur blöd: "Was will die Alte von uns? Wir brauchen nix!" scheinen sie zu sagen.

So konzentriere ich mich auf andere Dinge. Letzten Montag tuckerte ich mit dem LKW in die Stadt, um diverse Möbel abzuholen. Spülmaschine, Herd, Dunstabzugshaube sowie Spülbecken lieferte ich beim Küchenhersteller ab: so können sie die Schränke um die Geräte herum bauen. Ein neuer Kühlschrank für mich, der alte (größere) kommt in den Neubau. Auch zwei Betten, Matratzen und Nachtkästchen waren endlich abholbereit.

Dienstag transportierte ich mein Moped zum längst fälligen ersten Service. Kaum wieder zurück, erreichte mich die Nachricht, dass ich das Luftgewehr abholen kann. Das tat ich am nächsten Tag, inklusive der Registrierung bei der Polizei.

Am Freitag war es einigermaßen windstill und so versuchte ich einige Schüsse auf eine Zielscheibe.
Ach du meine Güte! Von 10 Schüssen gelangte 1 (einer!) in die Nähe der Scheibe.



So treffe ich keine Taube. Anscheinend muss ich erst das Zielfernrohr ausrichten, bevor ich ordentlich schießen kann.

Heute, Sonntag, habe ich mich doch überwunden die Viecher zu bewegen. Sie an den Hänger angebunden und 15 km gefahren. Seit langem mal wieder an den 'locus conflictus' vorbei, wo im März der Unfall passierte. Dort kam uns ein offensichtlich vom Freiheitsdrang getriebener rebellierender Mob Wollträger entgegen. Habe das Foto auf FB gepostet und kurze Zeit später stand "All sorted" darunter.