Dienstag, 4. Juni 2019

Vorbereitungen (2)

22.05.2019 | Obwohl es einige Umbuchungen gegeben hatte, kam der Trainer (wenn auch ohne sein Gepäck) eine Stunde früher in Adelaide an. Vor die Wahl gestellt gleich in die Unterkunft zu fahren und sich auszuruhen, oder besser wach zu bleiben, um den Jetlag schneller zu übertauchen, entschied er sich für letztere Variante. So zeigte ich ihm Glenelg, einen hübschen am Meer gelegenen Stadtteil, genossen eine saftige Pizza und aßen das beste Eis, was Adelaide zu bieten hat.

23.05.2019 | Erste Begegnung des Trainers mit meinen Kamelen. Sie gestaltete sich so, wie in einem kurzen Video auf seiner FB Seite zu sehen ist: den Tieren ausreichend Zeit geben, das Gesicht zu beriechen und dann sanft in die Nüstern blasen. Angeblich können sie so Stimmungen (Angst, Aggression o.ä.) lesen.
Nach ihrem obligaten Frühstück startete das erste Training. Ich bin nach wie vor unfähig sie gesittet einen Abhang hinunter zu führen, also nix wie auf zum Grundstück des Nachbarn. Ich legte ihnen das Brustgeschirr an, fixierte sie hinten am Anhänger. Eine kurze Fahrt und wir erreichten das Tor, wo ich die Kamele in Formation brachte. Das erste Stück geht gerade, dann sanft bergauf bevor es das erste Mal bergab geht. Wir hielten auf der Kuppe und der Trainer zeigt mir, wie ich in Babyschritten rückwärts gehen sollte. Ein Schrittchen nach dem anderen. Laila war mit ihrer Kette am Halfter relativ leicht zu manipulieren, aber Jamahl drängte wie gewohnt vor. Ich wirbelte die Führleine im Kreis und jedesmal, wenn Jamahl ansetzte zu schubsen, kriegte er eine auf die Nase. Nicht fest, gerade so, dass es unangenehm war. Es dauerte eine Ewigkeit bis wir die Strecke zurückgelegt hatten, aber ich war die ganze Zeit über in Kontrolle. Sogar den dry creek überwanden wir, ohne dass eine wilde Jagd losging.
Im Anschluss an das Training versorgte ich den Gast noch mit einem Mittagessen (Krautfleckerln😉). Er war dann doch müde - etwas später kehrte er in seine Unterkunft zurück.

24.05.2019 |  An diesem Tag wollte ich die Kamele in unbekanntes Gebiet führen. So lud ich sie in den LKW - was erstaunlich gut klappte. Die Rampe seitlich begrenzt vom Zaun auf der einen und meinem Auto auf der anderen Seite. Jamahl hatte nicht viel Möglichkeiten auszuweichen und war bald oben. Laila ging gleich beim ersten Anlauf, war etwas zu flott und rutschte aus (ohne sich zu verletzen). Ali spielte wieder Rammbock, wurde aber mit einem Klaps auf den dicken Hintern davon überzeugt, besser doch hoch zu steigen.
Eine kurze Fahrt und ich entlud die Tiere an einer Stelle, die ihnen unbekannt war.


Es folgte ein Spaziergang auf einer schmalen Landstraße. Sie waren nervös und bald begann Jamahl zu drängeln. Wir blieben stehen und beratschlagten, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Endergebnis war, dass von nun ab die Kette von Jamahls Halfter mit einem Karabiner am hinteren Teil von Lailas Brustgeschirr befestigt wird. Sobald der Bursche versucht Extratouren zu gehen, wird er durch die Kette daran gehindert. Er hat schnell gelernt und ist jetzt wesentlich führiger.



25.05.2019 | Schlechtes Wetter war angesagt. Aber wofür habe ich eine Überdachung? Der Trainer machte vor, wie man drei Kamele in einem Schwung von der Koppel in die Arena führt. Ohne, dass sich Laila in die Büsche wirft oder Jamahl vorwärts stürmt, ohne dass drei Zwischenstation eingelegt werden müssen oder eine halbe Stunde vergeht, bis endlich alle drin sind. Beeindruckend.
Ich schleppte die Sättel an und bekam endlich gezeigt, wie sie ordentlich befestigt werden. Bisher habe ich die Gurte immer zu locker befestigt. Sie sollen so eng anliegen, dass - wenn man am Sattel hin und her ruckelt - sich das ganze Kamel bewegt (und nicht der Sattel). Man kann, wenn man nur mit eigener Muskelkraft die Gurte anzurrt (und nicht mit Hilfe einer Ratsche), einen Kamelbrustkorb nicht abschnüren oder verletzen, erklärte mir der Trainer. Außerdem sollte das Gestell so ausgerichtet werden, dass die Stangen vom Sattel parallel zum Boden liegen, nicht irgendwie schief zum Himmel ragen.


Dann noch die Packtaschen mit jeweils 20 kg Gewicht angehängt und ein paar Runden in der Arena marschiert. Die spiegelnden Fenster und wuchtigen Wassertanks lösten einige unkontrollierte Hüpfer aus, aber nach der x-ten Schleife klappte auch das. Ich war schon wieder am Ende meiner Leistungsfähigkeit angelangt.


Bevor wir das Training beendeten kam der Trainer auf meinen Wunsch zurück, einmal auf Laila reiten zu können. Wir ließen sie sich ablegen und machten ein paar Trockenübungen auf ihr. Dann war der Moment gekommen, an dem ich fest im Sattel saß und der Trainer Laila aufstehen ließ. 


Ein erhebendes Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes ☺

26.05.2019 | Letzter Tag der Vorbereitungen. Höchste Zeit, sich auf die Packerei zu konzentrieren. Den ganzen Tag verbrachten wir in der Scheune und sortierten ein und aus. Einiges, was ich vorbereitet hatte befand der Trainer als nicht erforderlich, wie z. B. ein großer Spaten, abgesägte Äste (die man vergraben und zum fixieren der Kamele verwenden kann) oder der Elektrozaun samt Batterie. Vier Kisten wurden befüllt: # 1 Gasöfchen und -kocher, Kartuschen # 2 Küchenutensilien und Verpflegung, # 3 Kleidung und Hygieneartikel, # 4 Ersatzleinen, -halfter,-karabiner, Werkzeug u.ä.. Jede Kiste wurde gewogen, anschließend ein paar Gegenstände umgetopft, so dass jeweils zwei Kisten das gleiche Gewicht hatten (sie wogen zwischen 10 und 12 kg). Zu unterst von Jamahls Packtaschen wurden je ein Kanister Trinkwasser à 20 l gelegt, darauf jeweils eine Kiste, während Laila nur Kisten tragen musste. Zelt, Matratze und Schlafsack wurden ebenfalls gewogen und auf die Packtaschen aufgeteilt. Die Zeit flog davon und nach einem späten Mittagessen - untermalt mit einigen Trainingsvideos von anderen Kamelexperten -verabschiedete sich der Trainer bis zum nächsten Morgen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen