Freitag, 7. Juni 2019

Over and out

29.05.2019 ∣ Insgesamt gut geschlafen, nur ein-, zweimal kurz aufgewacht und das Gasöfchen angeschmissen. Der alten Frau war es einfach zu kalt.
Morgenroutine wie gehabt, anschließend jedem Kamel Wasser angeboten. Diesmal tranken sie eine ordentliche Menge. Übermütig ließ ich Ali und Laila frei - allerdings mit Fußfesseln versehen - laufen. Sie knusperten etwas von den meist vertrockneten Büschen. Jamahl blieb sicherheitshalber angebunden - er war mein Pfand, ohne ihn würden die girls sich nicht davon machen.
Nun alles wieder verpacken. Alle Kisten in die entsprechenden Packtaschen verstauen, die Trinkwasserbehälter mit dem mitgebrachten Schlauch auf gleichen Inhalt austarieren. Insgesamt hatte ich 3 l verbraucht, jedem Wassertank also 1,5 l entnommen. Zelt abbauen, Matratze und Schlafsack zusammenrollen und in ihre Hüllen zwängen.
Der Trainer erschien zum vereinbarten Zeitpunkt und war erleichtert, uns wohlbehalten vorzufinden. Wir waren im Begriff die Mädels einzufangen, als plötzlich ein Auto auf unser Camp zufuhr. Es war ziemlich flott und fuhr bewusst dicht an die Kamele an, die nervös zu tänzeln begannen. Was uns denn einfiele? Herrschte uns der Fahrer an. Wie wir denn auf die Idee kämen uns hier aufzuhalten? Wir wandern auf dem Oodnadatta Trek, war unsere Antwort. Das ist doch eine öffentliche Straße! Blödsinn, erwiderte er, das ist Privatbesitz. Wir haben kein Recht hier zu marschieren. Und überhaupt, habt ihr ein Gesundheitszeugnis für eure Kamele? Wieso? fragte ich. Ich bin aus Südaustralien, wir kommen doch nicht aus einem anderen Staat. Das brachte ihn so richtig in Rage. Wir machen seine Rinder krank, wir brauchen ein health certificate, wir sollen uns davon machen. Der Trainer und ich standen dort wie die begossenen Pudel. Hinter dem dog fence sei aboriginal land, da kräht kein Hahn danach, da könnt ihr machen, was ihr wollt. Wo der dog fence sei, wollte ich wissen. 50 miles entfernt, hieß es. Mir fiel die Kinnlade runter. So weit kann ich an einem Tag  nicht gehen. Meine in den letzten Tagen zum zerreißen gespannten Nerven waren nun durch. Ein letzter Versuch, dem Farmer finanzielle Entschädigung anzubieten schlug ebenso fehl, wie die mehrfach vorgebrachte Entschuldigung - wir sollen einfach nur verschwinden, und dass so schnell wie möglich. Damit preschte er davon.
Was nun? Weitergehen und uns offensichtlich weiterhin in dem Einzugsbereich des Landbesitzers zu befinden? Die Kamele verladen und ein Stück mit dem LKW fahren? Ich war 'done and dusted'! Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte. Ich wollte nur noch Heim. Schweigsam sattelten wir die Kamele, zwischendurch bekam ich einen Heulkrampf. Als ich soweit fertig war, trat der Trainer auf mich zu und sprach ernsthaft auf mich ein: "What your camels need now is a confident leader". Das war's dann endgültig. Ich bin absolut kein 'confident leader', schon gar nicht hier und heute. Genau die falschen Worte, mich in irgendeiner Weise zu motivieren. Hätte er nix gesagt, wäre ich schon unterwegs gewesen. Hätte er einen lockeren Spruch über den Farmer oder uns gemacht - hätte ich lachen und weiter gehen können. Hätte er - was jeder Einheimische mit etwas Selbstbewußtsein gemacht hätte - den Farmer nicht Ernst genommen und wäre einfach weitergegangen, ich hätte mitgemacht. Er hätte sagen können: "get over it princess"... aber mir zu sagen, meine Tiere brauchen jetzt einen 'confident leader', hat zu einem völligen shut down geführt. Ich drückte dem Trainer die Leinen in die Hand, teilte ihm mit, dass ich alles bin, aber auf keinen Fall dass, was von mir erwartet wird, bin in das Auto gestiegen und nach Marree zurück gefahren.

Das war wohl der kürzeste Trek, der jemals gelaufen wurde. Andere rühmen sich mit tausenden von Kilometern, ich schaffte genau 11! ELF KILOMETER OODNADATTA TREK! Guinness reif  👀

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