Samstag, 29. Juni 2019

Letzte Woche im Juni

Nass bis auf die Haut wurde ich heute morgen.



Gestern noch 21°C, aber eine Schlechtwetterfront war im Anmarsch. Sie erreichte uns später als vorhergesagt, der eiskalte Sprühregen setzte genau zum Frühstück ein. Einerseits hatte ich absolut keine Lust hinaus zu gehen, andererseits: wofür habe ich die Arena bauen lassen? Also, einpacken wie ein Eskimo und hinaus in die wilde Natur.

Die Kamele lagen mitten im Strohballen, ihre Hintern der Front zugewandt.

'Was ist? Wollt ihr unter Dach und Fach, oder draußen bleiben?'

Sie schauten mich groß an - ich wollte schon ins Haus, als Ali aufstand und mir nachschlurfte. Ok, also gehen wir es an. Halfter geholt, Ali Richtung Arena zu einem Zaunpfosten geführt und angebunden. Laila hatte noch ihre Fußfesseln an - auch recht, kann sie nicht herumhopsen. Jamahl machte sich aus dem Staub und fing an zu brüllen. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er bei Laila bleiben oder besser Ali folgen soll. Irgendwann konnte ich ihn erwischen, verband ihn mit Laila und wollte beide zur Arena führen. Zuerst noch ein intensiver Kampf mit Madam, die sich ums verrecken nicht das Halfter anlegen lassen wollte. Meine Hände waren steif gefroren, die Handschuhe völlig durchnässt. Jetzt wollte ich es wissen. Der Regen prasselte, der Wind pfiff, die Kamele kämpften - nach einer gefühlten Ewigkeit waren sie aber dort, wo ich sie haben wollte.

So anstrengend es war, so befriedigend war es, das Ziel erreicht zu haben. Ich glaube, darum geht es auch beim trekken. Es heißt zwar "Der Weg ist das Ziel", aber das ist nicht immer der Fall. Mit den Kamelen unterwegs sein ist anstrengend, das Leben draußen im Dreck, in der Kälte ohne Annehmlichkeiten der Zivilisation ist alles andere als fun. Aber die Reise durchzuziehen, anzukommen: das schafft Satisfaktion.

Das Wetter am vergangenen Sonntag 'ticked all boxes'. Es war windstill, die Temperatur mild, der Himmel blau. Ich organisierte mir Hilfe und spannte die Kamele in den Gypsy-Wagen. Da das letzte Training sehr unangenehm geendet hatte (Laila reagierte panisch, schlug mit den Metallbügeln um sich und verursachte mit ihrem dicken Hintern eine Delle in meiner Autotür), waren meine Nerven angespannt. Um so schöner, dass alles wie am Schnürchen klappte. Ein paar Kilometer die Straße hinauf und wieder zurück, anschließend das Auto vom Gypsy-Wagen entkoppelt und die Kamele dazu gebracht, das letzte Stück zu ihrer Weide das Gefährt aktiv zu ziehen. Babysteps, wie der amerikanische Trainer ständig wiederholt hatte. In aller Ruhe die Tiere von dem Zuggeschirr befreit und sie auf ihre Koppel entlassen.


Am Donnerstag (26.06.) machte der australische Trainer, bei dem ich vor drei Jahren mit Laila und Ali war, bei mir Zwischenstation.



Er und seine Nichte touren 200 km mit vier Kamelen und einem wagon von Alice Springs nach Finke und wieder zurück. Als ich ihm meinen wagon zeigte meinte er, dass der Schaft, an dem die Kamele befestigt werden, zu schwer sein. Sie müssen es mit ihrem Hals anheben, was auf Dauer sehr unangenehm wird. Jetzt muss ich was konstruieren - eine Feder/Kette/Seil oder dergleichen - um das Gewicht abzufedern. Hm, mal sehen wie ich das umsetze.

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