Freitag, 7. Juni 2019

Der erste Tag

28.05.2019 | Ich hatte nicht gut geschlafen. Zum einen vollgepumpt mit Adrenalin ob der bevorstehenden Ereignisse, zum anderen bin ich es nicht gewohnt, abends zu essen. Das frittierte Zeug lag mir wie ein Stein im Magen ... selber Schuld.
Mit klammen Fingern bereitete ich mir auf dem Gaskocher einen Tee zu, aß eine Scheibe Brot mit Käse sowie ein hart gekochtes Ei. Anschließend Zähneputzen, Katzenwäsche und alles Gedöns wieder wegräumen.
Nachdem ich die Kamele mit etwas Heu versorgt hatte, begannen die eigentlich Vorbereitungen für die Beladung der Tiere. Alle Packtaschen, Decken, Sättel, Fußfesseln, und sonstiges Zeug mehr oder weniger ordentlich draußen schlichten, dann die Kamele mit Halfter und Leinen versehen, aus dem Yard holen und nebeneinander an Pfosten binden.
Mittlerweile war der Trainer eingetroffen und half mir bei den Entscheidungen wer was zu schleppen hat. Noch einmal wog ich den Inhalt der Packtaschen mit einer Federwaage, um die gleichmäßige Verteilung der Lasten zu garantieren. [Jamahl: rechts 20 l Wasser, # 4 Ersatzteile, Schlaftsack, Stuhl; links 20 l Wasser, # 1 Gasöfchen, -kocher, Zelt, Kopfkissen Laila: rechts # 2 Küchenutensilien, Verpflegung; links # 3 Kleidung, Hygieneartikel, Matraze, Tischchen]. Gute zwei Stunden später waren wir endlich abmarschbereit!
Laila mit Reitsattel, zwei Packtaschen und dem Gewehr obenauf, Jamahl mit Packsattel, zwei Taschen, Ali mit Brustgeschirr und einer hinten angebundenen orangefarbenen Sicherheitsweste und ich mit einem Rucksack, der neben Wasser und Nüssen alles mir Wertvolle enthielt. 
Ich war jetzt schon platt - wegen mir hätten wir Schluss machen können. Alles wieder abladen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Leider keine Option, so marschierte ich tapfer los. Laila war viel zu schnell. Wir mussten einige Tore durchqueren, was besonderer Aufmerksamkeit bedurfte, um zu verhindern, dass die Packtaschen irgendwo hängen bleiben. Zuerst ging alles gut, dann passierten wir eine Kabine, die bei Veranstaltungen für den Verkauf der Eintrittskarten verwendet wird. Jamahl flippte aus. Er zog mit einem Satz rückwärts, zerriss sein Halfter und verbog den Karabiner, der ihn mit Laila verband. SUPER START! Was nun? Tief in den Packtaschen befand sich das Ersatzhalfter - keine Option für den Augenblick. Wir entschlossen uns, das Halfter und die Kette von Ali für Jamahl zu verwenden und aus Ali's neck rope ein provisorisches Halfter zu basteln. Ich war nervlich am Ende, dabei hatten wir noch gar nicht angefangen.
Irgendwann erreichten wir die Straße, aber nur kurze Zeit später befanden wir uns vor dem ersten Hindernis - ein cattle grid. Da gehen die Kamele nicht rüber, also muss ein Weg daran vorbei gefunden werden. Der Trainer ging vor und fand eine Stelle, wo der anschließende Zaun niedergetrampelt war. Vorsichtig lotsten wir die Tiere über den Stacheldraht.
Der Verkehr hielt sich in Grenzen, vermutlich wegen der bereits erreichten Mittagszeit. Kam doch einmal ein Fahrzeug war ich angewiesen, mit den Kamelen die Straße zu verlassen und sie so auszurichten, dass sie die 'Bedrohung' sehen können. Der Trainer war redlich bemüht, die Autofahrer mit entsprechenden Armbewegungen zum langsam fahren zu veranlassen. 99,9 % folgten den Instruktionen, der eine Idiot, der mit Vollgas vorbeirauschen musste, wurde glücklicherweise von den Tieren toleriert. Einige Touristen stoppten und schossen Fotos (einmal ! wurden wir sogar gefragt, ob uns das den recht sei), was fast genauso unangenehm war wie der eine Raser - es machte die Kamele nervös.
Wie befürchtet, war das Gelände unmittelbar links und rechts von der Straße übersät mit zerbrochenen Glasflaschen und anderem scharfkantigen Unrat. So kehrte ich immer wieder auf die gravel road zurück. Zickzack laufen, schauen ob Fahrzeuge kommen, Hindernissen ausweichen, Laila kurz halten ('she hasn't earned freedom yet' war der ständige Spruch des Trainers) und dann noch heftiger Gegenwind. Zu allem Überfluss hatte ich einen Stein im Schuh, genau am oberen Rand hinter der Achillesferse. Ich traute mich nicht anzuhalten um den Schuh auszuziehen, so rieb sich der Fremdkörper immer tiefer ins Fleisch. Die ganze Zeit fragte ich mich, wo denn der 'fun' bleibt? Was soll denn bei dieser Schinderei noch Spaß machen? Warum tue ich mir das an?
Je weiter wir kamen, desto mehr Sorgen machte ich mir um den Trainer. Der muss ja den ganzen Weg wieder zurück! Ich erklärte, dass er mich getrost alleine lassen kann, er solle doch besser gehen und das Auto mit etwas Heu und Wasser für die Kamele holen. Er entschied sich, es per Anhalter zu versuchen. Die ersten drei Autos die er anhielt konnten ihn nicht mitnehmen, da sie vollbepackt und besetzt waren, schließlich hielt ein Arbeiter mit einem ute, der nahm ihn dann mit.
Nun war ich auf mich allein gestellt, ich riss mich zusammen und marschierte konzentriert weiter. Gleichzeitig hielt ich Ausschau nach einem Rastplatz. In der Ferne konnte ich eine Reihe von Büschen und Bäumen ausmachen, bis dahin und keinen Schritt weiter!
Als ich den dry creek erreichte, band ich Laila an einen Baumstumpf und gönnte mir eine Pause. Trank von meinem Wässerchen und aß von meinen Nüsschen ☺. Doch da tauchte schon der Trainer auf. Ich erklärte ihm, dass ich fertig sei: physisch und psychisch und ich keinen Schritt mehr laufen würde. Es war erst gegen 15.00 Uhr, aber das war mir egal. So half er mir, für jedes Kamel einen Baum/Busch zu finden, an dem es angebunden wurde, zusätzlich legte ich jedem hobbles an. Ich fand das zwar etwas übertrieben, aber der Trainer wollte sicher gehen. Dann verteilten wir etwas vom mitgebrachten Heu und offerierten Wasser - aber nur Ali war wirklich durstig.
Der Trainer verließ mich und ich baute mein Zelt auf. Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Gestänge klar kam, die selbst-aufblasbare Matratze und den Schlafsack aus ihrer Umhüllung gefriemelt und jede einzelne Kiste aus den Packtaschen geholt hatte! In jeder war etwas, was ich benötigte. Bis ich alles arrangiert hatte war es bereits dunkel. Mein Tomatensüppchen schmeckte dafür besonders lecker. Gegen 19.00 Uhr fiel ich halbtot in die Koje.




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