Sonntag, 9. Juni 2019

Aftermath

Zurück in Marree begab ich mich zu Roadhouse. Ein Tässchen Milchkaffee sollten meine Nerven beruhigen, taten es aber nicht. Immer wieder kam es in mir hoch, dass konnte doch alles nicht wahr sein? Schließlich trat ich an den Inhaber heran und fragte, ob er von hier sei. Als er bejahte, erzählte ich ihm mein Leid. Er schüttelte den Kopf. Das gibt es doch nicht, sagte er. Das ist ja 'harassment'. Am besten, ich gehe rüber zur Polizei. Dort sei Kate, eine sehr nette Polizistin, mit ihr sollte ich das besprechen. Gesagt, getan. Ich lief zur Wache und fragte unschuldig, welche Bedingungen ich erfüllen muss, um mit drei Kamelen den Oodnadatta Trek zu marschieren. Und ob ich ein health certificate für die Tiere brauche? Und wo der dog fence sei? Es stellte sich heraus, dass alles von dem Farmer erstunken und erlogen war. Es ist und bleibt eine öffentliche Straße mit einem breiten Gürtel, der von jedermann benutzt werden kann. Gesundheitszeugnis innerstaatlich ist keinesfalls erforderlich und der dog fence ist nur weitere 15 km entfernt - wäre ein leichtes gewesen, ihn innerhalb eines Tages zu erreichen. Wer mir denn da den Bären aufgebunden hätte? Nun, der Typ hatte sich nicht vorgestellt, aber nach meiner Beschreibung, wurde er als 'Georg' identifiziert. Als Querulant bekannt und wenn er noch einmal Schwierigkeiten macht, soll ich mich auf die Polizei berufen!
Was für eine Erleichterung. Im Laufe des Tages klagte ich noch mehreren Leuten mein Leid, so sorgte ich für ordentlich Gesprächsstoff in dem 70-Seelen-Ort. Alle waren auf meiner Seite und bedauerten das Erlebte.
Ich machte mich auf dem Weg, um dem Trainer entgegen zu gehen, aber noch vor erreichen des Ortsausganges konnte ich ihn schon sehen. Er war recht flott unterwegs, nur knapp zwei Stunden für die 11 km (er hatte auch Rückenwind 😜).

Trotz der Rückendeckung von der Polizei und Bevölkerung wollte ich nicht mehr. Wir blieben an dem Tag noch vor Ort, bereiteten aber alles für die Rückfahrt vor. Ich hatte noch Optionen, einen Aufenthalt in den Flinders einzulegen - verschob die Entscheidung aber auf später.

Am nächsten Tag erhielt ich eine sms, dass der cameleer, der direkt auf unserem Weg nach Hause wohnt, von einem Aufenthalt zurück sei. Er hatte vorher Interesse bekundet, den Amerikaner kennenzulernen. Das traf sich gut, so verabredeten wir eine Zusammenkunft auf seiner Farm. Am späten Nachmittag erreichten wir das Ziel, wo der cameleer voll in Aktion war. Er trainierte einen wunderschönen riesigen Bullen, frisch aus der Wildnis. Der sollte sich niederlegen, leistete aber erfolgreich Widerstand. Der cameleer zeigte dem Trainer noch dies und das, und bevor wir uns versahen, dämmerte es bereits. Ich wollte wieder in meinem LKW übernachten, dachte zuerst daran, dem Trainer mein Camping-equipment zu Verfügung zu stellen, fragte dann den cameleer, ob der Wohnort über ein Hotel verfüge. Klar doch, aber der Amerikaner könne gerne bei ihm im Wohnhaus übernachten. Mir war das nicht Recht. Schließlich gibt es noch die Ehegattin, die ja mit dieser Entscheidung überrumpelt wird. Die Männer waren sich allerdings einig und schon stand ich alleine auf der abgelegenen unbewohnten Farm.

Am nächsten Morgen wurde mir erst bewusst, was am Vortag passiert war. Die zwei haben mich einfach sitzen lassen. Nicht ein einziges mal kam zur Sprache, ob ich die (mir bekannte) Gattin treffen möchte, oder am Abendessen teilhaben will - man hätte mich ja wieder zurück fahren können. Die haben sich einen gemütlichen Abend gemacht, viel Interessantes ausgetauscht und mich wie einen räudigen Hund außen vor gelassen. Eigentlich wollten wir zwei oder drei Tage mit dem cameleer verbringen, auch ein kurzes Trekken auf seinem riesigen Grundstück war angedacht gewesen, aber jetzt war ich sauer.

Nach dem obligatorischen Frühstück entschied ich mich endgültig dazu, Heim zu fahren. Die Kamele hatten die Nacht in einem engen Pferch verbracht und auf Anraten des cameleers nichts zum Fressen erhalten. Es sei besser, sie für einen anstehenden Transport auszunüchtern, meinte er. Jetzt waren sie besonders hungrig und ich nutzte diesen Umstand, um sie ohne Hilfe und seitliche Begrenzung der Rampe aufzuladen! Den Korb mit frischem Heu vor der Nase und Ruck-Zuck waren sie oben. Der Trainer hatte noch nicht einmal nachgefragt, wann wir uns denn wieder treffen sollen? Er hatte immer betont, mein Wohlergehen und meine Wünsche hätten oberste Priorität - aber sagen und handeln sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Ich verließ das Grundstück um 08.00 Uhr und schrieb eine Nachricht, dass er gerne noch beim cameleer bleiben kann (was er aber nicht tat), ich bin jedenfalls auf dem Weg heim.

Unterwegs holte ich noch die Hunde aus der Tierpension - glücklicherweise haben beide den Aufenthalt ohne Probleme überstanden.

Am Samstag, den 01. Juni zog der Trainer - fünf Tage früher als vorher vereinbart - weiter. Ich war mental nicht in der Lage, eine neue Trainingseinheit anzuschließen, brauchte Abstand und Ruhe. Ich weiß, ihn trifft nicht die geringste Schuld am Misserfolg - ich bin das Weichei, dass lieber daheim als unterwegs ist, dass sich in die Hose macht, ob der vielen Herausforderungen. Er war sehr nett, hilfreich wo er konnte, versuchte ständig mich zu ermuntern, lobte mich andauernd über den grünen Klee. Trotzdem wollte ich ihn nicht mehr sehen - bei seinem Anblick musste ich ständig an mein Versagen denken.

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