Samstag, 29. Juni 2019

Letzte Woche im Juni

Nass bis auf die Haut wurde ich heute morgen.



Gestern noch 21°C, aber eine Schlechtwetterfront war im Anmarsch. Sie erreichte uns später als vorhergesagt, der eiskalte Sprühregen setzte genau zum Frühstück ein. Einerseits hatte ich absolut keine Lust hinaus zu gehen, andererseits: wofür habe ich die Arena bauen lassen? Also, einpacken wie ein Eskimo und hinaus in die wilde Natur.

Die Kamele lagen mitten im Strohballen, ihre Hintern der Front zugewandt.

'Was ist? Wollt ihr unter Dach und Fach, oder draußen bleiben?'

Sie schauten mich groß an - ich wollte schon ins Haus, als Ali aufstand und mir nachschlurfte. Ok, also gehen wir es an. Halfter geholt, Ali Richtung Arena zu einem Zaunpfosten geführt und angebunden. Laila hatte noch ihre Fußfesseln an - auch recht, kann sie nicht herumhopsen. Jamahl machte sich aus dem Staub und fing an zu brüllen. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er bei Laila bleiben oder besser Ali folgen soll. Irgendwann konnte ich ihn erwischen, verband ihn mit Laila und wollte beide zur Arena führen. Zuerst noch ein intensiver Kampf mit Madam, die sich ums verrecken nicht das Halfter anlegen lassen wollte. Meine Hände waren steif gefroren, die Handschuhe völlig durchnässt. Jetzt wollte ich es wissen. Der Regen prasselte, der Wind pfiff, die Kamele kämpften - nach einer gefühlten Ewigkeit waren sie aber dort, wo ich sie haben wollte.

So anstrengend es war, so befriedigend war es, das Ziel erreicht zu haben. Ich glaube, darum geht es auch beim trekken. Es heißt zwar "Der Weg ist das Ziel", aber das ist nicht immer der Fall. Mit den Kamelen unterwegs sein ist anstrengend, das Leben draußen im Dreck, in der Kälte ohne Annehmlichkeiten der Zivilisation ist alles andere als fun. Aber die Reise durchzuziehen, anzukommen: das schafft Satisfaktion.

Das Wetter am vergangenen Sonntag 'ticked all boxes'. Es war windstill, die Temperatur mild, der Himmel blau. Ich organisierte mir Hilfe und spannte die Kamele in den Gypsy-Wagen. Da das letzte Training sehr unangenehm geendet hatte (Laila reagierte panisch, schlug mit den Metallbügeln um sich und verursachte mit ihrem dicken Hintern eine Delle in meiner Autotür), waren meine Nerven angespannt. Um so schöner, dass alles wie am Schnürchen klappte. Ein paar Kilometer die Straße hinauf und wieder zurück, anschließend das Auto vom Gypsy-Wagen entkoppelt und die Kamele dazu gebracht, das letzte Stück zu ihrer Weide das Gefährt aktiv zu ziehen. Babysteps, wie der amerikanische Trainer ständig wiederholt hatte. In aller Ruhe die Tiere von dem Zuggeschirr befreit und sie auf ihre Koppel entlassen.


Am Donnerstag (26.06.) machte der australische Trainer, bei dem ich vor drei Jahren mit Laila und Ali war, bei mir Zwischenstation.



Er und seine Nichte touren 200 km mit vier Kamelen und einem wagon von Alice Springs nach Finke und wieder zurück. Als ich ihm meinen wagon zeigte meinte er, dass der Schaft, an dem die Kamele befestigt werden, zu schwer sein. Sie müssen es mit ihrem Hals anheben, was auf Dauer sehr unangenehm wird. Jetzt muss ich was konstruieren - eine Feder/Kette/Seil oder dergleichen - um das Gewicht abzufedern. Hm, mal sehen wie ich das umsetze.

Samstag, 22. Juni 2019

World Camel Day 22.06.2019 - Statistik


Das world wide web weiß offensichtlich nicht genau, wieviele frei herumlaufende Kamele es in Australien tatsächlich gibt. Sind es 1,2 Millionen? Oder "nur" 250.000 ?

Ich habe einen Beamten der Regierung gefragt und er war so nett, mich auf den richtigen Weg zu führen. Eines vorne weg: genaue Zahlen hat keiner, alles sind Schätzungen!

Der letzte arial count wurde 2013 durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass ca 300.000 'wilde' Dromedare in Australien herumlaufen.

Es wird eine Vermehrungsrate von 6% pro Jahr angenommen, abzüglich 4-5.000 Abschüsse (culling) und 160 Tiere/Woche über 44 Wochen/Jahr die der Fleischnutzung zugeführt werden.

Ergibt (laut Berechnung des offiziellen Mitarbeiters) ein Bestand Ende 2019 von ca 358.000 Tieren.

Die weitaus höheren Schätzungen von 1,2 Mio sind bewusst falsch lanciert, um höhere Abschussprämien von der Regierung zu erpressen. Wieder was gelernt!

Donnerstag, 13. Juni 2019

Bent but not broken

Zehn Tage nach der Rückkehr fühlte ich mich wieder bereit, mit den Kamelen zu arbeiten ... oder sie arbeiten zu lassen. Es war Sonntag und gerade als ich die Halfter bereit legen wollte, fing es an zu regnen. Ok, dass muss nicht sein. Also Abbruch, lieber die Sauna anschmeißen und den alten Körper pflegen.
Am Dienstag dann endlich: strahlend blauer Himmel, viel zu milde Temperaturen für die Jahreszeit, aber perfekt, um sich draußen aufzuhalten. Die drei gehalftert und an den Hänger angebunden. Ich war beeindruckt! Als wenn sie eine Leistungsklasse übersprungen hätten. Ruhig und diszipliniert von A nach B gegangen, ohne zu zerren oder sich in einen Busch zu schmeißen. Alle drei benahmen sich wie die Lämmchen. Bin mal gespannt, ob das so bleibt oder eine Ausnahme von der Regel war.
Eine große Runde mit ihnen gefahren und bei der Rückkehr überlegt, ob ich sie in die Arena bringen soll. Niederschlag war angesagt, aber es war kein Wölkchen zu sehen. Wahrscheinlich fällt der Regen sonst wo, aber nicht bei uns. Also sie auf ihrer Koppel belassen und es kam wie es kommen musste: Gewitter in den frühen Morgenstunden und Regen, sehr viel Regen. 


Sonntag, 9. Juni 2019

Aftermath

Zurück in Marree begab ich mich zu Roadhouse. Ein Tässchen Milchkaffee sollten meine Nerven beruhigen, taten es aber nicht. Immer wieder kam es in mir hoch, dass konnte doch alles nicht wahr sein? Schließlich trat ich an den Inhaber heran und fragte, ob er von hier sei. Als er bejahte, erzählte ich ihm mein Leid. Er schüttelte den Kopf. Das gibt es doch nicht, sagte er. Das ist ja 'harassment'. Am besten, ich gehe rüber zur Polizei. Dort sei Kate, eine sehr nette Polizistin, mit ihr sollte ich das besprechen. Gesagt, getan. Ich lief zur Wache und fragte unschuldig, welche Bedingungen ich erfüllen muss, um mit drei Kamelen den Oodnadatta Trek zu marschieren. Und ob ich ein health certificate für die Tiere brauche? Und wo der dog fence sei? Es stellte sich heraus, dass alles von dem Farmer erstunken und erlogen war. Es ist und bleibt eine öffentliche Straße mit einem breiten Gürtel, der von jedermann benutzt werden kann. Gesundheitszeugnis innerstaatlich ist keinesfalls erforderlich und der dog fence ist nur weitere 15 km entfernt - wäre ein leichtes gewesen, ihn innerhalb eines Tages zu erreichen. Wer mir denn da den Bären aufgebunden hätte? Nun, der Typ hatte sich nicht vorgestellt, aber nach meiner Beschreibung, wurde er als 'Georg' identifiziert. Als Querulant bekannt und wenn er noch einmal Schwierigkeiten macht, soll ich mich auf die Polizei berufen!
Was für eine Erleichterung. Im Laufe des Tages klagte ich noch mehreren Leuten mein Leid, so sorgte ich für ordentlich Gesprächsstoff in dem 70-Seelen-Ort. Alle waren auf meiner Seite und bedauerten das Erlebte.
Ich machte mich auf dem Weg, um dem Trainer entgegen zu gehen, aber noch vor erreichen des Ortsausganges konnte ich ihn schon sehen. Er war recht flott unterwegs, nur knapp zwei Stunden für die 11 km (er hatte auch Rückenwind 😜).

Trotz der Rückendeckung von der Polizei und Bevölkerung wollte ich nicht mehr. Wir blieben an dem Tag noch vor Ort, bereiteten aber alles für die Rückfahrt vor. Ich hatte noch Optionen, einen Aufenthalt in den Flinders einzulegen - verschob die Entscheidung aber auf später.

Am nächsten Tag erhielt ich eine sms, dass der cameleer, der direkt auf unserem Weg nach Hause wohnt, von einem Aufenthalt zurück sei. Er hatte vorher Interesse bekundet, den Amerikaner kennenzulernen. Das traf sich gut, so verabredeten wir eine Zusammenkunft auf seiner Farm. Am späten Nachmittag erreichten wir das Ziel, wo der cameleer voll in Aktion war. Er trainierte einen wunderschönen riesigen Bullen, frisch aus der Wildnis. Der sollte sich niederlegen, leistete aber erfolgreich Widerstand. Der cameleer zeigte dem Trainer noch dies und das, und bevor wir uns versahen, dämmerte es bereits. Ich wollte wieder in meinem LKW übernachten, dachte zuerst daran, dem Trainer mein Camping-equipment zu Verfügung zu stellen, fragte dann den cameleer, ob der Wohnort über ein Hotel verfüge. Klar doch, aber der Amerikaner könne gerne bei ihm im Wohnhaus übernachten. Mir war das nicht Recht. Schließlich gibt es noch die Ehegattin, die ja mit dieser Entscheidung überrumpelt wird. Die Männer waren sich allerdings einig und schon stand ich alleine auf der abgelegenen unbewohnten Farm.

Am nächsten Morgen wurde mir erst bewusst, was am Vortag passiert war. Die zwei haben mich einfach sitzen lassen. Nicht ein einziges mal kam zur Sprache, ob ich die (mir bekannte) Gattin treffen möchte, oder am Abendessen teilhaben will - man hätte mich ja wieder zurück fahren können. Die haben sich einen gemütlichen Abend gemacht, viel Interessantes ausgetauscht und mich wie einen räudigen Hund außen vor gelassen. Eigentlich wollten wir zwei oder drei Tage mit dem cameleer verbringen, auch ein kurzes Trekken auf seinem riesigen Grundstück war angedacht gewesen, aber jetzt war ich sauer.

Nach dem obligatorischen Frühstück entschied ich mich endgültig dazu, Heim zu fahren. Die Kamele hatten die Nacht in einem engen Pferch verbracht und auf Anraten des cameleers nichts zum Fressen erhalten. Es sei besser, sie für einen anstehenden Transport auszunüchtern, meinte er. Jetzt waren sie besonders hungrig und ich nutzte diesen Umstand, um sie ohne Hilfe und seitliche Begrenzung der Rampe aufzuladen! Den Korb mit frischem Heu vor der Nase und Ruck-Zuck waren sie oben. Der Trainer hatte noch nicht einmal nachgefragt, wann wir uns denn wieder treffen sollen? Er hatte immer betont, mein Wohlergehen und meine Wünsche hätten oberste Priorität - aber sagen und handeln sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Ich verließ das Grundstück um 08.00 Uhr und schrieb eine Nachricht, dass er gerne noch beim cameleer bleiben kann (was er aber nicht tat), ich bin jedenfalls auf dem Weg heim.

Unterwegs holte ich noch die Hunde aus der Tierpension - glücklicherweise haben beide den Aufenthalt ohne Probleme überstanden.

Am Samstag, den 01. Juni zog der Trainer - fünf Tage früher als vorher vereinbart - weiter. Ich war mental nicht in der Lage, eine neue Trainingseinheit anzuschließen, brauchte Abstand und Ruhe. Ich weiß, ihn trifft nicht die geringste Schuld am Misserfolg - ich bin das Weichei, dass lieber daheim als unterwegs ist, dass sich in die Hose macht, ob der vielen Herausforderungen. Er war sehr nett, hilfreich wo er konnte, versuchte ständig mich zu ermuntern, lobte mich andauernd über den grünen Klee. Trotzdem wollte ich ihn nicht mehr sehen - bei seinem Anblick musste ich ständig an mein Versagen denken.

Freitag, 7. Juni 2019

Over and out

29.05.2019 ∣ Insgesamt gut geschlafen, nur ein-, zweimal kurz aufgewacht und das Gasöfchen angeschmissen. Der alten Frau war es einfach zu kalt.
Morgenroutine wie gehabt, anschließend jedem Kamel Wasser angeboten. Diesmal tranken sie eine ordentliche Menge. Übermütig ließ ich Ali und Laila frei - allerdings mit Fußfesseln versehen - laufen. Sie knusperten etwas von den meist vertrockneten Büschen. Jamahl blieb sicherheitshalber angebunden - er war mein Pfand, ohne ihn würden die girls sich nicht davon machen.
Nun alles wieder verpacken. Alle Kisten in die entsprechenden Packtaschen verstauen, die Trinkwasserbehälter mit dem mitgebrachten Schlauch auf gleichen Inhalt austarieren. Insgesamt hatte ich 3 l verbraucht, jedem Wassertank also 1,5 l entnommen. Zelt abbauen, Matratze und Schlafsack zusammenrollen und in ihre Hüllen zwängen.
Der Trainer erschien zum vereinbarten Zeitpunkt und war erleichtert, uns wohlbehalten vorzufinden. Wir waren im Begriff die Mädels einzufangen, als plötzlich ein Auto auf unser Camp zufuhr. Es war ziemlich flott und fuhr bewusst dicht an die Kamele an, die nervös zu tänzeln begannen. Was uns denn einfiele? Herrschte uns der Fahrer an. Wie wir denn auf die Idee kämen uns hier aufzuhalten? Wir wandern auf dem Oodnadatta Trek, war unsere Antwort. Das ist doch eine öffentliche Straße! Blödsinn, erwiderte er, das ist Privatbesitz. Wir haben kein Recht hier zu marschieren. Und überhaupt, habt ihr ein Gesundheitszeugnis für eure Kamele? Wieso? fragte ich. Ich bin aus Südaustralien, wir kommen doch nicht aus einem anderen Staat. Das brachte ihn so richtig in Rage. Wir machen seine Rinder krank, wir brauchen ein health certificate, wir sollen uns davon machen. Der Trainer und ich standen dort wie die begossenen Pudel. Hinter dem dog fence sei aboriginal land, da kräht kein Hahn danach, da könnt ihr machen, was ihr wollt. Wo der dog fence sei, wollte ich wissen. 50 miles entfernt, hieß es. Mir fiel die Kinnlade runter. So weit kann ich an einem Tag  nicht gehen. Meine in den letzten Tagen zum zerreißen gespannten Nerven waren nun durch. Ein letzter Versuch, dem Farmer finanzielle Entschädigung anzubieten schlug ebenso fehl, wie die mehrfach vorgebrachte Entschuldigung - wir sollen einfach nur verschwinden, und dass so schnell wie möglich. Damit preschte er davon.
Was nun? Weitergehen und uns offensichtlich weiterhin in dem Einzugsbereich des Landbesitzers zu befinden? Die Kamele verladen und ein Stück mit dem LKW fahren? Ich war 'done and dusted'! Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte. Ich wollte nur noch Heim. Schweigsam sattelten wir die Kamele, zwischendurch bekam ich einen Heulkrampf. Als ich soweit fertig war, trat der Trainer auf mich zu und sprach ernsthaft auf mich ein: "What your camels need now is a confident leader". Das war's dann endgültig. Ich bin absolut kein 'confident leader', schon gar nicht hier und heute. Genau die falschen Worte, mich in irgendeiner Weise zu motivieren. Hätte er nix gesagt, wäre ich schon unterwegs gewesen. Hätte er einen lockeren Spruch über den Farmer oder uns gemacht - hätte ich lachen und weiter gehen können. Hätte er - was jeder Einheimische mit etwas Selbstbewußtsein gemacht hätte - den Farmer nicht Ernst genommen und wäre einfach weitergegangen, ich hätte mitgemacht. Er hätte sagen können: "get over it princess"... aber mir zu sagen, meine Tiere brauchen jetzt einen 'confident leader', hat zu einem völligen shut down geführt. Ich drückte dem Trainer die Leinen in die Hand, teilte ihm mit, dass ich alles bin, aber auf keinen Fall dass, was von mir erwartet wird, bin in das Auto gestiegen und nach Marree zurück gefahren.

Das war wohl der kürzeste Trek, der jemals gelaufen wurde. Andere rühmen sich mit tausenden von Kilometern, ich schaffte genau 11! ELF KILOMETER OODNADATTA TREK! Guinness reif  👀

Der erste Tag

28.05.2019 | Ich hatte nicht gut geschlafen. Zum einen vollgepumpt mit Adrenalin ob der bevorstehenden Ereignisse, zum anderen bin ich es nicht gewohnt, abends zu essen. Das frittierte Zeug lag mir wie ein Stein im Magen ... selber Schuld.
Mit klammen Fingern bereitete ich mir auf dem Gaskocher einen Tee zu, aß eine Scheibe Brot mit Käse sowie ein hart gekochtes Ei. Anschließend Zähneputzen, Katzenwäsche und alles Gedöns wieder wegräumen.
Nachdem ich die Kamele mit etwas Heu versorgt hatte, begannen die eigentlich Vorbereitungen für die Beladung der Tiere. Alle Packtaschen, Decken, Sättel, Fußfesseln, und sonstiges Zeug mehr oder weniger ordentlich draußen schlichten, dann die Kamele mit Halfter und Leinen versehen, aus dem Yard holen und nebeneinander an Pfosten binden.
Mittlerweile war der Trainer eingetroffen und half mir bei den Entscheidungen wer was zu schleppen hat. Noch einmal wog ich den Inhalt der Packtaschen mit einer Federwaage, um die gleichmäßige Verteilung der Lasten zu garantieren. [Jamahl: rechts 20 l Wasser, # 4 Ersatzteile, Schlaftsack, Stuhl; links 20 l Wasser, # 1 Gasöfchen, -kocher, Zelt, Kopfkissen Laila: rechts # 2 Küchenutensilien, Verpflegung; links # 3 Kleidung, Hygieneartikel, Matraze, Tischchen]. Gute zwei Stunden später waren wir endlich abmarschbereit!
Laila mit Reitsattel, zwei Packtaschen und dem Gewehr obenauf, Jamahl mit Packsattel, zwei Taschen, Ali mit Brustgeschirr und einer hinten angebundenen orangefarbenen Sicherheitsweste und ich mit einem Rucksack, der neben Wasser und Nüssen alles mir Wertvolle enthielt. 
Ich war jetzt schon platt - wegen mir hätten wir Schluss machen können. Alles wieder abladen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Leider keine Option, so marschierte ich tapfer los. Laila war viel zu schnell. Wir mussten einige Tore durchqueren, was besonderer Aufmerksamkeit bedurfte, um zu verhindern, dass die Packtaschen irgendwo hängen bleiben. Zuerst ging alles gut, dann passierten wir eine Kabine, die bei Veranstaltungen für den Verkauf der Eintrittskarten verwendet wird. Jamahl flippte aus. Er zog mit einem Satz rückwärts, zerriss sein Halfter und verbog den Karabiner, der ihn mit Laila verband. SUPER START! Was nun? Tief in den Packtaschen befand sich das Ersatzhalfter - keine Option für den Augenblick. Wir entschlossen uns, das Halfter und die Kette von Ali für Jamahl zu verwenden und aus Ali's neck rope ein provisorisches Halfter zu basteln. Ich war nervlich am Ende, dabei hatten wir noch gar nicht angefangen.
Irgendwann erreichten wir die Straße, aber nur kurze Zeit später befanden wir uns vor dem ersten Hindernis - ein cattle grid. Da gehen die Kamele nicht rüber, also muss ein Weg daran vorbei gefunden werden. Der Trainer ging vor und fand eine Stelle, wo der anschließende Zaun niedergetrampelt war. Vorsichtig lotsten wir die Tiere über den Stacheldraht.
Der Verkehr hielt sich in Grenzen, vermutlich wegen der bereits erreichten Mittagszeit. Kam doch einmal ein Fahrzeug war ich angewiesen, mit den Kamelen die Straße zu verlassen und sie so auszurichten, dass sie die 'Bedrohung' sehen können. Der Trainer war redlich bemüht, die Autofahrer mit entsprechenden Armbewegungen zum langsam fahren zu veranlassen. 99,9 % folgten den Instruktionen, der eine Idiot, der mit Vollgas vorbeirauschen musste, wurde glücklicherweise von den Tieren toleriert. Einige Touristen stoppten und schossen Fotos (einmal ! wurden wir sogar gefragt, ob uns das den recht sei), was fast genauso unangenehm war wie der eine Raser - es machte die Kamele nervös.
Wie befürchtet, war das Gelände unmittelbar links und rechts von der Straße übersät mit zerbrochenen Glasflaschen und anderem scharfkantigen Unrat. So kehrte ich immer wieder auf die gravel road zurück. Zickzack laufen, schauen ob Fahrzeuge kommen, Hindernissen ausweichen, Laila kurz halten ('she hasn't earned freedom yet' war der ständige Spruch des Trainers) und dann noch heftiger Gegenwind. Zu allem Überfluss hatte ich einen Stein im Schuh, genau am oberen Rand hinter der Achillesferse. Ich traute mich nicht anzuhalten um den Schuh auszuziehen, so rieb sich der Fremdkörper immer tiefer ins Fleisch. Die ganze Zeit fragte ich mich, wo denn der 'fun' bleibt? Was soll denn bei dieser Schinderei noch Spaß machen? Warum tue ich mir das an?
Je weiter wir kamen, desto mehr Sorgen machte ich mir um den Trainer. Der muss ja den ganzen Weg wieder zurück! Ich erklärte, dass er mich getrost alleine lassen kann, er solle doch besser gehen und das Auto mit etwas Heu und Wasser für die Kamele holen. Er entschied sich, es per Anhalter zu versuchen. Die ersten drei Autos die er anhielt konnten ihn nicht mitnehmen, da sie vollbepackt und besetzt waren, schließlich hielt ein Arbeiter mit einem ute, der nahm ihn dann mit.
Nun war ich auf mich allein gestellt, ich riss mich zusammen und marschierte konzentriert weiter. Gleichzeitig hielt ich Ausschau nach einem Rastplatz. In der Ferne konnte ich eine Reihe von Büschen und Bäumen ausmachen, bis dahin und keinen Schritt weiter!
Als ich den dry creek erreichte, band ich Laila an einen Baumstumpf und gönnte mir eine Pause. Trank von meinem Wässerchen und aß von meinen Nüsschen ☺. Doch da tauchte schon der Trainer auf. Ich erklärte ihm, dass ich fertig sei: physisch und psychisch und ich keinen Schritt mehr laufen würde. Es war erst gegen 15.00 Uhr, aber das war mir egal. So half er mir, für jedes Kamel einen Baum/Busch zu finden, an dem es angebunden wurde, zusätzlich legte ich jedem hobbles an. Ich fand das zwar etwas übertrieben, aber der Trainer wollte sicher gehen. Dann verteilten wir etwas vom mitgebrachten Heu und offerierten Wasser - aber nur Ali war wirklich durstig.
Der Trainer verließ mich und ich baute mein Zelt auf. Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Gestänge klar kam, die selbst-aufblasbare Matratze und den Schlafsack aus ihrer Umhüllung gefriemelt und jede einzelne Kiste aus den Packtaschen geholt hatte! In jeder war etwas, was ich benötigte. Bis ich alles arrangiert hatte war es bereits dunkel. Mein Tomatensüppchen schmeckte dafür besonders lecker. Gegen 19.00 Uhr fiel ich halbtot in die Koje.




Mittwoch, 5. Juni 2019

Anreise

27.05.2019 | Es war stockduster als um 05.30 Uhr der Trainer bei mir auftauchte. Er hatte sich mittlerweile an den Linksverkehr gewöhnt und fuhr mit meinem Auto von und zur Unterkunft.
Die Kamele befanden sich auf Grund des regnerischen Wetters in der Arena. Sie waren nicht begeistert und standen ungeduldig am Tor, die ihnen angebotene Luzerne hatten sie nicht angerührt. Der Trainer übernahm Laila und Jamahl, ich schnappte mir Ali. Natürlich tanzte sie herum und zog mich überall hin. Ich hielt sie nur am neck rope, die kurze Führleine, die an der Kette befestigt wird, befand sich bei Laila. Das nutzte Ali aus, um mich alt aussehen zu lassen. Irgendwie schaffte ich es dann doch noch bis zum LKW, der sich neben der Koppel befand.
Langsam wurde es heller, wir konnten die Taschenlampen ausmachen. Das Verladen in der Dämmerung verlief recht flott und um 06.35 Uhr verließen wir das Grundstück.
Erster Stop in Terowie um zu tanken, zweiter in Hawker um zu essen. Leider war die Bäckerei geschlossen und für einen Besuch im Pub war es um 11.00 Uhr noch zu früh. Also weiter, bis Lyndhurst. Auch hier die Enttäuschung, dass das roadhouse zu war, aber das hotel (= Pub, = Restaurant) offerierte eine Kleinigkeit: Fleischburger für den Trainer, Käsetoast für mich.
Die 80 km von Lyndhurst nach Marree lagen mir schon den ganzen Tag im Magen, da ein großer Teil der Strecke unbefestigt ist. Das bedeutet wackeln, ruckeln, hüpfen für die Kamele. Man kann auch nicht langsam fahren, da man dann die Bodenwellen voll abkriegt. Wie auch immer - es klappte alles recht gut und gegen 16.00 Uhr erreichten wir die camel yards in Marree. Der Trainer checkte einige Möglichkeiten und entschied sich für etwas entfernter gelegene Pferche, die einen stabilen Zaun aufwiesen. Wir nutzten eine Erdanschüttung für die Rampe, so konnten die Kamele fast ebenerdig den Truck verlassen.
Daheim hatte ich den 250 l  Tank, der sich unterhalb des LKW befindet, mit unserem Regenwasser angefüllt. Ich bot ihnen etwas davon an, aber nach einer kurzen Geschmacksprobe wandten sie sich ab. Später wusste ich auch warum. Ich putzte mir die Zähne mit dem Wasser und musste feststellen, dass es nach Sprit schmeckte! Obwohl 'water only' auf dem Tank steht, war er irgendwann mal mit Benzin oder Diesel befüllt worden. Ärgerlich, d.h. wir müssen Trinkwasser für die Kamele besorgen!
Nachdem die Tiere versorgt waren, kümmerten wir uns um die Unterkunft für den Trainer. Ich hatte ihm eine cabin auf dem Campingplatz besorgt, da das Hotel ausgebucht war. Es ist Hochsaison und Busladungen von Touristen belegen jeden freien Fleck. Lake Eyre füllt sich mit Wasser, ein Ereignis, welches alle 50 Jahre zu beobachten ist - kein Wunder, dass der kleine Ort überlaufen ist.
Die angebotene Unterkunft war in Ordnung, sehr einfach, aber der Trainer stellte keine großen Ansprüche. Anschließend füllten wir unsere Mägen im Restaurant.
Meine erste Nacht verbrachte ich im LKW. In der Führerkabine ist Platz für eine Matratze und ich hatte es mir mit meinem Bettzeug dort gemütlich gemacht.

Dienstag, 4. Juni 2019

Vorbereitungen (2)

22.05.2019 | Obwohl es einige Umbuchungen gegeben hatte, kam der Trainer (wenn auch ohne sein Gepäck) eine Stunde früher in Adelaide an. Vor die Wahl gestellt gleich in die Unterkunft zu fahren und sich auszuruhen, oder besser wach zu bleiben, um den Jetlag schneller zu übertauchen, entschied er sich für letztere Variante. So zeigte ich ihm Glenelg, einen hübschen am Meer gelegenen Stadtteil, genossen eine saftige Pizza und aßen das beste Eis, was Adelaide zu bieten hat.

23.05.2019 | Erste Begegnung des Trainers mit meinen Kamelen. Sie gestaltete sich so, wie in einem kurzen Video auf seiner FB Seite zu sehen ist: den Tieren ausreichend Zeit geben, das Gesicht zu beriechen und dann sanft in die Nüstern blasen. Angeblich können sie so Stimmungen (Angst, Aggression o.ä.) lesen.
Nach ihrem obligaten Frühstück startete das erste Training. Ich bin nach wie vor unfähig sie gesittet einen Abhang hinunter zu führen, also nix wie auf zum Grundstück des Nachbarn. Ich legte ihnen das Brustgeschirr an, fixierte sie hinten am Anhänger. Eine kurze Fahrt und wir erreichten das Tor, wo ich die Kamele in Formation brachte. Das erste Stück geht gerade, dann sanft bergauf bevor es das erste Mal bergab geht. Wir hielten auf der Kuppe und der Trainer zeigt mir, wie ich in Babyschritten rückwärts gehen sollte. Ein Schrittchen nach dem anderen. Laila war mit ihrer Kette am Halfter relativ leicht zu manipulieren, aber Jamahl drängte wie gewohnt vor. Ich wirbelte die Führleine im Kreis und jedesmal, wenn Jamahl ansetzte zu schubsen, kriegte er eine auf die Nase. Nicht fest, gerade so, dass es unangenehm war. Es dauerte eine Ewigkeit bis wir die Strecke zurückgelegt hatten, aber ich war die ganze Zeit über in Kontrolle. Sogar den dry creek überwanden wir, ohne dass eine wilde Jagd losging.
Im Anschluss an das Training versorgte ich den Gast noch mit einem Mittagessen (Krautfleckerln😉). Er war dann doch müde - etwas später kehrte er in seine Unterkunft zurück.

24.05.2019 |  An diesem Tag wollte ich die Kamele in unbekanntes Gebiet führen. So lud ich sie in den LKW - was erstaunlich gut klappte. Die Rampe seitlich begrenzt vom Zaun auf der einen und meinem Auto auf der anderen Seite. Jamahl hatte nicht viel Möglichkeiten auszuweichen und war bald oben. Laila ging gleich beim ersten Anlauf, war etwas zu flott und rutschte aus (ohne sich zu verletzen). Ali spielte wieder Rammbock, wurde aber mit einem Klaps auf den dicken Hintern davon überzeugt, besser doch hoch zu steigen.
Eine kurze Fahrt und ich entlud die Tiere an einer Stelle, die ihnen unbekannt war.


Es folgte ein Spaziergang auf einer schmalen Landstraße. Sie waren nervös und bald begann Jamahl zu drängeln. Wir blieben stehen und beratschlagten, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Endergebnis war, dass von nun ab die Kette von Jamahls Halfter mit einem Karabiner am hinteren Teil von Lailas Brustgeschirr befestigt wird. Sobald der Bursche versucht Extratouren zu gehen, wird er durch die Kette daran gehindert. Er hat schnell gelernt und ist jetzt wesentlich führiger.



25.05.2019 | Schlechtes Wetter war angesagt. Aber wofür habe ich eine Überdachung? Der Trainer machte vor, wie man drei Kamele in einem Schwung von der Koppel in die Arena führt. Ohne, dass sich Laila in die Büsche wirft oder Jamahl vorwärts stürmt, ohne dass drei Zwischenstation eingelegt werden müssen oder eine halbe Stunde vergeht, bis endlich alle drin sind. Beeindruckend.
Ich schleppte die Sättel an und bekam endlich gezeigt, wie sie ordentlich befestigt werden. Bisher habe ich die Gurte immer zu locker befestigt. Sie sollen so eng anliegen, dass - wenn man am Sattel hin und her ruckelt - sich das ganze Kamel bewegt (und nicht der Sattel). Man kann, wenn man nur mit eigener Muskelkraft die Gurte anzurrt (und nicht mit Hilfe einer Ratsche), einen Kamelbrustkorb nicht abschnüren oder verletzen, erklärte mir der Trainer. Außerdem sollte das Gestell so ausgerichtet werden, dass die Stangen vom Sattel parallel zum Boden liegen, nicht irgendwie schief zum Himmel ragen.


Dann noch die Packtaschen mit jeweils 20 kg Gewicht angehängt und ein paar Runden in der Arena marschiert. Die spiegelnden Fenster und wuchtigen Wassertanks lösten einige unkontrollierte Hüpfer aus, aber nach der x-ten Schleife klappte auch das. Ich war schon wieder am Ende meiner Leistungsfähigkeit angelangt.


Bevor wir das Training beendeten kam der Trainer auf meinen Wunsch zurück, einmal auf Laila reiten zu können. Wir ließen sie sich ablegen und machten ein paar Trockenübungen auf ihr. Dann war der Moment gekommen, an dem ich fest im Sattel saß und der Trainer Laila aufstehen ließ. 


Ein erhebendes Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes ☺

26.05.2019 | Letzter Tag der Vorbereitungen. Höchste Zeit, sich auf die Packerei zu konzentrieren. Den ganzen Tag verbrachten wir in der Scheune und sortierten ein und aus. Einiges, was ich vorbereitet hatte befand der Trainer als nicht erforderlich, wie z. B. ein großer Spaten, abgesägte Äste (die man vergraben und zum fixieren der Kamele verwenden kann) oder der Elektrozaun samt Batterie. Vier Kisten wurden befüllt: # 1 Gasöfchen und -kocher, Kartuschen # 2 Küchenutensilien und Verpflegung, # 3 Kleidung und Hygieneartikel, # 4 Ersatzleinen, -halfter,-karabiner, Werkzeug u.ä.. Jede Kiste wurde gewogen, anschließend ein paar Gegenstände umgetopft, so dass jeweils zwei Kisten das gleiche Gewicht hatten (sie wogen zwischen 10 und 12 kg). Zu unterst von Jamahls Packtaschen wurden je ein Kanister Trinkwasser à 20 l gelegt, darauf jeweils eine Kiste, während Laila nur Kisten tragen musste. Zelt, Matratze und Schlafsack wurden ebenfalls gewogen und auf die Packtaschen aufgeteilt. Die Zeit flog davon und nach einem späten Mittagessen - untermalt mit einigen Trainingsvideos von anderen Kamelexperten -verabschiedete sich der Trainer bis zum nächsten Morgen.