Donnerstag, 2. Mai 2019

Der Mai ist gekommen ...

Enttäuschung #1 ❙ Bin immer auf der Suche nach Gleichgesinnten. Jemand, der Kamele so sehr mag wie ich. Eine Art 'soulmate'. Aber es findet sich nichts und niemand. Alle, die ich versuchte zu integrieren sind zwar mehr oder weniger beeindruckt, aber ... Begeisterung schaut anders aus.

Hoffnungsvoll habe ich auf die Annonce einer Veterinärstudentin geantwortet. Sie pries sich als erfahren im Umgang mit Tieren, möchte ihr Spektrum erweitern und natürlich Geld verdienen. Wieviel soll's mich denn kosten? Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf $ 80,- für den Vormittag.

Es war Sonntag, ich setzte Satteltraining an. Die schwerste Arbeit blieb schon mal an mir hängen, da die junge Frau erst um 09.00 Uhr bei mir sein konnte. So hatte ich die Schlepperei mit den monströsen Gestellen bereits erledigt. Viel Quatscherei, keine Ahnung von irgendwas und als ich letztlich im Auto sass und die 2-Stunden-Runde in Angriff nahm, zog sie es vor, sich zu verabschieden. Dafür kam dann später eine sms, dass sie gerne am nächsten Wochenende wiederkommen würde, aber mehr Geld nehmen müsste. $ 20,-/Stunde sowie $ 40,- für An- und Abreise. Das war die willkommene Gelegenheit mich abzuseilen -  ist mir zuviel Geld. Mal ehrlich: eigentlich müsste sie mir was bezahlen. Ohne die geringste Ahnung oder irgendeiner mentalen Vorbereitung einen Job annehmen? Sich alles wie ein unbedarfter Besucher erklären lassen? Noch nicht einmal Knoten knüpfen können und auch nach mehrmaligem vorzeigen den bowline knot völlig falsch angehen?

Enttäuschung #2 ❙ Die nächste Zeitverschwendung folgte gestern.

Beim letzten Aufenthalt in einer Tierpension verlor Teddy enorm viel an Gewicht und hatte blutigen Durchfall. Der Amerikaner meinte es sei besser, die Hunde nicht mitzunehmen - wir sollten uns auf die Kamele konzentrieren. Fair enough. Aber mein Sensibelchen? Ich hörte mich um, ob jemand gegen gutes Geld zweimal täglich zu mir kommt und sich um die Hunde kümmert: spazieren gehen, füttern, mit ihnen spielen. Ja, da gibt es eine Frau, die ist sehr an ein Taschengeld interessiert.

Gestern war sie hier. Eine ältere Dame - Fußknöchel und Handgelenke eines Weberknechts, absolut saft- und kraftlos - die große Augen bekam, als ich von spazieren gehen sprach, unfähig war, einen 20 l Wasserkanister auch nur anzuheben (die mit zu versorgenden Emus verbrauchen viel Wasser) und sehr lange brauchte, bis sie schließlich einen Grund fand, den Job nicht annehmen zu können müssen.

Habe die Hunde sogleich in der Hundepension angemeldet - ich hoffe, dass die Anwesenheit von Teddy's neuem Kumpel Oscar den Aufenthalt im Zwinger weniger stressvoll werden lässt. Und wenn nicht ... er wird's auf jeden Fall überleben. Er hat seit dem letzten Impftermin 5 kg zugenommen, hat jetzt 51 kg! - soll er was abnehmen, es schadet ihm nicht.

Vorbereitungen ❙ Langsam wird es Ernst. Die kleine Wohnung in der lean-to-shed ist - natürlich - noch lange nicht fertig! Nicht einmal das Klo wird benutzbar sein. Also habe ich für den Besuch eine B&B Unterkunft gebucht. Werde ihn abends dorthin bringen, dann kann er auch im Pub essen gehen, und ihn morgens wieder abholen. Etwas Privatsphäre, v.a. am Anfang, erachte ich als wesentlich.

Erneut Geld ausgegeben. Ich habe John Elliott gefragt, was er für solarpanels benutzt. Ouch. Ich dachte, die von eBay (250 Watt) für $ 332,20 wären teuer, aber er hat welche für $ 799,- (180 Watt) von einer Australischen Firma. Das ist mir zuviel. Vielleicht bereue ich es später, an der falschen Stelle gespart zu haben? Wir werden sehen.

Ich fange an, alles Camping-Gedöns zusammen zu tragen. Den vor vielen! Monaten neu gekauften Klappstuhl wollte ich endlich mal testen. Ein bisschen eng, irgendwie. Und so kurze Beine? Beim genauen hinschauen des Rätsels Lösung: ich habe einen Kinderstuhl gekauft! Sowas dummes. Soll ich ihn trotzdem benutzen? Einen anderen kaufen? Umtauschen geht nicht mehr. Ärgerlich.

Sehenswert ❙  Ein beeindruckendes Video von zwei jungen Männern, die im vergangen Jahr fünf Kamele abgerichtet und mit ihnen eine einmonatige Wüstentour durchgeführt haben. Beeindruckend deshalb, weil nicht nur die highlights, sondern auch Schwierigkeiten festgehalten wurden. Jawohl, Kamele können buckeln, brüllen, sich in Leinen verwickeln und passiven Widerstand leisten. Kommt mir sehr bekannt vor, wird aber ungern gezeigt.

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