Donnerstag, 16. Mai 2019

Der Countdown läuft

Befinde mich kurz vor einer Panikattacke. Kann überhaupt nicht mehr klar denken. Es ist noch so viel zu tun, aber irgendwas hält mich vom handeln ab. Stattdessen denke ich den ganzen Tag darüber nach, was alles schief gehen kann. "I could freeze to death" klagte ich einer Bekannten die wissen wollte, was mich so besorgt. "Carry warm cloths" war ihre Antwort. "Or I could starve" ... "Carry enough food"... wenn das so einfach wäre. Ich werde mich dort bewegen, wo viele Autos sind. Ich habe nun mal keine Beziehungen oder Ortskenntnis für Querfeldeintouren. Wo Autos sind, sind Leute, die rücksichtslos sind. Keinen Abstand halten, Flaschen aus dem Auto schmeißen. Ich sehe schon Schnittwunden an den Sohlen. Und wo soll ich abends mein Zelt aufschlagen. Im Straßengraben? Was habe ich immer für saublöde Ideen?

Aber ich zieh das jetzt durch. Auf Biegen und Brechen, komme was wolle. In der großen Scheune habe ich eine Plane ausgebreitet und gestapelt, was ich mitnehmen will. Einiges muss ich noch besorgen, vieles kann ich erst ganz zum Schluss dazu tun, wie Essen, oder Dinge des täglichen Gebrauchs. Alles muss in die Satteltaschen und zwar so, dass links und rechts gleiches Gewicht vorliegt. Soll ich das Gestell mit den Wasserkanistern mitnehmen, oder die Beutel und die wiederum in die Satteltaschen geben? So viele Fragen, ich hoffe inbrünstig, dass der Trainer mir einige Entscheidungen abnehmen kann.

Mit den Tieren gearbeitet habe ich nix mehr - außer der Sonntagsrunde, die ich musikalisch untermalt habe. Jedes Tier wird eine Glocke um den Hals tragen, damit ich sie höre und schneller wieder finden kann. Ich werde auch einen elektrischen Zaun mitnehmen, aber normalerweise bekommen die Kamele nachts die Fußfesseln angelegt und können sich frei bewegen. ... Ob ich mir das zutraue? Was, wenn ich sie trotz Glocken nicht mehr finde? Mir geht die Bimmelei ganz schön auf den Zeiger. Ungut ist auch, dass man die Autos nicht mehr hört. Den Kamelen hat es nichts ausgemacht. Hatte erwartet, dass sie zumindest am Anfang ausflippen. Sie haben sich allerdings nicht getraut, etwas unterwegs zu fressen. Normalerweise bleiben sie alle paar Meter stehen, um einen Happen aufzunehmen. Aber mit der Bimmel um den Hals hat's wohl nicht geschmeckt, so waren wir wesentlich schneller unterwegs.



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