Montag, 20. Mai 2019

Vorbereitungen (1)

Wasserentzug | Auch wenn Kamele ökonomisch mit Wasser umgehen können, sollen sie doch nicht von einem Tag auf den anderen dürsten müssen. Sie sollen langsam darauf vorbereitet werden und so habe ich angefangen, sie nur noch alle zwei Tage zu tränken. They're not amused.


Chaos |Keine Ahnung, wie alles zu packen ist. Nachdem ich liebe Ermunterungen erhalten habe, habe ich mich einigermaßen beruhigt. Ich warte einfach mal ab, notfalls haue ich alles in die riesigen Packtaschen. Wenn ich was vergessen habe, muss ich halt improvisieren, bzw. kann mein Begleiter sich darum kümmern. Schlafen, essen, trinken, laufen - kann ja nicht so schwer sein.


Ernährung | Morgens Tee und eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse, während der Wanderung eine handvoll Nüsse, einen Apfel und ein hartgekochtes Ei, abends eine Dose Suppe (Gemüse, Erbsen, Kürbis, Bohnen) warm machen. Falls der Hunger zu groß wird, habe ich noch eingelegte Heringe und Dolmadakia dabei. Ich nehme einen kleine Kocher mit und werde sicher kein Feuer anfachen und Brot backen oder ähnliches. Mir wurde gesagt Dosen sind gut, da sie schon Flüssigkeiten enthalten und man so Wasser einspart. Apropos Wasser: 40 l sollten wohl für eine Woche reichen.


Elektrischer Zaun | Heute ein Stück auf dem Grundstück mit dem elektrischen Zaun abgeteilt und die drei dorthin geführt. Was für ein Theater! Jamahl hat ununterbrochen gebuckelt. Abends bei der Rückkehr auf die Koppel hat Laila einen Anfall gehabt: unbedingt wie ein Hirsch, der den Bast vom Geweih abstreifen will, ihren Dummschädel rechts und links in junge Büsche gehauen und sich anschließend in einen hinein gesetzt! Furchtbar. Dabei hat sie die Leine, mit der Ali verbunden war abgestreift. Also erstmal Laila zum aufstehen bewegen, auf die Koppel führen - derweil Jamahl unbedingt die Ali beißen wollte, die wiederum an ihn angebunden war und nicht weg konnte. Ist halt wie bei einer Generalprobe, da geht ja auch meistens alles mögliche schief. Den Elektrozaun haben sie jedenfalls akzeptiert - sogar Ali, die normalerweise keinen Respekt zeigt und einfach durchgeht. 



Donnerstag, 16. Mai 2019

Der Countdown läuft

Befinde mich kurz vor einer Panikattacke. Kann überhaupt nicht mehr klar denken. Es ist noch so viel zu tun, aber irgendwas hält mich vom handeln ab. Stattdessen denke ich den ganzen Tag darüber nach, was alles schief gehen kann. "I could freeze to death" klagte ich einer Bekannten die wissen wollte, was mich so besorgt. "Carry warm cloths" war ihre Antwort. "Or I could starve" ... "Carry enough food"... wenn das so einfach wäre. Ich werde mich dort bewegen, wo viele Autos sind. Ich habe nun mal keine Beziehungen oder Ortskenntnis für Querfeldeintouren. Wo Autos sind, sind Leute, die rücksichtslos sind. Keinen Abstand halten, Flaschen aus dem Auto schmeißen. Ich sehe schon Schnittwunden an den Sohlen. Und wo soll ich abends mein Zelt aufschlagen. Im Straßengraben? Was habe ich immer für saublöde Ideen?

Aber ich zieh das jetzt durch. Auf Biegen und Brechen, komme was wolle. In der großen Scheune habe ich eine Plane ausgebreitet und gestapelt, was ich mitnehmen will. Einiges muss ich noch besorgen, vieles kann ich erst ganz zum Schluss dazu tun, wie Essen, oder Dinge des täglichen Gebrauchs. Alles muss in die Satteltaschen und zwar so, dass links und rechts gleiches Gewicht vorliegt. Soll ich das Gestell mit den Wasserkanistern mitnehmen, oder die Beutel und die wiederum in die Satteltaschen geben? So viele Fragen, ich hoffe inbrünstig, dass der Trainer mir einige Entscheidungen abnehmen kann.

Mit den Tieren gearbeitet habe ich nix mehr - außer der Sonntagsrunde, die ich musikalisch untermalt habe. Jedes Tier wird eine Glocke um den Hals tragen, damit ich sie höre und schneller wieder finden kann. Ich werde auch einen elektrischen Zaun mitnehmen, aber normalerweise bekommen die Kamele nachts die Fußfesseln angelegt und können sich frei bewegen. ... Ob ich mir das zutraue? Was, wenn ich sie trotz Glocken nicht mehr finde? Mir geht die Bimmelei ganz schön auf den Zeiger. Ungut ist auch, dass man die Autos nicht mehr hört. Den Kamelen hat es nichts ausgemacht. Hatte erwartet, dass sie zumindest am Anfang ausflippen. Sie haben sich allerdings nicht getraut, etwas unterwegs zu fressen. Normalerweise bleiben sie alle paar Meter stehen, um einen Happen aufzunehmen. Aber mit der Bimmel um den Hals hat's wohl nicht geschmeckt, so waren wir wesentlich schneller unterwegs.



Donnerstag, 9. Mai 2019

Geduld haben!

Herbstlich│Es regnet in Strömen ... und die Kamele werden nass. Selber Schuld. In Anbetracht der unerfreulichen Wettervorhersage führte ich sie am frühen Morgen in die Arena, wo ich sie bis morgen belassen wollte. Jamahl war es gar nicht recht, hat ununterbrochen gemault und er wollte unbedingt weg. Das hat er dann nachmittags auch geschafft. Ich hatte Besuch und wollte ihm die Tiere vorstellen - man kann sich in etwa vorstellen, wie blöd ich geschaut habe, als wir an der Arena ankamen. Fort waren sie, weg, nicht zu sehen! Ein Glied der Vorhängekette war aufgebogen, das Tor stand offen. Nachdem ich sie wieder eingefangen hatte, verbrachte ich sie auf ihre Koppel. Richtig erleichtert waren sie, wieder in ihrer gewohnten Umgebung zu sein. Es bedarf noch einiger Anläufe und mehr schlechten Wetters, bis sie die Arena als einen Teil ihres zu Hauses akzeptieren.



Frühlingsgefühle│ Laila ist wieder schlimm. Ich ahnte es bereits, weil Ali etwas strubbelig im Bereich des Höckers ausschaut. Am Sonntag morgen habe ich Laila in flagranti ertappt. Also muss ich sie wieder trennen bzw. wenn sie Nachts zusammen sind, Laila mit Fußfesseln versehen.



Lean-to-shed │ Der Innenausbau plätschert so vor sich hin. Der Tischler ist wirklich sehr gewissenhaft und es sieht toll aus, was er bis jetzt gemacht hat ... aber er ist so langsam. Zum einen, weil er nur hin- und wieder vor Ort ist, zum anderen weil er alles alleine macht. Na ja, muss mich weiter gedulden.




Energie│Die Solarpanelen sind angekommen. Mich hat ja fast der Schlag getroffen, als ich das Paket entgegen nahm: 8,4 Kg wiegt das Ding, was so unschuldig 'solar blanket' heißt. Erwartungsvoll breitete ich die 'Decke' in der Sonne aus und steckte den USB Stecker meines Smartphones ein. Nichts. Überhaupt nichts passierte. Testete verschiedene Geräte und Stecker - nix. Also den Verkäufer kontaktiert: ja, nee - dat Ding muss erst mit einer Batterie verbunden werden, ohne Batterie lädt da nüscht! Ach du meine Güte! 8,4 kg 'Decke' + eine was-weiß-ich-wie-schwere Batterie schleppen? Um ein Handy oder IPad zu laden? Zuerst wollte ich das Drum zurückschicken, werde es aber doch behalten. Wenn ich später den Gypsy-Wagen aktiviere, dann kann ich die Solarenergie gut brauchen.


Donnerstag, 2. Mai 2019

Der Mai ist gekommen ...

Enttäuschung #1 ❙ Bin immer auf der Suche nach Gleichgesinnten. Jemand, der Kamele so sehr mag wie ich. Eine Art 'soulmate'. Aber es findet sich nichts und niemand. Alle, die ich versuchte zu integrieren sind zwar mehr oder weniger beeindruckt, aber ... Begeisterung schaut anders aus.

Hoffnungsvoll habe ich auf die Annonce einer Veterinärstudentin geantwortet. Sie pries sich als erfahren im Umgang mit Tieren, möchte ihr Spektrum erweitern und natürlich Geld verdienen. Wieviel soll's mich denn kosten? Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf $ 80,- für den Vormittag.

Es war Sonntag, ich setzte Satteltraining an. Die schwerste Arbeit blieb schon mal an mir hängen, da die junge Frau erst um 09.00 Uhr bei mir sein konnte. So hatte ich die Schlepperei mit den monströsen Gestellen bereits erledigt. Viel Quatscherei, keine Ahnung von irgendwas und als ich letztlich im Auto sass und die 2-Stunden-Runde in Angriff nahm, zog sie es vor, sich zu verabschieden. Dafür kam dann später eine sms, dass sie gerne am nächsten Wochenende wiederkommen würde, aber mehr Geld nehmen müsste. $ 20,-/Stunde sowie $ 40,- für An- und Abreise. Das war die willkommene Gelegenheit mich abzuseilen -  ist mir zuviel Geld. Mal ehrlich: eigentlich müsste sie mir was bezahlen. Ohne die geringste Ahnung oder irgendeiner mentalen Vorbereitung einen Job annehmen? Sich alles wie ein unbedarfter Besucher erklären lassen? Noch nicht einmal Knoten knüpfen können und auch nach mehrmaligem vorzeigen den bowline knot völlig falsch angehen?

Enttäuschung #2 ❙ Die nächste Zeitverschwendung folgte gestern.

Beim letzten Aufenthalt in einer Tierpension verlor Teddy enorm viel an Gewicht und hatte blutigen Durchfall. Der Amerikaner meinte es sei besser, die Hunde nicht mitzunehmen - wir sollten uns auf die Kamele konzentrieren. Fair enough. Aber mein Sensibelchen? Ich hörte mich um, ob jemand gegen gutes Geld zweimal täglich zu mir kommt und sich um die Hunde kümmert: spazieren gehen, füttern, mit ihnen spielen. Ja, da gibt es eine Frau, die ist sehr an ein Taschengeld interessiert.

Gestern war sie hier. Eine ältere Dame - Fußknöchel und Handgelenke eines Weberknechts, absolut saft- und kraftlos - die große Augen bekam, als ich von spazieren gehen sprach, unfähig war, einen 20 l Wasserkanister auch nur anzuheben (die mit zu versorgenden Emus verbrauchen viel Wasser) und sehr lange brauchte, bis sie schließlich einen Grund fand, den Job nicht annehmen zu können müssen.

Habe die Hunde sogleich in der Hundepension angemeldet - ich hoffe, dass die Anwesenheit von Teddy's neuem Kumpel Oscar den Aufenthalt im Zwinger weniger stressvoll werden lässt. Und wenn nicht ... er wird's auf jeden Fall überleben. Er hat seit dem letzten Impftermin 5 kg zugenommen, hat jetzt 51 kg! - soll er was abnehmen, es schadet ihm nicht.

Vorbereitungen ❙ Langsam wird es Ernst. Die kleine Wohnung in der lean-to-shed ist - natürlich - noch lange nicht fertig! Nicht einmal das Klo wird benutzbar sein. Also habe ich für den Besuch eine B&B Unterkunft gebucht. Werde ihn abends dorthin bringen, dann kann er auch im Pub essen gehen, und ihn morgens wieder abholen. Etwas Privatsphäre, v.a. am Anfang, erachte ich als wesentlich.

Erneut Geld ausgegeben. Ich habe John Elliott gefragt, was er für solarpanels benutzt. Ouch. Ich dachte, die von eBay (250 Watt) für $ 332,20 wären teuer, aber er hat welche für $ 799,- (180 Watt) von einer Australischen Firma. Das ist mir zuviel. Vielleicht bereue ich es später, an der falschen Stelle gespart zu haben? Wir werden sehen.

Ich fange an, alles Camping-Gedöns zusammen zu tragen. Den vor vielen! Monaten neu gekauften Klappstuhl wollte ich endlich mal testen. Ein bisschen eng, irgendwie. Und so kurze Beine? Beim genauen hinschauen des Rätsels Lösung: ich habe einen Kinderstuhl gekauft! Sowas dummes. Soll ich ihn trotzdem benutzen? Einen anderen kaufen? Umtauschen geht nicht mehr. Ärgerlich.

Sehenswert ❙  Ein beeindruckendes Video von zwei jungen Männern, die im vergangen Jahr fünf Kamele abgerichtet und mit ihnen eine einmonatige Wüstentour durchgeführt haben. Beeindruckend deshalb, weil nicht nur die highlights, sondern auch Schwierigkeiten festgehalten wurden. Jawohl, Kamele können buckeln, brüllen, sich in Leinen verwickeln und passiven Widerstand leisten. Kommt mir sehr bekannt vor, wird aber ungern gezeigt.