Sonntag, 3. Februar 2019

Zu früh gefreut

Während ich am Freitag Morgen noch der Meinung war, dass Alis Auge unverändert sei, zeigte sie abends signifikante Symptome einer Verschlechterung. Wie am ersten Tag senkte und schüttelte sie den Kopf, als wenn sie etwas loswerden wollte. Ich schloss sie in mein Nachtgebet ein und hoffte auf Verbesserung. Aber nein, morgens das selbe Theater. Auch waren ihre Augenlider regelrecht verklebt: die Augensalbe und der bulldust hatten eine Pastete gebildet und verpappten die Lider.

War jetzt ein Fremdkörper eingedrungen? Heute wollte ich Nägel mit Köpfen machen und sie sedieren, um nachzuschauen. Voraussetzung ist eine Fastenperiode, aber wie sollte ich das bewerkstelligen? Eleganteste Lösung wäre, sie vorübergehend im Stall unterzubringen. Leider keine Option: bei der Erstuntersuchung hatte ich sie dorthin geführt und ihre Kumpel sind völlig ausgeflippt. Sobald Ali außer Sichtweite war, fingen sie an zu brüllen wie am Spieß und rannten hin und her. Das zerrte an meinen Nerven und ich hatte Angst, sie würden über den Zaun steigen, um zu ihrer Freundin zu gelangen. Alle drei in die Arena führen und dort ohne Wasser und Futter belassen?

Ich entschied mich für eine andere Variante. Nachdem ich ihr noch ein Schmerzmittel verabreicht hatte, führte ich sie auf die Nachbarkoppel - in Sichtweite von Laila und Jamahl. Dort band ich sie kurz an und versah sie zusätzlich mit einem Maulkorb. So verbrachte sie die nächsten acht Stunden. Sie war sehr brav - ich konnte zu keinem Moment Befreiungsversuche beobachten.

Abends war es so weit. Ich fixierte den Kopf am Zaun und wollte ihr das Sedierungsmittel in die Vene verabreichen. Aber sie roch Lunte. Sobald ich versuchte die Jugularvene zu stauen, brüllte sie los und warf den Schädel herum, was ihr trotz all der Seile gut gelang. Irgendwann haute ich die Nadel in den Hals und spritzte das Medikament (0,5 ml Ketamin 100mg/ml + 0,5 ml Xylazin 100mg/ml). Natürlich gelangte bei der Zappelei nicht alles in den Blutstrom, so dauerte es eine Zeit, bis die Wirkung einsetzte. Sie war nur mäßig kooperationsbereit, aber endlich war ich in der Lage, hinter das dritte Lid zu schauen: kein Fremdkörper, nirgendwo. Die Größe des Hornhautdefekts war unverändert. Die gute Meldung ist, dass Reparaturvorgänge eingesetzt haben. Von ventral sprießen kleine Gefäße in den Defekt, die Selbstheilung ist im vollen Gange.


Warum sie gestern erneut Schmerzen hatte? Keine Ahnung, vielleicht hat sie sich nochmal irgendwo angeschlagen, so ungeschickt wie sie ist. Und der Dreck, der in den Salbenresten kleben bleibt, trägt auch nicht zur Verbesserung bei.

Hängende Unterlippe: Nebenwirkung der Sedierung

Mir kam noch eine Idee: schnell rannte ich zur Nachbarin und lieh mir ein fly veil von ihren Pferden aus. So konnte ich die Augensalbe verabreichen und brauchte keine Angst haben, dass gleich alles wieder verschmutzt.


Ui, haben die anderen geschaut, als Ali zurückkehrte. Sie wurde von vorne bis hinten beschnuppert, beide blubberten und schubsten sie, trieben sie vor sich her und versuchten, ihr in den Hintern zu beißen.

Am nächsten Morgen konnte ich den Fliegenschutz von der Koppel auflesen - habe nichts anderes erwartet. Solange kein Eiter sichtbar ist, werde ich keine Salbe mehr geben. 

Ali zufrieden im Strohbett




Kommentare:

  1. Hat Ali denn noch gesehen, wo sie hinläuft? Im Video wirkt es so!

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    1. Ihr linkes Auge ist ja in Ordnung - sie kann auch mit einem Auge sehen, wo sie hinläuft :-)

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