Montag, 15. Juli 2019

Tiefwinter?

Nennt man so das Gegenteil von Hochsommer?

Es ist jedenfalls grauslich. Letzten Mittwoch war die Kaltfront angesagt. Gerade noch rechtzeitig konnte ich die "verwegenen Drei" in die Arena bringen, dann setzte der Regen ein. Sie waren - wie immer - nicht glücklich, aber ich konnte ruhig schlafen. Donnerstag 10 mm, Freitag 4 mm und Samstag 8 mm Regen - die Tanks sind alle voll. Auch der 77 000 l fire-fighting-tank füllt sich langsam.

Drei Tage beließ ich sie in der Arena. Natürlich haben sie es geschafft, Unsinn anzustellen. Ein Fenster der shed wurde wohl ausgiebig inspiziert und dabei der Rahmen etwas eingedrückt. Ein Wunder, dass das Glas heil blieb. Die Öffnung, wo beim Wassertank das Regenwasser einströmt, wurde ebenfalls einer destruktiven Untersuchung unterzogen: das halbe Sieb (Schutz vor Verunreinigungen) ist weggefressen. Es zu ersetzen bedeutet wieder viel Arbeit, zu vermeiden, dass das nochmal passiert ein schier unmögliches Unterfangen.

Am Sonntag Morgen brachte ich sie auf Koppel Nr. 3, viel frisches Grün erwartete sie.



Jetzt regnet es zwar nicht mehr, aber es ist nach wie vor stürmisch und eiskalt. So zwischen Gefrierpunkt in der Nacht und max. 10°C Tageshöchsttemperatur. Der im Sommer betonharte Boden hat sich in Matsche verwandelt, die Füße der Kamele sind ständig nass.

Hatte gehofft, dass das schlechte Wetter Laila davon abhalten wird, Ali zu bespringen. War wohl nichts. Also ab heute wieder Ali tagsüber auf eine andere Koppel führen und nachts Laila mit hobbles versorgen. Alles wie gehabt, außer, dass ich nicht mit ihnen arbeite.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Und wieder heißt es:

Warten, warten, warten!

Wie mich das nervt! Der Schreiner tut einfach nix weiter. Erst soll der Fliesenleger fertig sein, dann will er Türstöcke, Türen und die Decken- / Bodenleisten anbringen. Seit Wochen liege ich ihm in den Ohren, mit mir einen Plan/Kostenvoranschlag für die Küche zu machen - aber auch das will er erst angehen, wenn alles andere fertig ist.


Dann eben nicht. Vorgestern war ein Vertreter einer anderen Firma da und will mir bis zum Wochenende einen KV schicken. Außerdem habe ich den Elektriker angetrieben - jetzt funktionieren zumindest einige Steckdosen (sehr zur Freude des Fliesenlegers, der am Montag 08.07. angefangen hat, das Bad zu kacheln ☺).

Vergangenes Wochenende erwarb ich zwei Betten, Nachtkästchen und einen Kühlschrank. Natürlich ist das Zeug nicht lagernd - Lieferzeit 2 - 3 Wochen. Dann bin ich gezwungen alles selber mit dem LKW abzuholen, bis zu mir wird nicht geliefert 😢.

Ein zweiter KV steht auch noch aus: eine Taubenschar von mittlerweile elf Mitgliedern hat beschlossen, meine schöne neue Arena als Daueraufenthalt in Beschlag zu nehmen. Sogar Eier habe ich im Sand gefunden. So geht das nicht. Sie scheißen mir alles voll - sollen sich eine andere Unterkunft besorgen. Zumindest oberhalb der Fenster lasse ich (wahrscheinlich ... hängt vom Preis ab) spitze Zacken anbringen, damit sie sich nicht niederlassen können. Außerdem besorge ich mir ein Luftgewehr (meine Tikka .243 ist dafür ungeeignet). Der Typ von der pest control meinte, Abschuss sei die einzige Möglichkeit, Tauben endgültig loszuwerden.

Training geht momentan nicht, jetzt entlastet Jamahl sein rechtes Vorderbein 🙍.
Die Kamele sind ständig am raufen, der Boden ist durch das Grünzeug glitschig, somit rutschen sie öfters aus und zerren sich einen Muskel.




Donnerstag, 4. Juli 2019

Jamahl indisponiert

In der letzten Woche hat Jamahl gelahmt. Also nicht wirklich gelahmt, aber wenn er irgendwo stand, hat er sein linkes Vorderbein entlastet.

Ich habe die Sohle auf Fremdkörper untersucht, konnte nichts finden.


Ein bisschen uneben und rau, aber kein Grund zum hatschen. In der Bewegung konnte ich keine Einschränkung feststellen.


Sicherheitshalber habe ich jegliches Training ausfallen lassen - Ruhigstellung als Therapie.

Gestern morgen staunte ich nicht schlecht, als ich Jamahl mit Ali raufend vorfand. Das hat es bis jetzt noch nicht gegeben. Ok, Jamahl hat schon öfters Ali vom Futter verjagt, aber Ali hat noch nie Kontra gegeben. Denke, dass die Hormone einkicken, es ist schließlich mitten im Winter.

Jamahl ist jedenfalls wieder voll fit.


Samstag, 29. Juni 2019

Letzte Woche im Juni

Nass bis auf die Haut wurde ich heute morgen.



Gestern noch 21°C, aber eine Schlechtwetterfront war im Anmarsch. Sie erreichte uns später als vorhergesagt, der eiskalte Sprühregen setzte genau zum Frühstück ein. Einerseits hatte ich absolut keine Lust hinaus zu gehen, andererseits: wofür habe ich die Arena bauen lassen? Also, einpacken wie ein Eskimo und hinaus in die wilde Natur.

Die Kamele lagen mitten im Strohballen, ihre Hintern der Front zugewandt.

'Was ist? Wollt ihr unter Dach und Fach, oder draußen bleiben?'

Sie schauten mich groß an - ich wollte schon ins Haus, als Ali aufstand und mir nachschlurfte. Ok, also gehen wir es an. Halfter geholt, Ali Richtung Arena zu einem Zaunpfosten geführt und angebunden. Laila hatte noch ihre Fußfesseln an - auch recht, kann sie nicht herumhopsen. Jamahl machte sich aus dem Staub und fing an zu brüllen. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er bei Laila bleiben oder besser Ali folgen soll. Irgendwann konnte ich ihn erwischen, verband ihn mit Laila und wollte beide zur Arena führen. Zuerst noch ein intensiver Kampf mit Madam, die sich ums verrecken nicht das Halfter anlegen lassen wollte. Meine Hände waren steif gefroren, die Handschuhe völlig durchnässt. Jetzt wollte ich es wissen. Der Regen prasselte, der Wind pfiff, die Kamele kämpften - nach einer gefühlten Ewigkeit waren sie aber dort, wo ich sie haben wollte.

So anstrengend es war, so befriedigend war es, das Ziel erreicht zu haben. Ich glaube, darum geht es auch beim trekken. Es heißt zwar "Der Weg ist das Ziel", aber das ist nicht immer der Fall. Mit den Kamelen unterwegs sein ist anstrengend, das Leben draußen im Dreck, in der Kälte ohne Annehmlichkeiten der Zivilisation ist alles andere als fun. Aber die Reise durchzuziehen, anzukommen: das schafft Satisfaktion.

Das Wetter am vergangenen Sonntag 'ticked all boxes'. Es war windstill, die Temperatur mild, der Himmel blau. Ich organisierte mir Hilfe und spannte die Kamele in den Gypsy-Wagen. Da das letzte Training sehr unangenehm geendet hatte (Laila reagierte panisch, schlug mit den Metallbügeln um sich und verursachte mit ihrem dicken Hintern eine Delle in meiner Autotür), waren meine Nerven angespannt. Um so schöner, dass alles wie am Schnürchen klappte. Ein paar Kilometer die Straße hinauf und wieder zurück, anschließend das Auto vom Gypsy-Wagen entkoppelt und die Kamele dazu gebracht, das letzte Stück zu ihrer Weide das Gefährt aktiv zu ziehen. Babysteps, wie der amerikanische Trainer ständig wiederholt hatte. In aller Ruhe die Tiere von dem Zuggeschirr befreit und sie auf ihre Koppel entlassen.


Am Donnerstag (26.06.) machte der australische Trainer, bei dem ich vor drei Jahren mit Laila und Ali war, bei mir Zwischenstation.



Er und seine Nichte touren 200 km mit vier Kamelen und einem wagon von Alice Springs nach Finke und wieder zurück. Als ich ihm meinen wagon zeigte meinte er, dass der Schaft, an dem die Kamele befestigt werden, zu schwer sein. Sie müssen es mit ihrem Hals anheben, was auf Dauer sehr unangenehm wird. Jetzt muss ich was konstruieren - eine Feder/Kette/Seil oder dergleichen - um das Gewicht abzufedern. Hm, mal sehen wie ich das umsetze.

Samstag, 22. Juni 2019

World Camel Day 22.06.2019 - Statistik


Das world wide web weiß offensichtlich nicht genau, wieviele frei herumlaufende Kamele es in Australien tatsächlich gibt. Sind es 1,2 Millionen? Oder "nur" 250.000 ?

Ich habe einen Beamten der Regierung gefragt und er war so nett, mich auf den richtigen Weg zu führen. Eines vorne weg: genaue Zahlen hat keiner, alles sind Schätzungen!

Der letzte arial count wurde 2013 durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass ca 300.000 'wilde' Dromedare in Australien herumlaufen.

Es wird eine Vermehrungsrate von 6% pro Jahr angenommen, abzüglich 4-5.000 Abschüsse (culling) und 160 Tiere/Woche über 44 Wochen/Jahr die der Fleischnutzung zugeführt werden.

Ergibt (laut Berechnung des offiziellen Mitarbeiters) ein Bestand Ende 2019 von ca 358.000 Tieren.

Die weitaus höheren Schätzungen von 1,2 Mio sind bewusst falsch lanciert, um höhere Abschussprämien von der Regierung zu erpressen. Wieder was gelernt!

Donnerstag, 13. Juni 2019

Bent but not broken

Zehn Tage nach der Rückkehr fühlte ich mich wieder bereit, mit den Kamelen zu arbeiten ... oder sie arbeiten zu lassen. Es war Sonntag und gerade als ich die Halfter bereit legen wollte, fing es an zu regnen. Ok, dass muss nicht sein. Also Abbruch, lieber die Sauna anschmeißen und den alten Körper pflegen.
Am Dienstag dann endlich: strahlend blauer Himmel, viel zu milde Temperaturen für die Jahreszeit, aber perfekt, um sich draußen aufzuhalten. Die drei gehalftert und an den Hänger angebunden. Ich war beeindruckt! Als wenn sie eine Leistungsklasse übersprungen hätten. Ruhig und diszipliniert von A nach B gegangen, ohne zu zerren oder sich in einen Busch zu schmeißen. Alle drei benahmen sich wie die Lämmchen. Bin mal gespannt, ob das so bleibt oder eine Ausnahme von der Regel war.
Eine große Runde mit ihnen gefahren und bei der Rückkehr überlegt, ob ich sie in die Arena bringen soll. Niederschlag war angesagt, aber es war kein Wölkchen zu sehen. Wahrscheinlich fällt der Regen sonst wo, aber nicht bei uns. Also sie auf ihrer Koppel belassen und es kam wie es kommen musste: Gewitter in den frühen Morgenstunden und Regen, sehr viel Regen. 


Sonntag, 9. Juni 2019

Aftermath

Zurück in Marree begab ich mich zu Roadhouse. Ein Tässchen Milchkaffee sollten meine Nerven beruhigen, taten es aber nicht. Immer wieder kam es in mir hoch, dass konnte doch alles nicht wahr sein? Schließlich trat ich an den Inhaber heran und fragte, ob er von hier sei. Als er bejahte, erzählte ich ihm mein Leid. Er schüttelte den Kopf. Das gibt es doch nicht, sagte er. Das ist ja 'harassment'. Am besten, ich gehe rüber zur Polizei. Dort sei Kate, eine sehr nette Polizistin, mit ihr sollte ich das besprechen. Gesagt, getan. Ich lief zur Wache und fragte unschuldig, welche Bedingungen ich erfüllen muss, um mit drei Kamelen den Oodnadatta Trek zu marschieren. Und ob ich ein health certificate für die Tiere brauche? Und wo der dog fence sei? Es stellte sich heraus, dass alles von dem Farmer erstunken und erlogen war. Es ist und bleibt eine öffentliche Straße mit einem breiten Gürtel, der von jedermann benutzt werden kann. Gesundheitszeugnis innerstaatlich ist keinesfalls erforderlich und der dog fence ist nur weitere 15 km entfernt - wäre ein leichtes gewesen, ihn innerhalb eines Tages zu erreichen. Wer mir denn da den Bären aufgebunden hätte? Nun, der Typ hatte sich nicht vorgestellt, aber nach meiner Beschreibung, wurde er als 'Georg' identifiziert. Als Querulant bekannt und wenn er noch einmal Schwierigkeiten macht, soll ich mich auf die Polizei berufen!
Was für eine Erleichterung. Im Laufe des Tages klagte ich noch mehreren Leuten mein Leid, so sorgte ich für ordentlich Gesprächsstoff in dem 70-Seelen-Ort. Alle waren auf meiner Seite und bedauerten das Erlebte.
Ich machte mich auf dem Weg, um dem Trainer entgegen zu gehen, aber noch vor erreichen des Ortsausganges konnte ich ihn schon sehen. Er war recht flott unterwegs, nur knapp zwei Stunden für die 11 km (er hatte auch Rückenwind 😜).

Trotz der Rückendeckung von der Polizei und Bevölkerung wollte ich nicht mehr. Wir blieben an dem Tag noch vor Ort, bereiteten aber alles für die Rückfahrt vor. Ich hatte noch Optionen, einen Aufenthalt in den Flinders einzulegen - verschob die Entscheidung aber auf später.

Am nächsten Tag erhielt ich eine sms, dass der cameleer, der direkt auf unserem Weg nach Hause wohnt, von einem Aufenthalt zurück sei. Er hatte vorher Interesse bekundet, den Amerikaner kennenzulernen. Das traf sich gut, so verabredeten wir eine Zusammenkunft auf seiner Farm. Am späten Nachmittag erreichten wir das Ziel, wo der cameleer voll in Aktion war. Er trainierte einen wunderschönen riesigen Bullen, frisch aus der Wildnis. Der sollte sich niederlegen, leistete aber erfolgreich Widerstand. Der cameleer zeigte dem Trainer noch dies und das, und bevor wir uns versahen, dämmerte es bereits. Ich wollte wieder in meinem LKW übernachten, dachte zuerst daran, dem Trainer mein Camping-equipment zu Verfügung zu stellen, fragte dann den cameleer, ob der Wohnort über ein Hotel verfüge. Klar doch, aber der Amerikaner könne gerne bei ihm im Wohnhaus übernachten. Mir war das nicht Recht. Schließlich gibt es noch die Ehegattin, die ja mit dieser Entscheidung überrumpelt wird. Die Männer waren sich allerdings einig und schon stand ich alleine auf der abgelegenen unbewohnten Farm.

Am nächsten Morgen wurde mir erst bewusst, was am Vortag passiert war. Die zwei haben mich einfach sitzen lassen. Nicht ein einziges mal kam zur Sprache, ob ich die (mir bekannte) Gattin treffen möchte, oder am Abendessen teilhaben will - man hätte mich ja wieder zurück fahren können. Die haben sich einen gemütlichen Abend gemacht, viel Interessantes ausgetauscht und mich wie einen räudigen Hund außen vor gelassen. Eigentlich wollten wir zwei oder drei Tage mit dem cameleer verbringen, auch ein kurzes Trekken auf seinem riesigen Grundstück war angedacht gewesen, aber jetzt war ich sauer.

Nach dem obligatorischen Frühstück entschied ich mich endgültig dazu, Heim zu fahren. Die Kamele hatten die Nacht in einem engen Pferch verbracht und auf Anraten des cameleers nichts zum Fressen erhalten. Es sei besser, sie für einen anstehenden Transport auszunüchtern, meinte er. Jetzt waren sie besonders hungrig und ich nutzte diesen Umstand, um sie ohne Hilfe und seitliche Begrenzung der Rampe aufzuladen! Den Korb mit frischem Heu vor der Nase und Ruck-Zuck waren sie oben. Der Trainer hatte noch nicht einmal nachgefragt, wann wir uns denn wieder treffen sollen? Er hatte immer betont, mein Wohlergehen und meine Wünsche hätten oberste Priorität - aber sagen und handeln sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Ich verließ das Grundstück um 08.00 Uhr und schrieb eine Nachricht, dass er gerne noch beim cameleer bleiben kann (was er aber nicht tat), ich bin jedenfalls auf dem Weg heim.

Unterwegs holte ich noch die Hunde aus der Tierpension - glücklicherweise haben beide den Aufenthalt ohne Probleme überstanden.

Am Samstag, den 01. Juni zog der Trainer - fünf Tage früher als vorher vereinbart - weiter. Ich war mental nicht in der Lage, eine neue Trainingseinheit anzuschließen, brauchte Abstand und Ruhe. Ich weiß, ihn trifft nicht die geringste Schuld am Misserfolg - ich bin das Weichei, dass lieber daheim als unterwegs ist, dass sich in die Hose macht, ob der vielen Herausforderungen. Er war sehr nett, hilfreich wo er konnte, versuchte ständig mich zu ermuntern, lobte mich andauernd über den grünen Klee. Trotzdem wollte ich ihn nicht mehr sehen - bei seinem Anblick musste ich ständig an mein Versagen denken.

Freitag, 7. Juni 2019

Over and out

29.05.2019 ∣ Insgesamt gut geschlafen, nur ein-, zweimal kurz aufgewacht und das Gasöfchen angeschmissen. Der alten Frau war es einfach zu kalt.
Morgenroutine wie gehabt, anschließend jedem Kamel Wasser angeboten. Diesmal tranken sie eine ordentliche Menge. Übermütig ließ ich Ali und Laila frei - allerdings mit Fußfesseln versehen - laufen. Sie knusperten etwas von den meist vertrockneten Büschen. Jamahl blieb sicherheitshalber angebunden - er war mein Pfand, ohne ihn würden die girls sich nicht davon machen.
Nun alles wieder verpacken. Alle Kisten in die entsprechenden Packtaschen verstauen, die Trinkwasserbehälter mit dem mitgebrachten Schlauch auf gleichen Inhalt austarieren. Insgesamt hatte ich 3 l verbraucht, jedem Wassertank also 1,5 l entnommen. Zelt abbauen, Matratze und Schlafsack zusammenrollen und in ihre Hüllen zwängen.
Der Trainer erschien zum vereinbarten Zeitpunkt und war erleichtert, uns wohlbehalten vorzufinden. Wir waren im Begriff die Mädels einzufangen, als plötzlich ein Auto auf unser Camp zufuhr. Es war ziemlich flott und fuhr bewusst dicht an die Kamele an, die nervös zu tänzeln begannen. Was uns denn einfiele? Herrschte uns der Fahrer an. Wie wir denn auf die Idee kämen uns hier aufzuhalten? Wir wandern auf dem Oodnadatta Trek, war unsere Antwort. Das ist doch eine öffentliche Straße! Blödsinn, erwiderte er, das ist Privatbesitz. Wir haben kein Recht hier zu marschieren. Und überhaupt, habt ihr ein Gesundheitszeugnis für eure Kamele? Wieso? fragte ich. Ich bin aus Südaustralien, wir kommen doch nicht aus einem anderen Staat. Das brachte ihn so richtig in Rage. Wir machen seine Rinder krank, wir brauchen ein health certificate, wir sollen uns davon machen. Der Trainer und ich standen dort wie die begossenen Pudel. Hinter dem dog fence sei aboriginal land, da kräht kein Hahn danach, da könnt ihr machen, was ihr wollt. Wo der dog fence sei, wollte ich wissen. 50 miles entfernt, hieß es. Mir fiel die Kinnlade runter. So weit kann ich an einem Tag  nicht gehen. Meine in den letzten Tagen zum zerreißen gespannten Nerven waren nun durch. Ein letzter Versuch, dem Farmer finanzielle Entschädigung anzubieten schlug ebenso fehl, wie die mehrfach vorgebrachte Entschuldigung - wir sollen einfach nur verschwinden, und dass so schnell wie möglich. Damit preschte er davon.
Was nun? Weitergehen und uns offensichtlich weiterhin in dem Einzugsbereich des Landbesitzers zu befinden? Die Kamele verladen und ein Stück mit dem LKW fahren? Ich war 'done and dusted'! Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte. Ich wollte nur noch Heim. Schweigsam sattelten wir die Kamele, zwischendurch bekam ich einen Heulkrampf. Als ich soweit fertig war, trat der Trainer auf mich zu und sprach ernsthaft auf mich ein: "What your camels need now is a confident leader". Das war's dann endgültig. Ich bin absolut kein 'confident leader', schon gar nicht hier und heute. Genau die falschen Worte, mich in irgendeiner Weise zu motivieren. Hätte er nix gesagt, wäre ich schon unterwegs gewesen. Hätte er einen lockeren Spruch über den Farmer oder uns gemacht - hätte ich lachen und weiter gehen können. Hätte er - was jeder Einheimische mit etwas Selbstbewußtsein gemacht hätte - den Farmer nicht Ernst genommen und wäre einfach weitergegangen, ich hätte mitgemacht. Er hätte sagen können: "get over it princess"... aber mir zu sagen, meine Tiere brauchen jetzt einen 'confident leader', hat zu einem völligen shut down geführt. Ich drückte dem Trainer die Leinen in die Hand, teilte ihm mit, dass ich alles bin, aber auf keinen Fall dass, was von mir erwartet wird, bin in das Auto gestiegen und nach Marree zurück gefahren.

Das war wohl der kürzeste Trek, der jemals gelaufen wurde. Andere rühmen sich mit tausenden von Kilometern, ich schaffte genau 11! ELF KILOMETER OODNADATTA TREK! Guinness reif  👀

Der erste Tag

28.05.2019 | Ich hatte nicht gut geschlafen. Zum einen vollgepumpt mit Adrenalin ob der bevorstehenden Ereignisse, zum anderen bin ich es nicht gewohnt, abends zu essen. Das frittierte Zeug lag mir wie ein Stein im Magen ... selber Schuld.
Mit klammen Fingern bereitete ich mir auf dem Gaskocher einen Tee zu, aß eine Scheibe Brot mit Käse sowie ein hart gekochtes Ei. Anschließend Zähneputzen, Katzenwäsche und alles Gedöns wieder wegräumen.
Nachdem ich die Kamele mit etwas Heu versorgt hatte, begannen die eigentlich Vorbereitungen für die Beladung der Tiere. Alle Packtaschen, Decken, Sättel, Fußfesseln, und sonstiges Zeug mehr oder weniger ordentlich draußen schlichten, dann die Kamele mit Halfter und Leinen versehen, aus dem Yard holen und nebeneinander an Pfosten binden.
Mittlerweile war der Trainer eingetroffen und half mir bei den Entscheidungen wer was zu schleppen hat. Noch einmal wog ich den Inhalt der Packtaschen mit einer Federwaage, um die gleichmäßige Verteilung der Lasten zu garantieren. [Jamahl: rechts 20 l Wasser, # 4 Ersatzteile, Schlaftsack, Stuhl; links 20 l Wasser, # 1 Gasöfchen, -kocher, Zelt, Kopfkissen Laila: rechts # 2 Küchenutensilien, Verpflegung; links # 3 Kleidung, Hygieneartikel, Matraze, Tischchen]. Gute zwei Stunden später waren wir endlich abmarschbereit!
Laila mit Reitsattel, zwei Packtaschen und dem Gewehr obenauf, Jamahl mit Packsattel, zwei Taschen, Ali mit Brustgeschirr und einer hinten angebundenen orangefarbenen Sicherheitsweste und ich mit einem Rucksack, der neben Wasser und Nüssen alles mir Wertvolle enthielt. 
Ich war jetzt schon platt - wegen mir hätten wir Schluss machen können. Alles wieder abladen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Leider keine Option, so marschierte ich tapfer los. Laila war viel zu schnell. Wir mussten einige Tore durchqueren, was besonderer Aufmerksamkeit bedurfte, um zu verhindern, dass die Packtaschen irgendwo hängen bleiben. Zuerst ging alles gut, dann passierten wir eine Kabine, die bei Veranstaltungen für den Verkauf der Eintrittskarten verwendet wird. Jamahl flippte aus. Er zog mit einem Satz rückwärts, zerriss sein Halfter und verbog den Karabiner, der ihn mit Laila verband. SUPER START! Was nun? Tief in den Packtaschen befand sich das Ersatzhalfter - keine Option für den Augenblick. Wir entschlossen uns, das Halfter und die Kette von Ali für Jamahl zu verwenden und aus Ali's neck rope ein provisorisches Halfter zu basteln. Ich war nervlich am Ende, dabei hatten wir noch gar nicht angefangen.
Irgendwann erreichten wir die Straße, aber nur kurze Zeit später befanden wir uns vor dem ersten Hindernis - ein cattle grid. Da gehen die Kamele nicht rüber, also muss ein Weg daran vorbei gefunden werden. Der Trainer ging vor und fand eine Stelle, wo der anschließende Zaun niedergetrampelt war. Vorsichtig lotsten wir die Tiere über den Stacheldraht.
Der Verkehr hielt sich in Grenzen, vermutlich wegen der bereits erreichten Mittagszeit. Kam doch einmal ein Fahrzeug war ich angewiesen, mit den Kamelen die Straße zu verlassen und sie so auszurichten, dass sie die 'Bedrohung' sehen können. Der Trainer war redlich bemüht, die Autofahrer mit entsprechenden Armbewegungen zum langsam fahren zu veranlassen. 99,9 % folgten den Instruktionen, der eine Idiot, der mit Vollgas vorbeirauschen musste, wurde glücklicherweise von den Tieren toleriert. Einige Touristen stoppten und schossen Fotos (einmal ! wurden wir sogar gefragt, ob uns das den recht sei), was fast genauso unangenehm war wie der eine Raser - es machte die Kamele nervös.
Wie befürchtet, war das Gelände unmittelbar links und rechts von der Straße übersät mit zerbrochenen Glasflaschen und anderem scharfkantigen Unrat. So kehrte ich immer wieder auf die gravel road zurück. Zickzack laufen, schauen ob Fahrzeuge kommen, Hindernissen ausweichen, Laila kurz halten ('she hasn't earned freedom yet' war der ständige Spruch des Trainers) und dann noch heftiger Gegenwind. Zu allem Überfluss hatte ich einen Stein im Schuh, genau am oberen Rand hinter der Achillesferse. Ich traute mich nicht anzuhalten um den Schuh auszuziehen, so rieb sich der Fremdkörper immer tiefer ins Fleisch. Die ganze Zeit fragte ich mich, wo denn der 'fun' bleibt? Was soll denn bei dieser Schinderei noch Spaß machen? Warum tue ich mir das an?
Je weiter wir kamen, desto mehr Sorgen machte ich mir um den Trainer. Der muss ja den ganzen Weg wieder zurück! Ich erklärte, dass er mich getrost alleine lassen kann, er solle doch besser gehen und das Auto mit etwas Heu und Wasser für die Kamele holen. Er entschied sich, es per Anhalter zu versuchen. Die ersten drei Autos die er anhielt konnten ihn nicht mitnehmen, da sie vollbepackt und besetzt waren, schließlich hielt ein Arbeiter mit einem ute, der nahm ihn dann mit.
Nun war ich auf mich allein gestellt, ich riss mich zusammen und marschierte konzentriert weiter. Gleichzeitig hielt ich Ausschau nach einem Rastplatz. In der Ferne konnte ich eine Reihe von Büschen und Bäumen ausmachen, bis dahin und keinen Schritt weiter!
Als ich den dry creek erreichte, band ich Laila an einen Baumstumpf und gönnte mir eine Pause. Trank von meinem Wässerchen und aß von meinen Nüsschen ☺. Doch da tauchte schon der Trainer auf. Ich erklärte ihm, dass ich fertig sei: physisch und psychisch und ich keinen Schritt mehr laufen würde. Es war erst gegen 15.00 Uhr, aber das war mir egal. So half er mir, für jedes Kamel einen Baum/Busch zu finden, an dem es angebunden wurde, zusätzlich legte ich jedem hobbles an. Ich fand das zwar etwas übertrieben, aber der Trainer wollte sicher gehen. Dann verteilten wir etwas vom mitgebrachten Heu und offerierten Wasser - aber nur Ali war wirklich durstig.
Der Trainer verließ mich und ich baute mein Zelt auf. Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Gestänge klar kam, die selbst-aufblasbare Matratze und den Schlafsack aus ihrer Umhüllung gefriemelt und jede einzelne Kiste aus den Packtaschen geholt hatte! In jeder war etwas, was ich benötigte. Bis ich alles arrangiert hatte war es bereits dunkel. Mein Tomatensüppchen schmeckte dafür besonders lecker. Gegen 19.00 Uhr fiel ich halbtot in die Koje.




Mittwoch, 5. Juni 2019

Anreise

27.05.2019 | Es war stockduster als um 05.30 Uhr der Trainer bei mir auftauchte. Er hatte sich mittlerweile an den Linksverkehr gewöhnt und fuhr mit meinem Auto von und zur Unterkunft.
Die Kamele befanden sich auf Grund des regnerischen Wetters in der Arena. Sie waren nicht begeistert und standen ungeduldig am Tor, die ihnen angebotene Luzerne hatten sie nicht angerührt. Der Trainer übernahm Laila und Jamahl, ich schnappte mir Ali. Natürlich tanzte sie herum und zog mich überall hin. Ich hielt sie nur am neck rope, die kurze Führleine, die an der Kette befestigt wird, befand sich bei Laila. Das nutzte Ali aus, um mich alt aussehen zu lassen. Irgendwie schaffte ich es dann doch noch bis zum LKW, der sich neben der Koppel befand.
Langsam wurde es heller, wir konnten die Taschenlampen ausmachen. Das Verladen in der Dämmerung verlief recht flott und um 06.35 Uhr verließen wir das Grundstück.
Erster Stop in Terowie um zu tanken, zweiter in Hawker um zu essen. Leider war die Bäckerei geschlossen und für einen Besuch im Pub war es um 11.00 Uhr noch zu früh. Also weiter, bis Lyndhurst. Auch hier die Enttäuschung, dass das roadhouse zu war, aber das hotel (= Pub, = Restaurant) offerierte eine Kleinigkeit: Fleischburger für den Trainer, Käsetoast für mich.
Die 80 km von Lyndhurst nach Marree lagen mir schon den ganzen Tag im Magen, da ein großer Teil der Strecke unbefestigt ist. Das bedeutet wackeln, ruckeln, hüpfen für die Kamele. Man kann auch nicht langsam fahren, da man dann die Bodenwellen voll abkriegt. Wie auch immer - es klappte alles recht gut und gegen 16.00 Uhr erreichten wir die camel yards in Marree. Der Trainer checkte einige Möglichkeiten und entschied sich für etwas entfernter gelegene Pferche, die einen stabilen Zaun aufwiesen. Wir nutzten eine Erdanschüttung für die Rampe, so konnten die Kamele fast ebenerdig den Truck verlassen.
Daheim hatte ich den 250 l  Tank, der sich unterhalb des LKW befindet, mit unserem Regenwasser angefüllt. Ich bot ihnen etwas davon an, aber nach einer kurzen Geschmacksprobe wandten sie sich ab. Später wusste ich auch warum. Ich putzte mir die Zähne mit dem Wasser und musste feststellen, dass es nach Sprit schmeckte! Obwohl 'water only' auf dem Tank steht, war er irgendwann mal mit Benzin oder Diesel befüllt worden. Ärgerlich, d.h. wir müssen Trinkwasser für die Kamele besorgen!
Nachdem die Tiere versorgt waren, kümmerten wir uns um die Unterkunft für den Trainer. Ich hatte ihm eine cabin auf dem Campingplatz besorgt, da das Hotel ausgebucht war. Es ist Hochsaison und Busladungen von Touristen belegen jeden freien Fleck. Lake Eyre füllt sich mit Wasser, ein Ereignis, welches alle 50 Jahre zu beobachten ist - kein Wunder, dass der kleine Ort überlaufen ist.
Die angebotene Unterkunft war in Ordnung, sehr einfach, aber der Trainer stellte keine großen Ansprüche. Anschließend füllten wir unsere Mägen im Restaurant.
Meine erste Nacht verbrachte ich im LKW. In der Führerkabine ist Platz für eine Matratze und ich hatte es mir mit meinem Bettzeug dort gemütlich gemacht.

Dienstag, 4. Juni 2019

Vorbereitungen (2)

22.05.2019 | Obwohl es einige Umbuchungen gegeben hatte, kam der Trainer (wenn auch ohne sein Gepäck) eine Stunde früher in Adelaide an. Vor die Wahl gestellt gleich in die Unterkunft zu fahren und sich auszuruhen, oder besser wach zu bleiben, um den Jetlag schneller zu übertauchen, entschied er sich für letztere Variante. So zeigte ich ihm Glenelg, einen hübschen am Meer gelegenen Stadtteil, genossen eine saftige Pizza und aßen das beste Eis, was Adelaide zu bieten hat.

23.05.2019 | Erste Begegnung des Trainers mit meinen Kamelen. Sie gestaltete sich so, wie in einem kurzen Video auf seiner FB Seite zu sehen ist: den Tieren ausreichend Zeit geben, das Gesicht zu beriechen und dann sanft in die Nüstern blasen. Angeblich können sie so Stimmungen (Angst, Aggression o.ä.) lesen.
Nach ihrem obligaten Frühstück startete das erste Training. Ich bin nach wie vor unfähig sie gesittet einen Abhang hinunter zu führen, also nix wie auf zum Grundstück des Nachbarn. Ich legte ihnen das Brustgeschirr an, fixierte sie hinten am Anhänger. Eine kurze Fahrt und wir erreichten das Tor, wo ich die Kamele in Formation brachte. Das erste Stück geht gerade, dann sanft bergauf bevor es das erste Mal bergab geht. Wir hielten auf der Kuppe und der Trainer zeigt mir, wie ich in Babyschritten rückwärts gehen sollte. Ein Schrittchen nach dem anderen. Laila war mit ihrer Kette am Halfter relativ leicht zu manipulieren, aber Jamahl drängte wie gewohnt vor. Ich wirbelte die Führleine im Kreis und jedesmal, wenn Jamahl ansetzte zu schubsen, kriegte er eine auf die Nase. Nicht fest, gerade so, dass es unangenehm war. Es dauerte eine Ewigkeit bis wir die Strecke zurückgelegt hatten, aber ich war die ganze Zeit über in Kontrolle. Sogar den dry creek überwanden wir, ohne dass eine wilde Jagd losging.
Im Anschluss an das Training versorgte ich den Gast noch mit einem Mittagessen (Krautfleckerln😉). Er war dann doch müde - etwas später kehrte er in seine Unterkunft zurück.

24.05.2019 |  An diesem Tag wollte ich die Kamele in unbekanntes Gebiet führen. So lud ich sie in den LKW - was erstaunlich gut klappte. Die Rampe seitlich begrenzt vom Zaun auf der einen und meinem Auto auf der anderen Seite. Jamahl hatte nicht viel Möglichkeiten auszuweichen und war bald oben. Laila ging gleich beim ersten Anlauf, war etwas zu flott und rutschte aus (ohne sich zu verletzen). Ali spielte wieder Rammbock, wurde aber mit einem Klaps auf den dicken Hintern davon überzeugt, besser doch hoch zu steigen.
Eine kurze Fahrt und ich entlud die Tiere an einer Stelle, die ihnen unbekannt war.


Es folgte ein Spaziergang auf einer schmalen Landstraße. Sie waren nervös und bald begann Jamahl zu drängeln. Wir blieben stehen und beratschlagten, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Endergebnis war, dass von nun ab die Kette von Jamahls Halfter mit einem Karabiner am hinteren Teil von Lailas Brustgeschirr befestigt wird. Sobald der Bursche versucht Extratouren zu gehen, wird er durch die Kette daran gehindert. Er hat schnell gelernt und ist jetzt wesentlich führiger.



25.05.2019 | Schlechtes Wetter war angesagt. Aber wofür habe ich eine Überdachung? Der Trainer machte vor, wie man drei Kamele in einem Schwung von der Koppel in die Arena führt. Ohne, dass sich Laila in die Büsche wirft oder Jamahl vorwärts stürmt, ohne dass drei Zwischenstation eingelegt werden müssen oder eine halbe Stunde vergeht, bis endlich alle drin sind. Beeindruckend.
Ich schleppte die Sättel an und bekam endlich gezeigt, wie sie ordentlich befestigt werden. Bisher habe ich die Gurte immer zu locker befestigt. Sie sollen so eng anliegen, dass - wenn man am Sattel hin und her ruckelt - sich das ganze Kamel bewegt (und nicht der Sattel). Man kann, wenn man nur mit eigener Muskelkraft die Gurte anzurrt (und nicht mit Hilfe einer Ratsche), einen Kamelbrustkorb nicht abschnüren oder verletzen, erklärte mir der Trainer. Außerdem sollte das Gestell so ausgerichtet werden, dass die Stangen vom Sattel parallel zum Boden liegen, nicht irgendwie schief zum Himmel ragen.


Dann noch die Packtaschen mit jeweils 20 kg Gewicht angehängt und ein paar Runden in der Arena marschiert. Die spiegelnden Fenster und wuchtigen Wassertanks lösten einige unkontrollierte Hüpfer aus, aber nach der x-ten Schleife klappte auch das. Ich war schon wieder am Ende meiner Leistungsfähigkeit angelangt.


Bevor wir das Training beendeten kam der Trainer auf meinen Wunsch zurück, einmal auf Laila reiten zu können. Wir ließen sie sich ablegen und machten ein paar Trockenübungen auf ihr. Dann war der Moment gekommen, an dem ich fest im Sattel saß und der Trainer Laila aufstehen ließ. 


Ein erhebendes Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes ☺

26.05.2019 | Letzter Tag der Vorbereitungen. Höchste Zeit, sich auf die Packerei zu konzentrieren. Den ganzen Tag verbrachten wir in der Scheune und sortierten ein und aus. Einiges, was ich vorbereitet hatte befand der Trainer als nicht erforderlich, wie z. B. ein großer Spaten, abgesägte Äste (die man vergraben und zum fixieren der Kamele verwenden kann) oder der Elektrozaun samt Batterie. Vier Kisten wurden befüllt: # 1 Gasöfchen und -kocher, Kartuschen # 2 Küchenutensilien und Verpflegung, # 3 Kleidung und Hygieneartikel, # 4 Ersatzleinen, -halfter,-karabiner, Werkzeug u.ä.. Jede Kiste wurde gewogen, anschließend ein paar Gegenstände umgetopft, so dass jeweils zwei Kisten das gleiche Gewicht hatten (sie wogen zwischen 10 und 12 kg). Zu unterst von Jamahls Packtaschen wurden je ein Kanister Trinkwasser à 20 l gelegt, darauf jeweils eine Kiste, während Laila nur Kisten tragen musste. Zelt, Matratze und Schlafsack wurden ebenfalls gewogen und auf die Packtaschen aufgeteilt. Die Zeit flog davon und nach einem späten Mittagessen - untermalt mit einigen Trainingsvideos von anderen Kamelexperten -verabschiedete sich der Trainer bis zum nächsten Morgen.

Montag, 20. Mai 2019

Vorbereitungen (1)

Wasserentzug | Auch wenn Kamele ökonomisch mit Wasser umgehen können, sollen sie doch nicht von einem Tag auf den anderen dürsten müssen. Sie sollen langsam darauf vorbereitet werden und so habe ich angefangen, sie nur noch alle zwei Tage zu tränken. They're not amused.


Chaos |Keine Ahnung, wie alles zu packen ist. Nachdem ich liebe Ermunterungen erhalten habe, habe ich mich einigermaßen beruhigt. Ich warte einfach mal ab, notfalls haue ich alles in die riesigen Packtaschen. Wenn ich was vergessen habe, muss ich halt improvisieren, bzw. kann mein Begleiter sich darum kümmern. Schlafen, essen, trinken, laufen - kann ja nicht so schwer sein.


Ernährung | Morgens Tee und eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse, während der Wanderung eine handvoll Nüsse, einen Apfel und ein hartgekochtes Ei, abends eine Dose Suppe (Gemüse, Erbsen, Kürbis, Bohnen) warm machen. Falls der Hunger zu groß wird, habe ich noch eingelegte Heringe und Dolmadakia dabei. Ich nehme einen kleine Kocher mit und werde sicher kein Feuer anfachen und Brot backen oder ähnliches. Mir wurde gesagt Dosen sind gut, da sie schon Flüssigkeiten enthalten und man so Wasser einspart. Apropos Wasser: 40 l sollten wohl für eine Woche reichen.


Elektrischer Zaun | Heute ein Stück auf dem Grundstück mit dem elektrischen Zaun abgeteilt und die drei dorthin geführt. Was für ein Theater! Jamahl hat ununterbrochen gebuckelt. Abends bei der Rückkehr auf die Koppel hat Laila einen Anfall gehabt: unbedingt wie ein Hirsch, der den Bast vom Geweih abstreifen will, ihren Dummschädel rechts und links in junge Büsche gehauen und sich anschließend in einen hinein gesetzt! Furchtbar. Dabei hat sie die Leine, mit der Ali verbunden war abgestreift. Also erstmal Laila zum aufstehen bewegen, auf die Koppel führen - derweil Jamahl unbedingt die Ali beißen wollte, die wiederum an ihn angebunden war und nicht weg konnte. Ist halt wie bei einer Generalprobe, da geht ja auch meistens alles mögliche schief. Den Elektrozaun haben sie jedenfalls akzeptiert - sogar Ali, die normalerweise keinen Respekt zeigt und einfach durchgeht. 



Donnerstag, 16. Mai 2019

Der Countdown läuft

Befinde mich kurz vor einer Panikattacke. Kann überhaupt nicht mehr klar denken. Es ist noch so viel zu tun, aber irgendwas hält mich vom handeln ab. Stattdessen denke ich den ganzen Tag darüber nach, was alles schief gehen kann. "I could freeze to death" klagte ich einer Bekannten die wissen wollte, was mich so besorgt. "Carry warm cloths" war ihre Antwort. "Or I could starve" ... "Carry enough food"... wenn das so einfach wäre. Ich werde mich dort bewegen, wo viele Autos sind. Ich habe nun mal keine Beziehungen oder Ortskenntnis für Querfeldeintouren. Wo Autos sind, sind Leute, die rücksichtslos sind. Keinen Abstand halten, Flaschen aus dem Auto schmeißen. Ich sehe schon Schnittwunden an den Sohlen. Und wo soll ich abends mein Zelt aufschlagen. Im Straßengraben? Was habe ich immer für saublöde Ideen?

Aber ich zieh das jetzt durch. Auf Biegen und Brechen, komme was wolle. In der großen Scheune habe ich eine Plane ausgebreitet und gestapelt, was ich mitnehmen will. Einiges muss ich noch besorgen, vieles kann ich erst ganz zum Schluss dazu tun, wie Essen, oder Dinge des täglichen Gebrauchs. Alles muss in die Satteltaschen und zwar so, dass links und rechts gleiches Gewicht vorliegt. Soll ich das Gestell mit den Wasserkanistern mitnehmen, oder die Beutel und die wiederum in die Satteltaschen geben? So viele Fragen, ich hoffe inbrünstig, dass der Trainer mir einige Entscheidungen abnehmen kann.

Mit den Tieren gearbeitet habe ich nix mehr - außer der Sonntagsrunde, die ich musikalisch untermalt habe. Jedes Tier wird eine Glocke um den Hals tragen, damit ich sie höre und schneller wieder finden kann. Ich werde auch einen elektrischen Zaun mitnehmen, aber normalerweise bekommen die Kamele nachts die Fußfesseln angelegt und können sich frei bewegen. ... Ob ich mir das zutraue? Was, wenn ich sie trotz Glocken nicht mehr finde? Mir geht die Bimmelei ganz schön auf den Zeiger. Ungut ist auch, dass man die Autos nicht mehr hört. Den Kamelen hat es nichts ausgemacht. Hatte erwartet, dass sie zumindest am Anfang ausflippen. Sie haben sich allerdings nicht getraut, etwas unterwegs zu fressen. Normalerweise bleiben sie alle paar Meter stehen, um einen Happen aufzunehmen. Aber mit der Bimmel um den Hals hat's wohl nicht geschmeckt, so waren wir wesentlich schneller unterwegs.



Donnerstag, 9. Mai 2019

Geduld haben!

Herbstlich│Es regnet in Strömen ... und die Kamele werden nass. Selber Schuld. In Anbetracht der unerfreulichen Wettervorhersage führte ich sie am frühen Morgen in die Arena, wo ich sie bis morgen belassen wollte. Jamahl war es gar nicht recht, hat ununterbrochen gemault und er wollte unbedingt weg. Das hat er dann nachmittags auch geschafft. Ich hatte Besuch und wollte ihm die Tiere vorstellen - man kann sich in etwa vorstellen, wie blöd ich geschaut habe, als wir an der Arena ankamen. Fort waren sie, weg, nicht zu sehen! Ein Glied der Vorhängekette war aufgebogen, das Tor stand offen. Nachdem ich sie wieder eingefangen hatte, verbrachte ich sie auf ihre Koppel. Richtig erleichtert waren sie, wieder in ihrer gewohnten Umgebung zu sein. Es bedarf noch einiger Anläufe und mehr schlechten Wetters, bis sie die Arena als einen Teil ihres zu Hauses akzeptieren.



Frühlingsgefühle│ Laila ist wieder schlimm. Ich ahnte es bereits, weil Ali etwas strubbelig im Bereich des Höckers ausschaut. Am Sonntag morgen habe ich Laila in flagranti ertappt. Also muss ich sie wieder trennen bzw. wenn sie Nachts zusammen sind, Laila mit Fußfesseln versehen.



Lean-to-shed │ Der Innenausbau plätschert so vor sich hin. Der Tischler ist wirklich sehr gewissenhaft und es sieht toll aus, was er bis jetzt gemacht hat ... aber er ist so langsam. Zum einen, weil er nur hin- und wieder vor Ort ist, zum anderen weil er alles alleine macht. Na ja, muss mich weiter gedulden.




Energie│Die Solarpanelen sind angekommen. Mich hat ja fast der Schlag getroffen, als ich das Paket entgegen nahm: 8,4 Kg wiegt das Ding, was so unschuldig 'solar blanket' heißt. Erwartungsvoll breitete ich die 'Decke' in der Sonne aus und steckte den USB Stecker meines Smartphones ein. Nichts. Überhaupt nichts passierte. Testete verschiedene Geräte und Stecker - nix. Also den Verkäufer kontaktiert: ja, nee - dat Ding muss erst mit einer Batterie verbunden werden, ohne Batterie lädt da nüscht! Ach du meine Güte! 8,4 kg 'Decke' + eine was-weiß-ich-wie-schwere Batterie schleppen? Um ein Handy oder IPad zu laden? Zuerst wollte ich das Drum zurückschicken, werde es aber doch behalten. Wenn ich später den Gypsy-Wagen aktiviere, dann kann ich die Solarenergie gut brauchen.


Donnerstag, 2. Mai 2019

Der Mai ist gekommen ...

Enttäuschung #1 ❙ Bin immer auf der Suche nach Gleichgesinnten. Jemand, der Kamele so sehr mag wie ich. Eine Art 'soulmate'. Aber es findet sich nichts und niemand. Alle, die ich versuchte zu integrieren sind zwar mehr oder weniger beeindruckt, aber ... Begeisterung schaut anders aus.

Hoffnungsvoll habe ich auf die Annonce einer Veterinärstudentin geantwortet. Sie pries sich als erfahren im Umgang mit Tieren, möchte ihr Spektrum erweitern und natürlich Geld verdienen. Wieviel soll's mich denn kosten? Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf $ 80,- für den Vormittag.

Es war Sonntag, ich setzte Satteltraining an. Die schwerste Arbeit blieb schon mal an mir hängen, da die junge Frau erst um 09.00 Uhr bei mir sein konnte. So hatte ich die Schlepperei mit den monströsen Gestellen bereits erledigt. Viel Quatscherei, keine Ahnung von irgendwas und als ich letztlich im Auto sass und die 2-Stunden-Runde in Angriff nahm, zog sie es vor, sich zu verabschieden. Dafür kam dann später eine sms, dass sie gerne am nächsten Wochenende wiederkommen würde, aber mehr Geld nehmen müsste. $ 20,-/Stunde sowie $ 40,- für An- und Abreise. Das war die willkommene Gelegenheit mich abzuseilen -  ist mir zuviel Geld. Mal ehrlich: eigentlich müsste sie mir was bezahlen. Ohne die geringste Ahnung oder irgendeiner mentalen Vorbereitung einen Job annehmen? Sich alles wie ein unbedarfter Besucher erklären lassen? Noch nicht einmal Knoten knüpfen können und auch nach mehrmaligem vorzeigen den bowline knot völlig falsch angehen?

Enttäuschung #2 ❙ Die nächste Zeitverschwendung folgte gestern.

Beim letzten Aufenthalt in einer Tierpension verlor Teddy enorm viel an Gewicht und hatte blutigen Durchfall. Der Amerikaner meinte es sei besser, die Hunde nicht mitzunehmen - wir sollten uns auf die Kamele konzentrieren. Fair enough. Aber mein Sensibelchen? Ich hörte mich um, ob jemand gegen gutes Geld zweimal täglich zu mir kommt und sich um die Hunde kümmert: spazieren gehen, füttern, mit ihnen spielen. Ja, da gibt es eine Frau, die ist sehr an ein Taschengeld interessiert.

Gestern war sie hier. Eine ältere Dame - Fußknöchel und Handgelenke eines Weberknechts, absolut saft- und kraftlos - die große Augen bekam, als ich von spazieren gehen sprach, unfähig war, einen 20 l Wasserkanister auch nur anzuheben (die mit zu versorgenden Emus verbrauchen viel Wasser) und sehr lange brauchte, bis sie schließlich einen Grund fand, den Job nicht annehmen zu können müssen.

Habe die Hunde sogleich in der Hundepension angemeldet - ich hoffe, dass die Anwesenheit von Teddy's neuem Kumpel Oscar den Aufenthalt im Zwinger weniger stressvoll werden lässt. Und wenn nicht ... er wird's auf jeden Fall überleben. Er hat seit dem letzten Impftermin 5 kg zugenommen, hat jetzt 51 kg! - soll er was abnehmen, es schadet ihm nicht.

Vorbereitungen ❙ Langsam wird es Ernst. Die kleine Wohnung in der lean-to-shed ist - natürlich - noch lange nicht fertig! Nicht einmal das Klo wird benutzbar sein. Also habe ich für den Besuch eine B&B Unterkunft gebucht. Werde ihn abends dorthin bringen, dann kann er auch im Pub essen gehen, und ihn morgens wieder abholen. Etwas Privatsphäre, v.a. am Anfang, erachte ich als wesentlich.

Erneut Geld ausgegeben. Ich habe John Elliott gefragt, was er für solarpanels benutzt. Ouch. Ich dachte, die von eBay (250 Watt) für $ 332,20 wären teuer, aber er hat welche für $ 799,- (180 Watt) von einer Australischen Firma. Das ist mir zuviel. Vielleicht bereue ich es später, an der falschen Stelle gespart zu haben? Wir werden sehen.

Ich fange an, alles Camping-Gedöns zusammen zu tragen. Den vor vielen! Monaten neu gekauften Klappstuhl wollte ich endlich mal testen. Ein bisschen eng, irgendwie. Und so kurze Beine? Beim genauen hinschauen des Rätsels Lösung: ich habe einen Kinderstuhl gekauft! Sowas dummes. Soll ich ihn trotzdem benutzen? Einen anderen kaufen? Umtauschen geht nicht mehr. Ärgerlich.

Sehenswert ❙  Ein beeindruckendes Video von zwei jungen Männern, die im vergangen Jahr fünf Kamele abgerichtet und mit ihnen eine einmonatige Wüstentour durchgeführt haben. Beeindruckend deshalb, weil nicht nur die highlights, sondern auch Schwierigkeiten festgehalten wurden. Jawohl, Kamele können buckeln, brüllen, sich in Leinen verwickeln und passiven Widerstand leisten. Kommt mir sehr bekannt vor, wird aber ungern gezeigt.

Donnerstag, 25. April 2019

Weiter gehts

Während sich die drei gemäßigten Schrittes hinten am Hänger vorwärts bewegten, saß ich bequem vorne im Auto und scrollte durch die Vorschläge an Hörbüchern. Paulo Coelho sollte es werden - schließlich handelt es sich um einen Bestseller-Autoren und ich Banause habe noch nichts von ihm gelesen.

"Der Alchemist" beschäftigt sich mit Träumen und der Anregung, diese auch wahr werden zu lassen. Das gab mir Auftrieb und so habe ich ungeheuer mutig zum ersten Mal seit dem Unfall vor sechs Wochen nach 3 km angehalten und bin die restlichen 11 km mit ihnen marschiert. Schweißgebadet: nicht wegen der Anstrengung oder Temperatur, sondern vor Angst. Aber es ging alles gut. Kurz vor dem Heimkommen musste sich Ali noch mit Jamahl verheddern. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber Jamahl hatte Alis Leine um den Hals gewickelt und jedes Mal, wenn Ali zurück zog, schnürte sie ihm die Kehle zu. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie von einander zu befreien, was dazu führte, dass Ali kurzzeitig führerlos auf der Straße herumlief. Glücklicherweise kam kein Auto und ich konnte sie wieder gleich wieder einfangen.

"Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert."

Samstag, 20. April 2019

Karwoche

Backpacker┃Da hatte ich mich auf Mithilfe gefreut, aber die Freude währte nur kurz. Am Montag den Backpacker abgeholt, am Mittwoch schon wieder zurück gebracht. Den von ihm getätigten und mir finanzierten Einkauf (u.a. diverse Teile von toten Tieren ... muss das wirklich sein, wenn man weiß, dass der Gastgeber kein Fleisch isst???) entsorgen müssen, da der junge Mann den Kühlschrank im Caravan voll aufgedreht hatte und alles (offene Milchtüte, Salat, Eier, Käse,...) gefroren war. $ 80.- in die Tonne. Meine Teflonpfanne, die ich seit neun Jahre besitze, ist nach einmaligem Gebrauch zerkratzt. Betten vorher bezogen, alles wieder ausräumen und reinigen. Es war vorher ausgemacht, dass er solange bei mir bleibt, bis er eine bezahlte Arbeit findet. Sein Glück, dass das innerhalb von zwei Tagen geschah - mein Pech, dass es mein Geld und meine Zeit kostete. Mir reicht es jetzt endgültig. Backpacker kommen mir nicht mehr ins Haus.

Kunstwerk┃Die Einfahrt zum Camel Information Center schmückt jetzt eine 1,60 m hohe Figur.


Habe mir mein Wahrzeichen (Cartoon von Jed Dunstan) aus einer 3 mm Metallplatte aussägen lassen und am Straßenrand aufgestellt. Die Kamele sind gestern, als ich sie am Hänger spazieren und an der Statue vorbei führte, völlig ausgerastet. War eine willkommene Ausrede, nicht zu Fuß zu gehen. ... OMG, wann werde ich mich je wieder trauen?

OptimistischMorgen soll es regnen! Der Nachbar hat gestern tatsächlich sein Feld bestellt, eine riesige Staubwolke hüllte mein Haus ein. Mal sehen, ob der Wetterbericht hält was er verspricht. Die Kamele haben morgen frei, vielleicht gehe ich am Ostermontag eine Runde. Apropos Ostern: Wünsche meinen beiden Lesern entspannte Feiertage 💕





Dienstag, 16. April 2019

Quer durch Australien

John Arthur Elliott ist tatsächlich seit dem 11. April (sein 37. Geburtstag) mit vier Kamelen und Hund 'Bruski' unterwegs. Immer wieder hatte er den Startzeitpunkt verschoben, nun hat er es wahr gemacht. Mit viel Medienrummel setzte er die Abreise in Szene, sogar einen Gedenkstein mit Inschrift hat er sich anfertigen lassen.



Seine Route kann per Satelliten Tracker verfolgt werden.

Sehr unterhaltsam sind seine kurzen Life-Videos auf Instagram! Ein wilder Hund 😀

Freitag, 12. April 2019

Snippets

Sonntag ❙ Es war sehr windig und deshalb nur eine Runde mit an dem Trailer angehängten Kamelen gefahren (ok, es ist eine schwache Ausrede, aber ich traue mich noch nicht mit den Viechern zusammen zu laufen). Wieder an der 'Schweinerei' [keine Ahnung, ob es sich um einen Mast- oder Aufzuchtsbetrieb handelt. Man sieht die Tiere ja nicht.] vorbei und wieder helle Aufregung in Form von seitlich ausweichen und herumtänzeln.

Laila ❙ ist im Moment gut drauf - dreimal auf Holz geklopft. Seit ungefähr zwei Wochen trenne ich Ali nicht mehr von ihren Artgenossen und es bestehen keine Anzeichen, dass Laila auf Ali herum turnt. Auch lässt sie den Jamahl z.Zt. in Ruhe. Mal sehen, wie lange der Frieden anhält.

Futter ❙ Ich bemühe mich redlich, die Mannschaft kurz zu halten. Zum dritten Mal habe ich einen großen Ballen Stroh kommen lassen, um den sie den ganzen Tag herum stehen und fressen. Nach wie vor ist es furztrocken, sie befinden sich jetzt schon seit über drei Monaten auf derselben Koppel. Sie hat den Vorteil, dass ich keine Wasserkanister schleppen muss, da ich mit dem Gartenschlauch bis an ihren Trog komme. Auf den anderen Koppeln wachsen ein paar salt bushes, die aber innerhalb einer Woche aufgefressen wären. Das spärliche Grün verhindert, dass im Falle eines Sturmes die Erde weggeweht wird. Deshalb müssen die Kamele noch eine zeitlang darben, bis endlich der Regen kommt. ... Abgenommen haben sie allerdings noch nicht.

Trekking ❙ Ich hatte leise Zweifel, ob mein Besuch aus Amerika wirklich kommt. Aber jetzt ist es abgemacht, der Flug gebucht. Am 22. Mai werde ich Doug vom Flughafen abholen und spätestens am 29. Mai eine kleine Runde trekken gehen. Am 05. Juni wird der Trainer weiter nach Alice Springs reisen. Da mir einige stations wegen der anhaltenden Trockenheit abgesagt haben, und auch der remote navigation course (den ich für querfeldein Wanderungen als Voraussetzung erachtet hatte) mangels Teilnehmer abgesagt wurde, habe ich eine einfache Strecke gewählt: nach Marree fahren, dort das Basiscamp aufschlagen und einen Teil des Oodnadatta Treks marschieren. Sollte machbar sein. Nachteil: relativ viel Verkehr, da es sich um eine öffentliche Straße handelt, Vorteil: ich kann mich nicht verlaufen und denke, wilde Kamelbullen werden dort nicht auftauchen.

Hilfe ❙ In drei Tagen werde ich wieder einen Backpacker zu Gast haben. Dann sollte das Training wieder Fahrtwind bekommen.

Webpage ❙ Habe jetzt einen Internetauftritt - mal sehen, wo das hinführt - auch eine Seite auf FB.

Material ❙ Schweren Herzens in neue Satteltaschen investiert! Auf die Frage, welche Farbe ich haben möchte gab es nur eine Antwort ... natürlich ... pink! Die sind so groß, da kann ich meinen gesamten Hausstand reinpacken!



Samstag, 6. April 2019

In der Schule

Das Wetter hat nicht mitgespielt. Es war zwar warm aber unheimlich stürmisch. Auf dem Weg in den Nachbarort konnte ich teilweise nicht die Hand vor Augen sehen, soviel Staub und Erde wurden aufgewirbelt.



Die Kamele kämpften sich tapfer voran. Um 08.03 Uhr verließen wir das Grundstück und um 10.20 Uhr erreichten wir unser Ziel. Ich rief im Schulgebäude an und die Lehrerin kam heraus und zeigte mir den Ort, wo ich parken konnte. Ich wählte ein schattiges Plätzchen unter einigen Eukalyptusbäumen, an die ich eigentlich die Kamele anbinden wollten. Aber sie waren zu nervös. Die Sturmböen bogen die Äste, die Blätter rauschten und die drei tanzten hin und her. Ich ließ sie einfach am Anhäger und baute eine kleine Barriere um sie herum.

Dann kamen die kleinen Schüler. Ach waren die süß und so brav. Ganz artig standen sie so, wie ihnen aufgetragen. Ich erklärte einiges über die Besonderheiten der Tiere - den Höcker, die schlitzförmige Nase, die langen Wimpern, die behaarten Ohren, die Form der Füße und und und. Dann durfte jedes Kind der verfressenen Ali ein Ästchen von einem salt bush geben, jeder durfte sie unter meiner Anleitung streicheln. Die ganz kleinen hob ich sicherheitshalber auf den Arm. Ständig beobachtete ich mit Argusaugen, wie Ali drauf ist. Aber sie war mittlerweile recht entspannt und hat nicht einmal Widerstand in Form von Treten oder Spucken geleistet.

Die Stunde war recht bald vorüber. Eines der Kinder bedankte sich im Namen aller bei mir und ein kleines Mädchen gab mir noch eine feste Umarmung. Jeder Schüler erhielt einen Kühlschrankmagneten in Form eines Kameles zum Andenken. Auch jede Menge Fotos wurden von den anwesenden Betreuer und Lehrer gemacht. Ich weiß nicht, ob ich die veröffentlichen darf, deshalb nur eines von mir, der stolzen Kameltreiberin ☺.


Mittwoch, 3. April 2019

Noch zwei Tage!

Übermorgen wird der erste Tag sein, an dem die Kamele das tuen sollen, was zukünftig ihre Hauptaufgabe (neben dem Trekking) werden wird: der Öffentlichkeit die Welt der australischen Dromedare näher zu bringen. Nun ja, wir werden klein anfangen - im wahrsten Sinne des Wortes! Die „Öffentlichkeit“ wird aus 11 Schulkindern zwischen 6 und 10 Jahren bestehen 😂.

Als ich den Unfall hatte und die Biester davon gerannt waren, konnte ich sie in Höhe eines Hauses einfangen (an der 6 km langen Strecke liegen insgesamt 3 Häuser). Weil ich einige Zeit dort verbrachte, bis mein Helfer mit dem Auto kam und wir sie endlich angebunden hatten, wurde die Bewohnerin wohl auf uns aufmerksam und sprach uns an, gerade als wir abfahren wollten. Sie sei Lehrerin im Nachbardorf und nimmt gerade Wüsten mit ihren Schülern durch. Und Kamele als Wüstenschiffe würden super in den Lehrplan passen- ob ich nicht Lust hätte mit den Tieren vorbeizukommen. Sie sprach sehr langsam und langatmig, mittlerweile tropfte das Blut an mir runter, aber ich hörte mir ihren Vortrag an und zeigte Interesse. Sie wollte sich mit ihren Kollegen absprechen und sich bei mir melden. Am nächsten Tag rief sie tatsächlich an und wir vereinbarten den Termin für 05.04. um 11 Uhr.

Da ich nicht weiß, in welchem Zeitrahmen ich die Kamele verladen kann (kann vier Stunden oder 30 Minuten dauern) und v.a. ob es mir ohne Hilfe überhaupt möglich sein wird sie im Anschluss an die Schulstunde auf den LKW zu bringen, werden sie die 12 km mit Auto/Hänger und hinten angebunden laufen müssen. Vergangenen Sonntag bin ich die Strecke probeweise abgefahren.
08.50 Start Frühstück vorbereitet, an den Zaun gelockt und angebunden
09.20 alle gehalftert, Auto geholt
09.45 Grundstück verlassen
12.15 im Nachbarort angekommen
auf der Rückfahrt etwas Gas gegeben und um
14.00 Uhr zu Hause gewesen.

So lange - 24,5 km - waren sie noch nie am Stück unterwegs. Jamahl fing nach 10 km an protestierend zu brüllen und auf dem Rückweg zog er ständig zurück. Er wollte das nicht. Die Damen zeigten sich unbeeindruckt und hielten tapfer durch.

Wird spannend werden 😰.

Mittwoch, 27. März 2019

Arena fertig!

Endlich! Kaum zu glauben, aber der neue earthmover war superflott. Drei Wochen nach Kontaktaufnahme lieferte er letzten Donnerstag die erste Fuhre Schotter, um die unebenen Stellen vor der Scheune und Arena auszugleichen und am Freitag sowie Montag 200 Tonnen Sand für den Innenraum. Kostet ein kleines Vermögen, muss ich halt an anderer Stelle einsparen. Keine Luxusausführung in der angrenzenden lean-to-shed [= workshop/ Ferienwohnung/ information center ... weiß noch nicht wie ich es benennen soll].

In erster Linie soll die Arena als Schlechtwetter-Stall dienen. Es empfiehlt sich nicht wirklich, die Kamele das erste Mal in eine neue Umgebung zu führen wenn es stürmt und regnet. Sie waren zwar schon zweimal in dem Gebäude, aber hinten am Hänger angebunden. Heute also neues Training: wie kriege ich drei Kamele in einen Neubau?

Eine Möglichkeit wäre sie mit Brustgeschirr zu versehen, hintereinander anzubinden und sie als Karawane in die Halle zu geleiten. Dieses Unterfangen traue ich mir noch nicht zu. Mein Brustkorb schmerzt noch ordentlich, v.a. wenn ich heftig ziehen muss. Das bliebe nicht aus, da die Tiere unbedingt in die Pflanzen steigen wollen. Auf der Koppel ist nix mehr, nur Steine und Staub, aber drumherum gedeihen die blue bushes und die jungen Akazien. Ein Hindernislauf, den 1.600 kg Kamele locker gegen mich gewinnen würden.

Also einzeln führen. Jedes Tier ca. 50 m geführt, an einen Pfosten gebunden, das nächste geholt. Wieder 50 m (viel mehr Abstand geht nicht, weil sie sonst ausrasten, wenn sie sich nicht mehr sehen) und wieder 50 m. Das nahm einige Zeit in Anspruch, aber schließlich standen sie nur noch 20 m vom Eingang der Arena entfernt. Als erste die gemächliche Ali hineingebracht und angebunden, dann Jamahl und schließlich Laila. Die Mädchen kannten den sandigen Untergrund von ihrem kleinen Stall, der beim Haus ist. Für sie war das Hineingehen kein Problem. Jamahl war total unsicher und wollte zunächst nicht weiter. Schließlich machte er einen großen Hupfer, als wenn er vom 3 m Brett ins Wasser springen müsste.



Allen habe ich die Leine abgenommen und sie konnten sich eine Zeit lang frei bewegen. Keiner hat Durchfall gekriegt, alle waren entspannt und haben wiedergekäut. Der Winter kann kommen.

Der Weg zurück erfolgte erneut in Etappen. Ruhig, stressfrei, komplikationslos.

Der Innenausbau der o.a. Scheune verläuft nach wie vor nur schleppend. Der Elektriker hat einen Haufen Kabel verlegt, jetzt muss der Installateur die Wasserleitungen anbringen, dann kommt der Schreiner wieder und vollendet sein Werk, d.h. die Wände und Decken werden eingezogen. Schließlich muss die Küche geplant werden, der Fliesenleger kommen, das Badezimmer eingerichtet, Möbel ausgesucht und bestellt werden, ... hoffe wirklich, dass ich bis Oktober fertig werde 😓!!!

Montag, 25. März 2019

Nachgedachtes

Ich grübel, ob es an mir/meinem Alter/meiner Unerfahrenheit/meinem nicht angemessenem Training liegen kann, dass dieser Unfall passiert ist. Aber ich denke mal, ich sollte mir keine Gedanken machen. Shit happens, auch bei den Profis. Hier zwei Auszüge aus dem Buch "Walk across Australia" von David Mason. Der war 1998 mit drei Kamelen unterwegs, startete am 23.03.1998 in Cape Byron an der Ostküste und erreichte acht Monate später, am 14.11.1998 den westlichsten Punkt von Australien, Steep Point.

Seite 82: ..."At the creek, just before moving up to the Araluen homestead, the camels baulked. Kabul started dancing, or maybe more accurately bouncing, lifting his fore legs and then his hind, trying to buck off the saddle or his fear. Chloe and Kashgar soon followed and I found myself holding a line with three prancing camels. Something had unsettled them but it was not obvious to me. A few minutes later I even had trouble unsaddling them. Perhaps it was the pigs kept in the pen not far from the house." ...

Seite 97/98: ..."I felt more than heard Kashgar take off first, closely followed by Chloe. I turned to look over my left shoulder. I was greeted to a sight not unlike the etching by Dürer, the four horsemen of the apocalypse, only these were camels and there were only three. My mind registered colour. Red, the colour of the interior of the flared nostrils and mouths. White, the colour of eyes, teeth and spittle. Camel terror.
I normally had time to sidestep Kabul when he took off, but he pushed me into the path of Chloe. She knocked me down. I saw Chloe's pad come to my head and I thought of the Ethiopian soldier I had seen, his head crushed by the wheel of a truck, his brains squeezed from his skull and splurted over the dusty road like rotten fruit, his face hanging like a mask over the emptiness. For a moment I thought his fate would be mine.
But Chloe missed my head and in tandem the three galloped 200 meteres down the road. I lay on the dusty track and thought my dream must be over. I was sure I had broken my femur. I could not move my left leg. I imagined the blood spilling into the tissues of my thigh, slowly killing me and my adventure. After a systemic check I tried moving my leg again, and peeling down my trousers I found nothing other than a couple of scratches and some marks on my thighs beginning to manifest themselves into semi-permanent tattoos.
I hauled myself to my feet, tucked in my shirt and checked the cause of the problem. A car. I had not heard it. Nor had Kashgar until it closed right up. What breeze there was came from the west, into our faces. The driver had moved right up close behind us in an effort to get some good video footage." ...

Und auch er, obwohl er schon mehr als ein Viertel der 4000 km Strecke zurück gelegt hatte, muss sich am Riemen reißen und selbst-motivieren.

Seite 99: ......"Both my thighs wanted to seize up during the afternoon and walking was almost impossible. But this was a test, I reminded myself, was it not? Faced with a setback, pain and fear that it might happen again, take precautions that they will not. I told myself I could not afford to be distracted. I had to stop daydreaming. My body hurt so much there were tears in my eyes, but my heart would never let me stop."... 💗

Samstag, 23. März 2019

Erstes Training

Morgen soll es regnen, also habe ich das wöchentliche Training vorgezogen.

Es geht mir zusehends besser, mein Elefantenfuß sieht aus, als wenn er kurz vorm abfallen ist - schmerzt nur, wenn ich ihn anfasse, nicht bei Belastung. Die Thoraxprellung macht mir noch zu schaffen, allerdings auch hier deutliche Verbesserung. Meine Hilfe hat sich gestern auf den Weg ins nächste Abenteuer gemacht, d.h. ich muss (und kann) die 20 l Wasserkanister wieder selber schleppen.

Natürlich wollte ich nicht übertreiben, deshalb die Kamele lediglich am Hänger angebunden und 14 km spazieren gefahren.



In erster Linie damit sie Bewegung haben, aber auch, um an die Unfallstelle zurück zukehren. Ich wollte feststellen, was sie aus der Fassung gebracht hatte und ich glaube, es war eine große Palme vor dem besagten Haus. Sie stand dicht am Straßenrand, hatte Wedel bis zum Boden reichend und raschelte im Wind. Es kann aber auch der Geruch gewesen sein. Hinter dem Haus befindet sich eine piggery - vielleicht irritierte das die Kamele? Jedenfalls tanzten Ali und Laila aufgeregt hin und her als ich für ein paar Minuten stehen blieb. Erst als wir um die Ecke bogen beruhigten sie sich wieder - Jamahl zeigte sich unbeeindruckt.


Montag, 18. März 2019

Was mich nicht umbringt, macht mich härter!

Oder: Unkraut vergeht nicht

Es ist also passiert!

Am Donnerstag konnte ich ein Training erfolgreich beenden. Zum ersten Mal fuhr ich mit ihnen zu einem 40 km entfernten Platz, entließ sie aus dem LKW, ging eine kleine Runde spazieren und lud sie wieder auf. Bis zu diesem Zeitpunkt fand das Verladen nur zu Hause statt, es herrschten also erschwerte Bedingungen, die problemlos gemeistert wurden.

Eigentlich war es ein Probelauf für eine Veranstaltung am 24.03. Eine kleine Gärtnerei veranstaltet ein Benefiz-Event zu Gunsten "beyond  blue" eine Organisation, die sich für depressive Menschen einsetzt. Ich wollte teilnehmen und die Kamele mitnehmen, aber mein Helfer verlässt mich bereits am Freitag. So machte ich nur den dry run - kaufte sogar Pfosten und eine Plastikkette als Absperrung.




Voller Selbstvertrauen startete ich das Sonntagstraining. Auch an diesem Tag erschwerte Bedingungen: Die Kamele am Hänger festmachen, mit ihnen ein Stück fahren und sie in fremder Umgebung satteln - und zwar an der Stelle, an der letztens der Sandsturm tobte und die Tiere ausgerastet waren.

Laila zu satteln war nicht einfach. Trotz zusammengebundener Vorderbeine erhob sie sich mehrfach und schmiss mir ihren Sattel um die Ohren. Einmal traf mich das Gestell und ich trug einen ordentlichen blauen Fleck am Unterarm davon.

Schließlich war alles so weit hergerichtet. Die Kamele befanden sich in einer Reihe und wir starteten, derweil mein Helfer mit dem Auto zurück fuhr.  Es sollten 15 km werden und anfangs verlief der Spaziergang locker und entspannt. Nach 3 km erreichten wir die erste Kreuzung an der ein Haus stand. Völlig unerwartet aus dem Nichts heraus erschreckten sich die Kamele. Offensichtlich nahmen sie etwas wahr, was sich meiner Sicht entzog. Laila machte einen Satz in meine Richtung ... der eiserne Sattelrahmen traf mich voll am Schädel und warf mich zu Boden. Die Tiere rannten über mich und machten sich aus dem Staub.

Mühsam erhob ich mich, Blut rann über die Bluse, mein linkes Bein tat höllisch weh. Ich belastete vorsichtig -  ok., nichts gebrochen. Beim Versuch Luft zu holen schmerzte der obere Teil des Brustkorbs. Aber keine Atemnot, kein Schwindel, ich war die ganze Zeit bei Bewusstsein. Die Viecher waren um die Ecke und außer Sichtweite. Langsam humpelte ich des Weges bis schließlich ein Auto kam, welches ich kurzerhand anhielt. Ein liebes altes Ehepaar erklärte sich sofort bereit, mich entlang der Straße zu fahren, bis ich die Tiere wieder sehen konnte. Um sie nicht zu verscheuchen, stieg ich vorher aus, humpelte hinterher und schrie, sie sollen stehen bleiben. Immer wieder drehten sie sich zu mir um, liefen aber weiter Richtung Heimat. Endlich erreichte ich sie, da das Führseil am Boden schleifte und eines der Kamel immer mal wieder auf es stieg und Laila mit einem Ruck zum Stehen brachte. Der Sattel hing schief, ein Seesack war zerrissen und hing in Fetzen herunter, den Wasserbehälter hatte ich weit vorher auf der Straße liegen sehen.

Ich war ja so schlau, mein Handy und das neue Tracking Gerät mitzunehmen. Nur leider hatte ich es in Lailas Satteltasche gesteckt und die war auf und davon! So konnte ich erst meinen Helfer informieren, nachdem ich die Kamele eingefangen hatte.

Als wir die Tiere an den Anhänger gebunden hatten, kontaktierte ich eine in der Nachbarschaft lebende Krankenschwester. Die war so nett und kam gleich vorbei, reinigte die Kopfwunde und entschied, dass sie genäht gehört. Den restlichen Sonntag in der Notaufnahme verbracht, vier Stiche erhalten und eine Tetanusinjektion (bei der ich kollabierte).

Der ganze Körper schmerzt. Der Rücken ist zerkratzt, zwei faustgroße Blutergüsse zieren meinen Hintern und rechtes Hüftgelenk, mein linker Fuß kann mit dem eines Elefanten mithalten, so dick ist er. Am schlimmsten ist die Brustkorbprellung. Husten oder Lachen sind fast unmöglich, aber wie gesagt, nix gebrochen.


Wird schon wieder ☺

Montag, 11. März 2019

Der Tag danach

Mäh, hat sie gemacht. Mäh, mäh. Übersetzt: bitte nicht. Aber ich kann dem Jammern nicht nachgeben. Wie wenn man vom Pferd fällt und man gleich wieder aufsteigen soll. Also muss der Sattel aufgelegt werden - er wird schon nicht beißen. Es hat etwas gedauert, aber letztlich war ich erfolgreich und der Sattel befand sich auf Lailas Rücken.

Insgesamt war sie ruhig und aufmerksam. Wir fuhren den Berg hinauf, liefen anschließend ein paar Kilometer bis ich sie wieder an den Anhänger band und heimwärts fuhr. Der Sattel war noch oben als wir zu Hause ankamen!


Sonntag, 10. März 2019

Das war knapp!

Voller Enthusiasmus habe ich das heutige Training gestartet. Schließlich hatte ein Lauf unter der Woche so toll geklappt: Verladen beinahe vorbildlich (Jamahl brauchte nur 7 min, Laila ging ohne Zug und Zwang wie selbstverständlich die Rampe hoch und Ali deutete lediglich an, dass sie Sägebock sein könnte, wenn sie wollte), die kurze Fahrt in den Nachbarort war problemlos, das Entladen in einer Seitenstraße ebenfalls. Alle drei hintereinander gebunden und 13 km heim gelaufen. Eine Strecke, die sie noch nie gesehen, geschweige denn gegangen wären. Wir wurden von Autos überholt bzw. es kamen uns Fahrzeuge entgegen ... alles super ...einziger Zwischenfall war das Erscheinen von einem Alien. Dieser war ca. 1,50 groß, braun und wuschelig, ich interpretierte ihn als Alpaka. Der rannte einfach so über ein Feld in unsere Richtung, blieb am Zaun stehen und guckte interessiert. Laila war indigniert, ihre Augen wurden groß wie Wagenräder und sie sprintete ein Stück voraus. Als dieser Alien sich anschickte uns zu begleiten, wiederholten sich die Sprints (mit mir am Ende der Leine), bis die Weide zu Ende war. Aber sonst alles gut.

Heute Spaziergang mit Sättel. Als wir uns auf dem Weg machten (die Kamele hinten am Hänger angebunden), setzte leichter Regen ein, es war schwül aber der Wetterbericht verhieß ein Ende der Schauer in kurzer Zeit. Ich erreichte mein Ziel und plötzlich kamen Sturmböen auf. Von den angrenzenden Feldern wurde die Erde aufgewirbelt, es folgte ein Sandsturm nach dem anderen. Was tun? Heimfahren? Den bequemen Weg wählen? Nein, im Outback kann ich auch nicht auf  Schönwetter warten, also weitermachen. Die Kamele wurden immer nervöser und streckten die Hälse Richtung Sturm. Irgendwann hatte ich sie in der Reihe und wollte marschieren, machte 10 Meter als sich Laila entschloss, besser zurück zum Auto zu gehen. Das wiederholte sich einige Male, bis es ihr zu dumm wurde und sie ihren Missmut mit einigen kräftigen Bocksprüngen kund tat. Die angehängten Taschen flogen in die Luft und knallten zurück, eine Tasche hielt der Aktion nicht stand, zerriss in der Mitte und klatschte auf den Boden.

Zurück zum Anfang. die Seile wieder losmachen, Ali an einen Zaunpfosten binden, Laila seitlich ans Auto, Jamahl hinten an den Hänger. Laila gab noch immer keine Ruhe. Sie sprang wieder in die Höhe, dabei hakte sich ein Karabiner vom Sattel in ihr Führseil, Laila preschte rückwärts und je mehr sie zog, desto weiter rutschte der Sattel nach vorne. Schließlich hing der Sattel unter ihrem Hals und zog so an dem Seil, dass es ihr den Hals abschnürte. Sie tobte, wurde zusehends blau, die Zunge hing ihr aus dem Maul, schließlich kollabierte sie, sie wurde ohnmächtig und sackte zusammen. Nur mit Mühe konnte ich das straff gespannte Seil vom Wagen losmachen, ein Messer hatte ich mal wieder nicht dabei 😥. Als der Zug nachließ, war sie sofort wieder bei sich. Sie blieb am Boden liegen, so dass ich in Ruhe die Riemen lösen und sie von dem Sattel befreien konnte.

Die Heimfahrt verlief ereignislos. Morgen werde ich einen neuen Versuch starten.

Dienstag, 5. März 2019

Erstens kommt es anders ...

und zweitens als man denkt.

Eigentlich habe ich meinen ersten Trek schon hinter mir. Virtuell zumindest. Täglich habe ich den Ablauf vor Augen, vom Abholen des Amerikaners vom Flughafen bis zum Lagerfeuer am Lake Torrens. Versuche mir Komplikationen vorzustellen und wie ich sie bewältigen kann, sehe mich bibbernd und schlaflos im Zelt liegen, die den Kamelen umgehängten Glocken lauschend.

Und nun? Sicherheitshalber schickte ich eine Buchungsanfrage an die station, die mir letztes Jahr bedingungslos die Zusage gab. Das war vor zehn Tagen und bis heute keine Antwort. Also anrufen, ob die Nachricht eingegangen ist. Ja, ist sie ... aber ... leider können wir den Wünschen nicht entsprechen. Die Situation ist von 'bad to worse' gegangen. Nein, auch wenn ich Futter mitbringen kann ich nicht kommen. Wasser ist ebenfalls im Mangel. Bla bla bla.

Musste mich sehr zusammenreißen, um nicht los zu plärren. Ich weiß, schließt sich eine Tür, geht die nächst auf. Trotzdem bin ich enttäuscht. Jetzt heißt es eine neue Destination suchen und fragen.

Sonntag, 3. März 2019

Erschwerte Bedingungen

Warum es sich leicht machen, wenn es auch kompliziert geht?

Also den LKW nicht an den Zaun gefahren, sondern mitten auf dem Grundstück abgestellt. Einziges Zugeständnis: den ride-on-lawn mower an eine Seite der Rampe als Begrenzung geparkt.

Wie zu erwarten, tanzte Jamahl konsequent und unermüdlich einmal rechts, einmal links an der Rampe vorbei. Immer und immer wieder musste ich die bereits auf Zug gebrachten Seile lockern, vom LKW herabsteigen, den Burschen im Bogen an die Rampe führen und versuchen ihn  hochzuziehen, -zupeitschen, -zustupsen ihn durch gutes Zureden oder alternativ Anbrüllen dazu zu bewegen DIESE VERDAMMTE RAMPE HOCH.ZU.GEHEN! Es war wie verhext, aber die alte Frau gibt nicht auf. Bei mittlerweile über 30°C lief der Schweiß in Strömen und irgendwann - nach gefühlt dreiundzwölfzig Stunden - war er denn oben.

Laila konnte schon nicht mehr zuschauen. Sie wollte es dem Jungen anscheinend zeigen und ging mit Schwung im ersten Anlauf hinauf. Sachte, Baby! Sachte! Sie war zu beflissen und ... rutschte aus, schürfte sich dabei an dem Übergang in den LKW beide Vorderbeine blutig 🙈.

Ali spielte Rammbock. Sie stand schon mit beiden Vorderbeinen auf dem Absatz, als sie die Hinterbeine spreizte und passiven Widerstand leistete. Glücklicherweise hat sie doch Respekt vor Zwangsmaßnahmen und mein Helfer wedelte ein wenig mit dem Stock: schwups war sie oben.

Ich fuhr die gewohnte Runde, schließlich war heute Prämiere: das erste Mal fahren und sie dann ausladen und 8 km Heim marschieren. Es klappte hervorragend. Sie waren auch erstaunlich flott unterwegs, haben kaum an den Bäumen genascht und trotz stürmischem Wind (der mich beinahe abhielt, überhaupt los zugehen!) nicht gebockt oder sonst wie Theater gemacht. Zweimal schreckten sie kurz zurück, einmal, als eine Taube aufflog und einmal, als ein Hase aus dem Gebüsch hochging.

Ich wiederum habe einen Satz gemacht, als die Kamele beim knabbern am Straßenrand eine giftige fette brown snake 👀 störten und die dann genau vor meinen Füßen den Weg überqueren musste.

Freitag, 1. März 2019

Rekord

Zur Zeit erfreue ich an der Mithilfe eines jungen Reisenden.



Ich nutze die Gunst der Stunde und packe soviel Trainingseinheiten wie möglich in den Vormittag. Einzige Bremse stellt die Hitze dar, aber ab nächster Woche wird es angenehmer und ich werde voll durchstarten.

Heute Verladetraining und es lief super. Jamahl brauchte 11, Laila 2 und Ali 3 Minuten bis sie auf dem Truck standen! Neue Bestzeit. Anschließend noch in den nächsten Ort gefahren geschlichen, um sie an die Wackelei zu gewöhnen: völlig problemlos. Yeah!

Update Ali: seit drei Tagen öffnet sie ihre Lider ohne zu blinzeln, kein Exsudat mehr und die Narben fangen bereits an zu verblassen. Kann auf eine restitutio ad integrum hoffen. Zweimal yeah!

Was mich auch wundert und sehr freut, dass Ali trotz der Schmerzen die sie anfangs hatte und meinen Behandlungen unter Zwangsmaßnahmen zu keinem Zeitpunkt ihr Vertrauen verloren hat. Kein Ausweichen beim anbinden, kein spucken beim halftern oder kicken beim bürsten. Dreimal yeah!


Montag, 25. Februar 2019

Fortschritt

Bin sehr zufrieden mit Ali's Auge.

Am Samstag, den 23.02. [31 Tage nach dem Unfall (?)] versiegte der Tränenfluss. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihr Fell am Kinn triefnass, jetzt ist es staubtrocken und nur noch eine sehr dezente Tränenspur sichtbar.


Seit heute, Tag 33, öffnet sie die Lider ca. ein Zentimeter weit. Der Hornhautdefekt ist von einem dichten Geflecht an Blutgefäßen überzogen - schaut beängstigend aus, ist aber ein sehr gutes Zeichen. Die Reparaturen laufen auf Hochtouren - schlimmer wäre es, wenn sich nichts täte. Dann bestünde die Gefahr einer Hornhautruptur, das Auge 'läuft aus' und ist verloren.

Samstag, 23. Februar 2019

Mir ist nicht zu helfen!

Einer meiner Vorsätze für's neue Jahr war, heuer nur noch vernunftgesteuerte Entscheidungen zu fällen. Keine Gefühlsduselei. Erst denken, dann handeln. Keine Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Mich nur noch und ausschließlich mit meinen Kamelen zu beschäftigen. 

Nun, acht Wochen habe ich ausgehalten, aber als ich das Bild bei einer Tierschutzgruppe gesehen habe, habe ich alle guten Intentionen fallen lassen. 💕💕💕