Donnerstag, 16. Mai 2019

Der Countdown läuft

Befinde mich kurz vor einer Panikattacke. Kann überhaupt nicht mehr klar denken. Es ist noch so viel zu tun, aber irgendwas hält mich vom handeln ab. Stattdessen denke ich den ganzen Tag darüber nach, was alles schief gehen kann. "I could freeze to death" klagte ich einer Bekannten die wissen wollte, was mich so besorgt. "Carry warm cloths" war ihre Antwort. "Or I could starve" ... "Carry enough food"... wenn das so einfach wäre. Ich werde mich dort bewegen, wo viele Autos sind. Ich habe nun mal keine Beziehungen oder Ortskenntnis für Querfeldeintouren. Wo Autos sind, sind Leute, die rücksichtslos sind. Keinen Abstand halten, Flaschen aus dem Auto schmeißen. Ich sehe schon Schnittwunden an den Sohlen. Und wo soll ich abends mein Zelt aufschlagen. Im Straßengraben? Was habe ich immer für saublöde Ideen?

Aber ich zieh das jetzt durch. Auf Biegen und Brechen, komme was wolle. In der großen Scheune habe ich eine Plane ausgebreitet und gestapelt, was ich mitnehmen will. Einiges muss ich noch besorgen, vieles kann ich erst ganz zum Schluss dazu tun, wie Essen, oder Dinge des täglichen Gebrauchs. Alles muss in die Satteltaschen und zwar so, dass links und rechts gleiches Gewicht vorliegt. Soll ich das Gestell mit den Wasserkanistern mitnehmen, oder die Beutel und die wiederum in die Satteltaschen geben? So viele Fragen, ich hoffe inbrünstig, dass der Trainer mir einige Entscheidungen abnehmen kann.

Mit den Tieren gearbeitet habe ich nix mehr - außer der Sonntagsrunde, die ich musikalisch untermalt habe. Jedes Tier wird eine Glocke um den Hals tragen, damit ich sie höre und schneller wieder finden kann. Ich werde auch einen elektrischen Zaun mitnehmen, aber normalerweise bekommen die Kamele nachts die Fußfesseln angelegt und können sich frei bewegen. ... Ob ich mir das zutraue? Was, wenn ich sie trotz Glocken nicht mehr finde? Mir geht die Bimmelei ganz schön auf den Zeiger. Ungut ist auch, dass man die Autos nicht mehr hört. Den Kamelen hat es nichts ausgemacht. Hatte erwartet, dass sie zumindest am Anfang ausflippen. Sie haben sich allerdings nicht getraut, etwas unterwegs zu fressen. Normalerweise bleiben sie alle paar Meter stehen, um einen Happen aufzunehmen. Aber mit der Bimmel um den Hals hat's wohl nicht geschmeckt, so waren wir wesentlich schneller unterwegs.



Donnerstag, 9. Mai 2019

Geduld haben!

Herbstlich│Es regnet in Strömen ... und die Kamele werden nass. Selber Schuld. In Anbetracht der unerfreulichen Wettervorhersage führte ich sie am frühen Morgen in die Arena, wo ich sie bis morgen belassen wollte. Jamahl war es gar nicht recht, hat ununterbrochen gemault und er wollte unbedingt weg. Das hat er dann nachmittags auch geschafft. Ich hatte Besuch und wollte ihm die Tiere vorstellen - man kann sich in etwa vorstellen, wie blöd ich geschaut habe, als wir an der Arena ankamen. Fort waren sie, weg, nicht zu sehen! Ein Glied der Vorhängekette war aufgebogen, das Tor stand offen. Nachdem ich sie wieder eingefangen hatte, verbrachte ich sie auf ihre Koppel. Richtig erleichtert waren sie, wieder in ihrer gewohnten Umgebung zu sein. Es bedarf noch einiger Anläufe und mehr schlechten Wetters, bis sie die Arena als einen Teil ihres zu Hauses akzeptieren.



Frühlingsgefühle│ Laila ist wieder schlimm. Ich ahnte es bereits, weil Ali etwas strubbelig im Bereich des Höckers ausschaut. Am Sonntag morgen habe ich Laila in flagranti ertappt. Also muss ich sie wieder trennen bzw. wenn sie Nachts zusammen sind, Laila mit Fußfesseln versehen.



Lean-to-shed │ Der Innenausbau plätschert so vor sich hin. Der Tischler ist wirklich sehr gewissenhaft und es sieht toll aus, was er bis jetzt gemacht hat ... aber er ist so langsam. Zum einen, weil er nur hin- und wieder vor Ort ist, zum anderen weil er alles alleine macht. Na ja, muss mich weiter gedulden.




Energie│Die Solarpanelen sind angekommen. Mich hat ja fast der Schlag getroffen, als ich das Paket entgegen nahm: 8,4 Kg wiegt das Ding, was so unschuldig 'solar blanket' heißt. Erwartungsvoll breitete ich die 'Decke' in der Sonne aus und steckte den USB Stecker meines Smartphones ein. Nichts. Überhaupt nichts passierte. Testete verschiedene Geräte und Stecker - nix. Also den Verkäufer kontaktiert: ja, nee - dat Ding muss erst mit einer Batterie verbunden werden, ohne Batterie lädt da nüscht! Ach du meine Güte! 8,4 kg 'Decke' + eine was-weiß-ich-wie-schwere Batterie schleppen? Um ein Handy oder IPad zu laden? Zuerst wollte ich das Drum zurückschicken, werde es aber doch behalten. Wenn ich später den Gypsy-Wagen aktiviere, dann kann ich die Solarenergie gut brauchen.


Donnerstag, 2. Mai 2019

Der Mai ist gekommen ...

Enttäuschung #1 ❙ Bin immer auf der Suche nach Gleichgesinnten. Jemand, der Kamele so sehr mag wie ich. Eine Art 'soulmate'. Aber es findet sich nichts und niemand. Alle, die ich versuchte zu integrieren sind zwar mehr oder weniger beeindruckt, aber ... Begeisterung schaut anders aus.

Hoffnungsvoll habe ich auf die Annonce einer Veterinärstudentin geantwortet. Sie pries sich als erfahren im Umgang mit Tieren, möchte ihr Spektrum erweitern und natürlich Geld verdienen. Wieviel soll's mich denn kosten? Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf $ 80,- für den Vormittag.

Es war Sonntag, ich setzte Satteltraining an. Die schwerste Arbeit blieb schon mal an mir hängen, da die junge Frau erst um 09.00 Uhr bei mir sein konnte. So hatte ich die Schlepperei mit den monströsen Gestellen bereits erledigt. Viel Quatscherei, keine Ahnung von irgendwas und als ich letztlich im Auto sass und die 2-Stunden-Runde in Angriff nahm, zog sie es vor, sich zu verabschieden. Dafür kam dann später eine sms, dass sie gerne am nächsten Wochenende wiederkommen würde, aber mehr Geld nehmen müsste. $ 20,-/Stunde sowie $ 40,- für An- und Abreise. Das war die willkommene Gelegenheit mich abzuseilen -  ist mir zuviel Geld. Mal ehrlich: eigentlich müsste sie mir was bezahlen. Ohne die geringste Ahnung oder irgendeiner mentalen Vorbereitung einen Job annehmen? Sich alles wie ein unbedarfter Besucher erklären lassen? Noch nicht einmal Knoten knüpfen können und auch nach mehrmaligem vorzeigen den bowline knot völlig falsch angehen?

Enttäuschung #2 ❙ Die nächste Zeitverschwendung folgte gestern.

Beim letzten Aufenthalt in einer Tierpension verlor Teddy enorm viel an Gewicht und hatte blutigen Durchfall. Der Amerikaner meinte es sei besser, die Hunde nicht mitzunehmen - wir sollten uns auf die Kamele konzentrieren. Fair enough. Aber mein Sensibelchen? Ich hörte mich um, ob jemand gegen gutes Geld zweimal täglich zu mir kommt und sich um die Hunde kümmert: spazieren gehen, füttern, mit ihnen spielen. Ja, da gibt es eine Frau, die ist sehr an ein Taschengeld interessiert.

Gestern war sie hier. Eine ältere Dame - Fußknöchel und Handgelenke eines Weberknechts, absolut saft- und kraftlos - die große Augen bekam, als ich von spazieren gehen sprach, unfähig war, einen 20 l Wasserkanister auch nur anzuheben (die mit zu versorgenden Emus verbrauchen viel Wasser) und sehr lange brauchte, bis sie schließlich einen Grund fand, den Job nicht annehmen zu können müssen.

Habe die Hunde sogleich in der Hundepension angemeldet - ich hoffe, dass die Anwesenheit von Teddy's neuem Kumpel Oscar den Aufenthalt im Zwinger weniger stressvoll werden lässt. Und wenn nicht ... er wird's auf jeden Fall überleben. Er hat seit dem letzten Impftermin 5 kg zugenommen, hat jetzt 51 kg! - soll er was abnehmen, es schadet ihm nicht.

Vorbereitungen ❙ Langsam wird es Ernst. Die kleine Wohnung in der lean-to-shed ist - natürlich - noch lange nicht fertig! Nicht einmal das Klo wird benutzbar sein. Also habe ich für den Besuch eine B&B Unterkunft gebucht. Werde ihn abends dorthin bringen, dann kann er auch im Pub essen gehen, und ihn morgens wieder abholen. Etwas Privatsphäre, v.a. am Anfang, erachte ich als wesentlich.

Erneut Geld ausgegeben. Ich habe John Elliott gefragt, was er für solarpanels benutzt. Ouch. Ich dachte, die von eBay (250 Watt) für $ 332,20 wären teuer, aber er hat welche für $ 799,- (180 Watt) von einer Australischen Firma. Das ist mir zuviel. Vielleicht bereue ich es später, an der falschen Stelle gespart zu haben? Wir werden sehen.

Ich fange an, alles Camping-Gedöns zusammen zu tragen. Den vor vielen! Monaten neu gekauften Klappstuhl wollte ich endlich mal testen. Ein bisschen eng, irgendwie. Und so kurze Beine? Beim genauen hinschauen des Rätsels Lösung: ich habe einen Kinderstuhl gekauft! Sowas dummes. Soll ich ihn trotzdem benutzen? Einen anderen kaufen? Umtauschen geht nicht mehr. Ärgerlich.

Sehenswert ❙  Ein beeindruckendes Video von zwei jungen Männern, die im vergangen Jahr fünf Kamele abgerichtet und mit ihnen eine einmonatige Wüstentour durchgeführt haben. Beeindruckend deshalb, weil nicht nur die highlights, sondern auch Schwierigkeiten festgehalten wurden. Jawohl, Kamele können buckeln, brüllen, sich in Leinen verwickeln und passiven Widerstand leisten. Kommt mir sehr bekannt vor, wird aber ungern gezeigt.

Donnerstag, 25. April 2019

Weiter gehts

Während sich die drei gemäßigten Schrittes hinten am Hänger vorwärts bewegten, saß ich bequem vorne im Auto und scrollte durch die Vorschläge an Hörbüchern. Paulo Coelho sollte es werden - schließlich handelt es sich um einen Bestseller-Autoren und ich Banause habe noch nichts von ihm gelesen.

"Der Alchemist" beschäftigt sich mit Träumen und der Anregung, diese auch wahr werden zu lassen. Das gab mir Auftrieb und so habe ich ungeheuer mutig zum ersten Mal seit dem Unfall vor sechs Wochen nach 3 km angehalten und bin die restlichen 11 km mit ihnen marschiert. Schweißgebadet: nicht wegen der Anstrengung oder Temperatur, sondern vor Angst. Aber es ging alles gut. Kurz vor dem Heimkommen musste sich Ali noch mit Jamahl verheddern. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber Jamahl hatte Alis Leine um den Hals gewickelt und jedes Mal, wenn Ali zurück zog, schnürte sie ihm die Kehle zu. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie von einander zu befreien, was dazu führte, dass Ali kurzzeitig führerlos auf der Straße herumlief. Glücklicherweise kam kein Auto und ich konnte sie wieder gleich wieder einfangen.

"Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert."

Samstag, 20. April 2019

Karwoche

Backpacker┃Da hatte ich mich auf Mithilfe gefreut, aber die Freude währte nur kurz. Am Montag den Backpacker abgeholt, am Mittwoch schon wieder zurück gebracht. Den von ihm getätigten und mir finanzierten Einkauf (u.a. diverse Teile von toten Tieren ... muss das wirklich sein, wenn man weiß, dass der Gastgeber kein Fleisch isst???) entsorgen müssen, da der junge Mann den Kühlschrank im Caravan voll aufgedreht hatte und alles (offene Milchtüte, Salat, Eier, Käse,...) gefroren war. $ 80.- in die Tonne. Meine Teflonpfanne, die ich seit neun Jahre besitze, ist nach einmaligem Gebrauch zerkratzt. Betten vorher bezogen, alles wieder ausräumen und reinigen. Es war vorher ausgemacht, dass er solange bei mir bleibt, bis er eine bezahlte Arbeit findet. Sein Glück, dass das innerhalb von zwei Tagen geschah - mein Pech, dass es mein Geld und meine Zeit kostete. Mir reicht es jetzt endgültig. Backpacker kommen mir nicht mehr ins Haus.

Kunstwerk┃Die Einfahrt zum Camel Information Center schmückt jetzt eine 1,60 m hohe Figur.


Habe mir mein Wahrzeichen (Cartoon von Jed Dunstan) aus einer 3 mm Metallplatte aussägen lassen und am Straßenrand aufgestellt. Die Kamele sind gestern, als ich sie am Hänger spazieren und an der Statue vorbei führte, völlig ausgerastet. War eine willkommene Ausrede, nicht zu Fuß zu gehen. ... OMG, wann werde ich mich je wieder trauen?

OptimistischMorgen soll es regnen! Der Nachbar hat gestern tatsächlich sein Feld bestellt, eine riesige Staubwolke hüllte mein Haus ein. Mal sehen, ob der Wetterbericht hält was er verspricht. Die Kamele haben morgen frei, vielleicht gehe ich am Ostermontag eine Runde. Apropos Ostern: Wünsche meinen beiden Lesern entspannte Feiertage 💕





Dienstag, 16. April 2019

Quer durch Australien

John Arthur Elliott ist tatsächlich seit dem 11. April (sein 37. Geburtstag) mit vier Kamelen und Hund 'Bruski' unterwegs. Immer wieder hatte er den Startzeitpunkt verschoben, nun hat er es wahr gemacht. Mit viel Medienrummel setzte er die Abreise in Szene, sogar einen Gedenkstein mit Inschrift hat er sich anfertigen lassen.



Seine Route kann per Satelliten Tracker verfolgt werden.

Sehr unterhaltsam sind seine kurzen Life-Videos auf Instagram! Ein wilder Hund 😀

Freitag, 12. April 2019

Snippets

Sonntag ❙ Es war sehr windig und deshalb nur eine Runde mit an dem Trailer angehängten Kamelen gefahren (ok, es ist eine schwache Ausrede, aber ich traue mich noch nicht mit den Viechern zusammen zu laufen). Wieder an der 'Schweinerei' [keine Ahnung, ob es sich um einen Mast- oder Aufzuchtsbetrieb handelt. Man sieht die Tiere ja nicht.] vorbei und wieder helle Aufregung in Form von seitlich ausweichen und herumtänzeln.

Laila ❙ ist im Moment gut drauf - dreimal auf Holz geklopft. Seit ungefähr zwei Wochen trenne ich Ali nicht mehr von ihren Artgenossen und es bestehen keine Anzeichen, dass Laila auf Ali herum turnt. Auch lässt sie den Jamahl z.Zt. in Ruhe. Mal sehen, wie lange der Frieden anhält.

Futter ❙ Ich bemühe mich redlich, die Mannschaft kurz zu halten. Zum dritten Mal habe ich einen großen Ballen Stroh kommen lassen, um den sie den ganzen Tag herum stehen und fressen. Nach wie vor ist es furztrocken, sie befinden sich jetzt schon seit über drei Monaten auf derselben Koppel. Sie hat den Vorteil, dass ich keine Wasserkanister schleppen muss, da ich mit dem Gartenschlauch bis an ihren Trog komme. Auf den anderen Koppeln wachsen ein paar salt bushes, die aber innerhalb einer Woche aufgefressen wären. Das spärliche Grün verhindert, dass im Falle eines Sturmes die Erde weggeweht wird. Deshalb müssen die Kamele noch eine zeitlang darben, bis endlich der Regen kommt. ... Abgenommen haben sie allerdings noch nicht.

Trekking ❙ Ich hatte leise Zweifel, ob mein Besuch aus Amerika wirklich kommt. Aber jetzt ist es abgemacht, der Flug gebucht. Am 22. Mai werde ich Doug vom Flughafen abholen und spätestens am 29. Mai eine kleine Runde trekken gehen. Am 05. Juni wird der Trainer weiter nach Alice Springs reisen. Da mir einige stations wegen der anhaltenden Trockenheit abgesagt haben, und auch der remote navigation course (den ich für querfeldein Wanderungen als Voraussetzung erachtet hatte) mangels Teilnehmer abgesagt wurde, habe ich eine einfache Strecke gewählt: nach Marree fahren, dort das Basiscamp aufschlagen und einen Teil des Oodnadatta Treks marschieren. Sollte machbar sein. Nachteil: relativ viel Verkehr, da es sich um eine öffentliche Straße handelt, Vorteil: ich kann mich nicht verlaufen und denke, wilde Kamelbullen werden dort nicht auftauchen.

Hilfe ❙ In drei Tagen werde ich wieder einen Backpacker zu Gast haben. Dann sollte das Training wieder Fahrtwind bekommen.

Webpage ❙ Habe jetzt einen Internetauftritt - mal sehen, wo das hinführt - auch eine Seite auf FB.

Material ❙ Schweren Herzens in neue Satteltaschen investiert! Auf die Frage, welche Farbe ich haben möchte gab es nur eine Antwort ... natürlich ... pink! Die sind so groß, da kann ich meinen gesamten Hausstand reinpacken!



Samstag, 6. April 2019

In der Schule

Das Wetter hat nicht mitgespielt. Es war zwar warm aber unheimlich stürmisch. Auf dem Weg in den Nachbarort konnte ich teilweise nicht die Hand vor Augen sehen, soviel Staub und Erde wurden aufgewirbelt.



Die Kamele kämpften sich tapfer voran. Um 08.03 Uhr verließen wir das Grundstück und um 10.20 Uhr erreichten wir unser Ziel. Ich rief im Schulgebäude an und die Lehrerin kam heraus und zeigte mir den Ort, wo ich parken konnte. Ich wählte ein schattiges Plätzchen unter einigen Eukalyptusbäumen, an die ich eigentlich die Kamele anbinden wollten. Aber sie waren zu nervös. Die Sturmböen bogen die Äste, die Blätter rauschten und die drei tanzten hin und her. Ich ließ sie einfach am Anhäger und baute eine kleine Barriere um sie herum.

Dann kamen die kleinen Schüler. Ach waren die süß und so brav. Ganz artig standen sie so, wie ihnen aufgetragen. Ich erklärte einiges über die Besonderheiten der Tiere - den Höcker, die schlitzförmige Nase, die langen Wimpern, die behaarten Ohren, die Form der Füße und und und. Dann durfte jedes Kind der verfressenen Ali ein Ästchen von einem salt bush geben, jeder durfte sie unter meiner Anleitung streicheln. Die ganz kleinen hob ich sicherheitshalber auf den Arm. Ständig beobachtete ich mit Argusaugen, wie Ali drauf ist. Aber sie war mittlerweile recht entspannt und hat nicht einmal Widerstand in Form von Treten oder Spucken geleistet.

Die Stunde war recht bald vorüber. Eines der Kinder bedankte sich im Namen aller bei mir und ein kleines Mädchen gab mir noch eine feste Umarmung. Jeder Schüler erhielt einen Kühlschrankmagneten in Form eines Kameles zum Andenken. Auch jede Menge Fotos wurden von den anwesenden Betreuer und Lehrer gemacht. Ich weiß nicht, ob ich die veröffentlichen darf, deshalb nur eines von mir, der stolzen Kameltreiberin ☺.


Mittwoch, 3. April 2019

Noch zwei Tage!

Übermorgen wird der erste Tag sein, an dem die Kamele das tuen sollen, was zukünftig ihre Hauptaufgabe (neben dem Trekking) werden wird: der Öffentlichkeit die Welt der australischen Dromedare näher zu bringen. Nun ja, wir werden klein anfangen - im wahrsten Sinne des Wortes! Die „Öffentlichkeit“ wird aus 11 Schulkindern zwischen 6 und 10 Jahren bestehen 😂.

Als ich den Unfall hatte und die Biester davon gerannt waren, konnte ich sie in Höhe eines Hauses einfangen (an der 6 km langen Strecke liegen insgesamt 3 Häuser). Weil ich einige Zeit dort verbrachte, bis mein Helfer mit dem Auto kam und wir sie endlich angebunden hatten, wurde die Bewohnerin wohl auf uns aufmerksam und sprach uns an, gerade als wir abfahren wollten. Sie sei Lehrerin im Nachbardorf und nimmt gerade Wüsten mit ihren Schülern durch. Und Kamele als Wüstenschiffe würden super in den Lehrplan passen- ob ich nicht Lust hätte mit den Tieren vorbeizukommen. Sie sprach sehr langsam und langatmig, mittlerweile tropfte das Blut an mir runter, aber ich hörte mir ihren Vortrag an und zeigte Interesse. Sie wollte sich mit ihren Kollegen absprechen und sich bei mir melden. Am nächsten Tag rief sie tatsächlich an und wir vereinbarten den Termin für 05.04. um 11 Uhr.

Da ich nicht weiß, in welchem Zeitrahmen ich die Kamele verladen kann (kann vier Stunden oder 30 Minuten dauern) und v.a. ob es mir ohne Hilfe überhaupt möglich sein wird sie im Anschluss an die Schulstunde auf den LKW zu bringen, werden sie die 12 km mit Auto/Hänger und hinten angebunden laufen müssen. Vergangenen Sonntag bin ich die Strecke probeweise abgefahren.
08.50 Start Frühstück vorbereitet, an den Zaun gelockt und angebunden
09.20 alle gehalftert, Auto geholt
09.45 Grundstück verlassen
12.15 im Nachbarort angekommen
auf der Rückfahrt etwas Gas gegeben und um
14.00 Uhr zu Hause gewesen.

So lange - 24,5 km - waren sie noch nie am Stück unterwegs. Jamahl fing nach 10 km an protestierend zu brüllen und auf dem Rückweg zog er ständig zurück. Er wollte das nicht. Die Damen zeigten sich unbeeindruckt und hielten tapfer durch.

Wird spannend werden 😰.

Mittwoch, 27. März 2019

Arena fertig!

Endlich! Kaum zu glauben, aber der neue earthmover war superflott. Drei Wochen nach Kontaktaufnahme lieferte er letzten Donnerstag die erste Fuhre Schotter, um die unebenen Stellen vor der Scheune und Arena auszugleichen und am Freitag sowie Montag 200 Tonnen Sand für den Innenraum. Kostet ein kleines Vermögen, muss ich halt an anderer Stelle einsparen. Keine Luxusausführung in der angrenzenden lean-to-shed [= workshop/ Ferienwohnung/ information center ... weiß noch nicht wie ich es benennen soll].

In erster Linie soll die Arena als Schlechtwetter-Stall dienen. Es empfiehlt sich nicht wirklich, die Kamele das erste Mal in eine neue Umgebung zu führen wenn es stürmt und regnet. Sie waren zwar schon zweimal in dem Gebäude, aber hinten am Hänger angebunden. Heute also neues Training: wie kriege ich drei Kamele in einen Neubau?

Eine Möglichkeit wäre sie mit Brustgeschirr zu versehen, hintereinander anzubinden und sie als Karawane in die Halle zu geleiten. Dieses Unterfangen traue ich mir noch nicht zu. Mein Brustkorb schmerzt noch ordentlich, v.a. wenn ich heftig ziehen muss. Das bliebe nicht aus, da die Tiere unbedingt in die Pflanzen steigen wollen. Auf der Koppel ist nix mehr, nur Steine und Staub, aber drumherum gedeihen die blue bushes und die jungen Akazien. Ein Hindernislauf, den 1.600 kg Kamele locker gegen mich gewinnen würden.

Also einzeln führen. Jedes Tier ca. 50 m geführt, an einen Pfosten gebunden, das nächste geholt. Wieder 50 m (viel mehr Abstand geht nicht, weil sie sonst ausrasten, wenn sie sich nicht mehr sehen) und wieder 50 m. Das nahm einige Zeit in Anspruch, aber schließlich standen sie nur noch 20 m vom Eingang der Arena entfernt. Als erste die gemächliche Ali hineingebracht und angebunden, dann Jamahl und schließlich Laila. Die Mädchen kannten den sandigen Untergrund von ihrem kleinen Stall, der beim Haus ist. Für sie war das Hineingehen kein Problem. Jamahl war total unsicher und wollte zunächst nicht weiter. Schließlich machte er einen großen Hupfer, als wenn er vom 3 m Brett ins Wasser springen müsste.



Allen habe ich die Leine abgenommen und sie konnten sich eine Zeit lang frei bewegen. Keiner hat Durchfall gekriegt, alle waren entspannt und haben wiedergekäut. Der Winter kann kommen.

Der Weg zurück erfolgte erneut in Etappen. Ruhig, stressfrei, komplikationslos.

Der Innenausbau der o.a. Scheune verläuft nach wie vor nur schleppend. Der Elektriker hat einen Haufen Kabel verlegt, jetzt muss der Installateur die Wasserleitungen anbringen, dann kommt der Schreiner wieder und vollendet sein Werk, d.h. die Wände und Decken werden eingezogen. Schließlich muss die Küche geplant werden, der Fliesenleger kommen, das Badezimmer eingerichtet, Möbel ausgesucht und bestellt werden, ... hoffe wirklich, dass ich bis Oktober fertig werde 😓!!!

Montag, 25. März 2019

Nachgedachtes

Ich grübel, ob es an mir/meinem Alter/meiner Unerfahrenheit/meinem nicht angemessenem Training liegen kann, dass dieser Unfall passiert ist. Aber ich denke mal, ich sollte mir keine Gedanken machen. Shit happens, auch bei den Profis. Hier zwei Auszüge aus dem Buch "Walk across Australia" von David Mason. Der war 1998 mit drei Kamelen unterwegs, startete am 23.03.1998 in Cape Byron an der Ostküste und erreichte acht Monate später, am 14.11.1998 den westlichsten Punkt von Australien, Steep Point.

Seite 82: ..."At the creek, just before moving up to the Araluen homestead, the camels baulked. Kabul started dancing, or maybe more accurately bouncing, lifting his fore legs and then his hind, trying to buck off the saddle or his fear. Chloe and Kashgar soon followed and I found myself holding a line with three prancing camels. Something had unsettled them but it was not obvious to me. A few minutes later I even had trouble unsaddling them. Perhaps it was the pigs kept in the pen not far from the house." ...

Seite 97/98: ..."I felt more than heard Kashgar take off first, closely followed by Chloe. I turned to look over my left shoulder. I was greeted to a sight not unlike the etching by Dürer, the four horsemen of the apocalypse, only these were camels and there were only three. My mind registered colour. Red, the colour of the interior of the flared nostrils and mouths. White, the colour of eyes, teeth and spittle. Camel terror.
I normally had time to sidestep Kabul when he took off, but he pushed me into the path of Chloe. She knocked me down. I saw Chloe's pad come to my head and I thought of the Ethiopian soldier I had seen, his head crushed by the wheel of a truck, his brains squeezed from his skull and splurted over the dusty road like rotten fruit, his face hanging like a mask over the emptiness. For a moment I thought his fate would be mine.
But Chloe missed my head and in tandem the three galloped 200 meteres down the road. I lay on the dusty track and thought my dream must be over. I was sure I had broken my femur. I could not move my left leg. I imagined the blood spilling into the tissues of my thigh, slowly killing me and my adventure. After a systemic check I tried moving my leg again, and peeling down my trousers I found nothing other than a couple of scratches and some marks on my thighs beginning to manifest themselves into semi-permanent tattoos.
I hauled myself to my feet, tucked in my shirt and checked the cause of the problem. A car. I had not heard it. Nor had Kashgar until it closed right up. What breeze there was came from the west, into our faces. The driver had moved right up close behind us in an effort to get some good video footage." ...

Und auch er, obwohl er schon mehr als ein Viertel der 4000 km Strecke zurück gelegt hatte, muss sich am Riemen reißen und selbst-motivieren.

Seite 99: ......"Both my thighs wanted to seize up during the afternoon and walking was almost impossible. But this was a test, I reminded myself, was it not? Faced with a setback, pain and fear that it might happen again, take precautions that they will not. I told myself I could not afford to be distracted. I had to stop daydreaming. My body hurt so much there were tears in my eyes, but my heart would never let me stop."... 💗

Samstag, 23. März 2019

Erstes Training

Morgen soll es regnen, also habe ich das wöchentliche Training vorgezogen.

Es geht mir zusehends besser, mein Elefantenfuß sieht aus, als wenn er kurz vorm abfallen ist - schmerzt nur, wenn ich ihn anfasse, nicht bei Belastung. Die Thoraxprellung macht mir noch zu schaffen, allerdings auch hier deutliche Verbesserung. Meine Hilfe hat sich gestern auf den Weg ins nächste Abenteuer gemacht, d.h. ich muss (und kann) die 20 l Wasserkanister wieder selber schleppen.

Natürlich wollte ich nicht übertreiben, deshalb die Kamele lediglich am Hänger angebunden und 14 km spazieren gefahren.



In erster Linie damit sie Bewegung haben, aber auch, um an die Unfallstelle zurück zukehren. Ich wollte feststellen, was sie aus der Fassung gebracht hatte und ich glaube, es war eine große Palme vor dem besagten Haus. Sie stand dicht am Straßenrand, hatte Wedel bis zum Boden reichend und raschelte im Wind. Es kann aber auch der Geruch gewesen sein. Hinter dem Haus befindet sich eine piggery - vielleicht irritierte das die Kamele? Jedenfalls tanzten Ali und Laila aufgeregt hin und her als ich für ein paar Minuten stehen blieb. Erst als wir um die Ecke bogen beruhigten sie sich wieder - Jamahl zeigte sich unbeeindruckt.


Montag, 18. März 2019

Was mich nicht umbringt, macht mich härter!

Oder: Unkraut vergeht nicht

Es ist also passiert!

Am Donnerstag konnte ich ein Training erfolgreich beenden. Zum ersten Mal fuhr ich mit ihnen zu einem 40 km entfernten Platz, entließ sie aus dem LKW, ging eine kleine Runde spazieren und lud sie wieder auf. Bis zu diesem Zeitpunkt fand das Verladen nur zu Hause statt, es herrschten also erschwerte Bedingungen, die problemlos gemeistert wurden.

Eigentlich war es ein Probelauf für eine Veranstaltung am 24.03. Eine kleine Gärtnerei veranstaltet ein Benefiz-Event zu Gunsten "beyond  blue" eine Organisation, die sich für depressive Menschen einsetzt. Ich wollte teilnehmen und die Kamele mitnehmen, aber mein Helfer verlässt mich bereits am Freitag. So machte ich nur den dry run - kaufte sogar Pfosten und eine Plastikkette als Absperrung.




Voller Selbstvertrauen startete ich das Sonntagstraining. Auch an diesem Tag erschwerte Bedingungen: Die Kamele am Hänger festmachen, mit ihnen ein Stück fahren und sie in fremder Umgebung satteln - und zwar an der Stelle, an der letztens der Sandsturm tobte und die Tiere ausgerastet waren.

Laila zu satteln war nicht einfach. Trotz zusammengebundener Vorderbeine erhob sie sich mehrfach und schmiss mir ihren Sattel um die Ohren. Einmal traf mich das Gestell und ich trug einen ordentlichen blauen Fleck am Unterarm davon.

Schließlich war alles so weit hergerichtet. Die Kamele befanden sich in einer Reihe und wir starteten, derweil mein Helfer mit dem Auto zurück fuhr.  Es sollten 15 km werden und anfangs verlief der Spaziergang locker und entspannt. Nach 3 km erreichten wir die erste Kreuzung an der ein Haus stand. Völlig unerwartet aus dem Nichts heraus erschreckten sich die Kamele. Offensichtlich nahmen sie etwas wahr, was sich meiner Sicht entzog. Laila machte einen Satz in meine Richtung ... der eiserne Sattelrahmen traf mich voll am Schädel und warf mich zu Boden. Die Tiere rannten über mich und machten sich aus dem Staub.

Mühsam erhob ich mich, Blut rann über die Bluse, mein linkes Bein tat höllisch weh. Ich belastete vorsichtig -  ok., nichts gebrochen. Beim Versuch Luft zu holen schmerzte der obere Teil des Brustkorbs. Aber keine Atemnot, kein Schwindel, ich war die ganze Zeit bei Bewusstsein. Die Viecher waren um die Ecke und außer Sichtweite. Langsam humpelte ich des Weges bis schließlich ein Auto kam, welches ich kurzerhand anhielt. Ein liebes altes Ehepaar erklärte sich sofort bereit, mich entlang der Straße zu fahren, bis ich die Tiere wieder sehen konnte. Um sie nicht zu verscheuchen, stieg ich vorher aus, humpelte hinterher und schrie, sie sollen stehen bleiben. Immer wieder drehten sie sich zu mir um, liefen aber weiter Richtung Heimat. Endlich erreichte ich sie, da das Führseil am Boden schleifte und eines der Kamel immer mal wieder auf es stieg und Laila mit einem Ruck zum Stehen brachte. Der Sattel hing schief, ein Seesack war zerrissen und hing in Fetzen herunter, den Wasserbehälter hatte ich weit vorher auf der Straße liegen sehen.

Ich war ja so schlau, mein Handy und das neue Tracking Gerät mitzunehmen. Nur leider hatte ich es in Lailas Satteltasche gesteckt und die war auf und davon! So konnte ich erst meinen Helfer informieren, nachdem ich die Kamele eingefangen hatte.

Als wir die Tiere an den Anhänger gebunden hatten, kontaktierte ich eine in der Nachbarschaft lebende Krankenschwester. Die war so nett und kam gleich vorbei, reinigte die Kopfwunde und entschied, dass sie genäht gehört. Den restlichen Sonntag in der Notaufnahme verbracht, vier Stiche erhalten und eine Tetanusinjektion (bei der ich kollabierte).

Der ganze Körper schmerzt. Der Rücken ist zerkratzt, zwei faustgroße Blutergüsse zieren meinen Hintern und rechtes Hüftgelenk, mein linker Fuß kann mit dem eines Elefanten mithalten, so dick ist er. Am schlimmsten ist die Brustkorbprellung. Husten oder Lachen sind fast unmöglich, aber wie gesagt, nix gebrochen.


Wird schon wieder ☺

Montag, 11. März 2019

Der Tag danach

Mäh, hat sie gemacht. Mäh, mäh. Übersetzt: bitte nicht. Aber ich kann dem Jammern nicht nachgeben. Wie wenn man vom Pferd fällt und man gleich wieder aufsteigen soll. Also muss der Sattel aufgelegt werden - er wird schon nicht beißen. Es hat etwas gedauert, aber letztlich war ich erfolgreich und der Sattel befand sich auf Lailas Rücken.

Insgesamt war sie ruhig und aufmerksam. Wir fuhren den Berg hinauf, liefen anschließend ein paar Kilometer bis ich sie wieder an den Anhänger band und heimwärts fuhr. Der Sattel war noch oben als wir zu Hause ankamen!


Sonntag, 10. März 2019

Das war knapp!

Voller Enthusiasmus habe ich das heutige Training gestartet. Schließlich hatte ein Lauf unter der Woche so toll geklappt: Verladen beinahe vorbildlich (Jamahl brauchte nur 7 min, Laila ging ohne Zug und Zwang wie selbstverständlich die Rampe hoch und Ali deutete lediglich an, dass sie Sägebock sein könnte, wenn sie wollte), die kurze Fahrt in den Nachbarort war problemlos, das Entladen in einer Seitenstraße ebenfalls. Alle drei hintereinander gebunden und 13 km heim gelaufen. Eine Strecke, die sie noch nie gesehen, geschweige denn gegangen wären. Wir wurden von Autos überholt bzw. es kamen uns Fahrzeuge entgegen ... alles super ...einziger Zwischenfall war das Erscheinen von einem Alien. Dieser war ca. 1,50 groß, braun und wuschelig, ich interpretierte ihn als Alpaka. Der rannte einfach so über ein Feld in unsere Richtung, blieb am Zaun stehen und guckte interessiert. Laila war indigniert, ihre Augen wurden groß wie Wagenräder und sie sprintete ein Stück voraus. Als dieser Alien sich anschickte uns zu begleiten, wiederholten sich die Sprints (mit mir am Ende der Leine), bis die Weide zu Ende war. Aber sonst alles gut.

Heute Spaziergang mit Sättel. Als wir uns auf dem Weg machten (die Kamele hinten am Hänger angebunden), setzte leichter Regen ein, es war schwül aber der Wetterbericht verhieß ein Ende der Schauer in kurzer Zeit. Ich erreichte mein Ziel und plötzlich kamen Sturmböen auf. Von den angrenzenden Feldern wurde die Erde aufgewirbelt, es folgte ein Sandsturm nach dem anderen. Was tun? Heimfahren? Den bequemen Weg wählen? Nein, im Outback kann ich auch nicht auf  Schönwetter warten, also weitermachen. Die Kamele wurden immer nervöser und streckten die Hälse Richtung Sturm. Irgendwann hatte ich sie in der Reihe und wollte marschieren, machte 10 Meter als sich Laila entschloss, besser zurück zum Auto zu gehen. Das wiederholte sich einige Male, bis es ihr zu dumm wurde und sie ihren Missmut mit einigen kräftigen Bocksprüngen kund tat. Die angehängten Taschen flogen in die Luft und knallten zurück, eine Tasche hielt der Aktion nicht stand, zerriss in der Mitte und klatschte auf den Boden.

Zurück zum Anfang. die Seile wieder losmachen, Ali an einen Zaunpfosten binden, Laila seitlich ans Auto, Jamahl hinten an den Hänger. Laila gab noch immer keine Ruhe. Sie sprang wieder in die Höhe, dabei hakte sich ein Karabiner vom Sattel in ihr Führseil, Laila preschte rückwärts und je mehr sie zog, desto weiter rutschte der Sattel nach vorne. Schließlich hing der Sattel unter ihrem Hals und zog so an dem Seil, dass es ihr den Hals abschnürte. Sie tobte, wurde zusehends blau, die Zunge hing ihr aus dem Maul, schließlich kollabierte sie, sie wurde ohnmächtig und sackte zusammen. Nur mit Mühe konnte ich das straff gespannte Seil vom Wagen losmachen, ein Messer hatte ich mal wieder nicht dabei 😥. Als der Zug nachließ, war sie sofort wieder bei sich. Sie blieb am Boden liegen, so dass ich in Ruhe die Riemen lösen und sie von dem Sattel befreien konnte.

Die Heimfahrt verlief ereignislos. Morgen werde ich einen neuen Versuch starten.

Dienstag, 5. März 2019

Erstens kommt es anders ...

und zweitens als man denkt.

Eigentlich habe ich meinen ersten Trek schon hinter mir. Virtuell zumindest. Täglich habe ich den Ablauf vor Augen, vom Abholen des Amerikaners vom Flughafen bis zum Lagerfeuer am Lake Torrens. Versuche mir Komplikationen vorzustellen und wie ich sie bewältigen kann, sehe mich bibbernd und schlaflos im Zelt liegen, die den Kamelen umgehängten Glocken lauschend.

Und nun? Sicherheitshalber schickte ich eine Buchungsanfrage an die station, die mir letztes Jahr bedingungslos die Zusage gab. Das war vor zehn Tagen und bis heute keine Antwort. Also anrufen, ob die Nachricht eingegangen ist. Ja, ist sie ... aber ... leider können wir den Wünschen nicht entsprechen. Die Situation ist von 'bad to worse' gegangen. Nein, auch wenn ich Futter mitbringen kann ich nicht kommen. Wasser ist ebenfalls im Mangel. Bla bla bla.

Musste mich sehr zusammenreißen, um nicht los zu plärren. Ich weiß, schließt sich eine Tür, geht die nächst auf. Trotzdem bin ich enttäuscht. Jetzt heißt es eine neue Destination suchen und fragen.

Sonntag, 3. März 2019

Erschwerte Bedingungen

Warum es sich leicht machen, wenn es auch kompliziert geht?

Also den LKW nicht an den Zaun gefahren, sondern mitten auf dem Grundstück abgestellt. Einziges Zugeständnis: den ride-on-lawn mower an eine Seite der Rampe als Begrenzung geparkt.

Wie zu erwarten, tanzte Jamahl konsequent und unermüdlich einmal rechts, einmal links an der Rampe vorbei. Immer und immer wieder musste ich die bereits auf Zug gebrachten Seile lockern, vom LKW herabsteigen, den Burschen im Bogen an die Rampe führen und versuchen ihn  hochzuziehen, -zupeitschen, -zustupsen ihn durch gutes Zureden oder alternativ Anbrüllen dazu zu bewegen DIESE VERDAMMTE RAMPE HOCH.ZU.GEHEN! Es war wie verhext, aber die alte Frau gibt nicht auf. Bei mittlerweile über 30°C lief der Schweiß in Strömen und irgendwann - nach gefühlt dreiundzwölfzig Stunden - war er denn oben.

Laila konnte schon nicht mehr zuschauen. Sie wollte es dem Jungen anscheinend zeigen und ging mit Schwung im ersten Anlauf hinauf. Sachte, Baby! Sachte! Sie war zu beflissen und ... rutschte aus, schürfte sich dabei an dem Übergang in den LKW beide Vorderbeine blutig 🙈.

Ali spielte Rammbock. Sie stand schon mit beiden Vorderbeinen auf dem Absatz, als sie die Hinterbeine spreizte und passiven Widerstand leistete. Glücklicherweise hat sie doch Respekt vor Zwangsmaßnahmen und mein Helfer wedelte ein wenig mit dem Stock: schwups war sie oben.

Ich fuhr die gewohnte Runde, schließlich war heute Prämiere: das erste Mal fahren und sie dann ausladen und 8 km Heim marschieren. Es klappte hervorragend. Sie waren auch erstaunlich flott unterwegs, haben kaum an den Bäumen genascht und trotz stürmischem Wind (der mich beinahe abhielt, überhaupt los zugehen!) nicht gebockt oder sonst wie Theater gemacht. Zweimal schreckten sie kurz zurück, einmal, als eine Taube aufflog und einmal, als ein Hase aus dem Gebüsch hochging.

Ich wiederum habe einen Satz gemacht, als die Kamele beim knabbern am Straßenrand eine giftige fette brown snake 👀 störten und die dann genau vor meinen Füßen den Weg überqueren musste.

Freitag, 1. März 2019

Rekord

Zur Zeit erfreue ich an der Mithilfe eines jungen Reisenden.



Ich nutze die Gunst der Stunde und packe soviel Trainingseinheiten wie möglich in den Vormittag. Einzige Bremse stellt die Hitze dar, aber ab nächster Woche wird es angenehmer und ich werde voll durchstarten.

Heute Verladetraining und es lief super. Jamahl brauchte 11, Laila 2 und Ali 3 Minuten bis sie auf dem Truck standen! Neue Bestzeit. Anschließend noch in den nächsten Ort gefahren geschlichen, um sie an die Wackelei zu gewöhnen: völlig problemlos. Yeah!

Update Ali: seit drei Tagen öffnet sie ihre Lider ohne zu blinzeln, kein Exsudat mehr und die Narben fangen bereits an zu verblassen. Kann auf eine restitutio ad integrum hoffen. Zweimal yeah!

Was mich auch wundert und sehr freut, dass Ali trotz der Schmerzen die sie anfangs hatte und meinen Behandlungen unter Zwangsmaßnahmen zu keinem Zeitpunkt ihr Vertrauen verloren hat. Kein Ausweichen beim anbinden, kein spucken beim halftern oder kicken beim bürsten. Dreimal yeah!


Montag, 25. Februar 2019

Fortschritt

Bin sehr zufrieden mit Ali's Auge.

Am Samstag, den 23.02. [31 Tage nach dem Unfall (?)] versiegte der Tränenfluss. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihr Fell am Kinn triefnass, jetzt ist es staubtrocken und nur noch eine sehr dezente Tränenspur sichtbar.


Seit heute, Tag 33, öffnet sie die Lider ca. ein Zentimeter weit. Der Hornhautdefekt ist von einem dichten Geflecht an Blutgefäßen überzogen - schaut beängstigend aus, ist aber ein sehr gutes Zeichen. Die Reparaturen laufen auf Hochtouren - schlimmer wäre es, wenn sich nichts täte. Dann bestünde die Gefahr einer Hornhautruptur, das Auge 'läuft aus' und ist verloren.

Samstag, 23. Februar 2019

Mir ist nicht zu helfen!

Einer meiner Vorsätze für's neue Jahr war, heuer nur noch vernunftgesteuerte Entscheidungen zu fällen. Keine Gefühlsduselei. Erst denken, dann handeln. Keine Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Mich nur noch und ausschließlich mit meinen Kamelen zu beschäftigen. 

Nun, acht Wochen habe ich ausgehalten, aber als ich das Bild bei einer Tierschutzgruppe gesehen habe, habe ich alle guten Intentionen fallen lassen. 💕💕💕




Dienstag, 19. Februar 2019

Kaputt

Material: Jetzt werde ich wohl doch noch in richtige Satteltaschen investieren müssen 😒. Sowohl einer der Seesäcke


als auch der umfunktionierten rear wheel rubbish bags



ist beim letzten Training gerissen. Das wird wieder ins Geld gehen, aber Qualität kostet halt.

Jamahl hatte in den letzten Tagen ein 'Wimmerl' - wie man auf gut österreichisch sagt - auf seiner linken Oberlippe entwickelt. Heute morgen ist es aufgegangen und Laila musste erstmal schauen, was das Merkwürdiges ist.



Alis Auge ist scheint unverändert. Ich kann es nicht beurteilen, da sie das Auge geschlossen hält. Nach wie vor wässriger Tränenfluss.



Ihre vormals handflächengroße haarlose Stelle in der Mitte der linken Höckerhälfte wächst langsam zu.



Die Haut fühlt sich nach wie vor unelastisch an, es kratzt und knirscht, wenn die Bürste darüber fährt. Ich werde Ali weiterhin tagsüber auf die Nachbarkoppel führen und abends, wenn alle drei wieder vereint sind, Laila die Fußfesseln anlegen. Jedesmal, wenn ich denke, das Laila sich ruhig verhält und sie mit Ali ohne hobbels zusammen bringe, werde ich enttäuscht. Laila kann es einfach nicht lassen und muss Ali 'begatten' und somit den Höcker verletzen.




Montag, 18. Februar 2019

Auf der Stelle treten

Samstag (16.02.) die Bande mal wieder gefordert [nachdem ich mich am Mittwoch mit einem 11 km Rundmarsch + 10 kg Gewichte im Rucksack malträtiert hatte 😓]. Einmal Berg rauf und runter mit der Absicht, an Nachbars Grundstück anzuhalten und zu Fuß heim zu gehen. Frische Autospuren am Tor wiesen auf die Anwesenheit des Farmers hin, ich wollte ihm nicht in die Quere kommen, so unterließ ich meine Absicht. Dafür führte ich sie wieder in die Arena, in der sie sich wesentlich entspannter bewegten, als beim ersten Mal.

Sonntag setzte ich Satteltraining an. Ich bereitete am Vorabend alles vor, damit es diesmal flotter von der Hand geht. Nun ja. Nicht wirklich erfolgreich:


  • 08.55 Uhr Frühstück in Form von einigen Möhren und einer Handvoll Kraftfutter vorbereitet. Zur Koppel gehen, die Kamele am Zaun festmachen, das Futter reichen, Lailas Fußfesseln entfernen. Die Halfter und Führseile holen, und jedem Tier das richtige zuordnen. Halfter anlegen, Kamele ablegen und bürsten. 
  • 09.35 Uhr Das Auto mit dem Hänger und den Sätteln aus der Scheune holen - wieder zurück zum Haus gehen, den Autoschlüssel holen, das Auto holen, vorfahren. Den Ride-on-mower mit Hänger und 8 Wasserkanistern aus der anderen Scheune holen.

  • 10.00 Uhr Kamele vor die Koppel führen, sie an einen Pfosten binden, Laila ablegen, Vorderbeine zusammenbinden, Decke und Sattel auflegen, Gurte schließen, Taschen anhängen (das erste Mal vier Taschen à 20 kg), Beine wieder losmachen.

  • 10.40 Uhr Jamahl ablegen, Vorderbeine fixieren, Decke und Sattel auflegen, mit den Gurten raufen (hatte eine Woche zuvor beim Sattler längere machen lassen 😌), Gestell anhängen, an den 20 kg Wasserbehälter verzweifeln - sie müssen schließlich ungefähr 1,2 m hochgehievt werden.

  • 11.15 Uhr Alle drei gegen ihren Willen am Anhänger einzeln anbinden - sie würden halt viel lieber von meinen Pflanzen fressen.
  • 12.00 Uhr Yeah! Ich verlasse das Grundstück !!!
  • 13.00 Uhr Ziemlich genau die halbe Wegstrecke hinter mich gebracht, da glaubt Laila einen Hexentanz aufführen zu müssen. Irgendwas gefiel ihr nicht, als wir den Highway überquerten, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen war. Der Affenzirkus bewirkte, dass Jamahls Sattel verrutschte. Also anhalten, dem Knaben deutlich machen, dass es besser wäre sich nieder zu legen, die Gewichte entfernen und ihn ohne weiter laufen lassen. Zuvor versuchte ich den Sattel zurecht zu rücken, aber weder nach oben drücken, noch auf der anderen Seite nach unten ziehen waren eine Option - er bewegte sich keinen Millimeter.

  • 14.30 Uhr Rückkehr zum Grundstück. Die Kamele vom Hänger losbinden, niederhooshen, Beine fixieren, Satteltaschen und Sättel entfernen, Beine losmachen, auf die Koppel führen, Halfter abmachen.
  • 15.20 Uhr In der Küche aufgeschlagen und noch nicht einmal das ganze Equipment ordentlich verstaut. Insgesamt also keinerlei Verbesserung von meinem letzten Training 😟. Wo soll das noch hinführen?




Montag, 11. Februar 2019

'Picture perfect'

... war die gestrige Runde. Das Wetter war angenehm frisch, der Wind der vergangenen Tage hatte sich gelegt, die brennende Sonne kam erst ein paar Stunden später hinter den Wolken vor.

Um 10.08 Uhr verließ ich mit den dreien im Schlepptau das Grundstück, fuhr eine 10 km große Schleife, stellte den Wagen ab und marschierte mit ihnen die restlichen 6 km heim. Wie im Bilderbuch sind sie gelaufen, haben nicht gebuckelt oder mich auf die andere Straßenseite gezogen. Einmal wurden wir von zwei langsam fahrenden Autos mit Anhänger überholt. Ich hörte sie lange bevor sie uns erreichten, so konnte ich gemütlich vom Weg ins Gebüsch ausweichen. Zwischendurch ließ ich die Kamele von Büschen und Bäumen fressen, was dankbar angenommen wurde.

Wieder hatte ich ewig für alles gebraucht - obwohl sie nur ein Brustgeschirr umgelegt bekamen und  keine Sättel: erst um 15.40 Uhr stand ich endlich in der Küche und konnte mit den Vorbereitungen für mein Mittagessen anfangen.


Mittwoch, 6. Februar 2019

Nachdenken

Sonntag kein Training durchgeführt. Um 09.00 Uhr hatte es bereits 34°C und das Thermometer kletterte im Laufe des Tage auf 42°C - einfach zu heiß ... für mich ... den Kamelen wäre es wurscht. Stattdessen ein wenig sinniert was mir noch fehlt, um erfolgreich trekken zu gehen.

  • Natürlich brauche ich mehr Praxis im satteln und beladen und die Kamele gescheit in einer Linie führen. Ebenso sie ohne viel Theater im Truck verladen: dreimal in die Hände klatschen und husch-husch die Waldfee rennen alle drei freudig erregt auf den Truck 😁 ...  man wird ja noch träumen dürfen.
  • Ich bräuchte Muskelaufbautraining. Diese Sattel- und Wasserkanister-Schlepperei bringt mich regelmäßig an meine Leistungsgrenze. Überlege, ob ich in ein Sportstudio investieren sollte. Andererseits besitze ich Hanteln und ein Reck für pull-ups (ich schaffe genau 1 🙈  ) und sit-ups sowie push-ups kann man auch ohne Geld ausgeben daheim im Badezimmer machen. Muss noch viel nachdenken, v.a. weil mein Motto bisher lautete: no sports und ich bin bis jetzt sehr gut damit gefahren.
  • Schießen, ich muss schießen üben. Habe schon wieder alles über den Umgang mit dem Gewehr vergessen. Vielleicht fahre ich demnächst auf eine range - kostet $ 50/Tag. Oder ich finde jemanden, auf dessen Grundstück ich schießen dürfte. Bei mir geht es nicht, bin zu Nahe am Ortskern.
  • Brauche noch einige Teile wie satellite messenger, Solarpanelen, Kompressor fürs Auto, evtl. Satelliten-Telephon. Muss eine Liste erstellen, was alles fehlt und sie dann abarbeiten. Wie haben das die afghanischen Kameltreiber vor 150 Jahren nur gemacht?
  • Navigation, sehr wichtig. Internetrecherche lieferte einen dreitägigen Kurs. Ist zwar in Adelaide, aber das kann ich bewerkstelligen. Und nur $ 75 ... freu mich schon drauf.

Sonntag, 3. Februar 2019

Zu früh gefreut

Während ich am Freitag Morgen noch der Meinung war, dass Alis Auge unverändert sei, zeigte sie abends signifikante Symptome einer Verschlechterung. Wie am ersten Tag senkte und schüttelte sie den Kopf, als wenn sie etwas loswerden wollte. Ich schloss sie in mein Nachtgebet ein und hoffte auf Verbesserung. Aber nein, morgens das selbe Theater. Auch waren ihre Augenlider regelrecht verklebt: die Augensalbe und der bulldust hatten eine Pastete gebildet und verpappten die Lider.

War jetzt ein Fremdkörper eingedrungen? Heute wollte ich Nägel mit Köpfen machen und sie sedieren, um nachzuschauen. Voraussetzung ist eine Fastenperiode, aber wie sollte ich das bewerkstelligen? Eleganteste Lösung wäre, sie vorübergehend im Stall unterzubringen. Leider keine Option: bei der Erstuntersuchung hatte ich sie dorthin geführt und ihre Kumpel sind völlig ausgeflippt. Sobald Ali außer Sichtweite war, fingen sie an zu brüllen wie am Spieß und rannten hin und her. Das zerrte an meinen Nerven und ich hatte Angst, sie würden über den Zaun steigen, um zu ihrer Freundin zu gelangen. Alle drei in die Arena führen und dort ohne Wasser und Futter belassen?

Ich entschied mich für eine andere Variante. Nachdem ich ihr noch ein Schmerzmittel verabreicht hatte, führte ich sie auf die Nachbarkoppel - in Sichtweite von Laila und Jamahl. Dort band ich sie kurz an und versah sie zusätzlich mit einem Maulkorb. So verbrachte sie die nächsten acht Stunden. Sie war sehr brav - ich konnte zu keinem Moment Befreiungsversuche beobachten.

Abends war es so weit. Ich fixierte den Kopf am Zaun und wollte ihr das Sedierungsmittel in die Vene verabreichen. Aber sie roch Lunte. Sobald ich versuchte die Jugularvene zu stauen, brüllte sie los und warf den Schädel herum, was ihr trotz all der Seile gut gelang. Irgendwann haute ich die Nadel in den Hals und spritzte das Medikament (0,5 ml Ketamin 100mg/ml + 0,5 ml Xylazin 100mg/ml). Natürlich gelangte bei der Zappelei nicht alles in den Blutstrom, so dauerte es eine Zeit, bis die Wirkung einsetzte. Sie war nur mäßig kooperationsbereit, aber endlich war ich in der Lage, hinter das dritte Lid zu schauen: kein Fremdkörper, nirgendwo. Die Größe des Hornhautdefekts war unverändert. Die gute Meldung ist, dass Reparaturvorgänge eingesetzt haben. Von ventral sprießen kleine Gefäße in den Defekt, die Selbstheilung ist im vollen Gange.


Warum sie gestern erneut Schmerzen hatte? Keine Ahnung, vielleicht hat sie sich nochmal irgendwo angeschlagen, so ungeschickt wie sie ist. Und der Dreck, der in den Salbenresten kleben bleibt, trägt auch nicht zur Verbesserung bei.

Hängende Unterlippe: Nebenwirkung der Sedierung

Mir kam noch eine Idee: schnell rannte ich zur Nachbarin und lieh mir ein fly veil von ihren Pferden aus. So konnte ich die Augensalbe verabreichen und brauchte keine Angst haben, dass gleich alles wieder verschmutzt.


Ui, haben die anderen geschaut, als Ali zurückkehrte. Sie wurde von vorne bis hinten beschnuppert, beide blubberten und schubsten sie, trieben sie vor sich her und versuchten, ihr in den Hintern zu beißen.

Am nächsten Morgen konnte ich den Fliegenschutz von der Koppel auflesen - habe nichts anderes erwartet. Solange kein Eiter sichtbar ist, werde ich keine Salbe mehr geben. 

Ali zufrieden im Strohbett




Freitag, 1. Februar 2019

Update Alis Auge

Keine sichtbare Verbesserung zu erkennen, Verschlechterung aber auch nicht. Meistens hält sie die Lider fest verschlossen; der Ausfluss ist wässriger Natur (kein Eiter). Sie ist nach wie vor im Kampfmodus wenn ich sie behandeln will. Heute fiel mir noch eine Schwellung unter dem Auge auf, keine Ahnung, ob ein Zusammenhang mit der Hornhautverletzung besteht. Allgemeinbefinden nach wie vor ungestört.





Dienstag, 29. Januar 2019

Full monty

Australia Day fiel diesmal auf einen Samstag. Da die armen Bürohengste um einen freien Tag bangten, erklärten sie kurzerhand den darauf folgenden Montag als Feiertag. Das wiederum für meine Horde hieß: die Straßen sind nicht so belebt, wir können arbeiten.

Diesmal mit voller Montur. Laila verhielt sich großartig, bekam Reitsattel aufgelegt und zwei mit 20l Wasser gefüllte Säcke angehängt. Jamahl beglückte ich mit Packsattel, den Seitengestellen und acht Wasserkanistern, von denen vier gefüllt waren. Sattel wiegt 25 - 30 kg, die Gestelle 10 - 15 kg (x 2) und die vier vollen Kanister 80 kg: macht mindestens 125 kg, können auch 150 kg sein, ich muss eine Möglichkeit finden, alles zu wiegen.

Der arme Bursche stöhnte leise vor sich hin, als ich ihn mit immer mehr Zeug belastete. 



Ich war schnell k.o., brauchte DREI volle Stunden, bis die Mannschaft abfahrbereit war. Wie soll das werden, wenn ich trekken gehe? Mit Frühstück, Zelt und Campingsachen einpacken, Kamele einfangen und beladen brauche ich mindestens fünf Stunden bis zu Abmarsch. Ich kann dann gleich wieder auspacken, weil es im Winter nur ca 8 Stunden hell ist. Da werde ich nicht weit kommen.




Nach 3/4 der Strecke bemerkte ich, dass der Sattel von Jamahl in Schieflage geraten war. Irgendwann hatte Laila ein paar Bocksprünge gemacht und ihr Sattel hatte seinen auf  Rutschpartie gebracht. Langsam fuhr ich an den Straßenrand, leinte den Burschen los, befahl ihm sich niederzulegen und befreite ihn von der Last. Er war so brav und geduldig - es war das erste Mal in den fast zwei Jahren, seit er in meinem Besitz ist, dass ich ihn richtig gern hatte. Bis dahin war er mir immer suspekt. Er ist mir einfach zu groß, hat irre lange Haxen die sich unkoordiniert bewegen, dauernd ist er in meinem "inner space", kann kein Abstand halten und wenn ihm danach ist, schnappt er auch gerne. Gestern verhielt er sich mustergültig. 

Sonntag, 27. Januar 2019

Blöde sein...

kann man auch mit einem kaputten Auge!

Das Wetter war sehr angenehm - leicht bewölkt, frische südliche Brise, Temperaturen um 25°C. Also eine Runde mit dem Viehzeug. Zunächst am Hänger angebunden den Berg hinauf, eine Linksbiegung (dort waren sie noch nie), bis zur nächsten Weggabelung und wieder zurück. Beim westlichen Nachbarn am Tor angehalten, die Kamele hinter einander angebunden, den letzten Kilometer zu Fuß gegangen. Das Nachbargrundstück ist hügelig und sie hassen es, die kleinen Hügel hinunter zu gehen. V.a. der letzten Huppel, der in einem dry creek mündet, stellt jedesmal eine Herausforderung für mich dar. Wie es sich gehört, gehe ich vor ihnen her ... sie werden immer schneller, als wenn sie nicht bremsen könnten und ich befürchte ständig, von ihnen überrannt zu werden. Meine Taktik besteht darin, sie mehr parallel zum Hügel gehen zu lassen, nicht strikt gerade hinunter. Werden sie zu schnell, wende ich die Karawane, zwinge sie ein Stück bergauf zu marschieren, um dann wieder Richtung heimwärts zu laufen. Eine Nervenprobe für mich, die meistens (so auch heute 😢) darin endet, dass ich sie einfach loslasse und sie erst auf der anderen Seite wieder einfange.

Eine weitere Erschwernis findet sich im Verhalten Jamahls, der zwischendurch anfängt zu schubsen. Ich dachte immer er will Laila dazu bringen, irgendwo anders hinzugehen. Das ist sehr unangenehm, Laila weiß nicht so recht wie sie reagieren soll: mir folgen oder Jamahls Wünschen nachgeben? Ich bin mitten im Trubel und weiß mir nicht zu helfen. Jamahl ist zu weit weg, um ihn zu disziplinieren, ich brülle meist wie am Spieß, das beeindruckt die Kamele aber nicht im mindesten.

Heute habe ich es genau gesehen! Der Grund, warum Jamahl ungezogen ist .... ist Ali, das Rabenaas. Ständig versuchte sie den armen Burschen in den Hintern oder die Flanken zu beißen. Was soll er da machen, außer nach vorne auszuweichen? Jetzt weiß ich auch nicht, was zu tun ist. Soll ich die Reihenfolge ändern und Jamahl als Schlusslicht nehmen? Das würde einen drastischen Eingriff in ihre Routine bedeuten. Oder Ali jedesmal mit einem Maulkorb versehen? Muss mal drüber schlafen.

Samstag, 26. Januar 2019

Eine aufs Auge

Wäre doch zu schön, wenn es keine Probleme gäbe!

Rechtes Auge fest zugepresst, so präsentierte sich mir Ali am Mittwoch morgen. Super, ausgerechnet mein Sensibelchen. Abends keine Änderung, nicht zu sagen eine Verschlechterung. Sie hatte offensichtlich Schmerzen, warf ständig den Kopf hin und her. Was ist denn nur? Die wahrscheinlichste Ursache wäre ein Fremdkörper im Auge, eine Granne, ein Stück Stroh o.ä. Also hieß es nachschauen. Ich zwängte sie zwischen Zaun und Tor, fesselte den Schädel so gut es ging am oberen Pfosten und schaute nach bemühte mich, nachzuschauen. Kampf der Giganten. Sie wandte sich wie eine Schlange, kniff das Auge zu so fest sie nur konnte, brüllte, spuckte und versuchte mich zu beißen - letzteres ohne Erfolg, da ich ihr in weiser Voraussicht einen Maulkorb verpasst hatte. Ich konnte nichts entdecken, außer einem runden, ca 2 cm großen Defekt auf der Hornhaut. Im Anschluss an die Untersuchung verabreichte ich eine ordentlichen Portion antibiotischer Augensalbe und entließ sie mit ungutem Gefühl.


Donnerstag, 24. Januar, ein Rekordtag: um 16.09 Uhr hatte es bei mir 46,0°C, Adelaide sogar 46,6°C - die höchste dort je gemessene Temperatur. Heuer hat sich die südaustralische Elektrizitätswirtschaft sehr bemüht und es tatsächlich geschafft, dass das Stromnetz nicht zusammenbrach. Mit Klimaanlage war es also gut auszuhalten. Nur kühlte es abends nicht wirklich ab und als ich Ali kurz vor Sonnenuntergang wieder behandeln wollte, war es noch immer über 40°C warm. Mit 500 kg bei Saunatemperaturen eine ernsthafte Meinungsverschiedenheit auszudiskutieren...es gibt schöneres auf der Welt. Ich holte mir Hilfe in Form meiner Nachbarn, aber auch sie waren nicht in der Lage den Kopf so zu fixieren, dass ich eine gründliche Untersuchung (v.a. hinter dem dritten Augenlid) durchführen konnte. Wieder Augensalbe appliziert und es nassgeschwitzt gut sein gelassen.

Heute sieht es ein klitzekleinwenig besser aus. Wieder den Dummschädel am Pfosten kurzgebunden und unter Protest behandelt. Nach wie vor kein Fremdkörper auszumachen, keine Chance hinters 3.Lid zu schauen. Aber mittlerweile bin ich der Auffassung, dass der Hornhautdefekt durch ein stumpfes Trauma zustande gekommen sein muss. Vielleicht hat sie einen Schlag abbekommen, als sich Laila im Staub badete. Sie wirft dabei ihre Haxen durch die Luft und da die Weiber immer eng beieinander liegen, wurde Ali versehentlich getroffen. Ich werde mit der Salbentherapie fortfahren, um einer Infektion vorzubeugen und die Hornhautoberfläche feucht zu halten. Das Allgemeinbefinden von Ali ist jedenfalls wieder ungestört - heute morgen versuchte sie Laila zu decken und fressen tut sie wie ein Stier. Hoffe, sie ist nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen (no pun intended 😀)

Dienstag, 22. Januar 2019

Einschlafhilfe

Es gibt wohl kaum etwas beruhigenderes als wiederkäuende Kamele 😀.







Montag, 21. Januar 2019

Wochenende ...

ist schon wieder vorbei. Am Samstag Vormittag trainiert ich mich selber - 11 km am Stück, samt Hund. Mir macht es überhaupt nichts aus, hätte eine zweite Runde anschließen können. Teddy allerdings war fix und fertig, er schlappte nur noch hinterher. Sonntags forderte ich die Großen. Hinten am Hänger angebunden fuhr ich diesmal eine extra Schleife so kamen 18,3 km zusammen. Mir war es zu warm zum laufen, eine neue Hitzewelle ist angekündigt, bis Donnerstag steigert es sich erneut auf  > 42°C.

Viel bewegen kommt also nicht in Frage, trotzdem trainiere ich etwas. Ali soll ihre Deckenphobie in Griff kriegen. Vor genau zwei Jahre begann das Dilemma: zuerst erlaubte sie mir nicht mehr etwas auf ihren Rücken zu legen, kurze Zeit später war ich nicht mehr in der Lage, mich ihr zu nähern. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich nichts von ihren Höcker-Schmerzen, dachte es läge an mir, dass ich etwas falsch gemacht hätte. Es endete damit, dass ich sie beinahe zu einer Abdeckerei gegeben hätte, aber einen letzten Versuch startete sie trächtig werden zu lassen (sie drei Monate in Orroroo unterbrachte) in der Hoffnung, hormonelle Umstellung würden eine Wesensänderung bewirken. Sie wurde zwar nicht trächtig, heilte aber ihre Wunden aus und fand langsam zurück zu sich selbst.

Ich liebe sie - sie mich nicht, dass weiß ich und ist mir egal.




Samstag, 19. Januar 2019

Mit wachsender Verzweiflung...

schauen sie auf ihre Futterlieferung. So haben sie sich das nicht vorgestellt: Stroh, nichts als geschmackloses, energieloses, langweiliges Stroh.

Am Mittwoch vom benachbarten Landwirt einen großen Ballen geliefert bekommen ($ 100,-),


heute nochmal 50 kleine Ballen à $ 6,-


Aber mein übergroßes Mutterherz schafft es natürlich nicht, sie 'hungern' zu lassen, zum Nachtmahl gab es noch einen klitzekleinen Ballen Luzerne 😛. Ich legte ihn auf den Strohballen und sorgte für Konfusion. Laila traute sich anfangs nicht in die Nähe, musste irgendwie sehr verdächtig ausgesehen haben und Jamahl wartete noch eine zeitlang am Zaun und checkte nicht, dass sich die Köstlichkeit längst innerhalb der Koppel befand. Erst nach mehrmaligem rufen ging ihm ein Licht auf und er trabte an.




Montag, 14. Januar 2019

Measure twice, cut once

Oder so ähnlich. Und wie ist das, wenn man dreimal misst? Ich habe es jedenfalls geschafft, trotz mehreren Anläufen, die Höhe der Sättel falsch zu vermessen!

Als ich letzte Woche die Kamelsättel aus der neuen Scheune holte musste ich mit Schrecken feststellen, dass sich bereits Mäusekot auf den Decken befand. Also machte ich mich auf der Suche nach Kisten, in die ich die Sättel vor Ungeziefer sicher unterbringen kann. Schließlich sind die Polster mit Stroh gestopft - ideales Klima für alles mögliche Getier.

Erleichtert, auf Anhieb große Boxen (Voraussetzung: mindestens 130 x 60 x 60 cm) im Baumarkt gefunden zu haben, verstaute ich Jamahl's Packsattel in die erste. Perfekt!


Welche Enttäuschung feststellen zu müssen, dass der Reitsattel nicht hineinpasst. Die Handgriffe ragen zu weit raus! Was, bitte schön, habe ich denn da vermessen?


Watt nu? Die Box zurückbringen und eine größere kaufen? Schlitze in den Deckel fräsen, damit die Griffe durchpassen? Ich habe mich für eine andere Variante entschieden. Mit der Flex die Stäbe durchtrennt und meinen netten Nachbarn gebeten, sein Schweißgerät anzuwerfen. Jetzt passt's.


Der Eingriff fand Sonntag morgen um 08.00 Uhr statt. 45 Minuten später war er fertig und da die Hitzewelle eine kurze Pause einlegte (es hatte 12,5°C in der Früh), entschloss ich mich für eine Trainingsrunde. Drei Kilometer fahren, 8 Kilometer marschieren. Kein Auto hat uns überholt oder kam uns in den zwei Stunden Marsch entgegen. Auch kein Ausflippen vom Jamahl - sicherheitshalber bin ich die letzten 50 m auf der Straße geblieben und nicht, wie beim letzten Mal am Zaun meines Grundstücks entlang gegangen. Auch taten mir die Füsse nicht so weh, habe diesmal meine ausgelatschten Wanderschuhe angehabt.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Vorgezogenes Training

Eine neue Hitzewelle steht an. Morgen, Freitag, sind 37°C vorhergesagt, 41°C am Dienstag nächster Woche. Also habe ich den heutigen frischen Morgen benutzt, das Sonntagstraining vorzuziehen. Diesmal unter verschärften Bedingungen - mit Sattel.


Das Equipment (zwei Sättel und vier Säcke mit je 20 l Wasserbehälter) im Trailer zur Koppel gebracht, die Kamele einzeln herausgeführt und fertig gemacht. Ali hat nur eine Decke und ein Brustgeschirr erhalten. War kompliziert genug, da ihre Deckenphobie noch immer aktuell ist. Allerdings nicht mehr sehr ausgeprägt. Sie hüpft halt hoch, aber beim vierten Anlauf blieb sie liegen. Kein spucken und keine Durchfallorgie.

Dafür benahm sich Laila wie eine Mimose. Sobald ich mich ihr mit dem Sattel näherte, versuchte sie aufzustehen. Ging ja nicht, da ihre Vorderbeine gefesselt waren, trotzdem robbte sie mir ständig davon. Dann fing sie an zu zittern! Sie hatte tatsächlich Angst vor dem Ding. Irgendwie brachte ich den Sattel auf ihren Höcker, ließ sie ein paar Minuten kontemplieren, entfernte den Sattel und widmete mich Jamahl. Der ließ alles mit sich geschehen, begann sogar zu wiederkäuen. Nachdem der Bursche fertig war, wandte ich mich wieder der Primadonna zu. Diesmal klappte es auf Anhieb und ohne zu zittern. Ein-einhalb-Stunden habe ich für die Vorbereitung gebraucht, das brüsten und halftern vorher nicht eingerechnet!

Abfahrt

11 km am Stück gefahren, nach zwei Stunden wieder daheim. 

Rückkehr

Die Sättel blieben bis zum Schluss auf ihrem Höcker - kein verrutschen, kein heruntergleiten. Wieder verging eine gute Stunde, bis ich sie von allem befreit hatte und alles ordentlich verstaut war. Zur Belohnung sägte ich noch ein paar kräftige Äste von den Akazien, die dankbar angenommen wurden. Ebenso ein kühler Trunk und ein Staubbad schafften Erleichterung von der körperlichen Anspannung. 

Mein Mittagessen nahm ich um 15.00 Uhr ein 😀.

Mittwoch, 9. Januar 2019

Heute war der Tag!

Seit zwei Monaten besitze ich nun das Motorrad, habe mich aber noch immer nicht getraut, diese verflixte Rampe rauf zu fahren. Gefühlte 100 Mal bin ich vor ihr gestanden, habe Anlauf genommen und habe wieder abgebrochen. Im dry creek ist eine Stelle, die ähnlich steil ist - die bewältige ich mittlerweile von allen Winkeln. Was ich meinen Kamelen zumute, sollte ich doch auch können!

Ich wollte, dass mir jemand vormacht, wie man das Problem am besten löst. Mit Anlauf? Langsam rauf tuckern? Stehend? Sitzend? X YouTube videos habe ich mir angesehen. Gestern bat ich einen Bekannten, der schon Schafe auf einer Farm mit dem Motorrad zusammen getrieben hat. Für den müsste es ein leichtes sein. Nun, war es nicht. Zweimal hat er es probiert und zweimal ist er gescheitert. Ich merkte ihm seine Unsicherheit an und erlöste ihn - besser er lässt es, wenn er sich nicht wohl fühlt.

Trotzdem, es muss sein. Dafür habe ich ja das Gerät gekauft: um es im LKW mitzunehmen. Hinauf zu schieben (mit laufendem Motor), habe ich auch versucht - jedesmal ist mir der Motor abgestorben.

Nach dem Mittagessen, frisch gestärkt, allen Mut zusammen nehmend: drei Anläufe, drei Mal ohne umzukippen hochgefahren! Herz, was willst Du mehr.


Dienstag, 8. Januar 2019

31 Minuten ...

... und alle drei waren im LKW! Yeah! Jamahl und Ali waren im ersten Anlauf oben, Laila hat herumgezickt. Zwei lange Seile anstatt einem verwendet - müsste ich glatt patentieren lassen. Anschließend mit der Meute in die nächste Siedlung gefahren. Habe eine halbe Stunde für 12 km gebraucht: sehr sehr langsam und mit ständigem Blick auf den Monitor, die die Kamele zeigten, die von einer kleinen drahtlosen Überwachungskamera aufgenommen wurden. Sie waren angespannt, schauten jedoch interessiert nach draußen.

Beim Aussteigen dachte ich zunächst, dass Jamahls angeschlagene Zehe blutet. War aber nur rote Farbe. Der Nagel wackelt mit jedem Schritt, scheint aber nicht mehr schmerzhaft zu sein.


Ali mit den anderen zusammen auf die Koppel geführt. Sonst bringe ich sie tagsüber auf einer anderen unter, erst abends darf sie zurück, nachdem Laila ihre Fußfessel angelegt bekommen hat. Kaum drehte ich den Kamelen den Rücken, hörte ich es schon brüllen. Doch diesmal 'begattete' Ali Laila, die das nicht wirklich goutierte. Na ja, besser als umgekehrt.




Montag, 7. Januar 2019

Sonntagsbesuch

Obwohl ich mich über mich ärgere, wenn ich zuviel Zeit auf fakebook verschwende, lernt man hin und wieder nette Leute kennen. Eine deutsche Auswanderin und Tierfreundin wohnt "nur" 70 km entfernt und sie stattete uns einen kurzen Besuch ab.


Dienstag, 1. Januar 2019

Neujahrstag

Früh draußen gewesen, die Kamele gestriegelt, gehalftert, mit Brustgeschirr versehen und an den Anhänger gebunden. Diesmal den Berg hinauf, sehr zum Unwillen Jamahl's. Der hat zwischendurch erfolglos versucht, den Rückwärtsgang einzulegen.

Oben angekommen, die drei hinter einander zusammen gebunden, ca. zwei Kilometer marschiert und zwischendurch viel fressen lassen. Ein Bocksprung vom Jamahl und ein kurzes kerfuffle, das zu einer Verwicklung der Leinen führte und ich kurzfristig bedauerte, mein Messer nicht mitgenommen zu haben, waren letztlich unbedeutende Zwischenfälle.

Nach Beendigung des kurzen Marsches die Mischpoke wieder an den Hänger angebunden und heimwärts geführt. Dann überlegt, sie noch etwas zu fordern: das erste Mal in die Arena geleitet. Sie ist groß genug, um mit dem Auto hinzufahren und auch mit Anhänger bequem zu wenden. Sie waren ziemlich aufgeregt, haben es aber besser akzeptiert als erwartet. Zur Belohnung einen Ballen Luzerne gespendet, der auch angenommen wurde.