Montag, 16. September 2019

Verschiedenes

Sonntag | Eigentlich hatte ich vor, mit dem wagon-Training fortzufahren. Ein Bekannter war organisiert mir zu helfen. Kurzfristig sagte ich ab, es war mir einfach zu stürmisch. Keine Ahnung, wie sich das Gefährt unter diesen Bedingungen verhält, noch weniger, wie die Kamele reagieren, wenn sie eh schon Stress durchs angespannt sein haben.
Jedenfalls bin ich seit langem mal wieder die 11 km Runde gefahren: um 09.00 Uhr das Grundstück verlassen und um 11.30 Uhr zurück gewesen. Wir trafen in den 2,5 Stunden nicht ein einziges Auto, die Polizei sollte also keine Beschwerde erhalten.
Ich mache einfach weiter: ich habe einen gewalttätigen Ehemann ausgehalten, Brustkrebs überwunden und bin von drei Kamelen überrannt worden - um nur einige highlights meines 65jährigen Lebens anzusprechen. Da müssen schon andere Kaliber aufgefahren werden, um mich zu stoppen. 'Haters gonna hate' - ist halt so.

Versicherung | Noch immer keine Antwort. Die wollen anscheinend kein Geschäft machen. Jetzt habe ich eine Versicherung direkt angemailt - ohne Broker. Mal sehen, ob da was weitergeht.

Show | Ich bin mir noch immer unsicher, wie und ob ich weitermachen soll. Eventuell ein kleiner Stand ohne die Anwesenheit der Kamele? Nur präsent sein, gesprächsbereit, ein paar Kleinigkeiten verkaufen? Oder soll ich den Hut drauf hauen und mich nur auf meine eigenen Sachen konzentrieren? Muss noch eine Weile nachdenken.

Wetter | Für diesen 'Frühling' brauchts einen guten Kreislauf.



Gestern im T-shirt geschwitzt, heute wieder die Heizung angeschmissen. Die Kamele verbringen den Tag in der Arena. Wir erreichten die schützende Unterkunft gerade rechtzeitig bevor der Regen begann. Ich glaube es ist das erste Mal, dass sie mir gerne folgten.

Neubau | Der Schreiner hatte seine Gegenwart für heute angekündigt. Er wollte die gestrichenen Türen montieren und Eckleisten anbringen. Damit wäre er fürs erste fertig - es fehlt 'nur' noch eine neue Eingangstür. Dreimal darf man raten wer nicht kam 😷?



Montag, 9. September 2019

Better save than sorry!

Gerne würde ich die Kamele mehr in der Öffentlichkeit präsentieren. Sie sollen lernen, mit Stress-Situation gelassen umzugehen, Nervosität und Angst abzulegen.

Aus diesem Grunde habe ich Komitees von aktuellen Country Shows angeschrieben, mit unterschiedlichem Ergebnis. Die einen haben sich überhaupt nicht gemeldet und waren auch nach telefonischer Nachfrage zu keiner Antwort bereit (aber 'keine Antwort ist auch eine Antwort' 😒), die anderen haben gleich abgewunken ('we already have an animal group that has camels attending this year and so therefore are unable to accommodate you at our event') während die lokalen Veranstalter sich ganz begeistert zeigten.

Sie schickten mir die Unterlagen für die Anfang November stattfindende Show. Als ich begann das Formular auszufüllen, stieß ich auf den Punkt, dass der Teilnehmer ein 'certificate of public liability' vorzuweisen hat! Nun, da ich kein Geschäft betreibe, verfüge ich nicht über eine solche Versicherung - nur über eine Haftpflichtversicherung, die mein Grundstück betrifft. Also habe ich mein Interesse an der Teilnahme wieder rückgängig gemacht, was mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde: ..."oh no, let's try and work something out!"...

Sie wären wohl mit meiner Haftpflichtversicherung fürs Grundstück zufrieden, aber Lailas Aktion neulich hat mich nachdenklich gemacht. Ich will die Kamele zwar als 'sanfte Riesen' verkaufen, weiß aber genau, dass ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko besteht. Ich kann meine Augen nicht überall haben, muss vielleicht mal kurz die Lokalität verlassen - was ist wenn....?

Seit einigen Wochen versuche ich nun bei verschiedenen Brokern eine Haftpflichtversicherung für die drei abzuschließen. Beantworte eine Frage nach der anderen - aber es geht nichts weiter ... 'the cover you require is relatively high risk and not all insurers will want to insure this'...

TBC

Dienstag, 27. August 2019

Vertrauen

"Trust based camel training" war das Motto von einem in der FB-Welt nicht sehr beliebten Paares, dass sich hauptberuflich mit dem Training von Kamelen bzw. ihren Besitzern beschäftigt. Sie sind eloquent in ihrer Ausdrucksweise und mögen theoretisch gute Ideen haben, praktisch sind sie Verlierer (habe einige Horrorgeschichten über ihre tatsächlichen Trainingsmethoden gehört). Wie auch immer, dieses "trust based" kommt in der Trainingswelt (auch bei Pferdeleuten) immer wieder hoch und dauernd frage ich mich, wer traut wem? Das Vieh soll mir vertrauen oder ich ihm?

Gestern Morgen beuge ich mich wie gewohnt herab, um Laila die Fußfesseln abzunehmen. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie sie sich zu mir herabbeugt und im selben Moment verspüre ich einen Schlag am Hinterkopf und ein brennendes rechtes Ohr. Hat mich das Rabenaas tatsächlich gebissen! Ich war so perplex, dass ich gar nicht reagierte, mir nur das Ohr abtastete, ob es blutet. Ich hatte mein Kopftuch umgebunden, was wohl schlimmeres verhindert hat, weh tat es trotzdem. Wenn Jamahl mich beißt zu beißen versucht, geht reflexartig meine Hand hoch und ich schmiere ihm eine. Ich weiß, ich sollte es nicht tun - Gewalt erzeugt Gegengewalt - aber ich kann diese Reaktion nicht unterdrücken. Bei Laila tat ich gar nichts, so unvermutet und schnell kam die Attacke. Ich stand nur da und ergab mich meines Schmerzes. Es war weniger der physische Schmerz - das Ohr war noch am Schädel, kein Blut, also wird es schon wieder gut werden - eher die Erkenntnis, das MEINE geliebte Laila mir so was antut. Es sind halt Viecher, und man sollte ihnen nicht trauen. Sie sollen mir vertrauen, spüren/wissen, dass ich immer das Beste für sie will.

Oder auch nicht, eigentlich sollen sie mir nur gehorchen und mich nicht verletzen. Mich nicht beißen, ausknocken oder überrennen.

Mein Motto "Trust in God but tie your camel" hat sich mal wieder bestätigt.

Sonntag, 25. August 2019

Wo sich eine Tür schließt...

Es gibt hier tatsächlich eine Rennbahn! 


Kürzlich standen dort einige Pferdeanhänger - ein ungewöhnlicher Anblick. Sonst sieht man vielleicht mal ein paar Schafe den Rasen mähen, das Eingangstor ist i.d.R. verschlossen.

Hm, dachte ich. Wenn man den Pferdebesitzern erlaubt dort zu trainieren, warum nicht auch Kamelbesitzern?

Erste Anlaufstelle war die 'heimliche' Chefin des Ortes, Dianne - die Herrin der Postfächer. Täglich zwischen 09.00 und 10.00 Uhr befindet sie sich bei der Verteilerstelle und wartet auf die Lieferung. 'Wen muss ich fragen, wenn ich das oval benutzen will?' Sie grinste mich an: 'Ich habe die Schlüssel!'

Eine 'gmahte Wiesen' für mich, wie man so schön auf österreichisch sagt. Wir verstehen uns gut, ich erzählte ihr von dem Polizeibesuch und erhielt von ihr die Generalvollmacht, das Gelände nach belieben aufsuchen zu können.


Nachdem es an den vergangenen zwei Sonntagen geregnet und gestürmt hatte, war heute der Tag des Erstbesuchs. Beinahe hätte ich wieder verschieben müssen, weil Ali seit Mittwoch hinkt. Das linke Vorderbein tut weh. Am Freitag verabreichte ich ihr Schmerzmittel und legte einen Verband an (die Sohle schaut wie ein Mondkrater aus), heute lief sie fast normal. Ein flotter Gang über die Wege würde die unebene Fußsohle etwas abschmirgeln - so mein Gedanke.

Für den kurzen Weg zum oval hängte ich die drei an den Anhäger im vollen Bewusstsein des zivilen Ungehorsams. Sollen sie mich doch verhaften. Nach einigen Runden kehrte ich heim, genug Aufregung für die Kamele. Sie waren noch nie dort und somit völlig aus dem Häuschen. Laila schubste und drängelte Ali (was zum Verlust eines Teiles vom Anhäger führte und ich später danach suchen musste) und biss Jamahl ständig in den Nacken. Nächstes Mal verpasse ich ihr einen Beißkorb.

Wenn sie den Weg und das Gelände genügend kennen, werde ich mit dem wagon Training anfangen. Dort ist genug Platz zum rangieren und ich muss nicht die öffentliche Straße benutzen. Mein Grundstück ist wegen der vielen Pflanzen sehr beengt.

Der Herr Molière hat schon Recht mit seinem o.a. Spruch: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere!

Sonntag, 18. August 2019

Enttäuscht auf allen Linien

Ok, ein etwas dramatischer Titel, aber:

  • Das Interview auf SBS hat Null Reaktionen hervorgebracht. Keine einzige Anfrage, Nachfrage, Kritik - gar nichts. Als wenn es niemals stattgefunden hätte. Mein Bestreben, als Sprachrohr für die sanften Riesen zu agieren, gestaltet sich schwieriger als erwartet. Das erinnert mich an die Eröffnung meiner Kleintierpraxis 1984. Am Montag eröffnet und trotz Werbung (im Rahmen des Möglichen, da Freiberuflern aktive Werbung untersagt war) konnte ich meinen ersten Patienten am Samstag (!) Nachmittag behandeln. Es dauert halt einfach, wichtig ist am Ball zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.
  • In Zusammenarbeit mit dem lokalen Cartoonisten habe ich ein süßes Logo - als humorvolle Anregung an die Damenwelt, sich unbedingt einer Mammographie zu unterziehen - entworfen.
    Sowohl Aufkleber fürs Auto ($ 3,-) als auch T-Shirts (ca. $ 20,-) können käuflich erworben werden. Der Überschuss geht an die Krebsforschung - kein einziger hat bis jetzt was gekauft. Auch hier muss ich wohl geduldig sein und weiter die Werbetrommel rühren.
  • Der Polizeibesuch nagt natürlich an mir. V.a. das Gefühl, Feinde in der näheren Umgebung zu haben. 'Feinde' ist vielleicht übertrieben, halt Leute, die mir nicht gut gesinnt sind. Hoffentlich werden sie ihren Unmut nicht eines Tages an meinen Viechern auslassen. Da kommen die Erinnerungen an den Verlust von Clare und Coober wieder hoch: wäre ich eine 'local', dann hätten die Farmer meine Hunde sicher nicht erschossen/oder 'put away', wie mir gesteckt wurde. Ich weiß ja bis heute nicht, wie sie ums Leben gekommen sind.
  • Am Freitag folgte ich einer Einladung in die örtliche Bücherei. Ein Autor stellte sein Buch vor und es wurde angekündigt "he will also talk about self-publishing and researching his book, which is sure to be of interest to inspiring writers". Der Inhalt seines Buches interessierte mich überhaupt nicht - irgendwas über die vergangenen Zeiten der Eisenbahn in Australien - aber der Part über das self-publishing. Vielleicht schreibe ich ja mal meine Memoiren? Ich bin extra eine Stunde zu spät aufgeschlagen, um mir die Eisenbahn-Geschichte zu ersparen und wartete gespannt auf den zweiten Teil ... der nicht kam. Ich sprach ihn im Anschluss an den Vortrag darauf an. Am besten ich benutze die google- Suchmaschine, war sein Vorschlag. Aha! Guter Tip, wäre ich nie drauf gekommen 😒.
  • Letzte Woche verbrachten die Kamele auf Grund des schlechten Wetters fünf Tage in der Arena. Und sie sind die einzigen, die mich nicht enttäuscht haben 😀: wie zu erwarten haben sie aus lauter Langeweile das Sieb vom zweiten Tank zerlegt. Hoffe nur, dass sie die Einzelteile nicht geschluckt haben. Es besteht aus Metall, ist also unverdaulich und kann im schlimmsten Fall einen Darmverschluss hervorrufen. Die alte Frau durfte sich wieder mit Reparaturarbeiten beschäftigen.

Donnerstag, 8. August 2019

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Fangen wir mit den schlechten Zeiten an.

Um 13.59 Uhr klingelte das Handy: der Herr police officer stand vor meinem Tor und fragte an, ob ich daheim sei. Hat er sich doch erneut die Mühe gemacht, unangemeldet bei mir aufzutauchen. Muss also ziemlich wichtig sein! Ich zeigte ihm meinen Anhänger (das Video, welches ich ihm gestern zukommen ließ wurde offensichtlich von seinem Diensthandy geblockt und nicht weitergeleitet) und er winkte gleich ab. Er hatte seinen Vorgesetzten kontaktiert und der meinte, es sei prinzipiell verboten irgendein Tier auf einer öffentlichen Straße zu führen! Noch nicht einmal ein Hund an der Leine! Alles gesetzwidrig. Na bum, schöne Aussichten. Ich fragte ihn, welche Strafe mich erwarten würde, wenn ich es trotzdem tue? Keine, antwortete er. Es gehe nur darum, dass der Tierbesitzer die volle Haftung übernimmt, wenn etwas passiert. Es ging noch eine Weile hin und her, dann erzählte er mir, er und seine Kids hätte während des letzten Urlaus in Dubai ein Kamel geritten, was allen Spaß gemacht hatte, dann verließ er mich mit dem Spruch, es liegt an mir, wie ich künftig verfahre ???

Ja, wie soll ich weiter machen? Zum einen, werde ich mich nicht einschüchtern lassen und die Straße mit meinen Tiere nutzen. Vielleicht nicht mehr so regelmäßig und eher in der anderen Richtung. Zum anderen, werde ich mich vermehrt auf das aufwendige Training mit dem gypsy wagon konzentrieren. Und in der Ausbildung zum Reittier. Denn, man höre und staune: auf der Straße zu reiten, oder mit einem Zuggespann unterwegs zu sein ist erlaubt! Verrückt.

Doch nun zu den guten Zeiten.

Ich wurde von SBS interviewed! Der Titel ist völlig irreführend, aber immerhin. Ein Schritt in die richtige Richtung. Die Dame, mit der ich plauderte, interessierte sich für mein künftiges CIC (Camel Information Center) Projekt, die Redaktion kreierte einen click-bait-titel. Wie auch immer, bin mal gespannt, ob und welche Reaktionen mich erwarten.

Dienstag, 6. August 2019

Wie sagte schon Herr Friedrich von Schiller?

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!"

Gestern versuchte ich noch einmal erfolglos mein Glück beim Schießen. Ich hatte noch Styroporplatten vom neuen Kühlschrank übrig, die ich hinter die Zielscheibe positionierte - ein Fläche so groß wie ein LKW. Trotzdem traf nicht ein einziges Geschoss irgendwo. Ich war absolut ratlos, ob ich zu hoch, zu niedrig, zu weit links oder rechts zielte. Ich gab auf.

Ich brauchte Expertenmeinung, so fuhr ich nach Adelaide auf einem jedermann zugänglichen Schießplatz. Soll $ 50,- kosten stand auf ihrer Webseite, das war es mir Wert. Ich erklärte den netten Herren, dass ich ein Problem hätte, oder möglicherweise selber das Problem wäre. Sie lachten, waren sehr nett und einer erklärte sich bereit mir umgehend zu helfen. Tatsächlich war das Zielfernrohr völlig falsch (bzw. gar nicht eingestellt) und ich schaffte nach Korrektur drei Schüsse, die der Mitte der Scheibe recht nahe kam. Ich brauchte nur $ 5,- bezahlen und fuhr erleichtert heim.

Eigentlich wollte ich noch einkaufen gehen, da erreichte mich eine sms der Nachbarin: die Polizei war auf meinem Grundstück, ob alles in Ordnung sei oder ich Hilfe bräuchte?

Oh je. Was war jetzt los? Die Ruhe war vorbei und ich fuhr schnellstens nach Hause. Ich rief in der Dienststelle an, was ich wohl verbrochen hätte? Nun, es habe Beschwerden über mich gegeben! Das ich mit den Kamelen eine Verkehrsbehinderung darstellen würde! Wtf. Ich war außer mir. Mein Auto und der Anhänger sind ordnungsgemäß registriert, die Kamele hinten angebunden und nicht freilaufend, es ist genug Platz, um an mir vorbei zu fahren oder mich zu überholen. Fünf Jahre hat es keinen gestört und jetzt muss mir irgendein Trottel das Leben schwer machen? Am Sonntag wurde ich von einigen Autos überholt, die meisten fuhren langsam, manche Beifahrer schossen Fotos, viele grüßten ... bis auf ein Wagen! Der raste volle Pulle an uns vorbei, wirbelte ordentlich Dreck auf und hupte anhaltend als er auf unserer Höhe war. Ich zwang mich zur Ruhe, schließlich bedeutete die Situation ein Test für die Kamele, die sie mit stoischer Gelassenheit bewältigten.

Der Polizist war recht nett, er will sich kundig machen, wie die Rechtslage beschaffen ist. Angeblich ist der Hänger samt Kamelen zu breit. Wie auch immer, ich muss jetzt abwarten. Später fand ich noch die Handynummer von dem Beamten (vom Unfall mit dem Backpacker) - an die habe ich ein kurzes Video unseres set-ups geschickt.

TBC

Sonntag, 4. August 2019

Alles, außer Kamele

Juli und August sind für mich die schlimmsten Monate. Auch wenn es nicht regnet, ist es trotzdem kalt und ungemütlich. Der Wind aus der Antarktis und tief hängende Wolken lassen einen Aufenthalt draußen zu einer Strafexpedition mutieren. Kameltraining fällt flach.

Den Kamelen wäre das Wetter egal (wenn es nicht gerade schüttet). Sie haben ein molliges dichtes Fell und genug Grünzeug zum fressen. Manchmal kommen sie noch nicht einmal zum Zaun, um ihr Frühstück in Empfang zu nehmen. Sie schauen nur blöd: "Was will die Alte von uns? Wir brauchen nix!" scheinen sie zu sagen.

So konzentriere ich mich auf andere Dinge. Letzten Montag tuckerte ich mit dem LKW in die Stadt, um diverse Möbel abzuholen. Spülmaschine, Herd, Dunstabzugshaube sowie Spülbecken lieferte ich beim Küchenhersteller ab: so können sie die Schränke um die Geräte herum bauen. Ein neuer Kühlschrank für mich, der alte (größere) kommt in den Neubau. Auch zwei Betten, Matratzen und Nachtkästchen waren endlich abholbereit.

Dienstag transportierte ich mein Moped zum längst fälligen ersten Service. Kaum wieder zurück, erreichte mich die Nachricht, dass ich das Luftgewehr abholen kann. Das tat ich am nächsten Tag, inklusive der Registrierung bei der Polizei.

Am Freitag war es einigermaßen windstill und so versuchte ich einige Schüsse auf eine Zielscheibe.
Ach du meine Güte! Von 10 Schüssen gelangte 1 (einer!) in die Nähe der Scheibe.



So treffe ich keine Taube. Anscheinend muss ich erst das Zielfernrohr ausrichten, bevor ich ordentlich schießen kann.

Heute, Sonntag, habe ich mich doch überwunden die Viecher zu bewegen. Sie an den Hänger angebunden und 15 km gefahren. Seit langem mal wieder an den 'locus conflictus' vorbei, wo im März der Unfall passierte. Dort kam uns ein offensichtlich vom Freiheitsdrang getriebener rebellierender Mob Wollträger entgegen. Habe das Foto auf FB gepostet und kurze Zeit später stand "All sorted" darunter.


Samstag, 27. Juli 2019

Feierlaune

Oh Wunder, sie waren brav.

Sogar mein infantiler Versuch, das Sieb mit zusätzlichem Draht vor erneuter Sabotage zu schützen, war erfolgreich. Oder sie haben es zumindest NOCH nicht geschafft, es zu zerstören.


Aber eigentlich wollte ich etwas anderes festhalten: heute ist ein spezieller Jahrestag! Laila ist seit fünf Jahren bei mir. Wo ist die Zeit geblieben? Jemand sagte einmal zu mir, als ich vor mich hin gejammert habe was alles nicht klappt: "Schau auf das, was du schon erreicht hast. Nicht ständig auf das, was noch zu machen ist." Ein weiser Spruch und in Bezug auf die Entwicklung und das Training der Kamele mehr als zutreffend.

Ein kleiner Schritt für ein Kamel, aber ein großer für eine alte Frau 😀.


Juli 2014 💗



Mittwoch, 24. Juli 2019

Blödsinn

Bin mal gespannt, was sie jetzt wieder für einen Blödsinn angestellt haben!

Gestern fegte wieder ein Sturm übers Land und - obwohl ich die Hosen gestrichen voll hatte - fing ich die Biester gestern ein und führte sie in die Arena. Nun ja, so einfach war es nicht. Während sie morgens brav an den Zaun kommen, sich an einen Pfosten binden lassen, um ihr Frühstück zu schnabulieren, sind sie es nicht gewohnt und auch nicht gewillt selbiges am Abend zu machen. Laila war dennoch neugierig und entschloss sich kurz zu checken, ob ich was Essbares angebracht hätte. Hatte ich nicht, aber ich nutzte die Gelegenheit, sie fest zu binden. Ali und Jamahl sahen sich das Geschehen von Weitem an und rochen Lunte. Wenn der Prophet nicht zum Berg.... man kennt ja den Spruch. Ich also mit Leinen bewaffnet in die Höhle der Löwen, und versuchte der Kamele habhaft zu werden. Freudig erregt sprang Jamahl mir entgegen davon! Plan B wurde eingesetzt: Laila halftern und von der Koppel führen. Ooops! Dachte Jamahl, so geht das nicht. Hastig lief er zum Tor und brüllte eine Runde. Ja, Pech gehabt - nun bist du gefangen. Ali war jetzt auch neugierig und gesellte sich neben dem Jungen, halftern war ein Kinderspiel.

Eigentlich hätte ich verzweifelt sein müssen ob der Tatsache, dass sich die Viecher ohne irgend einen Schmäh nicht fangen lassen. Aber: Als ich neulich Besuch hatte und dem Gast anbot, seine vier Kamele über Nacht auf eine der vier Koppeln oder in der Arena zu lassen lehnte er dankbar ab: er würde ihrer in der Früh nicht habhaft werden 👀. Lieber band er sie an seinen LKW, wo sie stehen blieben, bis es am nächsten Tag weiterging. Also auch erfahrene Kameltreiber können Probleme haben.

Apropos Blödsinn: Vorgestern am späten Nachmittag wollte ich Ali von ihrer Koppel holen und sie zu ihren Artgenossen zurückführen. Folgendes Bild bot sich mir:


Rund um den einzigen Eukalyptusbaum, der bereits auf dem Grundstück stand als ich es erwarb, habe ich einen kleinen Zaun angebracht. Der soll verhindern, dass die Kamele die Rinde abkauen und damit den Exitus des Baumes herbeiführen. Fragt mich nicht wie, aber Ali stand in der Umzäunung😲. Wer reinkommt, komm auch wieder raus dachte ich mir. Ich wartete eine zeitlang, ging immer wieder in ihre Nähe und lockte sie. Sie lief hin und her, brüllte, hob ab und zu ein Beinchen, konnte aber das Hindernis nicht über winden. Als es schon ziemlich düster war, gab ich nach. Ich band ihr das Halfter um, trampelte den Zaun so gut es ging nieder und führte sie heraus.

Du meine Güte, Kamele! Meister im Blödsinn machen.

Montag, 15. Juli 2019

Tiefwinter?

Nennt man so das Gegenteil von Hochsommer?

Es ist jedenfalls grauslich. Letzten Mittwoch war die Kaltfront angesagt. Gerade noch rechtzeitig konnte ich die "verwegenen Drei" in die Arena bringen, dann setzte der Regen ein. Sie waren - wie immer - nicht glücklich, aber ich konnte ruhig schlafen. Donnerstag 10 mm, Freitag 4 mm und Samstag 8 mm Regen - die Tanks sind alle voll. Auch der 77 000 l fire-fighting-tank füllt sich langsam.

Drei Tage beließ ich sie in der Arena. Natürlich haben sie es geschafft, Unsinn anzustellen. Ein Fenster der shed wurde wohl ausgiebig inspiziert und dabei der Rahmen etwas eingedrückt. Ein Wunder, dass das Glas heil blieb. Die Öffnung, wo beim Wassertank das Regenwasser einströmt, wurde ebenfalls einer destruktiven Untersuchung unterzogen: das halbe Sieb (Schutz vor Verunreinigungen) ist weggefressen. Es zu ersetzen bedeutet wieder viel Arbeit, zu vermeiden, dass das nochmal passiert ein schier unmögliches Unterfangen.

Am Sonntag Morgen brachte ich sie auf Koppel Nr. 3, viel frisches Grün erwartete sie.



Jetzt regnet es zwar nicht mehr, aber es ist nach wie vor stürmisch und eiskalt. So zwischen Gefrierpunkt in der Nacht und max. 10°C Tageshöchsttemperatur. Der im Sommer betonharte Boden hat sich in Matsche verwandelt, die Füße der Kamele sind ständig nass.

Hatte gehofft, dass das schlechte Wetter Laila davon abhalten wird, Ali zu bespringen. War wohl nichts. Also ab heute wieder Ali tagsüber auf eine andere Koppel führen und nachts Laila mit hobbles versorgen. Alles wie gehabt, außer, dass ich nicht mit ihnen arbeite.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Und wieder heißt es:

Warten, warten, warten!

Wie mich das nervt! Der Schreiner tut einfach nix weiter. Erst soll der Fliesenleger fertig sein, dann will er Türstöcke, Türen und die Decken- / Bodenleisten anbringen. Seit Wochen liege ich ihm in den Ohren, mit mir einen Plan/Kostenvoranschlag für die Küche zu machen - aber auch das will er erst angehen, wenn alles andere fertig ist.


Dann eben nicht. Vorgestern war ein Vertreter einer anderen Firma da und will mir bis zum Wochenende einen KV schicken. Außerdem habe ich den Elektriker angetrieben - jetzt funktionieren zumindest einige Steckdosen (sehr zur Freude des Fliesenlegers, der am Montag 08.07. angefangen hat, das Bad zu kacheln ☺).

Vergangenes Wochenende erwarb ich zwei Betten, Nachtkästchen und einen Kühlschrank. Natürlich ist das Zeug nicht lagernd - Lieferzeit 2 - 3 Wochen. Dann bin ich gezwungen alles selber mit dem LKW abzuholen, bis zu mir wird nicht geliefert 😢.

Ein zweiter KV steht auch noch aus: eine Taubenschar von mittlerweile elf Mitgliedern hat beschlossen, meine schöne neue Arena als Daueraufenthalt in Beschlag zu nehmen. Sogar Eier habe ich im Sand gefunden. So geht das nicht. Sie scheißen mir alles voll - sollen sich eine andere Unterkunft besorgen. Zumindest oberhalb der Fenster lasse ich (wahrscheinlich ... hängt vom Preis ab) spitze Zacken anbringen, damit sie sich nicht niederlassen können. Außerdem besorge ich mir ein Luftgewehr (meine Tikka .243 ist dafür ungeeignet). Der Typ von der pest control meinte, Abschuss sei die einzige Möglichkeit, Tauben endgültig loszuwerden.

Training geht momentan nicht, jetzt entlastet Jamahl sein rechtes Vorderbein 🙍.
Die Kamele sind ständig am raufen, der Boden ist durch das Grünzeug glitschig, somit rutschen sie öfters aus und zerren sich einen Muskel.




Donnerstag, 4. Juli 2019

Jamahl indisponiert

In der letzten Woche hat Jamahl gelahmt. Also nicht wirklich gelahmt, aber wenn er irgendwo stand, hat er sein linkes Vorderbein entlastet.

Ich habe die Sohle auf Fremdkörper untersucht, konnte nichts finden.


Ein bisschen uneben und rau, aber kein Grund zum hatschen. In der Bewegung konnte ich keine Einschränkung feststellen.


Sicherheitshalber habe ich jegliches Training ausfallen lassen - Ruhigstellung als Therapie.

Gestern morgen staunte ich nicht schlecht, als ich Jamahl mit Ali raufend vorfand. Das hat es bis jetzt noch nicht gegeben. Ok, Jamahl hat schon öfters Ali vom Futter verjagt, aber Ali hat noch nie Kontra gegeben. Denke, dass die Hormone einkicken, es ist schließlich mitten im Winter.

Jamahl ist jedenfalls wieder voll fit.


Samstag, 29. Juni 2019

Letzte Woche im Juni

Nass bis auf die Haut wurde ich heute morgen.



Gestern noch 21°C, aber eine Schlechtwetterfront war im Anmarsch. Sie erreichte uns später als vorhergesagt, der eiskalte Sprühregen setzte genau zum Frühstück ein. Einerseits hatte ich absolut keine Lust hinaus zu gehen, andererseits: wofür habe ich die Arena bauen lassen? Also, einpacken wie ein Eskimo und hinaus in die wilde Natur.

Die Kamele lagen mitten im Strohballen, ihre Hintern der Front zugewandt.

'Was ist? Wollt ihr unter Dach und Fach, oder draußen bleiben?'

Sie schauten mich groß an - ich wollte schon ins Haus, als Ali aufstand und mir nachschlurfte. Ok, also gehen wir es an. Halfter geholt, Ali Richtung Arena zu einem Zaunpfosten geführt und angebunden. Laila hatte noch ihre Fußfesseln an - auch recht, kann sie nicht herumhopsen. Jamahl machte sich aus dem Staub und fing an zu brüllen. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er bei Laila bleiben oder besser Ali folgen soll. Irgendwann konnte ich ihn erwischen, verband ihn mit Laila und wollte beide zur Arena führen. Zuerst noch ein intensiver Kampf mit Madam, die sich ums verrecken nicht das Halfter anlegen lassen wollte. Meine Hände waren steif gefroren, die Handschuhe völlig durchnässt. Jetzt wollte ich es wissen. Der Regen prasselte, der Wind pfiff, die Kamele kämpften - nach einer gefühlten Ewigkeit waren sie aber dort, wo ich sie haben wollte.

So anstrengend es war, so befriedigend war es, das Ziel erreicht zu haben. Ich glaube, darum geht es auch beim trekken. Es heißt zwar "Der Weg ist das Ziel", aber das ist nicht immer der Fall. Mit den Kamelen unterwegs sein ist anstrengend, das Leben draußen im Dreck, in der Kälte ohne Annehmlichkeiten der Zivilisation ist alles andere als fun. Aber die Reise durchzuziehen, anzukommen: das schafft Satisfaktion.

Das Wetter am vergangenen Sonntag 'ticked all boxes'. Es war windstill, die Temperatur mild, der Himmel blau. Ich organisierte mir Hilfe und spannte die Kamele in den Gypsy-Wagen. Da das letzte Training sehr unangenehm geendet hatte (Laila reagierte panisch, schlug mit den Metallbügeln um sich und verursachte mit ihrem dicken Hintern eine Delle in meiner Autotür), waren meine Nerven angespannt. Um so schöner, dass alles wie am Schnürchen klappte. Ein paar Kilometer die Straße hinauf und wieder zurück, anschließend das Auto vom Gypsy-Wagen entkoppelt und die Kamele dazu gebracht, das letzte Stück zu ihrer Weide das Gefährt aktiv zu ziehen. Babysteps, wie der amerikanische Trainer ständig wiederholt hatte. In aller Ruhe die Tiere von dem Zuggeschirr befreit und sie auf ihre Koppel entlassen.


Am Donnerstag (26.06.) machte der australische Trainer, bei dem ich vor drei Jahren mit Laila und Ali war, bei mir Zwischenstation.



Er und seine Nichte touren 200 km mit vier Kamelen und einem wagon von Alice Springs nach Finke und wieder zurück. Als ich ihm meinen wagon zeigte meinte er, dass der Schaft, an dem die Kamele befestigt werden, zu schwer sein. Sie müssen es mit ihrem Hals anheben, was auf Dauer sehr unangenehm wird. Jetzt muss ich was konstruieren - eine Feder/Kette/Seil oder dergleichen - um das Gewicht abzufedern. Hm, mal sehen wie ich das umsetze.

Samstag, 22. Juni 2019

World Camel Day 22.06.2019 - Statistik


Das world wide web weiß offensichtlich nicht genau, wieviele frei herumlaufende Kamele es in Australien tatsächlich gibt. Sind es 1,2 Millionen? Oder "nur" 250.000 ?

Ich habe einen Beamten der Regierung gefragt und er war so nett, mich auf den richtigen Weg zu führen. Eines vorne weg: genaue Zahlen hat keiner, alles sind Schätzungen!

Der letzte arial count wurde 2013 durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass ca 300.000 'wilde' Dromedare in Australien herumlaufen.

Es wird eine Vermehrungsrate von 6% pro Jahr angenommen, abzüglich 4-5.000 Abschüsse (culling) und 160 Tiere/Woche über 44 Wochen/Jahr die der Fleischnutzung zugeführt werden.

Ergibt (laut Berechnung des offiziellen Mitarbeiters) ein Bestand Ende 2019 von ca 358.000 Tieren.

Die weitaus höheren Schätzungen von 1,2 Mio sind bewusst falsch lanciert, um höhere Abschussprämien von der Regierung zu erpressen. Wieder was gelernt!

Donnerstag, 13. Juni 2019

Bent but not broken

Zehn Tage nach der Rückkehr fühlte ich mich wieder bereit, mit den Kamelen zu arbeiten ... oder sie arbeiten zu lassen. Es war Sonntag und gerade als ich die Halfter bereit legen wollte, fing es an zu regnen. Ok, dass muss nicht sein. Also Abbruch, lieber die Sauna anschmeißen und den alten Körper pflegen.
Am Dienstag dann endlich: strahlend blauer Himmel, viel zu milde Temperaturen für die Jahreszeit, aber perfekt, um sich draußen aufzuhalten. Die drei gehalftert und an den Hänger angebunden. Ich war beeindruckt! Als wenn sie eine Leistungsklasse übersprungen hätten. Ruhig und diszipliniert von A nach B gegangen, ohne zu zerren oder sich in einen Busch zu schmeißen. Alle drei benahmen sich wie die Lämmchen. Bin mal gespannt, ob das so bleibt oder eine Ausnahme von der Regel war.
Eine große Runde mit ihnen gefahren und bei der Rückkehr überlegt, ob ich sie in die Arena bringen soll. Niederschlag war angesagt, aber es war kein Wölkchen zu sehen. Wahrscheinlich fällt der Regen sonst wo, aber nicht bei uns. Also sie auf ihrer Koppel belassen und es kam wie es kommen musste: Gewitter in den frühen Morgenstunden und Regen, sehr viel Regen. 


Sonntag, 9. Juni 2019

Aftermath

Zurück in Marree begab ich mich zu Roadhouse. Ein Tässchen Milchkaffee sollten meine Nerven beruhigen, taten es aber nicht. Immer wieder kam es in mir hoch, dass konnte doch alles nicht wahr sein? Schließlich trat ich an den Inhaber heran und fragte, ob er von hier sei. Als er bejahte, erzählte ich ihm mein Leid. Er schüttelte den Kopf. Das gibt es doch nicht, sagte er. Das ist ja 'harassment'. Am besten, ich gehe rüber zur Polizei. Dort sei Kate, eine sehr nette Polizistin, mit ihr sollte ich das besprechen. Gesagt, getan. Ich lief zur Wache und fragte unschuldig, welche Bedingungen ich erfüllen muss, um mit drei Kamelen den Oodnadatta Trek zu marschieren. Und ob ich ein health certificate für die Tiere brauche? Und wo der dog fence sei? Es stellte sich heraus, dass alles von dem Farmer erstunken und erlogen war. Es ist und bleibt eine öffentliche Straße mit einem breiten Gürtel, der von jedermann benutzt werden kann. Gesundheitszeugnis innerstaatlich ist keinesfalls erforderlich und der dog fence ist nur weitere 15 km entfernt - wäre ein leichtes gewesen, ihn innerhalb eines Tages zu erreichen. Wer mir denn da den Bären aufgebunden hätte? Nun, der Typ hatte sich nicht vorgestellt, aber nach meiner Beschreibung, wurde er als 'Georg' identifiziert. Als Querulant bekannt und wenn er noch einmal Schwierigkeiten macht, soll ich mich auf die Polizei berufen!
Was für eine Erleichterung. Im Laufe des Tages klagte ich noch mehreren Leuten mein Leid, so sorgte ich für ordentlich Gesprächsstoff in dem 70-Seelen-Ort. Alle waren auf meiner Seite und bedauerten das Erlebte.
Ich machte mich auf dem Weg, um dem Trainer entgegen zu gehen, aber noch vor erreichen des Ortsausganges konnte ich ihn schon sehen. Er war recht flott unterwegs, nur knapp zwei Stunden für die 11 km (er hatte auch Rückenwind 😜).

Trotz der Rückendeckung von der Polizei und Bevölkerung wollte ich nicht mehr. Wir blieben an dem Tag noch vor Ort, bereiteten aber alles für die Rückfahrt vor. Ich hatte noch Optionen, einen Aufenthalt in den Flinders einzulegen - verschob die Entscheidung aber auf später.

Am nächsten Tag erhielt ich eine sms, dass der cameleer, der direkt auf unserem Weg nach Hause wohnt, von einem Aufenthalt zurück sei. Er hatte vorher Interesse bekundet, den Amerikaner kennenzulernen. Das traf sich gut, so verabredeten wir eine Zusammenkunft auf seiner Farm. Am späten Nachmittag erreichten wir das Ziel, wo der cameleer voll in Aktion war. Er trainierte einen wunderschönen riesigen Bullen, frisch aus der Wildnis. Der sollte sich niederlegen, leistete aber erfolgreich Widerstand. Der cameleer zeigte dem Trainer noch dies und das, und bevor wir uns versahen, dämmerte es bereits. Ich wollte wieder in meinem LKW übernachten, dachte zuerst daran, dem Trainer mein Camping-equipment zu Verfügung zu stellen, fragte dann den cameleer, ob der Wohnort über ein Hotel verfüge. Klar doch, aber der Amerikaner könne gerne bei ihm im Wohnhaus übernachten. Mir war das nicht Recht. Schließlich gibt es noch die Ehegattin, die ja mit dieser Entscheidung überrumpelt wird. Die Männer waren sich allerdings einig und schon stand ich alleine auf der abgelegenen unbewohnten Farm.

Am nächsten Morgen wurde mir erst bewusst, was am Vortag passiert war. Die zwei haben mich einfach sitzen lassen. Nicht ein einziges mal kam zur Sprache, ob ich die (mir bekannte) Gattin treffen möchte, oder am Abendessen teilhaben will - man hätte mich ja wieder zurück fahren können. Die haben sich einen gemütlichen Abend gemacht, viel Interessantes ausgetauscht und mich wie einen räudigen Hund außen vor gelassen. Eigentlich wollten wir zwei oder drei Tage mit dem cameleer verbringen, auch ein kurzes Trekken auf seinem riesigen Grundstück war angedacht gewesen, aber jetzt war ich sauer.

Nach dem obligatorischen Frühstück entschied ich mich endgültig dazu, Heim zu fahren. Die Kamele hatten die Nacht in einem engen Pferch verbracht und auf Anraten des cameleers nichts zum Fressen erhalten. Es sei besser, sie für einen anstehenden Transport auszunüchtern, meinte er. Jetzt waren sie besonders hungrig und ich nutzte diesen Umstand, um sie ohne Hilfe und seitliche Begrenzung der Rampe aufzuladen! Den Korb mit frischem Heu vor der Nase und Ruck-Zuck waren sie oben. Der Trainer hatte noch nicht einmal nachgefragt, wann wir uns denn wieder treffen sollen? Er hatte immer betont, mein Wohlergehen und meine Wünsche hätten oberste Priorität - aber sagen und handeln sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Ich verließ das Grundstück um 08.00 Uhr und schrieb eine Nachricht, dass er gerne noch beim cameleer bleiben kann (was er aber nicht tat), ich bin jedenfalls auf dem Weg heim.

Unterwegs holte ich noch die Hunde aus der Tierpension - glücklicherweise haben beide den Aufenthalt ohne Probleme überstanden.

Am Samstag, den 01. Juni zog der Trainer - fünf Tage früher als vorher vereinbart - weiter. Ich war mental nicht in der Lage, eine neue Trainingseinheit anzuschließen, brauchte Abstand und Ruhe. Ich weiß, ihn trifft nicht die geringste Schuld am Misserfolg - ich bin das Weichei, dass lieber daheim als unterwegs ist, dass sich in die Hose macht, ob der vielen Herausforderungen. Er war sehr nett, hilfreich wo er konnte, versuchte ständig mich zu ermuntern, lobte mich andauernd über den grünen Klee. Trotzdem wollte ich ihn nicht mehr sehen - bei seinem Anblick musste ich ständig an mein Versagen denken.

Freitag, 7. Juni 2019

Over and out

29.05.2019 ∣ Insgesamt gut geschlafen, nur ein-, zweimal kurz aufgewacht und das Gasöfchen angeschmissen. Der alten Frau war es einfach zu kalt.
Morgenroutine wie gehabt, anschließend jedem Kamel Wasser angeboten. Diesmal tranken sie eine ordentliche Menge. Übermütig ließ ich Ali und Laila frei - allerdings mit Fußfesseln versehen - laufen. Sie knusperten etwas von den meist vertrockneten Büschen. Jamahl blieb sicherheitshalber angebunden - er war mein Pfand, ohne ihn würden die girls sich nicht davon machen.
Nun alles wieder verpacken. Alle Kisten in die entsprechenden Packtaschen verstauen, die Trinkwasserbehälter mit dem mitgebrachten Schlauch auf gleichen Inhalt austarieren. Insgesamt hatte ich 3 l verbraucht, jedem Wassertank also 1,5 l entnommen. Zelt abbauen, Matratze und Schlafsack zusammenrollen und in ihre Hüllen zwängen.
Der Trainer erschien zum vereinbarten Zeitpunkt und war erleichtert, uns wohlbehalten vorzufinden. Wir waren im Begriff die Mädels einzufangen, als plötzlich ein Auto auf unser Camp zufuhr. Es war ziemlich flott und fuhr bewusst dicht an die Kamele an, die nervös zu tänzeln begannen. Was uns denn einfiele? Herrschte uns der Fahrer an. Wie wir denn auf die Idee kämen uns hier aufzuhalten? Wir wandern auf dem Oodnadatta Trek, war unsere Antwort. Das ist doch eine öffentliche Straße! Blödsinn, erwiderte er, das ist Privatbesitz. Wir haben kein Recht hier zu marschieren. Und überhaupt, habt ihr ein Gesundheitszeugnis für eure Kamele? Wieso? fragte ich. Ich bin aus Südaustralien, wir kommen doch nicht aus einem anderen Staat. Das brachte ihn so richtig in Rage. Wir machen seine Rinder krank, wir brauchen ein health certificate, wir sollen uns davon machen. Der Trainer und ich standen dort wie die begossenen Pudel. Hinter dem dog fence sei aboriginal land, da kräht kein Hahn danach, da könnt ihr machen, was ihr wollt. Wo der dog fence sei, wollte ich wissen. 50 miles entfernt, hieß es. Mir fiel die Kinnlade runter. So weit kann ich an einem Tag  nicht gehen. Meine in den letzten Tagen zum zerreißen gespannten Nerven waren nun durch. Ein letzter Versuch, dem Farmer finanzielle Entschädigung anzubieten schlug ebenso fehl, wie die mehrfach vorgebrachte Entschuldigung - wir sollen einfach nur verschwinden, und dass so schnell wie möglich. Damit preschte er davon.
Was nun? Weitergehen und uns offensichtlich weiterhin in dem Einzugsbereich des Landbesitzers zu befinden? Die Kamele verladen und ein Stück mit dem LKW fahren? Ich war 'done and dusted'! Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte. Ich wollte nur noch Heim. Schweigsam sattelten wir die Kamele, zwischendurch bekam ich einen Heulkrampf. Als ich soweit fertig war, trat der Trainer auf mich zu und sprach ernsthaft auf mich ein: "What your camels need now is a confident leader". Das war's dann endgültig. Ich bin absolut kein 'confident leader', schon gar nicht hier und heute. Genau die falschen Worte, mich in irgendeiner Weise zu motivieren. Hätte er nix gesagt, wäre ich schon unterwegs gewesen. Hätte er einen lockeren Spruch über den Farmer oder uns gemacht - hätte ich lachen und weiter gehen können. Hätte er - was jeder Einheimische mit etwas Selbstbewußtsein gemacht hätte - den Farmer nicht Ernst genommen und wäre einfach weitergegangen, ich hätte mitgemacht. Er hätte sagen können: "get over it princess"... aber mir zu sagen, meine Tiere brauchen jetzt einen 'confident leader', hat zu einem völligen shut down geführt. Ich drückte dem Trainer die Leinen in die Hand, teilte ihm mit, dass ich alles bin, aber auf keinen Fall dass, was von mir erwartet wird, bin in das Auto gestiegen und nach Marree zurück gefahren.

Das war wohl der kürzeste Trek, der jemals gelaufen wurde. Andere rühmen sich mit tausenden von Kilometern, ich schaffte genau 11! ELF KILOMETER OODNADATTA TREK! Guinness reif  👀

Der erste Tag

28.05.2019 | Ich hatte nicht gut geschlafen. Zum einen vollgepumpt mit Adrenalin ob der bevorstehenden Ereignisse, zum anderen bin ich es nicht gewohnt, abends zu essen. Das frittierte Zeug lag mir wie ein Stein im Magen ... selber Schuld.
Mit klammen Fingern bereitete ich mir auf dem Gaskocher einen Tee zu, aß eine Scheibe Brot mit Käse sowie ein hart gekochtes Ei. Anschließend Zähneputzen, Katzenwäsche und alles Gedöns wieder wegräumen.
Nachdem ich die Kamele mit etwas Heu versorgt hatte, begannen die eigentlich Vorbereitungen für die Beladung der Tiere. Alle Packtaschen, Decken, Sättel, Fußfesseln, und sonstiges Zeug mehr oder weniger ordentlich draußen schlichten, dann die Kamele mit Halfter und Leinen versehen, aus dem Yard holen und nebeneinander an Pfosten binden.
Mittlerweile war der Trainer eingetroffen und half mir bei den Entscheidungen wer was zu schleppen hat. Noch einmal wog ich den Inhalt der Packtaschen mit einer Federwaage, um die gleichmäßige Verteilung der Lasten zu garantieren. [Jamahl: rechts 20 l Wasser, # 4 Ersatzteile, Schlaftsack, Stuhl; links 20 l Wasser, # 1 Gasöfchen, -kocher, Zelt, Kopfkissen Laila: rechts # 2 Küchenutensilien, Verpflegung; links # 3 Kleidung, Hygieneartikel, Matraze, Tischchen]. Gute zwei Stunden später waren wir endlich abmarschbereit!
Laila mit Reitsattel, zwei Packtaschen und dem Gewehr obenauf, Jamahl mit Packsattel, zwei Taschen, Ali mit Brustgeschirr und einer hinten angebundenen orangefarbenen Sicherheitsweste und ich mit einem Rucksack, der neben Wasser und Nüssen alles mir Wertvolle enthielt. 
Ich war jetzt schon platt - wegen mir hätten wir Schluss machen können. Alles wieder abladen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Leider keine Option, so marschierte ich tapfer los. Laila war viel zu schnell. Wir mussten einige Tore durchqueren, was besonderer Aufmerksamkeit bedurfte, um zu verhindern, dass die Packtaschen irgendwo hängen bleiben. Zuerst ging alles gut, dann passierten wir eine Kabine, die bei Veranstaltungen für den Verkauf der Eintrittskarten verwendet wird. Jamahl flippte aus. Er zog mit einem Satz rückwärts, zerriss sein Halfter und verbog den Karabiner, der ihn mit Laila verband. SUPER START! Was nun? Tief in den Packtaschen befand sich das Ersatzhalfter - keine Option für den Augenblick. Wir entschlossen uns, das Halfter und die Kette von Ali für Jamahl zu verwenden und aus Ali's neck rope ein provisorisches Halfter zu basteln. Ich war nervlich am Ende, dabei hatten wir noch gar nicht angefangen.
Irgendwann erreichten wir die Straße, aber nur kurze Zeit später befanden wir uns vor dem ersten Hindernis - ein cattle grid. Da gehen die Kamele nicht rüber, also muss ein Weg daran vorbei gefunden werden. Der Trainer ging vor und fand eine Stelle, wo der anschließende Zaun niedergetrampelt war. Vorsichtig lotsten wir die Tiere über den Stacheldraht.
Der Verkehr hielt sich in Grenzen, vermutlich wegen der bereits erreichten Mittagszeit. Kam doch einmal ein Fahrzeug war ich angewiesen, mit den Kamelen die Straße zu verlassen und sie so auszurichten, dass sie die 'Bedrohung' sehen können. Der Trainer war redlich bemüht, die Autofahrer mit entsprechenden Armbewegungen zum langsam fahren zu veranlassen. 99,9 % folgten den Instruktionen, der eine Idiot, der mit Vollgas vorbeirauschen musste, wurde glücklicherweise von den Tieren toleriert. Einige Touristen stoppten und schossen Fotos (einmal ! wurden wir sogar gefragt, ob uns das den recht sei), was fast genauso unangenehm war wie der eine Raser - es machte die Kamele nervös.
Wie befürchtet, war das Gelände unmittelbar links und rechts von der Straße übersät mit zerbrochenen Glasflaschen und anderem scharfkantigen Unrat. So kehrte ich immer wieder auf die gravel road zurück. Zickzack laufen, schauen ob Fahrzeuge kommen, Hindernissen ausweichen, Laila kurz halten ('she hasn't earned freedom yet' war der ständige Spruch des Trainers) und dann noch heftiger Gegenwind. Zu allem Überfluss hatte ich einen Stein im Schuh, genau am oberen Rand hinter der Achillesferse. Ich traute mich nicht anzuhalten um den Schuh auszuziehen, so rieb sich der Fremdkörper immer tiefer ins Fleisch. Die ganze Zeit fragte ich mich, wo denn der 'fun' bleibt? Was soll denn bei dieser Schinderei noch Spaß machen? Warum tue ich mir das an?
Je weiter wir kamen, desto mehr Sorgen machte ich mir um den Trainer. Der muss ja den ganzen Weg wieder zurück! Ich erklärte, dass er mich getrost alleine lassen kann, er solle doch besser gehen und das Auto mit etwas Heu und Wasser für die Kamele holen. Er entschied sich, es per Anhalter zu versuchen. Die ersten drei Autos die er anhielt konnten ihn nicht mitnehmen, da sie vollbepackt und besetzt waren, schließlich hielt ein Arbeiter mit einem ute, der nahm ihn dann mit.
Nun war ich auf mich allein gestellt, ich riss mich zusammen und marschierte konzentriert weiter. Gleichzeitig hielt ich Ausschau nach einem Rastplatz. In der Ferne konnte ich eine Reihe von Büschen und Bäumen ausmachen, bis dahin und keinen Schritt weiter!
Als ich den dry creek erreichte, band ich Laila an einen Baumstumpf und gönnte mir eine Pause. Trank von meinem Wässerchen und aß von meinen Nüsschen ☺. Doch da tauchte schon der Trainer auf. Ich erklärte ihm, dass ich fertig sei: physisch und psychisch und ich keinen Schritt mehr laufen würde. Es war erst gegen 15.00 Uhr, aber das war mir egal. So half er mir, für jedes Kamel einen Baum/Busch zu finden, an dem es angebunden wurde, zusätzlich legte ich jedem hobbles an. Ich fand das zwar etwas übertrieben, aber der Trainer wollte sicher gehen. Dann verteilten wir etwas vom mitgebrachten Heu und offerierten Wasser - aber nur Ali war wirklich durstig.
Der Trainer verließ mich und ich baute mein Zelt auf. Es dauerte eine Weile, bis ich mit dem Gestänge klar kam, die selbst-aufblasbare Matratze und den Schlafsack aus ihrer Umhüllung gefriemelt und jede einzelne Kiste aus den Packtaschen geholt hatte! In jeder war etwas, was ich benötigte. Bis ich alles arrangiert hatte war es bereits dunkel. Mein Tomatensüppchen schmeckte dafür besonders lecker. Gegen 19.00 Uhr fiel ich halbtot in die Koje.




Mittwoch, 5. Juni 2019

Anreise

27.05.2019 | Es war stockduster als um 05.30 Uhr der Trainer bei mir auftauchte. Er hatte sich mittlerweile an den Linksverkehr gewöhnt und fuhr mit meinem Auto von und zur Unterkunft.
Die Kamele befanden sich auf Grund des regnerischen Wetters in der Arena. Sie waren nicht begeistert und standen ungeduldig am Tor, die ihnen angebotene Luzerne hatten sie nicht angerührt. Der Trainer übernahm Laila und Jamahl, ich schnappte mir Ali. Natürlich tanzte sie herum und zog mich überall hin. Ich hielt sie nur am neck rope, die kurze Führleine, die an der Kette befestigt wird, befand sich bei Laila. Das nutzte Ali aus, um mich alt aussehen zu lassen. Irgendwie schaffte ich es dann doch noch bis zum LKW, der sich neben der Koppel befand.
Langsam wurde es heller, wir konnten die Taschenlampen ausmachen. Das Verladen in der Dämmerung verlief recht flott und um 06.35 Uhr verließen wir das Grundstück.
Erster Stop in Terowie um zu tanken, zweiter in Hawker um zu essen. Leider war die Bäckerei geschlossen und für einen Besuch im Pub war es um 11.00 Uhr noch zu früh. Also weiter, bis Lyndhurst. Auch hier die Enttäuschung, dass das roadhouse zu war, aber das hotel (= Pub, = Restaurant) offerierte eine Kleinigkeit: Fleischburger für den Trainer, Käsetoast für mich.
Die 80 km von Lyndhurst nach Marree lagen mir schon den ganzen Tag im Magen, da ein großer Teil der Strecke unbefestigt ist. Das bedeutet wackeln, ruckeln, hüpfen für die Kamele. Man kann auch nicht langsam fahren, da man dann die Bodenwellen voll abkriegt. Wie auch immer - es klappte alles recht gut und gegen 16.00 Uhr erreichten wir die camel yards in Marree. Der Trainer checkte einige Möglichkeiten und entschied sich für etwas entfernter gelegene Pferche, die einen stabilen Zaun aufwiesen. Wir nutzten eine Erdanschüttung für die Rampe, so konnten die Kamele fast ebenerdig den Truck verlassen.
Daheim hatte ich den 250 l  Tank, der sich unterhalb des LKW befindet, mit unserem Regenwasser angefüllt. Ich bot ihnen etwas davon an, aber nach einer kurzen Geschmacksprobe wandten sie sich ab. Später wusste ich auch warum. Ich putzte mir die Zähne mit dem Wasser und musste feststellen, dass es nach Sprit schmeckte! Obwohl 'water only' auf dem Tank steht, war er irgendwann mal mit Benzin oder Diesel befüllt worden. Ärgerlich, d.h. wir müssen Trinkwasser für die Kamele besorgen!
Nachdem die Tiere versorgt waren, kümmerten wir uns um die Unterkunft für den Trainer. Ich hatte ihm eine cabin auf dem Campingplatz besorgt, da das Hotel ausgebucht war. Es ist Hochsaison und Busladungen von Touristen belegen jeden freien Fleck. Lake Eyre füllt sich mit Wasser, ein Ereignis, welches alle 50 Jahre zu beobachten ist - kein Wunder, dass der kleine Ort überlaufen ist.
Die angebotene Unterkunft war in Ordnung, sehr einfach, aber der Trainer stellte keine großen Ansprüche. Anschließend füllten wir unsere Mägen im Restaurant.
Meine erste Nacht verbrachte ich im LKW. In der Führerkabine ist Platz für eine Matratze und ich hatte es mir mit meinem Bettzeug dort gemütlich gemacht.

Dienstag, 4. Juni 2019

Vorbereitungen (2)

22.05.2019 | Obwohl es einige Umbuchungen gegeben hatte, kam der Trainer (wenn auch ohne sein Gepäck) eine Stunde früher in Adelaide an. Vor die Wahl gestellt gleich in die Unterkunft zu fahren und sich auszuruhen, oder besser wach zu bleiben, um den Jetlag schneller zu übertauchen, entschied er sich für letztere Variante. So zeigte ich ihm Glenelg, einen hübschen am Meer gelegenen Stadtteil, genossen eine saftige Pizza und aßen das beste Eis, was Adelaide zu bieten hat.

23.05.2019 | Erste Begegnung des Trainers mit meinen Kamelen. Sie gestaltete sich so, wie in einem kurzen Video auf seiner FB Seite zu sehen ist: den Tieren ausreichend Zeit geben, das Gesicht zu beriechen und dann sanft in die Nüstern blasen. Angeblich können sie so Stimmungen (Angst, Aggression o.ä.) lesen.
Nach ihrem obligaten Frühstück startete das erste Training. Ich bin nach wie vor unfähig sie gesittet einen Abhang hinunter zu führen, also nix wie auf zum Grundstück des Nachbarn. Ich legte ihnen das Brustgeschirr an, fixierte sie hinten am Anhänger. Eine kurze Fahrt und wir erreichten das Tor, wo ich die Kamele in Formation brachte. Das erste Stück geht gerade, dann sanft bergauf bevor es das erste Mal bergab geht. Wir hielten auf der Kuppe und der Trainer zeigt mir, wie ich in Babyschritten rückwärts gehen sollte. Ein Schrittchen nach dem anderen. Laila war mit ihrer Kette am Halfter relativ leicht zu manipulieren, aber Jamahl drängte wie gewohnt vor. Ich wirbelte die Führleine im Kreis und jedesmal, wenn Jamahl ansetzte zu schubsen, kriegte er eine auf die Nase. Nicht fest, gerade so, dass es unangenehm war. Es dauerte eine Ewigkeit bis wir die Strecke zurückgelegt hatten, aber ich war die ganze Zeit über in Kontrolle. Sogar den dry creek überwanden wir, ohne dass eine wilde Jagd losging.
Im Anschluss an das Training versorgte ich den Gast noch mit einem Mittagessen (Krautfleckerln😉). Er war dann doch müde - etwas später kehrte er in seine Unterkunft zurück.

24.05.2019 |  An diesem Tag wollte ich die Kamele in unbekanntes Gebiet führen. So lud ich sie in den LKW - was erstaunlich gut klappte. Die Rampe seitlich begrenzt vom Zaun auf der einen und meinem Auto auf der anderen Seite. Jamahl hatte nicht viel Möglichkeiten auszuweichen und war bald oben. Laila ging gleich beim ersten Anlauf, war etwas zu flott und rutschte aus (ohne sich zu verletzen). Ali spielte wieder Rammbock, wurde aber mit einem Klaps auf den dicken Hintern davon überzeugt, besser doch hoch zu steigen.
Eine kurze Fahrt und ich entlud die Tiere an einer Stelle, die ihnen unbekannt war.


Es folgte ein Spaziergang auf einer schmalen Landstraße. Sie waren nervös und bald begann Jamahl zu drängeln. Wir blieben stehen und beratschlagten, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Endergebnis war, dass von nun ab die Kette von Jamahls Halfter mit einem Karabiner am hinteren Teil von Lailas Brustgeschirr befestigt wird. Sobald der Bursche versucht Extratouren zu gehen, wird er durch die Kette daran gehindert. Er hat schnell gelernt und ist jetzt wesentlich führiger.



25.05.2019 | Schlechtes Wetter war angesagt. Aber wofür habe ich eine Überdachung? Der Trainer machte vor, wie man drei Kamele in einem Schwung von der Koppel in die Arena führt. Ohne, dass sich Laila in die Büsche wirft oder Jamahl vorwärts stürmt, ohne dass drei Zwischenstation eingelegt werden müssen oder eine halbe Stunde vergeht, bis endlich alle drin sind. Beeindruckend.
Ich schleppte die Sättel an und bekam endlich gezeigt, wie sie ordentlich befestigt werden. Bisher habe ich die Gurte immer zu locker befestigt. Sie sollen so eng anliegen, dass - wenn man am Sattel hin und her ruckelt - sich das ganze Kamel bewegt (und nicht der Sattel). Man kann, wenn man nur mit eigener Muskelkraft die Gurte anzurrt (und nicht mit Hilfe einer Ratsche), einen Kamelbrustkorb nicht abschnüren oder verletzen, erklärte mir der Trainer. Außerdem sollte das Gestell so ausgerichtet werden, dass die Stangen vom Sattel parallel zum Boden liegen, nicht irgendwie schief zum Himmel ragen.


Dann noch die Packtaschen mit jeweils 20 kg Gewicht angehängt und ein paar Runden in der Arena marschiert. Die spiegelnden Fenster und wuchtigen Wassertanks lösten einige unkontrollierte Hüpfer aus, aber nach der x-ten Schleife klappte auch das. Ich war schon wieder am Ende meiner Leistungsfähigkeit angelangt.


Bevor wir das Training beendeten kam der Trainer auf meinen Wunsch zurück, einmal auf Laila reiten zu können. Wir ließen sie sich ablegen und machten ein paar Trockenübungen auf ihr. Dann war der Moment gekommen, an dem ich fest im Sattel saß und der Trainer Laila aufstehen ließ. 


Ein erhebendes Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes ☺

26.05.2019 | Letzter Tag der Vorbereitungen. Höchste Zeit, sich auf die Packerei zu konzentrieren. Den ganzen Tag verbrachten wir in der Scheune und sortierten ein und aus. Einiges, was ich vorbereitet hatte befand der Trainer als nicht erforderlich, wie z. B. ein großer Spaten, abgesägte Äste (die man vergraben und zum fixieren der Kamele verwenden kann) oder der Elektrozaun samt Batterie. Vier Kisten wurden befüllt: # 1 Gasöfchen und -kocher, Kartuschen # 2 Küchenutensilien und Verpflegung, # 3 Kleidung und Hygieneartikel, # 4 Ersatzleinen, -halfter,-karabiner, Werkzeug u.ä.. Jede Kiste wurde gewogen, anschließend ein paar Gegenstände umgetopft, so dass jeweils zwei Kisten das gleiche Gewicht hatten (sie wogen zwischen 10 und 12 kg). Zu unterst von Jamahls Packtaschen wurden je ein Kanister Trinkwasser à 20 l gelegt, darauf jeweils eine Kiste, während Laila nur Kisten tragen musste. Zelt, Matratze und Schlafsack wurden ebenfalls gewogen und auf die Packtaschen aufgeteilt. Die Zeit flog davon und nach einem späten Mittagessen - untermalt mit einigen Trainingsvideos von anderen Kamelexperten -verabschiedete sich der Trainer bis zum nächsten Morgen.

Montag, 20. Mai 2019

Vorbereitungen (1)

Wasserentzug | Auch wenn Kamele ökonomisch mit Wasser umgehen können, sollen sie doch nicht von einem Tag auf den anderen dürsten müssen. Sie sollen langsam darauf vorbereitet werden und so habe ich angefangen, sie nur noch alle zwei Tage zu tränken. They're not amused.


Chaos |Keine Ahnung, wie alles zu packen ist. Nachdem ich liebe Ermunterungen erhalten habe, habe ich mich einigermaßen beruhigt. Ich warte einfach mal ab, notfalls haue ich alles in die riesigen Packtaschen. Wenn ich was vergessen habe, muss ich halt improvisieren, bzw. kann mein Begleiter sich darum kümmern. Schlafen, essen, trinken, laufen - kann ja nicht so schwer sein.


Ernährung | Morgens Tee und eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse, während der Wanderung eine handvoll Nüsse, einen Apfel und ein hartgekochtes Ei, abends eine Dose Suppe (Gemüse, Erbsen, Kürbis, Bohnen) warm machen. Falls der Hunger zu groß wird, habe ich noch eingelegte Heringe und Dolmadakia dabei. Ich nehme einen kleine Kocher mit und werde sicher kein Feuer anfachen und Brot backen oder ähnliches. Mir wurde gesagt Dosen sind gut, da sie schon Flüssigkeiten enthalten und man so Wasser einspart. Apropos Wasser: 40 l sollten wohl für eine Woche reichen.


Elektrischer Zaun | Heute ein Stück auf dem Grundstück mit dem elektrischen Zaun abgeteilt und die drei dorthin geführt. Was für ein Theater! Jamahl hat ununterbrochen gebuckelt. Abends bei der Rückkehr auf die Koppel hat Laila einen Anfall gehabt: unbedingt wie ein Hirsch, der den Bast vom Geweih abstreifen will, ihren Dummschädel rechts und links in junge Büsche gehauen und sich anschließend in einen hinein gesetzt! Furchtbar. Dabei hat sie die Leine, mit der Ali verbunden war abgestreift. Also erstmal Laila zum aufstehen bewegen, auf die Koppel führen - derweil Jamahl unbedingt die Ali beißen wollte, die wiederum an ihn angebunden war und nicht weg konnte. Ist halt wie bei einer Generalprobe, da geht ja auch meistens alles mögliche schief. Den Elektrozaun haben sie jedenfalls akzeptiert - sogar Ali, die normalerweise keinen Respekt zeigt und einfach durchgeht. 



Donnerstag, 16. Mai 2019

Der Countdown läuft

Befinde mich kurz vor einer Panikattacke. Kann überhaupt nicht mehr klar denken. Es ist noch so viel zu tun, aber irgendwas hält mich vom handeln ab. Stattdessen denke ich den ganzen Tag darüber nach, was alles schief gehen kann. "I could freeze to death" klagte ich einer Bekannten die wissen wollte, was mich so besorgt. "Carry warm cloths" war ihre Antwort. "Or I could starve" ... "Carry enough food"... wenn das so einfach wäre. Ich werde mich dort bewegen, wo viele Autos sind. Ich habe nun mal keine Beziehungen oder Ortskenntnis für Querfeldeintouren. Wo Autos sind, sind Leute, die rücksichtslos sind. Keinen Abstand halten, Flaschen aus dem Auto schmeißen. Ich sehe schon Schnittwunden an den Sohlen. Und wo soll ich abends mein Zelt aufschlagen. Im Straßengraben? Was habe ich immer für saublöde Ideen?

Aber ich zieh das jetzt durch. Auf Biegen und Brechen, komme was wolle. In der großen Scheune habe ich eine Plane ausgebreitet und gestapelt, was ich mitnehmen will. Einiges muss ich noch besorgen, vieles kann ich erst ganz zum Schluss dazu tun, wie Essen, oder Dinge des täglichen Gebrauchs. Alles muss in die Satteltaschen und zwar so, dass links und rechts gleiches Gewicht vorliegt. Soll ich das Gestell mit den Wasserkanistern mitnehmen, oder die Beutel und die wiederum in die Satteltaschen geben? So viele Fragen, ich hoffe inbrünstig, dass der Trainer mir einige Entscheidungen abnehmen kann.

Mit den Tieren gearbeitet habe ich nix mehr - außer der Sonntagsrunde, die ich musikalisch untermalt habe. Jedes Tier wird eine Glocke um den Hals tragen, damit ich sie höre und schneller wieder finden kann. Ich werde auch einen elektrischen Zaun mitnehmen, aber normalerweise bekommen die Kamele nachts die Fußfesseln angelegt und können sich frei bewegen. ... Ob ich mir das zutraue? Was, wenn ich sie trotz Glocken nicht mehr finde? Mir geht die Bimmelei ganz schön auf den Zeiger. Ungut ist auch, dass man die Autos nicht mehr hört. Den Kamelen hat es nichts ausgemacht. Hatte erwartet, dass sie zumindest am Anfang ausflippen. Sie haben sich allerdings nicht getraut, etwas unterwegs zu fressen. Normalerweise bleiben sie alle paar Meter stehen, um einen Happen aufzunehmen. Aber mit der Bimmel um den Hals hat's wohl nicht geschmeckt, so waren wir wesentlich schneller unterwegs.



Donnerstag, 9. Mai 2019

Geduld haben!

Herbstlich│Es regnet in Strömen ... und die Kamele werden nass. Selber Schuld. In Anbetracht der unerfreulichen Wettervorhersage führte ich sie am frühen Morgen in die Arena, wo ich sie bis morgen belassen wollte. Jamahl war es gar nicht recht, hat ununterbrochen gemault und er wollte unbedingt weg. Das hat er dann nachmittags auch geschafft. Ich hatte Besuch und wollte ihm die Tiere vorstellen - man kann sich in etwa vorstellen, wie blöd ich geschaut habe, als wir an der Arena ankamen. Fort waren sie, weg, nicht zu sehen! Ein Glied der Vorhängekette war aufgebogen, das Tor stand offen. Nachdem ich sie wieder eingefangen hatte, verbrachte ich sie auf ihre Koppel. Richtig erleichtert waren sie, wieder in ihrer gewohnten Umgebung zu sein. Es bedarf noch einiger Anläufe und mehr schlechten Wetters, bis sie die Arena als einen Teil ihres zu Hauses akzeptieren.



Frühlingsgefühle│ Laila ist wieder schlimm. Ich ahnte es bereits, weil Ali etwas strubbelig im Bereich des Höckers ausschaut. Am Sonntag morgen habe ich Laila in flagranti ertappt. Also muss ich sie wieder trennen bzw. wenn sie Nachts zusammen sind, Laila mit Fußfesseln versehen.



Lean-to-shed │ Der Innenausbau plätschert so vor sich hin. Der Tischler ist wirklich sehr gewissenhaft und es sieht toll aus, was er bis jetzt gemacht hat ... aber er ist so langsam. Zum einen, weil er nur hin- und wieder vor Ort ist, zum anderen weil er alles alleine macht. Na ja, muss mich weiter gedulden.




Energie│Die Solarpanelen sind angekommen. Mich hat ja fast der Schlag getroffen, als ich das Paket entgegen nahm: 8,4 Kg wiegt das Ding, was so unschuldig 'solar blanket' heißt. Erwartungsvoll breitete ich die 'Decke' in der Sonne aus und steckte den USB Stecker meines Smartphones ein. Nichts. Überhaupt nichts passierte. Testete verschiedene Geräte und Stecker - nix. Also den Verkäufer kontaktiert: ja, nee - dat Ding muss erst mit einer Batterie verbunden werden, ohne Batterie lädt da nüscht! Ach du meine Güte! 8,4 kg 'Decke' + eine was-weiß-ich-wie-schwere Batterie schleppen? Um ein Handy oder IPad zu laden? Zuerst wollte ich das Drum zurückschicken, werde es aber doch behalten. Wenn ich später den Gypsy-Wagen aktiviere, dann kann ich die Solarenergie gut brauchen.


Donnerstag, 2. Mai 2019

Der Mai ist gekommen ...

Enttäuschung #1 ❙ Bin immer auf der Suche nach Gleichgesinnten. Jemand, der Kamele so sehr mag wie ich. Eine Art 'soulmate'. Aber es findet sich nichts und niemand. Alle, die ich versuchte zu integrieren sind zwar mehr oder weniger beeindruckt, aber ... Begeisterung schaut anders aus.

Hoffnungsvoll habe ich auf die Annonce einer Veterinärstudentin geantwortet. Sie pries sich als erfahren im Umgang mit Tieren, möchte ihr Spektrum erweitern und natürlich Geld verdienen. Wieviel soll's mich denn kosten? Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf $ 80,- für den Vormittag.

Es war Sonntag, ich setzte Satteltraining an. Die schwerste Arbeit blieb schon mal an mir hängen, da die junge Frau erst um 09.00 Uhr bei mir sein konnte. So hatte ich die Schlepperei mit den monströsen Gestellen bereits erledigt. Viel Quatscherei, keine Ahnung von irgendwas und als ich letztlich im Auto sass und die 2-Stunden-Runde in Angriff nahm, zog sie es vor, sich zu verabschieden. Dafür kam dann später eine sms, dass sie gerne am nächsten Wochenende wiederkommen würde, aber mehr Geld nehmen müsste. $ 20,-/Stunde sowie $ 40,- für An- und Abreise. Das war die willkommene Gelegenheit mich abzuseilen -  ist mir zuviel Geld. Mal ehrlich: eigentlich müsste sie mir was bezahlen. Ohne die geringste Ahnung oder irgendeiner mentalen Vorbereitung einen Job annehmen? Sich alles wie ein unbedarfter Besucher erklären lassen? Noch nicht einmal Knoten knüpfen können und auch nach mehrmaligem vorzeigen den bowline knot völlig falsch angehen?

Enttäuschung #2 ❙ Die nächste Zeitverschwendung folgte gestern.

Beim letzten Aufenthalt in einer Tierpension verlor Teddy enorm viel an Gewicht und hatte blutigen Durchfall. Der Amerikaner meinte es sei besser, die Hunde nicht mitzunehmen - wir sollten uns auf die Kamele konzentrieren. Fair enough. Aber mein Sensibelchen? Ich hörte mich um, ob jemand gegen gutes Geld zweimal täglich zu mir kommt und sich um die Hunde kümmert: spazieren gehen, füttern, mit ihnen spielen. Ja, da gibt es eine Frau, die ist sehr an ein Taschengeld interessiert.

Gestern war sie hier. Eine ältere Dame - Fußknöchel und Handgelenke eines Weberknechts, absolut saft- und kraftlos - die große Augen bekam, als ich von spazieren gehen sprach, unfähig war, einen 20 l Wasserkanister auch nur anzuheben (die mit zu versorgenden Emus verbrauchen viel Wasser) und sehr lange brauchte, bis sie schließlich einen Grund fand, den Job nicht annehmen zu können müssen.

Habe die Hunde sogleich in der Hundepension angemeldet - ich hoffe, dass die Anwesenheit von Teddy's neuem Kumpel Oscar den Aufenthalt im Zwinger weniger stressvoll werden lässt. Und wenn nicht ... er wird's auf jeden Fall überleben. Er hat seit dem letzten Impftermin 5 kg zugenommen, hat jetzt 51 kg! - soll er was abnehmen, es schadet ihm nicht.

Vorbereitungen ❙ Langsam wird es Ernst. Die kleine Wohnung in der lean-to-shed ist - natürlich - noch lange nicht fertig! Nicht einmal das Klo wird benutzbar sein. Also habe ich für den Besuch eine B&B Unterkunft gebucht. Werde ihn abends dorthin bringen, dann kann er auch im Pub essen gehen, und ihn morgens wieder abholen. Etwas Privatsphäre, v.a. am Anfang, erachte ich als wesentlich.

Erneut Geld ausgegeben. Ich habe John Elliott gefragt, was er für solarpanels benutzt. Ouch. Ich dachte, die von eBay (250 Watt) für $ 332,20 wären teuer, aber er hat welche für $ 799,- (180 Watt) von einer Australischen Firma. Das ist mir zuviel. Vielleicht bereue ich es später, an der falschen Stelle gespart zu haben? Wir werden sehen.

Ich fange an, alles Camping-Gedöns zusammen zu tragen. Den vor vielen! Monaten neu gekauften Klappstuhl wollte ich endlich mal testen. Ein bisschen eng, irgendwie. Und so kurze Beine? Beim genauen hinschauen des Rätsels Lösung: ich habe einen Kinderstuhl gekauft! Sowas dummes. Soll ich ihn trotzdem benutzen? Einen anderen kaufen? Umtauschen geht nicht mehr. Ärgerlich.

Sehenswert ❙  Ein beeindruckendes Video von zwei jungen Männern, die im vergangen Jahr fünf Kamele abgerichtet und mit ihnen eine einmonatige Wüstentour durchgeführt haben. Beeindruckend deshalb, weil nicht nur die highlights, sondern auch Schwierigkeiten festgehalten wurden. Jawohl, Kamele können buckeln, brüllen, sich in Leinen verwickeln und passiven Widerstand leisten. Kommt mir sehr bekannt vor, wird aber ungern gezeigt.

Donnerstag, 25. April 2019

Weiter gehts

Während sich die drei gemäßigten Schrittes hinten am Hänger vorwärts bewegten, saß ich bequem vorne im Auto und scrollte durch die Vorschläge an Hörbüchern. Paulo Coelho sollte es werden - schließlich handelt es sich um einen Bestseller-Autoren und ich Banause habe noch nichts von ihm gelesen.

"Der Alchemist" beschäftigt sich mit Träumen und der Anregung, diese auch wahr werden zu lassen. Das gab mir Auftrieb und so habe ich ungeheuer mutig zum ersten Mal seit dem Unfall vor sechs Wochen nach 3 km angehalten und bin die restlichen 11 km mit ihnen marschiert. Schweißgebadet: nicht wegen der Anstrengung oder Temperatur, sondern vor Angst. Aber es ging alles gut. Kurz vor dem Heimkommen musste sich Ali noch mit Jamahl verheddern. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber Jamahl hatte Alis Leine um den Hals gewickelt und jedes Mal, wenn Ali zurück zog, schnürte sie ihm die Kehle zu. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie von einander zu befreien, was dazu führte, dass Ali kurzzeitig führerlos auf der Straße herumlief. Glücklicherweise kam kein Auto und ich konnte sie wieder gleich wieder einfangen.

"Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert."

Samstag, 20. April 2019

Karwoche

Backpacker┃Da hatte ich mich auf Mithilfe gefreut, aber die Freude währte nur kurz. Am Montag den Backpacker abgeholt, am Mittwoch schon wieder zurück gebracht. Den von ihm getätigten und mir finanzierten Einkauf (u.a. diverse Teile von toten Tieren ... muss das wirklich sein, wenn man weiß, dass der Gastgeber kein Fleisch isst???) entsorgen müssen, da der junge Mann den Kühlschrank im Caravan voll aufgedreht hatte und alles (offene Milchtüte, Salat, Eier, Käse,...) gefroren war. $ 80.- in die Tonne. Meine Teflonpfanne, die ich seit neun Jahre besitze, ist nach einmaligem Gebrauch zerkratzt. Betten vorher bezogen, alles wieder ausräumen und reinigen. Es war vorher ausgemacht, dass er solange bei mir bleibt, bis er eine bezahlte Arbeit findet. Sein Glück, dass das innerhalb von zwei Tagen geschah - mein Pech, dass es mein Geld und meine Zeit kostete. Mir reicht es jetzt endgültig. Backpacker kommen mir nicht mehr ins Haus.

Kunstwerk┃Die Einfahrt zum Camel Information Center schmückt jetzt eine 1,60 m hohe Figur.


Habe mir mein Wahrzeichen (Cartoon von Jed Dunstan) aus einer 3 mm Metallplatte aussägen lassen und am Straßenrand aufgestellt. Die Kamele sind gestern, als ich sie am Hänger spazieren und an der Statue vorbei führte, völlig ausgerastet. War eine willkommene Ausrede, nicht zu Fuß zu gehen. ... OMG, wann werde ich mich je wieder trauen?

OptimistischMorgen soll es regnen! Der Nachbar hat gestern tatsächlich sein Feld bestellt, eine riesige Staubwolke hüllte mein Haus ein. Mal sehen, ob der Wetterbericht hält was er verspricht. Die Kamele haben morgen frei, vielleicht gehe ich am Ostermontag eine Runde. Apropos Ostern: Wünsche meinen beiden Lesern entspannte Feiertage 💕





Dienstag, 16. April 2019

Quer durch Australien

John Arthur Elliott ist tatsächlich seit dem 11. April (sein 37. Geburtstag) mit vier Kamelen und Hund 'Bruski' unterwegs. Immer wieder hatte er den Startzeitpunkt verschoben, nun hat er es wahr gemacht. Mit viel Medienrummel setzte er die Abreise in Szene, sogar einen Gedenkstein mit Inschrift hat er sich anfertigen lassen.



Seine Route kann per Satelliten Tracker verfolgt werden.

Sehr unterhaltsam sind seine kurzen Life-Videos auf Instagram! Ein wilder Hund 😀

Freitag, 12. April 2019

Snippets

Sonntag ❙ Es war sehr windig und deshalb nur eine Runde mit an dem Trailer angehängten Kamelen gefahren (ok, es ist eine schwache Ausrede, aber ich traue mich noch nicht mit den Viechern zusammen zu laufen). Wieder an der 'Schweinerei' [keine Ahnung, ob es sich um einen Mast- oder Aufzuchtsbetrieb handelt. Man sieht die Tiere ja nicht.] vorbei und wieder helle Aufregung in Form von seitlich ausweichen und herumtänzeln.

Laila ❙ ist im Moment gut drauf - dreimal auf Holz geklopft. Seit ungefähr zwei Wochen trenne ich Ali nicht mehr von ihren Artgenossen und es bestehen keine Anzeichen, dass Laila auf Ali herum turnt. Auch lässt sie den Jamahl z.Zt. in Ruhe. Mal sehen, wie lange der Frieden anhält.

Futter ❙ Ich bemühe mich redlich, die Mannschaft kurz zu halten. Zum dritten Mal habe ich einen großen Ballen Stroh kommen lassen, um den sie den ganzen Tag herum stehen und fressen. Nach wie vor ist es furztrocken, sie befinden sich jetzt schon seit über drei Monaten auf derselben Koppel. Sie hat den Vorteil, dass ich keine Wasserkanister schleppen muss, da ich mit dem Gartenschlauch bis an ihren Trog komme. Auf den anderen Koppeln wachsen ein paar salt bushes, die aber innerhalb einer Woche aufgefressen wären. Das spärliche Grün verhindert, dass im Falle eines Sturmes die Erde weggeweht wird. Deshalb müssen die Kamele noch eine zeitlang darben, bis endlich der Regen kommt. ... Abgenommen haben sie allerdings noch nicht.

Trekking ❙ Ich hatte leise Zweifel, ob mein Besuch aus Amerika wirklich kommt. Aber jetzt ist es abgemacht, der Flug gebucht. Am 22. Mai werde ich Doug vom Flughafen abholen und spätestens am 29. Mai eine kleine Runde trekken gehen. Am 05. Juni wird der Trainer weiter nach Alice Springs reisen. Da mir einige stations wegen der anhaltenden Trockenheit abgesagt haben, und auch der remote navigation course (den ich für querfeldein Wanderungen als Voraussetzung erachtet hatte) mangels Teilnehmer abgesagt wurde, habe ich eine einfache Strecke gewählt: nach Marree fahren, dort das Basiscamp aufschlagen und einen Teil des Oodnadatta Treks marschieren. Sollte machbar sein. Nachteil: relativ viel Verkehr, da es sich um eine öffentliche Straße handelt, Vorteil: ich kann mich nicht verlaufen und denke, wilde Kamelbullen werden dort nicht auftauchen.

Hilfe ❙ In drei Tagen werde ich wieder einen Backpacker zu Gast haben. Dann sollte das Training wieder Fahrtwind bekommen.

Webpage ❙ Habe jetzt einen Internetauftritt - mal sehen, wo das hinführt - auch eine Seite auf FB.

Material ❙ Schweren Herzens in neue Satteltaschen investiert! Auf die Frage, welche Farbe ich haben möchte gab es nur eine Antwort ... natürlich ... pink! Die sind so groß, da kann ich meinen gesamten Hausstand reinpacken!



Samstag, 6. April 2019

In der Schule

Das Wetter hat nicht mitgespielt. Es war zwar warm aber unheimlich stürmisch. Auf dem Weg in den Nachbarort konnte ich teilweise nicht die Hand vor Augen sehen, soviel Staub und Erde wurden aufgewirbelt.



Die Kamele kämpften sich tapfer voran. Um 08.03 Uhr verließen wir das Grundstück und um 10.20 Uhr erreichten wir unser Ziel. Ich rief im Schulgebäude an und die Lehrerin kam heraus und zeigte mir den Ort, wo ich parken konnte. Ich wählte ein schattiges Plätzchen unter einigen Eukalyptusbäumen, an die ich eigentlich die Kamele anbinden wollten. Aber sie waren zu nervös. Die Sturmböen bogen die Äste, die Blätter rauschten und die drei tanzten hin und her. Ich ließ sie einfach am Anhäger und baute eine kleine Barriere um sie herum.

Dann kamen die kleinen Schüler. Ach waren die süß und so brav. Ganz artig standen sie so, wie ihnen aufgetragen. Ich erklärte einiges über die Besonderheiten der Tiere - den Höcker, die schlitzförmige Nase, die langen Wimpern, die behaarten Ohren, die Form der Füße und und und. Dann durfte jedes Kind der verfressenen Ali ein Ästchen von einem salt bush geben, jeder durfte sie unter meiner Anleitung streicheln. Die ganz kleinen hob ich sicherheitshalber auf den Arm. Ständig beobachtete ich mit Argusaugen, wie Ali drauf ist. Aber sie war mittlerweile recht entspannt und hat nicht einmal Widerstand in Form von Treten oder Spucken geleistet.

Die Stunde war recht bald vorüber. Eines der Kinder bedankte sich im Namen aller bei mir und ein kleines Mädchen gab mir noch eine feste Umarmung. Jeder Schüler erhielt einen Kühlschrankmagneten in Form eines Kameles zum Andenken. Auch jede Menge Fotos wurden von den anwesenden Betreuer und Lehrer gemacht. Ich weiß nicht, ob ich die veröffentlichen darf, deshalb nur eines von mir, der stolzen Kameltreiberin ☺.