Montag, 30. Dezember 2019

Verspätetes Christkind 🌲

Schöne Kinder brauchen fesche Kleider 😎

Auf FB verkündete ein cameleer:



Das muss man mir nicht zweimal sagen und ohne zu zögern meldete ich mein Interesse an. Wir einigten uns schnell über den Preis und am Samstag war es so weit: Der nette Herr brachte die Fracht auf seinem Weg weiter Richtung Norden persönlich vorbei. Sicherlich über 20 kg in zwei große Kisten verpackt.

Sonntag morgens erfolgt die Anprobe. Prinzessin Laila trug es gelassen!


Erste Schicht


Fertig "full Monty"


Inspektion vom restlichen Zeug

Jamahl war gelangweilt und leicht angefressen. Einige Male vollführte er Bocksprünge - vielleicht erhoffte er, sich durch die Aktionen von dem unnötigen Ballast befreien zu können.


Jamahl ("Was soll der Weiberkram?")

Wie nicht anders zu erwarten fing Ali an zu spinnen, als ich ihr die Decke auflegen wollte. Ich ließ es zweimal durchgehen, dann fixierte ich ihre Vorderbeine, um sie am aufspringen zu hindern. Ganz schlimm wurde es, als die Dekoration des Halfters angesagt war. Beißen und spucken wollte sie - naja, ein wenig Geduld und gut zureden, dann war auch sie geschmückt.


Der nette Herr tat mir Leid. Erst verlor er seine geliebte Gattin vor zwei Jahren an Krebs, dann erwischte es ihn selber. Tumoren in der Rückenmuskulatur und jetzt in der Lunge! Seine acht Kamele verkaufte er bereits, jetzt möchte er noch ein wenig reisen. Wünsche ihm alles Gute.


Mittwoch, 25. Dezember 2019

Heiligabend - der Tag der Wahrheit ☺

Jamahl hatte wohl Lunte gerochen - er hatte überhaupt keine Lust mehr. Normalerweise steht er wie ein Stiefel an der Stelle, an die er morgens angebunden wird um sein Frühstück zu empfangen. Jetzt stand er demonstrativ am entferntesten Punkt der Koppel. Die Mädels wollten nicht auf ihre Mahlzeit verzichten, kamen angeschlurft und ließen sich festmachen.
Irgendwann kam auch er, fraß seine Möhren und legte sich sofort ab. Als ich ihm sein Halfter anlegen wollte, machte er den Hals lang und platzierte seinen Dummschädel auf den Boden. "Ich habe keinen Nerv mehr" wollte er damit ausdrücken. "Macht euren Sch**ss ohne mich".

So geht das natürlich nicht. Er wurde genauso vor den Wagen gespannt wie Laila (Ali wie immer das Schlusslicht) und ab ging die Post. Von der Koppel bis zur Landstraße waren sie noch mit dem Auto verbunden, da das Grundstück eine leichte Neigung aufweist und sie zuviel Fahrt aufgenommen hätten. Nach 20 m hielt ich an und wir entfernten die Verbindung zwischen Zigeunerwagen und Auto. Der Trainer befand sich auf dem Kutschbock, ich fuhr vorneweg, meinen Blick fest auf die Rückspiegel gerichtet. Ging es bergab und die Kamele fielen in Trab gab ich Gas, um nicht gerammt zu werden, mussten sie bergauf und sie wurden langsamer, bremste ich ab. Die Überquerung der Hauptstraße war mangels Verkehr kein Problem und wie mir der Trainer im nachhinein mitteilte, waren die Tiere immer unter seiner Kontrolle. Er hatte nicht eine einzige kitzlige Situation zu bewältigen und war voll des Lobes meiner Tiere.



Die meiste Zeit ließ der Trainer die Zügel schleifen und die Kamele konnten sich ihre eigene Geschwindigkeit wählen. Und die war ganz schön flott. Ich schätze, 2/3 der elf Kilometer langen Rundstrecke legten sie im Trab zurück. Als wir sie von ihrem Geschirr befreiten, waren sie im Bereich der Gurte pitschnass. Ali und Jamahl hatten beide Durchfall, Laila kann sich das als Chefin nicht erlauben 😁.

Kann gar nicht genug betonen wie glücklich ich bin. Fünf Jahre Arbeit, Selbstzweifel und Unsicherheit haben sich letztlich bezahlt gemacht. Meine Kamele sind brav, ruhig, fügsam und vertrauen mir.

Nachmittags packte der Trainer zusammen und ich begleitete ihn noch ein Stück. Wir besuchten den 92jährigen Vorbesitzer von Ali, der jetzt im Altersheim lebt.


"Sheik" Gordon

Montag, 23. Dezember 2019

Glückliche alte Frau

Heute war es soweit: die Kamele haben den Zigeunerwagen selber gezogen - ohne dass das Auto mitgeholfen hat.

Am Samstag zeigte ich meinem Besuch, wie ich bisher mit den Tieren trainiere. Wir fuhren zur ehemaligen Rennstrecke und drehten ein paar Runden, anschließend ca. ein Kilometer die Landstraße rauf und wieder runter. Zu Beginn gab es ein paar aufgeregte Hüpfer, aber mit zunehmender Dauer wurden die Kamele immer ruhiger. Jamahl war sehr angespannt und hatte untypischer Weise mit Durchfall reagiert, Laila war relaxt.

Der Trainer empfahl die Anbringung einer Querstange am Ende der Deichsel. Auch sollten D-Ringe am Ende der Stange angeschweißt werden. Ein Bekannter erklärte sich bereit, die Arbeit zu übernehmen, konnte leider erst am folgenden Nachmittag damit fertig werden. So beschäftigten wir uns am Sonntag mit den Reit- und Packsätteln. Der Fachmann probierte hier, änderte da, versuchte unterschiedliche Positionen der Polster - irgendwie war alles verquer. Er machte sich einen Haufen Notizen, fing an, die Sattelstangen mit dem Winkelschleifer zu durchtrennen und entschied sich, beide Sättel mitzunehmen und entsprechende Schweißarbeiten bei sich zu Hause durchzuführen. Doch vorher marschierten wir noch eine Runde mit den Kamelen über Nachbars Grundstück. Wie zu erwarten, rebellierte Jamahl als unser Grundstück außerhalb seines Gesichtsfeldes geriet. Er drückte gegen Laila und bockte wie ein Kleinkind. Erst als die Kette am Halfter mit dem hinteren Ende von Lailas Sattel verbunden wurde und er seinen Kopf kam noch bewegen konnte wurde er ruhiger und ergab sich seinem Schicksal. Es war so angenehm, einen erfahrenen  Kameltreiber neben sich zu wissen!

Und heute also die Zitterpartie: wie würden sie wohl reagieren? Würden sie durchgehen und versuchen schnell Heim zu laufen?

Wie Kamele, die noch nie in einen Wagen eingespannt wurden, reagieren kann man hier (23:45) sehen. Der Trainer (es handelt sich um den selben, der im Film zu sehen ist) erzählte mir, dass unerfahrene Tiere sich nach dem Einspannen und anfänglichen Chaos einfach müde laufen. Man braucht halt eine lange gerade Wegstrecke möglichst ohne Verkehr.

Den Weg zum Oval legten wir noch in gewohnter Manier zurück: der Wagen mit meinem Auto verbunden, Laila und Jamahl zwischen drin, Ali hinten angehängt. Als wir die Mitte der Rennstrecke erreichten hielten wir an und befestigten die Deichsel mit Halsbändern an die Kamele. Die Abschleppvorrichtung vom Auto wurde entfernt, der Trainer nahm auf dem Kutschbock Platz, ich setzte mich in den Wagen und fuhr los. Sobald sich das Fahrzeug bewegte, gingen die Tiere automatisch mit, realisierten allerdings schnell den Unterschied und ...  blieben stehen. Der Trainer gab ermunternde Kommandos und stupste ein wenig mit der Peitsche bis sie sich vorwärts bewegten. Sie wurden immer flotter und stießen zweimal an mein Auto, so dass ich seitwärts fuhr und schließlich anhielt. Runde um Runde legten sie zurück, dann hielt der Trainer, ich stieg dazu und übernahm die Zügel. Es ging etwas ruppig vorwärts, v.a. weil ich zu spät mit Korrekturen reagierte. Es braucht etwas Übung um zu checken, wann die Kamele eine Abkürzung nehmen wollen.

Morgen werden wir die 11 km Runde fahren - das wird spannend.

TBC

Sonntag, 15. Dezember 2019

Man kann nicht alles haben

Mein Kakadu-Experiment hat hiermit ein offizielles Ende gefunden.

Insgesamt zwölf Vögel habe ich in den vergangenen drei Jahren erworben, lauter Tiere, die nicht mehr erwünscht waren und ihr Leben in Käfigen oder kleinen Volieren fristeten. Das Ziel war, sie fliegen zu lehren, frei zu lassen und mich an ihrem Flug zu erfreuen. Das ging gründlich in die Hose. Sam, einer der ersten, tat wie ich mir vorstellte - kam zweimal täglich angesegelt, füllte sich seinen Kropf, ließ sich ein wenig kraulen und machte sich anschließend wieder davon. Elf Monate lang - dann war er fort, kam nicht wieder, vermutlich Opfer eines verärgerten Farmers.

Die Henne Euphrosyne fand ich ohne Kopf in Nachbars Vorgarten, typisches Vorgehen von Füchsen. Alex war offensichtlich handaufgezogen und verhaltensgestört, er wurde unberechenbar und biss mich x-mal blutig. Verzweifelt versuchte ihn weiter zu vermitteln, einmal war er für 14 Tage auf einem neuen Platz, wurde aber wieder zurückgebracht. Ich habe ihn schweren Herzens eingeschläfert, ich wusste mir nicht mehr zu helfen.

Louis war aus dem selben Holz geschnitzt - er vegetiert jetzt bei einer Tierfreundin für immer hinter Gitter. Was für ein trauriges Leben. Ich weiß nicht was besser ist? Tod oder Gefangenschaft? Diese fehlgeprägten Vögel sind wirklich arm dran.

Die Henne Aglaya operierte ich im vergangenen Jahr wegen eines Bauchbruchs, verursacht durch eine Eierstockszyste. Sie erholte sich gut und legte noch drei (unbefruchtete) Eier. Als heuer die Brutsaison begann bemerkte ich, wie sich das Abdomen erneut vergrößerte. Das Allgemeinbefinden verschlechterte sich rapide, der Vogel sass nur noch herum und mied den Kontakt mit ihrem Partner. Da konnte auch eine Operation nicht mehr helfen und so erlöste ich sie von ihrem Leiden.

Clyde und Alaya 2018

Letzte Woche verschwand der letzte Kakadu. Clyde war flugunfähig, wanderte täglich zwischen der offenen Voliere (die er bei Schlechtwetter bevorzugte), einem nahegelegenen Eukalyptusbaum und Nachbars Vorgarten hin- und her. Mittwoch Nacht (beinahe Vollmond und sehr hell draußen) hörte ich ihn kurz kreischen. Das war das letzte Mal. Seit dem ist keine Spur von ihm ausfindig zu machen. Das morgendliche Gezeter war kilometerweit zu vernehmen, jetzt herrscht Funkstille.

Clyde 02.12.2019 (♰ 11.12.2019)

Mir fehlen die Vögel. Ich hatte immer welche, Wellensittiche und Kanarienvögel waren die einzigen Tiere, deren Haltung mir meine Eltern erlaubten. Ich habe schon einige verstohlene Blicke auf die Seiten der Verkaufsbörse geworfen - und die Gedanken an einen erneuten Kauf wieder verworfen. Mein Ziel ist trekken zu gehen, mit den Kamelen ins Outback zu fahren. Jedes Tier welches ich mir zusätzlich anschaffe stellt eine Belastung dar 😢

Dienstag, 3. Dezember 2019

Weiter geht's

Gedanken | Der November ist auch schon wieder Geschichte. Ich habe nicht viel mit den Kamelen gemacht, irgendwie ist die Luft draußen. Jetzt weiß ich ja, dass ich in der Lage bin mit ihnen trekken zu gehen. Auch wenn es nicht perfekt und reibungslos sein wird, die Grundlage ist geschaffen und der enorme Stress, den ich mir selber auferlegt habe, ist erstmal gewichen.

Schönheitspflege | Die Kamele haben im Oktober begonnen abzuhaaren. Letztes Jahr waren sie ziemlich genau zu Weihnachten fertig, heuer wollte ich den Prozess beschleunigen - deshalb verbrachte ich Stunden damit, sie zu bürsten und zu entfilzen. Zwischenstand: Ali's Bart bedarf noch etwas Feinarbeit, der ist aber auch wirklich lang und entsprechend stark verfilzt. Jamahl und Laila tragen noch Locken im Bereich der Schultern und auch Lailas Bartmähne muss noch bearbeitet werden, aber ansonsten sind sie fertig - bereit für den Besuch, der am 15. Dezember eintreffen wird ☺.
Obwohl sie nicht nur stillhalten, sondern mir sogar hinter herlaufen um enthaart zu werden und jeden Bürstenstrich sichtbar genießen, haben sie ihren Wolle in den letzten Tagen sehr vermisst. Eine Kaltfront ist vorbeigezogen und bei 10°C und Sprühregen haben sie heute morgen gezittert wie Espenlaub (musste an die Zurechtweisung einer Leserin auf FB denken die letztes Jahr - als ich einen Videoclip zitternder Kamele veröffentlichte - kommentierte, ich solle mich besser um meine Tiere kümmern!)


Leibesübungen | War zweimal Sonntags eine Runde unterwegs. Habe mir eine 3 m Fahnenstange mit Signalflagge besorgt. Sowas wird normalerweise bei Wüstenfahrten verwendet, damit bei einspurigen Dünenüberquerungen entgegenkommende Fahrer rechtzeitig vor Gegenverkehr gewarnt werden. Auch habe ich ein Plakat an der Seite meines Fahrzeugs angebracht, dass auf mein fundraising project für Brustkrebs hinweisen soll. Vielleicht stimme ich mit dem Outfit die nörgelnde Bauernschaft etwas milder?


Ausrüstung | Der Sattler hat Lailas Sattel zurückgebracht! Der Fachmann war höchstpersönlich vor Ort und wir haben gleich getestet, ob die Verbreiterung um 10 cm etwas gebracht hat. Ich bin zufrieden - nur passt der Sattel nicht mehr in die Aufbewahrungskiste 😒.


Desweiteren machte der Sattler einen neuen Schuh, falls Probleme mit der Sohle (wie regelmäßig im Winter bei Ali) oder Verletzungen beim Trekken auftreten. Er ist noch nicht optimal, muss noch nach oben verlängert werden: wir sind auf einem guten Weg.


Meine Packtaschen befinden sich zur Zeit bei einer Firma, die auf Bearbeitung von Segeltuch spezialisiert ist. Ich lasse zusätzliche Schlaufen anbringen. Die Taschen hängen zu tief, reiben seitlich am Körper der Kamele. Es wurde mir angeraten, die Haken an den Sätteln nach oben zu verlagern - ärgerliche Schweißarbeiten die ich vermeiden will. Durch die zusätzlichen Schlaufen erhoffe ich mir den selben Effekt und erspare mir das Schweißen.

Luftgewehr | Es liegt doch nicht an mir! Welche Erleichterung. Trotz vieler Versuch, drehen an diversen Rädchen und Hilfe durch Kundige: ich habe nie ins Ziel getroffen. Letzte Instanz war der Verkäufer und siehe da, das Teleskop war defekt und ich bekam ein neues installiert. Jetzt treffe ich zumindest die Scheibe - Tauben waren noch nicht im Visier.






Montag, 11. November 2019

Zurück in den Alltag

Tatsächlich schon wieder fast drei Wochen seit der Rückkehr vergangen. Die Zeit fliegt dahin.

Nicht viel gemacht. Also direkt mit den Kamelen. Indirekt schon so einiges.

Sattel | So war ich bei Sattler und habe Lailas Sattel abgegeben. Er will versuchen, die Eisenstangen um 10 cm auseinander zu biegen, um das Gestell meinen fatties anzupassen. Der Satteldruck hat mich schon sehr erschreckt. Die Polster müssen auch verkleinert werden - habe neulich auf Instagram gesehen, wie jemand eine Wollpresse eingesetzt hat, um sie zu verschmälern. In Ermangelung einer Presse schlug ich vor, kurzerhand mit dem Auto drüber zufahren. Der Sattler schaute mich zwar ungläubig an, aber dann haben wir die Idee in die Tat umgesetzt. Hat nicht viel geholfen. Wahrscheinlich müssen die Räder für einen längeren Zeitraum auf den Polstern stehen.
Desweiteren müssen die Halsriemen von Jamahls Sattel verlängert werden - ebenso wie die Gurte vom Brustgeschirr. Da hat der Herr Sattler einiges zu tun. Wir haben so lange gequatscht gefachsimpelt, bis die Chance auf ein lecker Mittagessen beim Inder vertan war. Der schließt um 14.30 Uhr und ich verabschiedete mich vom Sattler um 14.20 Uhr.

Reparatur | Der Rückspiegel vom LKW wurde erneuert. Keine Ahnung, wann genau der auf der Reise kaputt ging, wahrscheinlich, als wir in die yards mit den 40 Kamelen gefahren sind. Irgendein ungestümer Geselle ist wohl gegen den Spiegel gedonnert und der wurde durch die blöd angebrachte Antenne vom UHF Radio abrupt gestoppt. Da der Rückspiegel elektrisch bewegt wird und es entsprechend aufwendig ist einen neuen zu besorgen bzw. zu montieren, hat mich dieser kleine Zwischenfall dazu gezwungen, tief in die Tasche greifen zu lassen ($ 1.188).

Futter | Weiter geht's mit Ausgaben: $ 300 für 20 Ballen Luzerne - frisch vom Feld. Sie warten schon seit einer Woche darauf entladen zu werden. Habe aber immer schöne Ausreden parat - meistens ist das Wetter in Schuld. So stürmisch die meiste Zeit, da fliegt das Heu durch die Gegend noch bevor es seinen Platz erreicht. 

Bewegung | Gestern, Sonntag, war es recht angenehm und so bewegte ich die Kamele mal wieder. Eine Runde am Hänger gebunden, die gravel road entlang. Ein Auto hat uns überholt - waren Touristen mit Camping Sachen auf der Ladefläche, zwei Autos sind vor mir in eine Kreuzung eingebogen. Bis jetzt keine polizeiliche Beschwerde (ich werde noch paranoid). 

Normalität | Während ich anfangs dachte, die Kamele haben durch die Interaktion mit ihren Artgenossen einen Entwicklungsschub erfahren, sprich sie wären ruhiger und ausgeglichener, ist jetzt alles wie gehabt. Laila sitzt wieder auf Ali und jagt Jamahl übers Gelände. Ali ließ sich in den vergangenen Tagen nur ungern bürsten, versuchte zu treten und zu schnappen, ihr Höcker schmerzt von dem ständigen aufreiten - also werden sie tagsüber getrennt und nachts muss Laila Fußfesseln tragen! 





Montag, 4. November 2019

Unbedingt anschauen!

In den nächsten 10 Tagen kann der Film 'JUDAS COLLAR' kostenlos angesehen werden.
Unbedingt eine Packung Taschentücher bereitlegen - sie werden von Nutzen sein 😭

Ein 'wildes' Kamel wird narkotisiert, mit einem Peilsender versehen und zu seiner Herde entlassen. Professionelle Schützen knallen die Artgenossen vom Hubschrauber aus ab, vernichten alle - bis auf das Tier, welches das Halsband trägt. Als Herdentier macht sich das einsame Kamele auf die Suche nach neuen Kumpels und verrät durch den Sender dem Jäger, wo sich neue 'Beute' befindet.

Der Film kommt ohne Text aus. Am Ende erfährt der Zuschauer, dass seit 2009 160.000 Kamele mit Hilfe des 'JUDAS HALSBANDES' erschossen (und zur Verwesung liegen gelassen) wurden. Es gibt aber einige clevere Tiere, die den Sinn erfasst haben und alleine bleiben - um ihre Freunde nicht zu gefährden!

Samstag, 2. November 2019

Oktoberfest (4/4)

Eigentlich hatten wir bis zum 24.10. gebucht, aber ein Blick auf die Wettervorhersage bewog mich zu einer Planänderung. Die Prognose lautete:

Mittwoch, den 23.10. 35°C
Donnerstag, den 24.10. 38°C!

Im Schatten! Wo wir uns bewegten war kein Schatten! Steinwüste, ja. Sanddünen, ja. Aber kein Schatten. Das macht kein Spaß. V.a. unter Berücksichtigung des ungewöhnlichen Tagesablaufs und Zeitmanagements.

Vormittags die Zeit vertrödeln und wenn es richtig schön reinknallt die Kamele beladen und zur Mittagshitze losmarschieren? Das kann man im Winter machen. Ginge es nach mir, würde ich gleich nach dem Frühstück satteln und losziehen, wenn es heiß wird ein Päuschen einlegen und am Spätnachmittag 'shepherden' gehen, sprich die Viecher unter Aufsicht fressen lassen.

Montag, der 21.10. war schon heiß genug. Nicht nur wegen der Temperaturen (29°C), sondern wegen einer außertourlichen Aktion. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der schnarrende Laut des Funkgerätes unterbrach abrupt die magische Ruhe der vor sich hinstampfenden Karawane. Uns war nicht wirklich nach Konversation zumute - die sandigen Dünen machten jeden Schritt beschwerlich. Die Kamele bewegten sich fast lautlos, nur ihrer Sättel quietschten ab und zu.

Also das Funkgerät machte sich geräuschvoll bemerkbar. Das Begleitfahrzeug mit seinem Anhänger sei  stecken geblieben, ließ der Fahrer, ein junger Backpacker vernehmen. 'Yeap, can happen', meinte die Leiterin. Sei ihr auch schon passiert. Sie wies ihn an, nichts zu unternehmen, um die Situation nicht zu verschlimmern.

Wir guckten wie die Uhus, als wir - endlich oben auf der Düne Nummer 2543 angekommen - plötzlich dem Auto gegenüber standen! WTF? Wie ist der Traumtänzer überhaupt bis hierher gekommen? Er hielt zwar eine Schaufel in der Hand, hatte aber noch keinen Finger gerührt.

Das wurde eine schweißtreibende langwierige Aktion. Der Gatte der Leiterin wurde herbeigefunkt, Auto und Anhänger komplett entladen, die Vehikel ausgebuddelt, samt Hänger umgedreht, und auf festem Untergrund wieder beladen. Es fiel nicht ein einziges böses Wort dabei! Hut ab vor soviel Selbstbeherrschung - ich wäre komplett ausgeflippt.



Dienstag (22.10.) war also unser letzter Wandertag. Selbe Routine wie die Tage vorher: Frühstück, 'shepherding', zum letzten Mal satteln


und losmarschieren. Mittlerweile haben sie es begriffen: wir müssen in einer Reihe hintereinander gehen. Sogar schwierige Situationen wie die Durchquerung eines dry creeks klappte wie am Schnürchen! Wörtlich genommen.

Als wir die Yards erreichten, wartete bereits ein Resteessen auf uns. Die jungen Leute waren schon ganz hibbelig und machten sich bald auf Richtung Beltana Station, wo ein Swimmingpool wartete! Eine Woche ohne Dusche kann ganz schön lang werden. Die Chefin und ihr Gatte blieben noch bei uns. Sie wollten uns am folgenden Morgen mit dem Verladen meiner Kamele helfen.

Wie sie wohl reagieren? Ob sie es checken, dass sie von ihren neuen Freunden getrennt werden? Werden sie sich weigern, den LKW zu betreten? Ich war gespannt und äußerst überrascht, wie problemlos die Aktion verlief. Im Nu waren sie oben, als sei es das normalste der Welt. Als wir losfuhrenholperten (15 km gravel road !) beschwerten sie sich mit ein wenig brüllen, aber ansonsten standen sie wie die Stiefel. Kein verheddern unterwegs und ... das erste Mal überhaupt ... keinen Durchfall! 

Es kommt mir vor, als hätte ich neue Kamele. Seit unserer Rückkehr habe ich sie noch nicht einmal raufen gesehen oder gehört. Zweimal führte ich sie im Gänsemarsch übers Grundstück - problemlos!
Mal sehen, wie lange das anhält.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem verehrten Gast für seine rührende Mithilfe und die Überlassung seiner tollen Bilder bedanken! 



Freitag, 1. November 2019

Oktoberfest (3/4)

In der Früh hatte ich einen melt down und heulte mich bei der Leiterin aus. Es war mir plötzlich alles zuviel und ich hatte das Gefühl, versagt zuhaben:

Es wurde mir abends mitgeteilt, dass die Nachtlager neben den festgebundenen Kamelen aufzuschlagen wären. Die Mitstreiter/Backpacker/Hilfskräfte trugen ihren swag in das Dickicht und rollten ihn mitten in der Herde aus. So konnten sie nächtens etwaigen Problemen sofort auf den Grund gehen - sei es, dass sich ein Kamel in den Leinen verheddert, sich unerlaubt davon machen will oder was auch immer. Mir war es nicht möglich, mich in die Nähe der Kamele zu begeben, da ich ein Zelt besitze, jede Menge Kochutensilien, meinen ganzen Krimskrams ... sich alles in den monströsen Satteltaschen befindet und die neben den Sätteln im Lager liegen. Eine Satteltasche (incl. 20 l Trinkwasser) wiegt 38 kg - unmöglich alles ins Gebüsch zu schleppen. Die Leiterin betonte, sie werde auf meine Kamele aufpassen, was mir furchtbar peinlich, aber nun mal nicht zu ändern war.

Dann hatte ich mich auch noch verschlafen! Es war schon 06.00, als ich begann mir Tee zu kochen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, alles wieder zusammen zu packen. Die Zeit verrann und ich hatte noch keinen Blick auf meine Viecher geworfen! Was bin ich nur für ein egoistisches A***!

(Die alte Frau und ihr Gedöns 🙈 - hier noch im Wilpena Pound)

Nach einer herzlichen und tröstlichen Umarmung der Leiterin ging es mir wieder besser. Sie versprach mir, dass am Abend die Sättel und Taschen dort abgeladen werden, wo die Tiere ihre Nacht verbringen, ich mein Zelt also neben ihnen aufgeschlagen kann. Außerdem stellte ich mir für den nächsten Morgen den Wecker auf 05.00 Uhr - genug Zeit und Muße meine Routine durchzuziehen und rechtzeitig fertig zu werden.

Die Kamele wurden essen geschickt, nach zwei Stunden eingefangen und beladen.


Ein letzter prüfender Blick der Chefin auf die Sättel - dann zog die Karawane gegen 11.00 Uhr  los. Ein kleiner Umweg führte zu einer Viehtränke, wo die Kamele einen guten Schluck zu sich nahmen.


Heute wurden (wie auch in den kommenden Tagen) ca. 9 km zurückgelegt. Mein Begleiter übernahm öfter meinen string, so hatte ich viel Muße mit der Leiterin zu quatschen. Die Zeit verging wie im Flug.
An einer Weggabelung fanden wir den Hinweis der Versorgungscrew, ein kaltes Bier Wasser wartet auf uns in der 'bar' 😎



Meine drei verhielten sich so 'lala'. Zeitweise fixierte ich Jamahls Halfterkette mit Laila's Sattel, damit er nicht all zusehr pushte. Immer wieder korrigierte die Chefin die Länge der Leinen, um seine drängelnden Bewegungen einzudämmen.

Im Lager angekommen, dasselbe Prozedere wie tags zuvor: abladen, lunch einnehmen, mit den gehobbelten Kamelen fressen gehen, sie an einen Busch binden, Abendessen, Lager aufschlagen, tot umfallen!

Am nächsten Tag änderte die Chefin meinen string: als Leitkuh fungierte nun Dinny, eine resolute Führungspersönlichkeit, die Laila in die Schranken zu weisen wusste! Der Blick von Dinny, wenn Laila zu nahe kam war Gold Wert! Ein leichtes Grollen oder Schnappen zu rechten Zeit und Laila war da, wo sie hin gehörte. Das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ihren Meister gefunden hat. Herrlich anzusehen.

Auch Jamahl wurde gemaßregelt: zwischen Laila und ihm wurde Tanami platziert, ein 1000 kg bullock, der sich nicht so einfach durch die Gegend schubsen ließ. Ali behielt ihren Kontrapart: Molli spielte ihre Rolle ausgezeichnet, kein Grund sie auszuwechseln. 'Meine' Karawane bestand nun aus:

Dinny - Laila - Tanami - Jamahl - Ali - Molly


Eine perfekte Kombination, die bis zum Ende der Reise beibehalten wurde. Der einzige Nachteil war, dass Dinny nicht jede Person als Führung akzeptierte, so lief  ich nur neben- oder hinterher. Aber egal, in erster Linie geht es um die Viecher. Sie sollen kapieren, dass man gesittet hintereinander geht und trekken nicht aus drängeln, schubsen und wettlaufen besteht.


Jamahl war ziemlich k.o. Die Leiterin hatte bemerkt, dass der Sattel nach hinten verrutscht war und auf seinen linken Hüfthöcker drückte. Er bewegte sich etwas steif, so dass er am nächsten Tag die schweren Taschen nicht tragen musste. Sie fanden einen Platz im Begleitfahrzeug. 

Nächster Morgen (mittlerweile 20.10.) Erneuter Besuch einer Viehtränke:



Der Tag verlief im gewohnten Rhythmus und schien ereignislos - bis es abends ans absatteln ging: Laila hatte an ihrer rechten Schulter eine offene Druckstelle - saddle sore -wie man hier sagt. Keinen Mucks hatte sie von sich gegeben! Tapfer hat sie ihre Last tragen - die arme Maus. Eigentlich wollte ich sie am nächsten Tag reiten - tja, war wohl nix. Die nächsten Satteltaschen wanderten ins Begleitfahrzeug! Der Sattel muss vor der nächsten Nutzung alteriert werden, da geht kein Weg dran vorbei.

Dafür nahm am folgenden Tag mein Gast auf einem Kamel - Tanami - Platz und besah sich die Welt aus einer anderen Perspektive.






Donnerstag, 31. Oktober 2019

Oktoberfest (2/4)

Ich liebe den Wilpena Pound. Obwohl ich nicht schwindelfrei bin und bergsteigen gehe hasse - der 21 km Rundweg auf den Mt Mary (die höchste Erhebung von Süd Australien) und durch den Pond - will bezwungen werden. Und jedes Mal schwöre ich mir: nie wieder!!


Meine sportliche Begleitung und sein kuscheliger Freund waren sogar bis ganz auf dem Gipfel oben.


Die nächsten Tage verliefen weniger anstrengend und der letzte Wandertag bescherte uns noch DAS Highlight schlechthin, die Belohnung für alle Mühen: Der Anblick eines seltenen



Am 16.10. ging es zurück nach Beltana zu den camel yards. Wie beim letzten Mal zeigte sich zunächst Jamahl, später folgten Laila und Ali - letztere war einer Streicheleinheit nicht abgeneigt.


Um 09.30 Uhr des darauffolgenden Tages solltes es losgehen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich alles vorbereite, die Expeditionsleiterin erscheinen würde, sie mir Hilfestellung bei der richtigen Beladung der Kamele geben würde und wir dann los marschieren.

Also: der erste Teil passte! Um 09.30 Uhr waren meine Sachen bereit gelegt 😇


Doch dann kam alles ganz anders. Gegen 10.30 Uhr tauchte die Leiterin auf und gab Anweisungen, wie wir die Kamele aus dem riesigen Yard treiben. Sie und eine Begleitung benutzten Geländemaschinen, ich sollte mit meinem Auto dem Weg folgen und bei Ansicht der Kamele kräftig hupen.

Die Aktion dauerte eineinhalb Stunden, gegen Mittag waren alle Kamele vor Ort. 


Mittlerweile waren weitere Hilfskräfte aufgetaucht, 18 Kamele wurden fixiert und das satteln begann.


Drei Stunden dauerte die Aktion, es war 15.00 Uhr als wir endlich die Lokalität verließen.


Mein string bestand aus Mumpy, einer abgeklärten Leitkuh, dann folgten Laila, Jamahl und Ali; das Schlusslicht bildete Molly, ebenfalls eine erfahrene ruhige Dame.

Meine drei waren sehr nervös. Wie üblich warf sich Jamahl auf Laila und wie immer versuchte Ali seitwärts auszuweichen (diesmal allerdings erfolglos, da Molly kräftig dagegen hielt). Es ging querfeldein und die Situation beruhigte sich erst, als wir wieder einer dirt road folgten. 

Ungefähr 5 km liefen wir an diesem ersten Tag. Hört sich nicht viel an, war aber nach all den Vorbereitungen echt genug. Wir erreichten eine Stelle, an der Hilfskräfte (mehrheitlich backpacker) Essen vorbereitet hatten. Ein Anhänger voll mit allem, was ein Team - normalerweise inklusive jeder Menge Touristen - zum Leben braucht: swags, Kessel für Heißwasserzubereitung, Kühlschrank, Trinkwasser, Obst, Gemüse u.v.m.. Sogar an ein mobiles Clo wurde gedacht! Obwohl ich mich eigentlich selbst versorgen wollte, nahm ich das Angebot, an der Mahlzeit teilzunehmen, dankbar an. 


Frisch gestärkt folgte der nächste Schritt: 'shepherding' der Kamele. Die Sättel waren bereits bei der Ankunft im Lager abgenommen worden - nun wurden den Kamelen Fußfesseln angelegt, damit sie sich frei bewegen und fressen gehen konnten. Allerdings durften sie nicht aus den Augen gelassen werden, so folgten wir ihnen gemächlich und nach ca. zwei Stunden fingen wir sie wieder ein und fixierten sie an einen Strauch in der Nähe des Lagers, wo sie die Nacht verbrachten. Der erste Trekkingtag war erfolgreich beendet.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Oktoberfest (1/4)

Der Oktober neigt sich seinem Ende zu - ein Monat der sehr anregend, aufregend, interessant, abenteuerlich, anstrengend und erlebnisreich war. Dementsprechend fällt es mir schwer, das Vergangene in geordnete Worte zu fassen.

Es begann am 01.10. mit der Ankunft eines Besuchers aus Deutschland. Ein junger Mann, der mit dem Fahrrad die Welt bereist hat und zur Abwechslung das Leben als Kameltreiber kennen lernen wollte.


Die ersten Tage bestanden aus Kennenlernen und Herantasten, beide Parteien schlugen sich hervorragend. Der Besucher zeigte keine Angst und bewegte sich 'kamelgerecht', d.h. ohne hektische Bewegungen, ruhig und aufmerksam. Die Kamele akzeptierten ihn und waren freundlich gesonnen.

Einen Tag widmeten wir dem Zugtraining. Auch hier bewies der Besucher Mut und nahm beherzt auf dem Kutschbock Platz.


Die aktive Unterstützung ausnutzend, besuchte ich meinen ersten farmers market. Er ist winzig, besteht aus drei oder vier Ständen und wenigen Besuchern - gerade recht, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich fuhr mit dem LKW in das abgezäunte Gelände, was den Veranstaltern nicht zusagte. Also draußen parken und die Kamele einzeln herein führen. Sie waren nicht amused. Ali - die letzte die verladen wird und somit die erste ist, die herauskommt, brüllte wie am Spieß, lief im Kreis und kickte, was ihre Stummelfüße hergaben. Es kehrte erst Ruhe ein, als alle beieinander waren.


Ich sammelte Spenden für breastcancer awareness und plauderte mit Passanten. Kurz vor Ende kam ein Sturm auf. In Windeseile bauten wir alles ab und verluden die Kamele. Die Veranstalter ließen mich mit dem LKW an die Tiere heranfahren, was die Aktion erleichterte. Ali spielte trotzdem blöd und konnte erst dazu bewegt werden einzusteigen, als ich die Rampe mit einer Mülltonne begrenzte. 

Dann sah ich folgende Anzeige auf FB:

Camel enthusiast news!
We’re setting our 2020 calendar and looking at how we can support upcoming cameleers.
We’ve had enquires from some of you requesting to bring your own camels out on treks, this however is not an ideal situation for us to support learning when we are attending to guest experiences with our own average of 17 camels on treks.
...
In 2020 we are considering hosting one 9 day trek that camel owners can turn up with their own camel for assistance on how best to lead strings and manage an extended journey with either pack or riding camels. It also might be that you don’t yet have camels but want to learn what a trekking environment looks like.

Ich konnte nicht anders und fragte vorsichtig an, ob sie nicht einen Probelauf machen wollten? Noch in diesem Jahr? Nächste Woche? Mit mir, meinem Gast und drei Kamelen? Was soll ich sagen: Die Betreiberin der Company sagte zu und es war beschlossene Sache: eine Woche trekken auf Beltana Station unter Anleitung erfahrener Kamelbesitzer! Herz, was willst Du mehr.

Mein Besucher half mir, das nötige Equipment zu sortieren, verpacken und verladen. Vorher noch einkaufen gehen - wir wollten schließlich Selbstversorger sein - so gingen einige Tage der Vorbereitung ins Land.

Am 10.10. um 08.00 Uhr verließen wir das Grundstück. Mein Begleiter fuhr mein Auto, auf der Ladefläche Teddy und Oscar, die wir unterwegs in einer Hundepension absetzten. Die Kamele im LKW plus ... allem: Sättel, 9x20 l Trinkwasser, voller Wasser- und Dieseltank, Essen, Ersatzteile, Notfallausrüstung, Satteltaschen, Gewehr ... you name it, we've got it 😀.

Die Fahrt bis Beltana verlief gemütlich. Wird legten extra Zwangspausen ein, um nicht zu früh anzukommen. Vereinbart war: 17.00 Uhr an der Abzweigung der B83 zur station, was wir locker schafften. Dann begann die eigentlich Herausforderung: 15 km schlimme dirt road. Richtig schlimm. Mit Wellblech ohne Ende, die Kamele wurden ordentlich durchgerüttelt. Aber auch das ging vorbei und schließlich erreichten wir die camel yards. Ein ungefähr 10 km² großes mit Büschen bewachsenes Gelände mit 37 Kamelen! Kamelhimmel, falls es sowas gibt. Ich führte meine drei vom LKW, entfernte ihre Halfter und Halsbänder und entließ sie in die neugierige Schar. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie Ali und Jamahl weg waren. Laila zeigte sich desorientiert. Sie wurde von einem feschen, gleichaltrigen bullock namens Zaki in Empfang genommen, ließ sich ca. 30 m entführen, drehte sich dann um und kehrte zu uns zurück. Ganz große Augen hatte sie, brüllte ein paar Mal irritiert, um schlussendlich wieder Anschluss an ihren Verehrer zu finden.

Mir war etwas mulmig ob der gigantischen Überzahl so vieler Höckertiere. Ob sie meine verwöhnten Spacken in Einzelteile zerlegen? Ob sie in Panik davonlaufen?

Am nächsten Morgen kehrte ich ungeduldig zu den Yards zurück. Der laufende Motor meines Autos und ermunternde Rufe, sowie die diskrete Andeutung, dass ein 20 kg Sack Möhren darauf wartet seine Abnehmer zu finden, ließen die Kamele recht schnell zum Tor kommen. Aus allen Richtungen strömten sie herbei. 



Ob ich meine drei wieder erkenne? Das ist kein Witz. Ich hatte tatsächlich Bedenken, meine drei mit den anderen zu verwechseln. Aber es bestand keine Gefahr. Als erstes schlenkerte Jamahl heran. Sein Gang mit den langen Haxen ist unverkennbar. Er hatte kaum Chance eine Karotte zu ergattern, schenkte mir aber ein leichtes Beben der Nüstern als Zeichen der Begrüßung. Ach, war ich glücklich. Ali und Laila folgten kurze Zeit später. Laila würdigte uns keines Blickes, war ausnahmslos mit den anderen Kollegen beschäftigt, Ali ließ sich dazu herab (eine Möhre als Bestechung) ihren Bart kraulen zu lassen.

Eine Woche sollten sie dort bleiben. Wir packten unsere Sachen und fuhren zum Wilpena Pound. Zelten und wandern waren angesagt.






Sonntag, 29. September 2019

Kräftemessen

Zur Zeit raufen und blubbern alle drei als gäbe es kein Morgen.



In der Früh fand ich Jamahl und Laila völlig verdreckt vor: ihr Fell im Halsbereich und an den Vorderbeinen war klebrig-feucht und stellenweise blutig. Laila hat eine Schnittwunde unterhalb des linken Kniegelenks



sowie eine Schürfwunde im Bereich ihres linken Auges.


Wie das passieren konnte ist mir ein Rätsel. Eigentlich hat doch der Frühling angefangen, da sollte die Brunftzeit vorbei sein? Ich hoffe, es ist nur ein letztes Aufbäumen und die Gemüter beruhigen sich bald.

Heute wieder eine Runde mit Anhäger gedreht: drei Auto kamen uns in den zwei Stunden entgegen und eine Handvoll Motorradfahrer: sie waren sehr rücksichtsvoll und tuckerten langsam an uns vorbei - alles im grünen Bereich.



Samstag, 28. September 2019

Endlich!

Ab 01.Oktober sind sie haftpflichtversichert!

Es hat fünf Anläufe gebraucht, bis eine Versicherung bereit war, meine Kohle gnädigerweise anzunehmen. Und zwar nicht wenig: $ 1.685,26 Jahresprämie darf ich abdrücken. Aber was soll's - es ist mir die Sache Wert. Jetzt kann ich auf Shows oder in Schulen gehen, bzw. mich mit den Viechern auf öffentlichen Plätzen/Straßen bewegen.

Der Broker meiner Grundstückshaftpflicht hat erneut bestätigt, dass "they are covered if someone visits the property and gets bitten, kicked or they are out on the road and cause an accident."

Stellt sich nun die Frage, ob ich mich doch für die anstehende Country Show anmelden soll? Bin noch immer unschlüssig, werde es aber vom übernächsten Samstag abhängig machen. Da findet der monatliche Markt statt, an dem ich schon die längste Zeit teilnehmen wollte, allerdings war immer irgendwas - meistens schlechtes Wetter. Falls also unser Auftreten ein Erfolg oder zumindest kein Disaster wird, dann melde ich mich bei der Show an. Habe noch bis Ende Oktober Zeit, will mich aber möglichst bald unter Druck setzen entscheiden.

Mittwoch, 18. September 2019

Mahlzeit

Die schauen mich mit dem A*** nicht an. So schaut es aus, wenn ich sie für ihr Frühstück rufe:



Nicht nur, dass sie nicht daher kommen, sie legen sich auch noch demonstrativ nieder.

Ihr Abendbrot kann ich auch wieder mitnehmen - weder Heu 



noch chaff (normalerweise wird es regelrecht inhaliert) werden gefressen. Trinken tun sie auch nicht!

Und weil ich ja immer glaube, sie sind kurz vorm verhungern, bzw. ich immer Angst habe, es könnte ihnen was abgehen, habe ich letzte Woche für $ 550,- barley straw gekauft! Hab den ganzen Vormittag gebraucht den LKW zu entladen und die 84 Ballen ordentlich zu schlichten.





Na ja, der Sommer ist nicht mehr weit, dann ist Schluss mit dem Grünzeug auf der Koppel. Und das Stroh hat kein Ablaufdatum. Passt scho!

Montag, 16. September 2019

Verschiedenes

Sonntag | Eigentlich hatte ich vor, mit dem wagon-Training fortzufahren. Ein Bekannter war organisiert mir zu helfen. Kurzfristig sagte ich ab, es war mir einfach zu stürmisch. Keine Ahnung, wie sich das Gefährt unter diesen Bedingungen verhält, noch weniger, wie die Kamele reagieren, wenn sie eh schon Stress durchs angespannt sein haben.
Jedenfalls bin ich seit langem mal wieder die 11 km Runde gefahren: um 09.00 Uhr das Grundstück verlassen und um 11.30 Uhr zurück gewesen. Wir trafen in den 2,5 Stunden nicht ein einziges Auto, die Polizei sollte also keine Beschwerde erhalten.
Ich mache einfach weiter: ich habe einen gewalttätigen Ehemann ausgehalten, Brustkrebs überwunden und bin von drei Kamelen überrannt worden - um nur einige highlights meines 65jährigen Lebens anzusprechen. Da müssen schon andere Kaliber aufgefahren werden, um mich zu stoppen. 'Haters gonna hate' - ist halt so.

Versicherung | Noch immer keine Antwort. Die wollen anscheinend kein Geschäft machen. Jetzt habe ich eine Versicherung direkt angemailt - ohne Broker. Mal sehen, ob da was weitergeht.

Show | Ich bin mir noch immer unsicher, wie und ob ich weitermachen soll. Eventuell ein kleiner Stand ohne die Anwesenheit der Kamele? Nur präsent sein, gesprächsbereit, ein paar Kleinigkeiten verkaufen? Oder soll ich den Hut drauf hauen und mich nur auf meine eigenen Sachen konzentrieren? Muss noch eine Weile nachdenken.

Wetter | Für diesen 'Frühling' brauchts einen guten Kreislauf.



Gestern im T-shirt geschwitzt, heute wieder die Heizung angeschmissen. Die Kamele verbringen den Tag in der Arena. Wir erreichten die schützende Unterkunft gerade rechtzeitig bevor der Regen begann. Ich glaube es ist das erste Mal, dass sie mir gerne folgten.

Neubau | Der Schreiner hatte seine Gegenwart für heute angekündigt. Er wollte die gestrichenen Türen montieren und Eckleisten anbringen. Damit wäre er fürs erste fertig - es fehlt 'nur' noch eine neue Eingangstür. Dreimal darf man raten wer nicht kam 😷?



Montag, 9. September 2019

Better save than sorry!

Gerne würde ich die Kamele mehr in der Öffentlichkeit präsentieren. Sie sollen lernen, mit Stress-Situation gelassen umzugehen, Nervosität und Angst abzulegen.

Aus diesem Grunde habe ich Komitees von aktuellen Country Shows angeschrieben, mit unterschiedlichem Ergebnis. Die einen haben sich überhaupt nicht gemeldet und waren auch nach telefonischer Nachfrage zu keiner Antwort bereit (aber 'keine Antwort ist auch eine Antwort' 😒), die anderen haben gleich abgewunken ('we already have an animal group that has camels attending this year and so therefore are unable to accommodate you at our event') während die lokalen Veranstalter sich ganz begeistert zeigten.

Sie schickten mir die Unterlagen für die Anfang November stattfindende Show. Als ich begann das Formular auszufüllen, stieß ich auf den Punkt, dass der Teilnehmer ein 'certificate of public liability' vorzuweisen hat! Nun, da ich kein Geschäft betreibe, verfüge ich nicht über eine solche Versicherung - nur über eine Haftpflichtversicherung, die mein Grundstück betrifft. Also habe ich mein Interesse an der Teilnahme wieder rückgängig gemacht, was mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde: ..."oh no, let's try and work something out!"...

Sie wären wohl mit meiner Haftpflichtversicherung fürs Grundstück zufrieden, aber Lailas Aktion neulich hat mich nachdenklich gemacht. Ich will die Kamele zwar als 'sanfte Riesen' verkaufen, weiß aber genau, dass ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko besteht. Ich kann meine Augen nicht überall haben, muss vielleicht mal kurz die Lokalität verlassen - was ist wenn....?

Seit einigen Wochen versuche ich nun bei verschiedenen Brokern eine Haftpflichtversicherung für die drei abzuschließen. Beantworte eine Frage nach der anderen - aber es geht nichts weiter ... 'the cover you require is relatively high risk and not all insurers will want to insure this'...

TBC

Dienstag, 27. August 2019

Vertrauen

"Trust based camel training" war das Motto von einem in der FB-Welt nicht sehr beliebten Paares, dass sich hauptberuflich mit dem Training von Kamelen bzw. ihren Besitzern beschäftigt. Sie sind eloquent in ihrer Ausdrucksweise und mögen theoretisch gute Ideen haben, praktisch sind sie Verlierer (habe einige Horrorgeschichten über ihre tatsächlichen Trainingsmethoden gehört). Wie auch immer, dieses "trust based" kommt in der Trainingswelt (auch bei Pferdeleuten) immer wieder hoch und dauernd frage ich mich, wer traut wem? Das Vieh soll mir vertrauen oder ich ihm?

Gestern Morgen beuge ich mich wie gewohnt herab, um Laila die Fußfesseln abzunehmen. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie sie sich zu mir herabbeugt und im selben Moment verspüre ich einen Schlag am Hinterkopf und ein brennendes rechtes Ohr. Hat mich das Rabenaas tatsächlich gebissen! Ich war so perplex, dass ich gar nicht reagierte, mir nur das Ohr abtastete, ob es blutet. Ich hatte mein Kopftuch umgebunden, was wohl schlimmeres verhindert hat, weh tat es trotzdem. Wenn Jamahl mich beißt zu beißen versucht, geht reflexartig meine Hand hoch und ich schmiere ihm eine. Ich weiß, ich sollte es nicht tun - Gewalt erzeugt Gegengewalt - aber ich kann diese Reaktion nicht unterdrücken. Bei Laila tat ich gar nichts, so unvermutet und schnell kam die Attacke. Ich stand nur da und ergab mich meines Schmerzes. Es war weniger der physische Schmerz - das Ohr war noch am Schädel, kein Blut, also wird es schon wieder gut werden - eher die Erkenntnis, das MEINE geliebte Laila mir so was antut. Es sind halt Viecher, und man sollte ihnen nicht trauen. Sie sollen mir vertrauen, spüren/wissen, dass ich immer das Beste für sie will.

Oder auch nicht, eigentlich sollen sie mir nur gehorchen und mich nicht verletzen. Mich nicht beißen, ausknocken oder überrennen.

Mein Motto "Trust in God but tie your camel" hat sich mal wieder bestätigt.

Sonntag, 25. August 2019

Wo sich eine Tür schließt...

Es gibt hier tatsächlich eine Rennbahn! 


Kürzlich standen dort einige Pferdeanhänger - ein ungewöhnlicher Anblick. Sonst sieht man vielleicht mal ein paar Schafe den Rasen mähen, das Eingangstor ist i.d.R. verschlossen.

Hm, dachte ich. Wenn man den Pferdebesitzern erlaubt dort zu trainieren, warum nicht auch Kamelbesitzern?

Erste Anlaufstelle war die 'heimliche' Chefin des Ortes, Dianne - die Herrin der Postfächer. Täglich zwischen 09.00 und 10.00 Uhr befindet sie sich bei der Verteilerstelle und wartet auf die Lieferung. 'Wen muss ich fragen, wenn ich das oval benutzen will?' Sie grinste mich an: 'Ich habe die Schlüssel!'

Eine 'gmahte Wiesen' für mich, wie man so schön auf österreichisch sagt. Wir verstehen uns gut, ich erzählte ihr von dem Polizeibesuch und erhielt von ihr die Generalvollmacht, das Gelände nach belieben aufsuchen zu können.


Nachdem es an den vergangenen zwei Sonntagen geregnet und gestürmt hatte, war heute der Tag des Erstbesuchs. Beinahe hätte ich wieder verschieben müssen, weil Ali seit Mittwoch hinkt. Das linke Vorderbein tut weh. Am Freitag verabreichte ich ihr Schmerzmittel und legte einen Verband an (die Sohle schaut wie ein Mondkrater aus), heute lief sie fast normal. Ein flotter Gang über die Wege würde die unebene Fußsohle etwas abschmirgeln - so mein Gedanke.

Für den kurzen Weg zum oval hängte ich die drei an den Anhäger im vollen Bewusstsein des zivilen Ungehorsams. Sollen sie mich doch verhaften. Nach einigen Runden kehrte ich heim, genug Aufregung für die Kamele. Sie waren noch nie dort und somit völlig aus dem Häuschen. Laila schubste und drängelte Ali (was zum Verlust eines Teiles vom Anhäger führte und ich später danach suchen musste) und biss Jamahl ständig in den Nacken. Nächstes Mal verpasse ich ihr einen Beißkorb.

Wenn sie den Weg und das Gelände genügend kennen, werde ich mit dem wagon Training anfangen. Dort ist genug Platz zum rangieren und ich muss nicht die öffentliche Straße benutzen. Mein Grundstück ist wegen der vielen Pflanzen sehr beengt.

Der Herr Molière hat schon Recht mit seinem o.a. Spruch: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere!