Montag, 11. November 2019

Zurück in den Alltag

Tatsächlich schon wieder fast drei Wochen seit der Rückkehr vergangen. Die Zeit fliegt dahin.

Nicht viel gemacht. Also direkt mit den Kamelen. Indirekt schon so einiges.

Sattel | So war ich bei Sattler und habe Lailas Sattel abgegeben. Er will versuchen, die Eisenstangen um 10 cm auseinander zu biegen, um das Gestell meinen fatties anzupassen. Der Satteldruck hat mich schon sehr erschreckt. Die Polster müssen auch verkleinert werden - habe neulich auf Instagram gesehen, wie jemand eine Wollpresse eingesetzt hat, um sie zu verschmälern. In Ermangelung einer Presse schlug ich vor, kurzerhand mit dem Auto drüber zufahren. Der Sattler schaute mich zwar ungläubig an, aber dann haben wir die Idee in die Tat umgesetzt. Hat nicht viel geholfen. Wahrscheinlich müssen die Räder für einen längeren Zeitraum auf den Polstern stehen.
Desweiteren müssen die Halsriemen von Jamahls Sattel verlängert werden - ebenso wie die Gurte vom Brustgeschirr. Da hat der Herr Sattler einiges zu tun. Wir haben so lange gequatscht gefachsimpelt, bis die Chance auf ein lecker Mittagessen beim Inder vertan war. Der schließt um 14.30 Uhr und ich verabschiedete mich vom Sattler um 14.20 Uhr.

Reparatur | Der Rückspiegel vom LKW wurde erneuert. Keine Ahnung, wann genau der auf der Reise kaputt ging, wahrscheinlich, als wir in die yards mit den 40 Kamelen gefahren sind. Irgendein ungestümer Geselle ist wohl gegen den Spiegel gedonnert und der wurde durch die blöd angebrachte Antenne vom UHF Radio abrupt gestoppt. Da der Rückspiegel elektrisch bewegt wird und es entsprechend aufwendig ist einen neuen zu besorgen bzw. zu montieren, hat mich dieser kleine Zwischenfall dazu gezwungen, tief in die Tasche greifen zu lassen ($ 1.188).

Futter | Weiter geht's mit Ausgaben: $ 300 für 20 Ballen Luzerne - frisch vom Feld. Sie warten schon seit einer Woche darauf entladen zu werden. Habe aber immer schöne Ausreden parat - meistens ist das Wetter in Schuld. So stürmisch die meiste Zeit, da fliegt das Heu durch die Gegend noch bevor es seinen Platz erreicht. 

Bewegung | Gestern, Sonntag, war es recht angenehm und so bewegte ich die Kamele mal wieder. Eine Runde am Hänger gebunden, die gravel road entlang. Ein Auto hat uns überholt - waren Touristen mit Camping Sachen auf der Ladefläche, zwei Autos sind vor mir in eine Kreuzung eingebogen. Bis jetzt keine polizeiliche Beschwerde (ich werde noch paranoid). 

Normalität | Während ich anfangs dachte, die Kamele haben durch die Interaktion mit ihren Artgenossen einen Entwicklungsschub erfahren, sprich sie wären ruhiger und ausgeglichener, ist jetzt alles wie gehabt. Laila sitzt wieder auf Ali und jagt Jamahl übers Gelände. Ali ließ sich in den vergangenen Tagen nur ungern bürsten, versuchte zu treten und zu schnappen, ihr Höcker schmerzt von dem ständigen aufreiten - also werden sie tagsüber getrennt und nachts muss Laila Fußfesseln tragen! 





Montag, 4. November 2019

Unbedingt anschauen!

In den nächsten 10 Tagen kann der Film 'JUDAS COLLAR' kostenlos angesehen werden.
Unbedingt eine Packung Taschentücher bereitlegen - sie werden von Nutzen sein 😭

Ein 'wildes' Kamel wird narkotisiert, mit einem Peilsender versehen und zu seiner Herde entlassen. Professionelle Schützen knallen die Artgenossen vom Hubschrauber aus ab, vernichten alle - bis auf das Tier, welches das Halsband trägt. Als Herdentier macht sich das einsame Kamele auf die Suche nach neuen Kumpels und verrät durch den Sender dem Jäger, wo sich neue 'Beute' befindet.

Der Film kommt ohne Text aus. Am Ende erfährt der Zuschauer, dass seit 2009 160.000 Kamele mit Hilfe des 'JUDAS HALSBANDES' erschossen (und zur Verwesung liegen gelassen) wurden. Es gibt aber einige clevere Tiere, die den Sinn erfasst haben und alleine bleiben - um ihre Freunde nicht zu gefährden!

Samstag, 2. November 2019

Oktoberfest (4/4)

Eigentlich hatten wir bis zum 24.10. gebucht, aber ein Blick auf die Wettervorhersage bewog mich zu einer Planänderung. Die Prognose lautete:

Mittwoch, den 23.10. 35°C
Donnerstag, den 24.10. 38°C!

Im Schatten! Wo wir uns bewegten war kein Schatten! Steinwüste, ja. Sanddünen, ja. Aber kein Schatten. Das macht kein Spaß. V.a. unter Berücksichtigung des ungewöhnlichen Tagesablaufs und Zeitmanagements.

Vormittags die Zeit vertrödeln und wenn es richtig schön reinknallt die Kamele beladen und zur Mittagshitze losmarschieren? Das kann man im Winter machen. Ginge es nach mir, würde ich gleich nach dem Frühstück satteln und losziehen, wenn es heiß wird ein Päuschen einlegen und am Spätnachmittag 'shepherden' gehen, sprich die Viecher unter Aufsicht fressen lassen.

Montag, der 21.10. war schon heiß genug. Nicht nur wegen der Temperaturen (29°C), sondern wegen einer außertourlichen Aktion. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der schnarrende Laut des Funkgerätes unterbrach abrupt die magische Ruhe der vor sich hinstampfenden Karawane. Uns war nicht wirklich nach Konversation zumute - die sandigen Dünen machten jeden Schritt beschwerlich. Die Kamele bewegten sich fast lautlos, nur ihrer Sättel quietschten ab und zu.

Also das Funkgerät machte sich geräuschvoll bemerkbar. Das Begleitfahrzeug mit seinem Anhänger sei  stecken geblieben, ließ der Fahrer, ein junger Backpacker vernehmen. 'Yeap, can happen', meinte die Leiterin. Sei ihr auch schon passiert. Sie wies ihn an, nichts zu unternehmen, um die Situation nicht zu verschlimmern.

Wir guckten wie die Uhus, als wir - endlich oben auf der Düne Nummer 2543 angekommen - plötzlich dem Auto gegenüber standen! WTF? Wie ist der Traumtänzer überhaupt bis hierher gekommen? Er hielt zwar eine Schaufel in der Hand, hatte aber noch keinen Finger gerührt.

Das wurde eine schweißtreibende langwierige Aktion. Der Gatte der Leiterin wurde herbeigefunkt, Auto und Anhänger komplett entladen, die Vehikel ausgebuddelt, samt Hänger umgedreht, und auf festem Untergrund wieder beladen. Es fiel nicht ein einziges böses Wort dabei! Hut ab vor soviel Selbstbeherrschung - ich wäre komplett ausgeflippt.



Dienstag (22.10.) war also unser letzter Wandertag. Selbe Routine wie die Tage vorher: Frühstück, 'shepherding', zum letzten Mal satteln


und losmarschieren. Mittlerweile haben sie es begriffen: wir müssen in einer Reihe hintereinander gehen. Sogar schwierige Situationen wie die Durchquerung eines dry creeks klappte wie am Schnürchen! Wörtlich genommen.

Als wir die Yards erreichten, wartete bereits ein Resteessen auf uns. Die jungen Leute waren schon ganz hibbelig und machten sich bald auf Richtung Beltana Station, wo ein Swimmingpool wartete! Eine Woche ohne Dusche kann ganz schön lang werden. Die Chefin und ihr Gatte blieben noch bei uns. Sie wollten uns am folgenden Morgen mit dem Verladen meiner Kamele helfen.

Wie sie wohl reagieren? Ob sie es checken, dass sie von ihren neuen Freunden getrennt werden? Werden sie sich weigern, den LKW zu betreten? Ich war gespannt und äußerst überrascht, wie problemlos die Aktion verlief. Im Nu waren sie oben, als sei es das normalste der Welt. Als wir losfuhrenholperten (15 km gravel road !) beschwerten sie sich mit ein wenig brüllen, aber ansonsten standen sie wie die Stiefel. Kein verheddern unterwegs und ... das erste Mal überhaupt ... keinen Durchfall! 

Es kommt mir vor, als hätte ich neue Kamele. Seit unserer Rückkehr habe ich sie noch nicht einmal raufen gesehen oder gehört. Zweimal führte ich sie im Gänsemarsch übers Grundstück - problemlos!
Mal sehen, wie lange das anhält.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem verehrten Gast für seine rührende Mithilfe und die Überlassung seiner tollen Bilder bedanken! 



Freitag, 1. November 2019

Oktoberfest (3/4)

In der Früh hatte ich einen melt down und heulte mich bei der Leiterin aus. Es war mir plötzlich alles zuviel und ich hatte das Gefühl, versagt zuhaben:

Es wurde mir abends mitgeteilt, dass die Nachtlager neben den festgebundenen Kamelen aufzuschlagen wären. Die Mitstreiter/Backpacker/Hilfskräfte trugen ihren swag in das Dickicht und rollten ihn mitten in der Herde aus. So konnten sie nächtens etwaigen Problemen sofort auf den Grund gehen - sei es, dass sich ein Kamel in den Leinen verheddert, sich unerlaubt davon machen will oder was auch immer. Mir war es nicht möglich, mich in die Nähe der Kamele zu begeben, da ich ein Zelt besitze, jede Menge Kochutensilien, meinen ganzen Krimskrams ... sich alles in den monströsen Satteltaschen befindet und die neben den Sätteln im Lager liegen. Eine Satteltasche (incl. 20 l Trinkwasser) wiegt 38 kg - unmöglich alles ins Gebüsch zu schleppen. Die Leiterin betonte, sie werde auf meine Kamele aufpassen, was mir furchtbar peinlich, aber nun mal nicht zu ändern war.

Dann hatte ich mich auch noch verschlafen! Es war schon 06.00, als ich begann mir Tee zu kochen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, alles wieder zusammen zu packen. Die Zeit verrann und ich hatte noch keinen Blick auf meine Viecher geworfen! Was bin ich nur für ein egoistisches A***!

(Die alte Frau und ihr Gedöns 🙈 - hier noch im Wilpena Pound)

Nach einer herzlichen und tröstlichen Umarmung der Leiterin ging es mir wieder besser. Sie versprach mir, dass am Abend die Sättel und Taschen dort abgeladen werden, wo die Tiere ihre Nacht verbringen, ich mein Zelt also neben ihnen aufgeschlagen kann. Außerdem stellte ich mir für den nächsten Morgen den Wecker auf 05.00 Uhr - genug Zeit und Muße meine Routine durchzuziehen und rechtzeitig fertig zu werden.

Die Kamele wurden essen geschickt, nach zwei Stunden eingefangen und beladen.


Ein letzter prüfender Blick der Chefin auf die Sättel - dann zog die Karawane gegen 11.00 Uhr  los. Ein kleiner Umweg führte zu einer Viehtränke, wo die Kamele einen guten Schluck zu sich nahmen.


Heute wurden (wie auch in den kommenden Tagen) ca. 9 km zurückgelegt. Mein Begleiter übernahm öfter meinen string, so hatte ich viel Muße mit der Leiterin zu quatschen. Die Zeit verging wie im Flug.
An einer Weggabelung fanden wir den Hinweis der Versorgungscrew, ein kaltes Bier Wasser wartet auf uns in der 'bar' 😎



Meine drei verhielten sich so 'lala'. Zeitweise fixierte ich Jamahls Halfterkette mit Laila's Sattel, damit er nicht all zusehr pushte. Immer wieder korrigierte die Chefin die Länge der Leinen, um seine drängelnden Bewegungen einzudämmen.

Im Lager angekommen, dasselbe Prozedere wie tags zuvor: abladen, lunch einnehmen, mit den gehobbelten Kamelen fressen gehen, sie an einen Busch binden, Abendessen, Lager aufschlagen, tot umfallen!

Am nächsten Tag änderte die Chefin meinen string: als Leitkuh fungierte nun Dinny, eine resolute Führungspersönlichkeit, die Laila in die Schranken zu weisen wusste! Der Blick von Dinny, wenn Laila zu nahe kam war Gold Wert! Ein leichtes Grollen oder Schnappen zu rechten Zeit und Laila war da, wo sie hin gehörte. Das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ihren Meister gefunden hat. Herrlich anzusehen.

Auch Jamahl wurde gemaßregelt: zwischen Laila und ihm wurde Tanami platziert, ein 1000 kg bullock, der sich nicht so einfach durch die Gegend schubsen ließ. Ali behielt ihren Kontrapart: Molli spielte ihre Rolle ausgezeichnet, kein Grund sie auszuwechseln. 'Meine' Karawane bestand nun aus:

Dinny - Laila - Tanami - Jamahl - Ali - Molly


Eine perfekte Kombination, die bis zum Ende der Reise beibehalten wurde. Der einzige Nachteil war, dass Dinny nicht jede Person als Führung akzeptierte, so lief  ich nur neben- oder hinterher. Aber egal, in erster Linie geht es um die Viecher. Sie sollen kapieren, dass man gesittet hintereinander geht und trekken nicht aus drängeln, schubsen und wettlaufen besteht.


Jamahl war ziemlich k.o. Die Leiterin hatte bemerkt, dass der Sattel nach hinten verrutscht war und auf seinen linken Hüfthöcker drückte. Er bewegte sich etwas steif, so dass er am nächsten Tag die schweren Taschen nicht tragen musste. Sie fanden einen Platz im Begleitfahrzeug. 

Nächster Morgen (mittlerweile 20.10.) Erneuter Besuch einer Viehtränke:



Der Tag verlief im gewohnten Rhythmus und schien ereignislos - bis es abends ans absatteln ging: Laila hatte an ihrer rechten Schulter eine offene Druckstelle - saddle sore -wie man hier sagt. Keinen Mucks hatte sie von sich gegeben! Tapfer hat sie ihre Last tragen - die arme Maus. Eigentlich wollte ich sie am nächsten Tag reiten - tja, war wohl nix. Die nächsten Satteltaschen wanderten ins Begleitfahrzeug! Der Sattel muss vor der nächsten Nutzung alteriert werden, da geht kein Weg dran vorbei.

Dafür nahm am folgenden Tag mein Gast auf einem Kamel - Tanami - Platz und besah sich die Welt aus einer anderen Perspektive.






Donnerstag, 31. Oktober 2019

Oktoberfest (2/4)

Ich liebe den Wilpena Pound. Obwohl ich nicht schwindelfrei bin und bergsteigen gehe hasse - der 21 km Rundweg auf den Mt Mary (die höchste Erhebung von Süd Australien) und durch den Pond - will bezwungen werden. Und jedes Mal schwöre ich mir: nie wieder!!


Meine sportliche Begleitung und sein kuscheliger Freund waren sogar bis ganz auf dem Gipfel oben.


Die nächsten Tage verliefen weniger anstrengend und der letzte Wandertag bescherte uns noch DAS Highlight schlechthin, die Belohnung für alle Mühen: Der Anblick eines seltenen



Am 16.10. ging es zurück nach Beltana zu den camel yards. Wie beim letzten Mal zeigte sich zunächst Jamahl, später folgten Laila und Ali - letztere war einer Streicheleinheit nicht abgeneigt.


Um 09.30 Uhr des darauffolgenden Tages solltes es losgehen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich alles vorbereite, die Expeditionsleiterin erscheinen würde, sie mir Hilfestellung bei der richtigen Beladung der Kamele geben würde und wir dann los marschieren.

Also: der erste Teil passte! Um 09.30 Uhr waren meine Sachen bereit gelegt 😇


Doch dann kam alles ganz anders. Gegen 10.30 Uhr tauchte die Leiterin auf und gab Anweisungen, wie wir die Kamele aus dem riesigen Yard treiben. Sie und eine Begleitung benutzten Geländemaschinen, ich sollte mit meinem Auto dem Weg folgen und bei Ansicht der Kamele kräftig hupen.

Die Aktion dauerte eineinhalb Stunden, gegen Mittag waren alle Kamele vor Ort. 


Mittlerweile waren weitere Hilfskräfte aufgetaucht, 18 Kamele wurden fixiert und das satteln begann.


Drei Stunden dauerte die Aktion, es war 15.00 Uhr als wir endlich die Lokalität verließen.


Mein string bestand aus Mumpy, einer abgeklärten Leitkuh, dann folgten Laila, Jamahl und Ali; das Schlusslicht bildete Molly, ebenfalls eine erfahrene ruhige Dame.

Meine drei waren sehr nervös. Wie üblich warf sich Jamahl auf Laila und wie immer versuchte Ali seitwärts auszuweichen (diesmal allerdings erfolglos, da Molly kräftig dagegen hielt). Es ging querfeldein und die Situation beruhigte sich erst, als wir wieder einer dirt road folgten. 

Ungefähr 5 km liefen wir an diesem ersten Tag. Hört sich nicht viel an, war aber nach all den Vorbereitungen echt genug. Wir erreichten eine Stelle, an der Hilfskräfte (mehrheitlich backpacker) Essen vorbereitet hatten. Ein Anhänger voll mit allem, was ein Team - normalerweise inklusive jeder Menge Touristen - zum Leben braucht: swags, Kessel für Heißwasserzubereitung, Kühlschrank, Trinkwasser, Obst, Gemüse u.v.m.. Sogar an ein mobiles Clo wurde gedacht! Obwohl ich mich eigentlich selbst versorgen wollte, nahm ich das Angebot, an der Mahlzeit teilzunehmen, dankbar an. 


Frisch gestärkt folgte der nächste Schritt: 'shepherding' der Kamele. Die Sättel waren bereits bei der Ankunft im Lager abgenommen worden - nun wurden den Kamelen Fußfesseln angelegt, damit sie sich frei bewegen und fressen gehen konnten. Allerdings durften sie nicht aus den Augen gelassen werden, so folgten wir ihnen gemächlich und nach ca. zwei Stunden fingen wir sie wieder ein und fixierten sie an einen Strauch in der Nähe des Lagers, wo sie die Nacht verbrachten. Der erste Trekkingtag war erfolgreich beendet.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Oktoberfest (1/4)

Der Oktober neigt sich seinem Ende zu - ein Monat der sehr anregend, aufregend, interessant, abenteuerlich, anstrengend und erlebnisreich war. Dementsprechend fällt es mir schwer, das Vergangene in geordnete Worte zu fassen.

Es begann am 01.10. mit der Ankunft eines Besuchers aus Deutschland. Ein junger Mann, der mit dem Fahrrad die Welt bereist hat und zur Abwechslung das Leben als Kameltreiber kennen lernen wollte.


Die ersten Tage bestanden aus Kennenlernen und Herantasten, beide Parteien schlugen sich hervorragend. Der Besucher zeigte keine Angst und bewegte sich 'kamelgerecht', d.h. ohne hektische Bewegungen, ruhig und aufmerksam. Die Kamele akzeptierten ihn und waren freundlich gesonnen.

Einen Tag widmeten wir dem Zugtraining. Auch hier bewies der Besucher Mut und nahm beherzt auf dem Kutschbock Platz.


Die aktive Unterstützung ausnutzend, besuchte ich meinen ersten farmers market. Er ist winzig, besteht aus drei oder vier Ständen und wenigen Besuchern - gerade recht, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich fuhr mit dem LKW in das abgezäunte Gelände, was den Veranstaltern nicht zusagte. Also draußen parken und die Kamele einzeln herein führen. Sie waren nicht amused. Ali - die letzte die verladen wird und somit die erste ist, die herauskommt, brüllte wie am Spieß, lief im Kreis und kickte, was ihre Stummelfüße hergaben. Es kehrte erst Ruhe ein, als alle beieinander waren.


Ich sammelte Spenden für breastcancer awareness und plauderte mit Passanten. Kurz vor Ende kam ein Sturm auf. In Windeseile bauten wir alles ab und verluden die Kamele. Die Veranstalter ließen mich mit dem LKW an die Tiere heranfahren, was die Aktion erleichterte. Ali spielte trotzdem blöd und konnte erst dazu bewegt werden einzusteigen, als ich die Rampe mit einer Mülltonne begrenzte. 

Dann sah ich folgende Anzeige auf FB:

Camel enthusiast news!
We’re setting our 2020 calendar and looking at how we can support upcoming cameleers.
We’ve had enquires from some of you requesting to bring your own camels out on treks, this however is not an ideal situation for us to support learning when we are attending to guest experiences with our own average of 17 camels on treks.
...
In 2020 we are considering hosting one 9 day trek that camel owners can turn up with their own camel for assistance on how best to lead strings and manage an extended journey with either pack or riding camels. It also might be that you don’t yet have camels but want to learn what a trekking environment looks like.

Ich konnte nicht anders und fragte vorsichtig an, ob sie nicht einen Probelauf machen wollten? Noch in diesem Jahr? Nächste Woche? Mit mir, meinem Gast und drei Kamelen? Was soll ich sagen: Die Betreiberin der Company sagte zu und es war beschlossene Sache: eine Woche trekken auf Beltana Station unter Anleitung erfahrener Kamelbesitzer! Herz, was willst Du mehr.

Mein Besucher half mir, das nötige Equipment zu sortieren, verpacken und verladen. Vorher noch einkaufen gehen - wir wollten schließlich Selbstversorger sein - so gingen einige Tage der Vorbereitung ins Land.

Am 10.10. um 08.00 Uhr verließen wir das Grundstück. Mein Begleiter fuhr mein Auto, auf der Ladefläche Teddy und Oscar, die wir unterwegs in einer Hundepension absetzten. Die Kamele im LKW plus ... allem: Sättel, 9x20 l Trinkwasser, voller Wasser- und Dieseltank, Essen, Ersatzteile, Notfallausrüstung, Satteltaschen, Gewehr ... you name it, we've got it 😀.

Die Fahrt bis Beltana verlief gemütlich. Wird legten extra Zwangspausen ein, um nicht zu früh anzukommen. Vereinbart war: 17.00 Uhr an der Abzweigung der B83 zur station, was wir locker schafften. Dann begann die eigentlich Herausforderung: 15 km schlimme dirt road. Richtig schlimm. Mit Wellblech ohne Ende, die Kamele wurden ordentlich durchgerüttelt. Aber auch das ging vorbei und schließlich erreichten wir die camel yards. Ein ungefähr 10 km² großes mit Büschen bewachsenes Gelände mit 37 Kamelen! Kamelhimmel, falls es sowas gibt. Ich führte meine drei vom LKW, entfernte ihre Halfter und Halsbänder und entließ sie in die neugierige Schar. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie Ali und Jamahl weg waren. Laila zeigte sich desorientiert. Sie wurde von einem feschen, gleichaltrigen bullock namens Zaki in Empfang genommen, ließ sich ca. 30 m entführen, drehte sich dann um und kehrte zu uns zurück. Ganz große Augen hatte sie, brüllte ein paar Mal irritiert, um schlussendlich wieder Anschluss an ihren Verehrer zu finden.

Mir war etwas mulmig ob der gigantischen Überzahl so vieler Höckertiere. Ob sie meine verwöhnten Spacken in Einzelteile zerlegen? Ob sie in Panik davonlaufen?

Am nächsten Morgen kehrte ich ungeduldig zu den Yards zurück. Der laufende Motor meines Autos und ermunternde Rufe, sowie die diskrete Andeutung, dass ein 20 kg Sack Möhren darauf wartet seine Abnehmer zu finden, ließen die Kamele recht schnell zum Tor kommen. Aus allen Richtungen strömten sie herbei. 



Ob ich meine drei wieder erkenne? Das ist kein Witz. Ich hatte tatsächlich Bedenken, meine drei mit den anderen zu verwechseln. Aber es bestand keine Gefahr. Als erstes schlenkerte Jamahl heran. Sein Gang mit den langen Haxen ist unverkennbar. Er hatte kaum Chance eine Karotte zu ergattern, schenkte mir aber ein leichtes Beben der Nüstern als Zeichen der Begrüßung. Ach, war ich glücklich. Ali und Laila folgten kurze Zeit später. Laila würdigte uns keines Blickes, war ausnahmslos mit den anderen Kollegen beschäftigt, Ali ließ sich dazu herab (eine Möhre als Bestechung) ihren Bart kraulen zu lassen.

Eine Woche sollten sie dort bleiben. Wir packten unsere Sachen und fuhren zum Wilpena Pound. Zelten und wandern waren angesagt.






Sonntag, 29. September 2019

Kräftemessen

Zur Zeit raufen und blubbern alle drei als gäbe es kein Morgen.



In der Früh fand ich Jamahl und Laila völlig verdreckt vor: ihr Fell im Halsbereich und an den Vorderbeinen war klebrig-feucht und stellenweise blutig. Laila hat eine Schnittwunde unterhalb des linken Kniegelenks



sowie eine Schürfwunde im Bereich ihres linken Auges.


Wie das passieren konnte ist mir ein Rätsel. Eigentlich hat doch der Frühling angefangen, da sollte die Brunftzeit vorbei sein? Ich hoffe, es ist nur ein letztes Aufbäumen und die Gemüter beruhigen sich bald.

Heute wieder eine Runde mit Anhäger gedreht: drei Auto kamen uns in den zwei Stunden entgegen und eine Handvoll Motorradfahrer: sie waren sehr rücksichtsvoll und tuckerten langsam an uns vorbei - alles im grünen Bereich.



Samstag, 28. September 2019

Endlich!

Ab 01.Oktober sind sie haftpflichtversichert!

Es hat fünf Anläufe gebraucht, bis eine Versicherung bereit war, meine Kohle gnädigerweise anzunehmen. Und zwar nicht wenig: $ 1.685,26 Jahresprämie darf ich abdrücken. Aber was soll's - es ist mir die Sache Wert. Jetzt kann ich auf Shows oder in Schulen gehen, bzw. mich mit den Viechern auf öffentlichen Plätzen/Straßen bewegen.

Der Broker meiner Grundstückshaftpflicht hat erneut bestätigt, dass "they are covered if someone visits the property and gets bitten, kicked or they are out on the road and cause an accident."

Stellt sich nun die Frage, ob ich mich doch für die anstehende Country Show anmelden soll? Bin noch immer unschlüssig, werde es aber vom übernächsten Samstag abhängig machen. Da findet der monatliche Markt statt, an dem ich schon die längste Zeit teilnehmen wollte, allerdings war immer irgendwas - meistens schlechtes Wetter. Falls also unser Auftreten ein Erfolg oder zumindest kein Disaster wird, dann melde ich mich bei der Show an. Habe noch bis Ende Oktober Zeit, will mich aber möglichst bald unter Druck setzen entscheiden.

Mittwoch, 18. September 2019

Mahlzeit

Die schauen mich mit dem A*** nicht an. So schaut es aus, wenn ich sie für ihr Frühstück rufe:



Nicht nur, dass sie nicht daher kommen, sie legen sich auch noch demonstrativ nieder.

Ihr Abendbrot kann ich auch wieder mitnehmen - weder Heu 



noch chaff (normalerweise wird es regelrecht inhaliert) werden gefressen. Trinken tun sie auch nicht!

Und weil ich ja immer glaube, sie sind kurz vorm verhungern, bzw. ich immer Angst habe, es könnte ihnen was abgehen, habe ich letzte Woche für $ 550,- barley straw gekauft! Hab den ganzen Vormittag gebraucht den LKW zu entladen und die 84 Ballen ordentlich zu schlichten.





Na ja, der Sommer ist nicht mehr weit, dann ist Schluss mit dem Grünzeug auf der Koppel. Und das Stroh hat kein Ablaufdatum. Passt scho!

Montag, 16. September 2019

Verschiedenes

Sonntag | Eigentlich hatte ich vor, mit dem wagon-Training fortzufahren. Ein Bekannter war organisiert mir zu helfen. Kurzfristig sagte ich ab, es war mir einfach zu stürmisch. Keine Ahnung, wie sich das Gefährt unter diesen Bedingungen verhält, noch weniger, wie die Kamele reagieren, wenn sie eh schon Stress durchs angespannt sein haben.
Jedenfalls bin ich seit langem mal wieder die 11 km Runde gefahren: um 09.00 Uhr das Grundstück verlassen und um 11.30 Uhr zurück gewesen. Wir trafen in den 2,5 Stunden nicht ein einziges Auto, die Polizei sollte also keine Beschwerde erhalten.
Ich mache einfach weiter: ich habe einen gewalttätigen Ehemann ausgehalten, Brustkrebs überwunden und bin von drei Kamelen überrannt worden - um nur einige highlights meines 65jährigen Lebens anzusprechen. Da müssen schon andere Kaliber aufgefahren werden, um mich zu stoppen. 'Haters gonna hate' - ist halt so.

Versicherung | Noch immer keine Antwort. Die wollen anscheinend kein Geschäft machen. Jetzt habe ich eine Versicherung direkt angemailt - ohne Broker. Mal sehen, ob da was weitergeht.

Show | Ich bin mir noch immer unsicher, wie und ob ich weitermachen soll. Eventuell ein kleiner Stand ohne die Anwesenheit der Kamele? Nur präsent sein, gesprächsbereit, ein paar Kleinigkeiten verkaufen? Oder soll ich den Hut drauf hauen und mich nur auf meine eigenen Sachen konzentrieren? Muss noch eine Weile nachdenken.

Wetter | Für diesen 'Frühling' brauchts einen guten Kreislauf.



Gestern im T-shirt geschwitzt, heute wieder die Heizung angeschmissen. Die Kamele verbringen den Tag in der Arena. Wir erreichten die schützende Unterkunft gerade rechtzeitig bevor der Regen begann. Ich glaube es ist das erste Mal, dass sie mir gerne folgten.

Neubau | Der Schreiner hatte seine Gegenwart für heute angekündigt. Er wollte die gestrichenen Türen montieren und Eckleisten anbringen. Damit wäre er fürs erste fertig - es fehlt 'nur' noch eine neue Eingangstür. Dreimal darf man raten wer nicht kam 😷?



Montag, 9. September 2019

Better save than sorry!

Gerne würde ich die Kamele mehr in der Öffentlichkeit präsentieren. Sie sollen lernen, mit Stress-Situation gelassen umzugehen, Nervosität und Angst abzulegen.

Aus diesem Grunde habe ich Komitees von aktuellen Country Shows angeschrieben, mit unterschiedlichem Ergebnis. Die einen haben sich überhaupt nicht gemeldet und waren auch nach telefonischer Nachfrage zu keiner Antwort bereit (aber 'keine Antwort ist auch eine Antwort' 😒), die anderen haben gleich abgewunken ('we already have an animal group that has camels attending this year and so therefore are unable to accommodate you at our event') während die lokalen Veranstalter sich ganz begeistert zeigten.

Sie schickten mir die Unterlagen für die Anfang November stattfindende Show. Als ich begann das Formular auszufüllen, stieß ich auf den Punkt, dass der Teilnehmer ein 'certificate of public liability' vorzuweisen hat! Nun, da ich kein Geschäft betreibe, verfüge ich nicht über eine solche Versicherung - nur über eine Haftpflichtversicherung, die mein Grundstück betrifft. Also habe ich mein Interesse an der Teilnahme wieder rückgängig gemacht, was mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde: ..."oh no, let's try and work something out!"...

Sie wären wohl mit meiner Haftpflichtversicherung fürs Grundstück zufrieden, aber Lailas Aktion neulich hat mich nachdenklich gemacht. Ich will die Kamele zwar als 'sanfte Riesen' verkaufen, weiß aber genau, dass ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko besteht. Ich kann meine Augen nicht überall haben, muss vielleicht mal kurz die Lokalität verlassen - was ist wenn....?

Seit einigen Wochen versuche ich nun bei verschiedenen Brokern eine Haftpflichtversicherung für die drei abzuschließen. Beantworte eine Frage nach der anderen - aber es geht nichts weiter ... 'the cover you require is relatively high risk and not all insurers will want to insure this'...

TBC

Dienstag, 27. August 2019

Vertrauen

"Trust based camel training" war das Motto von einem in der FB-Welt nicht sehr beliebten Paares, dass sich hauptberuflich mit dem Training von Kamelen bzw. ihren Besitzern beschäftigt. Sie sind eloquent in ihrer Ausdrucksweise und mögen theoretisch gute Ideen haben, praktisch sind sie Verlierer (habe einige Horrorgeschichten über ihre tatsächlichen Trainingsmethoden gehört). Wie auch immer, dieses "trust based" kommt in der Trainingswelt (auch bei Pferdeleuten) immer wieder hoch und dauernd frage ich mich, wer traut wem? Das Vieh soll mir vertrauen oder ich ihm?

Gestern Morgen beuge ich mich wie gewohnt herab, um Laila die Fußfesseln abzunehmen. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie sie sich zu mir herabbeugt und im selben Moment verspüre ich einen Schlag am Hinterkopf und ein brennendes rechtes Ohr. Hat mich das Rabenaas tatsächlich gebissen! Ich war so perplex, dass ich gar nicht reagierte, mir nur das Ohr abtastete, ob es blutet. Ich hatte mein Kopftuch umgebunden, was wohl schlimmeres verhindert hat, weh tat es trotzdem. Wenn Jamahl mich beißt zu beißen versucht, geht reflexartig meine Hand hoch und ich schmiere ihm eine. Ich weiß, ich sollte es nicht tun - Gewalt erzeugt Gegengewalt - aber ich kann diese Reaktion nicht unterdrücken. Bei Laila tat ich gar nichts, so unvermutet und schnell kam die Attacke. Ich stand nur da und ergab mich meines Schmerzes. Es war weniger der physische Schmerz - das Ohr war noch am Schädel, kein Blut, also wird es schon wieder gut werden - eher die Erkenntnis, das MEINE geliebte Laila mir so was antut. Es sind halt Viecher, und man sollte ihnen nicht trauen. Sie sollen mir vertrauen, spüren/wissen, dass ich immer das Beste für sie will.

Oder auch nicht, eigentlich sollen sie mir nur gehorchen und mich nicht verletzen. Mich nicht beißen, ausknocken oder überrennen.

Mein Motto "Trust in God but tie your camel" hat sich mal wieder bestätigt.

Sonntag, 25. August 2019

Wo sich eine Tür schließt...

Es gibt hier tatsächlich eine Rennbahn! 


Kürzlich standen dort einige Pferdeanhänger - ein ungewöhnlicher Anblick. Sonst sieht man vielleicht mal ein paar Schafe den Rasen mähen, das Eingangstor ist i.d.R. verschlossen.

Hm, dachte ich. Wenn man den Pferdebesitzern erlaubt dort zu trainieren, warum nicht auch Kamelbesitzern?

Erste Anlaufstelle war die 'heimliche' Chefin des Ortes, Dianne - die Herrin der Postfächer. Täglich zwischen 09.00 und 10.00 Uhr befindet sie sich bei der Verteilerstelle und wartet auf die Lieferung. 'Wen muss ich fragen, wenn ich das oval benutzen will?' Sie grinste mich an: 'Ich habe die Schlüssel!'

Eine 'gmahte Wiesen' für mich, wie man so schön auf österreichisch sagt. Wir verstehen uns gut, ich erzählte ihr von dem Polizeibesuch und erhielt von ihr die Generalvollmacht, das Gelände nach belieben aufsuchen zu können.


Nachdem es an den vergangenen zwei Sonntagen geregnet und gestürmt hatte, war heute der Tag des Erstbesuchs. Beinahe hätte ich wieder verschieben müssen, weil Ali seit Mittwoch hinkt. Das linke Vorderbein tut weh. Am Freitag verabreichte ich ihr Schmerzmittel und legte einen Verband an (die Sohle schaut wie ein Mondkrater aus), heute lief sie fast normal. Ein flotter Gang über die Wege würde die unebene Fußsohle etwas abschmirgeln - so mein Gedanke.

Für den kurzen Weg zum oval hängte ich die drei an den Anhäger im vollen Bewusstsein des zivilen Ungehorsams. Sollen sie mich doch verhaften. Nach einigen Runden kehrte ich heim, genug Aufregung für die Kamele. Sie waren noch nie dort und somit völlig aus dem Häuschen. Laila schubste und drängelte Ali (was zum Verlust eines Teiles vom Anhäger führte und ich später danach suchen musste) und biss Jamahl ständig in den Nacken. Nächstes Mal verpasse ich ihr einen Beißkorb.

Wenn sie den Weg und das Gelände genügend kennen, werde ich mit dem wagon Training anfangen. Dort ist genug Platz zum rangieren und ich muss nicht die öffentliche Straße benutzen. Mein Grundstück ist wegen der vielen Pflanzen sehr beengt.

Der Herr Molière hat schon Recht mit seinem o.a. Spruch: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere!

Sonntag, 18. August 2019

Enttäuscht auf allen Linien

Ok, ein etwas dramatischer Titel, aber:

  • Das Interview auf SBS hat Null Reaktionen hervorgebracht. Keine einzige Anfrage, Nachfrage, Kritik - gar nichts. Als wenn es niemals stattgefunden hätte. Mein Bestreben, als Sprachrohr für die sanften Riesen zu agieren, gestaltet sich schwieriger als erwartet. Das erinnert mich an die Eröffnung meiner Kleintierpraxis 1984. Am Montag eröffnet und trotz Werbung (im Rahmen des Möglichen, da Freiberuflern aktive Werbung untersagt war) konnte ich meinen ersten Patienten am Samstag (!) Nachmittag behandeln. Es dauert halt einfach, wichtig ist am Ball zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.
  • In Zusammenarbeit mit dem lokalen Cartoonisten habe ich ein süßes Logo - als humorvolle Anregung an die Damenwelt, sich unbedingt einer Mammographie zu unterziehen - entworfen.
    Sowohl Aufkleber fürs Auto ($ 3,-) als auch T-Shirts (ca. $ 20,-) können käuflich erworben werden. Der Überschuss geht an die Krebsforschung - kein einziger hat bis jetzt was gekauft. Auch hier muss ich wohl geduldig sein und weiter die Werbetrommel rühren.
  • Der Polizeibesuch nagt natürlich an mir. V.a. das Gefühl, Feinde in der näheren Umgebung zu haben. 'Feinde' ist vielleicht übertrieben, halt Leute, die mir nicht gut gesinnt sind. Hoffentlich werden sie ihren Unmut nicht eines Tages an meinen Viechern auslassen. Da kommen die Erinnerungen an den Verlust von Clare und Coober wieder hoch: wäre ich eine 'local', dann hätten die Farmer meine Hunde sicher nicht erschossen/oder 'put away', wie mir gesteckt wurde. Ich weiß ja bis heute nicht, wie sie ums Leben gekommen sind.
  • Am Freitag folgte ich einer Einladung in die örtliche Bücherei. Ein Autor stellte sein Buch vor und es wurde angekündigt "he will also talk about self-publishing and researching his book, which is sure to be of interest to inspiring writers". Der Inhalt seines Buches interessierte mich überhaupt nicht - irgendwas über die vergangenen Zeiten der Eisenbahn in Australien - aber der Part über das self-publishing. Vielleicht schreibe ich ja mal meine Memoiren? Ich bin extra eine Stunde zu spät aufgeschlagen, um mir die Eisenbahn-Geschichte zu ersparen und wartete gespannt auf den zweiten Teil ... der nicht kam. Ich sprach ihn im Anschluss an den Vortrag darauf an. Am besten ich benutze die google- Suchmaschine, war sein Vorschlag. Aha! Guter Tip, wäre ich nie drauf gekommen 😒.
  • Letzte Woche verbrachten die Kamele auf Grund des schlechten Wetters fünf Tage in der Arena. Und sie sind die einzigen, die mich nicht enttäuscht haben 😀: wie zu erwarten haben sie aus lauter Langeweile das Sieb vom zweiten Tank zerlegt. Hoffe nur, dass sie die Einzelteile nicht geschluckt haben. Es besteht aus Metall, ist also unverdaulich und kann im schlimmsten Fall einen Darmverschluss hervorrufen. Die alte Frau durfte sich wieder mit Reparaturarbeiten beschäftigen.

Donnerstag, 8. August 2019

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Fangen wir mit den schlechten Zeiten an.

Um 13.59 Uhr klingelte das Handy: der Herr police officer stand vor meinem Tor und fragte an, ob ich daheim sei. Hat er sich doch erneut die Mühe gemacht, unangemeldet bei mir aufzutauchen. Muss also ziemlich wichtig sein! Ich zeigte ihm meinen Anhänger (das Video, welches ich ihm gestern zukommen ließ wurde offensichtlich von seinem Diensthandy geblockt und nicht weitergeleitet) und er winkte gleich ab. Er hatte seinen Vorgesetzten kontaktiert und der meinte, es sei prinzipiell verboten irgendein Tier auf einer öffentlichen Straße zu führen! Noch nicht einmal ein Hund an der Leine! Alles gesetzwidrig. Na bum, schöne Aussichten. Ich fragte ihn, welche Strafe mich erwarten würde, wenn ich es trotzdem tue? Keine, antwortete er. Es gehe nur darum, dass der Tierbesitzer die volle Haftung übernimmt, wenn etwas passiert. Es ging noch eine Weile hin und her, dann erzählte er mir, er und seine Kids hätte während des letzten Urlaus in Dubai ein Kamel geritten, was allen Spaß gemacht hatte, dann verließ er mich mit dem Spruch, es liegt an mir, wie ich künftig verfahre ???

Ja, wie soll ich weiter machen? Zum einen, werde ich mich nicht einschüchtern lassen und die Straße mit meinen Tiere nutzen. Vielleicht nicht mehr so regelmäßig und eher in der anderen Richtung. Zum anderen, werde ich mich vermehrt auf das aufwendige Training mit dem gypsy wagon konzentrieren. Und in der Ausbildung zum Reittier. Denn, man höre und staune: auf der Straße zu reiten, oder mit einem Zuggespann unterwegs zu sein ist erlaubt! Verrückt.

Doch nun zu den guten Zeiten.

Ich wurde von SBS interviewed! Der Titel ist völlig irreführend, aber immerhin. Ein Schritt in die richtige Richtung. Die Dame, mit der ich plauderte, interessierte sich für mein künftiges CIC (Camel Information Center) Projekt, die Redaktion kreierte einen click-bait-titel. Wie auch immer, bin mal gespannt, ob und welche Reaktionen mich erwarten.

Dienstag, 6. August 2019

Wie sagte schon Herr Friedrich von Schiller?

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!"

Gestern versuchte ich noch einmal erfolglos mein Glück beim Schießen. Ich hatte noch Styroporplatten vom neuen Kühlschrank übrig, die ich hinter die Zielscheibe positionierte - ein Fläche so groß wie ein LKW. Trotzdem traf nicht ein einziges Geschoss irgendwo. Ich war absolut ratlos, ob ich zu hoch, zu niedrig, zu weit links oder rechts zielte. Ich gab auf.

Ich brauchte Expertenmeinung, so fuhr ich nach Adelaide auf einem jedermann zugänglichen Schießplatz. Soll $ 50,- kosten stand auf ihrer Webseite, das war es mir Wert. Ich erklärte den netten Herren, dass ich ein Problem hätte, oder möglicherweise selber das Problem wäre. Sie lachten, waren sehr nett und einer erklärte sich bereit mir umgehend zu helfen. Tatsächlich war das Zielfernrohr völlig falsch (bzw. gar nicht eingestellt) und ich schaffte nach Korrektur drei Schüsse, die der Mitte der Scheibe recht nahe kam. Ich brauchte nur $ 5,- bezahlen und fuhr erleichtert heim.

Eigentlich wollte ich noch einkaufen gehen, da erreichte mich eine sms der Nachbarin: die Polizei war auf meinem Grundstück, ob alles in Ordnung sei oder ich Hilfe bräuchte?

Oh je. Was war jetzt los? Die Ruhe war vorbei und ich fuhr schnellstens nach Hause. Ich rief in der Dienststelle an, was ich wohl verbrochen hätte? Nun, es habe Beschwerden über mich gegeben! Das ich mit den Kamelen eine Verkehrsbehinderung darstellen würde! Wtf. Ich war außer mir. Mein Auto und der Anhänger sind ordnungsgemäß registriert, die Kamele hinten angebunden und nicht freilaufend, es ist genug Platz, um an mir vorbei zu fahren oder mich zu überholen. Fünf Jahre hat es keinen gestört und jetzt muss mir irgendein Trottel das Leben schwer machen? Am Sonntag wurde ich von einigen Autos überholt, die meisten fuhren langsam, manche Beifahrer schossen Fotos, viele grüßten ... bis auf ein Wagen! Der raste volle Pulle an uns vorbei, wirbelte ordentlich Dreck auf und hupte anhaltend als er auf unserer Höhe war. Ich zwang mich zur Ruhe, schließlich bedeutete die Situation ein Test für die Kamele, die sie mit stoischer Gelassenheit bewältigten.

Der Polizist war recht nett, er will sich kundig machen, wie die Rechtslage beschaffen ist. Angeblich ist der Hänger samt Kamelen zu breit. Wie auch immer, ich muss jetzt abwarten. Später fand ich noch die Handynummer von dem Beamten (vom Unfall mit dem Backpacker) - an die habe ich ein kurzes Video unseres set-ups geschickt.

TBC

Sonntag, 4. August 2019

Alles, außer Kamele

Juli und August sind für mich die schlimmsten Monate. Auch wenn es nicht regnet, ist es trotzdem kalt und ungemütlich. Der Wind aus der Antarktis und tief hängende Wolken lassen einen Aufenthalt draußen zu einer Strafexpedition mutieren. Kameltraining fällt flach.

Den Kamelen wäre das Wetter egal (wenn es nicht gerade schüttet). Sie haben ein molliges dichtes Fell und genug Grünzeug zum fressen. Manchmal kommen sie noch nicht einmal zum Zaun, um ihr Frühstück in Empfang zu nehmen. Sie schauen nur blöd: "Was will die Alte von uns? Wir brauchen nix!" scheinen sie zu sagen.

So konzentriere ich mich auf andere Dinge. Letzten Montag tuckerte ich mit dem LKW in die Stadt, um diverse Möbel abzuholen. Spülmaschine, Herd, Dunstabzugshaube sowie Spülbecken lieferte ich beim Küchenhersteller ab: so können sie die Schränke um die Geräte herum bauen. Ein neuer Kühlschrank für mich, der alte (größere) kommt in den Neubau. Auch zwei Betten, Matratzen und Nachtkästchen waren endlich abholbereit.

Dienstag transportierte ich mein Moped zum längst fälligen ersten Service. Kaum wieder zurück, erreichte mich die Nachricht, dass ich das Luftgewehr abholen kann. Das tat ich am nächsten Tag, inklusive der Registrierung bei der Polizei.

Am Freitag war es einigermaßen windstill und so versuchte ich einige Schüsse auf eine Zielscheibe.
Ach du meine Güte! Von 10 Schüssen gelangte 1 (einer!) in die Nähe der Scheibe.



So treffe ich keine Taube. Anscheinend muss ich erst das Zielfernrohr ausrichten, bevor ich ordentlich schießen kann.

Heute, Sonntag, habe ich mich doch überwunden die Viecher zu bewegen. Sie an den Hänger angebunden und 15 km gefahren. Seit langem mal wieder an den 'locus conflictus' vorbei, wo im März der Unfall passierte. Dort kam uns ein offensichtlich vom Freiheitsdrang getriebener rebellierender Mob Wollträger entgegen. Habe das Foto auf FB gepostet und kurze Zeit später stand "All sorted" darunter.


Samstag, 27. Juli 2019

Feierlaune

Oh Wunder, sie waren brav.

Sogar mein infantiler Versuch, das Sieb mit zusätzlichem Draht vor erneuter Sabotage zu schützen, war erfolgreich. Oder sie haben es zumindest NOCH nicht geschafft, es zu zerstören.


Aber eigentlich wollte ich etwas anderes festhalten: heute ist ein spezieller Jahrestag! Laila ist seit fünf Jahren bei mir. Wo ist die Zeit geblieben? Jemand sagte einmal zu mir, als ich vor mich hin gejammert habe was alles nicht klappt: "Schau auf das, was du schon erreicht hast. Nicht ständig auf das, was noch zu machen ist." Ein weiser Spruch und in Bezug auf die Entwicklung und das Training der Kamele mehr als zutreffend.

Ein kleiner Schritt für ein Kamel, aber ein großer für eine alte Frau 😀.


Juli 2014 💗



Mittwoch, 24. Juli 2019

Blödsinn

Bin mal gespannt, was sie jetzt wieder für einen Blödsinn angestellt haben!

Gestern fegte wieder ein Sturm übers Land und - obwohl ich die Hosen gestrichen voll hatte - fing ich die Biester gestern ein und führte sie in die Arena. Nun ja, so einfach war es nicht. Während sie morgens brav an den Zaun kommen, sich an einen Pfosten binden lassen, um ihr Frühstück zu schnabulieren, sind sie es nicht gewohnt und auch nicht gewillt selbiges am Abend zu machen. Laila war dennoch neugierig und entschloss sich kurz zu checken, ob ich was Essbares angebracht hätte. Hatte ich nicht, aber ich nutzte die Gelegenheit, sie fest zu binden. Ali und Jamahl sahen sich das Geschehen von Weitem an und rochen Lunte. Wenn der Prophet nicht zum Berg.... man kennt ja den Spruch. Ich also mit Leinen bewaffnet in die Höhle der Löwen, und versuchte der Kamele habhaft zu werden. Freudig erregt sprang Jamahl mir entgegen davon! Plan B wurde eingesetzt: Laila halftern und von der Koppel führen. Ooops! Dachte Jamahl, so geht das nicht. Hastig lief er zum Tor und brüllte eine Runde. Ja, Pech gehabt - nun bist du gefangen. Ali war jetzt auch neugierig und gesellte sich neben dem Jungen, halftern war ein Kinderspiel.

Eigentlich hätte ich verzweifelt sein müssen ob der Tatsache, dass sich die Viecher ohne irgend einen Schmäh nicht fangen lassen. Aber: Als ich neulich Besuch hatte und dem Gast anbot, seine vier Kamele über Nacht auf eine der vier Koppeln oder in der Arena zu lassen lehnte er dankbar ab: er würde ihrer in der Früh nicht habhaft werden 👀. Lieber band er sie an seinen LKW, wo sie stehen blieben, bis es am nächsten Tag weiterging. Also auch erfahrene Kameltreiber können Probleme haben.

Apropos Blödsinn: Vorgestern am späten Nachmittag wollte ich Ali von ihrer Koppel holen und sie zu ihren Artgenossen zurückführen. Folgendes Bild bot sich mir:


Rund um den einzigen Eukalyptusbaum, der bereits auf dem Grundstück stand als ich es erwarb, habe ich einen kleinen Zaun angebracht. Der soll verhindern, dass die Kamele die Rinde abkauen und damit den Exitus des Baumes herbeiführen. Fragt mich nicht wie, aber Ali stand in der Umzäunung😲. Wer reinkommt, komm auch wieder raus dachte ich mir. Ich wartete eine zeitlang, ging immer wieder in ihre Nähe und lockte sie. Sie lief hin und her, brüllte, hob ab und zu ein Beinchen, konnte aber das Hindernis nicht über winden. Als es schon ziemlich düster war, gab ich nach. Ich band ihr das Halfter um, trampelte den Zaun so gut es ging nieder und führte sie heraus.

Du meine Güte, Kamele! Meister im Blödsinn machen.

Montag, 15. Juli 2019

Tiefwinter?

Nennt man so das Gegenteil von Hochsommer?

Es ist jedenfalls grauslich. Letzten Mittwoch war die Kaltfront angesagt. Gerade noch rechtzeitig konnte ich die "verwegenen Drei" in die Arena bringen, dann setzte der Regen ein. Sie waren - wie immer - nicht glücklich, aber ich konnte ruhig schlafen. Donnerstag 10 mm, Freitag 4 mm und Samstag 8 mm Regen - die Tanks sind alle voll. Auch der 77 000 l fire-fighting-tank füllt sich langsam.

Drei Tage beließ ich sie in der Arena. Natürlich haben sie es geschafft, Unsinn anzustellen. Ein Fenster der shed wurde wohl ausgiebig inspiziert und dabei der Rahmen etwas eingedrückt. Ein Wunder, dass das Glas heil blieb. Die Öffnung, wo beim Wassertank das Regenwasser einströmt, wurde ebenfalls einer destruktiven Untersuchung unterzogen: das halbe Sieb (Schutz vor Verunreinigungen) ist weggefressen. Es zu ersetzen bedeutet wieder viel Arbeit, zu vermeiden, dass das nochmal passiert ein schier unmögliches Unterfangen.

Am Sonntag Morgen brachte ich sie auf Koppel Nr. 3, viel frisches Grün erwartete sie.



Jetzt regnet es zwar nicht mehr, aber es ist nach wie vor stürmisch und eiskalt. So zwischen Gefrierpunkt in der Nacht und max. 10°C Tageshöchsttemperatur. Der im Sommer betonharte Boden hat sich in Matsche verwandelt, die Füße der Kamele sind ständig nass.

Hatte gehofft, dass das schlechte Wetter Laila davon abhalten wird, Ali zu bespringen. War wohl nichts. Also ab heute wieder Ali tagsüber auf eine andere Koppel führen und nachts Laila mit hobbles versorgen. Alles wie gehabt, außer, dass ich nicht mit ihnen arbeite.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Und wieder heißt es:

Warten, warten, warten!

Wie mich das nervt! Der Schreiner tut einfach nix weiter. Erst soll der Fliesenleger fertig sein, dann will er Türstöcke, Türen und die Decken- / Bodenleisten anbringen. Seit Wochen liege ich ihm in den Ohren, mit mir einen Plan/Kostenvoranschlag für die Küche zu machen - aber auch das will er erst angehen, wenn alles andere fertig ist.


Dann eben nicht. Vorgestern war ein Vertreter einer anderen Firma da und will mir bis zum Wochenende einen KV schicken. Außerdem habe ich den Elektriker angetrieben - jetzt funktionieren zumindest einige Steckdosen (sehr zur Freude des Fliesenlegers, der am Montag 08.07. angefangen hat, das Bad zu kacheln ☺).

Vergangenes Wochenende erwarb ich zwei Betten, Nachtkästchen und einen Kühlschrank. Natürlich ist das Zeug nicht lagernd - Lieferzeit 2 - 3 Wochen. Dann bin ich gezwungen alles selber mit dem LKW abzuholen, bis zu mir wird nicht geliefert 😢.

Ein zweiter KV steht auch noch aus: eine Taubenschar von mittlerweile elf Mitgliedern hat beschlossen, meine schöne neue Arena als Daueraufenthalt in Beschlag zu nehmen. Sogar Eier habe ich im Sand gefunden. So geht das nicht. Sie scheißen mir alles voll - sollen sich eine andere Unterkunft besorgen. Zumindest oberhalb der Fenster lasse ich (wahrscheinlich ... hängt vom Preis ab) spitze Zacken anbringen, damit sie sich nicht niederlassen können. Außerdem besorge ich mir ein Luftgewehr (meine Tikka .243 ist dafür ungeeignet). Der Typ von der pest control meinte, Abschuss sei die einzige Möglichkeit, Tauben endgültig loszuwerden.

Training geht momentan nicht, jetzt entlastet Jamahl sein rechtes Vorderbein 🙍.
Die Kamele sind ständig am raufen, der Boden ist durch das Grünzeug glitschig, somit rutschen sie öfters aus und zerren sich einen Muskel.




Donnerstag, 4. Juli 2019

Jamahl indisponiert

In der letzten Woche hat Jamahl gelahmt. Also nicht wirklich gelahmt, aber wenn er irgendwo stand, hat er sein linkes Vorderbein entlastet.

Ich habe die Sohle auf Fremdkörper untersucht, konnte nichts finden.


Ein bisschen uneben und rau, aber kein Grund zum hatschen. In der Bewegung konnte ich keine Einschränkung feststellen.


Sicherheitshalber habe ich jegliches Training ausfallen lassen - Ruhigstellung als Therapie.

Gestern morgen staunte ich nicht schlecht, als ich Jamahl mit Ali raufend vorfand. Das hat es bis jetzt noch nicht gegeben. Ok, Jamahl hat schon öfters Ali vom Futter verjagt, aber Ali hat noch nie Kontra gegeben. Denke, dass die Hormone einkicken, es ist schließlich mitten im Winter.

Jamahl ist jedenfalls wieder voll fit.


Samstag, 29. Juni 2019

Letzte Woche im Juni

Nass bis auf die Haut wurde ich heute morgen.



Gestern noch 21°C, aber eine Schlechtwetterfront war im Anmarsch. Sie erreichte uns später als vorhergesagt, der eiskalte Sprühregen setzte genau zum Frühstück ein. Einerseits hatte ich absolut keine Lust hinaus zu gehen, andererseits: wofür habe ich die Arena bauen lassen? Also, einpacken wie ein Eskimo und hinaus in die wilde Natur.

Die Kamele lagen mitten im Strohballen, ihre Hintern der Front zugewandt.

'Was ist? Wollt ihr unter Dach und Fach, oder draußen bleiben?'

Sie schauten mich groß an - ich wollte schon ins Haus, als Ali aufstand und mir nachschlurfte. Ok, also gehen wir es an. Halfter geholt, Ali Richtung Arena zu einem Zaunpfosten geführt und angebunden. Laila hatte noch ihre Fußfesseln an - auch recht, kann sie nicht herumhopsen. Jamahl machte sich aus dem Staub und fing an zu brüllen. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er bei Laila bleiben oder besser Ali folgen soll. Irgendwann konnte ich ihn erwischen, verband ihn mit Laila und wollte beide zur Arena führen. Zuerst noch ein intensiver Kampf mit Madam, die sich ums verrecken nicht das Halfter anlegen lassen wollte. Meine Hände waren steif gefroren, die Handschuhe völlig durchnässt. Jetzt wollte ich es wissen. Der Regen prasselte, der Wind pfiff, die Kamele kämpften - nach einer gefühlten Ewigkeit waren sie aber dort, wo ich sie haben wollte.

So anstrengend es war, so befriedigend war es, das Ziel erreicht zu haben. Ich glaube, darum geht es auch beim trekken. Es heißt zwar "Der Weg ist das Ziel", aber das ist nicht immer der Fall. Mit den Kamelen unterwegs sein ist anstrengend, das Leben draußen im Dreck, in der Kälte ohne Annehmlichkeiten der Zivilisation ist alles andere als fun. Aber die Reise durchzuziehen, anzukommen: das schafft Satisfaktion.

Das Wetter am vergangenen Sonntag 'ticked all boxes'. Es war windstill, die Temperatur mild, der Himmel blau. Ich organisierte mir Hilfe und spannte die Kamele in den Gypsy-Wagen. Da das letzte Training sehr unangenehm geendet hatte (Laila reagierte panisch, schlug mit den Metallbügeln um sich und verursachte mit ihrem dicken Hintern eine Delle in meiner Autotür), waren meine Nerven angespannt. Um so schöner, dass alles wie am Schnürchen klappte. Ein paar Kilometer die Straße hinauf und wieder zurück, anschließend das Auto vom Gypsy-Wagen entkoppelt und die Kamele dazu gebracht, das letzte Stück zu ihrer Weide das Gefährt aktiv zu ziehen. Babysteps, wie der amerikanische Trainer ständig wiederholt hatte. In aller Ruhe die Tiere von dem Zuggeschirr befreit und sie auf ihre Koppel entlassen.


Am Donnerstag (26.06.) machte der australische Trainer, bei dem ich vor drei Jahren mit Laila und Ali war, bei mir Zwischenstation.



Er und seine Nichte touren 200 km mit vier Kamelen und einem wagon von Alice Springs nach Finke und wieder zurück. Als ich ihm meinen wagon zeigte meinte er, dass der Schaft, an dem die Kamele befestigt werden, zu schwer sein. Sie müssen es mit ihrem Hals anheben, was auf Dauer sehr unangenehm wird. Jetzt muss ich was konstruieren - eine Feder/Kette/Seil oder dergleichen - um das Gewicht abzufedern. Hm, mal sehen wie ich das umsetze.

Samstag, 22. Juni 2019

World Camel Day 22.06.2019 - Statistik


Das world wide web weiß offensichtlich nicht genau, wieviele frei herumlaufende Kamele es in Australien tatsächlich gibt. Sind es 1,2 Millionen? Oder "nur" 250.000 ?

Ich habe einen Beamten der Regierung gefragt und er war so nett, mich auf den richtigen Weg zu führen. Eines vorne weg: genaue Zahlen hat keiner, alles sind Schätzungen!

Der letzte arial count wurde 2013 durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass ca 300.000 'wilde' Dromedare in Australien herumlaufen.

Es wird eine Vermehrungsrate von 6% pro Jahr angenommen, abzüglich 4-5.000 Abschüsse (culling) und 160 Tiere/Woche über 44 Wochen/Jahr die der Fleischnutzung zugeführt werden.

Ergibt (laut Berechnung des offiziellen Mitarbeiters) ein Bestand Ende 2019 von ca 358.000 Tieren.

Die weitaus höheren Schätzungen von 1,2 Mio sind bewusst falsch lanciert, um höhere Abschussprämien von der Regierung zu erpressen. Wieder was gelernt!

Donnerstag, 13. Juni 2019

Bent but not broken

Zehn Tage nach der Rückkehr fühlte ich mich wieder bereit, mit den Kamelen zu arbeiten ... oder sie arbeiten zu lassen. Es war Sonntag und gerade als ich die Halfter bereit legen wollte, fing es an zu regnen. Ok, dass muss nicht sein. Also Abbruch, lieber die Sauna anschmeißen und den alten Körper pflegen.
Am Dienstag dann endlich: strahlend blauer Himmel, viel zu milde Temperaturen für die Jahreszeit, aber perfekt, um sich draußen aufzuhalten. Die drei gehalftert und an den Hänger angebunden. Ich war beeindruckt! Als wenn sie eine Leistungsklasse übersprungen hätten. Ruhig und diszipliniert von A nach B gegangen, ohne zu zerren oder sich in einen Busch zu schmeißen. Alle drei benahmen sich wie die Lämmchen. Bin mal gespannt, ob das so bleibt oder eine Ausnahme von der Regel war.
Eine große Runde mit ihnen gefahren und bei der Rückkehr überlegt, ob ich sie in die Arena bringen soll. Niederschlag war angesagt, aber es war kein Wölkchen zu sehen. Wahrscheinlich fällt der Regen sonst wo, aber nicht bei uns. Also sie auf ihrer Koppel belassen und es kam wie es kommen musste: Gewitter in den frühen Morgenstunden und Regen, sehr viel Regen. 


Sonntag, 9. Juni 2019

Aftermath

Zurück in Marree begab ich mich zu Roadhouse. Ein Tässchen Milchkaffee sollten meine Nerven beruhigen, taten es aber nicht. Immer wieder kam es in mir hoch, dass konnte doch alles nicht wahr sein? Schließlich trat ich an den Inhaber heran und fragte, ob er von hier sei. Als er bejahte, erzählte ich ihm mein Leid. Er schüttelte den Kopf. Das gibt es doch nicht, sagte er. Das ist ja 'harassment'. Am besten, ich gehe rüber zur Polizei. Dort sei Kate, eine sehr nette Polizistin, mit ihr sollte ich das besprechen. Gesagt, getan. Ich lief zur Wache und fragte unschuldig, welche Bedingungen ich erfüllen muss, um mit drei Kamelen den Oodnadatta Trek zu marschieren. Und ob ich ein health certificate für die Tiere brauche? Und wo der dog fence sei? Es stellte sich heraus, dass alles von dem Farmer erstunken und erlogen war. Es ist und bleibt eine öffentliche Straße mit einem breiten Gürtel, der von jedermann benutzt werden kann. Gesundheitszeugnis innerstaatlich ist keinesfalls erforderlich und der dog fence ist nur weitere 15 km entfernt - wäre ein leichtes gewesen, ihn innerhalb eines Tages zu erreichen. Wer mir denn da den Bären aufgebunden hätte? Nun, der Typ hatte sich nicht vorgestellt, aber nach meiner Beschreibung, wurde er als 'Georg' identifiziert. Als Querulant bekannt und wenn er noch einmal Schwierigkeiten macht, soll ich mich auf die Polizei berufen!
Was für eine Erleichterung. Im Laufe des Tages klagte ich noch mehreren Leuten mein Leid, so sorgte ich für ordentlich Gesprächsstoff in dem 70-Seelen-Ort. Alle waren auf meiner Seite und bedauerten das Erlebte.
Ich machte mich auf dem Weg, um dem Trainer entgegen zu gehen, aber noch vor erreichen des Ortsausganges konnte ich ihn schon sehen. Er war recht flott unterwegs, nur knapp zwei Stunden für die 11 km (er hatte auch Rückenwind 😜).

Trotz der Rückendeckung von der Polizei und Bevölkerung wollte ich nicht mehr. Wir blieben an dem Tag noch vor Ort, bereiteten aber alles für die Rückfahrt vor. Ich hatte noch Optionen, einen Aufenthalt in den Flinders einzulegen - verschob die Entscheidung aber auf später.

Am nächsten Tag erhielt ich eine sms, dass der cameleer, der direkt auf unserem Weg nach Hause wohnt, von einem Aufenthalt zurück sei. Er hatte vorher Interesse bekundet, den Amerikaner kennenzulernen. Das traf sich gut, so verabredeten wir eine Zusammenkunft auf seiner Farm. Am späten Nachmittag erreichten wir das Ziel, wo der cameleer voll in Aktion war. Er trainierte einen wunderschönen riesigen Bullen, frisch aus der Wildnis. Der sollte sich niederlegen, leistete aber erfolgreich Widerstand. Der cameleer zeigte dem Trainer noch dies und das, und bevor wir uns versahen, dämmerte es bereits. Ich wollte wieder in meinem LKW übernachten, dachte zuerst daran, dem Trainer mein Camping-equipment zu Verfügung zu stellen, fragte dann den cameleer, ob der Wohnort über ein Hotel verfüge. Klar doch, aber der Amerikaner könne gerne bei ihm im Wohnhaus übernachten. Mir war das nicht Recht. Schließlich gibt es noch die Ehegattin, die ja mit dieser Entscheidung überrumpelt wird. Die Männer waren sich allerdings einig und schon stand ich alleine auf der abgelegenen unbewohnten Farm.

Am nächsten Morgen wurde mir erst bewusst, was am Vortag passiert war. Die zwei haben mich einfach sitzen lassen. Nicht ein einziges mal kam zur Sprache, ob ich die (mir bekannte) Gattin treffen möchte, oder am Abendessen teilhaben will - man hätte mich ja wieder zurück fahren können. Die haben sich einen gemütlichen Abend gemacht, viel Interessantes ausgetauscht und mich wie einen räudigen Hund außen vor gelassen. Eigentlich wollten wir zwei oder drei Tage mit dem cameleer verbringen, auch ein kurzes Trekken auf seinem riesigen Grundstück war angedacht gewesen, aber jetzt war ich sauer.

Nach dem obligatorischen Frühstück entschied ich mich endgültig dazu, Heim zu fahren. Die Kamele hatten die Nacht in einem engen Pferch verbracht und auf Anraten des cameleers nichts zum Fressen erhalten. Es sei besser, sie für einen anstehenden Transport auszunüchtern, meinte er. Jetzt waren sie besonders hungrig und ich nutzte diesen Umstand, um sie ohne Hilfe und seitliche Begrenzung der Rampe aufzuladen! Den Korb mit frischem Heu vor der Nase und Ruck-Zuck waren sie oben. Der Trainer hatte noch nicht einmal nachgefragt, wann wir uns denn wieder treffen sollen? Er hatte immer betont, mein Wohlergehen und meine Wünsche hätten oberste Priorität - aber sagen und handeln sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Ich verließ das Grundstück um 08.00 Uhr und schrieb eine Nachricht, dass er gerne noch beim cameleer bleiben kann (was er aber nicht tat), ich bin jedenfalls auf dem Weg heim.

Unterwegs holte ich noch die Hunde aus der Tierpension - glücklicherweise haben beide den Aufenthalt ohne Probleme überstanden.

Am Samstag, den 01. Juni zog der Trainer - fünf Tage früher als vorher vereinbart - weiter. Ich war mental nicht in der Lage, eine neue Trainingseinheit anzuschließen, brauchte Abstand und Ruhe. Ich weiß, ihn trifft nicht die geringste Schuld am Misserfolg - ich bin das Weichei, dass lieber daheim als unterwegs ist, dass sich in die Hose macht, ob der vielen Herausforderungen. Er war sehr nett, hilfreich wo er konnte, versuchte ständig mich zu ermuntern, lobte mich andauernd über den grünen Klee. Trotzdem wollte ich ihn nicht mehr sehen - bei seinem Anblick musste ich ständig an mein Versagen denken.