Mittwoch, 7. November 2018

In den vergangenen Wochen ...

... hatte ich zwei dumme Entscheidungen getroffen. Zum einen ein Paar Hühnergänse (Cape Barren Geese) erworben, ohne mir über ihre Unterbringung und Ernährung Gedanken zu machen. 



Nachdem ich mit der Verkäuferin einen Handel abgeschlossen hatte, studierte ich die Lebensbedingungen dieser Nahrungsspezialisten und errichtete ein Übergangs-Gehege auf dem Gelände der Emus. 10 Tage hatte ich Freude an dem in Süd-Australien beheimateten seltenen Geflügel, dann fiel der Ganter einem Fuchs zum Opfer! Hatte gehofft, das Gehege wäre sicher genug, bzw. würden die Emus als Wachhunde eine Schutzfunktion erfüllen. Habe mich sehr schuldig gefühlt und die überlebende Gans einem sanctuary in den Adelaide Hills übergeben.

Ein weitere Fehlentscheidung war die Aufnahme einer jungen Backpackerin. Was für eine Zeitverschwendung. Ich bin keine Kindergärtnerin und kann nicht nachholen, was in 19 Jahren an Erziehung versäumt wurde. Ein Gespräch war nicht möglich, meine Monologe über mein Leben, Australien, die Tier- und Pflanzenwelt wurden mit "Hmm" und "ja-a" kommentiert und wenn ich nichts redete oder fragte, dann herrschte Funkstille (abends im Videochat mit Freunden wurde allerdings recht munter geplappert). Hilfe wurde nur geleistet, wenn ich darum bat (von selber Tisch decken? Bei der Zubereitung helfen? Fehlanzeige) und sich für das angerichtete Essen oder eine Einladung bedanken, kam auch nicht in Frage. Ein junges Leben ohne Perspektive. Trotz Abitur keinerlei Interessen, keine Hobbies - nur Internet (innerhalb eines Tages 7 GB verbraucht - ich komme mit 1 GB in drei Tagen aus). Sie gab sich als Tierfreundin aus, war aber nicht ein einziges mal von sich aus draußen bei den Kamelen, ist mit dem Hund spazieren gegangen oder hat abends die Wombats im creek beobachtet. Ich weiß nicht, warum sie in Australien weilt, wenn sie doch die meiste Zeit im Zimmer hockt und Filme schaut. Mein Kakadu ist da wesentlich emphatischer und unterhaltsamer.

***************

Neue Literatur zum studieren erworben. Ein bisschen holprig zu lesen -  wenn ein Franzose auf Englisch schreibt und von einer Deutschen gelesen wird ☺, die ständigen Literaturangaben hemmen den Lesefluss zusätzlich. Auch sind die Werte, die angegeben werden in einem so weiten Streubereich (zu geringe Zahl an untersuchten Tieren, zu große Unterschiede der Haltung, Alter, Technik), dass präzise Aussagen gar nicht gemacht werden können.



***************

Wenn er leidet, dann leidet er. Unmittelbar nach dem Frühstück musste er sich hinlegen, v.a. das rechte Vorderbein schmerzt. Gestern fing es an, heute nicht besser, also ein guter Schluck Schmerzmittel in eine Portion Haferflocken: abends läuft er wieder fast normal.




***************

Es hat tüchtig geregnet heute Nacht. 20 mm haben sogar den creek zum laufen gebracht und meine - noch immer vorhandene - Baustelle unter Wasser gesetzt.


***************

Einen weiteren Prämolaren von Laila gefunden.



***************



Endlich wieder wagon-Training gestartet. Letzte Woche mit Ach- und Krach Laila in die richtige Position gebracht, um sie vor das Gefährt zu spannen.


Drei Tage später gelang es beim ersten Anlauf. Ich entschloss mich, das Grundstück zu verlassen und ein Stück auf der Landstraße zu fahren. 



Dann wurde ich übermütig. Ich entfernte die Verbindung zwischen wagon und ute, d.h. zum allerersten Mal zogen die Kamele das Gefährt ohne Unterstützung. Laila wollte nicht mitmachen, lieber ein wenig von den neben ihr stehenden Büschen knabbern. Also knotete ich die Seile vom Halfter an die Anhängerkupplung - mit sanfter Gewalt wurde eine kleine Runde über's Grundstück möglich. Rücksprache mit einem cameleer bestätigt mich in der Vermutung, dass die Köpfe der Zugtiere auch noch mit einander verbunden gehören.

Am Tor angekommen, befreite ich zunächst Jamahl von seinen Fesseln und führte ihn auf die Koppel. Sehr zum Missfallen von Laila, die glaubte, sie müsse zurück bleiben und versuchte, sich selber zu befreien. Die Achse des Wagens verkeilte sich im Zaun, sie stand mittlerweile rückwärts und auf Spannung mit den ganzen Seilen. Ein Befreien aus dem Chaos war nur unter Einsatz von massiver Kraft meines Helfers möglich, der - ohne dass ich es wahrnahm - am Bein verletzt wurde. Mein Auto trug ein Beule in der Fahrertür davon. Da muss ich noch viel nachdenken, wie ich sowas beim nächsten Mal verhindern kann.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen