Freitag, 23. November 2018

'Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut' ...

... beruhigte mich meine Nachbarin.

Jedenfalls fand ich es ganz schön frech, was der Bauführer von sich gab. Hat gestern der Firma mitgeteilt er sei fertig. Ich soll nun ein Formular ausfüllen mit der Bestätigung, dass der Bau den Vertragsbedingungen entsprechend in Ordnung sei, sowie den ausstehenden Restbetrag überweisen. Ich verstehe unter Fertigstellung etwas anderes, nämlich die Nutzbarkeit der Gebäude.

Das Schiebetor der LKW-Scheune ist nicht funktionstüchtig, außerdem steht sie voller Gedöns von den Bauarbeitern.


Bei der kleinen Scheune fehlt die Eingangstür.


Und Müll überall.



Der Bauleiter war heute morgen leicht angefressen, er will morgen (Samstag) den Dreck persönlich wegschaffen, obwohl es angeblich nicht seine Aufgabe wäre. Ist mir ziemlich egal - es soll endlich fertig werden.


Donnerstag, 22. November 2018

Eisheilige auf australisch

In der Nacht hat es gestürmt und geregnet, ich konnte kaum ein Auge zudrücken. Dauernd musste ich an die armen Viecher draußen denken. In der Früh konnte ich beobachten, wie Ali am ganzen Leib zitterte. Sie ist bis auf den Schulterbereich nackt und leidet trotz ihres Körperfetts am meisten.

Ein großer Ast eines Eukalyptusbaumes ist wie ein Streichholz abgebrochen.


Bei der Morgenrunde konnte ich die Kamele zunächst nicht sehen. Obwohl sie den LKW hassen, wussten sie sich in seinen Windschatten zu stellen und ein wenig Schutz zu finden.


Mittwoch, 21. November 2018

Arbeitsmotto

Ein SEHR weiser Spruch, wenn man mit Kamelen arbeitet. Das arabische Schriftzeichen bedeutet wohl 'Allah' oder 'Gott'. Vertrauen ist gut und schön, aber ein bowline Knoten wesentlich zuverlässiger wenn man nicht will, dass das Tier sich davon macht.




Dienstag, 20. November 2018

Monster

Gestern 32°C, heute 13°C und recht frisch. Laila war wie aufgezogen. Als ich Frühstück servieren wollte zog sie es vor, Jamahl vor sich her zu treiben. Der schrie um sein Leben - wie üblich - dachte allerdings nicht daran, klein bei zu geben. Also nächstes Opfer angehen. Ali rannte zwei Runden, gab schließlich auf, ließ sich devot nieder und von dem Monster bespringen. Es tat mir weh zu beobachten, wie Laila den Höcker von Ali bearbeitete. Nur eine Frage der Zeit und Ali ist wieder im Krankenstand. Quintessenz: Laila 'outsourcen' und hoffen, dass sie sich nicht traut den Elektrodraht zu überwinden.


Vor zwei Wochen lahmte Jamahl vorne rechts, ohne für mich erkennbare Ursache - heute habe ich den Grund entdeckt. Offensichtlich hatte er sich eine Zehe angeschlagen (vermutlich auf der Flucht vor dem Teufelsvieh) und zwar so sehr, dass er jetzt den Nagel verliert. Neues Gewebe wächst bereits nach, es kann nicht mehr lange dauern, bis der alte Zehennagel abfällt.


Montag, 19. November 2018

Sonntags Bummel

Das hat wirklich Spaß gemacht. 6 km marschiert ohne besondere Zwischenfälle. Hatte auch Glück, dass uns kein Auto überholte. Nur einmal machten alle drei einen Satz auf die Straße und ich weiß nicht warum. Das einzige was ich wahrnehmen konnte war ein Kaninchen, welches die Frechheit besaß, im angrenzenden Wäldchen herum zu hüpfen.





Samstag, 17. November 2018

Schlimmes Mädchen - gutes Mädchen

Vor zwei Tagen glaubte ich noch an einen Zufall. Dass die Arbeiter sie erschreckt hätten und sie aus Panik durch den elektrifizierten Draht gerannt wäre. Oh nein, in purer Absicht ist Ali durchgebrannt.


Da stand sie, mitten in meinen kostbaren Setzlingen und hat es sich schmecken lassen. Heute war sie noch schneller draußen. Glücklicherweise lässt sie sich gleich einfangen und widerstandslos auf die Koppel führen. Morgen werde ich Laila auf die Außenfläche führen, mal sehen ob die es auch mit dem Elektrodraht aufnimmt.

LKW Lade-Training wieder aufgenommen. Jamahl und Ali agierten vorbildlich, Laila war eine 'pain in the neck'. Nach wiederholtem straffen Zurückziehen war sie zum Schluss 20 m vom Truck entfernt und wollte sich ihm keinesfalls jemals wieder nähern. Es kostete mich einiger Tricks mit diversen Seilen, bis auch sie nach 45 min Kampf oben stand.



Noch ein Fundstück vom FB 😂


Freitag, 16. November 2018

Übergeschnappt ?



Murray Bridge 2018

Warum auch nicht? Bedingung für den Kauf war, dass die Maschine in den Truck - genauer gesagt in das Abteil hinter dem der Kamele passt. Und sie passt. Im Moment sch...ß ich mich noch an, sie die Rampe hoch zu fahren, aber ich übe täglich den creek rauf und runter, um ein Gefühl für das Gerät zu kriegen.

Die Überlegung war - abgesehen vom Spaßfaktor (der sich bei 190 ccm allerdings in Grenzen hält) - mit dem LKW und den Kamelen in die nähere Umgebung zu fahren, sie abzuladen und heimwärts zu marschieren. Anschließend das Motorrad geschnappt, zum LKW zurück zu kehren, es aufzuladen und nach Hause kutschieren. So bin ich unabhängig von anderen Leuten und Chauffeurdiensten.

Wenn ich meine ersten Treks unternehme, kann ich die Strecke mit der Geländemaschine vorher abfahren und nach möglichen Camps/Futterpflanzen/Wasserstellen Ausschau halten. Soweit die Therorie.

Mittwoch, 7. November 2018

In den vergangenen Wochen ...

... hatte ich zwei dumme Entscheidungen getroffen. Zum einen ein Paar Hühnergänse (Cape Barren Geese) erworben, ohne mir über ihre Unterbringung und Ernährung Gedanken zu machen. 



Nachdem ich mit der Verkäuferin einen Handel abgeschlossen hatte, studierte ich die Lebensbedingungen dieser Nahrungsspezialisten und errichtete ein Übergangs-Gehege auf dem Gelände der Emus. 10 Tage hatte ich Freude an dem in Süd-Australien beheimateten seltenen Geflügel, dann fiel der Ganter einem Fuchs zum Opfer! Hatte gehofft, das Gehege wäre sicher genug, bzw. würden die Emus als Wachhunde eine Schutzfunktion erfüllen. Habe mich sehr schuldig gefühlt und die überlebende Gans einem sanctuary in den Adelaide Hills übergeben.

Ein weitere Fehlentscheidung war die Aufnahme einer jungen Backpackerin. Was für eine Zeitverschwendung. Ich bin keine Kindergärtnerin und kann nicht nachholen, was in 19 Jahren an Erziehung versäumt wurde. Ein Gespräch war nicht möglich, meine Monologe über mein Leben, Australien, die Tier- und Pflanzenwelt wurden mit "Hmm" und "ja-a" kommentiert und wenn ich nichts redete oder fragte, dann herrschte Funkstille (abends im Videochat mit Freunden wurde allerdings recht munter geplappert). Hilfe wurde nur geleistet, wenn ich darum bat (von selber Tisch decken? Bei der Zubereitung helfen? Fehlanzeige) und sich für das angerichtete Essen oder eine Einladung bedanken, kam auch nicht in Frage. Ein junges Leben ohne Perspektive. Trotz Abitur keinerlei Interessen, keine Hobbies - nur Internet (innerhalb eines Tages 7 GB verbraucht - ich komme mit 1 GB in drei Tagen aus). Sie gab sich als Tierfreundin aus, war aber nicht ein einziges mal von sich aus draußen bei den Kamelen, ist mit dem Hund spazieren gegangen oder hat abends die Wombats im creek beobachtet. Ich weiß nicht, warum sie in Australien weilt, wenn sie doch die meiste Zeit im Zimmer hockt und Filme schaut. Mein Kakadu ist da wesentlich emphatischer und unterhaltsamer.

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Neue Literatur zum studieren erworben. Ein bisschen holprig zu lesen -  wenn ein Franzose auf Englisch schreibt und von einer Deutschen gelesen wird ☺, die ständigen Literaturangaben hemmen den Lesefluss zusätzlich. Auch sind die Werte, die angegeben werden in einem so weiten Streubereich (zu geringe Zahl an untersuchten Tieren, zu große Unterschiede der Haltung, Alter, Technik), dass präzise Aussagen gar nicht gemacht werden können.



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Wenn er leidet, dann leidet er. Unmittelbar nach dem Frühstück musste er sich hinlegen, v.a. das rechte Vorderbein schmerzt. Gestern fing es an, heute nicht besser, also ein guter Schluck Schmerzmittel in eine Portion Haferflocken: abends läuft er wieder fast normal.




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Es hat tüchtig geregnet heute Nacht. 20 mm haben sogar den creek zum laufen gebracht und meine - noch immer vorhandene - Baustelle unter Wasser gesetzt.


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Einen weiteren Prämolaren von Laila gefunden.



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Endlich wieder wagon-Training gestartet. Letzte Woche mit Ach- und Krach Laila in die richtige Position gebracht, um sie vor das Gefährt zu spannen.


Drei Tage später gelang es beim ersten Anlauf. Ich entschloss mich, das Grundstück zu verlassen und ein Stück auf der Landstraße zu fahren. 



Dann wurde ich übermütig. Ich entfernte die Verbindung zwischen wagon und ute, d.h. zum allerersten Mal zogen die Kamele das Gefährt ohne Unterstützung. Laila wollte nicht mitmachen, lieber ein wenig von den neben ihr stehenden Büschen knabbern. Also knotete ich die Seile vom Halfter an die Anhängerkupplung - mit sanfter Gewalt wurde eine kleine Runde über's Grundstück möglich. Rücksprache mit einem cameleer bestätigt mich in der Vermutung, dass die Köpfe der Zugtiere auch noch mit einander verbunden gehören.

Am Tor angekommen, befreite ich zunächst Jamahl von seinen Fesseln und führte ihn auf die Koppel. Sehr zum Missfallen von Laila, die glaubte, sie müsse zurück bleiben und versuchte, sich selber zu befreien. Die Achse des Wagens verkeilte sich im Zaun, sie stand mittlerweile rückwärts und auf Spannung mit den ganzen Seilen. Ein Befreien aus dem Chaos war nur unter Einsatz von massiver Kraft meines Helfers möglich, der - ohne dass ich es wahrnahm - am Bein verletzt wurde. Mein Auto trug ein Beule in der Fahrertür davon. Da muss ich noch viel nachdenken, wie ich sowas beim nächsten Mal verhindern kann.