Sonntag, 23. September 2018

Under the influence

Fünf Uhr morgens, es regnet. Nur ein Schauer, aber es ist frisch und die Kamele sind nass, also den Wochenendeinkauf vorgezogen - kein Training. Auf der Rückfahrt fingen plötzlich meine Zähne an zu schmerzen, ein überkronter Zahn im Unterkiefer und mindestens drei im Oberkiefer. Pochender dumpfer Schmerz, Kieferbewegungen wurden unmöglich. Die halbe Nacht lag ich wach, trotz Schmerztablette keine Erleichterung in Sicht. Also Freitag morgens zum Zahnarzt. Bin einfach hingefahren, wurde bereits zwei Stunden nach Ankunft dran genommen. Irgendwie fand die Zahnärztin keinen offensichtlichen Grund, machte ein Röntgen, bohrte an einem Zahn herum, machte eine neue Füllung und schickte mich Heim. Alle vier Stunden von der Ärztin empfohlene Tabletten geschluckt und mit ihnen wurde der Schmerz erträglich. Alles sehr merkwürdig. Hatte das Gefühl, als fallen mir die Zähne einzeln aus, das Kiefergelenk sei zumindest frakturiert.

Samstag morgen noch keine Besserung, aber mit der Medikation erträglich und Ablenkung durch Arbeit ist immer gut. Außerdem war es mir äußerst peinlich, der Hilfskraft zweimal hinter einander absagen zu müssen.



Die Kamele verhielten sich vorbildlich. Eine Runde über's Grundstück mit voller Montur.

Ich war froh als wir fertig waren. Abends gesellte sich noch ein Schüttelfrost zu meinen Beschwerden ... ein heißes Bad, Tee und früh zu Bett. 

Heute ist die alte Frau wieder hergestellt. Beim Kauen schmerzt es noch, aber im Großen und Ganzen alles gut. Die obligatorische 11 km Sonntagsrunde mit allen dreien - ebenfalls ohne Zwischenfälle.

Mittwoch, 19. September 2018

Es wird, es wird!

Fünftes Mal Lade-Training.

Zwischen diesem Bild


und jenem


liegen 8, in Worten ACHT! Minuten.

Nur sechs Minuten später war Ali im LKW


die ich, noch bevor sie Durchfall bekam, wieder herausgeführt habe, um nach weiteren sechs Minuten Jamahl verladen zu haben.


Bin so stolz! Ich werde das Prozedere noch einige Male wiederholen, bis alle drei relaxed oben stehen. Der nächste Schritt wird dann, die Klappe zu schließen und den Motor anzumachen. Wenn auch das toleriert wird, werde ich eine kleine Runde fahren. Mal sehen wie lange es dauert, aber ich vermute, dass es heuer nichts mehr wird mit einem Ausflug in die Flinders.

Morgen geht das Satteltraining weiter. Ein kräftiger junger (47 jähriger) Mann, der sich selber als "Aspi" bezeichnet, hilft mir dabei. Endlich jemand, der von sich aus Interesse an den Kamelen bekundet. Ich kann gut mit ihm arbeiten - obwohl mich die Nachbarin vor dem "Irren" gewarnt hat: er würde mit dem Gemüse im Lebensmittelgeschäft sprechen 😄.

Und noch was wird: die Arena nimmt Form an. 




Montag, 17. September 2018

Neidisch

Da kämpfe ich jetzt seit vier Jahren mit meinen wildebeests und es ist kein Ende in Sicht 😭.

Andere tun sich da leichter: Australier, männlich, jung, mit Geld in der Tasche schafft es innerhalb eines Jahres sich einen ähnlichen Traum wie ich ihn hege zu erfüllen. Ende September (was eigentlich ziemlich dumm ist - Stichwort Sommeranfang) will er mit vier vormals wilden Kamelen den australischen Kontinent von Ost nach West durchqueren.

Ich wünsche Mr John Elliott gutes Gelingen.

Sonntag, 16. September 2018

Neues Spielzeug

Als der LKW von NSW zu mir gebracht wurde, führte der Weg durch Broken Hill. Ich fasste die Gelegenheit beim Schopf und rief kurzfristig beim Sattelmacher in Silverton an. Ja, er hat zwei Sättel lagernd. Weisse! Egal, Sattel ist Sattel und ich erspare mir a) Wartezeit für die Herstellung eines neuen Sattels und b) Transportkosten.



Laila ist nicht so recht begeistert, warf das Monstrum vom Buckel bevor ich in der Lage war, es ordentlich zu fixieren. Beim zweiten Anlauf klappte es dann. Ich verließ sie für 10 Minuten ... und ... Sattel schief, Decke schmutzig ... seufz...


Auch Jamahl hat neues Inventar. Zwei Gestelle, die an den Sattel gehängt und mit Wasserkanistern bestückt werden können. Auch hier keine wirklich helle Freude. Aber was soll's - dafür ist er ja da. Muss langsam lernen, seine Brötchen zu verdienen.



Sonntag, 9. September 2018

Immer wieder Sonntags ...

Eigentlich hatte ich keine Lust, aber Laila braucht Bewegung. Den ganzen Tag treibt sie Jamahl vor sich her, Energie ohne Ende. Sie wollte sich sogar mit mir anlegen! Während ich den Elektrozaun kontrollierte und zügig im inneren Bereich der Koppel unterwegs war, folgte sie mir an meiner Seite. Zunächst fand ich das niedlich, aber dann bemerkte ich ihren provozierenden Blick. Sie wandte sich mir zu und machte ein paar Sprünge. Ich erinnerte mich an die Erklärungen von Gil in Ramona, der auf zwei Kamele gedeutet hatte, die sich parallel nebeneinander bewegten - eine Art stummes Duell. So unterbrach ich die Provokation, schrie sie an und zwang sie, 'to back up'.

Also, Bewegung ist angesagt - keiner hatscht, das Wetter ist schön, alle drei hinter den Anhänger gespannt und los geht die zwei Stunden Fahrt. Mitten drin wurden wir noch von Touristen zu einem Plausch angehalten - alles verlief problemlos und ohne Zwischenfälle.


40 - 30 - 20

Es wird besser, obwohl mir Laila eine schwierige Zeit gegeben hat. „Throwing a tantrum“ wie man hier zu sagen pflegt. Als sie merkte, dass es Richtung LKW ging, zog sie dagegen, warf sich in die Büsche, nahm ein Sandbad, zog mich quer über‘s Grundstück und buckelte was das Zeug hielt. Gefühlt die Hälfte der 40 Minuten brauchte ich, um sie letztlich vor den Truck zu bringen. Neue Technik von Laila: seitlich der Rampe ausweichen! Obwohl dort der Rasenmäher stand schaffte sie es, in einem weiten Bogen schwingend hinter den Mäher zu gelangen,  so dass ich einiges an Schubsen, Schreien und sanfte Schläge auf ihr Hinterteil anwenden musste, um sie wieder in die richtige Position zu manövrieren.

Auch Jamahl fand diese von Laila angewandte Technik sehr angebracht und ich musste mein Missfallen sehr deutlich zum Ausdruck bringen. Aber immerhin ersparte er mir Trotzanfälle zu Beginn der Übung.

Ali war die Beste! Nur um etwas Solidarität mit den anderen zu zeigen zierte sie sich etwas, gab aber nach 20 Minuten auf. Sie war die Einzige, deren Kot weicher wurde und zitterte, als ich sie im LKW für ein paar Minuten ablegte.

Das Pferd der Nachbarin konnte mittlerweile auch verladen werden: mit Hilfe von Sedation.

Donnerstag, 6. September 2018

LKW Training

Seit 14 Tagen hat der LKW seine neue Laderampe. Der erste Versuch die Kamele in den Truck zu bringen dauerte vier Stunden. Die alte Frau war anschließend fix und fertig, aber alle drei zitternden und sich komplett anscheißenden Viecher waren oben. Sie wieder runter zu kriegen erwies sich beinahe als noch schwieriger. Zwar war eine genoppte Gummimatte befestigt, trotzdem rutschen die Tiere, schmissen sich auf die Knie, um nicht den Halt zu verlieren oder spreizten die Beine und verrenkten sich dabei. Unmöglich wie ungeschickt sie sich verhielten. So wird das nichts, also neue Bastelarbeiten in Angriff nehmen. Holzlatten kaufen und neuen Termin bei der Firma vereinbaren.

Neues Training unter verbesserten Bedingungen. Um es den Kamelen (und mir) leichter zu machen, führte zog ich sie einzeln hinauf und wieder hinunter. Der Zeitrahmen war ungefähr der selbe - pro Tier ca. eine Stunde - aber der Abstieg ging wesentlich eleganter.


Während ich mich Laila beschäftigte, hat Jamahl den Anhänger vom Rasenmäher ausgräumt und alle Kanister durch die Gegend geschmissen und es sich gemütlich gemacht.



Beim ersten Versuch vor einer Woche hat Laila ihr Halfter zerstört - sie trägt hier das von Jamahl.


Ali schnitt bei beiden Testläufen am besten ab. Erstaunlich, wo sie doch am sensibelsten ist. Sie stand anfangs neben dem Seiteneingang und versuchte dort einzusteigen, als ich Jamahl gut zuredete. Sie dachte wohl, all das Süßholz raspeln  sei für sie bestimmt.


Natürlich bin ich nicht zufrieden, hatte es mir wesentlich leichter vorgestellt. Einen Aufschwung erhielt ich gestern, als sich die Nachbarin den LKW auslieh. Sie wollte eines ihrer Pferde verladen und gab nach drei Stunden auf. Das gibt es bei mir nicht. Aufgeben bedeutet für die Kamele es beim nächsten Mal noch härter anzugehen und dagegen zu halten - sie hatten ja Erfolg mit ihrer Masche.