Montag, 27. August 2018

Gordischer Knoten

Fast drei Monate waren sie auf der (mittlerweile kahlen) Koppel Nr. 2 - allerhöchste Zeit die Kamele umzusetzen. Erst in den letzten paar Wochen ist endlich was Grünes nachgewachsen, überwiegend soursob. Keine gesunde Diät, da in größeren Mengen gefressen, die Kalziumabsorbtion gestört werden kann. Schafe und Pferde reagieren sehr empfindlich und sollten Kalzium zugefüttert bekommen. Wie es bei Kamelen aussieht kann mir keiner sagen, also sicherheitshalber 1 kg Kalzium beim Tierarzt gekauft - zum stolzen Preis von $ 25,-. Natürlich wissen die Viecher meinen Einkauf nicht zu würdigen. Es wird alles rundherum gefressen, nur das Pulver - das kann ich mir in die Haare schmieren 😒.

Um die Mobberei von Ali zu unterbinden und Laila nicht ständig mit Fußfesseln laufen zu lassen, habe ich kurzerhand die Koppel mit einem mobilen Elektrozaun unterteilt. So sind sie zusammen und doch getrennt. Wie lange mein Kunstwerk anhält wird sich zeigen.



Sonntag, 26. August 2018

Neues her, altes weg

Am 25. Juli 2014 habe ich Laila aus Victoria abgeholt, da war sie zwischen vier und sechs Monate alt. Sie ist also jetzt ungefähr 4,5 Jahre alt und ... bereits im Zahnwechsel! Laut Literatur sollte der Wechsel der vorderen Schneidezähne mit 5,5 Jahren erfolgen -  jetzt weiß ich auch nicht. Ist Jamahl wirklich zwei Jahre älter als Laila? Und Ali ein Jahr älter? Liegt es an der zu 'guten' Ernährung als Jungtier? Andererseits fehlt ihr die Muttermilch als Baby: kleine Kamele hängen 12 Monate an Mutters Zitzen! Als der erste Zahn vor drei Wochen weg war dachte ich noch an einen Unfall, aber jetzt sind beide weg.


Und gestern habe ich an der Stelle, wo sie angebunden steht um ihr Frühstück zu fressen, einen Backenzahn gefunden.




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Im Nachbarort gibt es eine kleine Werkstatt, die in erster Linie Autoreifen verkauft, aber auch Reparaturen an Autos vornimmt. Tolle Jungs. Die abgefahren Reifen an dem Kamelwagen waren mir immer ein Dorn im Auge, so fragte ich, ob und wie ich neue montiert bekäme - habe ja keine Verkehrszulassung für das Mobil. Kein Problem, wurde mir versichert. Und tatsächlich: die Mitarbeiter kamen zu mir mit entsprechenden Wagenhebern, montierten die Räder ab, fuhren zurück in die Werkstatt und versahen sie mit neuen Reifen. Bei der Gelegenheit zeigt ich den Jungs meinen Kamel-Anhänger, den ich vor drei Jahren meinen Wünschen entsprechend anfertigen ließ. Ich will ihn verkaufen, habe ja jetzt meinen Truck. Die Burschen sagten nicht viel, aber zwei Tage später erhielt ich einen Anruf von einem Landwirt - kurze Beschreibung des Gefährts - Preisvorstellung (nicht verhandelbar!) - und nun ist der weg, der trailer und das Geld auf dem Konto.


Bye bye trailer, miss you (not ☺)



Sonntag, 19. August 2018

Geschichte

Am 12. Oktober 1840 kam das erste Dromedar in Süd-Australien an. Henry Phillips hatte vier Dromedare von den Kanarischen Inseln exportiert, aber nur ein Bulle überlebte die stürmische Seereise der Appoline.

Fünf Jahre später landete 'Harry' auf der Farm von John Ainsworth Horrocks im Clare Valley, der im Jahr 1846 eine Expedition ins Outback startete. Obwohl 'Harry' sich mit seinem aggressiven Verhalten nicht sehr beliebt machte, beschrieb ihn sein Besitzer als gutes Arbeitstier.

Am 01. September 1846 kam es zu einem tragischen Zwischenfall. Harrocks hantierte mit seiner Flinte neben dem liegenden Kamel und dieses bewegte sich unglücklicherweise so, dass sich ein Schuss lösen konnte. Harrocks rechte Hand und linke Wange wurden durchschossen, einige Zähne aus dem Oberkiefer herausgeschlagen. Die Expedition wurde abgebrochen, der Verwundete die 260 km zurück auf seine Farm transportiert. Dort erlag er drei Wochen später seinen Verletzungen - er wurde nur 28 Jahre alt.

Harry wurde auf Wunsch seines Besitzers erschossen.

Oft bin ich an Harry's Denkmal vorbeigefahren, gestern endlich stehen geblieben.










Donnerstag, 16. August 2018

Koppel Management

Zur Abwechslung lahmt Jamahl 😒. Bin mir sicher, dass Laila dahintersteckt, ich höre ihn ja oft genug brüllen. Sie schafft es noch, ihm die Beine auszurenken. Was tun? Nachts, wenn ich Ali von der anderen Koppel geholt habe, lege ich Laila die Fußfesseln an. Tagsüber befreie ich sie von den Dingern, sind ja wirklich unangenehm. Das Leder ist hart und reibt auf der Haut, es fehlen stellenweise die Haare. Habe mir einen Sack sheep skin off-cuts besorgt, damit werde ich die hobbles umnähen, eine Dauerlösung ist das trotzdem nicht.

Also trennen! Jamahl und Ali mögen sich zwar nicht, gehen sich aus dem Weg: sie können zusammen bleiben. Laila ist der Störenfried, also muss sie isoliert werden. Damit sie nicht ausflippt wenn sie getrennt wird, habe ich einen temporären Elektrozaun direkt neben der Koppel aufgebaut. Nachdem ich Laila dorthin geführt hatte blieb ich noch ein Weilchen dort und beobachtete die Situation. Laila begann zu grasen und ich verliess sie guten Mutes.

Sicherheitshalber kehrte ich ein paar Minuten später um und ... Laila hatte es geschafft, sich in dem Elektrodraht zu verheddern! Glücklicherweise war die Alligatorklemme abgefallen, so dass sie nicht unter Strom stand. Alles wieder sortieren und einhängen. ... Der weitere Tag verlief ohne Zwischenfälle.


Montag, 6. August 2018

Winterblues

Lokale Statistik:

Durchschnittliche Niederschlagsmenge bis August: 302,5 mm
Aktuelle Niederschlagsmenge bis heute:                  157,4 mm

Alle Welt jammert wegen der Trockenheit. Die Landwirte müssen zufüttern, die Heulager leeren sich. Hier ist es nicht ganz so schlimm wie an der Ostküste. Ständig werden Aufrufe getätigt, den Farmern in NSW und Queensland zu helfen.

Den Kamelen reicht's jetzt erst einmal, seit zwei Tagen kommen immer wieder heftige Schauer nieder (inclusive eisiger stürmischer Wind) - gut für die Pflanzen, nicht so schön für die Wüstentiere.

Warten am Tor, ob es nicht doch ins Warme geht? Tja, Kinder. Hilft nix, der Stall ist zu klein für drei und die Arena noch lange nicht fertig.


Sonntag, 5. August 2018

Künstler

Als ich auf Twitter diese Karikatur sah:


musste ich an meine letzte Investition denken.

Über FB lernte ich einen australischen Künstler kennen, der seit einigen Jahren in Bangladesh lebt. Er hatte vor, im Zuge eines Heimatbesuches einige seiner Bilder beim Marree Camel Cup zu verkaufen. Mir gefielen die Bilder die er online stellte, also sprach ich ihn bei der Veranstaltung an. Er verfiel sofort in einen Jammermodus: dass er noch nichts verkauft hätte (was in meinen Augen nicht verwunderlich war, da er zwischen $ 350 und $ 750 pro Werk verlangte! ziemlich unangebracht für eine Veranstaltung im Outback) und er nicht wüsste, wie er wieder in seine Wahlheimat zu Frau und Enkeltochter zurück kehren könne. Mir tat der alte Mann Leid und so handelte ich einen Deal aus: ich bot ihm Unterkunft bei mir an und soviel Geld, dass er ein Rückflugticket nach Dhaka kaufen kann, wenn er mir drei Porträts meiner Kamele zeichnete.

Kaum drei Wochen später meldete er sich und wir setzten den Handel in die Tat um. Nach drei Tagen waren die Bilder fertig und ich fuhr ihn nach Bezahlung zurück Richtung Adelaide.

Er war ca. eine Stunde mit mir auf der Koppel und hat viele Fotos geschossen, die die Grundlage für seine Kunstwerke bildeten. Ich stellte ihm die Tiere einzeln vor und betonte auch die herausragenden Merkmale der Kamele (u.a. Laila's hängende Unterlippe, der arrogante Blick von Jamahl und die schönen langen Wimpern von Ali).

Doch welche Enttäuschung! Ich habe meine Kamele nicht wiedererkannt. Das waren irgendwelche missmutige traurige schlecht gelaunte Viecher, eine Spiegelung der Eigenschaften, die der alte Mann verkörperte. Die Augen, die Seele der Kreatur, zeigen Ablehnung, Enttäuschung - keine Spur von der Lebensfreude, Frechheit, Vertrauen, Herausforderung, Verspieltheit ... alles was ich so sehe. Nachdem ich die Kamele nicht erkannt habe, wollte ich wissen, welches Foto er jeweils als Grundlage genommen hat. Er konnte sie nicht mehr zuordnen! Meiner Meinung nach, hat er Laila zweimal gezeichnet. Am ehesten glaube ich Ali zu identifizieren. Ihr hat er auch extra lange Wimpern gemalt, obwohl sie anatomisch in keinster Weise der Wirklichkeit entsprechen.




Die Bilder sind ganz tief unten in einer Schublade verstaut.

Freitag, 3. August 2018

Streitereien

Vierter Tag Erdbewegungen.


Unwahrscheinlich wie der Platz jetzt aussieht - als hätte eine Bombe eingeschlagen. Der Bauleiter war da und hat so ein Theater gemacht, dass der Chef von der earthmover company bei mir anrief und die Telefonnummer des Bauleiters erbat. Die Arbeiter waren offensichtlich genervt und konnten sich nicht anders helfen, als sich beim Boss zu beschweren. Die Frage stellt sich nun, wie ich zukünftig mit meinem 10 m Truck in die Scheune komme, da sich ein ordentliches Gefälle ergeben hat. Ich weigere mich - trotz Drängen des Bauleiters - in die Diskussion einzumischen. Ich will eine Scheune für den LKW, eine Arena für die Kamele und ein Workshop für künftige Events/Gäste. Wie die das machen, ist mir wurscht - sollen die sich die Köppe einschlagen. Auch wenn die Erdbewegungen diese Woche fertig werden - der Bau geht erst in zwei Wochen los, da der Terminplan der Baufirma durcheinander geraten ist und die Crew sich erst einmal nach Alice Springs begeben wird.