Montag, 30. Juli 2018

Funkstille am Bau

Zwar habe ich jetzt die (mündliche) Zusage der Behörde, aber weitergehen tut trotzdem nichts.

Letzte Woche war der Chef der Baufirma hier. Anscheinend hat meine Empörung darüber, dass sie sich nicht blicken lassen und nur sinnlose Präsente verschicken, doch Früchte getragen. Er hat mir die neueste Bedingung der Behörde unterbreitet: ich muss einen eigenen fire-fighting-tank mit 72.000 Liter Wasserkapazität neben der Arena stehen haben. Ziemlich kostenintensiv und in meinen Augen für einen Stahlbau ziemlich überflüssig. Was soll denn hier brennen? Nur weil das Gebäude eine bestimmte Größe überschreitet, ist der Spezialtank erforderlich. Da das Grundstück der unmittelbaren Nachbarn dicht bepflanzt ist und für mich schon immer eine Gefährdung darstellte, sehe ich die Auflage der Behörde von der positiven Seite als eine Absicherung für mein Hab und Gut in der Zukunft.

Im Zuge der Begehung meinte der Chef, dass die Fläche, auf der die Arena stehen soll aussieht, als wenn sie nicht laser-levelled wäre. Ich konnte nur mit den Achseln zucken. Wie soll ich das wissen? Der earthmover hatte den Auftrag übernommen und in Rechnung gestellt. Ich habe keinen Laser, kann es nicht überprüfen. Ein Anruf beim earthmover stellte klar - es ist nicht laser-nivelliert! Er wüsste von keiner Arena! WTF! Ich habe mir sein Angebot rausgesucht und da steht eindeutig ARENA. ... Was soll ich mich aufregen? Jedenfalls konnten die Jungs heute nicht - wie vorgesehen - mit dem Bau beginnen, da der earthmover frühestens in zwei Tagen hier aufschlagen kann.

Sonntag, 29. Juli 2018

Auf dem Weg der Besserung

Bereits am nächsten Tag war sie wieder auf dem Damm, bewegte sich, als wär nichts. Trotzdem bekam sie noch eine Dosis Metacam.

Der Verbandswechsel gestaltete sich problemlos. Bin so froh, dass sie sich wieder manipulieren lässt - ich wollte ihr sicherheitshalber den Maulkorb anlegen, was ihr missfiel. Also vertraute ich ihr und wurde nicht enttäuscht.


Freitag, 27. Juli 2018

Ali, mal wieder

Seit ich aus Marree zurück bin, habe ich keine Trainingseinheit eingelegt. Ali lahmt, schon wieder, mal mehr, mal weniger. Kaum denke ich, alles ok, steht sie beim Frühstück wieder auf drei Beinen. Die Sohle ist wie zerfressen. Habe täglich mit Jodlösung gesprüht, hat wohl nichts bewirkt.

Heute morgen war es so schlimm wie noch nie. Sie ist nur gelegen und hat sich, wenn überhaupt, höchstgradig lahmend vorwärts bewegt. Habe ihr eine doppelte Dosis Metacam ins Futter gemischt (ging runter wie Öl - mit entsprechender Menge Haferflocken) und einen Verband angelegt, bestehend aus einem Handtuch und drei selbsthaftenden Binden. Mal sehen, wie lange mein Kunstwerk anhält.



Abends war sie etwas munterer, der Verband noch oben.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Matthäus 19:24

Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

Noch schwerer als diese Nadelöhr-Geschichte ist es wohl, drei Kamele in einen LKW zu kriegen 😭. Ich habe mir vorgenommen, es auf die amerikanische Art zu versuchen: langsam, mit viel leckeren Bestechungen, ein Schritt nach dem anderen. Weiss nicht, wie lange ich das durchhalte und nicht doch wieder auf die bewährte 'ziehen-und fluchen-Methode' zurückkomme.





Sonntag, 15. Juli 2018

Baufortschritt


War ja eh klar, dass das Projekt nicht im Mai fertig ist - wenigstens haben die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt in der vergangenen Woche (Juli!) begonnen. Und gleich am ersten Tag klopfte der Bauleiter an und wollte von mir wissen, wie denn die Scheune ausgerichtet werden soll. Ich war sprachlos, dachte das wäre klar - von Nord nach Süd, die Öffnung nach Osten. Tja, leider hat der earthmover wohl gedacht von West nach Ost und den Untergrund falsch bearbeitet.





Der earthmover hat sich entschuldigt und wird nach Abschluss der Bauarbeiten den Fehler ausbessern. Ich habe mich mehr über die Errichterfirma geärgert, warum die nicht vor Arbeitsbeginn vorbeikommen und sich von den ordentlichen Vorbereitungen überzeugen. Stattdessen geben die Geld für unnötige Werbung aus: bei Vertragsabschluss sandten sie ein Päckchen mit Schokopralinen und einem Sonnenhut und bei Rechnungslegung kam ein Vertreter der Firma mit zwei Flaschen Wein vorbei. Was soll das? Habe beides zurückgehen lassen und meinen Ärger kundgetan, gesagt, sie sollen stattdessen fachkundiges Personal als Controller einstellen.

Die Arena kann noch nicht errichtet werden - es fehlen noch diverse (genaugenommen 13) Details für die Erteilung Baubewilligung. Einen zweiseitigen offiziellen Brief von der Baubehörde erhalten, der jetzt abgearbeitet werden muss. Sind ja erst vier Monate seit der Antragstellung vergangen.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Es geht weiter

Der kurze Besuch auf der Merna Mora Station hat neue Perspektiven für mich eröffnet.

Bis dato wollte ich eigentlich wieder zur Beltana Station, doch hatte sich in der Zwischenzeit einiges geändert. Die Eigentümer veräußerten die Farm und seitdem dient sie einem anderen Kamel-Unternehmen als Basis. Die wiederum waren vorher auf der Wonoka Station, also rief ich dort an, ob ich mit meinen Kamelen willkommen wäre. Die Eigentümerin jammerte mir einiges vor: dass es nix mehr zu fressen gibt für die Tiere, wie sehr sie mit der Trockenheit zu kämpfen hätten, eventuell könnte ich kommen, wenn ich mein eigenes Futter mitbringen würde. Und überhaupt, wie ich mir das denn genau vorstelle. Ich solle ihr meine Daten geben, sie würde mich später kontaktieren.

Tatsächlich rief sie noch am selben Tag zurück: Also, wenn ich Futter mitbringe, eine noch vorzubereitende Haftungsauschluss-Erklärung unterzeichne, $ 50,-/Tag bezahle und die Tiere am Abend wieder in den Yard stelle, dann kann ich kommen. Der Preis ist ganz schön happig für einen Campingplatz und etwas Wasser. Aber sei's drum. Womit ich mich nicht anfreunden kann ist der Umstand, abends wieder am Ausgangspunkt zurückkommen zu müssen. Ich will doch trekken - zwar nicht monatelang, aber doch ein paar Tage hinter einander. Im Kreis laufen kann ich auch zu Hause.

Beim einchecken auf Merna Mora traf ich auf den Besitzer und fragte ihn ob ich bei ihm trekken könnte. Und siehe da, er hatte nichts dagegen. Die o.a. Ellis-Familie war nämlich vor Wonoka auf dieser station gewesen, er hatte somit Erfahrung und konnte sich vorstellen, Kamele zu beherbergen. Kein Jammern, keine Rede von einer Verzichtserklärung und Futterbereitstellung. Bei meinen kurzen Spaziergängen mit dem Hund entdeckte ich im dry creek viele Acaciae victoriae - dornige Akazien, die von Schafen und Rindern gemieden, allerdings von Kamelen bevorzugt gefressen werden.

Auf in die Flinders! Jetzt warte ich nur noch auf die Lieferung meines neuen Trucks. Jawohl, die alte Frau hat den LKW-Führerschein geschafft und sich ein Gefährt gekauft. Die Bedingung für den Kauf war, die Ladefläche um 50 cm zu erhöhen. Es war ein Pferde-LKW und nur 2 m hoch. Jamahls Höcker ist jetzt schon höher und der Bursche wächst noch immer.






Beginn der Umbauarbeiten:


Beinahe fertig:


Das Gefährt wird mir vom Vorbesitzer bis vor die Tür gebracht - sind ja nur 1550 km (one way) ☺

Sonntag, 8. Juli 2018

Ausflug





Es geht nicht mehr und ich weiß nicht woran es liegt: ist es das Alter, somit normal? Mit 60+ erträgt man keine Menschenmassen mehr? Liegt es daran, dass ich mich in den letzten 6 Jahren zu einem Einsiedler entwickelt habe? Das Gehirn überfordert ist akustische und optische Reize zu verarbeiten, irgendwie nur noch eingleisig funktioniert? Oder bin ich psychisch krank? Sollte ich mich in eine Therapie begeben?

Da fahre ich 8 Stunden, 560 km mit Caravan über australische Landstraßen, teilweise sogar unbefestigt, freue mich schon wochenlang im Voraus auf das Ereignis, nerve Bekannte, wie sie meine Viecher zu versorgen haben, nur um am nächsten Tag voller Panik die Zelte wieder abzubrechen und grußlos zu verschwinden. Gegen Mittag kam die Veranstaltung langsam in Schwung, immer mehr Leute gesellten sich dazu- aber ich fühlte mich von Minute zu Minute mehr verloren. Als ich sah, dass ein Bühne in der Nähe meines Lagers errichtet wurde und alle schon ganz erwartungsvoll von Westernmusik sprachen, war der Ofen endgültig aus.

Ich halte das einfach nicht mehr aus. Ich möchte mich verkriechen und niemanden mehr sehen oder hören. Ist das jetzt krank oder noch normal? Sollte ich daran arbeiten oder es einfach akzeptieren und keine Events mehr besuchen bzw. Menschenansammlungen vermeiden?

Nach halber Wegstrecke Richtung Heimat bin ich in eine station, die Campingplätze anbietet, abgebogen. Wie schön ist es dort, ruhig und friedlich. Ein paar andere Erholungsuchende sind auch hier, aber die tangieren mich nicht. Mein Hirn arbeitet wieder normal.