Samstag, 3. Februar 2018

Durch's reden komm'n die Leut z'sammen!

Als der fencer Anfang letzten Jahres mit seinem Auftrag fertig war, brachte er mir den längst versprochenen Wassertank. Er hatte ihn in seiner Scheune herumstehen und dachte, er wäre gut bei mir aufgehoben.

Der Kanister wurde angeblich früher von cameleers verwendet. Die Innenfläche war gebogen, so dass er sich gut dem Tierkörper anpasste. Zwei große Ringe ermöglichten die Befestigung am Sattel oder Geschirr.




Nur, was sollte ich damit? Das Ding war mordsschwer, auch ohne 20 l Wasser. Natürlich bedankte ich mich höflich, stellte es aber gleich online zum Verkauf. Wider erwarten interessierten sich ein paar Leute und mir wurden sogar $ 150,- dafür geboten!

Eine Person, ein cameleer aus den Flinders, war besonders scharf auf den Behälter. Ich versprach, ihn bei meiner nächsten Reise ins Outback mitzunehmen. Leider schaffte ich es im letzten Jahr nicht dorthin - der junge Mann fragte aber immer wieder nach, ob ich den Tank noch hätte.

Kürzlich traf eine Nachricht ein, er befinde sich auf dem Weg nach Adelaide seine Gattin vom Flughafen abzuholen und könnte bei mir vorbeikommen, den Wasserkanister abzuholen. War mir nur Recht und so lernte ich R. kennen. Wir plauderten noch bei einer Tasse Kaffee bevor er sich wieder auf den Weg machte.

Ich war dankbar, dass er sich geduldig meine Probleme mit Laila - ihr kaum zu bändigendes Dominanzverhalten - anhörte und ... den gordischen Knoten durchschnitt: wenn Laila ständig rauft, wenn sie hinter einem anderen Kamel herlaufen soll, dann soll ich sie doch als Leitkamel nehmen! Nur weil sie die jüngste ist heißt ja nicht, dass sie nicht vorne an der Spitze laufen kann. Sein Leitkamel ist ebenfalls weiblich und das kleinste Tier, was er besitzt. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen! Na klar, die Probleme fingen erst an, als ich dem Ratschlag von P. folgte und Ali als Leitkamel bestimmte! Von da an ging es bergab. Jamahl war auch nicht in der Lage Lailas Führungsanspruch infrage zu stellen.

Jetzt habe ich die Erkenntnis in die Tat umgesetzt - eine kleine Runde spazieren gehen mit Laila vorne ... ohne raufen ... Sieg!


Stressfreier Spaziergang!

Was mir auch gefiel war seine Schilderung, wie er sich auf den Treks bewegte: nämlich so, dass seine Tiere unterwegs fressen konnten. Hier ein Happen, dort ein Happen. Nicht stur geradeaus! Sich Zeit nehmen, keine Hektik.

Etwas was ich auch nicht wusste und von R. anschaulich geschildert wurde: der original Afghan saddle verfügt über keine Gurte. Der Sattel wird aufgelegt und so beladen, dass die Gewichte genau austariert, die Lasten balanciert sind. Das macht Sinn, weil im Falle eines Umfallens die Kamele sofort frei sind. Wären noch Gurte um den Brust-Bauchbereich gebunden und die Tiere würden hinfallen, würde die Ladung verrutschen und die Gurte unter Spannung setzen - die Tiere könnten nicht mehr aufstehen, die Gurte müssten unter gefahrvollen Bedingungen gekappt werden.

Ich schenkte R. den Kanister unter der Bedingung, dass ich ihn und seine Kamele besuchen darf und er mir noch ein bisschen was beibringt.

Win-win-situation auf beiden Seiten!

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