Montag, 22. Mai 2017

Und das Theater geht weiter

Letzten Sonntag (14.05.) eine Trainingsrunde angesetzt. Ziel war, die Kamele hinten an den Hänger zu binden, mit ihnen den Hügel hinaufzufahren, dort einem von beiden den Sattel anzulegen und eine Runde zu marschieren. Möglichst mit Laila hinter und nicht neben Jamahl.

Hat nicht ganz geklappt. Ich wollte sie wieder vor der Scheune anbinden und um eine Eskalation erst gar nicht aufkommen zu lassen, habe ich sie einzeln geführt. Jamahl ging diesmal brav am Wassertank vorbei, aber Laila musste Theater machen. Ich legte ihr die nose-line an, was aber erst recht zum Aufstand führte. Sie wollte nicht. Sobald sie einen Zug spürte fing sie an zu brüllen und legte sich hin. Aufstehen wollte sie auch nicht mehr. Ich bespritzte sie mit der Wasserflasche – erwartungsgemäß sprang sie auf, rannte wie eine Irre herum, ich zog behutsam an der nose-line, sie legte sich hin. Das ging x-Mal so. Ich war schon wieder der Erschöpfung nahe, als nach gefühlten Stunden endlich beide vor der Scheune standen. Ich änderte meinen Plan, ließ Laila niederhooshen und legte ihr den Sattel auf. Ich dachte, wenn sie den schweren Sattel schleppt, wird sie nicht so herumhopsen und auch Jamahl in Ruhe lassen. Nun ja, ein wenig pushen geht immer, mit oder ohne Sattel. Beißen war nicht möglich, da sie sicherheitshalber den Maulkorb trug. Als ich endlich im Auto saß und die beiden Kamele hinten am Hänger angebunden waren, änderte ich meinen Plan und wollte es bei einer Rundfahrt belassen. Die ganze Aktion hatte mich schon zuviel an Energie gekostet, keine Reserven mehr, um anschließend zu laufen.



Zuerst ging alles gut, bis ich im Rückspiegel sah, das der Sattle zu rutschen begann. Ich hielt an, stieg aus und richtete ihn wieder gerade. Einige Meter weiter, und schon wieder hing er schief. Anhalten, hochhieven, weiterfahren. Ich beschloss den Sattel abzunehmen, wenn wir auf die stille Seitenstraße kommen. Da ich Laila hätte niederhooshen müssen, wäre ein vorbeidonnerndes Auto ein Risikofaktor gewesen dem ich mich nicht hätte aussetzen wollen. So weit kam es nicht. Kurz bevor wir die Abzweigung erreicht hätten, rutschte der Sattel völlig vom Höcker und hing auf Lailas linker Seite. Die Gurte waren hochgradig gespannt: wie sie lockern und den Sattel vom tänzelnden Kamel kriegen? Mit der rechten Schulter hob ich das Gestell so gut es ging an, mit aller Kraft gelang es mir, den Riemen vom Hals und von der Brust aufzumachen. War keine gute Entscheidung, hätte besser erst den Bauchgurt öffnen sollen. Jetzt hing das schwere Drum fast unter Lailas Bauch und nun flippte sie völlig aus. Ich konnte ihr nicht mehr nahe kommen, sie rannte von einer Seite zur anderen, schlug mit den Hinterbeinen aus, um sich irgendwie zu befreien. Hilflos schaute ich zu und sah im Geiste mal wieder gebrochene Haxen. Glücklicherweise gelang es ihr dann doch sich zu befreien. Sie stieg abschließend noch einmal in den Sattel und verursachte einen Riss in den Stoff – kann man flicken, egal, Hauptsache ihr ist nichts passiert. Den Sattel auf den Wagen laden und nix wie Heim. 



Dort angekommen kam mir der zukünftige Nachbar entgegen: ob ich mal schauen wollte, ein kangaroo hat sich im Zaun verfangen. Er konnte es befreien, aber es kann nicht laufen. Hmm, was soll ich da wohl machen können? Ich brachte Jamahl, den ich schon losgebunden hatte auf die Koppel und lief dann zu der Stelle, wo das arme Viecherl lag. Mit großen Augen schaute es uns an, war unfähig aufzustehen oder sich irgendwie zu bewegen. Offensichtlich hatte es sich das Kreuz beim Versuch sich zu befreien gebrochen. Ich war dafür es zu erlösen, der junge Mann hatte kein Gewehr und so holte ich meines.

Also heute (21.05.) ein neuer Anlauf die obere Runde zu gehen. Wieder erfolglos. Diesmal flippte Jamahl aus. Erst versuchte er mich zu beißen, als ich ihm das Halfter anlegen wollte, dann wollte er sich nicht niederhooshen, dann nicht bürsten lassen. Ständig sprang er auf und als es mir zuviel wurde und ich ein Vorderbein fixierte, ließ er sich empört zur Seite fallen. In den Zaun. Mehrmals. Das der nicht kaputt ging war ein Wunder. Laila schaffte es derweil den Karabiner vom Seil an dem sie angebunden war zu zerstören und mischte sich sofort in mein Erziehungsprogramm. 😭

Eine Stunde später standen sie endlich angebunden hinter dem Trailer. Ich fuhr langsam Richtung Hügel. Jamahl war nicht amused und zog ständig zurück. Als wir die Stelle passierten wo wir das letzte Mal anhielten um den Rückweg per pedes zu bewältigen, spürte ich einen heftigen Ruck … Der Blick in den Rückspiegel verhieß nichts gutes: Jamahl hatte das Seil UND seine nose-line zerrissen und machte sich gemütlich auf in Richtung Heimat! So eine Scheiße. Ich sendete Stoßgebete Richtung Himmel, dass bitte jetzt kein Auto kommen möge. Langsam ging ich Jamahl hinterher. Bloß nicht rennen, dann fühlt er sich verfolgt und rennt nur noch schneller. Man kann sich denken, wer gewinnen würde. Laila wollte natürlich auch mit und zog wie eine Irre, aber ihr Seil hielt. Ganz geheuer war Jamahl die Situation nicht, so hielt er nach ca. 50 m an und ich konnte ihm an dem Rest des Seiles zu fassen kriegen. Nachdem er wieder am Trailer angebunden war, entschloss ich mich es für heute gut sein zu lassen. Mit beiden Kamelen den Rückweg zu Fuß über Nachbars Grundstück zurück. Erstaunlicherweise war Laila sehr folgsam. Nicht einmal hat sie versucht mit Jamahl zu raufen. Auch diesmal trug sie ihren Maulkorb, aber keine nose-line. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, schließlich ist sie es, die mir im Moment die meisten Sorgen bereitet.

Am Monatsanfang schrieb ich eine mail an die Betreiber der Beltana Station:

Good morning,
Last year in April I spent a couple of nights camping at your station.  I want to ask whether I can come again - with 2 camels - around mid/end of June? I don't know whether we are still welcome since K. left your place?
Thank you


Und ihre Antwort, kurz und bündig:
Yes you are still welcome to stay.


Sollte ich es schaffen, in absehbarer Zeit beide Kamele hintereinander zu führen, dann, ja dann, werde ich mich wohl wieder auf den Weg machen. 😅

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