Mittwoch, 26. April 2017

Rabenmutter

Schlaflose Nächte gingen voraus. Soll ich? Soll ich nicht? Habe ich versagt? Habe ich Fehler gemacht? Liegt es an mir und es ist meine Pflicht, es wieder ins Lot zu bringen? Ist es fair, sie weg zu geben? Kneife ich? Bin ich zu faul?

Gestern morgen durfte ich ihr wieder - gefühlt stundenlang - auf der Koppel hinterher gehen/rennen, bis es mir gelang sie einzufangen. In den letzten Tagen habe ich sie lediglich am Seil gehalten, zum Pfosten geführt und ihr den Trog mit dem Frühstück gereicht. Keinerlei Versuch sie zu streicheln, bürsten, am Halsband halten, Halfter abnehmen oä. Und trotzdem, keinen Schritt in Richtung Vertrauensbildung vorwärts gekommen. Es ist auch nicht so, dass sie sich daraus einen Spaß machen würde, sie lediglich mit mir Fangen spielt. Nein, sie hat höllische Angst, zu erkennen an dem Durchfall, der sich während der Nachlauferei entwickelt.

Ich kann nicht mehr. Ich war ja damals mit meiner Hündin Clare in einem ähnlichen Zustand. Soviel Hunde hatte ich schon. Selber gezüchtet, mit der Flasche großgezogen, halbverhungerte, misshandelte arme Kreaturen gerettet, aber noch nie mit einem Hund wie Clare zu tun gehabt. Ein Hund, der bereits im Alter von sechs Wochen nichts mit mir zu tun haben wollte. Eine Bekannte riet mir, Clare wegzugeben. Sie hätte auch so einen Hund gehabt, ihn auf einen anderen passenderen Platz vermittelt und es ging ihm und ihr gut dabei. Ich war empört. Wie kann man seinen Hund weggeben, nur weil man mit seinen Besonderheiten nicht fertig wird? Nun, im Nachhinein weiß ich, dass das ein guter Rat war, denn dann würde Clare noch leben. Und nicht auf Grund meiner Borniertheit und Ignoranz mit fünf Jahren erschossen worden sein.

Bei Ali besteht zwar keine Gefahr, dass sie erschossen wird, aber sie fühlt sich nicht wohl unter den Bedingungen, die ich ihr biete. Also brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben, denke ich. Es ist die beste Lösung für alle. Ich habe weniger Arbeit und Sorgen, Ali braucht keine Angst mehr zu haben und hat mit ihrem neuen Platz nicht nur liebe Tierfreunde, sondern auch noch einen Kumpel, der sie hoffentlich nicht so mobbt wie Laila und Jamahl.

Heute habe ich sie weggebracht. Es hat nur eine Stunde gedauert, bis ich sie eingefangen und auf dem Hänger verlanden hatte. Jamahl habe ich mitgenommen, Laila am Zaun angebunden und an den Vordergliedmaßen gefesselt zurückgelassen. Wäre ich nur mit Ali weggefahren, hätten sich die Zurückgebliebenen zu sehr aufgeregt. Als wir zurückkamen, war Laila so froh Jamahl wiederzusehen, dass sie ganz auf Ali vergessen hat, zumindest hat es keinerlei Protestgebrüll gegeben wie neulich, als die beiden alten Kamele wieder abgeholt wurden.




Ihr neues zu Hause ist eine Farm mit vielen anderen Tieren, die sich die Frau des Hauses als Haustiere hält. Neben dem einsamen Kamel, noch x Esel, Zwergrinder, Schafe, Minischweine uva.

Ein kleiner Wermutstropfen ist die Unterbringung: obwohl sie Hunderte von Hektar besitzen, lebt das Kamel in einem ziemlich kleinen Yard. Es übersteigt niedrige Zäune und geht in der Nachbarschaft spazieren und muss deshalb auf engem Raum sicher untergebracht leben. Aber sie wollen das ändern. Sie haben meinen Solar-Elektrozaun gesehen und werden (hoffentlich) sowas in der Art installieren (Michael said that he wanted to electric the whole big Paddock. So I will give them a few days and let them out to see if they will stay around also ).

Erste Nachfrage wie es geht: When u left she was upset ,but now after a stack more carrots and she loves apples she has settled


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