Sonntag, 5. März 2017

Doch traumatisch?

Eigentlich wollte ich mit Jamahl und Laila einen längeren Spaziergang über Nachbars Grundstück machen. Wie immer starte ich selbstbewusst und engagiert, aber nach einigen Metern verlässt mich wieder der Mut. Wenn ich vor Jamahl herlaufe und ich nicht sehe, was sich hinter meinem Rücken abspielt, kriege ich mit jedem Schritt ein bisschen mehr die Panik. Was, wenn er sich erschreckt und voll in mich hineindonnert? Vor ein paar Tagen, als ich ihn das erste Mal mit Sattel "Gassi führte", trat genau diese Situation auf: irgendetwas ließ ihn aufschrecken und er gab Gas, rannte an mir vorbei. Er beruhigte sich sofort und hatte mich auch nicht berührt, aber ich habe es nicht kommen sehen und war anschließend angespannt.



Laila verhielt sich mustergültig. Sobald sie die nose line angelegt bekommen hatte war sie wie ein Lämmchen. Sie hat noch nicht einmal versucht, unterwegs zu fressen. Jamahl zog indess ständig zu den Futterpflanzen, aber ein leichter Zug an der nose line genügte, um ihn wieder auf den richtigen Weg zu führen.



Anstatt ich nun zügigen Schrittes mit energischer Körperhaltung einfach vorne weg gegangen wäre, habe ich immer wieder zurückgeschaut und Jamahl die Möglichkeit gegeben den Kopf zu senken und woanders hinzugehen. In Schlangenlinien und im Schneckentempo haben wir uns vorwärts bewegt. Ganz zum Schluss wurde es sogar wieder brenzlig. Ich weiß nicht, ob Laila von hinten gedrückt hat oder ob Jamahl von sich aus plötzlich auf mich zu ging und mich in den Zaun drängte. Okay, er beißt nicht, tritt nicht und steigt nicht auf. Aber meine Unsicherheit ist ihm wohl bewusst gewesen und ein kleiner Machtkampf durch abdrängeln kann ja mal versucht werden? Ich bin auf die andere Seite des Zaunes gestiegen und mit den beiden eine komplette Runde um die Koppel gegangen - sie außen, ich innen. So wie es sich gehört. Zügigen Schrittes, ohne wenn und aber. Hat gut geklappt. Warum schaffe ich das nicht, wenn kein Zaun zwischen uns ist? Ich bin eine echte Memme 😨.

Der Spaziergang war also nicht von langer Dauer, mein Nervenkostüm einfach zu dünn. Nach Beendigung der Runde und kleinem Frühstück für die Teilnehmer gelang es mir, Ali an einen Pfosten zu binden. Ein sanftes "hoosh" und sie parierte sofort. Ich bürstete sie zur Belohnung und sie ließ es ohne Widerstand geschehen, ja sie genoss es förmlich. Fast so wie früher. Ich pulte ein wenig an den Krusten auf ihrem Höcker. Ich dachte, es handelt sich um verschmutzte und verklebte Haarlocken, hatte allerdings plötzlich rohes Fleisch freigelegt. Also doch. Sind es Schmerzen, die sie von den beiden anderen isoliert? Immer mehr Krusten konnte ich fühlen. Die dauernde Aufreiterei von Laila hat also ernsthaften Schaden angerichtet. Nur gut, dass das jetzt ein Ende hat. Nach wie vor ist Laila auf Jamahl konzentriert und bearbeitet ihn mit ihren Liebesbissen. Er hat auch schon einige Schrammen an den Unterarmen davon getragen, zur Zeit noch ohne Entzündungszeichen. Ali's Wunden muss ich besonders gut im Auge behalten, v.a. damit sich keine Fliegenmaden festsetzen. Blöde Stelle, mitten auf dem Höcker, da kann sie sich noch nicht einmal putzen. 



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