Dienstag, 28. Februar 2017

PMS oder was?

Ganz langsam normalisiert sich Ali wieder. Seit der Ankunft Jamahl's





machte sie wieder eine auf unnahbar. Sie sonderte sich ab, stand alleine irgendwo rum während Laila und der Neue miteinander rauften, fraßen oder sich im Sand badeten. Vorsichtig kann ich sie wieder am Halsband fassen und an den Zaunpfosten binden. Wie immer bin ich mir unsicher, wie ich vorgehen soll. Soll ich sie zu ihrem Glück zwingen, d.h. gegen ihren Willen bürsten, Halfter anlegen, Kommandos ausführen lassen,... oder ihr Zeit geben, bis sie selber auf mich zukommt?

Als sie neu war, habe ich ihr keine Wahl gelassen. Hätte ich gewartet bis sie selber kommt und sich hantieren lässt, hätte ich wohl bis zum Nimmerleinstag warten können. Warum sollte sie sich freiwillig unterordnen? Ohne aktive Erziehung würde sie weiterhin diskreten Abstand wahren und von weitem zusehen. Indem ich immer wieder mit ihr übte lernte sie mit der Zeit, dass ihr nichts passiert. Es tut nicht weh, sich auf Kommando niederzulegen oder aufzustehen. Und es tut nicht weh, sich ein Halfter umlegen zu lassen.

Als sie letztes Jahr ihre "pms Phase" hatte, war ich hochgradig verzweifelt. Jetzt bin ich nur mäßig enttäuscht. Warum sie immer wieder in ihre Ängstlichkeit zurückkehrt? Ich lasse ihr jetzt Zeit, übe mit den beiden anderen, ignoriere sie und fange langsam an. Es ist beruhigend die beiden anderen zu haben, so kann ich auf jeden Fall später trekken gehen. Bleibt sie halt daheim, irgendwo als Gast bei anderen Kamelen. Obwohl sie auf Grund ihrer kompakten Statur ein hervorragendes Packtier abgeben würde. Die Zeit wird es weisen und ich lerne, mich in Geduld zu üben.

Montag, 20. Februar 2017

Ich muss gewinnen,

alles andere ist primär (frei nach Hans Krankl).

Und ich habe gewonnen. Vormittags wieder mit der Mannschaft gespielt:

1. Jamahl Halfter und nose line angelegt - mittelschwerer Kampf. Halfter war eigentlich keine Herausforderung, die nose line schon eher. Aber mit bewehrter Technik (Führseil ganz kurz um einen Pfosten binden, so dass der Kopf nicht mehr wegbewegt werden kann und unter ständiger Ansage "peg" die Schnur umgebunden) hat's letztlich geklappt. Niederhooshen funktioniert erst nach der gefühlt 100. Aufforderung und sobald ich mich wegdrehe, springt er wieder auf. Nun ja, wofür gibt es Riemen zum Beine zusammen zu binden? Als ich mich anschließend mit den girls beschäftigte, zeigte er seinen Unmut, indem er sich auf die Seite schmiss. So lag er ein ganze Weile, wie ein trotziges Kind, das seinen Willen nicht durchsetzen kann.

2. Ali ließ sich widerwillig einfangen. Sie reagierte nicht schnell genug als sie aus Jamahl's Trog naschen wollte. Unter Protest und spuckbereit konnte ich sie anbinden, Sie war total schlecht drauf. Halfter anlegen ist ja normalerweise kein Problem, Kommando: "Nasi" und sie steckt von sich aus die Nase in das Halfter. Nein, heute wollte Madam nicht. Auch nicht angefasst werden, Brüllen, spucken, sich anscheißen - weiß der Henker warum. Ich habe sie dann in Ruhe gelassen. Keine nose line, keine Decke auflegen, nur niederhooshen, aber das macht sie sowieso, wenn man sie nur streng anschaut.

3. Laila volles Programm: Halfter, nose line, niederhooshen, Beine fesseln, Decke und Sattel auflegen. Der Sattelmacher wollte Fotos sehen um einen Eindruck zu gewinnen, ob der Sattel passt oder nicht.



(Seiner Meinung nach "perfect", die Polster würden sich mit der Zeit anpassen.)

Als ich die Gurte schließen wollte musste ich feststellen, dass bei der gestrigen Aktion ein Gurt gerissen war! Einmal den Sattel auflegen und schon ist er kaputt.





 Habe das Teil zurückgeschickt und bekomme in den nächsten Tage zwei Ersatzgurte.

Abends noch mal zur Koppel, um das Wasser frisch zu machen und einen Trog mit chaff hingestellt. Jamahl ist immer hungrig. Er bekommt von mir auch extra Kraftfutter, da er meiner Meinung nach zu schlank ist. Die Hüft- und Sitzbeinhöcker sind deutlich sichtbar, der Höcker recht klein. Ali motzte noch immer, war alleine am anderen Ende der Koppel während Laila und Jamahl vor sich hin mampften. Irgendwann stieß sie dazu, alleine sein ist doch doof. Ich bearbeitete Jamahl mit einem Striegel. Normalerweise liebt es Ali, gebürstet zu werden, aber wenn man schlecht gelaunt ist, entgeht einem das Vergnügen. Es dauerte aber dann nur kurz, bis das Verlangen nach Körperpflege obsiegte - wie üblich schob sie mit ihrem massigen Körper den Konkurrenten einfach zur Seite und präsentierte mir ihren Hals. Wieder Freunde, wir zwei! Ein schönes Gefühl.

Sonntag, 19. Februar 2017

Manchmal verliert man,

manchmal gewinnen die anderen.

Ich mag nicht verlieren, aber Ali hat es heute geschafft! Als ich mit den Futtertrögen ankam und die Kamele damit zum Zaun lockte, hatte sie wohl Lunte gerochen. Sie ließ sich nicht anbinden, rannte immer wieder davon. Alle möglichen Tricks habe ich versucht. Mit Leckerli gerufen. Einen ganz langen Hals hat sie gemacht, mir die Möhre aus der Hand genommen und ist wieder abgetaucht. Unmöglich für mich ihr Halsband zu erreichen. Hinterher gelaufen, versucht sie in eine Ecke zu treiben. Lächerlich. Den beiden anderen das Halfter angelegt und sie hinaus geführt, in der Hoffnung Ali würde Richtung Tor gehen und klein beigeben. Chancenlos. Ein langes Seil geholt und versucht ihr von Weitem um den Hals zu schmeißen. Hahaha. Nach zwei Stunden habe ich das Handtuch geworfen. Habe Laila und Jamahl an den Hänger gebunden und unsere 11km-Sonntags-Morgens-Runde abgefahren. Laila bewegte sich wie ein Vollprofi, geschmeidig und elegant - soweit man das von Kamelen sagen kann. Jamahl war nicht wirklich begeistert. Anfangs brachte er öfters seine schlaksigen Gliedmaßen durcheinander, hatte was spastisches an sich. Gegen Ende wollte er nicht mehr. Alle zehn Schritte zog er zurück, hatte aber gegen die Zugkraft des Autos keine Wahl, er musste wieder Gas geben. Trabte ein paar Schritte, um sich dann wieder dagegen zu stemmen. War vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich nicht gleich mit drei Kamelen los bin. So hat Jamahl die Prozedur und seine neue Umgebung kennengelernt, ohne von Ali nervös gemacht worden zu sein.

Als wir zurückkehrten sah ich Ali wie irr am Zaun auf- und abrennen, als sie uns entdeckte beruhigte sie sich und fing an zu grasen, als sei nichts passiert. Einfangen ließ sie sich noch immer nicht.

Dann die Sache mit dem Sattel. Er ist da!




Nachdem ich vorgestern nach Adelaide fahren musste, um ihn beim Transportunternehmen abzuholen. Riecht sehr gut nach Leder, das reicht aber nicht, um ihn sachgerecht zu nutzen. Will sagen, ich habe das Trum auf Laila gehievt, mit Mühe die steifen Riemen zugekriegt. Wie eine Krone thronte der Sattel auf ihrem Höcker und als sie aufstand, rutschte das Teil über ihren Nacken nach vorne. Dabei verhedderte sie sich noch in den nun lose baumelnden Riemen. Blut und Wasser habe ich geschwitzt, hoffend, dass ihr das Monstrum nicht auf den Schädel knallt. Irgendwie konnte ich sie befreien, leicht verzweifelnd und nicht wissend, wie's weiter gehen soll.


Donnerstag, 16. Februar 2017

Vernunft, die

"Geistiges Vermögen des Menschen, Einsichten zu gewinnen, Zusammenhänge zu erkennen, etwas zu überschauen, sich ein Urteil zu bilden und sich in seinem Handeln danach zu richten." 

Soweit der Duden. Leider bin ich mit selbiger nicht ausgestattet. Oder sie geht halt mit zunehmendem Alter verloren, abhanden, verschwindet.

Ich habe heute ein Kamel gekauft! Also, wenn das nicht unvernünftig ist, dann weiß ich auch nicht. Letztes Jahr im Juni, als Ali ihren Ausraster hatte, wurde mir empfohlen mich von ihr zu trennen und einen Bullock anzuschaffen. Es wäre ein relativ kleiner Kastrat käuflich zu erwerben der total gutmütig sei, nur Halfter und nose line mag er sich nicht anlegen lassen. Nachdem Laila nicht aufhört die arme Ali zu traktieren rief ich Anfang Februar beim Verkäufer Don an, ob das Tier noch zu haben sei. "Ja", war die Antwort, allerdings könnte es sein, dass ein anderer Käufer ihn haben möchte. Ich bekäme Bescheid. Gestern eine Kurznachricht erhalten, dass der Interessent sich nicht gemeldet hätte ich könne kommen und mir ein Urteil bilden.

Gesagt, getan. Zwei Stunden Autofahrt und ich erreichte die Farm mit jeder Menge Kamele in unterschiedlichem Ausbildungsgrad. Don befand sich mitten in der Herde, rief mir zu ich solle ihm folgen und drückte mir ein Seil in die Hand. "It's him over there" deutete er auf einen langen schlaksigen Lulatsch. Sah aus wie Laila, nur heller und etwas größer. Schade, dachte ich bei mir. Ich hätte so gern einen mit einer schönen großen Nase gehabt. Ich liebe große Nasen, v.a. wenn sie gebogen sind, sogenannte römische Nasen. Na ja, kann ja noch werden. Die mittleren unteren Schneidezähne befinden sich gerade im wechseln, d.h. er ist ca. 5 1/2 Jahre alt. Bis 10-11 Jahre legen sie noch ordentlich zu. Vielleicht auch die Nase.



Zwei altbewährte Haudegen von Don


Er ließ sich ohne zu murren das Seil umlegen und folgte mir hinaus in einen Yard. An einem Pfosten angebunden fing er allerdings doch an unruhig zu werden und sich lauthals zu beschweren. Um die Situation nicht zu stressvoll werden zu lassen, lockte der Verkäufer ein paar andere Kamele mit etwas Futter ebenfalls in den Yard, dann war Ruhe im Karton.

Drei Stunden verbrachte ich dort, ließ mir alles zeigen und erklären. Legte auch das Halfter an und ... beeindruckte Don mit meiner mir selbst angeeigneten Technik. 'So widerstandslos hat er sich noch nie ein Halfter anlegen lassen, das müssen die Frauenhände sein' - war sein Kommentar. Und ich war auf alles gefasst gewesen, bin ja schließlich kampferprobt von Laila. Ansonsten ist er wirklich ein Lämmchen. Macht keine Faxen wie Laila und scheißt sich nicht an wie Ali. Ich bin guten Mutes, dass er einen positiven Einfluss ausüben wird. Er als Leittier vorne weg, Ali als fleißiges Bienchen hintennach und der rote Teufel bildet das Schlusslicht. Don meinte, in meinen Hänger würden notfalls auch vier Kamele passen. Wer weiß?


Der erste Kontakt

Mittwoch, 1. Februar 2017

Shit!

Hört sich besser an als 'Scheiße', bleibt aber dasselbe, v.a. wenn man von oben bis unten voll damit ist. Was war das wieder für ein 'beschissenes' Training.

Ali flippte wieder aus als ich ihr die Decke über den Höcker legen wollte, hatte aber mit zwei gefesselten Vorderbeinen nicht viel Chance sich zu wehren. Dafür zitterte sie wie Espenlaub und der Kot würde dünnflüssig. Nervöses Schwanzwedeln verteilten die Exkremente in alle Richtungen, bevorzugt auf mich.

Ich verzichtete darauf Laila eine nose line anzulegen, da sie noch immer trockene Blutkrusten im Nasenwinkel hatte. Hatte halt Mitleid mit dem Getier. Fehler, großer Fehler. Sie merkte schnell, dass sie freie Fahrt hat und nutzte es voll aus. Insgesamt vier Tobsuchtsanfälle während unseres kurzen Spaziergangs! Eigentlich wollte ich sie auf dem Grundstück der Nachbarin äsen lassen, brach aber vollkommen entnervt vorzeitig ab. Kurz vor einem 'Anfall' kriegt Laila ganz große Augen, schmeißt sich mit voller Wucht auf Ali, beugt ihren langen Hals über Ali's Nacken und versucht ihr in die Vorderbeine zu beißen. Ali brüllt wie ein Löwe, hebt ihren Hals an und Laila verliert den Halt unter ihren Füßen, wird auf diese Art von Ali mehr oder weniger getragen. Dabei dreht sich Ali im Kreis, Laila mit sich ziehend. Was soll ich machen? Bin völlig machtlos, da auch Stockhiebe (hatte ich bei anderer Gelegenheit schon probiert) absolut sinnlos sind. So feste kann ich gar nicht hauen, dass sie im Moment des Adrenalinausstoßes irgend eine Schmerzreaktion fühlen würde. Um mich selbst nicht zu gefährden, lasse ich die Führleinen los und warte in sicherer Entfernung bis der Anfall vorbei ist. Beim vierten Mal habe ich den Bruchteil einer Sekunde zu spät reagiert und noch einen Tritt von Lailas Hinterbein abgekriegt. Ist glücklicherweise nichts passiert, hätte aber leicht mit einem gebrochenem Haxen enden können.

Die einzige, die zum Handkuss gekommen ist, war Ali. Da ich ihre nose-line bei jedem Ausbruch Lailas loslassen musste, ist sie im Eifer des Gefechts wiederholt auf das Seilende getreten und das hat kräftig an der Nase gezogen, was - wie neulich bei Laila - zu Blutungen führte.

Um Laila zu maßregeln und Ali ein wenig Schonzeit zu ermöglichen, habe ich Laila die Fußfesseln, hobbels, angelegt. Wird wahrscheinlich noch mehr Energie anstauen, aber Ali hat heute ihre Ruhe.

Und ich habe ein Vollbad genommen nehmen müssen 😬.