Sonntag, 29. Januar 2017

Faul und gefräßig

Es ist Monatsende und es wäre an der Zeit die girls auf die nächste Koppel zu geben, aber mein innerer Schweinehund hält mich davon ab. Dort, wo sie sich derzeit befinden kann ich ihren Trog mit einem Wasserschlauch auffüllen, auch abbrausen kann ich sie, je nach Bedarf. Die andere Koppel hat einen höheren Zaun und ist weiter weg, da muss ich Wasserkanister ins Gehege bringen und beim Auffüllen mit den Mädels raufen. Ali will unbedingt aus den sich Kanistern saufen und stößt mir die schweren Behältnisse regelmäßig aus der Hand. Sollen sie halt noch 14 Tage auf der abgefressenen Koppel stehen.

Zum Ausgleich habe ich ihnen einen neuen Heuballen bringen lassen - und sie lieben es.




Heu ist hier was anderes als wie ich es von früher kenne: in Deutschland/Österreich ist Heu = getrocknetes Gras + Kräuter. Hier wird Getreide (meist Hafer oder Weizen) bzw. Luzerne gemäht, solange es noch grün ist, aber bereits erste Fruchtstände aufweist. Nach ein paar Tagen der Trocknung auf dem Feld wird es maschinell gesammelt und in kleineren oder, wie hier, großen Ballen geformt und mit einem Netz zur Formerhaltung umgeben. Während ein Pferd in Deutschland/Österreich Heu + Hafer zu fressen bekommt, werden den Tieren hier "a biscuit of oaten hay" vor die Füsse geworfen und haben so gleichzeitig Raufaser + Kraftfutter in einem Aufwasch. Ein großer Ballen oaten-hay kostet zwischen $ 65.- und $ 85.-, der Preis variiert je nach Lokalisation und Ertrag. Heuer war eine gute Ernte, es hatte viel geregnet und wir leben ja mitten im landwirtschaftlichen Nutzgebiet. Weiter nördlich, wo das Futter mit LKWs hingebracht werden muss, wird die Preisgestaltung eine andere sein. Luzerne ist noch teurer und für die Kamele nicht so geeignet. Sie brauchen mehr Raufaser und um ehrlich zu sein, bräuchten sie auch kein Heu. Aber was soll's, ich esse ja auch Schokolade und sollte es nicht!

Donnerstag, 26. Januar 2017

Nasenbluten

Neuer Ansatz mit den girls zu marschieren. Bis jetzt habe ich sie mit einem Seil am Hals zusammengebunden und beide am Halfter befestigten Führleinen dirigierend in der Hand gehalten. Das war nicht so wie es sein sollte, aber ich hatte die Kontrolle, die eine oder andere von meinen jungen Pflanzen wegziehen zu können.

Heute das erste Mal versucht es lege artis anzugehen. Zunächst das Brustgeschirr angelegt, Halfter mit Leine umgebunden, ein 6m Seil um Ali's Hals gebunden und das lange Ende durch die Ringe ihres Geschirrs nach hinten geführt und der Laila um den Hals gebunden. So sind sie gezwungen hintereinander - und nicht wie sonst nebeneinander - zu laufen. Damit Laila nicht wie eine Blöde zieht, habe ich die nose line ebenfalls an Ali's Brustgeschirr befestigt. Shit, erste Katastrophe: Laila wehrte sich, kommt mit ihrem Schädel irgendwie unter die nose line, gerät in Panik und zerrt und schreit wie eine Irre. Glücklicherweise macht sie einen Kopfschlenker und befreit sich schnell wieder aus der misslichen Situation. Trotzdem, ihr war das nicht geheuer und sie zog kraftvoll zurück, was entsprechend schmerzhaft war. Je mehr sie zog, desto weher tat es, schließlich tat sie das, was im Zweifel sonst immer funktioniert: sie setzte sich nieder. Jetzt war der Ofen aus, anstelle Erleichterung wurde der Schmerz unerträglich, sie zog noch mehr und … zack, war die nose line abgerissen. Ihre Nase blutete, aber der peg war noch drin.

Die nose line besteht aus zwei Teilen, einem Seil und einer Schnur (die, die Maurer benutzen, um Ziegel schön gerade zu verlegen),





die im Notfall reißt. Hat sich ganz gut bewährt. Wäre die Schnur nicht kaputt gegangen, hätte Laila sich den peg aus dem Nasenflügel ausgerissen. Sicher nichts lebensbedrohliches, aber auch nicht Sinn der Übung.

Also habe ich bei ihr die nose line weggelassen und nur Ali mit einer geführt. Die kleine Karawane bewegte sich anstandslos über das Grundstück, ab und zu versuchte Ali an mir vorbeizugehen, aber ich konterte mit meiner bewährten im Kreis-gehen-Methode. Sogar durch den dry creek sind wir einigermaßen professionell gekommen, nicht wie sonst, wo ich einfach losgelassen habe und sie ohne Führung selber das Bachbett runter und rauf sind.

Nach einer kleinen Rundwanderung die nächste Übung: hobbeln. Das Anlegen der Fußfesseln geht ja schon, ohne dass ich mich dabei anschei**e, aber diesmal habe ich sie außerhalb der Koppel laufen lassen (wollen). Ali ist überhaupt nicht hochgekommen und ist auf ihren „Knien“ (= Karpalgelenken) dahingerobbt. Nach mehrmaligen erfolglosen Aufstehversuchen habe ich ihr eine Fessel abgenommen, sie aufstehen lassen und im Stehen wieder angelegt. Die Übung wiederholen müssen, nachdem sie sich verhaspelt hatte, hingefallen war und wieder nicht hochkam. Laila meisterte das mit den Ketten laufen recht gut.


So, jetzt können sie einen guten Bissen von den Salzbüschen und Disteln nehmen, ich setze mich etwas entfernt auf ein Bänkchen und beobachte, ob alles gut läuft. „Hallo mum! Wo bist Du?“ scheinen sie zu rufen und folgen mir ins (normalerweise unbeliebte) Wäldchen, anstatt weiter an den Kräutern zu naschen. Sie stehen wie bestellt und nicht abgeholt, Laila muss sich nach dem vielen Stress erstmal hinlegen.



Ich führte sie nochmal zu den Salzbüschen 



und dann zurück auf die Koppel. Es war mittlerweile weit nach Mittag, trotzdem schmeckten die Frühstücksmöhren. Als sie endlich von allen Fesseln/Seilen/Halftern befreit waren, trotteten sie sichtbar erleichtert von dannen und nahmen ein Staubbad.

Dienstag, 24. Januar 2017

Motiviert (oder bekloppt?)

Ein interessanter Artikel der mir irgendwie Nahe geht und Anschub verleiht. 
Ich habe ständig Zweifel, ob ich das richtige tue. In meinem Alter, als Frau, alleine mit Kamelen trekken zu gehen. Bin ich eigentlich ganz klar im Kopf? Warum mache ich mir kein gemütliches Leben? Gebe die Kamele in die Flinders oder sonst wohin, wo andere Kamele sind und wo sie fachmännisch ausgebildet werden. Verkaufe mein Gründstück, erwerbe für den Erlös eine hübsche Eigentumswohnung, lebe in der Stadt mit allen Möglichkeiten: kann abends Veranstaltungen besuchen, kann lecker essen gehen, ab und zu auch Alkohol genießen, bei Tierrettungsvereinen, Sanctuaries, Wildlifehospitals o.ä. volontieren, kann Fernreisen unternehmen (Galapagos, Hawaii, Tierhilfsprogramme in Nepal oder Afrika aktiv unterstützen) oder an Aktionen teilnehmen, die meiner Altersgruppe entsprechen und habe auch alle medizinischen Einrichtungen direkt vor Ort.
Bin ich jetzt starrköpfig, verbissen und uneinsichtig wenn ich weiter mache wie bis her? Wann ist es Zeit einzusehen, dass das der falsche Weg ist, den ich eingeschlagen habe?
Doch dann sitze ich draußen auf meinem Bänkchen und überschaue, was ich in den letzten vier Jahren erschaffen habe. Mein kleine Welt formt sich langsam so, wie ich sie haben möchte. Mit vielen Pflanzen für die heimische Tierwelt und kleinen Oasen für mich zum entspannen. Ich bin glücklich, dass ich gesund, schmerzfrei und fit bin. Und solange das so bleibt, werde ich wohl so weiter machen.
Wäre doch gelacht, wenn ich es nicht fertig brächte als 70jährige die Simpson Desert mit zwei Kamelen zu durchqueren, oder?

You say you want to (get fit) go trekking with 2 camels, but do you really? Observations from a personal trainer

You've vowed to (get fit) go trekking. Great. The thing is, it's a promise you've made to yourself before. So how can you tell if things will be different this time?
Change is hard. Mental, physical, geographical—it doesn't matter what form it takes, doing a 180 on years or even decades of ingrained patterns takes a truckload of commitment—and usually pain.
Every day I see people in various stages of change to their fitness and overall health.
In my experience, the biggest thing that sets apart the success stories is the genuine desire for change.  Plenty of people think they want change, but they don't really want it.
Wanting it isn't saying, "I'm finally going to lose those 15 kilos this year. But I'll start properly in April because I have a wedding every second weekend and it's too hard to stay sober".
Nor is it saying "I'm finally going to lose those 15 kilos this year. I'll sign up for a 12-week bikini body program, cut out carbs and start juicing".
Wanting it—really, truly wanting it—means accepting total responsibility for yourself and your actions, and seeing through your own flimsy excuses.
It's valuing your health and taking the high road, and accepting all the hard work to come, rather than looking for the easy route of quick fixes.
I come across three main types of people in my gym:
  • Those who are crystal clear on why they need to change, know exactly what they want and are willing to learn a new way,
  • People whose pain (emotional or physical) is so great that they don't have any choice but to change,
  • People who say they want to change, but clearly don't because all their actions say the opposite.

How to accept responsibility for yourself

The first thing I do with a new client is find out where their head is at. Straight up I can tell who's going to stick around.
People who tap out early have lots of excuses from the start.
They have lofty weight goals, but only have time to exercise twice a week.
They already know everything about nutrition and exercise and aren't open to learning a new way, despite their way failing them time and again.
They actually don't know why they're there and procrastinate on doing the work to find out.
I feel compassion for these people because they aren't lying to me, they're lying to themselves and just aren't ready for change at this point.
Taking responsibility for yourself is really hard, and we all avoid it at one point or another. Owning your actions means questioning hard-wired behavioural patterns and beliefs.
When you stop burying your head in the sand, things get really uncomfortable. And that's where real change happens. It's messy and scary and eventually awesome. Trust me, I've seen it happen.
So you must be willing to become really present with yourself and pay attention to the contents of your head. Question everything that's going on up there, and you'll start to notice the barriers you put up.
Much of what goes on in our heads isn't helpful in the push for change.

So you think you can change?

To get healthy, you actually have to value your health. That seems obvious, but you'd be surprised how often a person's supposed desires and values don't align.
Try this exercise I do with people:
Get really specific on what you want to achieve, then put a deadline on it. On a scale of one to 10, you need to want that goal 10 out of 10.
Now imagine going through the process of making that happen: grinding away day after day, making sacrifices, feeling physically and emotionally uncomfortable, saying no to instant gratification in order to have long-term success, and potentially restructuring your entire life.
Can you realistically see yourself doing that?
If not, then you're probably not ready to change. It's okay, but you need to own that that's where you're at right now.
Cassie White is a Sydney-based personal trainer, yoga coach and health journalist.






Sonntag, 22. Januar 2017

Sonntagstraining

Sonntag, schönes Wetter, alle gesund und munter, das kann nur eines heißen: eine Runde joggen. Natürlich nicht für mich. Ich lebe seit 62 Jahren recht gut nach dem Motto "no sports". Kommt man nur unnötig ins schwitzen. Lieber im klimatisierten 8-Zylinder sitzen und zuschauen, wie andere schwitzen. In dem Fall die Kamele. 11 km Rundfahrt in zwei Stunden. Unterhalten von ABC classic-fm radio, Herz, was willst Du mehr?

Leider wurde ich, bevor es überhaupt losging, noch ein wenig von Ali gefordert, die partout nicht wollte, dass ich ihr die Decke auflege. Aber wie immer habe ich gewonnen. Ich muss gewinnen, denn einmal klein beigeben heißt, das nächste Mal noch länger werken, bis das erwünschte Ziel erreicht ist.


Umso mehr Freude bereitet mir Laila. Ihr das Halfter anzuziehen ist wieder ein Kinderspiel und die nose line anzulegen geht auch wie von selbst.





Donnerstag, 19. Januar 2017

Schlechtes Gewissen

weil ich die girls im - im wahrsten Sinne des Wortes - heute im Regen stehen lassen werde.



Meine Entschuldigung: es ist ein warmer Sommerregen, das sollten sie aushalten. Und ich muss morgen früh wegfahren, d.h. wenn ich sie zurück auf die Koppel führen muss, dann sollte alles schnell und glatt gehen. Da sie seit längerem nicht mehr im Stall waren, sind sie sicher aufgeregt und der ein oder andere zeitraubende Zwischenfall nicht ausgeschlossen. So werden sie heute Nacht ordentlich geduscht.

Auch tut es mir weh anzuschauen, dass sie Hunger haben. Ich gebe ihnen eh noch einen Trog voll von chaff am Abend oder Akazienzweige, ich weiß aber, dass sie gerne mehr hätten. Sie kommen nämlich sofort angelaufen wenn sie mich sehen. Das machen sie nicht, wenn im Winter genug Grünzeug wächst. Wenn sie nicht so fett wären! Ich muss mich echt zurückhalten sie nicht zu mästen.

Laila hat es geschafft (auf Grund der 'guten chinesischen Wertarbeit') die Schnalle ihres Halsbandes zu zerstören. Ich habe die Einzelteile alle gefunden - das hätte noch gefehlt, dass eines der Mädchen ein Stück Plastik verschluckt hätte. Die fluoreszierende Farbe des Bandes hat ein schnelles Wiederauffinden im Dreck der Koppel ermöglicht. Eine kurze Beschwerde an die Herstellerfirma hat bewirkt, dass sie mir ein neues Halsband zusenden werden.

Montag, 16. Januar 2017

Durst ist schlimmer als Heimweh.

Während Laila - ganz wie ihr Frauli 😂 - alles Nasse hasst wie der Teufel das Weihwasser, ist Ali eine regelrechte Wassernixe. Sie liebt es mit dem Gartenschlauch abgebraust zu werden und sobald ich den Trog anfülle kommt sie gerannt, um darin zu planschen. Was mich wiederum in den Wahnsinn treibt. Ich kann nur eine der vier Koppeln mit dem Schlauch erreichen, zu den anderen muss ich das Wasser in Kanistern bringen. Kaum ist das Behältnis gereinigt und frisch befüllt, kommt Ali und nimmt Fußbäder. Im Nu ist alles verdreckt, die Umgebung verschlammt und das restliche Wasser ungenießbar. Ist der Trog leer, dann wird er anschließend noch ins Maul genommen und durch die Gegend geschmissen. Lustig. Nicht. Wenn es warm ist, könnte dieses Spiel unendlich wiederholt werden. Ist mir aber zu blöde, deshalb gibt es nur einmal am Tag frisches Wasser.

Da Ali keine Lehren daraus zieht und die Bedeutung von Konditionalsätzen nicht kennt ("WENN ich nicht plansche, DANN habe ich Wasser zum trinken"), musste ich mir was einfallen lassen. Zunächst versuchte ich es mit dem größeren Trog. In den vergangenen Jahren ging das recht gut. Ist halt mühsamer zu befüllen, da braucht es schon 100 Liter um überhaupt ein paar Zentimeter Wasserstand zu erreichen. Auch ist letztes Jahr ein junger Magpie beim Versuch ein Bad zu nehmen ertrunken. Traurig. Heuer wurde die Fußpflege auch im großen Trog durchgeführt. Beide Vorderbeine wurden reingestellt und es sah so aus, als ob sie sich auch noch hinlegen wollte 😟.

Jetzt bin ich zu Trick 17 übergegangen und habe das Behältnis auf zwei Holzböcke außerhalb der Koppel aufgestellt. Bis jetzt funktioniert's 😈.







Mittwoch, 11. Januar 2017

Wehwehchen

Anfang Oktober haben die girls angefangen ihr Haarkleid abzuwerfen und Mitte Dezember waren sie damit fertig. Jetzt sind sie also wieder nackig und schauen komplett anders aus. Ich mag ja mehr die wollige Ausführung, v.a. Ali's Bart ist so schön wuschelig. Ohne Wolle (angeblich ist das keine Wolle wie beim Schaf, sondern sind Haare. Haarspalterei würde ich sagen) wirken sie auch viel kleiner, wenn auch nicht weniger fett.

So habe ich sie zum Jahresende vermessen, um ihr Gewicht zu ermitteln: 

Widerristhöhe x Brustumfang x max. Umfang im Höckerbereich x 50 = Gewicht in KG

Ali: 1.70 x 2.10 x 2.60 x 50 = 464 kg





Laila: 1.75 x 2.05 x 2.45 x 50 = 440 kg 


Mit diesen Gewichtsangaben habe ich sie heute "entwurmt", d.h. jedem Mädchen ca. 50 ml Dectomax-pour-on auf die Haut hinter dem Höcker geträufelt. Es besteht zwar kein Verdacht und die Kotuntersuchung, die ich neulich durchführte als Ali weichen Kot hatte war negativ, trotzdem hatte ich mich entschlossen sie sicherheitshalber zu behandeln. V.a. weil Ali ein neues Krankheitssympton entwickelt hat: eitrigen Vaginalausfluss.



Ich kann nur hoffen, dass sie keine Pyometra hat, nur eine Vaginitis von der ständigen Selbstbefriedigung, dem sich massieren auf dem dreckigen Boden. Im Kühlschrank lagern noch ein paar Mastitisinjektoren: habe ich ihr nach oberflächlicher Reinigung gleich den Inhalt eines halben Injektors eingespritzt. Immer ist irgendetwas!

Ein anderes Problem sind die Fliegen. Wären es nur 'normale' Fliegen wäre das zwar lästig, aber auszuhalten. Es sind aber stechende Fliegen und die haben mit der nackten Haut viel freie Angriffsflächen. Die Beine sind besonders beliebt und die Haut dort wie bei einer Nesselsucht mit Quaddeln durchsetzt. Morgens sprühe ich sie mit Fliegenspray ein, der hält aber nicht lange vor. Probeweise habe ich ihnen einen kleinen Ventilator 


ans Halsband gehängt, mal sehen ob es wirkt und v.a. wie lange es dran bleibt.





Sonntag, 8. Januar 2017

Über 50 km

haben wir schon zurückgelegt. Angefangen mit 2,5 km - den Weg einmal hoch und runter - dann 4,5 km - den Weg rechts herum rauf und runter und links herum rauf und runter - und heute zum vierten Mal die Runde mit ca. 11 km.

Die Vorbereitung dauert immer länger, je mehr Ausrüstung ich anlege. Halfter (ja, Laila lässt sich seit Heilig Abend das Halfter ohne Zwangsmaßnahmen anlegen, ihr persönliches Geschenk an mich und ich weiß es wahrlich zu schätzen), Strick um den Hals, Führleine ans Halfter, noseline (und auch hier Erfolgsmeldung. Es braucht etwas Zeit und Geduld und ist von einigen Fehlversuchen begleitet, aber es funktioniert ohne Brachialgewalt), meine selbstgemachten Decken und das Geschirr auflegen (das klappt bei Ali leider noch nicht, Decken sind böse! Also niederlegen lassen, Beine fixieren, Decke und Geschirr unter Protestgebrüll auflegen und aufpassen, dass man keine Kamelkotze abkriegt, Beine wieder losmachen, aufstehen lassen und Geschirr festzurren). Zum Schluss sieht das so aus:

Laila 

Ali

Der Trailer wird an das Auto angehängt und das Gespann zur Koppel gefahren, die girls nacheinander zum Trailer geführt und hinten angebunden. Erst dann kann die eigentliche Reise starten. 



Mittlerweile ist der Kot von Sensibelchen Ali schon wieder breiig bis flüssig, die Decke angekackt. Wie kann die nur um die Ecke kacken? Naja, irgendwann wird sie sich doch gewöhnen, hoffe ich.

Die Fahrt war heute sehr ruhig, sprich keine Trucks unterwegs. 90% der Ernte ist wohl mittlerweile eingefahren und der große Dreck wird langsam weniger. Unglaublich wieviel Staub diese Riesen-LKW aufwirbeln, wenn sie volle Pulle auf der nichtasphaltierten Landstraße dahindonnern. Die gehen auch nicht vom Gas wenn sie mich sehen. Und ich bin nicht zu übersehen. Nicht nur, dass ich den einzigen rosafarbenen ute von ganz Australien fahre, ich habe mir ein Warnlicht gekauft, das ich auf's Dach gebe und fleißig blinken lasse. Egal. Die Truckies haben es eilig und brettern was das Zeug hält. Nur zwei PKW sind mir in den beiden Stunden entgegengekommen und die Kamele machten nur einen leichten Schlenker Richtung Graben.

Am Ende waren sie ziemlich verschwitzt und durstig. Gut, dass ich frisches Wasser vorbereitet hatte, sie stürzten sich gleich drauf. ... Und Laila sich auf Ali! Noch immer zuviel Energie, dieser Rote Teufel!

Donnerstag, 5. Januar 2017

Es lässt sich nicht leugnen:

Mit zunehmendem Alter nimmt die Entscheidungsfreudigkeit ab. Früherä war alles unkomplizierter. Früherä  brauchte ich nicht so lange, eine Wahl zu treffen. Aber heute! Seit MONATEN knuspere ich an dem Problem den richtigen Sattel auszuwählen. 

Ich hätte ja gerne einen Afghan saddle, 



in meinen Augen die beste Lösung, um Gepäck zu transportieren. Aus einem mir nicht verständlichen Grund sollen die Dinger aber sauschwer sein, über 60kg wiegen! Zwei Personen sind erforderlich, um ein Kamel zu satteln. Eine der in den Flinders angesiedelten Trekking Firmen ist gerade dabei, 20 solcher Sättel für eine Birdsville Tour im Juli des Jahres herzustellen. Ich schrieb eine e-mail, ob sie auch solche Sättel verkaufen würden und erhielt folgende Antwort: 

Many thanks for your enquiry.
We are currently making 20, but we will need all of them for large school groups next year. I am sorry, we didn't think to make any extras for sale. Should we find that we have an excess I will think of you first. They are costing us about $3500 using the best quality fabrics, wood for the cuttabs and we had steel cuttabs made to go in-between the wood for extra strength. The rope is also of the highest quality and the hay was cut specifically for us. I think if we ever sold them we would be costing them for sale at $4500 because its a time consuming task. Wishing you a great 2017 of Cameleering.

$ 4.500,- ! für ein paar Äste und strohgefütterte Polster. Die spinnen ja. Denken, die können sich an einem Greenhorn wie mir eine goldene Nase verdienen.
Auch hatte ich die Idee, anstelle der Äste, Carbonstangen zu nehmen, bzw. mir ein A-förmiges Gestell von einer Fahrrad-Firma machen zu lassen. Zunächst wurde großes Interesse bekundet:

This sounds very interesting, I like projects like this however I would need some more information on the design and also what an expected budget might be.
I have spent some time in the SA outback and it is spectacular.

Als ich mein beschränktes Budget ins Spiel brachte (bitte, wieviel kann denn so ein Gestänge kosten?), erfolgte rasch die Absage:

I think it will probably be much too expensive to make in carbon fibre for low volume production. An alternative could be to have one fabricated out of aluminium tube to save weight over the steel version, this could be half the weight.
Let me know if you have any questions.

Na, keine weitere Fragen. Und Aluminium verbiegt sich, denk ich mal. Also weiter mit den Überlegungen.

Dann wurden mir günstige Reitsättel von einem Bekannten angeboten. Halber Herstellungspreis, nur $ 500,- . Aber wieder die Frage, was soll ich mit Reitsättel, auch wenn man sie zum Packtaschen anhängen nutzen könnte. Und warum lässt sich der Bekannte neue Sättel machen und will die 'alten' (neu und nie gebraucht!) verscherbeln? Angeblich sind sie zu klein für seine Jungs, aber ich trau dem Frieden nicht. Ich will ordentliche Ware für meine Girls.

Nächster Anlauf ein Sattelmacher in Queensland. Hier seine Antwort auf die Frage, ob er mir Afghan saddle machen könnte:
Afghan pack saddles weight 60 kg and need two people to put on the saddles. I made for camel Katie are steel frames like a riding saddle with removable frames on each side and you could two hundred kilograms or more on each saddle. One saddle with a set of pack frames would be about $2000 -00

Bilder kamen auch noch:





Recht nett, Preis gerechtfertigt ... obwohl ... Frachtgebühren wären nochmal $ 400.-. Wann er denn fertig sein könnte? Ich erinnerte mich, dass ein Deutsches Paar in Tamworth (der Wohnort des Sattelmachers) Ende Januar das dort stattfindende Country Music Festival besucht, die könnten doch auf ihrem Rückweg nach Perth hier vorbeikommen und den Sattel bei mir abliefern. Die Aussage, dass die Herstellung bis April/Mai dauern würde (übersetzt auf australische Verhältnisse: ich kann mit einer Lieferung zu Weihnachten rechnen), ließen mich einen Rückzieher machen.

Nächste Anlaufstelle: Harold Cannard in Silverton, wohnt fast um die Ecke ('nur' 500 km entfernt). Ich traf ihn ja im April in Hawker auf meiner Reise zur Beltana Station. Recht beleidigt reagierte er, als ich damals kurz angebunden sein Angebot ablehnte, mir einen Reitsattel zu machen. 


(Saubere Arbeit! Sinnvollerweise sind das zwei der sieben Sättel, die sich o.a. Bekannter machen lässt! So klein ist die Kamelwelt. Hatte keine Ahnung. Er sagte mir einmal, er will sich die neuen Sättel in Alice Springs anfertigen lassen.)

Egal, dachte ich, Geld stinkt nicht und rief ihn an. Diesmal hat er es kapiert! Einen Stahlrahmen, Polster und Riemen zum fixieren, keine Sitzgelegenheit. Das Wort "stirrup" fiel dann noch und wieder mein Hinweis 'I DO NOT RIDE' da hat er wohl ENDLICH kapiert, 'Ok, no stirrups. You only want a pack saddle. I can weld some D-rings as well, so you can fix your stuff. ' Super, gefiel mir. Kosten? 'Normally I charge $ 1.600,- but I do it for $ 1.200,- without the seats.' 

Yeah! Ich kriege einen Sattel! Warum nur einen? Laila ist noch zu jung, ich fange erstmal mit Ali an, die heuer das Mindestalter von vier Jahren erreicht. Dann sehn' wir weiter. Ob ich zufrieden bin, oder doch was Richtung Afghan saddle kriegen kann. Ich habe ja noch immer die Eukalyptus-Äste rumliegen, mit denen ich sowas ähnliches basteln wollte.

Ach ja, Harold fragte in welcher Farbe ich das Gestell gestrichen haben wollte. Mußte sich mehrfach vergewissern, ob er denn richtig gehört hatte, als ich 'pink' antwortete!