Montag, 12. Dezember 2016

Die Heimfahrt

Kurz vor 06.00 Uhr war ich auf Peters Anwesen. Alles war ruhig, noch nicht einmal die Hunde bellten. Sie haben mich in den vergangenen Tagen kennengelernt und sahen keinen Grund meine Ankunft zu melden.

Ich fing dann schon mal an. Erst musste ich den Trailer, der für die Rundfahrten auf dem Grundstück verwendet worden war und im Weg stand ankoppeln und an seinen ursprünglichen Platz zurückführen. Dann meinen Hänger ankoppeln, Richtung Ausfahrt bewegen, die Torflügel öffnen und fixieren, in den Yard gehen, die Mädels mit Halfter und Seilen versehen, nacheinander auf den Hänger geleiten. Wo ist Peter? Ich war sicher nicht besonders leise, das Haus befindet sich gleich neben den Yards, aber er ließ sich nicht blicken. Ich hatte so auf seine Hilfe gehofft, dass er den Girls die Beine in hoosh-Position ordentlich fixiert. Mein Plan war, sie diesmal nicht stehend zu transportieren.

Dann war ich fertig. Mädels angebunden (sie waren erstaunlich brav), Klappe zu ... noch immer kein Peter. Soll ich ihn anrufen? An der Haustür klopfen? Mir war das unangenehm. Wenn er noch im Halbschlaf ist, dann noch die unvermeidliche Quatscherei, blablabla,... es war schon 06.30 Uhr (ich war echt flott!) und wollte weg. 800 km lagen vor uns, Zeit es anzugehen. Also fuhr ich los, die Mädels hinten stehend, so wie bei der Hinfahrt.

Der direkte Weg nach Echuca war gut ausgeschildert, der Verkehr noch mäßig. Bald erreichte ich die erste Abzweigung mit einem der unendlich vielen Kreisverkehrs. Da passierte es: trotzdem ich die Kurve im Schneckentempo angegangen bin, hat Laila ihren Halt verloren und ist umgefallen. Mit allen Vieren strampelte sie herum, um sich wieder in Brustlage zu bringen - dabei geriet sie mit ihrem linken Hinterbein zwischen zwei Holme des Anhängers und steckte fest. Im Rückspiegel sah ich wie sie versuchte, ihr Bein durch hin-und herbewegen wieder aus der Zwickmühle zu kriegen. Mir schwante übles. Die Leisten sind messerscharf - im Geiste sah ich schon wie das Bein zu mindestens skalpiert war, wenn nicht gebrochen. Sofort fuhr ich an den Seitenstreifen in der Hoffnung, sie irgendwie befreien zu können. Was habe ich geflucht. Warum zur Hölle habe ich Peter nicht geweckt? Die Kamele gehören sitzend transportiert. Es wäre so einfach gewesen, jetzt hatte ich das Malheur. Ich stieg aus und näherte mich dem Hänger - eine Welle der Erleichterung überkam mich. Laila stand wieder und zwar auf allen Vieren. Sie hatte es geschafft, sich selbst zu befreien und wieder festen Boden unter ihren Füssen zu erlangen.


Natürlich trug sie tiefe Schürfwunden davon, aber es war nichts gebrochen oder luxiert, das war die Hauptsache. Auch die Blutung hielt sich in Grenzen. In den kommenden Tagen schwoll das Bein geringgradig an, aber ohne dass sich das Gewebe infizierte. Einige Male sprühte ich die Wunde mit Jodlösung ein - die Heilung verlief komplikationslos.

Der Schreck saß mir ordentlich in den Gliedern. Ich reduzierte mein ohnehin gemütliches Tempo und mein Blick war mehr auf den Rückspiegel als auf die Fahrbahn gerichtet. Den einzigen Zwischenstopp den ich mir erlaubte war, als ich auf eine sms von Peter reagierte.

Peter bestand darauf mich mit einem Eisenpfosten, an dem eine Kette mit einem Ring befestigt ist, zu versorgen. Den Pfosten soll ich tief in den Boden schlagen, so tief, bis er nicht mehr sichtbar ist, nur noch die kurze Kette und der Ring. Die Position dieses Konstruktes sollte sich irgendwo weg vom Zaun oder einer Yardbegrenzung befinden, so, dass ein Kamel an dem Ring angebunden werden kann, und es ihm unmöglich gemacht wird denjenigen, der das Tier hantiert einzuquetschen. Safty first. Ganz wichtig. Diese Eisenstange lag morgens seitlich auf dem Anhänger.

"Did you get the steel picket with the chain and ring joined on the trailer?"
 
"Yes thank you. How much do I owe you?"
 
"You owe me a smile and to never ever give up, they are good camels, just a little scared and confused, they have a good mum, just not bossy enough, that will come ..I hope you see I LOVE MY CAMELS 'BUT' they must do as they are told to be safe,...there is no reward without hard work and camels can be very hard work..."

Nach dieser ermunternden Nachricht und Pipi machen im Gebüsch bin ich weiter geschlichen. Nichts mehr getrunken, um ja nicht wieder zum austreten stehen bleiben zu müssen. Gegessen sowieso nichts, mir war der Appetit vergangen. Die Strecke zog sich wie Kaugummi, aber nach guten zwölf Stunden waren wir doch zu Hause. Ali musste als erstes ein Staubbad nehmen, Laila war recht schaumgebremst. Zwei Tage dauerte es, bis sie wieder frech wurde.




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