Sonntag, 13. November 2016

Die Anreise zum Kurs Shepparton

Um 03.30 Uhr läutete der Wecker. Mist, ich hatte doch zwei Wecker gestellt, einen um 03.00 Uhr und einen um 03.30 Uhr. Offensichtlich hatte ich den ersten zwar gestellt, aber nicht aktiviert! Egal, ich war wach und hatte keine Zeit mehr, um mich langsam zu akklimatisieren. Husch, husch raus aus den Federn. Morgentoilette, starken Kaffee brühen, Marmeladenbrot essen und ... packen. Mehrere Plastiktüten gegrapscht und alles reingeschmissen, was irgendwie von Nutzen sein könnte. Einen Beutel für Kleidung, einen für Toilettenartikel, den Rucksack für die Elektronik, meine Handtasche mit dem wichtigsten: Geldbörse mit Kreditkarten. Alles rein ins Auto, noch schnell die Hühner und Katze füttern. Mittlerweile war es 06.00 Uhr.

Ach, herrlich. Die Girls waren so zeitig in der Früh noch nicht auf Krawall gebürstet. Anleinen und auf den Hänger laden waren ein Leichtes, 06.30 Uhr und ich konnte das Einfahrtstor hinter mir schließen. Die Reise konnte beginnen.

Als ich am Tor stand setzte plötzlich mein Hirn aus. So muss Alzheimer sein: ich wusste nicht mehr, wie man die Scheibenwaschanlage in Gang setzt! Ich zog an dem Hebel, ich drückte auf ihn, es tat sich - welch Wunder - nichts. Ich las "pull", zog wieder (in die falsche Richtung) an dem Hebel und es überkam mich eine Welle der Hilflosigkeit und Verzweiflung. Einst las ich einen Bericht über eine amerikanische Hochschulprofessorin, die in ihren Vierzigern an Alzheimer erkrankte. Sie rief ihren Mann an, weil sie nach einer Autofahrt nicht mehr wusste, wie der Motor abzustellen war. Genauso erging es mir. Nach wenigen Minuten gelang es mir dann doch, den Hebel richtig zu betätigen. Aber die Situation , diese Ohnmacht, geht mir nicht mehr aus dem Schädel.
 
180 km später, in Renmark, habe ich mich das erste Mal verfahren. Eine Abfahrt übersehen und nach zehn Kilometer gemerkt, dass ist wohl die falsche Richtung. Wieder zurück ins Örtchen und diesmal höllisch aufgepasst wo's lang geht.

Die Brücke, die den Murray River überspannt, wird gerade saniert. Eine Ampel regelt den einspurigen Verkehr. Ziemlich heikle Angelegenheit. Eng: links das Wasser, rechts hochragende Brückenpfeiler, vorne und hinten Autos. Die Mädels tanzten Samba im Hänger, aber wir hatten es irgendwann gepackt. Vor uns tuckerte ein dunkelroter, als Wohnmobil umgebauter LKW mit deutschem (!) Kfz Kennzeichen. Anders als die Aussis fuhr er konstant 80 km/h - so schnell langsam wie wir auch waren. Ich dachte, es sei doch nett, ein paar Worte mit den Insassen zu wechseln. Tatsächlich hielten sie 70 km später an einer Parkbucht, ich nutzte die Gelegenheit und stoppte ebenfalls. Hannelore und Christian aus Hameln sind mit ihrem Truck um die Welt unterwegs. Kamen aus Südafrika nach Perth, durchquerten die Nullabor und sind auf dem Weg nach NSW, um von dort nach Neuseeland überzusetzen. Christian schoss ein paar Fotos, die er mir freundlicherweise später mailte.

 
 
 
 
Hätte gerne noch länger geredet, aber die Zeit drängte. Ich wollte unbedingt noch im Hellen ankommen.
 
 
Unser Gefährt von hinten, back on the road again.
 
Kurze Zeit später verließ ich den Sturt Highway und zockelte ein wenig auf der Landstraße. Hatte den Vorteil, nicht so viel Verkehr aufzuweisen. Jedes Auto, komme es von hinten uns zu überholen oder von vorne und knapp an uns vorbei, macht die Tiere im Hänger nervös. Jedes tänzeln spüre ich im Auto, die Fahrt ist eine ununterbrochene Herausforderung.
 
Bei Red Cliffs Richtung Süden, Swan Hill, Kerang, Echuca. Zwischendurch Pinkelpause und Jausenbrot. Der Parkplatz am Murray River wurde auf Grund der Gelsenplage schnell ungemütlich. Es hatte in den vergangenen Monaten so viel geregnet wie selten zuvor. Überschwemmungen ließen kleine Seen und große Pfützen zurück, eine Hochburg für die mozzies. So war meine Käsesemmel schnell verzehrt. Noch ein paar Zweige von den Akazien abgebrochen, die Mädels hatten sichtlich Hunger.
 
In Echuca habe ich mich das zweite Mal und diesmal gründlich verfahren. Ich war kurz vor meiner Leistungsgrenze, nicht mehr aufnahmebereit. Insgesamt 80 km mit der Kirche ums Dorf gefahren, gegen 18.30 Uhr dann endlich in Cosgrove bei Shepparton gelandet.
 
Der Teamleiter und Eigentümer Peter half mir, den Hänger abzukuppeln und die Girls abzuladen. Ihnen wurde eine Koppel zwischen zwei Wildfängen und einem Bullen zugewiesen. Es gefiel ihnen offensichtlich gut, vor allem der Bulle war SEHR interessant.
 
 
Zwei zu trainierende Wildfänge
 
 
Bam-Bam, ein Bulle
 
 
Ich habe mich schnell Richtung Hotel vertschüsst. Die Viecher waren gut versorgt, ich wollte nur noch meine Ruhe.

 

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