Mittwoch, 16. November 2016

3. Tag Training Shepparton

Sonntag, letzter Tag. Heute sollte es etwas gemütlicher werden.

Vormittags holte Peter drei seiner Jungs von der Koppel. Cappuccino bekam einen Reitsattel, Roman und Tommy wurden vor einem Wagen, in dem die Teilnehmer Platz nahmen, gespannt.

Nomen est omen: Roman mit seiner beeindruckenden römischen Nase.

Eine angenehme Erfahrung, so ruhig im Wagen dahinzutuckern. Es fehlt das Klappern von Hufen, die Kamele bewegen sich fast lautlos auf ihren gepolsterten Sohlen.


Das wäre eine Alternative zum trekken: ein Gipsy-Wagen mit allem, was man so braucht, incl. Bett, Kühlschrank und Sonnenpanelen auf dem Dach. Nachteil wäre, dass man an die Nutzung von Straßen gebunden ist. So einfach querfeldein oder über Sanddünen wandern - das geht nicht. Außerdem müsste ich zweimal fahren. Einmal den Wagen an den Startort bringen, dann wieder zurück, die Kamele holen. Ich weiß nicht recht - ich glaube, ich bleibe dabei, die Mädels als Packtiere zu nutzen.

Jeder hatte die Gelegenheit, einen Teil der Strecke auf Cappuccino zu reiten.




Ich lehnte dankend ab. Ich will meine Mädchen nicht reiten und so wie ich mein Glück kenne, wäre ich die erste und einzige, die jemals von einem Kamel gefallen wäre.

Zweimal habe ich in meinem Leben an einem Reitausflug teilgenommen: einmal in Australien, da ging mir und zwar nur mir! der Gaul durch und ich konnte einfach keine Bremse finden (ich habe nie richtig reiten gelernt) und einmal in Österreich, am Neusiedlersee. Brave ruhige Tiere von einer Reitschule. Aber ausgerechnet mein Gaul bockte, als es nach zwei Stunden Ausritt zurück Richtung Stall ging. Anders als damals in Australien ging die Sache nicht so glimpflich aus. Offene Sprunggelenksfraktur links!  Mit anschließender Operation und sechs Monaten Ruhigstellung. Die Folgen spüre ich noch heute, 22 Jahre später. Nach längerem Stehen oder Gehen über unebenes Gelände schwillt mir der Haxen an und tut weh.

Apropos weh tun: ich war auch die einzige, die mit Blessuren den Kurs beendete! Am zweiten Tag, als wir den Kamelen wieder den Sattel auflegten glaubte Ali, sie könne selbiges verhindern, indem sie sich auf die linke Seite schmiss. Blöderweise hockte ich gerade neben ihr und sah diese Aktion nicht kommen. Mit meinem rechten Fuß steckte ich unter ihr fest und der gleichseitige Unterarm bekam einen ordentlichen Tuscher von dem Metallgestell des Sattels ab. Im Nu schwoll der Arm an und begann sich zu verfärben. Die Knochen waren heilgeblieben, geschmerzt hat es trotzdem.


Einige Tage später wechselte die Farbe Richtung dunkelblau.
 
Die Tour erstreckte sich über ca. 20 km. Nach Rückkehr wurden die Kamele wieder auf ihre Koppel entlassen. Ein kurzes Lunch - mit Schlabbersemmeln - dann ging es per Auto 40 km weiter nach Kyabram auf die Kamel-Molkerei, der zukünftigen Heimat der beiden Wildfänge. Wir konnten den "Kindergarten" besuchen, der Ort, wo die Kälber die meiste Zeit des Tages gemeinsam verbringen.
 
 
Morgens und abends, wenn ihre Mütter gemolken werden, können sie sich ihren Anteil an der Milch holen, der Rest wird nach dem melken gesammelt, pasteurisiert und in Flaschen abgefüllt. Die Melkanlage ist ziemlich einfach: ein Zwangsstand, in dem die Kühe nacheinander hineingeführt werden, ein transportabler Melkapparat, der ungefähr so aussieht:


Kein Sondermodell für Kamele, ganz normales Gerät wie für Milchkühe, nur die Gumminoppen auf den Ansaugstutzen sind modifiziert.
 
Normalerweise hat die Öffentlichkeit keinen Zugang zum Betrieb, Peter ermöglichte die Ausnahme. Milch konnten wir auch probieren und ich habe 3 Liter gekauft. Zwei habe ich selber konsumiert (schmeckt angenehm cremig), eine Flasche habe ich dem Nachbarn als Dankeschön für die Versorgung der Hühner und Katze geschenkt. Auch ein paar Seifen und Lippenbalsam habe ich erworben - kleine Aufmerksamkeiten an Bekannte für das naheliegende Weihnachtsfest.

Der Nachmittag neigte sich langsam dem Ende zu. Ich verabschiedete mich von den Teilnehmern und fuhr in die Stadt. Vorher versprach mir Peter noch, beim Verladen der Girls am nächsten Morgen behilflich zu sein. "See you tomorrow six o'clock".
 


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