Dienstag, 15. November 2016

2. Tag Training Shepparton

Start wie gestern um 08.00 Uhr.

Im Großen und Ganzen wiederholte sich der Ablauf vom Vortag. Einfangen, niederhooshen, Vorderbeine fesseln, Sattel auflegen, kleine Runden laufen.

Besonderes Gewicht legte Peter dann auf die Zähmung des "Red Devil" - wie er Laila umbenannte. Ihre Starrsinnigkeit hatte ihn wohl herausgefordert. Laila war total angepisst und brüllte schon von weitem als sie Peters rotes Hemd sah. Glücklicherweise wusste sie zu differenzieren: mir gegenüber verhielt sie sich wie immer.

Laila dachte wohl, wenn brüllen nicht hilft, dann werde ich es mit beißen versuchen. Nur ist sie da bei Peter an die falsche Person geraten. Er schob seinen Unterarm in ihr Maul, so, dass sie es nicht mehr schließen konnte. Das ganze sah ziemlich brutal aus:


Der "Red Devil" gab nicht auf. Das Protestgebrüll ging weiter und jetzt versuchte sich Peter als Kamelflüsterer:

 
Ganz ehrlich? Laila hat nicht nachgegeben. Sie ist ein Kämpfer, durch und durch. Was sie allerdings gelernt hat: sie kann jetzt auch spucken. In den 2,5 Jahren seit ich sie bei mir habe, hat sie nicht ein einziges Mal gespuckt. Peter jedenfalls wurde von ihrem Mageninhalt ordentlich eingesaut .
 
Ich habe gelernt, dass es nicht mit Hau-Ruck geht. Nicht bei ihr. Viel Zeit und viel Geduld werden nötig sein, um sie in die richtige Richtung zu bugsieren. Vielleicht geht es auch gar nicht? Im Moment ist sie in der Pubertät, lässt sich nichts sagen, stellt alles in Frage, versucht ihren Willen durchzusetzen. Da sie ja früh von ihrer Mutti weggerissen wurde, fehlt ihr die Erziehung durch Gleichartige. Ich dachte immer, Ali ist das Problem, da sie so schnell verängstigt ist. Aber sie ist leicht zu führen weil sie versucht, alles richtig zu machen. Wir werden sehen was die Zeit bringt.
 
Nachmittags stellte uns Peter seine eigenen Kamele vor. Außer dem Bullen, der auf einer Extrakoppel gehalten wird und demnächst unter's Messer kommt (Peter ist einer der wenigen, der einen Tierarzt zum kastrieren holt. Die anderen 'alten' Profis machen es ... ohne Narkose ... selber) besitzt Peter noch einen Haufen (ca 10 - 15) anderer Kamele, die teilweise für sein Geschäft genutzt werden. Peter bietet Kamelritte auf Kirmessen, Hochzeiten, kulturellen Festlichkeiten... an. Auch hat er - bzw. haben seine Kamele - Jahrzehnte an Kamelrennen im Outback teilgenommen und dabei gutes Preisgeld kassiert. Die Arbeitstiere sind überwiegend kastrierte Bullen.
 
 
 
 
Er zeigte uns die beeindruckenden Reißzähne eines seiner Bullen. Je später die Bullen kastriert werden, desto länger wachsen die Canini (seiner Meinung nach). Es wird empfohlen, männliche Tiere erst mit 4 - 5 Jahren zu kastrieren, obwohl sie mit 2 Jahren schon fortpflanzungsfähig sind. Durch den relativ späten Zeitpunkt sollen Gelenks- und Knochenwachstumsprobleme verhindert werden, auch die Bildung von Harnröhrensteine soll durch das höhere Alter verhindert werden (oder der Abgang von Blasensteinen erleichtert). Das alles sind Erfahrungswerte, wissenschaftliche Reihenuntersuchungen liegen wohl nicht vor. Wie auch immer, von DEN Hackern wollte ICH NICHT gebissen werden.
 
 
 
Einer seiner Jungs wurde in den Yard geführt, gesattelt und jeder Kursteilnehmer hatte die Gelegenheit eine Runde zu reiten. Peter zeigte vor wie's geht.
 
 

 
Der Tag neigte sich dem Ende zu - die Mädchen waren sichtbar froh, ihre Ruhe zu haben.
 
 
Ich machte mich wieder zurück nach Shepparton und gönnte mir noch eine Pizza.
 
 

 
 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen