Sonntag, 16. Oktober 2016

Der Count-down läuft

Gaanz laangsam werde ich wieder hibbelig. Das Datum unseres Ausfluges rückt immer näher und so wie es aussieht, spielt auch das Wetter mit. Hatte mir vorgenommen bei Regen und Sturm nicht zu fahren. Wäre unfair den Girls gegenüber. Mindestens zehn Stunden im Hänger stehen, sich dem Fahrtwind aussetzen inklusive Regen? Nein, dann hätte ich die Anzahlung sausen lassen, beziehungsweise versucht, den Kurs auf nächstes Jahr zu verschieben.

Für gestern, Samstag, hätte ich ein Trailer-Training angesetzt gehabt. Wie sagt man in Ösi: "hätt i, war i, tät i". Nach exakt einem Jahr - vom Aussprechen des Wunsches der Errichtung einer Scheune für den Kamelanhänger bis zur Vollendung  - ist sie endlich fertig. Ok, noch nicht ganz. Das Abteil für den Hundezwinger fehlt noch, aber die Hülle steht und der Zementboden ist abgetrocknet. Frecher weise habe ich den Trailer an den Ort der Bestimmung gebracht. Schaut doch recht passabel aus?

 
 
 
Wo ist das Problem, könnte man sich fragen. Hänger raus, Kamele rein und ab geht die Post. Ja, wenn nicht am Freitag eine Ladung gravel gebracht worden wäre und der hirnamputierte Fahrer den Haufen nicht direkt vor die Ausfahrt plaziert hätte! Als gäbe es sonst keinen Platz auf dem 8,5 ha großen Grundstück.
 
 



Mittwoch, 5. Oktober 2016

Besuch

Ach, wie aufregend. Endlich mal wieder Deutsch parlieren. Kurzfristig angemeldeter aber gern gesehener Besuch.

Als ich den Mädchen ihr Frühstück servieren wollte, kamen sie wie immer gemütlich angetrottet, oder besser gesagt angewalzt, und ließen sich am Zaun anbinden. Ich muss sie einzeln füttern, da Ali sonst ihren Plutzer nicht mehr aus dem Trog nehmen würde. Laila wäre da chancenlos, etwas abzukriegen. 'Frühstück' ist ja eigentlich übertrieben. Ein paar klein geschnittene Möhren, jeder einen halben Apfel, das ganze überzuckert mit ein paar Mineralstoffen. Das Procedere dient nur dem Zweck, eine gewisse Routine aufzubauen. Sie sollen zu mir kommen und ich möchte sie beobachten, ob auch alles in Ordnung ist.

Jedenfalls heute morgen stoppten sie plötzlich in ihrem Bewegungsablauf und sahen aufmerksam in Richtung Haus. Konnte mir nicht erklären, was ihr Verhalten auslöste. So sah ich mich um und entdeckte den Besucher, der über das Gelände auf uns zukam. Denen entgeht nichts. Der Wachhund neben mir ... naja, kann man sich denken ...keine Reaktion.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Fette Kuh

Ali ist so fett.

Einerseits ist es gut, wenn sie gerne frisst. Das Training mit Futterbelohnung ist wesentlich einfacher als bei Laila, der Fressen mehr oder weniger egal ist. Andererseits weiß ich nicht, wie ich ihr Gewicht regulieren soll. Die Balance zwischen genug geben in Bezug auf Nähr- und Aufbaustoffe, die für ihr Wachstum erforderlich sind und zuviel, was besagtes Übergewicht zur Folge hat - und das wiederum schlecht für Gelenke und Fußsohlen ist - ist wirklich schwierig für mich.

In der Natur sind Kamele "browser", d.h. sie ziehen von einem Baum/Strauch zum nächsten, knabbern an Blättern, Ästen und Rinde. In Gefangenschaft, v.a. wenn das Terrain keinen dichten Bewuchs an Sträuchern und Bäumen vorweist, können Kamele mit Heu ernährt werden. Zusätzlich müssen Mineralien und Salz angeboten werden, wobei letzteres in loser Form dargereicht werden sollte. Salzblöcke könnten über einen langen Zeitraum das Gebiss schädigen.

Essen Tiere (oder Menschen) über ihren Grundbedarf hinaus, wird das zuviel in der Unterhaut und um die Weichteile herum für schlechte Zeiten als Fettdepots gespeichert. Kamele speichern ihr Fett im Höcker, das macht sie einzigartig im Tierreich. Und es macht Sinn, denn wenn der Körper mit einer isolierenden Fettschicht umgeben wäre, kann er im Wüstenklima nicht überleben. Es würde Überhitzung eintreten, ein zuviel an Wärme kann nicht nach außen abgegeben werden. Schwitzen und hecheln reichen wohl nicht aus, um die „Betriebstemperatur“ im Normalbereich zu halten. Durch den Höcker auf dem Rücken ist das Fett dort konzentriert, wo es den Wärmeaustausch nach außen am wenigsten behindert.

Als ich die Babys bekam, besorgte ich zusätzlich zu dem Heu noch getrocknete Lupinensamen, gestoßenen Hafer und Aufzuchtsfutter für Pferde in Pelletform. Kraftfutter für Rinder ist nicht erlaubt, da es Monensin.enthält, ein für Kamele letaler Inhaltsstoff, der in der Rindermast als Wachstumsverstärker eingesetzt wird.



Die Lupinensamen werden über Nacht in Wasser eingeweicht, um eine bessere Verdaulichkeit zu bewirken. Trotz dieser Massnahme schied Ali die Körner als ganzes wieder aus. Ich registrierte es leicht verwundert, fuhr aber mit dem verfüttern unbekümmert fort. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Es entwickelte sich ein Durchfall, der nicht mehr kontrollierbar war. Immer weicher wurde der Kot, zum Schluss spritzte er heraus, wie Wasser aus einem Gartenschlauch. Offensichtlich hatte das 'gute' Futter zu Gärungen geführt und die Darmflora nachhaltig geschädigt. Was habe ich nicht alles versucht: Selbstverständlich erst einmal Nahrungskarenz – nur noch trockenes Heu angeboten. Dann Antibiotika und Probiotika verabreicht. Kohletabletten, Tannalbin (Adstringens) und Spasmolytika. In Ermangelung von Injektionspräparaten und auf Grund ihres Misstrauens und meiner Furcht ihr weh zu tun und dadurch ihr langsam sich aufbauendes Vertrauen wieder zu verlieren, habe ich alles in oraler Form verabreicht. Wahrscheinlich unterdosiert, aber besser als nichts dachte ich mir. Da ihr Allgemeinbefinden und Appetit ungestört waren, sah ich mich nicht veranlasst einen tiermedizinischen Kollegen herbeizuziehen. Abgesehen davon, dass kaum ein Tierarzt Erfahrungen in der Behandlung von Kamelen aufweist (nein, auch nicht hier in Australien!), kostet allein die Anfahrt zu meinem Grundstück $ 400,- - ohne dass ein Finger gekrümmt wurde.

Parasitenbefall wäre natürlich auch noch eine, wenn auch ziemlich unwahrscheinliche Ursache der Erkrankung gewesen. In Ermangelung eines ordentlichen Mikroskopes entschloss ich mich, eine Kotprobe untersuchen zu lassen. $ 125,- hat es mich gekostet, plus $ 430,- weil ich auf dem Heimweg vom Tierarzt beim 'rasen' erwischt wurde. Ich fuhr gekankenverloren 115 km/h statt 100 km/h auf einer Strecke die irgendwo im nirgendwo über Kilometer geradeaus führt. Echte Schikane, oder Geldbeschaffungsmaßnahme - wie dem auch sei. Das Ergebnis der Kotprobe war nicht aussagekräftig, ein paar Strongyliden, kein Grund für den wässrigen Durchfall. Sicherheitshalber entwurmte ich sie, ohne dass sich etwas geändert hätte. Meine letzte - der sich auf Versuch-und-Irrtum basierenden - Behandlung war die Verabreichung von Kortison. Und siehe da, die Wirkung war prompt und innerhalb weniger Tage beruhigte sich die offensichtlich entzündete Darmschleimhaut und Ali schied wieder feste Bemmerln aus.

Zur Zeit werden die Lupinensamen nicht mehr angeschaut. Auch die Pellets werden meistens verschmäht, das Grünfutter der Koppeln stellt die einzige Nahrungsquelle dar. Hier und da ein Ast von einer Akazie und ein Stück Baumstamm, um die Rinde abzunagen. Ist das Wetter so schlecht, dass die Kamel abends in den Stall gebracht werden müssen, bekommen sie noch etwas Heu, von dem aber meistens nur etwas genascht wird. Das meiste landet auf dem Boden und wird dann nicht mehr angeschaut.

Ali ist also fett geworden von meiner anfänglichen Mästerei. Jetzt sollte ich endlich schauen, dass sie a) nichts mehr zusätzlich erhält und b) durch Training entsprechend mehr Energie verbraucht. Leider ist das Wetter fürchterlich. Nass, nass, nass. Alles gatschig. Die Fußsohlen weich wie Butter, die Gefahr des Ausrutschens und Hinfallens zu groß. Abnehmen bis auf weiteres verschoben.

Hier noch etwas über die Ernährung vonKamelen

..."Camels are browsers, and possess a split upper lip which is well suited to this purpose. They are adept at eating leaves from the prickliest trees and shrubs.

Free-ranging camels browse trees and select a very wide range of plants. They tend to select the freshest first but always mix their intake. Studies at Alice Springs found camels selected up to 82% of available plant species located in 200-square-kilometre study area. They preferred plants with high moisture and mineral contents and the leaves of trees and shrubs and herbs or forbs to grass. Grass is primarily eaten after rain and before herbs or forbs are available (Dorges & Heucke 1996).

Camels fed in Yards need a diet high in bulk (i.e., a third of a bale of hay per camel per day). They adapt to the gradual introduction of supplements or pelleted food to their diets. Camels used to dry feed need a gradual change to fresh cut browse or bloat will result.

Feeding facilities should allow adequate access for all camels and should be maintained in good repair and in a clean condition. Feeding of camels in troughs located off the ground avoids waste, consumption of dirt or sand and reduces the transmission of intestinal parasites. Camels are prone to ingesting man-made objects such as string and plastic which can cause health problems and this opportunity should be prevented.

Feral camels prefer plants high in salts. It is considered essential to provide coarse salt or salt blocks to fed camels. These blocks should be a soft type as camels have softer tongues than cattle. Salt blocks may include only low levels of urea.

Camels are also susceptible to vitamin E/selenium and copper deficiencies, particularly amongst younger animals. Supplementation should be considered where deficiencies may occur.

Several of the plant species eaten by the camel are digested in the small intestine. Products from these plants are absorbed by a different pathway to those broken down in the rumen. To mimic this system in fed camels, it is advisable to provide a supplement that contains 'protected proteins', e.g. canola meal or cottonseed meal. Restricted Animal Materials is not permitted to be fed to camels; this includes any matter derived from mammals, birds or fish except tallow, gelatine, milk and milk products of Australian origin. It has been found that 100 grams per day of protected protein produces weight gain in camels in poor condition.

Camels should be protected, as far as possible, from toxic plants or other substances deleterious to their health. Camels are particularly susceptible to many poisonous plants found in desert areas. Camels on treks are often unfamiliar with the area and will eat poisonous plants, especially if hungry or tethered. It is therefore essential for the camel handlers to make themselves aware of all poisonous plants in their locality. Camels being fed on barley grass or similar should receive regular checks of the mouth as seeds collect in the gums and under the tongue.

Ensure that there is minimum weight loss in lactating cows. Poor nutrition of lactating cows will result in decreased milk production and high mortalities in calves. Camel calves are more dependant on milk in their diet than cattle calves of similar age.

Camels should be offered ad libitum feed of suitable quality and composition during transport. As a minimum requirement the ration should have an energy value of 8 MJ ME/kg DM and a protein content of 8%. The ration should ideally be 70% roughage. (R Suter pers. comm.)."...