Sonntag, 7. August 2016

Wiederaufnahme des Trainings

In den letzten Monaten habe ich das Training etwas vernachlässigt. Ich war beschäftigt ca. 700 Setzlinge zu pflanzen, eine Heidenarbeit. Jetzt bin ich so gut wie fertig, 35 Pflanzen sind noch übrig, aber der Boden im Moment zu matschig, um weiterzumachen.
Vor drei Tagen - nach ihrem Frühstück - die Mädchen absitzen lassen. Wie üblich verliert Laila nach kürzester Zeit die Geduld und springt wieder auf. Ali macht natürlich mit. Wieder von vorne. “Hoosh” und Zug am Halfter. Hin- und Hertänzeln und irgendwann wird sich abgelegt. Und wieder aufgesprungen. Kaum sitzt eine, springt die andere herum. Zum Verzweifeln.
Und dann habe ich noch Stoff gekauft, um den Girls Decken zu nähen. Der muss angepasst werden, so habe ich das flatternde Ding auf Ali gelegt, um die richtige Länge zuzuschneiden. WAS FÜR EIN THEATER! Sie war nicht zu beruhigen. Als wenn ich ihr nach dem Leben trachte. Zum Schluss hatte sie wieder Durchfall vor lauter Aufregung.
Am nächsten Tag ein weiterer Versuch mit demselben Resultat. Niederhooshen nach kürzester Zeit verweigert, Decke auflegen nicht möglich. Zum zweiten Mal in diesem Monat hatte ich einen Heulkrampf. Diese Scheißviecher. Ich tu ihnen doch nichts. Ich will doch nur, dass sie Platz machen und ihnen ein Tuch auf ihren Rücken legen. Warum schaffe ich das nicht? Nach jeder Trainingseinheit bin ich fix und fertig.
Seit einigen Tagen lese ich in dem Blog von Denis Katzer. Er beschreibt seine Tour durch Australien mit seiner Partnerin Tanja und sieben Kamelen. Viele Reiseberichte ähnlicher Natur habe ich schon verschlungen, aber dieser ist der Beste. In erster Linie interessieren mich die Passagen, in denen er die Schwierigkeiten mit seinen Kamelen beschreibt. Und es geht ihm oft nicht anders als mir. Obwohl er ältere, trainierte und männlich-kastrierte Tiere führt, hat er ebenfalls mit den manchmal nervtötenden Eskapaden zu kämpfen. Es liegt also nicht (nur) an dem Geschlecht - wie mir immer wieder gesagt wird - und es liegt auch nicht (nur) am Alter - es ist eben so. Da werfen sich die Kamele (samt Gepäck) auf die Seite, da hauen sie mit ihren Beinen um sich und treten den Besitzer beinahe krankenhausreif, sie weigern sich zu gehen wenn etwas neu ist,… und und und.
Mir gibt dieser Bericht viel Mut. Es ist eben so. Wenn die Viecher spinnen, dann muss man Wege finden, damit umzugehen.
Also gestern habe ich mich endlich getraut, den Girls die Beine zu fixieren. Dauernd drücke ich mich davor. Es ist absolut notwendig sie an diese Prozedur zu gewöhnen - nur hatte ich ständig Schiss: dass sie plötzlich aufspringen und treten und ich nicht schnell genug bin, um ihnen auszuweichen. Oder dass sie versuchen mich zu beißen, wenn ich die Knoten anziehe.
In dem Blog von Denis Katzer steht, dass die Tiere IMMER fixiert werden, wenn sie be- und entladen werden. Manche so gar an Vorder- und Hinterbeinen. Auch wenn sie auf einem Anhänger transportiert werden, sollten sie fixiert sein. Wenn sie es nicht sind, können ihre unruhigen Bewegungen den Hänger zum schwingen bringen. Nicht lustig mit 1000kg Last über die Straße zu schlingern.
Gestern also das erste Mal! Als ich Laila ein Bein fixiert hatte sprang sie auf und balancierte mit drei Beinen. Meine “Hoosh” Kommandos überhörte sie geflissentlich, ich wiederholte sie jedoch ununterbrochen. Irgendwann legte sie sich ab und ich machte mich an das andere Bein. Wieder versuchte sie aufzustehen, erhob sich auf ihre Hintergliedmaßen und tanzte mit den beiden abgebundenen Vorderbeinen wie eine Ballerina. Dann plumpste sie zurück auf die Erde. Einige Versuche später gab sie auf. Sie lag da, muhte unglücklich vor sich hin, aber rührte sich nicht mehr vom Platz.
Zwischendurch umband ich auch ein Bein von Ali. Sie ließ es ohne Widerstand geschehen. Da ich sie dieses Mal etwas weiter weg von Laila angebunden hatte, war sie nicht so nervös wie die Tage vorher. Sie machte nicht einen Versuch aufzustehen.
Bin sehr zufrieden und Stolz auf meinen Erfolg. Jetzt stehen wieder einige Regentage an, aber sobald das Wetter sich wieder beruhigt, werde ich weitermachen. Später versuche ich sie im Anhänger abzulegen und niederzubinden.

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