Samstag, 20. August 2016

Wie alles begann (5)

In meinem Dorf leben zwei Damen, die Yoga-Kurse und Tagungen anbieten. Ich lernte sie kennen, als sie mit einem kranken Huhn Hilfe bei mir suchten. Eigentlich ganz nette Gestalten, ungefähr in meinem Alter. Eine der Frauen bekundete ihr Interesse für Kamele. Sie wollte schon als Kind ein Kamel und einen Esel, aber die Lebensumstände ließen es nicht zu. Das trifft sich gut, dachte ich. Soll sie ein Kamel kaufen und es bei mir unterstellen. So wäre beiden geholfen: sie erfüllt sich einen Jugendtraum und Laila hätte Gesellschaft.

Zu ihrem 50. Geburtstag bekam sie einen Kamelritt geschenkt, also war sie wirklich 'kamelophil', dachte ich.

(Foto aus FB)
 
Nach einigem Suchen fand ich jemanden, der eine junge Kuh zu verkaufen hätte, ca. drei Autostunden entfernt. Die Dame war interessiert und so machten wir uns frühmorgens auf den Weg nach Orroroo, den alten Pferdanhänger im Schlepptau.
 
Als wir auf den Hof kamen, hatte der Verkäufer die Kamelkuh in ein Yard gestellt. Sie war sehr nervös, brüllte und hatte weichen Kot. Angeblich war sie auf der Farm geboren und sehr zahm, merken konnte man davon nix. Sie wollte einfach nur zurück zu ihren Kumpels auf die Weide. Die Frau war nicht begeistert. Konnte keine 'Verbindung' mit dem Tier herstellen. Ich weiß nicht was das sollte. War wohl irgend sowas Meditatives. Ich drängelte ein bisschen: "Lass uns das Kamel aufladen und fahren wir heim." Nein. War nix. Keine Chance. Sie wollte es nicht und so fuhren wir die 300 km ohne Kuh zurück.
 
Einige Monate später sprach ich sie an, ob sie nicht einmal vorbeischauen wolle. Sie mag doch Kamele, ich fände es toll eine gleichgesinnte Freundin zu haben. "Ja, gerne, wie wäre es Sonntag morgen, 9.00 Uhr?" "Super, ich freue mich. Wir sehen uns dann."
 
Wer nicht erschien, war besagte Dame. Als ich sie einige Wochen später im Supermarkt traf fragte ich, warum sie nicht gekommen war."Oh, ich hatte verschlafen. Habe mich nicht wohl gefühlt." Ich war ziemlich sauer und habe es auch (ganz entgegen dem australischen Brauch!) direkt gesagt. Ich habe auf sie gewartet. Wenn sie tatsächlich verschlafen hat, kann sie ja später anrufen und sich entschuldigen. Einen neuen Zeitpunkt ausmachen. Aber keine Reaktion. Auch kein Einlenken als ich sie ansprach. Ein Zeichen, dass sie überhaupt kein ehrliches Interesse an Kamelen hat. Nur Blablabla. Seit dem höre und sehe ich nichts mehr von den Damen, soll mir auch Recht sein. Die diversen kostenlose Behandlungen an ihren eigenen und Fundtieren fallen somit auch flach. Gut für mich.
 
 


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