Donnerstag, 4. August 2016

Wie alles begann (1)

Als 10jähriges Mädchen kam in mir der Wunsch auf, ich möchte Tierärztin werden. Ich wollte denjenigen helfen, die sich nicht selber helfen können. Menschen können reden, sagen was sie wollen, was sie nicht wollen, wo es ihnen weh tut, was ihnen gut tut. Tiere sind uns ausgeliefert, schutzlos. Ich wollte für sie da sein.
Es dauerte noch ein Weilchen - genau gesagt 17 Jahre - aber dann hatte ich es geschafft. Ich hatte meine Approbation als Tierärztin in der Tasche. Eigentlich wollte ich mich auf Wildtiere spezialisieren, aber das Schicksal hat es anders gewollt. Trotz diverser Praktika in verschiedenen Zoos (Neuwied, Köln) und 3 Monate an der Universität von Kalifornien in Davis (UCD) bei einem Berühmten Experten, Professor Murray Fowler, wurde ich eine freiberufliche Tierärztin auf dem Fachgebiet der Kleintiere, d.h. ich behandelte vornehmlich Hunde und Katzen.
Aber mein Interesse an Zoo- und Wildtieren hat nie wirklich aufgehört. Vor allem Ornithologie und Herpetologie gehörten zu meinen Schwerpunkten. Gerne hätte ich eine Praxis für Vogelkrankheiten geführt, aber zu der damaligen Zeit wäre das eine brotlose Kunst gewesen. Es wurde mir 1984 - Eröffnung meiner Kleintierpraxis - sowieso der Ruin vorhergesagt. Damals war ein Tierarzt für die Besamung von Kühen und für die Fleischbeschau gedacht. Einen Hund röntgen oder gar ein gebrochenes Bein nageln? Das zahlt doch keiner, davon kann man doch nicht leben.
Wie auch immer. Ich konnte. Was ich mir jedoch nicht vorstellen konnte war, jemals eine Affinität zu einem Kamel zu entwickeln. Wenn ich im Zoo war - sei es als Besucher oder auch während meiner Praktika - Kamele und andere Wiederkäuer interessierten mich überhaupt nicht. Die waren groß, faul, stanken, standen dauernd in der Gegend rum und waren irgendwie zum fürchten.
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Das änderte sich 1992. Der erste Urlaub seit der Eröffnung meiner Kleintierpraxis. Er führte nach Australien mit dem Besuch sämtlicher touristischer Highlights. Dazu gehörte auch Alice Springs und der Abstecher zu einer Kamelfarm. Dort konnte man die Tiere hautnah erleben, kurze Kamelritte unter Führung eines Handlers machen und in einer Ausstellung wissenswertes über Biologie und Nutzung erfahren.
Irgend etwas hat sich in mir gerührt. Ich war gefesselt und begeistert von den Dromedaren. Wie sie gelassen und mit einer gemütlichen Selbstverständlichkeit die Wünsche des Führers umsetzten. Phlegmatisch und zufrieden dort hockten und ihren Speisebrei wiederkauten. Alles strahlte Ruhe und Abgeklärtheit aus. Schlicht: ich hatte mich verliebt. ‘Love on first sight’ , wie man so schön auf Neudeutsch sagt.
Von da an wollte ich nur noch eines: selber Kamele besitzen.

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