Mittwoch, 31. August 2016

Namensgebung

Irgendwann, als in mir die Idee reifte Kamele zu halten, kamen mir die Namen 'Ali' und 'Laila' in den Sinn. Es sollte ein Pärchen sein und sie sollten geläufige Namen aus dem arabischen Raum erhalten.

Da sich meine Lebenssituation änderte, d.h. ich plötzlich alleine dastand, traute ich mich nicht, einen 1000kg Bullen zu besitzen. Als 60jährige Frau ohne den Hauch der Erfahrung mit großen Tieren fühlte ich mich schlichtweg überfordert. Also besorgte ich mir ein Baby, um langsam mit ihr zu wachsen (was die Erfahrung anbelangte). Wie mehrmals erwähnt, ist es fast unmöglich ein hochsoziales Tier als Einzelindividuum zu halten, so erwarb ich schweren Herzens ein zweite Kamel.

Die Namen blieben und sie passen wie die Faust auf's Aug:

Laila bedeutet "Dunkelheit" oder "Nacht", abgewandelt auch "dunkle Schönheit". Nun, ihre Fellfarbe ist relativ dunkel und so passt es ganz gut. In Australien sind die helleren Farben begehrter, weiß höchst beliebt. Im arabischen Raum muss eine Schönheit dunkel sein, je schwärzer, je lieber. Auch soll sie groß und mächtig sein, kleine Ohren und eine hängende Unterlippe haben.

 
Naja, so weit sind wir noch nicht, obwohl sie für mich sowieso die Schönste ist.
 
Ali ist ja eher ein männlicher Name, andererseits passt er auch hier: Ali bedeutet "der/die Erhabene" "der/die Hohe", und sie hat einen beeindruckenden Höcker. Okay, sie ist fett. Auf jeden fall unterscheidet sich ihre Silhouette eindeutig von der Lailas.

Die Araber tun sich leichter mit der Namensgebung, sie orientieren sich an den speziellen Eigenheiten, die dem Tier zuzuordnen sind.

The art of naming your camel


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One of the first words Arabic instructors love to teach their students is al jemel, the camel. I have never heard this word used once at the track, perhaps al jemel simply does not suffice.
In the Arabian Gulf, people usually refer to camels as al hejin, a generic word for race camel. Or they refer to a camel by colour (al hamra, the red one), gender (al naga, the cow and al baer, the bull) or age (al thenaya, the five year olds).
These are just the basics.
Christopher Neil lists 60 different names for camel.
There are names for how often a camel drinks:
A camel who drinks every two days: al ghab
A camel with unquenchable thirst: al melwah
A cow that leads others to the watering hole: al salouf
A cow that doesn’t drink to cure herself: al mqameh
Then there are names for a different breeding camels:
A stallion ready to breed, as evident by his lean stomach: al hyaj qafl
A cow with a calf younger than six months old: al khlfa
A cow continuously mourning a dead calf: al khlouj
A cow whose calf has died and been forgotten: al kfout
A cow that produces frothy milk: al jdhour
A cow that will not agree to be milked: al nhous
And there are names for camels of different personalities:
A camel afraid of anything: al jfoul
A camel that loves to escape and will not be caught: al shroud
A camel that eats whatever it sees: al aklu
A camel that stomps its feet on the ground: al kbout
A cow superior to all others in anything it does: al faheea
In addition to his list, there are names for the age of a camels, of which I know nine.
There are camel named by profession like a qalissa, a docile mature camel that trains calves.
There are personalities that include the aged and lethargic camel (al sharif), the young camel that’s easily ridden (al mataya or al rahila) and the camel who wanders like a lost soul (al haml).
Most important are the names of origin. Race camels fall into three categories: Sudanese camels (al sudaniyat), Omani camels (al omaniyat), local camels of Al Najdi origin (al mahaliyat orra’iyat al dar, which means mistresses of the land) and crossbreeds (al muhajjanat).
In addition to slender asayel race camels, there are dusky and tall majahim beauty camels of Saudi origin.
But none of this matters, because most of the time, people refer to a camel by it’s breed.
There are the breeds named after camels of such formidable speed, stamina or breeding prowess that descendants carry their names. They include Shaheen, Jabbar, Hamlool, Soughan, Tayyara, Samha and Al Misk, to name but a few.
By my count, there are easily more than 100 words for camel in Arabic. And that’s why the simple word camel just won’t do.

Montag, 29. August 2016

Nachtragend

Dieser Zwei-Stunden-Kampf in der Früh ist nicht nur mir in die Glieder gefahren, auch Laila war beeindruckt. Sicher nicht körperlich, aber mental auf jeden Fall.
Normalerweise kommt sie angerannt, wenn ich mich der Koppel nähere. In letzter Zeit sogar etwas stürmischer als mir lieb ist. Es sieht so aus, als wenn sie ihre Grenzen austesten wollte. Im Schweinsgalopp kommt sie angerast, den Kopf gesenkt, die Backen aufgeblasen, die Unterlippe schlappert. Sie blubbert und produziert schaumigen Speichel, der ihr aus den Mundwinkeln tropft. Mit einer Akutbremsung bleibt sie vor mir stehen. Wäre der Zaun nicht zwischen uns, würde sie mich sicher anrempeln - so wie sie es mit Ali macht.
Gestern Abend war von dieser provakanten Aktion nichts zu bemerken. Als sie mich wahrnahm ging sie zügigen Schrittes in die entgegengesetzte Richtung und gesellte sich zu Ali, die am anderen Ende der Koppel stand. Ali kümmert sich herzlich wenig um meine Anwesenheit. Sie mampft in der Regel so für sich hin ... außer ... an so Tagen wie heute! Es regnet, immer mal wieder eine leichter Schauer, genug um nass zu werden. Trotz dickem Winterfell - Regen mögen sie gar nicht.



So stehen sie brav vor dem Tor und warten darauf, in den Stall geführt zu werden. Auch der kurze Marsch von der Koppel zur Unterkunft verläuft unspektakulär und zügig. Nix wie ab ins Warme.

Übrigens mussten wir wieder ordentlich raufen, bis das Halfter oben war.

Sonntag, 28. August 2016

Workout

Es hatte so harmlos angefangen: Wetter ruhig und mild, die Girls offensichtlich gelangweilt, da sie erwartungsvoll vor dem Tor standen, als wollten sie abgeholt werden. Tue ich ihnen den gefallen, leine sie an und marschiere über Nachbars Grundstück mit ihnen. Wo es brenzlig wurde habe ich sie einfach losgelassen, hatte keine Lust mit ihnen zu raufen. Den dry-creek zu durchqueren ohne Theater ist noch immer nicht möglich. Als wenn sie nicht langsam gehen könnten! Nein, sie müssen immer volle Pulle runterlaufen. Ich habe jedes Mal Angst, dass sie mich umrennen. Ohne Führung rennen sie genauso blöd runter und hinten wieder rauf, aber ich stehe wenigstens nicht im Weg.

Nach der Runde habe ich sie noch etwas fressen lassen und dann wollte ich es wissen: Trailer-Training. Dieses Mal soll Laila auf den Anhänger, Ali bleibt unten. Theoretisch. Obwohl Ali Angst hat, geht sie immer anstandslos auf den Hänger, Laila hingegen mag nicht. Als erste geht sie nicht, no way. Sie würde gehen wenn Ali bereits oben ist, aber ich wollte es heute wissen.

Geschlagene zwei Stunden habe ich gebraucht, sie nach oben zu bringen. Alle Tricks und Schmähs angewendet. Sogar ein Flügel der rückwärtigen Tür habe ich ausgebaut, da sie immer im Weg war. Zum Schluss habe ich meine Geduld verloren und ihr hinten mit dem Stock eine übergezogen. Ein Satz, und sie war drinnen. Mir war mittlerweile wurscht, dass das nicht lege artis war, ich war schweißgebadet und entnervt. Aufgeben wäre nicht drin gewesen, dann hätte sie gewonnen und beim nächsten Mal noch mehr gekämpft.

 
Auch bei ihr hat ein Karabiner - einer von den besseren aus stainless steel - dran glauben müssen. Unwahrscheinlich welche Kraft so ein Vieh entwickelt, wenn es nicht will.


Mittwoch, 24. August 2016

Fortschritt

Endlich hat es geklappt. Kann nicht sagen, ob das einmalig war oder das Eis gebrochen ist, aber Laila hat sich das Halfter ohne Zwangsmaßnahmen anlegen lassen! Anschließender Gang vom Stall auf die Koppel OHNE EIN EINZIGES MAL zu zerren. Ganz gemütlich marschiert und alle Futterpflanzen rechts und links des Weges ignoriert. Das war echt toll. So stell ich mir das Trekken vor, wenn sie älter und trainiert sind.

Weil das Wetter nicht schlecht aussah, habe ich heute den 'neuen' Hänger auf die Koppel gestellt. Ich hatte den für $ 500,- gekauft wohl wissend, dass er eigentlich nur von dem neuen Farbanstrich zusammengehalten wird. Aber die Reifen und Elektrik waren überholt und die Registrierung, die über $ 100,- ausmacht, für ein Jahr bezahlt. Also eigentlich nur $ 390.- für die Rostschüssel. Der nette Nachbar hat sich bereit erklärt, die Kiste sicher zu machen. Der meiste Rost ist weg und das Gitter obendrauf ist nun bombenfest. Die Seitenteile hat er mit einem cleveren System schwenkbar gemacht. Wenn ich die Kamele an den Hänger binde und die Seitenteile ausfahre, dann verhindern diese, dass die Kamele den Trailer überholen können.



Zuvor hatte ich versucht, die Kamele ohne Anhänger zum flotten Marschieren zu bringen. Einfach hinten am Auto festbinden. Was für ein Theater. Dauernd links und rechts ausgewichen und dann wieder voll ins Auto reingedonnert. Laila hat dabei die linke Schlussleuchte demoliert. Das Auto ist neu und soll noch ein Weilchen halten. Wenn sie den Hänger kaputt machen ist mir das egal (obwohl er letztendlich doch fast soviel gekostet hat wie ein neuer, da der Nachbar $ 550,- kassiert hat. Allerdings der Schmäh mit den Seitenflügel ist wirklich gut und nicht käuflich erwerbbar).

Samstag, 20. August 2016

Wie alles begann (5)

In meinem Dorf leben zwei Damen, die Yoga-Kurse und Tagungen anbieten. Ich lernte sie kennen, als sie mit einem kranken Huhn Hilfe bei mir suchten. Eigentlich ganz nette Gestalten, ungefähr in meinem Alter. Eine der Frauen bekundete ihr Interesse für Kamele. Sie wollte schon als Kind ein Kamel und einen Esel, aber die Lebensumstände ließen es nicht zu. Das trifft sich gut, dachte ich. Soll sie ein Kamel kaufen und es bei mir unterstellen. So wäre beiden geholfen: sie erfüllt sich einen Jugendtraum und Laila hätte Gesellschaft.

Zu ihrem 50. Geburtstag bekam sie einen Kamelritt geschenkt, also war sie wirklich 'kamelophil', dachte ich.

(Foto aus FB)
 
Nach einigem Suchen fand ich jemanden, der eine junge Kuh zu verkaufen hätte, ca. drei Autostunden entfernt. Die Dame war interessiert und so machten wir uns frühmorgens auf den Weg nach Orroroo, den alten Pferdanhänger im Schlepptau.
 
Als wir auf den Hof kamen, hatte der Verkäufer die Kamelkuh in ein Yard gestellt. Sie war sehr nervös, brüllte und hatte weichen Kot. Angeblich war sie auf der Farm geboren und sehr zahm, merken konnte man davon nix. Sie wollte einfach nur zurück zu ihren Kumpels auf die Weide. Die Frau war nicht begeistert. Konnte keine 'Verbindung' mit dem Tier herstellen. Ich weiß nicht was das sollte. War wohl irgend sowas Meditatives. Ich drängelte ein bisschen: "Lass uns das Kamel aufladen und fahren wir heim." Nein. War nix. Keine Chance. Sie wollte es nicht und so fuhren wir die 300 km ohne Kuh zurück.
 
Einige Monate später sprach ich sie an, ob sie nicht einmal vorbeischauen wolle. Sie mag doch Kamele, ich fände es toll eine gleichgesinnte Freundin zu haben. "Ja, gerne, wie wäre es Sonntag morgen, 9.00 Uhr?" "Super, ich freue mich. Wir sehen uns dann."
 
Wer nicht erschien, war besagte Dame. Als ich sie einige Wochen später im Supermarkt traf fragte ich, warum sie nicht gekommen war."Oh, ich hatte verschlafen. Habe mich nicht wohl gefühlt." Ich war ziemlich sauer und habe es auch (ganz entgegen dem australischen Brauch!) direkt gesagt. Ich habe auf sie gewartet. Wenn sie tatsächlich verschlafen hat, kann sie ja später anrufen und sich entschuldigen. Einen neuen Zeitpunkt ausmachen. Aber keine Reaktion. Auch kein Einlenken als ich sie ansprach. Ein Zeichen, dass sie überhaupt kein ehrliches Interesse an Kamelen hat. Nur Blablabla. Seit dem höre und sehe ich nichts mehr von den Damen, soll mir auch Recht sein. Die diversen kostenlose Behandlungen an ihren eigenen und Fundtieren fallen somit auch flach. Gut für mich.
 
 


Noch immer Theater

Jetzt sind schon mehr als zwei Monate seit der nose peg Implantation vergangen und Laila mag sich noch immer nicht das Halfter anlegen lassen. Wir kämpfen jeden Morgen.

Irgendwie ist es ja verständlich. Alte Traumata kommen in ihr hoch und die sind halt schwer zu überwinden:

Als ich das Baby Ende Juli 2014 entgegennahm, trug es bereits ein Halfter. Es ist üblich den untrainierten Tieren einen Strick um den Hals zu binden und ein ca. 2-3m lange Ende durch den untersten Ring des Halfters zu ziehen und am Boden schleifen zu lassen. Die Tiere treten immer mal wieder auf das Seil und ihre Bewegung wird dadurch abrupt gestoppt, der Kopf erhält einen Ruck nach unten. So gewöhnt sich ein Wildfang an die Bewegungseinschränkung, ohne dass der Mensch einschreiten muss. Außerdem kann man auf diese Weise ein scheues Tier leichter einfangen.

Ein Kamel-Baby wächst und zwar rasant. Laila war ca. 2 Monate bei ihrer Vorbesitzerin und trug die ganze Zeit über das Halfter mit Zugseil. Nachdem sie ca. 10 Tage bei mir war und ich mich schon etwas näher an sie herantraute, stieg mir ein mir SEHR vertrauter Geruch in die Nase - Eiter. Irgend etwas stank erbärmlich. Immer wieder schnupperte ich an ihr bis der Groschen fiel! Es kam vom Halfter und zwar aus der Gegend des Nasenrückens. Gaaanz langsam und gaaanz vorsichtig, mit viel gutem Zureden, Herzklopfen meinerseits und Protestgemuhe ihrerseits, entfernte ich das Halfter.

Auf einer Fläche von 3x10 cm lag der Knochen blank und das umliegende Gewebe war voller gatschig-stinkendem Eiter. Die Riemen waren regelrecht eingewachsen. Natürlich hatte ich Null Chance die Wunde medizinisch zu versorgen. Angucken war schon schlimm genug! Da das Allgemeinbefinden ungestört war, überließ ich Mutter Natur die Heilung. Und die verlief komplikationslos, man konnte regelrecht zuschauen, wie sich der Defekt verschloss.

Hier die Nase ca. eine Woche nach Halfter Entfernung:


 
 
Nächstes Problem: wie krieg ich (nach Abheilung) wieder ein Halfter auf das traumatisierte Tier?
 
Ich erinnerte mich an meine handwerklichen Fähigkeiten und häkelte ihr ein weiches Geschirr, nur um sie an den Umstand zu gewöhnen, wieder etwas um ihre Nase zu tragen - keinerlei Zug oder Fixation.
 
 
 
Vielleicht etwas lächerlich, aber es hat gewirkt. Später mit einem neuen, weiten Halfter weitergemacht und bis zum Tag X (Setzen des nose pegs) nie wieder Probleme gehabt.


Mittwoch, 17. August 2016

Chinesische Wertarbeit

Um die Kamele daran zu gewöhnen auf dem Anhänger fixiert zu sein, habe ich erst einmal mit einem Mädchen angefangen. Laila außen vor, mit zwei Leinen am Hänger angebunden, niedergehoosht und die Vorderbeine gefesselt. Natürlich unter Protest und mehrmaligen Aufstehversuchen.


Ali ging anstandslos auf den Anhänger, wollte sich anfangs nicht niederlegen, aber nach einer Weile hat es doch geklappt. Sie war sehr nervös und der Kot wurde zunehmend weicher. Ein Vorderbein umwickelt - versucht aufzustehen - wieder niederhooshen - zweites Bein fixieren. Sie zitterte wie Espenlaub, rutschte vor und zurück, blieb aber unten.

 
 
Die Reisen, die wir unternehmen werden, werden mehrheitlich über lange Strecken gehen, stundenlanges sitzen wird unvermeidlich sein. Fangen wir klein an, dachte ich mir - sagen wir eine halbe Stunde.
Blick zurück auf meinem Weg ins Haus:
 
 
 
So gefällt mir das.
 
30 Minuten später, ich traue meinen Augen nicht:
 
 
Mit entspanntem Gesichtsausdruck - kein Zittern mehr - lag Madam NEBEN dem Trailer. Sie hatte sich wohl stetig zurückgerobbt und dabei den Karabiner ihrer Leine zerbrochen. Tolle Leistung. Oder shit Material.
 
 
Nächstes Mal die Rückklappe zumachen und/oder Seil um Hals legen und sich nicht auf Halfter und Leine verlassen.

 
 
 
 
 
 

 
 
 



Dienstag, 9. August 2016

Ausflug zur Beltana Station (17. - 20.04.16)

Nein, bis Hawker muss es noch gehen. Oder doch beim nächsten Parkplatz stoppen? Nein, nein. Nur noch 40 km, den Sitzgurt etwas lockern, Platz im Bauch schaffen. Geht schon besser. Noch 30 km. Das war jetzt flott. Blick auf den Tacho: fast 90 km/h – runter vom Gas, zurück auf 80. Mehr will ich ihnen nicht zumuten. Hoffentlich fliegt ihnen nichts in die Augen. Jetzt wird’s langsam brenzlig. Die Lippen zusammenpressen und draufbeissen, das lenkt ab. Noch 20 km, noch 10 km. Yeah, Hawker in Sicht. Rechts abbiegen, auf dem großen Parkplatz zwischen die vielen Caravans einparken, direkt gegenüber der Toilette. Ach tut das gut.
Es gilt das nächste elementare Bedürfnis nach fünfeinhalb Stunden Fahrt zu befriedigen. Zwar ist die Kühltasche gut gefüllt, aber vielleicht gibt es ein paar knackige Pommes bei der Tanke? Ich weiß, dass die Tankstelle im Ort besser bestückt ist als die, die an der Hauptdurchfahrtsstraße liegt. Ach Schade, nur Touristen Krimskrams und gekühlte Softdrinks in der Truhe. Zurück zum Anfang, dort ist ein kleines Café.


Einige Neugierige haben sich um mein Auto platziert. Ich entdecke einen Truck, nicht weit weg geparkt. Ein LKW wie er zum Transport für Kamele verwendet wird. Anscheinend gehören die Leutchen zu dem Gefährt – dass muss ich mir näher anschauen. 'Can I help you?' fragte ich freundlich. 'Just looking at the camels'. Als ich dann näher kam, fiel wohl der Groschen: 'Are they yours?' Es stellte sich heraus, dass Harold Cannard und sein Team von Silverton (bei Broken Hill) auf dem Weg nach Norden ist, ein paar Kamele zu holen. Er ist einer der alten, wohlbekannten Cameleers, betreibt auch ein Touristengeschäft und bietet Kamelritte an. Er wollte dann noch mit mir ins Geschäft kommen. Holte eine Mappe mit Zeitungsausschnitten und Bildern, zeigte mir Fotos von seinen selbstgemachten Sätteln. $ 1.500,- pro Stück. Ja, sehr schön. Kann ich aber nicht brauchen. 'Best material. Not this crap you get usually.' Ja, ja, ja. 'They are excellent, marvellous, beautiful. But what shall I do with a riding saddle when I don't want to ride?' Etwas angefressen packte er die Mappe wieder weg. Ich ließ mir noch seine Handynummer geben, da seine Begleitung anbot, meine girls mit einem nose peg zu versehen. Mal sehen. Anfangs Juli fährt er nach Adelaide, dann könnte er bei mir Halt machen.
Das Essensangebot im Café war bescheiden, ein 'European salad', d.h. ein Salat mit etwas Dressing (sonst wird der Salat meistens ohne serviert, als hübsches Dekorationsmaterial - die Aussies fressen das Fleisch und das Grünzeug geht wieder zurück) und Knoblauchbrot. Ein lecker Cappuccino und weiter ging die Fahrt, nur noch 140 km und wir waren am Ziel.

Die homestead liegt auf einem Hügel sieben Kilometer von der Hauptstraße entfernt.
Die Zufahrt schon länger nicht planiert und entsprechend mit Schlaglöchern und Steinen versehen. Kriechend erreichten wir unser Ziel. Es war ruhig, einige Mitarbeiter werkelten in einer Scheune. Ein netter junger Mann sprach mich an. Ich erklärte ihm meine Absicht hier mit meinen girls zu kampieren - wäre mit Laura, der Chefin, so verabredet. Leider war sie nicht da und hatte auch keine entsprechenden Instruktionen hinterlassen. Wie auch immer. Der junge Mann – er stellte sich als Enkel von Noel Fullerton vor (DIE Cameleer-Legende schlechthin, verstarb Ende letzten Jahres:  - wollte mir auch beim Abladen helfen. Wir schlichen den Berg wieder hinunter – er hinten auf der Ladefläche. Der Anhänger ruckelte so vor sich hin, als wenn ich dauernd auf der Bremse stünde. Irgendwas stimmte nicht, war mir jetzt aber egal. Ich stellte mich parallel zu dem kleinen Yard wo meine girls untergebracht werden sollten. Der junge Mann schlug vor, rückwärts zum Tor zu fahren um dann die Kamele hineinzudirigieren. Meine Rückwärtsfahrfähigkeit hält sich in engen Grenzen, ich bestand auf 'meiner' Methode des Abladens. Heckklappe öffnen, die Mädchen nacheinander mit der Leine herausführen. Klappte ausgezeichnet und der Helfer zeigte sich beeindruckt.
Ich machte mich anschließend auf, ein ruhiges Platzerl für mein Zelt zu suchen. Kilometerlanger dry creek mit rivergums, mallees und Büschen. Ein Plumpsklo, Dusche von Solarzellen geheizt und Gasgrill für die Allgemeinheit waren zentral untergebracht. Mein Zelt war dank des Trainings einige Tage zuvor schnell errichtet, das Auto entladen und meine Sachen verstaut. Der Probelauf des kleinen Gasgrills verlief schleppend, da ich eine Weile brauchte, um die Raffinesse des Flaschenanschlusses zu durchschauen. Ich machte mich wieder auf die Socken, um noch eine Runde mit den girls zu marschieren.

Der Spaziergang erwies sich als schwieriger als erwartet. Sie wollten sich nicht außer Sichtweite des im Nachbargehege untergebrachten Kamelbullen bewegen. Dauernd schauten sie zurück. Ich gab dann auf und stellte sie wieder zurück in den Yard.
 


Es begann dunkel zu werden, ich war müde und richtete mich für die Nacht her. Als ich mich niederlegen wollte, fand ich keine richtige Position für meine schmerzenden Hüften. Die sich selbst-aufblasende 3,5 cm Matratze war wohl undicht, entsprechend hart das Liegen. Mal rechts, mal links. Hätte heulen können, nahm mich aber zusammen und irgendwann döste ich weg.
Kling, kling, kling, …. wach war ich wieder. Ein ellenlanger Zug zuckelte sich seinen Weg entlang der Bahnstrecke. Da der Weg zur homestead die Gleise kreuzte und keine Schranke aufwies, wurde das Dauerläuten zur Warnung aktiviert. Irgendwann fand das Gebimmel ein Ende und ich schlummerte wieder ein. Krach bumm zisch, krach bumm zisch,... wieder hellwach. War doch tatsächlich ein Feuerwerk oben bei der homestead in Gang. Zwar nur kurz, aber laut genug um gestört zu werden. Wie wohl die Kamele reagiert haben?

Wie immer läutete um 5 Uhr mein Handywecker. Es lohnte nicht aufzustehen, da es noch stockdunkel war. Die Nacht war erstaunlich warm gewesen. Ich hatte eine Leggings angezogen gehabt, den Schlafsack strampelte ich ständig weg. Mit den ersten Sonnenstrahlen aufstehen, Wasser aufsetzten und Kaffee machen. Im Anschluss an mein 'formidables' Frühstück ein weiterer Test für meine künftige Outbacktauglichkeit: Darmentleerung. Ich ekelte mich das Plumpsklo zu benutzen, hatte aber eine Klappschaufel und Klopapier mitgebracht! Wider erwarten hat es auf Anhieb geklappt. Schließlich hatte ich bei anderen Reisen schon unter Verstopfung gelitten, weil es auf fremden Toiletten einfach nicht flutschte. Unterm Busch im Nirgendwo ging es. Gut zu wissen.

Auf zu den Kamelen. Sie schienen unbeeindruckt, hatten das mitgebrachte Futter gefressen. Im Yard wuchs nichts, war nur Dreck und altes Stroh – aber die Mutti hatte ja vorgesorgt. Halfter angelegt und los ging's. Hmm, Laila entlastete ihr rechtes Vorderbein. Ich hatte das zu Hause vor kurzer Zeit schon beobachtet, es verschwand allerdings wieder von selbst. Jetzt war es deutlich. Die Inspektion der Sohlenfläche war unauffällig. Egal, vielleicht läuft sie sich ein und alles ist gut. Leider änderte sich nichts während des zweistündigen Marsches. Immer wieder hob sie das Bein wenn wir stehenblieben und ständig stolperte sie und sank ein bei engen Wendungen. Sch...ade. Gegen Mittag erreichten wir wieder die Unterkunft und ich beschloss, sie heute nicht mehr auszuführen.
Zurück zum Zelt, ein paar Nüsse knabbern, einen Apfel essen, kurz hinlegen. Es war aber zu heiß im Zelt und draußen waren zu viele Fliegen, um sich gemütlich entspannen zu können. Und nun? Vielleicht komme ich heute zu meinen Pommes? Auf nach Leigh Creek. ...Reinfall. Der Ort befand sich gerade im Mittagsschlaf. Demnächst wird die Mine geschlossen, dann kann sich die Siedlung auflösen...Weiter nach Copley. Dort ist eine kleine Bäckerei die Produkte von Quandong Früchten anbietet. Eine Quandong-Tarte mit cream, ein Cappuccino und drei Gläser Marmelade (als Mitbringsel für den Nachbarn und Helen, die Hundsitterin) und um $ 40,- leichter, zum Schluss noch tanken und zurück zur homestead.
Die kommende Nacht war etwas angenehmer. Die Hüften schmerzten nicht mehr so arg. Sie tuen nur weh, wenn ich lange sitzen musste. Wie bei der siebenstündigen Autofahrt, oder nach langen Flügen. Nur einmal durch ein erneute Feuerwerk gestört schlief ich recht passabel, auch dank des leichteren beziehungsweise fehlenden Nachtgewandes.

Auf zu den Kamelen. Erneuter Anlauf, so was ähnliches wie 'Trekken' anzugehen. Und wieder abgebrochen wegen Lailas Lahmheit. Es war noch schlimmer als am Vortag. Knapp einen Kilometer gelaufen und sie legte sich hin und wollte nicht mehr aufstehen. Ali tanzte um sie herum, ich zog wie blöde. Irgendwann erhob sie sich und mir blieb nichts anderes übrig als zurück zugehen. Wachstumsschmerzen? Ein Zerrung? Ich konnte keine Ursache ausmachen. Nichts war geschwollen, keine Berührungsempfindlichkeit. Tatsache blieb, dass es ihr sehr weh tat. Sie musste geschont werden – außerdem kann ich sie nicht wirklich heimtragen, wenn sie nicht mehr will. Die Reise abbrechen? Wird wohl das Beste sein. Alternativ könnte ich alleine wandern gehen. Naja, ich überleg' es mir noch.

Nachmittags fuhr ich Richtung Süden. Zunächst nach Parachilna, ein Miniort an der Hauptstraße. Wie ich feststellen musste, befanden sich nur ein Pub und ein paar Camping-Container dort. Ich hatte einen kleinen Einkaufsladen in Erinnerung, der war aber nicht (mehr?) da. Wollte doch Toastbrot und ein paar Karotten für die girls einkaufen. Pech gehabt. Dann halt weiter nach Blinman.
Jawoll! Es war lunchtime und der Pub bot was zu essen an: Veggieburger und Pommes. Endlich mal was Gutes für die Mutti.

Auf der Rückfahrt noch ein paar Fotos gemacht und mich entschlossen, wieder nach Hause zu fahren. Durch die Gegend zu marschieren bei der Hitze macht kein Spaß. Das kann ich auch daheim, da ist es wesentlich kühler.
Die Campinggebühren wollten noch bezahlt werden, also fuhr ich zur homestead. Heute sollte die Chefin da sein. Als ich die Autotür öffnete stand grinsend Kamahl vor mir. Er und seine Partnerin machen das Kamelbusiness als joint venture mit der Farm. Eigentlich war ich ja sauer auf ihn. Wegen ihm hatte ich die Schwierigkeiten mit dem Esel: zuerst wollte er ihn haben und ich habe die Transportkosten ausgelegt, als er hörte, dass das Vieh wild war, wollte er ihn plötzlich nicht mehr. Erst mit entsprechendem logistischen Aufwand konnte ich mit Hilfe eines Bekannten einen neuen Platz für den Esel organisieren. Da Kamahl aber viel Erfahrung mit Kamelen hat überwand ich meinen Ärger und rief ihn vor meiner Abfahrt an. Ob er mir – gegen Entgelt – mit einigen Ratschlägen und Anweisungen helfen könnte. 'Don't expect me to be around. We're very busy at the moment.' Okay, dann halt nicht. Wieder ein Brocken zu schlucken. Und jetzt steht er da, die Freundlichkeit in Person.
Er ist wirklich ein netter Bursch. Hat mir gleich einen Sattelrohling gezeigt und demonstriert, wobei es bei einem guten Kamelsattel ankommt.

Erzählte von seiner Vergangenheit, seinen Zukunftsplänen und von Marie, seiner Partnerin – die alle sechs Wochen nach Port Pirie fährt um dort Akupunktur-Patienten zu betreuen – auf teilweise recht lockere und lustige Art. Unterbrochen wurden wir von Neuankömmlingen, zwei Familien mit Caravans, die sich über die Campinggründe informieren ließen. Zum Schluss vereinbarten wir ein Treffen ca. zwei Stunden später. Kamahl wollte mir demonstrieren, wie man den Kamelen Hobbels anlegt und wie man sie mit einem Seil in hoosh-Position fixiert.

Pünktlich um 17.30 Uhr war ich mit meinen Kamelen in dem Yard, wo die Touren normalerweise starten. Gut, es war eine halbe Stunde früher, aber ich wusste ja nicht, wie lange ich den Berg hoch brauchen würde. Dort wartete ich geduldig, Ali und Laila am Pfosten angebunden. Da erschien Kamahl.... mit seinen fünf Reitkamelen. War ein Missverständnis, er wollte mir die Technik an seinen erfahrenen Tieren demonstrieren. Wirkte bei denen natürlich wie ein Kinderspiel. Wir haben gar nicht erst versucht, dasselbe bei meinen durchzuführen. Eine Seiltechnik gezeigt bekommen, wie die Vorderbeine fixiert werden, so dass sie sich nicht mehr erheben können.

Es hätte noch stundenlang so weitergehen können, aber es wurde langsam dunkel. Nebenan in der großen Scheune wurde das Abendessen für die Hüttengäste und Mitarbeiter vorbereitet, Kinder fuhren auf kleinen Motorbikes herum, ziemlich viel Betrieb. Es war besser, sich auf die Socken zu machen Richtung Gehege. Ha, meine Damen hatten andere Pläne. Als ich versuchte, sie an den Fünfen vorbei und hinauszuführen ging der Eiertanz los. Bocken, treten, sich aufbäumen – volles Programm. Wir mussten eine tolle Show geliefert haben. Irgendwann übernahm Kamahl die Initiative. Ali war am schlimmsten ('naughty girl') und so übernahm er sie und band sie an seinen imposanten Leitbullen. 'Da kann sie ruhig treten', sagte Kamahl. 'Er wird es ihr schon retour geben'. Ich tanzte mit Laila hinterher. Zu ihrem Gehüpfe kam noch ein aufgeregtes Brüllen dazu. Erst wollte sie zurück wo wir herkamen, dann sah sie, dass Ali in die andere Richtung unterwegs war. Volle Pulle hinterdrein und mich gleich mitgezogen. An der Scheune mit Scheinwerfern vorbei, irgendwie den Berg hinunter. Plötzlich hat Laila wieder Gas gegeben und ist mit Karacho seitlich den Hang hoch: ein zahmes schwarzes Kälbchen hatte sich uns angeschlossen. Nein, kein Kalb, der Teufel war's (laut Laila). Langsam ließen meine Kräfte nach. Was habe ich gezogen, gezerrt, gebrüllt. Zwei junge Männer wollten uns helfen und wären beinahe von Laila niedergestoßen worden, als sie mit einem Riesensatz über eine Rinne sprang die sich zwischen Hang und Straße befand.

Ali war mittlerweile brav an der Seite des Bullen. Wir mir Kamahl später erzählte, hatte sie auch bei ihm die Taktik: ganz-schnell-vorlaufen-und-sich-quer-vor-einem-hinstellen versucht, aber ein paar gezielte Hiebe mit dem Seil und Kommando 'back' haben ihr dann klar gemacht, dass es so nicht geht. Ich wäre nicht streng genug, meinte er hinterher. Aber auch: 'FEMALES'. Kastrierte Bullen sind wohl wesentlich leichter zu handhaben.

Als ich erschöpft bei meinem Zelt ankam, traf mich fast der Schlag. Die zwei Familien, die sich nach den Campingbedingungen erkundigt hatten, hatten sich NEBEN MIR, ich wiederhole: NEBEN MIR niedergelassen. Datt gibbet doch gar nisch! Platz, so weit das Auge reicht, ein Creek so lang wie Rhein und Donau zusammen und die Trotteln müssen NEBEN MIR campen. Mir quasi in den Suppenteller spucken. Mit allem, was dazu gehört: Radio laut aufdrehen, Kinder spielen Fußball, Frauen kreischen, Geruch von verbranntem Grillfleisch in der Luft. ...Am nächsten Tag werde ich  den Abflug machen – Entscheidung endgültig gefallen.
Die dritte und letzte Nacht. Auf Grund der neuen Nachbarschaft entsprechend ungemütlich. Laute Gespräche, Lachen, Kindergebrüll. Als endlich alles ruhig war, haben die Männer angefangen den Wald abzusägen!

In der Früh habe ich mich nicht lange aufgehalten. Kaffee getrunken und Katzenwäsche … dann eingepackt. Die Haken aus der Erde gezogen, das Zelt, Schlafsack und Matratze zusammengeknüllt und ins Auto geschmissen. In kürzester Zeit war ich fertig und bin zum Gehege, die Kamele aufzuladen.

Zunächst galt es noch den Hänger wieder anzudocken. Immer wieder ein mühsames Unterfangen. Wenn keiner da ist, der Anweisungen geben kann heißt es x-mal vor- und zurückfahren bis endlich das 'Manderl' und das 'Weiberl' der Anhängerkupplung zusammenfinden. Noch zwei schwere Sicherheitsketten verbinden und den Stecker für die elektrische Bremse einführen. Ha! Jetzt war mir klar, warum bei der Fahrt von der homestead zum Gehege der Hänger so geruckelt hat. Der junge Mann, der hinten auf der Ladefläche Platz genommen hatte, hat versehentlich bei seinem Aufstieg die Notbremse, die mit einem dünnen Seil vom Hänger zum Auto führt, aktiviert. Na wenigstens ist nichts kaputt. Deaktivieren und alles ist wieder im grünen Bereich.

Die girls waren anscheinend auch froh, die ungemütliche Bleibe zu verlassen. Ziemlich manierlich sind sie eingestiegen und so konnte ich – nachdem ich mich noch kurz von Kamahl verabschiedet hatte – um 8.30Uhr die Lokalität verlassen. Ohne Pause die 420 km zurück und gegen 15.00 Uhr 'save and sound' wieder daheim.

Fazit:

1. Wenn schon touristisch attraktive Orte besuchen, dann nicht zur Ferienzeit. Und schon gar nicht, wenn ein langes Wochenende bevorsteht. Am 25.04. ist ANZAC-Day und anscheinend ist ganz Australien unterwegs. [Ich wollte halt meinen Geburtstag in den Flinders feiern – wird halt nicht mehr möglich, wenn ich so auf meine Ruhe Bedacht bin]. Mir sind unendlich viele Caravans – ganze Einfamilienheime im Schlepptau – begegnet, in beiden Richtungen.
2. Die Kamele müssen lernen gehobbelt und fixiert zu werden. Tut mir leid, aber dann können sie wenigstens frei herumlaufen und müssen nicht in so einem dreckigen Gehege stehen. Und Fixation während der Fahrt wird auch wichtig. Jedes mal wenn wir überholt werden oder ein Roadtrain an uns vorbeidonnert, fängt der Hänger an zu schwingen weil die Kamele ausweichen wollen und sich beide auf eine Seite schmeißen. Nochmal 100 kg/Kamel mehr, und der Transport wird echt gefährlich.
3. Ich kann besser mit dem Zeltleben kooperieren als zunächst befürchtet. Mangelnde Hygiene, einfaches Essen, kein Internet/Fernsehen – alles kein Problem. Allerdings kann ich nicht mit Urlaubern/Touristen zusammen die Freizeit verbringen. Mittlerweile bin ich so verwöhnt mit meinem abgeschiedenem Leben, dass ich noch nicht einmal laute Radiomusik ertrage.
4. I'll be back! For sure.
 
Nachtrag: Seit wir wieder zurück sind, hatscht Laila nicht mehr!
 

Sonntag, 7. August 2016

Spaziergang

Endlich sind Nachbars Schafe weg und das Wetter ist schön. Zeit für einen kleinen Spaziergang. Ali hat natürlich wieder beim Berg-ab-gehen Sperenzchen gemacht, aber nur kurz. Laila musste auch einmal blöd spielen und wollte sich in die Föhre schmeißen. Im Großen und Ganzen konnte ich zufrieden sein.


 
 
Im Anschluss noch Gehorsamsübungen. Hoosh. Beine  fesseln. Ali top, Laila flop!




Morgendlicher Kampf

Jeden Morgen dasselbe Theater. Seit dem Setzen der nose pegs am 16.06. mag sich Laila nicht mehr das Halfter anlegen lassen. In den ersten vier Wochen hatte ich bei beiden die Halfter oben gelassen, jetzt nehme ich sie ihnen wieder ab, wenn die Koppel oder der Stall erreicht sind. Mit Ali - die sonst immer das Sensibelchen war - gibt es kein Problem. Kommando “NAASIE” und sie beugt sich zu mir nieder. Sie weiß, dass sie anschließend eine Möhre bekommt - und Fressen ist ihr Lebensinhalt.
Laila ist nicht verfressen. Möhrchen vor die Nase halten und gleichzeitig Halfter anlegen? Nicht möglich. Eine Schüssel mit Haferflocken hinhalten und gleichzeitig Halfter anlegen? Hat einmal geklappt. Bleibt nur kämpfen. Bis mir der Schweiß rinnt und Laila sich wieder angeschi***en hat.


 Denis Katzer berichtet in seinem Blog von ähnlichen Problemen. Ich hoffe ja doch, dass Laila sich irgendwann einmal beruhigen wird.

Wiederaufnahme des Trainings

In den letzten Monaten habe ich das Training etwas vernachlässigt. Ich war beschäftigt ca. 700 Setzlinge zu pflanzen, eine Heidenarbeit. Jetzt bin ich so gut wie fertig, 35 Pflanzen sind noch übrig, aber der Boden im Moment zu matschig, um weiterzumachen.
Vor drei Tagen - nach ihrem Frühstück - die Mädchen absitzen lassen. Wie üblich verliert Laila nach kürzester Zeit die Geduld und springt wieder auf. Ali macht natürlich mit. Wieder von vorne. “Hoosh” und Zug am Halfter. Hin- und Hertänzeln und irgendwann wird sich abgelegt. Und wieder aufgesprungen. Kaum sitzt eine, springt die andere herum. Zum Verzweifeln.
Und dann habe ich noch Stoff gekauft, um den Girls Decken zu nähen. Der muss angepasst werden, so habe ich das flatternde Ding auf Ali gelegt, um die richtige Länge zuzuschneiden. WAS FÜR EIN THEATER! Sie war nicht zu beruhigen. Als wenn ich ihr nach dem Leben trachte. Zum Schluss hatte sie wieder Durchfall vor lauter Aufregung.
Am nächsten Tag ein weiterer Versuch mit demselben Resultat. Niederhooshen nach kürzester Zeit verweigert, Decke auflegen nicht möglich. Zum zweiten Mal in diesem Monat hatte ich einen Heulkrampf. Diese Scheißviecher. Ich tu ihnen doch nichts. Ich will doch nur, dass sie Platz machen und ihnen ein Tuch auf ihren Rücken legen. Warum schaffe ich das nicht? Nach jeder Trainingseinheit bin ich fix und fertig.
Seit einigen Tagen lese ich in dem Blog von Denis Katzer. Er beschreibt seine Tour durch Australien mit seiner Partnerin Tanja und sieben Kamelen. Viele Reiseberichte ähnlicher Natur habe ich schon verschlungen, aber dieser ist der Beste. In erster Linie interessieren mich die Passagen, in denen er die Schwierigkeiten mit seinen Kamelen beschreibt. Und es geht ihm oft nicht anders als mir. Obwohl er ältere, trainierte und männlich-kastrierte Tiere führt, hat er ebenfalls mit den manchmal nervtötenden Eskapaden zu kämpfen. Es liegt also nicht (nur) an dem Geschlecht - wie mir immer wieder gesagt wird - und es liegt auch nicht (nur) am Alter - es ist eben so. Da werfen sich die Kamele (samt Gepäck) auf die Seite, da hauen sie mit ihren Beinen um sich und treten den Besitzer beinahe krankenhausreif, sie weigern sich zu gehen wenn etwas neu ist,… und und und.
Mir gibt dieser Bericht viel Mut. Es ist eben so. Wenn die Viecher spinnen, dann muss man Wege finden, damit umzugehen.
Also gestern habe ich mich endlich getraut, den Girls die Beine zu fixieren. Dauernd drücke ich mich davor. Es ist absolut notwendig sie an diese Prozedur zu gewöhnen - nur hatte ich ständig Schiss: dass sie plötzlich aufspringen und treten und ich nicht schnell genug bin, um ihnen auszuweichen. Oder dass sie versuchen mich zu beißen, wenn ich die Knoten anziehe.
In dem Blog von Denis Katzer steht, dass die Tiere IMMER fixiert werden, wenn sie be- und entladen werden. Manche so gar an Vorder- und Hinterbeinen. Auch wenn sie auf einem Anhänger transportiert werden, sollten sie fixiert sein. Wenn sie es nicht sind, können ihre unruhigen Bewegungen den Hänger zum schwingen bringen. Nicht lustig mit 1000kg Last über die Straße zu schlingern.
Gestern also das erste Mal! Als ich Laila ein Bein fixiert hatte sprang sie auf und balancierte mit drei Beinen. Meine “Hoosh” Kommandos überhörte sie geflissentlich, ich wiederholte sie jedoch ununterbrochen. Irgendwann legte sie sich ab und ich machte mich an das andere Bein. Wieder versuchte sie aufzustehen, erhob sich auf ihre Hintergliedmaßen und tanzte mit den beiden abgebundenen Vorderbeinen wie eine Ballerina. Dann plumpste sie zurück auf die Erde. Einige Versuche später gab sie auf. Sie lag da, muhte unglücklich vor sich hin, aber rührte sich nicht mehr vom Platz.
Zwischendurch umband ich auch ein Bein von Ali. Sie ließ es ohne Widerstand geschehen. Da ich sie dieses Mal etwas weiter weg von Laila angebunden hatte, war sie nicht so nervös wie die Tage vorher. Sie machte nicht einen Versuch aufzustehen.
Bin sehr zufrieden und Stolz auf meinen Erfolg. Jetzt stehen wieder einige Regentage an, aber sobald das Wetter sich wieder beruhigt, werde ich weitermachen. Später versuche ich sie im Anhänger abzulegen und niederzubinden.

Wie alles begann (4)

Eine email erreichte mich: im 40km entfernten Nachbarort wären Kamele zu verkaufen. Der Besitzer will die Tiere auf Grund seines Alters (88 Jahre) loswerden. Ich hatte schon von ihm gehört. Früher war er als der ‘Sheikh’ bekannt, zog verkleidet mit Kamelen auf Umzügen herum. Ein paar sehr, sehr ungute Geschichten über ihn wurden mir auch schon zugetragen - aber egal, ich brauchte eine Lösung für Laila’s Verhaltensauffälligkeiten und so vereinbarte ich einen Termin.
Der alte Mann hatte eine junge Kuh 'trainiert’ und wollte sie mir für $ 2.000,- verkaufen. Sie befand sich in einem Yard ca. 200m entfernt. Aufgeregt lief sie hin und her. Als wir uns auf 10m genähert hatten, fing sie plötzlich an jämmerlich zu brüllen und warf sich sofort in 'hoosh’ Position zu Boden. Von ihrer Nase tropfte Blut. Sie hörte nicht auf zu schreien und machte einen höchstgradig verängstigten Eindruck. Offenbar war ihr erst kürzlich der nose peg gesetzt worden und, da bereits ein Seil dranhing, sie mit Gewalt zum Ablegen abgerichtet worden. Im Yard lagen lange schwarze Plastikrohre herum und ich konnte förmlich sehen, wie auf das Tier eingeschlagen worden war.
Nein, das war nichts für mich. Wie soll ich, die Null Ahnung vom Abrichten hat, mit einem Kamel hantieren, dass offensichtlich verdorben war. Mir blutete das Herz. “They need to be obedient, like children”. [Er hätte acht Kinder, erzählte er mir. Nur, so oft ich auch auf seinem Hof war: weder Kinder noch Enkel waren dort zu blicken.] Ich bedankte mich höflich, sagte, dass ich mich nicht traue, die Kuh zu hantieren und verließ den unwirtlichen Ort. Im anderen Yard waren noch untrainierte Jungtiere, ich fragte nach dem Preis: $ 1.000,- war die Antwort.
Als ich vom Hof runter war, hielt ich erst einmal an, um mich auszuheulen. Was für eine arme Kreatur. Sollte ich sie nicht retten? Ich überlegte hin und her. Nein, es geht einfach nicht. Ein wildes Tier zu zähmen, mit Konsequenz, Ruhe, Ausdauer, Geduld, Hartnäckigkeit - könnte ich mir vielleicht noch vorstellen. Aber eine misshandelte, fast ausgewachsene Kamelkuh, die Angst vor'm Menschen hat wieder 'umzupolen’ - ich sah mich außerstande. Später erfuhr ich, dass sie in der Tiefkühltruhe gelandet ist. Sie hat wiederholt versucht abzuhauen und Zäune zerstört, da hat er sie erschossen und “Mettwurst” (seine Eltern waren aus Deutschland) aus ihr gemacht.
Es vergingen weitere Wochen, Laila veränderte sich nicht und ich dachte öfters an die Jungtiere bei dem Alten. Ich rief erneut an und wollte nochmal hören, wieviel eine junge untrainierte Kuh kosten soll. “$ 250,-" Ähh? Letztes Mal wollte er doch $ 1.000,- oder war der Preis für alle Jungtiere zusammen gedacht? Egal, jetzt will er $ 250,-. Soll es so sein. Wieder verabredeten wir eine Uhrzeit und diesmal werde ich ein Tier kaufen.

Wie alles begann (3)

Da hatte ich nun also mein Kamel.

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                                       Ankunft zu Hause nach 14 Stunden im Trailer


Ich war zufrieden….Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute… Nun, da machte mir mein Neuzugang einen Strich durch die Rechnung. Zuerst mussten wir uns zusammenraufen und es war nicht ganz eindeutig, wer mehr Angst vor wem hatte. Bis ich mich traute das Baby, was aber sicher schon um die 100kg wog - deutlich schwerer als ich mit meinen 60kg - raus auf die Koppel zu führen vergingen ein paar Tage. Und ein paar weitere Tage, bis (bei uns beiden!) der Knopf aufging, sprich ein erstes gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstand.
Das war dann auch der Beginn der eigentlichen Probleme. Das Baby wollte nicht mehr alleine bleiben. Solange ich in seiner Nähe war, war alles in Ordnung. Wehe, ich bewegte mich außer Sichtweite: ein klägliches Muhen und Hin- und Hergelaufe am Tor. Keine ruhige Minute um zu grasen. Es tat mir furchtbar leid. Sie hatte mich als ihre Mutti adoptiert und ich hatte gefälligst bei ihr zu bleiben.
Genau das wurde mir von erfahrener Seite vorhergesagt: Kamele sind Herdentiere, es grenzt an Tierquälerei nur eines zu halten. Andere sagten zwar, die Tiere gewöhnen sich an alles und wenn ich mich ausreichend mit ihr beschäftige, brauche ich kein weiteres.
Vier Wochen später und es hatte sich nichts geändert - ich bewege mich von der Koppel weg und Laila läuft zum Tor und beginnt mit ihren stereotypen Bewegungsabläufen. Auf und ab, auf und ab, auf und ab …stundenlang. Jemand schlug vor, ein anderes Tier als Kumpel auf die Koppel zu geben. Eine Bekannte lieh mir ein handaufgezogenes zahmes Schaf, welches Zwillinge mit sich führte.
Ein Griff ins Braune! In Lailas Meinung handelte es sich keinesfalls um ein Schaf, es war ein Löwe oder Tiger oder Dinosaurier. Etwas, vor dem man sich total fürchten muss. Sie rannte wie angeschossen über die Koppel und ließ sich nicht und nicht beruhigen. Das arme Mutterschaf suchte die am weitest entfernte Ecke der immerhin 1 ha großen Koppel auf, aber das war bei weitem nicht ausreichend - zumindest nicht für Laila. Ich gab auf. Einige Stunden schaute ich mir das Trauerspiel an, dann fing ich Schaf und Lämmer wieder ein und führte sie zurück zu ihrer Besitzerin.
Also doch ein zweites Kamel? Ich war ja so gar nicht begeistert von der Idee. Bin kaum in der Lage ein Kamel zu bändigen, und jetzt zwei?

Desensibilisierung

Die pegs sind jetzt also schon länger als vier Wochen in der Nase und recht schön verheilt. Etwas Krustenbildung noch, aber kein Blut, Eiter oder anderweitiges Sekret, Zeit die Mädchen daran zu gewöhnen, dort angefasst zu werden. Ich gehe es langsam an, jeden Tag ein touch mit anschließender Belohnung. Ali ist recht brav, Laila spinnt noch. Sie mag sich das Halfter nicht anlegen lassen. Habe keine Lust täglich mit ihr zu raufen, muss sie eben mit dem Halfter rumlaufen.

Nose pegs

Immer wieder habe ich Leute gefragt, ob ein nose peg …
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…bei den Kamelen unbedingt nötig sei. Die Softies: “Nein, natürlich nicht. Mit Liebe und Geduld lässt sich ein Kamel auch ohne dieses Marteristrument führen.” Die Profis: “Get a nose peg. Don’t muck around.”
Nachdem auch die Kamele der Softies - so sie denn welche besitzen - mit nose pegs ausgestattet sind, habe ich mich entschlossen, es ihnen gleich zu tun. Am 16.06.16 war es soweit. Der erfahrene Cameleer wollte wohl mir zu gefallen die Tiere sedieren bzw. lokal anaesthesieren, aber ich habe dankend verzichtet. JEDE Manipulation…
 
… sei es eine Spritze setzen oder kurz den Nasenflügel durchstechen, würde höchsten Protest der Tiere provozieren. Für eine Sedierung waren sie auch gar nicht vorbereitet. Sie hätten 24h nüchtern sein müssen und anschließend das Zittern, ob sie komplikationslos aus dem Zustand zurückkommen. Ich wollte es schnell und ohne Nachwirkungen. Und mein Wille geschah.
Und aus Solidarität habe ich mir auch ein Nasenpiercing verpassen lassen. Wir haben jetzt also alle drei etwas im Nasenflügel stecken :-)

Frühsport

Es ist Winter und mein kleiner Bollerofen leistet Schwerstarbeit.
Wenn die Asche überhand nimmt schaufele ich sie in einen Metalleimer und verteile sie anschließend auf der Kamelkoppel. Die Kamele lieben die Asche. Es muss sich in ihr gewälzt werden und anschließend werden die restlichen Kohlestückchen gegessen.
Laila ist übermütig nachdem sie die neue Lieferung entdeckt hat!

Wie alles begann (2)

Ich wollte also Kamele. Am besten natürlich dort, wo sie zu Hause waren: in Australien. Es dauerte 22 Jahre bis dieser Wunsch in Erfüllung ging.
2010 wanderte ich nach Süd Australien aus und kaufte etwas Land, 20 Acres um genau zu sein. Nachdem ich ein kleines transportables Häuschen erworben hatte, ließ ich bald einen Teil der Grundfäche als Koppel einzäunen. Jetzt fehlte nur noch das Kamel.
Es sollte ein armes Tier sein, eines das ich retten könnte. Vor dem Schlachthof zum Beispiel. Leider ging das nicht, denn sobald die Tiere in die Verarbeitungskette eintreten, sind sie dem freien Markt nicht mehr zugänglich.
Im April 2014 - mein 60. Geburtstag stand an -  gönnte ich mir einen Kurzurlaub in den Flinders. Ich liebe die Flinders, sie sind mit ein Grund, warum es ausgerechnet Süd Australien als Auswanderungsstaat sein musste. Ein Weg führte mich zur Wonoka Station, ein Platz, wo eine Familie Kamele hält, sie ausbildet und als Trekking Tiere nutzt.
Dort waren sie, die Kamele. Etwas separiert von den zahmen Tieren war ein Haufen wilder. Ich solle besser nicht so nahe ran gehen hieß es. Hmm, nicht sehr einladend.
Die Dromedare waren groß und selbstbewusst, irgendwie fehlte mir der Zugang. Sollte ich mir wirklich sowas anschaffen? Habe doch Null Ahnung wie man damit umgehen soll. War ein wenig ernüchtert.
Wieder daheim stach mir dann eine Annonce ins Auge: ein Kamel-Baby stand zum Verkauf an.
Immer wieder rief ich die Seite auf der Verkaufsbörse auf. Aber ich wollte doch ein armes Tier aus der Wildnis vor der Tötung retten und nicht ein gesundes Kälbchen kaufen. Kälbchen kann jeder. Naja, irgendwann rief ich die angegebene Nummer an und erkundigte mich etwas näher. V.a. der Preis war ziemlich hoch, normalerweise sollte ein Jungtier für unter $ 500,- zu kriegen sein. Die Verkäuferin wollte $ 950,-, ein stolzer Preis. Ich fragte, ob sie es auch billiger hergibt. $ 850,- ihr letztes Angebot, und auch nur, weil es nicht ganz gesund ist (von Räudemilben befallen) und noch ziemlich wild. Das war’s dann, das muss ich haben! Ein krankes Kalb aus der Wildnis, die Mutter wohl dem Schlachthof zugeführt. So machte ich mich auf dem Weg nach Viktoria, um meine Laila abzuholen.

Krankenstand

Die Koppeln sind weich und matschig. Kein Wunder, dass beide Mädchen lahmen. Laila kann es nicht lassen Ali zu ärgern, zu drängeln und zum Wettrennen aufzufordern. Wenn sie mit ihren massigen Körpern ausrutschen und stolpern kann es leicht zu Überdehnungen und Zerrungen kommen. Ali ist ja vorgeschädigt seit sie beim ersten Trailertraining auf ihre rechte Schulter gefallen ist. Gestern ist sie fast den ganzen Tag gelegen und vorgestern, beim Marsch von der Koppel in den Stall wollte sie gar nicht gehen. Ständig musste sie stehen bleiben.
Heute morgen habe ich ihr für 600 kg Gewicht Metacam eingeflößt. Natürlich ist einiges daneben gegangen, aber heute Abend ging es ihr sichtbar besser.
Laila hatscht sinnigerweise auch vorne rechts, aber nicht so extrem wie Ali. Mit dem Hund Nachrennen spielen geht allerdings noch.

Systematik

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
Familie: Kamele (Camelidae)
Gattung: Altweltkamele (Camelus)
Art: Dromedar
Wissenschaftlicher Name: Camelus dromedarus    Linnaeus,1758



Donnerstag, 4. August 2016

Wie alles begann (1)

Als 10jähriges Mädchen kam in mir der Wunsch auf, ich möchte Tierärztin werden. Ich wollte denjenigen helfen, die sich nicht selber helfen können. Menschen können reden, sagen was sie wollen, was sie nicht wollen, wo es ihnen weh tut, was ihnen gut tut. Tiere sind uns ausgeliefert, schutzlos. Ich wollte für sie da sein.
Es dauerte noch ein Weilchen - genau gesagt 17 Jahre - aber dann hatte ich es geschafft. Ich hatte meine Approbation als Tierärztin in der Tasche. Eigentlich wollte ich mich auf Wildtiere spezialisieren, aber das Schicksal hat es anders gewollt. Trotz diverser Praktika in verschiedenen Zoos (Neuwied, Köln) und 3 Monate an der Universität von Kalifornien in Davis (UCD) bei einem Berühmten Experten, Professor Murray Fowler, wurde ich eine freiberufliche Tierärztin auf dem Fachgebiet der Kleintiere, d.h. ich behandelte vornehmlich Hunde und Katzen.
Aber mein Interesse an Zoo- und Wildtieren hat nie wirklich aufgehört. Vor allem Ornithologie und Herpetologie gehörten zu meinen Schwerpunkten. Gerne hätte ich eine Praxis für Vogelkrankheiten geführt, aber zu der damaligen Zeit wäre das eine brotlose Kunst gewesen. Es wurde mir 1984 - Eröffnung meiner Kleintierpraxis - sowieso der Ruin vorhergesagt. Damals war ein Tierarzt für die Besamung von Kühen und für die Fleischbeschau gedacht. Einen Hund röntgen oder gar ein gebrochenes Bein nageln? Das zahlt doch keiner, davon kann man doch nicht leben.
Wie auch immer. Ich konnte. Was ich mir jedoch nicht vorstellen konnte war, jemals eine Affinität zu einem Kamel zu entwickeln. Wenn ich im Zoo war - sei es als Besucher oder auch während meiner Praktika - Kamele und andere Wiederkäuer interessierten mich überhaupt nicht. Die waren groß, faul, stanken, standen dauernd in der Gegend rum und waren irgendwie zum fürchten.
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Das änderte sich 1992. Der erste Urlaub seit der Eröffnung meiner Kleintierpraxis. Er führte nach Australien mit dem Besuch sämtlicher touristischer Highlights. Dazu gehörte auch Alice Springs und der Abstecher zu einer Kamelfarm. Dort konnte man die Tiere hautnah erleben, kurze Kamelritte unter Führung eines Handlers machen und in einer Ausstellung wissenswertes über Biologie und Nutzung erfahren.
Irgend etwas hat sich in mir gerührt. Ich war gefesselt und begeistert von den Dromedaren. Wie sie gelassen und mit einer gemütlichen Selbstverständlichkeit die Wünsche des Führers umsetzten. Phlegmatisch und zufrieden dort hockten und ihren Speisebrei wiederkauten. Alles strahlte Ruhe und Abgeklärtheit aus. Schlicht: ich hatte mich verliebt. ‘Love on first sight’ , wie man so schön auf Neudeutsch sagt.
Von da an wollte ich nur noch eines: selber Kamele besitzen.