Montag, 26. Dezember 2016

"I have a dream..."

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit für ein Resümee. Was habe ich heuer erreicht?

Kurzfassung: Nichts, nothing, nada!

Bin genau da, wo ich im Dezember 2015 war. Keinerlei Fortschritt. Im Gegenteil. Dreimal habe ich im heurigen Jahr wieder von vorne anfangen können. Einmal, als Ali eines Montags morgens (06.06.) nach der Fütterung zu einem wilden Kamel mutierte. Gebrüllt, gespuckt und ausgewichen. Ich durfte sie nicht mehr berühren, alles Vertraute war futsch und ich war verzweifelt. Wusste nicht was ich tun sollte. Keinerlei Ahnung, was diese Phase - sie dauerte 5 Tage - ausgelöst hatte. Welcher Trigger zu diesem Verhalten geführt hat. Wie soll ich sowas in Zukunft vermeiden, wenn ich nicht weiß, warum? Und was, wenn sie auf einem Treck zu spinnen anfängt. Sich möglicherweise mitsamt der Ausrüstung aus dem Staub macht?

Der nächste Vertrauensbruch war nach dem nose peg setzen, aber das war verständlich. Mit viel Leckerli hat Ali die Aktion schnell überwunden, Laila hat drei Monate gebraucht. Drei Monate täglichen Kampfes das verdammte Halfter anzulegen. Laila ist nicht bestechlich, da braucht es andere Methoden. Immer wieder die ihr unangenehme Prozedur wiederholen, bis sie irgendwann merkt, dass es nicht weh tut. Halfter anlegen tut nicht weh, kann man durchgehen lassen. 3 Monate!...

Dann folgte der Ausflug nach Shepparton und die "Quälerei" mit der nose line. Ali hatte sich ergeben, hat alles über sich ergehen lassen (bis auf den Ausrutscher, als sie sich auf die Seite schmiss und mich unter sich begrub). Aber Laila leistete Widerstand, spuckte das erste Mal in ihrem Leben, hatte genug und bewegte sich zum Schluss überhaupt nicht mehr. Halfter anlegen ... man kann es sich denken. Zurück zum Start.

Und die hormonellen Eskapaden im Winter: Laila war UNMÖGLICH. Wie ein pubertierender  Teenager hat sie ständig versucht ihre Grenzen auszuloten. Beim Gang zwischen Koppel und Stall zum raufen anfangen, sich hinschmeißen, mich zu Futterpflanzen zerren. Und den ganzen Tag auf der Koppel nur gegenseitiges Bespringen. Der Höcker von Ali ist schon ganz schief und stellenweise in seiner Konsistenz verändert. Wie soll ich mit zwei geilen Kamelen auf Safari gehen? Ziemlich frustrierend diese Erkenntnis. Kann nur hoffen, dass das eine Entwicklungsphase ist, die sich wieder gibt.

So bleibt mein Ziel für 2017: GEDULD HABEN und weitermachen. Andere "Trainer" lasse ich nicht mehr an meine Tiere. Ich werde meinem Gefühl/Instinkt folgen und es langsam angehen lassen. Es wäre schön, wenn ich in einem Jahr mit den Mädels in einer Reihe marschieren könnte. Ich - die Richtung vorgebend - vorne weg (und nicht wie eine Blöde bremsend hinterher rennend), Ali und Laila aufgefädelt hintereinander. So in etwa:

 
Man wird ja noch träumen dürfen!




Freitag, 16. Dezember 2016

Christmas pageant

Anfangs Dezember werden hier Weihnachtsumzüge veranstaltet. So was ähnliches wie ein Karnevalsumzug, nur dass das Thema auf weihnachtliches beschränkt ist.

Letztes Jahr dachte ich, es wäre nicht schlecht für die Girls (Stichwort 'Desensibilisierung'), an so einem Umzug im Nachbarort teilzunehmen. Da sie zu ungezogen waren sind um sie zu führen, habe ich sie in den mit etwas Grünzeug geschmückten Hänger verfrachtet und bin in der Parade mitgefahren. War ein bisschen ein Desaster. Obwohl wir vorher einen Zettel in die Hand bekamen, in welcher Reihenfolge sich die Gruppen aufstellen sollten, ging zunächst einmal gar nichts und dann halt alles auf einmal und irgendwie. Und vor allem viel zu schnell. Ich hatte einen Bekannten gebeten, das Auto zu fahren und ich wollte nebenher gehen. Den Kindern eine Möhre (statt Bonbons) in die Hand drücken, damit sie am Ende des Umzugs zu uns kommen, den Kamelen die Möhre geben und die Möglichkeit haben, mit den Tieren Kontakt aufzunehmen. Ich kam kaum hinterher. Die kurze Strecke durch das Dorf wurde im Eiltempo durchfahren, ich konnte nur noch seitlich auf den Trailer hüpfen und schauen, dass ich nicht verloren ging. Die paar Möhren die ich los wurde, wurden von den Kindern in den Hänger geworfen, nicht wirklich Sinn der Übung. Am Ende war ich (natürlich auch die Mädels) fix und fertig mit den Nerven und wir sind kurzerhand wieder Heim gefahren.

Diesmal habe ich mir das erspart.

Neulich traf ich beim einkaufen eine Bekannte, die mich auf den Umzug vergangene Woche ansprach: zwei Kamele waren dabei, und zwar so, wie es sich gehört geführt und nicht transportiert!


Ein junges Pärchen, Besitzer eines Tiergeschäfts in Nuriootpa, will in das Kamel-Geschäft einsteigen. Zwei junge Kamele von dem alten Mann von dem ich Ali habe sind in ihrem Besitz, sowie zwei trainierte Tiere aus Western Australia. Und das tolle ist, sie wohnen nicht weit weg. Endlich jemand mit ähnlichen Interessen in meiner Nähe!

So bin ich gestern in das Tiergeschäft gefahren und habe mich vorgestellt. Sehr sympathischer junger Mann. Er möchte in Zukunft Kamelritte im Barossa Tal anbieten, Touristen von Weinlokal zu Weinlokal transportieren. Spontan habe ich meine Mithilfe angeboten. Danny war ganz Ohr: seine Partnerin ist hochschwanger und er hat ein Angebot, an einer Weihnachtskrippe mit seinen Kamelen teilzunehmen, just an dem Tag, wo das Baby erwartet wird. Mal sehen, vielleicht ist das der Beginn einer interessanten Zusammenarbeit?

Montag, 12. Dezember 2016

Die Heimfahrt

Kurz vor 06.00 Uhr war ich auf Peters Anwesen. Alles war ruhig, noch nicht einmal die Hunde bellten. Sie haben mich in den vergangenen Tagen kennengelernt und sahen keinen Grund meine Ankunft zu melden.

Ich fing dann schon mal an. Erst musste ich den Trailer, der für die Rundfahrten auf dem Grundstück verwendet worden war und im Weg stand ankoppeln und an seinen ursprünglichen Platz zurückführen. Dann meinen Hänger ankoppeln, Richtung Ausfahrt bewegen, die Torflügel öffnen und fixieren, in den Yard gehen, die Mädels mit Halfter und Seilen versehen, nacheinander auf den Hänger geleiten. Wo ist Peter? Ich war sicher nicht besonders leise, das Haus befindet sich gleich neben den Yards, aber er ließ sich nicht blicken. Ich hatte so auf seine Hilfe gehofft, dass er den Girls die Beine in hoosh-Position ordentlich fixiert. Mein Plan war, sie diesmal nicht stehend zu transportieren.

Dann war ich fertig. Mädels angebunden (sie waren erstaunlich brav), Klappe zu ... noch immer kein Peter. Soll ich ihn anrufen? An der Haustür klopfen? Mir war das unangenehm. Wenn er noch im Halbschlaf ist, dann noch die unvermeidliche Quatscherei, blablabla,... es war schon 06.30 Uhr (ich war echt flott!) und wollte weg. 800 km lagen vor uns, Zeit es anzugehen. Also fuhr ich los, die Mädels hinten stehend, so wie bei der Hinfahrt.

Der direkte Weg nach Echuca war gut ausgeschildert, der Verkehr noch mäßig. Bald erreichte ich die erste Abzweigung mit einem der unendlich vielen Kreisverkehrs. Da passierte es: trotzdem ich die Kurve im Schneckentempo angegangen bin, hat Laila ihren Halt verloren und ist umgefallen. Mit allen Vieren strampelte sie herum, um sich wieder in Brustlage zu bringen - dabei geriet sie mit ihrem linken Hinterbein zwischen zwei Holme des Anhängers und steckte fest. Im Rückspiegel sah ich wie sie versuchte, ihr Bein durch hin-und herbewegen wieder aus der Zwickmühle zu kriegen. Mir schwante übles. Die Leisten sind messerscharf - im Geiste sah ich schon wie das Bein zu mindestens skalpiert war, wenn nicht gebrochen. Sofort fuhr ich an den Seitenstreifen in der Hoffnung, sie irgendwie befreien zu können. Was habe ich geflucht. Warum zur Hölle habe ich Peter nicht geweckt? Die Kamele gehören sitzend transportiert. Es wäre so einfach gewesen, jetzt hatte ich das Malheur. Ich stieg aus und näherte mich dem Hänger - eine Welle der Erleichterung überkam mich. Laila stand wieder und zwar auf allen Vieren. Sie hatte es geschafft, sich selbst zu befreien und wieder festen Boden unter ihren Füssen zu erlangen.


Natürlich trug sie tiefe Schürfwunden davon, aber es war nichts gebrochen oder luxiert, das war die Hauptsache. Auch die Blutung hielt sich in Grenzen. In den kommenden Tagen schwoll das Bein geringgradig an, aber ohne dass sich das Gewebe infizierte. Einige Male sprühte ich die Wunde mit Jodlösung ein - die Heilung verlief komplikationslos.

Der Schreck saß mir ordentlich in den Gliedern. Ich reduzierte mein ohnehin gemütliches Tempo und mein Blick war mehr auf den Rückspiegel als auf die Fahrbahn gerichtet. Den einzigen Zwischenstopp den ich mir erlaubte war, als ich auf eine sms von Peter reagierte.

Peter bestand darauf mich mit einem Eisenpfosten, an dem eine Kette mit einem Ring befestigt ist, zu versorgen. Den Pfosten soll ich tief in den Boden schlagen, so tief, bis er nicht mehr sichtbar ist, nur noch die kurze Kette und der Ring. Die Position dieses Konstruktes sollte sich irgendwo weg vom Zaun oder einer Yardbegrenzung befinden, so, dass ein Kamel an dem Ring angebunden werden kann, und es ihm unmöglich gemacht wird denjenigen, der das Tier hantiert einzuquetschen. Safty first. Ganz wichtig. Diese Eisenstange lag morgens seitlich auf dem Anhänger.

"Did you get the steel picket with the chain and ring joined on the trailer?"
 
"Yes thank you. How much do I owe you?"
 
"You owe me a smile and to never ever give up, they are good camels, just a little scared and confused, they have a good mum, just not bossy enough, that will come ..I hope you see I LOVE MY CAMELS 'BUT' they must do as they are told to be safe,...there is no reward without hard work and camels can be very hard work..."

Nach dieser ermunternden Nachricht und Pipi machen im Gebüsch bin ich weiter geschlichen. Nichts mehr getrunken, um ja nicht wieder zum austreten stehen bleiben zu müssen. Gegessen sowieso nichts, mir war der Appetit vergangen. Die Strecke zog sich wie Kaugummi, aber nach guten zwölf Stunden waren wir doch zu Hause. Ali musste als erstes ein Staubbad nehmen, Laila war recht schaumgebremst. Zwei Tage dauerte es, bis sie wieder frech wurde.




Mittwoch, 16. November 2016

3. Tag Training Shepparton

Sonntag, letzter Tag. Heute sollte es etwas gemütlicher werden.

Vormittags holte Peter drei seiner Jungs von der Koppel. Cappuccino bekam einen Reitsattel, Roman und Tommy wurden vor einem Wagen, in dem die Teilnehmer Platz nahmen, gespannt.

Nomen est omen: Roman mit seiner beeindruckenden römischen Nase.

Eine angenehme Erfahrung, so ruhig im Wagen dahinzutuckern. Es fehlt das Klappern von Hufen, die Kamele bewegen sich fast lautlos auf ihren gepolsterten Sohlen.


Das wäre eine Alternative zum trekken: ein Gipsy-Wagen mit allem, was man so braucht, incl. Bett, Kühlschrank und Sonnenpanelen auf dem Dach. Nachteil wäre, dass man an die Nutzung von Straßen gebunden ist. So einfach querfeldein oder über Sanddünen wandern - das geht nicht. Außerdem müsste ich zweimal fahren. Einmal den Wagen an den Startort bringen, dann wieder zurück, die Kamele holen. Ich weiß nicht recht - ich glaube, ich bleibe dabei, die Mädels als Packtiere zu nutzen.

Jeder hatte die Gelegenheit, einen Teil der Strecke auf Cappuccino zu reiten.




Ich lehnte dankend ab. Ich will meine Mädchen nicht reiten und so wie ich mein Glück kenne, wäre ich die erste und einzige, die jemals von einem Kamel gefallen wäre.

Zweimal habe ich in meinem Leben an einem Reitausflug teilgenommen: einmal in Australien, da ging mir und zwar nur mir! der Gaul durch und ich konnte einfach keine Bremse finden (ich habe nie richtig reiten gelernt) und einmal in Österreich, am Neusiedlersee. Brave ruhige Tiere von einer Reitschule. Aber ausgerechnet mein Gaul bockte, als es nach zwei Stunden Ausritt zurück Richtung Stall ging. Anders als damals in Australien ging die Sache nicht so glimpflich aus. Offene Sprunggelenksfraktur links!  Mit anschließender Operation und sechs Monaten Ruhigstellung. Die Folgen spüre ich noch heute, 22 Jahre später. Nach längerem Stehen oder Gehen über unebenes Gelände schwillt mir der Haxen an und tut weh.

Apropos weh tun: ich war auch die einzige, die mit Blessuren den Kurs beendete! Am zweiten Tag, als wir den Kamelen wieder den Sattel auflegten glaubte Ali, sie könne selbiges verhindern, indem sie sich auf die linke Seite schmiss. Blöderweise hockte ich gerade neben ihr und sah diese Aktion nicht kommen. Mit meinem rechten Fuß steckte ich unter ihr fest und der gleichseitige Unterarm bekam einen ordentlichen Tuscher von dem Metallgestell des Sattels ab. Im Nu schwoll der Arm an und begann sich zu verfärben. Die Knochen waren heilgeblieben, geschmerzt hat es trotzdem.


Einige Tage später wechselte die Farbe Richtung dunkelblau.
 
Die Tour erstreckte sich über ca. 20 km. Nach Rückkehr wurden die Kamele wieder auf ihre Koppel entlassen. Ein kurzes Lunch - mit Schlabbersemmeln - dann ging es per Auto 40 km weiter nach Kyabram auf die Kamel-Molkerei, der zukünftigen Heimat der beiden Wildfänge. Wir konnten den "Kindergarten" besuchen, der Ort, wo die Kälber die meiste Zeit des Tages gemeinsam verbringen.
 
 
Morgens und abends, wenn ihre Mütter gemolken werden, können sie sich ihren Anteil an der Milch holen, der Rest wird nach dem melken gesammelt, pasteurisiert und in Flaschen abgefüllt. Die Melkanlage ist ziemlich einfach: ein Zwangsstand, in dem die Kühe nacheinander hineingeführt werden, ein transportabler Melkapparat, der ungefähr so aussieht:


Kein Sondermodell für Kamele, ganz normales Gerät wie für Milchkühe, nur die Gumminoppen auf den Ansaugstutzen sind modifiziert.
 
Normalerweise hat die Öffentlichkeit keinen Zugang zum Betrieb, Peter ermöglichte die Ausnahme. Milch konnten wir auch probieren und ich habe 3 Liter gekauft. Zwei habe ich selber konsumiert (schmeckt angenehm cremig), eine Flasche habe ich dem Nachbarn als Dankeschön für die Versorgung der Hühner und Katze geschenkt. Auch ein paar Seifen und Lippenbalsam habe ich erworben - kleine Aufmerksamkeiten an Bekannte für das naheliegende Weihnachtsfest.

Der Nachmittag neigte sich langsam dem Ende zu. Ich verabschiedete mich von den Teilnehmern und fuhr in die Stadt. Vorher versprach mir Peter noch, beim Verladen der Girls am nächsten Morgen behilflich zu sein. "See you tomorrow six o'clock".
 


Dienstag, 15. November 2016

2. Tag Training Shepparton

Start wie gestern um 08.00 Uhr.

Im Großen und Ganzen wiederholte sich der Ablauf vom Vortag. Einfangen, niederhooshen, Vorderbeine fesseln, Sattel auflegen, kleine Runden laufen.

Besonderes Gewicht legte Peter dann auf die Zähmung des "Red Devil" - wie er Laila umbenannte. Ihre Starrsinnigkeit hatte ihn wohl herausgefordert. Laila war total angepisst und brüllte schon von weitem als sie Peters rotes Hemd sah. Glücklicherweise wusste sie zu differenzieren: mir gegenüber verhielt sie sich wie immer.

Laila dachte wohl, wenn brüllen nicht hilft, dann werde ich es mit beißen versuchen. Nur ist sie da bei Peter an die falsche Person geraten. Er schob seinen Unterarm in ihr Maul, so, dass sie es nicht mehr schließen konnte. Das ganze sah ziemlich brutal aus:


Der "Red Devil" gab nicht auf. Das Protestgebrüll ging weiter und jetzt versuchte sich Peter als Kamelflüsterer:

 
Ganz ehrlich? Laila hat nicht nachgegeben. Sie ist ein Kämpfer, durch und durch. Was sie allerdings gelernt hat: sie kann jetzt auch spucken. In den 2,5 Jahren seit ich sie bei mir habe, hat sie nicht ein einziges Mal gespuckt. Peter jedenfalls wurde von ihrem Mageninhalt ordentlich eingesaut .
 
Ich habe gelernt, dass es nicht mit Hau-Ruck geht. Nicht bei ihr. Viel Zeit und viel Geduld werden nötig sein, um sie in die richtige Richtung zu bugsieren. Vielleicht geht es auch gar nicht? Im Moment ist sie in der Pubertät, lässt sich nichts sagen, stellt alles in Frage, versucht ihren Willen durchzusetzen. Da sie ja früh von ihrer Mutti weggerissen wurde, fehlt ihr die Erziehung durch Gleichartige. Ich dachte immer, Ali ist das Problem, da sie so schnell verängstigt ist. Aber sie ist leicht zu führen weil sie versucht, alles richtig zu machen. Wir werden sehen was die Zeit bringt.
 
Nachmittags stellte uns Peter seine eigenen Kamele vor. Außer dem Bullen, der auf einer Extrakoppel gehalten wird und demnächst unter's Messer kommt (Peter ist einer der wenigen, der einen Tierarzt zum kastrieren holt. Die anderen 'alten' Profis machen es ... ohne Narkose ... selber) besitzt Peter noch einen Haufen (ca 10 - 15) anderer Kamele, die teilweise für sein Geschäft genutzt werden. Peter bietet Kamelritte auf Kirmessen, Hochzeiten, kulturellen Festlichkeiten... an. Auch hat er - bzw. haben seine Kamele - Jahrzehnte an Kamelrennen im Outback teilgenommen und dabei gutes Preisgeld kassiert. Die Arbeitstiere sind überwiegend kastrierte Bullen.
 
 
 
 
Er zeigte uns die beeindruckenden Reißzähne eines seiner Bullen. Je später die Bullen kastriert werden, desto länger wachsen die Canini (seiner Meinung nach). Es wird empfohlen, männliche Tiere erst mit 4 - 5 Jahren zu kastrieren, obwohl sie mit 2 Jahren schon fortpflanzungsfähig sind. Durch den relativ späten Zeitpunkt sollen Gelenks- und Knochenwachstumsprobleme verhindert werden, auch die Bildung von Harnröhrensteine soll durch das höhere Alter verhindert werden (oder der Abgang von Blasensteinen erleichtert). Das alles sind Erfahrungswerte, wissenschaftliche Reihenuntersuchungen liegen wohl nicht vor. Wie auch immer, von DEN Hackern wollte ICH NICHT gebissen werden.
 
 
 
Einer seiner Jungs wurde in den Yard geführt, gesattelt und jeder Kursteilnehmer hatte die Gelegenheit eine Runde zu reiten. Peter zeigte vor wie's geht.
 
 

 
Der Tag neigte sich dem Ende zu - die Mädchen waren sichtbar froh, ihre Ruhe zu haben.
 
 
Ich machte mich wieder zurück nach Shepparton und gönnte mir noch eine Pizza.
 
 

 
 


Montag, 14. November 2016

1. Tag Training Shepparton


Die Nacht war unruhig. Ich bin den ständigen Autolärm nicht mehr gewohnt. Zuhause ist es ruhig, still, lautlos. Eventuell ruft ein Käuzchen oder bellt ein Fuchs. Keine grölenden Besoffenen, keine Kehrmaschine, keine Polizeisirenen. Naja, aber ein Bett, Bad und eine kleine Küche ... besser als campen allemal.

Um 08.00 Uhr sollte es losgehen. Ich traf auf die anderen Teilnehmer: Glen, ein Tierpfleger aus Dubbo, der sich dort um die Elefanten kümmert. Offensichtlich hat er den Kurs schon einmal besucht und war eher als Unterstützung für Peter anwesend. Tony, der ebenfalls in NSW lebt und einige halbwilde Kamele besitzt. Er möchte sie zu Reittieren ausbilden und später Ausritte für Touristen anbieten. Jon und sein Sohn Jack aus Perth WA. Sie beabsichtigen eine Kamelmolkerei aufzubauen. Haben Null Ahnung, wittern aber das große Geschäft. Immerhin wird 1 Liter Kamel-Milch für $ 20-25,- angeboten. Nur der Weg dorthin... doch später mehr. Am nächsten Tag stieß noch Nena dazu. Sie lebt nicht weit von hier, hat eher mit Pferden zu tun. Transportiert(e) berufsmäßig Großtiere und möchte mehr über Kamele erfahren.

Zunächst ging es an die zwei Wilden. Noch vor kurzer Zeit lebten sie in freier Wildbahn, irgendwo im Outback. Eingefangen gelangten sie auf eine Kamel-Molkerei in Kyabram, nahe Shepparton. Dort sollen sie gedeckt werden und wenn ihr Kälbchen nach 14 Monaten Tragzeit geboren wird, werden sie zweimal täglich gemolken. Die Kälber müssen - anders als bei Kühen - für ungefähr 18 Monate bei ihrer Mutter bleiben, sonst versiegt deren Milch. Auch ist die Ausbeute mit 5-10 l pro Tag nicht übermäßig viel, so ist der hohe Preis verständlich. Außerdem müssen die Kamel-Kühe trainiert werden, damit das Melken erst möglich wird. So ohne weiteres lässt sich eine Kuh nicht ans Euter fassen. Es wurde mir an anderer Stelle erzählt, dass eine Kuh willkürlich den Milchfluss versiegen lassen kann, wenn sie einen bestimmten, ihr unangenehmen Melker nur von der weiten sieht. Es gehören Geduld und Fingerspitzengefühl zum Kamele melken.

Also, die zwei waren keinerlei handling gewohnt. Irgenwann bekamen sie ein Halfter und Seil verpasst - das war alles. Nun galt es, v.a. den beiden Westaustraliern zu zeigen (die ja so ein Geschäft angehen wollen), wie man mit dem Viehzeug umgeht. Zunächst fing Peter eines der beiden mit Hilfe der herunterbaumelnden Leine, band sie an den Zaun (mit Hilfe eines hitch Knotens) und nahm das Halfter ab.


Der nächste Schritt war, sie in einen Zwangsstand zu bugsieren, um das Halfter wie aufzugeben.



Dann hieß es, niederhooshen zu lernen. Bei mir dauerte das erste Mal so jeweils zwei bis fünf Stunden, bis es dem Kamel zuviel wurde und es sich letztlich herabließ, sich niederzulegen. Solche Sperenzchen liefen hier nicht. Ein Seil mit einem Ring wird von hinten zwischen die Vorderbeine geworfen, wenn es die richtige Position hat, wird das eine Seilende durch den Ring am anderen Ende gezogen und somit ein Vorderbein oberhalb der Klauen fixiert. Dann wird das lange Ende über den Rücken des Tieres auf die gegenüberliegende Seite geworfen und kräftig gezogen, bis es den Halt verliert und zusammensackt. Alles unter dem ständigen Kommando: hoosh, hoosh, hoosh,...

 
Diese Prozedur wird einige Male wiederholt und in kürzester Zeit (ca. 5-6 Wiederholungen) begreift das Tier, was von ihm erwartet wird. Man braucht nur noch das Lasso schwingen und 'hoosh' sagen, und das Kamel lässt sich nieder. Wenn es denn liegt, werden die Vorderbeine fixiert (Peter verwendet Riemen - etwas einfacher und schonender als mit Seilen) und ein Sattel aufgelegt. Okay, Sattel wäre für die beiden Kühe nicht wirklich wichtig. Sie sollen ja nicht trekken, sondern lediglich lernen, sich anfassen zu lassen. Aber mit Gewicht am Rücken tut man sich schwerer durch die Gegend zu buckeln und hüpfen.
 
 
So verging der Vormittag und nach einer Brotjause (ich habe mein Vollkornbrot und Käse selber mitgebracht. Diese schlabbrigen Sandwiches mit Salatblättern, Tomatenscheiben und Aufschnitt kriege ich nicht runter) waren meine Girls an der Reihe. 'Mit wem sollen wir anfangen?' fragte Peter. 'Starten wir mit Ali. Sie ist das Sensibelchen ... und sie wird spucken, wenn sie Angst hat.' 'Spucken? Wirklich? Na, dem kann abgeholfen werden!' sprachs und verschwand in der Scheune. Zurück kam er mit einem Maulkorb. Genäht aus Stoff. Ehe ich mich versah hatte Ali das Ding umgebunden. Sie versuchte zwar zu protestieren, gab aber sofort auf. Kamele mögen nämlich ihre eigene Kotze nicht! Pech gehabt, Sweety.
 
 
Anschließend musste sie sich niedersetzen, ihre Vorderbeine wurden fixiert und ein Sattel wurde aufgelegt. Links und rechts wurden je ein Autoreifen angehängt (soll Gewicht bringen und baumelnde Reiterbeine simulieren). Dasselbe mit Laila. Madame protestierte zwar auch, gab aber relativ schnell klein bei. Als beide gesattelt waren, hängten wir einen Trailer an mein Auto, die Kamele wurden daran festgebunden und los ging eine kleine Runde über Peters Grundstück.
 
 
Und dann war da noch die Sache mit dem nose peg. Ali verhielt sich spitzenmäßig. Naja - mit muzzle hatte sie nicht viel dagegen zu halten. Aber Laila spielte nicht mit. Peter versuchte sie mit der Nasenleine im Yard zu führen, aber Laila leistete passiven Widerstand. Sie setzte sich ständig nieder und brüllte sich die Seele aus dem Leib. Es fiel nie ein lautes Wort, sie wurde nicht geschlagen oder sonst wie malträtiert, aber ich verlor meine Nerven. Ich fing an zu heulen und sah meine Zukunft als cameleer hiermit beendet. Wie sollte ich mit dem Vieh künftig fertig werden, wenn es noch nicht mal der erfahrene Peter schafft, Laila zu bewegen. Außerdem tat sie mir Leid, da von anderer Stelle ständig behauptet wird, sie ist noch zu jung zum trainieren. Hat sie jetzt das Vertrauen in mich verloren? Letztlich gab Peter auf, sah wohl selber ein, dass es zuviel auf einmal war.
 
 
Eine letzte Runde hinter dem Trailer her. Diesmal Ali als Leitkamel und Laila hinter ihr angebunden. Funktionierte recht zufriedenstellend.
 
 
Als alle Kamele wieder von den Sätteln befreit waren und der Tag sich dem Ende neigte, wurde der Grill angeschmissen und ich zog mich zurück ins Städtchen. Beim Chinesen noch was zum futtern geholt und mit einer heißen Dusche den Stress des Tages abgespült.
 
 
 
 
 

Sonntag, 13. November 2016

Die Anreise zum Kurs Shepparton

Um 03.30 Uhr läutete der Wecker. Mist, ich hatte doch zwei Wecker gestellt, einen um 03.00 Uhr und einen um 03.30 Uhr. Offensichtlich hatte ich den ersten zwar gestellt, aber nicht aktiviert! Egal, ich war wach und hatte keine Zeit mehr, um mich langsam zu akklimatisieren. Husch, husch raus aus den Federn. Morgentoilette, starken Kaffee brühen, Marmeladenbrot essen und ... packen. Mehrere Plastiktüten gegrapscht und alles reingeschmissen, was irgendwie von Nutzen sein könnte. Einen Beutel für Kleidung, einen für Toilettenartikel, den Rucksack für die Elektronik, meine Handtasche mit dem wichtigsten: Geldbörse mit Kreditkarten. Alles rein ins Auto, noch schnell die Hühner und Katze füttern. Mittlerweile war es 06.00 Uhr.

Ach, herrlich. Die Girls waren so zeitig in der Früh noch nicht auf Krawall gebürstet. Anleinen und auf den Hänger laden waren ein Leichtes, 06.30 Uhr und ich konnte das Einfahrtstor hinter mir schließen. Die Reise konnte beginnen.

Als ich am Tor stand setzte plötzlich mein Hirn aus. So muss Alzheimer sein: ich wusste nicht mehr, wie man die Scheibenwaschanlage in Gang setzt! Ich zog an dem Hebel, ich drückte auf ihn, es tat sich - welch Wunder - nichts. Ich las "pull", zog wieder (in die falsche Richtung) an dem Hebel und es überkam mich eine Welle der Hilflosigkeit und Verzweiflung. Einst las ich einen Bericht über eine amerikanische Hochschulprofessorin, die in ihren Vierzigern an Alzheimer erkrankte. Sie rief ihren Mann an, weil sie nach einer Autofahrt nicht mehr wusste, wie der Motor abzustellen war. Genauso erging es mir. Nach wenigen Minuten gelang es mir dann doch, den Hebel richtig zu betätigen. Aber die Situation , diese Ohnmacht, geht mir nicht mehr aus dem Schädel.
 
180 km später, in Renmark, habe ich mich das erste Mal verfahren. Eine Abfahrt übersehen und nach zehn Kilometer gemerkt, dass ist wohl die falsche Richtung. Wieder zurück ins Örtchen und diesmal höllisch aufgepasst wo's lang geht.

Die Brücke, die den Murray River überspannt, wird gerade saniert. Eine Ampel regelt den einspurigen Verkehr. Ziemlich heikle Angelegenheit. Eng: links das Wasser, rechts hochragende Brückenpfeiler, vorne und hinten Autos. Die Mädels tanzten Samba im Hänger, aber wir hatten es irgendwann gepackt. Vor uns tuckerte ein dunkelroter, als Wohnmobil umgebauter LKW mit deutschem (!) Kfz Kennzeichen. Anders als die Aussis fuhr er konstant 80 km/h - so schnell langsam wie wir auch waren. Ich dachte, es sei doch nett, ein paar Worte mit den Insassen zu wechseln. Tatsächlich hielten sie 70 km später an einer Parkbucht, ich nutzte die Gelegenheit und stoppte ebenfalls. Hannelore und Christian aus Hameln sind mit ihrem Truck um die Welt unterwegs. Kamen aus Südafrika nach Perth, durchquerten die Nullabor und sind auf dem Weg nach NSW, um von dort nach Neuseeland überzusetzen. Christian schoss ein paar Fotos, die er mir freundlicherweise später mailte.

 
 
 
 
Hätte gerne noch länger geredet, aber die Zeit drängte. Ich wollte unbedingt noch im Hellen ankommen.
 
 
Unser Gefährt von hinten, back on the road again.
 
Kurze Zeit später verließ ich den Sturt Highway und zockelte ein wenig auf der Landstraße. Hatte den Vorteil, nicht so viel Verkehr aufzuweisen. Jedes Auto, komme es von hinten uns zu überholen oder von vorne und knapp an uns vorbei, macht die Tiere im Hänger nervös. Jedes tänzeln spüre ich im Auto, die Fahrt ist eine ununterbrochene Herausforderung.
 
Bei Red Cliffs Richtung Süden, Swan Hill, Kerang, Echuca. Zwischendurch Pinkelpause und Jausenbrot. Der Parkplatz am Murray River wurde auf Grund der Gelsenplage schnell ungemütlich. Es hatte in den vergangenen Monaten so viel geregnet wie selten zuvor. Überschwemmungen ließen kleine Seen und große Pfützen zurück, eine Hochburg für die mozzies. So war meine Käsesemmel schnell verzehrt. Noch ein paar Zweige von den Akazien abgebrochen, die Mädels hatten sichtlich Hunger.
 
In Echuca habe ich mich das zweite Mal und diesmal gründlich verfahren. Ich war kurz vor meiner Leistungsgrenze, nicht mehr aufnahmebereit. Insgesamt 80 km mit der Kirche ums Dorf gefahren, gegen 18.30 Uhr dann endlich in Cosgrove bei Shepparton gelandet.
 
Der Teamleiter und Eigentümer Peter half mir, den Hänger abzukuppeln und die Girls abzuladen. Ihnen wurde eine Koppel zwischen zwei Wildfängen und einem Bullen zugewiesen. Es gefiel ihnen offensichtlich gut, vor allem der Bulle war SEHR interessant.
 
 
Zwei zu trainierende Wildfänge
 
 
Bam-Bam, ein Bulle
 
 
Ich habe mich schnell Richtung Hotel vertschüsst. Die Viecher waren gut versorgt, ich wollte nur noch meine Ruhe.

 

Samstag, 5. November 2016

Vorbereitungen Kurs Shepparton

Am Sonntag, den 23.10. konnte ich endlich das lange geplante Trailertraining durchführen. Der gravel ist verteilt worden, das Rangieren des Anhängers war ungehindert möglich. Es war sonnig und windstill. Sonntags bietet sich an, weil die Farmer weniger aktiv sind.

Der Beginn war schon mal katastrophal. Nachdem ich Ali im Hänger angebunden hatte und Laila endlich auch Richtung Rampe unterwegs war, entstand plötzlich ein Gerangel. Ali hatte sich etwas schräg gestellt und Laila wusste nicht ob sie links oder rechts hinsollte und rempelte Ali an. Ali wiederum wollte ausweichen und zog mit aller Kraft zurück. So stark, dass das Halfter riss. An zwei Stellen, eine wahre Meisterleistung. Alle wieder von Bord, ein anderes Halfter auftreiben, zusätzlich Fixierung mit einem Seil. War ganz gut, dass mir das in der Trainingsphase passiert war. Habe die Lektion gelernt: immer Sicherungsseil beim Transport, sich nicht auf Halfter und Leine verlassen.

Nach einer kurzen Fahrt Richtung Hügel, habe ich sie auf einer Seitenstraße ausgeladen und wir sind ein Stück gelaufen. Ging ganz gut, bis nach einer halben Stunde Ali wieder leichte Panikattacken hatte. Ihre übliche Methode: schneller laufen und sich quer vor mich und Laila stellen. Bedeutet stehen bleiben, Pirouette drehen und wieder geradeaus richten. Bin wieder zurück und ohne Komplikationen zu Hause angekommen. Vorher noch ein kleiner Umweg durchs Nachbardörfchen, um sie dem Verkehr auszusetzen.



Montags brachte ich den Hund in eine Tierpension. Unterwegs erhielt ich eine Nachricht, dass der earthmover sein Honorar (in cash) wollte. Großspurig habe ich gesagt, no problem - werde die Kohle besorgen. Nachdem ich von der Hundepension in den nächstgelegenen Ort gefahren bin musste ich feststellen, dass die Bankfiliale dicht gemacht hatte. Nur noch ATM, aber eine größere Summe spuckt der Automat nicht aus. Shit. Natürlich hätte ich sagen können, er kriegt das Geld wenn ich zurück bin, aber die Blöße wollte ich mir nicht geben. Auf dem Heimweg kam mir die Idee, nach Clare zu fahren. Mittlerweile war ich orientierungslos irgendwo auf einer Nebenstraße und der Weg nicht ausgeschildert. Nach Gefühl und Schnauze bin ich weiter und habe alles in allem zwei Stunden Umweg verfahren. Aber das Geld letztendlich in der Tasche gehabt. Das Auto vollgetankt und nach der Heimkehr angefangen das Haus zu putzen.

Ein unmögliches Unterfangen. Wenn man hausfrauliche Tätigkeiten hasst so wie ich, ist es schlicht ausgeschlossen das Haus in einem Tag sauber zu kriegen. Abgesehen davon, dass es jeder Logik entbehrt zu putzen, an Stelle zu packen. Aber es war mir ein dringendes Bedürfnis. So habe ich wie eine Irre am Dienstag geputzt und Decken gewaschen, gekehrt, gesaugt, gewischt. Abends dann die Girls in den Stall gebracht bringen wollen, um sie am nächsten Morgen nicht auf der Koppel einfangen zu müssen. Laila war furchtbar. Mittendrin auf dem kurzen Rundgang fiel es ihr ein, mit Ali raufen zu müssen. Sie kriegt ganz große Augen, beugt sich zur Ali und beißt ihr in den Hals. Ali will ausweichen, dreht sich im Kreis, ich hänge an beiden Halftern und versuche Laila zu disziplinieren. Ok, in meiner Verzweiflung haue ich mit meinem Stock auf sie ein - absolut und völlig wirkungslos. Das Gerangel endet mit viel Gebrüll, wenn Ali sich niederfallen lässt und Laila triumphierend auf ihr sitzt. Nach wie vor schreie ich mir die Seele aus dem Leib um Laila wieder auf Kurs zu bringen. Irgendwann steht sie auf, wir gehen ein paar Schritte und das Theater geht von vorne los. Ich bin mittlerweile schweißgebadet. Laila hat diabolischen Spass, Ali scheißt sich an. Nach mehreren 'Anfällen' konnte ich die Girls Richtung Zaun manipulieren. Dort band ich Laila an und marschierte friedlich mit Ali in den Stall. Nun flippte Laila völlig aus. Sie bockte und brüllte und sprang hin und her, weil sie ihre Kumpanin nicht mehr sehen konnte. Ich zwang sie, sich nieder zu hooshen. Dauerte eine gute halbe Stunde, weil sie einfach nicht aufhörte herum zu hampeln. Als sie sich dann doch beruhigt hatte, erlaubte ich ihr, wieder aufzustehen und ich konnte sie wie einen gut trainierten Hund in den Stall führen. Anschließend koppelte ich den Hänger an das Auto und belud es mit Futter, Trog und ihrem ganzen Leinengedöns.

Sonntag, 16. Oktober 2016

Der Count-down läuft

Gaanz laangsam werde ich wieder hibbelig. Das Datum unseres Ausfluges rückt immer näher und so wie es aussieht, spielt auch das Wetter mit. Hatte mir vorgenommen bei Regen und Sturm nicht zu fahren. Wäre unfair den Girls gegenüber. Mindestens zehn Stunden im Hänger stehen, sich dem Fahrtwind aussetzen inklusive Regen? Nein, dann hätte ich die Anzahlung sausen lassen, beziehungsweise versucht, den Kurs auf nächstes Jahr zu verschieben.

Für gestern, Samstag, hätte ich ein Trailer-Training angesetzt gehabt. Wie sagt man in Ösi: "hätt i, war i, tät i". Nach exakt einem Jahr - vom Aussprechen des Wunsches der Errichtung einer Scheune für den Kamelanhänger bis zur Vollendung  - ist sie endlich fertig. Ok, noch nicht ganz. Das Abteil für den Hundezwinger fehlt noch, aber die Hülle steht und der Zementboden ist abgetrocknet. Frecher weise habe ich den Trailer an den Ort der Bestimmung gebracht. Schaut doch recht passabel aus?

 
 
 
Wo ist das Problem, könnte man sich fragen. Hänger raus, Kamele rein und ab geht die Post. Ja, wenn nicht am Freitag eine Ladung gravel gebracht worden wäre und der hirnamputierte Fahrer den Haufen nicht direkt vor die Ausfahrt plaziert hätte! Als gäbe es sonst keinen Platz auf dem 8,5 ha großen Grundstück.
 
 



Mittwoch, 5. Oktober 2016

Besuch

Ach, wie aufregend. Endlich mal wieder Deutsch parlieren. Kurzfristig angemeldeter aber gern gesehener Besuch.

Als ich den Mädchen ihr Frühstück servieren wollte, kamen sie wie immer gemütlich angetrottet, oder besser gesagt angewalzt, und ließen sich am Zaun anbinden. Ich muss sie einzeln füttern, da Ali sonst ihren Plutzer nicht mehr aus dem Trog nehmen würde. Laila wäre da chancenlos, etwas abzukriegen. 'Frühstück' ist ja eigentlich übertrieben. Ein paar klein geschnittene Möhren, jeder einen halben Apfel, das ganze überzuckert mit ein paar Mineralstoffen. Das Procedere dient nur dem Zweck, eine gewisse Routine aufzubauen. Sie sollen zu mir kommen und ich möchte sie beobachten, ob auch alles in Ordnung ist.

Jedenfalls heute morgen stoppten sie plötzlich in ihrem Bewegungsablauf und sahen aufmerksam in Richtung Haus. Konnte mir nicht erklären, was ihr Verhalten auslöste. So sah ich mich um und entdeckte den Besucher, der über das Gelände auf uns zukam. Denen entgeht nichts. Der Wachhund neben mir ... naja, kann man sich denken ...keine Reaktion.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Fette Kuh

Ali ist so fett.

Einerseits ist es gut, wenn sie gerne frisst. Das Training mit Futterbelohnung ist wesentlich einfacher als bei Laila, der Fressen mehr oder weniger egal ist. Andererseits weiß ich nicht, wie ich ihr Gewicht regulieren soll. Die Balance zwischen genug geben in Bezug auf Nähr- und Aufbaustoffe, die für ihr Wachstum erforderlich sind und zuviel, was besagtes Übergewicht zur Folge hat - und das wiederum schlecht für Gelenke und Fußsohlen ist - ist wirklich schwierig für mich.

In der Natur sind Kamele "browser", d.h. sie ziehen von einem Baum/Strauch zum nächsten, knabbern an Blättern, Ästen und Rinde. In Gefangenschaft, v.a. wenn das Terrain keinen dichten Bewuchs an Sträuchern und Bäumen vorweist, können Kamele mit Heu ernährt werden. Zusätzlich müssen Mineralien und Salz angeboten werden, wobei letzteres in loser Form dargereicht werden sollte. Salzblöcke könnten über einen langen Zeitraum das Gebiss schädigen.

Essen Tiere (oder Menschen) über ihren Grundbedarf hinaus, wird das zuviel in der Unterhaut und um die Weichteile herum für schlechte Zeiten als Fettdepots gespeichert. Kamele speichern ihr Fett im Höcker, das macht sie einzigartig im Tierreich. Und es macht Sinn, denn wenn der Körper mit einer isolierenden Fettschicht umgeben wäre, kann er im Wüstenklima nicht überleben. Es würde Überhitzung eintreten, ein zuviel an Wärme kann nicht nach außen abgegeben werden. Schwitzen und hecheln reichen wohl nicht aus, um die „Betriebstemperatur“ im Normalbereich zu halten. Durch den Höcker auf dem Rücken ist das Fett dort konzentriert, wo es den Wärmeaustausch nach außen am wenigsten behindert.

Als ich die Babys bekam, besorgte ich zusätzlich zu dem Heu noch getrocknete Lupinensamen, gestoßenen Hafer und Aufzuchtsfutter für Pferde in Pelletform. Kraftfutter für Rinder ist nicht erlaubt, da es Monensin.enthält, ein für Kamele letaler Inhaltsstoff, der in der Rindermast als Wachstumsverstärker eingesetzt wird.



Die Lupinensamen werden über Nacht in Wasser eingeweicht, um eine bessere Verdaulichkeit zu bewirken. Trotz dieser Massnahme schied Ali die Körner als ganzes wieder aus. Ich registrierte es leicht verwundert, fuhr aber mit dem verfüttern unbekümmert fort. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Es entwickelte sich ein Durchfall, der nicht mehr kontrollierbar war. Immer weicher wurde der Kot, zum Schluss spritzte er heraus, wie Wasser aus einem Gartenschlauch. Offensichtlich hatte das 'gute' Futter zu Gärungen geführt und die Darmflora nachhaltig geschädigt. Was habe ich nicht alles versucht: Selbstverständlich erst einmal Nahrungskarenz – nur noch trockenes Heu angeboten. Dann Antibiotika und Probiotika verabreicht. Kohletabletten, Tannalbin (Adstringens) und Spasmolytika. In Ermangelung von Injektionspräparaten und auf Grund ihres Misstrauens und meiner Furcht ihr weh zu tun und dadurch ihr langsam sich aufbauendes Vertrauen wieder zu verlieren, habe ich alles in oraler Form verabreicht. Wahrscheinlich unterdosiert, aber besser als nichts dachte ich mir. Da ihr Allgemeinbefinden und Appetit ungestört waren, sah ich mich nicht veranlasst einen tiermedizinischen Kollegen herbeizuziehen. Abgesehen davon, dass kaum ein Tierarzt Erfahrungen in der Behandlung von Kamelen aufweist (nein, auch nicht hier in Australien!), kostet allein die Anfahrt zu meinem Grundstück $ 400,- - ohne dass ein Finger gekrümmt wurde.

Parasitenbefall wäre natürlich auch noch eine, wenn auch ziemlich unwahrscheinliche Ursache der Erkrankung gewesen. In Ermangelung eines ordentlichen Mikroskopes entschloss ich mich, eine Kotprobe untersuchen zu lassen. $ 125,- hat es mich gekostet, plus $ 430,- weil ich auf dem Heimweg vom Tierarzt beim 'rasen' erwischt wurde. Ich fuhr gekankenverloren 115 km/h statt 100 km/h auf einer Strecke die irgendwo im nirgendwo über Kilometer geradeaus führt. Echte Schikane, oder Geldbeschaffungsmaßnahme - wie dem auch sei. Das Ergebnis der Kotprobe war nicht aussagekräftig, ein paar Strongyliden, kein Grund für den wässrigen Durchfall. Sicherheitshalber entwurmte ich sie, ohne dass sich etwas geändert hätte. Meine letzte - der sich auf Versuch-und-Irrtum basierenden - Behandlung war die Verabreichung von Kortison. Und siehe da, die Wirkung war prompt und innerhalb weniger Tage beruhigte sich die offensichtlich entzündete Darmschleimhaut und Ali schied wieder feste Bemmerln aus.

Zur Zeit werden die Lupinensamen nicht mehr angeschaut. Auch die Pellets werden meistens verschmäht, das Grünfutter der Koppeln stellt die einzige Nahrungsquelle dar. Hier und da ein Ast von einer Akazie und ein Stück Baumstamm, um die Rinde abzunagen. Ist das Wetter so schlecht, dass die Kamel abends in den Stall gebracht werden müssen, bekommen sie noch etwas Heu, von dem aber meistens nur etwas genascht wird. Das meiste landet auf dem Boden und wird dann nicht mehr angeschaut.

Ali ist also fett geworden von meiner anfänglichen Mästerei. Jetzt sollte ich endlich schauen, dass sie a) nichts mehr zusätzlich erhält und b) durch Training entsprechend mehr Energie verbraucht. Leider ist das Wetter fürchterlich. Nass, nass, nass. Alles gatschig. Die Fußsohlen weich wie Butter, die Gefahr des Ausrutschens und Hinfallens zu groß. Abnehmen bis auf weiteres verschoben.

Hier noch etwas über die Ernährung vonKamelen

..."Camels are browsers, and possess a split upper lip which is well suited to this purpose. They are adept at eating leaves from the prickliest trees and shrubs.

Free-ranging camels browse trees and select a very wide range of plants. They tend to select the freshest first but always mix their intake. Studies at Alice Springs found camels selected up to 82% of available plant species located in 200-square-kilometre study area. They preferred plants with high moisture and mineral contents and the leaves of trees and shrubs and herbs or forbs to grass. Grass is primarily eaten after rain and before herbs or forbs are available (Dorges & Heucke 1996).

Camels fed in Yards need a diet high in bulk (i.e., a third of a bale of hay per camel per day). They adapt to the gradual introduction of supplements or pelleted food to their diets. Camels used to dry feed need a gradual change to fresh cut browse or bloat will result.

Feeding facilities should allow adequate access for all camels and should be maintained in good repair and in a clean condition. Feeding of camels in troughs located off the ground avoids waste, consumption of dirt or sand and reduces the transmission of intestinal parasites. Camels are prone to ingesting man-made objects such as string and plastic which can cause health problems and this opportunity should be prevented.

Feral camels prefer plants high in salts. It is considered essential to provide coarse salt or salt blocks to fed camels. These blocks should be a soft type as camels have softer tongues than cattle. Salt blocks may include only low levels of urea.

Camels are also susceptible to vitamin E/selenium and copper deficiencies, particularly amongst younger animals. Supplementation should be considered where deficiencies may occur.

Several of the plant species eaten by the camel are digested in the small intestine. Products from these plants are absorbed by a different pathway to those broken down in the rumen. To mimic this system in fed camels, it is advisable to provide a supplement that contains 'protected proteins', e.g. canola meal or cottonseed meal. Restricted Animal Materials is not permitted to be fed to camels; this includes any matter derived from mammals, birds or fish except tallow, gelatine, milk and milk products of Australian origin. It has been found that 100 grams per day of protected protein produces weight gain in camels in poor condition.

Camels should be protected, as far as possible, from toxic plants or other substances deleterious to their health. Camels are particularly susceptible to many poisonous plants found in desert areas. Camels on treks are often unfamiliar with the area and will eat poisonous plants, especially if hungry or tethered. It is therefore essential for the camel handlers to make themselves aware of all poisonous plants in their locality. Camels being fed on barley grass or similar should receive regular checks of the mouth as seeds collect in the gums and under the tongue.

Ensure that there is minimum weight loss in lactating cows. Poor nutrition of lactating cows will result in decreased milk production and high mortalities in calves. Camel calves are more dependant on milk in their diet than cattle calves of similar age.

Camels should be offered ad libitum feed of suitable quality and composition during transport. As a minimum requirement the ration should have an energy value of 8 MJ ME/kg DM and a protein content of 8%. The ration should ideally be 70% roughage. (R Suter pers. comm.)."...


Dienstag, 27. September 2016

Schmähstad...

... sind sie jetzt, die Mädels. Da stehen sie und sagen nix mehr. Müssen viel nachdenken.

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Am 29.01.2016, also vor acht Monaten, habe ich im fodder store Tetanus Impfstoff gekauft.

Vor einiger Zeit wurde mir ein Lämmchen mit den Symptomen einer Tetanus-Infektion vorgestellt. Trotz intensiver Behandlung -  bin extra in die 75 km entfernte Stadt gefahren, um Antiserum zu besorgen -  verstarb es am nächsten Tag - steif wie ein Sägebock. Auch hatte mir eine Bekannte aus dem Dorf erzählt, dass ihre Hündin ebenfalls Zeichen einer Tetanuserkrankung aufwies. Glücklicherweise überlebte das Tier dank kostspieligem Klinikaufenthalt in Adelaide.

Tetanus ist also endemisch hier und nachdem die Girls immer wieder mit Wunden zu kämpfen haben, wollte ich sie impfen. Wie gesagt, seit acht Monaten. Als der cameleer bei mir war um die nose pegs zu setzen, habe ich mir einen GROSSEN Zettel vorbereitet auf dem stand: TETANUS IMPFEN. Es wäre ideal gewesen ihnen gleichzeitig mit der unangenehmen Prozedur auch die Injektion zu verpassen. WÄRE. Ja, das Alter, mal wieder. Nachdem wir fertig waren und der cameleer auf eine Tasse Tee Platz nahm, fiel mir der Zettel wieder in die Hände. Grmpf.

Heute bin ich es angegangen. Meinen ursprünglichen Plan die Impfung in Shepparton mit Hilfe der dortigen Crew durchzuführen hatte ich verworfen. Impfung bedeutet Stress für das Immunsystem und der gleichzeitige Stress der fremden Umgebung hätte zu viel werden können. Dann wären sie vielleicht geimpft, aber anschließend krank.

Also heute. Es fing eigentlich recht harmlos an. Natürlich wollte Laila nicht niederhooshen, aber Sturheit (meine!) siegt, irgendwann gab sie nach und der kleine Stich erfolgte beinahe unbemerkt.

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Aber, Ali! Die roch den Braten von weitem. Niederhooshen war problemlos, aber der Versuch die Beine zu fesseln bedeutete die erste Auseinandersetzung. Brüllen, spucken, sich anscheißen. Das volle Programm. Beinahe hätte ich es geschafft, die Nadel war schon drin - aber eine Abwehrbewegung ließ mich zur Seite hüpfen und raus war sie wieder, die Spritze.

Unter gutem Zureden löste ich die Fesseln wieder und ging über zu Plan B. Einkeilen zwischen Tor und Zaun, den rechten Moment abwarten und... geschafft. Geimpft. Endlich.



Ali war so fertig mit den Nerven, dass sie ihr Frühstück gar nicht anschaute. Und das heißt was. Ali und nicht fressen. Ein Möhrchen nach dem anderen bot ich ihr an und dann ging der Rest doch noch runter.

Und nun stehen sie da. Schmähstad.

Mittwoch, 14. September 2016

Kamelsex

Im Gegensatz zu anderen Tieren, machen Kamele Liebe im liegen. Das geht auch nicht Ruck-Zuck, wie z.B. bei Rindern, nein - das braucht seine Zeit.

Wie Hundewelpen, die dabei beobachtet werden können, bereits im zartesten Alter den Liebesakt zu trainieren, üben meine Girls auch recht fleißig. Seit einigen Monaten nahezu ununterbrochen. Fressen, ficken, fressen, ficken. Furchtbar.



Anfangs hat sich Ali noch beschwert, wenn sie von Laila vergewaltigt wird, mittlerweile ist es ihr wurscht. Nur umgekehrt darf nicht sein. Falls es Ali mal überkommt und sich auf Laila schmeißt, dann wird heftigst protestiert.

Die arme Ali ist am hinteren Teil des Höckers vom ständigen Gejuckel bereits haarlos.


Übrigens haben Kamele, wie Katzen und Frettchen, einen sogenannten 'induzierten Eisprung'. Anders als bei Rindern, Pferden, Hunden, Menschen,... wo in einem bestimmten Rhythmus ein/mehrere Ei/er heranreift/heranreifen und spontan aus dem Follikel entlassen wird/werden, springt bei Kamelen ein Ei nur, wenn es zu einem Geschlechtsakt kommt.

Montag, 12. September 2016

Gebucht

Ende Oktober findet ein dreitägiger Traingskurs in Shepparton, Viktoria statt. So kündigt der Veranstalter das Event an:

Victorias Bi-Annual Camel Training Weekend at
Cosgrove Camel Farm

Enrolments are now open for our 3 day weekend of Non-Confrontational Training
28th 29th and 30th October

...
Learn how to handle & enjoy your Camel using Calm Trust Based Training methods.
What you will learn:
• Teach your Camel to lead &Hoosh (sit) using Camel Psychology.
• Camel Husbandry
• Stress free saddling techniques
• Correct use of knots & equipment
• Ground work techniques for free reigning
• Introduction to Harness & Wagon work

Cost: $750 plus GST
Includes Training and all meals

Build your confidence & skills to be able to confidently & kindly manage your Camels.
Bring a swag, enjoy a campfire and the stories and company of like-minded people.
Arrivals welcome after 5:30pm on 27th October


So weit so gut. Was der alten Frau nicht ganz zusagt ist die Aufforderung, einen 'swag' mitzubringen. Das bedeutet campen. Mit fremden Leuten. Allerhöchstwahrscheinlich, nein todsicher, viel verbranntes Fleisch vom Grill mit noch mehr Nitrosaminen. Campen werde ich nur, wenn es denn unbedingt sein MUSS. Wenn ich mit meinen Girls trekken gehe, in der Wüste, alleine unterwegs bin, dann bleibt mir ja nichts anderes übrig. Shepparton ist zwar weit weg, aber nicht am Ende der Welt und es gibt dort Hotels. So habe mir ein komfortables Selbstversorger-Appartement gebucht und werde die Nächte in Ruhe und Komfort verbringen. Ist mir egal, was die anderen Teilnehmer von mir denken. Ich verstehe die ja sowieso nicht.

Mein Nachbar wird die Hühner und den Kater versorgen, der Hund ist schon in der Tierpension angemeldet.

Die Anzahlung heute eingezahlt und ... als wenn sie es mir zu Fleiß machen, heute lahmt Ali! Es hat in den letzten Wochen überdurchschnittlich viel geregnet. Die Wiesen sind nass, ich kann morgens nur mit Gummistiefeln raus, Lederboots sind sofort durchweicht. Entsprechend sind die Kamelfüsse ständig feucht und die Sohlen butterweich. Normalerweise sind sie glatt und elastisch, jetzt schauen sie wie durchlöchert aus.

Laila's Fußsohle



Ein handflächengroßes Loch ist auf der Sohle von Ali's rechtem Vorderbein entstanden, so als wenn sich eine Blase gebildet und die Haut abgelöst hätte. Muss irrsinnig wehtun. Dauernd hebt sie das Bein und sie liegt auch viel. Habe ihr heute Abend Metacam verabreicht. Hoffentlich verheilt die Wunde und infiziert sich nicht. Die Wetteraussichten sind nicht gut - noch mehr Regen in den nächsten Tagen ist vorhergesagt.

Laila hat eine nässende Fistel im Bereich des linken Karpalgelenkes. Gestern war es etwas wärmer und sofort haben sich Fliegen draufgesetzt. Mit Jod eingesprüht und Antibiotikasalbe draufgeschmiert. Erhebt sich die Frage, ob ein Fremdkörper als Ursache in Frage kommt, oder es sich um eine infizierte Wunde vom Raufen handelt. Wenn die beiden rangeln, beißen sie sich gegenseitig in die Vorderbeine. Und zwar ordentlich. Die Unterschenkel sind voller Schorf und Striemen.

Montag, 5. September 2016

Des Kamels neue Kleider

Es geht mir nicht in den Kopf. Wie kann Ali in knapp 8 Monaten vergessen, dass, etwas auf dem Rücken zu tragen, völlig in Ordnung ist? Es überhaupt nicht wehtut, eine Decke auf dem Höcker zu haben?

 
Januar 2016
 
 
So sah es aus, nachdem wir eine schöne Runde marschiert waren. Mein selbst gefertigtes Geschirr schon etwas verrutscht, insgesamt aber ü.b.e.r.h.a.u.p.t kein Problem ihr selbiges anzulegen.
 
Über ebay habe ich ein paar Meter Stoff erworben, Material welches zum anfertigen von leichten Sommerdecken für Pferde verwendet wird. Zuerst wollte ich die Nachbarin bitten mir ihre Nähmaschine auszuleihen, aber dann kaufte ich selber eine. Was, wenn irgendwas kaputt geht? Oder fehlt? Dann muss ich erst für einen Ersatz sorgen. Auch nicht wissen, wie sich revanchieren, in der Schuld zu sein. Jetzt habe ich also eine Nähmaschine! Um den Kamelen eine Decke zu nähen!Verrückt, ich weiß.
 
 
 
Um die richtige Länge auszumessen, habe ich den Stoff über Ali gelegt legen wollen. Was war das wieder für ein Theater. Gebrüllt, hin- und her getänzelt, sich angeschi...n. Ich habe dann bei Laila maßgenommen, die richtige Länge zugeschnitten und den Stoff mit einer Borte umnäht.
 
Ha, jetzt trau ich mich ja, den Kamele die Beine in hoosh-Position zu fixieren, das Sensibelchen kann mir also nicht mehr ausweichen. Pech gehabt. Decke passt, so circa. An der Nahttechnik muss ich noch etwas feilen, aber es hält.
 
Laila
 
Ali
 
 

Mittwoch, 31. August 2016

Namensgebung

Irgendwann, als in mir die Idee reifte Kamele zu halten, kamen mir die Namen 'Ali' und 'Laila' in den Sinn. Es sollte ein Pärchen sein und sie sollten geläufige Namen aus dem arabischen Raum erhalten.

Da sich meine Lebenssituation änderte, d.h. ich plötzlich alleine dastand, traute ich mich nicht, einen 1000kg Bullen zu besitzen. Als 60jährige Frau ohne den Hauch der Erfahrung mit großen Tieren fühlte ich mich schlichtweg überfordert. Also besorgte ich mir ein Baby, um langsam mit ihr zu wachsen (was die Erfahrung anbelangte). Wie mehrmals erwähnt, ist es fast unmöglich ein hochsoziales Tier als Einzelindividuum zu halten, so erwarb ich schweren Herzens ein zweite Kamel.

Die Namen blieben und sie passen wie die Faust auf's Aug:

Laila bedeutet "Dunkelheit" oder "Nacht", abgewandelt auch "dunkle Schönheit". Nun, ihre Fellfarbe ist relativ dunkel und so passt es ganz gut. In Australien sind die helleren Farben begehrter, weiß höchst beliebt. Im arabischen Raum muss eine Schönheit dunkel sein, je schwärzer, je lieber. Auch soll sie groß und mächtig sein, kleine Ohren und eine hängende Unterlippe haben.

 
Naja, so weit sind wir noch nicht, obwohl sie für mich sowieso die Schönste ist.
 
Ali ist ja eher ein männlicher Name, andererseits passt er auch hier: Ali bedeutet "der/die Erhabene" "der/die Hohe", und sie hat einen beeindruckenden Höcker. Okay, sie ist fett. Auf jeden fall unterscheidet sich ihre Silhouette eindeutig von der Lailas.

Die Araber tun sich leichter mit der Namensgebung, sie orientieren sich an den speziellen Eigenheiten, die dem Tier zuzuordnen sind.

The art of naming your camel


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One of the first words Arabic instructors love to teach their students is al jemel, the camel. I have never heard this word used once at the track, perhaps al jemel simply does not suffice.
In the Arabian Gulf, people usually refer to camels as al hejin, a generic word for race camel. Or they refer to a camel by colour (al hamra, the red one), gender (al naga, the cow and al baer, the bull) or age (al thenaya, the five year olds).
These are just the basics.
Christopher Neil lists 60 different names for camel.
There are names for how often a camel drinks:
A camel who drinks every two days: al ghab
A camel with unquenchable thirst: al melwah
A cow that leads others to the watering hole: al salouf
A cow that doesn’t drink to cure herself: al mqameh
Then there are names for a different breeding camels:
A stallion ready to breed, as evident by his lean stomach: al hyaj qafl
A cow with a calf younger than six months old: al khlfa
A cow continuously mourning a dead calf: al khlouj
A cow whose calf has died and been forgotten: al kfout
A cow that produces frothy milk: al jdhour
A cow that will not agree to be milked: al nhous
And there are names for camels of different personalities:
A camel afraid of anything: al jfoul
A camel that loves to escape and will not be caught: al shroud
A camel that eats whatever it sees: al aklu
A camel that stomps its feet on the ground: al kbout
A cow superior to all others in anything it does: al faheea
In addition to his list, there are names for the age of a camels, of which I know nine.
There are camel named by profession like a qalissa, a docile mature camel that trains calves.
There are personalities that include the aged and lethargic camel (al sharif), the young camel that’s easily ridden (al mataya or al rahila) and the camel who wanders like a lost soul (al haml).
Most important are the names of origin. Race camels fall into three categories: Sudanese camels (al sudaniyat), Omani camels (al omaniyat), local camels of Al Najdi origin (al mahaliyat orra’iyat al dar, which means mistresses of the land) and crossbreeds (al muhajjanat).
In addition to slender asayel race camels, there are dusky and tall majahim beauty camels of Saudi origin.
But none of this matters, because most of the time, people refer to a camel by it’s breed.
There are the breeds named after camels of such formidable speed, stamina or breeding prowess that descendants carry their names. They include Shaheen, Jabbar, Hamlool, Soughan, Tayyara, Samha and Al Misk, to name but a few.
By my count, there are easily more than 100 words for camel in Arabic. And that’s why the simple word camel just won’t do.

Montag, 29. August 2016

Nachtragend

Dieser Zwei-Stunden-Kampf in der Früh ist nicht nur mir in die Glieder gefahren, auch Laila war beeindruckt. Sicher nicht körperlich, aber mental auf jeden Fall.
Normalerweise kommt sie angerannt, wenn ich mich der Koppel nähere. In letzter Zeit sogar etwas stürmischer als mir lieb ist. Es sieht so aus, als wenn sie ihre Grenzen austesten wollte. Im Schweinsgalopp kommt sie angerast, den Kopf gesenkt, die Backen aufgeblasen, die Unterlippe schlappert. Sie blubbert und produziert schaumigen Speichel, der ihr aus den Mundwinkeln tropft. Mit einer Akutbremsung bleibt sie vor mir stehen. Wäre der Zaun nicht zwischen uns, würde sie mich sicher anrempeln - so wie sie es mit Ali macht.
Gestern Abend war von dieser provakanten Aktion nichts zu bemerken. Als sie mich wahrnahm ging sie zügigen Schrittes in die entgegengesetzte Richtung und gesellte sich zu Ali, die am anderen Ende der Koppel stand. Ali kümmert sich herzlich wenig um meine Anwesenheit. Sie mampft in der Regel so für sich hin ... außer ... an so Tagen wie heute! Es regnet, immer mal wieder eine leichter Schauer, genug um nass zu werden. Trotz dickem Winterfell - Regen mögen sie gar nicht.



So stehen sie brav vor dem Tor und warten darauf, in den Stall geführt zu werden. Auch der kurze Marsch von der Koppel zur Unterkunft verläuft unspektakulär und zügig. Nix wie ab ins Warme.

Übrigens mussten wir wieder ordentlich raufen, bis das Halfter oben war.

Sonntag, 28. August 2016

Workout

Es hatte so harmlos angefangen: Wetter ruhig und mild, die Girls offensichtlich gelangweilt, da sie erwartungsvoll vor dem Tor standen, als wollten sie abgeholt werden. Tue ich ihnen den gefallen, leine sie an und marschiere über Nachbars Grundstück mit ihnen. Wo es brenzlig wurde habe ich sie einfach losgelassen, hatte keine Lust mit ihnen zu raufen. Den dry-creek zu durchqueren ohne Theater ist noch immer nicht möglich. Als wenn sie nicht langsam gehen könnten! Nein, sie müssen immer volle Pulle runterlaufen. Ich habe jedes Mal Angst, dass sie mich umrennen. Ohne Führung rennen sie genauso blöd runter und hinten wieder rauf, aber ich stehe wenigstens nicht im Weg.

Nach der Runde habe ich sie noch etwas fressen lassen und dann wollte ich es wissen: Trailer-Training. Dieses Mal soll Laila auf den Anhänger, Ali bleibt unten. Theoretisch. Obwohl Ali Angst hat, geht sie immer anstandslos auf den Hänger, Laila hingegen mag nicht. Als erste geht sie nicht, no way. Sie würde gehen wenn Ali bereits oben ist, aber ich wollte es heute wissen.

Geschlagene zwei Stunden habe ich gebraucht, sie nach oben zu bringen. Alle Tricks und Schmähs angewendet. Sogar ein Flügel der rückwärtigen Tür habe ich ausgebaut, da sie immer im Weg war. Zum Schluss habe ich meine Geduld verloren und ihr hinten mit dem Stock eine übergezogen. Ein Satz, und sie war drinnen. Mir war mittlerweile wurscht, dass das nicht lege artis war, ich war schweißgebadet und entnervt. Aufgeben wäre nicht drin gewesen, dann hätte sie gewonnen und beim nächsten Mal noch mehr gekämpft.

 
Auch bei ihr hat ein Karabiner - einer von den besseren aus stainless steel - dran glauben müssen. Unwahrscheinlich welche Kraft so ein Vieh entwickelt, wenn es nicht will.


Mittwoch, 24. August 2016

Fortschritt

Endlich hat es geklappt. Kann nicht sagen, ob das einmalig war oder das Eis gebrochen ist, aber Laila hat sich das Halfter ohne Zwangsmaßnahmen anlegen lassen! Anschließender Gang vom Stall auf die Koppel OHNE EIN EINZIGES MAL zu zerren. Ganz gemütlich marschiert und alle Futterpflanzen rechts und links des Weges ignoriert. Das war echt toll. So stell ich mir das Trekken vor, wenn sie älter und trainiert sind.

Weil das Wetter nicht schlecht aussah, habe ich heute den 'neuen' Hänger auf die Koppel gestellt. Ich hatte den für $ 500,- gekauft wohl wissend, dass er eigentlich nur von dem neuen Farbanstrich zusammengehalten wird. Aber die Reifen und Elektrik waren überholt und die Registrierung, die über $ 100,- ausmacht, für ein Jahr bezahlt. Also eigentlich nur $ 390.- für die Rostschüssel. Der nette Nachbar hat sich bereit erklärt, die Kiste sicher zu machen. Der meiste Rost ist weg und das Gitter obendrauf ist nun bombenfest. Die Seitenteile hat er mit einem cleveren System schwenkbar gemacht. Wenn ich die Kamele an den Hänger binde und die Seitenteile ausfahre, dann verhindern diese, dass die Kamele den Trailer überholen können.



Zuvor hatte ich versucht, die Kamele ohne Anhänger zum flotten Marschieren zu bringen. Einfach hinten am Auto festbinden. Was für ein Theater. Dauernd links und rechts ausgewichen und dann wieder voll ins Auto reingedonnert. Laila hat dabei die linke Schlussleuchte demoliert. Das Auto ist neu und soll noch ein Weilchen halten. Wenn sie den Hänger kaputt machen ist mir das egal (obwohl er letztendlich doch fast soviel gekostet hat wie ein neuer, da der Nachbar $ 550,- kassiert hat. Allerdings der Schmäh mit den Seitenflügel ist wirklich gut und nicht käuflich erwerbbar).

Samstag, 20. August 2016

Wie alles begann (5)

In meinem Dorf leben zwei Damen, die Yoga-Kurse und Tagungen anbieten. Ich lernte sie kennen, als sie mit einem kranken Huhn Hilfe bei mir suchten. Eigentlich ganz nette Gestalten, ungefähr in meinem Alter. Eine der Frauen bekundete ihr Interesse für Kamele. Sie wollte schon als Kind ein Kamel und einen Esel, aber die Lebensumstände ließen es nicht zu. Das trifft sich gut, dachte ich. Soll sie ein Kamel kaufen und es bei mir unterstellen. So wäre beiden geholfen: sie erfüllt sich einen Jugendtraum und Laila hätte Gesellschaft.

Zu ihrem 50. Geburtstag bekam sie einen Kamelritt geschenkt, also war sie wirklich 'kamelophil', dachte ich.

(Foto aus FB)
 
Nach einigem Suchen fand ich jemanden, der eine junge Kuh zu verkaufen hätte, ca. drei Autostunden entfernt. Die Dame war interessiert und so machten wir uns frühmorgens auf den Weg nach Orroroo, den alten Pferdanhänger im Schlepptau.
 
Als wir auf den Hof kamen, hatte der Verkäufer die Kamelkuh in ein Yard gestellt. Sie war sehr nervös, brüllte und hatte weichen Kot. Angeblich war sie auf der Farm geboren und sehr zahm, merken konnte man davon nix. Sie wollte einfach nur zurück zu ihren Kumpels auf die Weide. Die Frau war nicht begeistert. Konnte keine 'Verbindung' mit dem Tier herstellen. Ich weiß nicht was das sollte. War wohl irgend sowas Meditatives. Ich drängelte ein bisschen: "Lass uns das Kamel aufladen und fahren wir heim." Nein. War nix. Keine Chance. Sie wollte es nicht und so fuhren wir die 300 km ohne Kuh zurück.
 
Einige Monate später sprach ich sie an, ob sie nicht einmal vorbeischauen wolle. Sie mag doch Kamele, ich fände es toll eine gleichgesinnte Freundin zu haben. "Ja, gerne, wie wäre es Sonntag morgen, 9.00 Uhr?" "Super, ich freue mich. Wir sehen uns dann."
 
Wer nicht erschien, war besagte Dame. Als ich sie einige Wochen später im Supermarkt traf fragte ich, warum sie nicht gekommen war."Oh, ich hatte verschlafen. Habe mich nicht wohl gefühlt." Ich war ziemlich sauer und habe es auch (ganz entgegen dem australischen Brauch!) direkt gesagt. Ich habe auf sie gewartet. Wenn sie tatsächlich verschlafen hat, kann sie ja später anrufen und sich entschuldigen. Einen neuen Zeitpunkt ausmachen. Aber keine Reaktion. Auch kein Einlenken als ich sie ansprach. Ein Zeichen, dass sie überhaupt kein ehrliches Interesse an Kamelen hat. Nur Blablabla. Seit dem höre und sehe ich nichts mehr von den Damen, soll mir auch Recht sein. Die diversen kostenlose Behandlungen an ihren eigenen und Fundtieren fallen somit auch flach. Gut für mich.