Samstag, 20. April 2019

Karwoche

Backpacker┃Da hatte ich mich auf Mithilfe gefreut, aber die Freude währte nur kurz. Am Montag den Backpacker abgeholt, am Mittwoch schon wieder zurück gebracht. Den von ihm getätigten und mir finanzierten Einkauf (u.a. diverse Teile von toten Tieren ... muss das wirklich sein, wenn man weiß, dass der Gastgeber kein Fleisch isst???) entsorgen müssen, da der junge Mann den Kühlschrank im Caravan voll aufgedreht hatte und alles (offene Milchtüte, Salat, Eier, Käse,...) gefroren war. $ 80.- in die Tonne. Meine Teflonpfanne, die ich seit neun Jahre besitze, ist nach einmaligem Gebrauch zerkratzt. Betten vorher bezogen, alles wieder ausräumen und reinigen. Es war vorher ausgemacht, dass er solange bei mir bleibt, bis er eine bezahlte Arbeit findet. Sein Glück, dass das innerhalb von zwei Tagen geschah - mein Pech, dass es mein Geld und meine Zeit kostete. Mir reicht es jetzt endgültig. Backpacker kommen mir nicht mehr ins Haus.

Kunstwerk┃Die Einfahrt zum Camel Information Center schmückt jetzt eine 1,60 m hohe Figur.


Habe mir mein Wahrzeichen (Cartoon von Jed Dunstan) aus einer 3 mm Metallplatte aussägen lassen und am Straßenrand aufgestellt. Die Kamele sind gestern, als ich sie am Hänger spazieren und an der Statue vorbei führte, völlig ausgerastet. War eine willkommene Ausrede, nicht zu Fuß zu gehen. ... OMG, wann werde ich mich je wieder trauen?

OptimistischMorgen soll es regnen! Der Nachbar hat gestern tatsächlich sein Feld bestellt, eine riesige Staubwolke hüllte mein Haus ein. Mal sehen, ob der Wetterbericht hält was er verspricht. Die Kamele haben morgen frei, vielleicht gehe ich am Ostermontag eine Runde. Apropos Ostern: Wünsche meinen beiden Lesern entspannte Feiertage 💕





Dienstag, 16. April 2019

Quer durch Australien

John Arthur Elliott ist tatsächlich seit dem 11. April (sein 37. Geburtstag) mit vier Kamelen und Hund 'Bruski' unterwegs. Immer wieder hatte er den Startzeitpunkt verschoben, nun hat er es wahr gemacht. Mit viel Medienrummel setzte er die Abreise in Szene, sogar einen Gedenkstein mit Inschrift hat er sich anfertigen lassen.



Seine Route kann per Satelliten Tracker verfolgt werden.

Sehr unterhaltsam sind seine kurzen Life-Videos auf Instagram! Ein wilder Hund 😀

Freitag, 12. April 2019

Snippets

Sonntag ❙ Es war sehr windig und deshalb nur eine Runde mit an dem Trailer angehängten Kamelen gefahren (ok, es ist eine schwache Ausrede, aber ich traue mich noch nicht mit den Viechern zusammen zu laufen). Wieder an der 'Schweinerei' [keine Ahnung, ob es sich um einen Mast- oder Aufzuchtsbetrieb handelt. Man sieht die Tiere ja nicht.] vorbei und wieder helle Aufregung in Form von seitlich ausweichen und herumtänzeln.

Laila ❙ ist im Moment gut drauf - dreimal auf Holz geklopft. Seit ungefähr zwei Wochen trenne ich Ali nicht mehr von ihren Artgenossen und es bestehen keine Anzeichen, dass Laila auf Ali herum turnt. Auch lässt sie den Jamahl z.Zt. in Ruhe. Mal sehen, wie lange der Frieden anhält.

Futter ❙ Ich bemühe mich redlich, die Mannschaft kurz zu halten. Zum dritten Mal habe ich einen großen Ballen Stroh kommen lassen, um den sie den ganzen Tag herum stehen und fressen. Nach wie vor ist es furztrocken, sie befinden sich jetzt schon seit über drei Monaten auf derselben Koppel. Sie hat den Vorteil, dass ich keine Wasserkanister schleppen muss, da ich mit dem Gartenschlauch bis an ihren Trog komme. Auf den anderen Koppeln wachsen ein paar salt bushes, die aber innerhalb einer Woche aufgefressen wären. Das spärliche Grün verhindert, dass im Falle eines Sturmes die Erde weggeweht wird. Deshalb müssen die Kamele noch eine zeitlang darben, bis endlich der Regen kommt. ... Abgenommen haben sie allerdings noch nicht.

Trekking ❙ Ich hatte leise Zweifel, ob mein Besuch aus Amerika wirklich kommt. Aber jetzt ist es abgemacht, der Flug gebucht. Am 22. Mai werde ich Doug vom Flughafen abholen und spätestens am 29. Mai eine kleine Runde trekken gehen. Am 05. Juni wird der Trainer weiter nach Alice Springs reisen. Da mir einige stations wegen der anhaltenden Trockenheit abgesagt haben, und auch der remote navigation course (den ich für querfeldein Wanderungen als Voraussetzung erachtet hatte) mangels Teilnehmer abgesagt wurde, habe ich eine einfache Strecke gewählt: nach Marree fahren, dort das Basiscamp aufschlagen und einen Teil des Oodnadatta Treks marschieren. Sollte machbar sein. Nachteil: relativ viel Verkehr, da es sich um eine öffentliche Straße handelt, Vorteil: ich kann mich nicht verlaufen und denke, wilde Kamelbullen werden dort nicht auftauchen.

Hilfe ❙ In drei Tagen werde ich wieder einen Backpacker zu Gast haben. Dann sollte das Training wieder Fahrtwind bekommen.

Webpage ❙ Habe jetzt einen Internetauftritt - mal sehen, wo das hinführt - auch eine Seite auf FB.

Material ❙ Schweren Herzens in neue Satteltaschen investiert! Auf die Frage, welche Farbe ich haben möchte gab es nur eine Antwort ... natürlich ... pink! Die sind so groß, da kann ich meinen gesamten Hausstand reinpacken!



Samstag, 6. April 2019

In der Schule

Das Wetter hat nicht mitgespielt. Es war zwar warm aber unheimlich stürmisch. Auf dem Weg in den Nachbarort konnte ich teilweise nicht die Hand vor Augen sehen, soviel Staub und Erde wurden aufgewirbelt.



Die Kamele kämpften sich tapfer voran. Um 08.03 Uhr verließen wir das Grundstück und um 10.20 Uhr erreichten wir unser Ziel. Ich rief im Schulgebäude an und die Lehrerin kam heraus und zeigte mir den Ort, wo ich parken konnte. Ich wählte ein schattiges Plätzchen unter einigen Eukalyptusbäumen, an die ich eigentlich die Kamele anbinden wollten. Aber sie waren zu nervös. Die Sturmböen bogen die Äste, die Blätter rauschten und die drei tanzten hin und her. Ich ließ sie einfach am Anhäger und baute eine kleine Barriere um sie herum.

Dann kamen die kleinen Schüler. Ach waren die süß und so brav. Ganz artig standen sie so, wie ihnen aufgetragen. Ich erklärte einiges über die Besonderheiten der Tiere - den Höcker, die schlitzförmige Nase, die langen Wimpern, die behaarten Ohren, die Form der Füße und und und. Dann durfte jedes Kind der verfressenen Ali ein Ästchen von einem salt bush geben, jeder durfte sie unter meiner Anleitung streicheln. Die ganz kleinen hob ich sicherheitshalber auf den Arm. Ständig beobachtete ich mit Argusaugen, wie Ali drauf ist. Aber sie war mittlerweile recht entspannt und hat nicht einmal Widerstand in Form von Treten oder Spucken geleistet.

Die Stunde war recht bald vorüber. Eines der Kinder bedankte sich im Namen aller bei mir und ein kleines Mädchen gab mir noch eine feste Umarmung. Jeder Schüler erhielt einen Kühlschrankmagneten in Form eines Kameles zum Andenken. Auch jede Menge Fotos wurden von den anwesenden Betreuer und Lehrer gemacht. Ich weiß nicht, ob ich die veröffentlichen darf, deshalb nur eines von mir, der stolzen Kameltreiberin ☺.


Mittwoch, 3. April 2019

Noch zwei Tage!

Übermorgen wird der erste Tag sein, an dem die Kamele das tuen sollen, was zukünftig ihre Hauptaufgabe (neben dem Trekking) werden wird: der Öffentlichkeit die Welt der australischen Dromedare näher zu bringen. Nun ja, wir werden klein anfangen - im wahrsten Sinne des Wortes! Die „Öffentlichkeit“ wird aus 11 Schulkindern zwischen 6 und 10 Jahren bestehen 😂.

Als ich den Unfall hatte und die Biester davon gerannt waren, konnte ich sie in Höhe eines Hauses einfangen (an der 6 km langen Strecke liegen insgesamt 3 Häuser). Weil ich einige Zeit dort verbrachte, bis mein Helfer mit dem Auto kam und wir sie endlich angebunden hatten, wurde die Bewohnerin wohl auf uns aufmerksam und sprach uns an, gerade als wir abfahren wollten. Sie sei Lehrerin im Nachbardorf und nimmt gerade Wüsten mit ihren Schülern durch. Und Kamele als Wüstenschiffe würden super in den Lehrplan passen- ob ich nicht Lust hätte mit den Tieren vorbeizukommen. Sie sprach sehr langsam und langatmig, mittlerweile tropfte das Blut an mir runter, aber ich hörte mir ihren Vortrag an und zeigte Interesse. Sie wollte sich mit ihren Kollegen absprechen und sich bei mir melden. Am nächsten Tag rief sie tatsächlich an und wir vereinbarten den Termin für 05.04. um 11 Uhr.

Da ich nicht weiß, in welchem Zeitrahmen ich die Kamele verladen kann (kann vier Stunden oder 30 Minuten dauern) und v.a. ob es mir ohne Hilfe überhaupt möglich sein wird sie im Anschluss an die Schulstunde auf den LKW zu bringen, werden sie die 12 km mit Auto/Hänger und hinten angebunden laufen müssen. Vergangenen Sonntag bin ich die Strecke probeweise abgefahren.
08.50 Start Frühstück vorbereitet, an den Zaun gelockt und angebunden
09.20 alle gehalftert, Auto geholt
09.45 Grundstück verlassen
12.15 im Nachbarort angekommen
auf der Rückfahrt etwas Gas gegeben und um
14.00 Uhr zu Hause gewesen.

So lange - 24,5 km - waren sie noch nie am Stück unterwegs. Jamahl fing nach 10 km an protestierend zu brüllen und auf dem Rückweg zog er ständig zurück. Er wollte das nicht. Die Damen zeigten sich unbeeindruckt und hielten tapfer durch.

Wird spannend werden 😰.

Mittwoch, 27. März 2019

Arena fertig!

Endlich! Kaum zu glauben, aber der neue earthmover war superflott. Drei Wochen nach Kontaktaufnahme lieferte er letzten Donnerstag die erste Fuhre Schotter, um die unebenen Stellen vor der Scheune und Arena auszugleichen und am Freitag sowie Montag 200 Tonnen Sand für den Innenraum. Kostet ein kleines Vermögen, muss ich halt an anderer Stelle einsparen. Keine Luxusausführung in der angrenzenden lean-to-shed [= workshop/ Ferienwohnung/ information center ... weiß noch nicht wie ich es benennen soll].

In erster Linie soll die Arena als Schlechtwetter-Stall dienen. Es empfiehlt sich nicht wirklich, die Kamele das erste Mal in eine neue Umgebung zu führen wenn es stürmt und regnet. Sie waren zwar schon zweimal in dem Gebäude, aber hinten am Hänger angebunden. Heute also neues Training: wie kriege ich drei Kamele in einen Neubau?

Eine Möglichkeit wäre sie mit Brustgeschirr zu versehen, hintereinander anzubinden und sie als Karawane in die Halle zu geleiten. Dieses Unterfangen traue ich mir noch nicht zu. Mein Brustkorb schmerzt noch ordentlich, v.a. wenn ich heftig ziehen muss. Das bliebe nicht aus, da die Tiere unbedingt in die Pflanzen steigen wollen. Auf der Koppel ist nix mehr, nur Steine und Staub, aber drumherum gedeihen die blue bushes und die jungen Akazien. Ein Hindernislauf, den 1.600 kg Kamele locker gegen mich gewinnen würden.

Also einzeln führen. Jedes Tier ca. 50 m geführt, an einen Pfosten gebunden, das nächste geholt. Wieder 50 m (viel mehr Abstand geht nicht, weil sie sonst ausrasten, wenn sie sich nicht mehr sehen) und wieder 50 m. Das nahm einige Zeit in Anspruch, aber schließlich standen sie nur noch 20 m vom Eingang der Arena entfernt. Als erste die gemächliche Ali hineingebracht und angebunden, dann Jamahl und schließlich Laila. Die Mädchen kannten den sandigen Untergrund von ihrem kleinen Stall, der beim Haus ist. Für sie war das Hineingehen kein Problem. Jamahl war total unsicher und wollte zunächst nicht weiter. Schließlich machte er einen großen Hupfer, als wenn er vom 3 m Brett ins Wasser springen müsste.



Allen habe ich die Leine abgenommen und sie konnten sich eine Zeit lang frei bewegen. Keiner hat Durchfall gekriegt, alle waren entspannt und haben wiedergekäut. Der Winter kann kommen.

Der Weg zurück erfolgte erneut in Etappen. Ruhig, stressfrei, komplikationslos.

Der Innenausbau der o.a. Scheune verläuft nach wie vor nur schleppend. Der Elektriker hat einen Haufen Kabel verlegt, jetzt muss der Installateur die Wasserleitungen anbringen, dann kommt der Schreiner wieder und vollendet sein Werk, d.h. die Wände und Decken werden eingezogen. Schließlich muss die Küche geplant werden, der Fliesenleger kommen, das Badezimmer eingerichtet, Möbel ausgesucht und bestellt werden, ... hoffe wirklich, dass ich bis Oktober fertig werde 😓!!!

Montag, 25. März 2019

Nachgedachtes

Ich grübel, ob es an mir/meinem Alter/meiner Unerfahrenheit/meinem nicht angemessenem Training liegen kann, dass dieser Unfall passiert ist. Aber ich denke mal, ich sollte mir keine Gedanken machen. Shit happens, auch bei den Profis. Hier zwei Auszüge aus dem Buch "Walk across Australia" von David Mason. Der war 1998 mit drei Kamelen unterwegs, startete am 23.03.1998 in Cape Byron an der Ostküste und erreichte acht Monate später, am 14.11.1998 den westlichsten Punkt von Australien, Steep Point.

Seite 82: ..."At the creek, just before moving up to the Araluen homestead, the camels baulked. Kabul started dancing, or maybe more accurately bouncing, lifting his fore legs and then his hind, trying to buck off the saddle or his fear. Chloe and Kashgar soon followed and I found myself holding a line with three prancing camels. Something had unsettled them but it was not obvious to me. A few minutes later I even had trouble unsaddling them. Perhaps it was the pigs kept in the pen not far from the house." ...

Seite 97/98: ..."I felt more than heard Kashgar take off first, closely followed by Chloe. I turned to look over my left shoulder. I was greeted to a sight not unlike the etching by Dürer, the four horsemen of the apocalypse, only these were camels and there were only three. My mind registered colour. Red, the colour of the interior of the flared nostrils and mouths. White, the colour of eyes, teeth and spittle. Camel terror.
I normally had time to sidestep Kabul when he took off, but he pushed me into the path of Chloe. She knocked me down. I saw Chloe's pad come to my head and I thought of the Ethiopian soldier I had seen, his head crushed by the wheel of a truck, his brains squeezed from his skull and splurted over the dusty road like rotten fruit, his face hanging like a mask over the emptiness. For a moment I thought his fate would be mine.
But Chloe missed my head and in tandem the three galloped 200 meteres down the road. I lay on the dusty track and thought my dream must be over. I was sure I had broken my femur. I could not move my left leg. I imagined the blood spilling into the tissues of my thigh, slowly killing me and my adventure. After a systemic check I tried moving my leg again, and peeling down my trousers I found nothing other than a couple of scratches and some marks on my thighs beginning to manifest themselves into semi-permanent tattoos.
I hauled myself to my feet, tucked in my shirt and checked the cause of the problem. A car. I had not heard it. Nor had Kashgar until it closed right up. What breeze there was came from the west, into our faces. The driver had moved right up close behind us in an effort to get some good video footage." ...

Und auch er, obwohl er schon mehr als ein Viertel der 4000 km Strecke zurück gelegt hatte, muss sich am Riemen reißen und selbst-motivieren.

Seite 99: ......"Both my thighs wanted to seize up during the afternoon and walking was almost impossible. But this was a test, I reminded myself, was it not? Faced with a setback, pain and fear that it might happen again, take precautions that they will not. I told myself I could not afford to be distracted. I had to stop daydreaming. My body hurt so much there were tears in my eyes, but my heart would never let me stop."... 💗