Montag, 11. November 2019

Zurück in den Alltag

Tatsächlich schon wieder fast drei Wochen seit der Rückkehr vergangen. Die Zeit fliegt dahin.

Nicht viel gemacht. Also direkt mit den Kamelen. Indirekt schon so einiges.

Sattel | So war ich bei Sattler und habe Lailas Sattel abgegeben. Er will versuchen, die Eisenstangen um 10 cm auseinander zu biegen, um das Gestell meinen fatties anzupassen. Der Satteldruck hat mich schon sehr erschreckt. Die Polster müssen auch verkleinert werden - habe neulich auf Instagram gesehen, wie jemand eine Wollpresse eingesetzt hat, um sie zu verschmälern. In Ermangelung einer Presse schlug ich vor, kurzerhand mit dem Auto drüber zufahren. Der Sattler schaute mich zwar ungläubig an, aber dann haben wir die Idee in die Tat umgesetzt. Hat nicht viel geholfen. Wahrscheinlich müssen die Räder für einen längeren Zeitraum auf den Polstern stehen.
Desweiteren müssen die Halsriemen von Jamahls Sattel verlängert werden - ebenso wie die Gurte vom Brustgeschirr. Da hat der Herr Sattler einiges zu tun. Wir haben so lange gequatscht gefachsimpelt, bis die Chance auf ein lecker Mittagessen beim Inder vertan war. Der schließt um 14.30 Uhr und ich verabschiedete mich vom Sattler um 14.20 Uhr.

Reparatur | Der Rückspiegel vom LKW wurde erneuert. Keine Ahnung, wann genau der auf der Reise kaputt ging, wahrscheinlich, als wir in die yards mit den 40 Kamelen gefahren sind. Irgendein ungestümer Geselle ist wohl gegen den Spiegel gedonnert und der wurde durch die blöd angebrachte Antenne vom UHF Radio abrupt gestoppt. Da der Rückspiegel elektrisch bewegt wird und es entsprechend aufwendig ist einen neuen zu besorgen bzw. zu montieren, hat mich dieser kleine Zwischenfall dazu gezwungen, tief in die Tasche greifen zu lassen ($ 1.188).

Futter | Weiter geht's mit Ausgaben: $ 300 für 20 Ballen Luzerne - frisch vom Feld. Sie warten schon seit einer Woche darauf entladen zu werden. Habe aber immer schöne Ausreden parat - meistens ist das Wetter in Schuld. So stürmisch die meiste Zeit, da fliegt das Heu durch die Gegend noch bevor es seinen Platz erreicht. 

Bewegung | Gestern, Sonntag, war es recht angenehm und so bewegte ich die Kamele mal wieder. Eine Runde am Hänger gebunden, die gravel road entlang. Ein Auto hat uns überholt - waren Touristen mit Camping Sachen auf der Ladefläche, zwei Autos sind vor mir in eine Kreuzung eingebogen. Bis jetzt keine polizeiliche Beschwerde (ich werde noch paranoid). 

Normalität | Während ich anfangs dachte, die Kamele haben durch die Interaktion mit ihren Artgenossen einen Entwicklungsschub erfahren, sprich sie wären ruhiger und ausgeglichener, ist jetzt alles wie gehabt. Laila sitzt wieder auf Ali und jagt Jamahl übers Gelände. Ali ließ sich in den vergangenen Tagen nur ungern bürsten, versuchte zu treten und zu schnappen, ihr Höcker schmerzt von dem ständigen aufreiten - also werden sie tagsüber getrennt und nachts muss Laila Fußfesseln tragen! 





Montag, 4. November 2019

Unbedingt anschauen!

In den nächsten 10 Tagen kann der Film 'JUDAS COLLAR' kostenlos angesehen werden.
Unbedingt eine Packung Taschentücher bereitlegen - sie werden von Nutzen sein 😭

Ein 'wildes' Kamel wird narkotisiert, mit einem Peilsender versehen und zu seiner Herde entlassen. Professionelle Schützen knallen die Artgenossen vom Hubschrauber aus ab, vernichten alle - bis auf das Tier, welches das Halsband trägt. Als Herdentier macht sich das einsame Kamele auf die Suche nach neuen Kumpels und verrät durch den Sender dem Jäger, wo sich neue 'Beute' befindet.

Der Film kommt ohne Text aus. Am Ende erfährt der Zuschauer, dass seit 2009 160.000 Kamele mit Hilfe des 'JUDAS HALSBANDES' erschossen (und zur Verwesung liegen gelassen) wurden. Es gibt aber einige clevere Tiere, die den Sinn erfasst haben und alleine bleiben - um ihre Freunde nicht zu gefährden!

Samstag, 2. November 2019

Oktoberfest (4/4)

Eigentlich hatten wir bis zum 24.10. gebucht, aber ein Blick auf die Wettervorhersage bewog mich zu einer Planänderung. Die Prognose lautete:

Mittwoch, den 23.10. 35°C
Donnerstag, den 24.10. 38°C!

Im Schatten! Wo wir uns bewegten war kein Schatten! Steinwüste, ja. Sanddünen, ja. Aber kein Schatten. Das macht kein Spaß. V.a. unter Berücksichtigung des ungewöhnlichen Tagesablaufs und Zeitmanagements.

Vormittags die Zeit vertrödeln und wenn es richtig schön reinknallt die Kamele beladen und zur Mittagshitze losmarschieren? Das kann man im Winter machen. Ginge es nach mir, würde ich gleich nach dem Frühstück satteln und losziehen, wenn es heiß wird ein Päuschen einlegen und am Spätnachmittag 'shepherden' gehen, sprich die Viecher unter Aufsicht fressen lassen.

Montag, der 21.10. war schon heiß genug. Nicht nur wegen der Temperaturen (29°C), sondern wegen einer außertourlichen Aktion. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Der schnarrende Laut des Funkgerätes unterbrach abrupt die magische Ruhe der vor sich hinstampfenden Karawane. Uns war nicht wirklich nach Konversation zumute - die sandigen Dünen machten jeden Schritt beschwerlich. Die Kamele bewegten sich fast lautlos, nur ihrer Sättel quietschten ab und zu.

Also das Funkgerät machte sich geräuschvoll bemerkbar. Das Begleitfahrzeug mit seinem Anhänger sei  stecken geblieben, ließ der Fahrer, ein junger Backpacker vernehmen. 'Yeap, can happen', meinte die Leiterin. Sei ihr auch schon passiert. Sie wies ihn an, nichts zu unternehmen, um die Situation nicht zu verschlimmern.

Wir guckten wie die Uhus, als wir - endlich oben auf der Düne Nummer 2543 angekommen - plötzlich dem Auto gegenüber standen! WTF? Wie ist der Traumtänzer überhaupt bis hierher gekommen? Er hielt zwar eine Schaufel in der Hand, hatte aber noch keinen Finger gerührt.

Das wurde eine schweißtreibende langwierige Aktion. Der Gatte der Leiterin wurde herbeigefunkt, Auto und Anhänger komplett entladen, die Vehikel ausgebuddelt, samt Hänger umgedreht, und auf festem Untergrund wieder beladen. Es fiel nicht ein einziges böses Wort dabei! Hut ab vor soviel Selbstbeherrschung - ich wäre komplett ausgeflippt.



Dienstag (22.10.) war also unser letzter Wandertag. Selbe Routine wie die Tage vorher: Frühstück, 'shepherding', zum letzten Mal satteln


und losmarschieren. Mittlerweile haben sie es begriffen: wir müssen in einer Reihe hintereinander gehen. Sogar schwierige Situationen wie die Durchquerung eines dry creeks klappte wie am Schnürchen! Wörtlich genommen.

Als wir die Yards erreichten, wartete bereits ein Resteessen auf uns. Die jungen Leute waren schon ganz hibbelig und machten sich bald auf Richtung Beltana Station, wo ein Swimmingpool wartete! Eine Woche ohne Dusche kann ganz schön lang werden. Die Chefin und ihr Gatte blieben noch bei uns. Sie wollten uns am folgenden Morgen mit dem Verladen meiner Kamele helfen.

Wie sie wohl reagieren? Ob sie es checken, dass sie von ihren neuen Freunden getrennt werden? Werden sie sich weigern, den LKW zu betreten? Ich war gespannt und äußerst überrascht, wie problemlos die Aktion verlief. Im Nu waren sie oben, als sei es das normalste der Welt. Als wir losfuhrenholperten (15 km gravel road !) beschwerten sie sich mit ein wenig brüllen, aber ansonsten standen sie wie die Stiefel. Kein verheddern unterwegs und ... das erste Mal überhaupt ... keinen Durchfall! 

Es kommt mir vor, als hätte ich neue Kamele. Seit unserer Rückkehr habe ich sie noch nicht einmal raufen gesehen oder gehört. Zweimal führte ich sie im Gänsemarsch übers Grundstück - problemlos!
Mal sehen, wie lange das anhält.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem verehrten Gast für seine rührende Mithilfe und die Überlassung seiner tollen Bilder bedanken! 



Freitag, 1. November 2019

Oktoberfest (3/4)

In der Früh hatte ich einen melt down und heulte mich bei der Leiterin aus. Es war mir plötzlich alles zuviel und ich hatte das Gefühl, versagt zuhaben:

Es wurde mir abends mitgeteilt, dass die Nachtlager neben den festgebundenen Kamelen aufzuschlagen wären. Die Mitstreiter/Backpacker/Hilfskräfte trugen ihren swag in das Dickicht und rollten ihn mitten in der Herde aus. So konnten sie nächtens etwaigen Problemen sofort auf den Grund gehen - sei es, dass sich ein Kamel in den Leinen verheddert, sich unerlaubt davon machen will oder was auch immer. Mir war es nicht möglich, mich in die Nähe der Kamele zu begeben, da ich ein Zelt besitze, jede Menge Kochutensilien, meinen ganzen Krimskrams ... sich alles in den monströsen Satteltaschen befindet und die neben den Sätteln im Lager liegen. Eine Satteltasche (incl. 20 l Trinkwasser) wiegt 38 kg - unmöglich alles ins Gebüsch zu schleppen. Die Leiterin betonte, sie werde auf meine Kamele aufpassen, was mir furchtbar peinlich, aber nun mal nicht zu ändern war.

Dann hatte ich mich auch noch verschlafen! Es war schon 06.00, als ich begann mir Tee zu kochen und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, alles wieder zusammen zu packen. Die Zeit verrann und ich hatte noch keinen Blick auf meine Viecher geworfen! Was bin ich nur für ein egoistisches A***!

(Die alte Frau und ihr Gedöns 🙈 - hier noch im Wilpena Pound)

Nach einer herzlichen und tröstlichen Umarmung der Leiterin ging es mir wieder besser. Sie versprach mir, dass am Abend die Sättel und Taschen dort abgeladen werden, wo die Tiere ihre Nacht verbringen, ich mein Zelt also neben ihnen aufgeschlagen kann. Außerdem stellte ich mir für den nächsten Morgen den Wecker auf 05.00 Uhr - genug Zeit und Muße meine Routine durchzuziehen und rechtzeitig fertig zu werden.

Die Kamele wurden essen geschickt, nach zwei Stunden eingefangen und beladen.


Ein letzter prüfender Blick der Chefin auf die Sättel - dann zog die Karawane gegen 11.00 Uhr  los. Ein kleiner Umweg führte zu einer Viehtränke, wo die Kamele einen guten Schluck zu sich nahmen.


Heute wurden (wie auch in den kommenden Tagen) ca. 9 km zurückgelegt. Mein Begleiter übernahm öfter meinen string, so hatte ich viel Muße mit der Leiterin zu quatschen. Die Zeit verging wie im Flug.
An einer Weggabelung fanden wir den Hinweis der Versorgungscrew, ein kaltes Bier Wasser wartet auf uns in der 'bar' 😎



Meine drei verhielten sich so 'lala'. Zeitweise fixierte ich Jamahls Halfterkette mit Laila's Sattel, damit er nicht all zusehr pushte. Immer wieder korrigierte die Chefin die Länge der Leinen, um seine drängelnden Bewegungen einzudämmen.

Im Lager angekommen, dasselbe Prozedere wie tags zuvor: abladen, lunch einnehmen, mit den gehobbelten Kamelen fressen gehen, sie an einen Busch binden, Abendessen, Lager aufschlagen, tot umfallen!

Am nächsten Tag änderte die Chefin meinen string: als Leitkuh fungierte nun Dinny, eine resolute Führungspersönlichkeit, die Laila in die Schranken zu weisen wusste! Der Blick von Dinny, wenn Laila zu nahe kam war Gold Wert! Ein leichtes Grollen oder Schnappen zu rechten Zeit und Laila war da, wo sie hin gehörte. Das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ihren Meister gefunden hat. Herrlich anzusehen.

Auch Jamahl wurde gemaßregelt: zwischen Laila und ihm wurde Tanami platziert, ein 1000 kg bullock, der sich nicht so einfach durch die Gegend schubsen ließ. Ali behielt ihren Kontrapart: Molli spielte ihre Rolle ausgezeichnet, kein Grund sie auszuwechseln. 'Meine' Karawane bestand nun aus:

Dinny - Laila - Tanami - Jamahl - Ali - Molly


Eine perfekte Kombination, die bis zum Ende der Reise beibehalten wurde. Der einzige Nachteil war, dass Dinny nicht jede Person als Führung akzeptierte, so lief  ich nur neben- oder hinterher. Aber egal, in erster Linie geht es um die Viecher. Sie sollen kapieren, dass man gesittet hintereinander geht und trekken nicht aus drängeln, schubsen und wettlaufen besteht.


Jamahl war ziemlich k.o. Die Leiterin hatte bemerkt, dass der Sattel nach hinten verrutscht war und auf seinen linken Hüfthöcker drückte. Er bewegte sich etwas steif, so dass er am nächsten Tag die schweren Taschen nicht tragen musste. Sie fanden einen Platz im Begleitfahrzeug. 

Nächster Morgen (mittlerweile 20.10.) Erneuter Besuch einer Viehtränke:



Der Tag verlief im gewohnten Rhythmus und schien ereignislos - bis es abends ans absatteln ging: Laila hatte an ihrer rechten Schulter eine offene Druckstelle - saddle sore -wie man hier sagt. Keinen Mucks hatte sie von sich gegeben! Tapfer hat sie ihre Last tragen - die arme Maus. Eigentlich wollte ich sie am nächsten Tag reiten - tja, war wohl nix. Die nächsten Satteltaschen wanderten ins Begleitfahrzeug! Der Sattel muss vor der nächsten Nutzung alteriert werden, da geht kein Weg dran vorbei.

Dafür nahm am folgenden Tag mein Gast auf einem Kamel - Tanami - Platz und besah sich die Welt aus einer anderen Perspektive.






Donnerstag, 31. Oktober 2019

Oktoberfest (2/4)

Ich liebe den Wilpena Pound. Obwohl ich nicht schwindelfrei bin und bergsteigen gehe hasse - der 21 km Rundweg auf den Mt Mary (die höchste Erhebung von Süd Australien) und durch den Pond - will bezwungen werden. Und jedes Mal schwöre ich mir: nie wieder!!


Meine sportliche Begleitung und sein kuscheliger Freund waren sogar bis ganz auf dem Gipfel oben.


Die nächsten Tage verliefen weniger anstrengend und der letzte Wandertag bescherte uns noch DAS Highlight schlechthin, die Belohnung für alle Mühen: Der Anblick eines seltenen



Am 16.10. ging es zurück nach Beltana zu den camel yards. Wie beim letzten Mal zeigte sich zunächst Jamahl, später folgten Laila und Ali - letztere war einer Streicheleinheit nicht abgeneigt.


Um 09.30 Uhr des darauffolgenden Tages solltes es losgehen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich alles vorbereite, die Expeditionsleiterin erscheinen würde, sie mir Hilfestellung bei der richtigen Beladung der Kamele geben würde und wir dann los marschieren.

Also: der erste Teil passte! Um 09.30 Uhr waren meine Sachen bereit gelegt 😇


Doch dann kam alles ganz anders. Gegen 10.30 Uhr tauchte die Leiterin auf und gab Anweisungen, wie wir die Kamele aus dem riesigen Yard treiben. Sie und eine Begleitung benutzten Geländemaschinen, ich sollte mit meinem Auto dem Weg folgen und bei Ansicht der Kamele kräftig hupen.

Die Aktion dauerte eineinhalb Stunden, gegen Mittag waren alle Kamele vor Ort. 


Mittlerweile waren weitere Hilfskräfte aufgetaucht, 18 Kamele wurden fixiert und das satteln begann.


Drei Stunden dauerte die Aktion, es war 15.00 Uhr als wir endlich die Lokalität verließen.


Mein string bestand aus Mumpy, einer abgeklärten Leitkuh, dann folgten Laila, Jamahl und Ali; das Schlusslicht bildete Molly, ebenfalls eine erfahrene ruhige Dame.

Meine drei waren sehr nervös. Wie üblich warf sich Jamahl auf Laila und wie immer versuchte Ali seitwärts auszuweichen (diesmal allerdings erfolglos, da Molly kräftig dagegen hielt). Es ging querfeldein und die Situation beruhigte sich erst, als wir wieder einer dirt road folgten. 

Ungefähr 5 km liefen wir an diesem ersten Tag. Hört sich nicht viel an, war aber nach all den Vorbereitungen echt genug. Wir erreichten eine Stelle, an der Hilfskräfte (mehrheitlich backpacker) Essen vorbereitet hatten. Ein Anhänger voll mit allem, was ein Team - normalerweise inklusive jeder Menge Touristen - zum Leben braucht: swags, Kessel für Heißwasserzubereitung, Kühlschrank, Trinkwasser, Obst, Gemüse u.v.m.. Sogar an ein mobiles Clo wurde gedacht! Obwohl ich mich eigentlich selbst versorgen wollte, nahm ich das Angebot, an der Mahlzeit teilzunehmen, dankbar an. 


Frisch gestärkt folgte der nächste Schritt: 'shepherding' der Kamele. Die Sättel waren bereits bei der Ankunft im Lager abgenommen worden - nun wurden den Kamelen Fußfesseln angelegt, damit sie sich frei bewegen und fressen gehen konnten. Allerdings durften sie nicht aus den Augen gelassen werden, so folgten wir ihnen gemächlich und nach ca. zwei Stunden fingen wir sie wieder ein und fixierten sie an einen Strauch in der Nähe des Lagers, wo sie die Nacht verbrachten. Der erste Trekkingtag war erfolgreich beendet.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Oktoberfest (1/4)

Der Oktober neigt sich seinem Ende zu - ein Monat der sehr anregend, aufregend, interessant, abenteuerlich, anstrengend und erlebnisreich war. Dementsprechend fällt es mir schwer, das Vergangene in geordnete Worte zu fassen.

Es begann am 01.10. mit der Ankunft eines Besuchers aus Deutschland. Ein junger Mann, der mit dem Fahrrad die Welt bereist hat und zur Abwechslung das Leben als Kameltreiber kennen lernen wollte.


Die ersten Tage bestanden aus Kennenlernen und Herantasten, beide Parteien schlugen sich hervorragend. Der Besucher zeigte keine Angst und bewegte sich 'kamelgerecht', d.h. ohne hektische Bewegungen, ruhig und aufmerksam. Die Kamele akzeptierten ihn und waren freundlich gesonnen.

Einen Tag widmeten wir dem Zugtraining. Auch hier bewies der Besucher Mut und nahm beherzt auf dem Kutschbock Platz.


Die aktive Unterstützung ausnutzend, besuchte ich meinen ersten farmers market. Er ist winzig, besteht aus drei oder vier Ständen und wenigen Besuchern - gerade recht, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich fuhr mit dem LKW in das abgezäunte Gelände, was den Veranstaltern nicht zusagte. Also draußen parken und die Kamele einzeln herein führen. Sie waren nicht amused. Ali - die letzte die verladen wird und somit die erste ist, die herauskommt, brüllte wie am Spieß, lief im Kreis und kickte, was ihre Stummelfüße hergaben. Es kehrte erst Ruhe ein, als alle beieinander waren.


Ich sammelte Spenden für breastcancer awareness und plauderte mit Passanten. Kurz vor Ende kam ein Sturm auf. In Windeseile bauten wir alles ab und verluden die Kamele. Die Veranstalter ließen mich mit dem LKW an die Tiere heranfahren, was die Aktion erleichterte. Ali spielte trotzdem blöd und konnte erst dazu bewegt werden einzusteigen, als ich die Rampe mit einer Mülltonne begrenzte. 

Dann sah ich folgende Anzeige auf FB:

Camel enthusiast news!
We’re setting our 2020 calendar and looking at how we can support upcoming cameleers.
We’ve had enquires from some of you requesting to bring your own camels out on treks, this however is not an ideal situation for us to support learning when we are attending to guest experiences with our own average of 17 camels on treks.
...
In 2020 we are considering hosting one 9 day trek that camel owners can turn up with their own camel for assistance on how best to lead strings and manage an extended journey with either pack or riding camels. It also might be that you don’t yet have camels but want to learn what a trekking environment looks like.

Ich konnte nicht anders und fragte vorsichtig an, ob sie nicht einen Probelauf machen wollten? Noch in diesem Jahr? Nächste Woche? Mit mir, meinem Gast und drei Kamelen? Was soll ich sagen: Die Betreiberin der Company sagte zu und es war beschlossene Sache: eine Woche trekken auf Beltana Station unter Anleitung erfahrener Kamelbesitzer! Herz, was willst Du mehr.

Mein Besucher half mir, das nötige Equipment zu sortieren, verpacken und verladen. Vorher noch einkaufen gehen - wir wollten schließlich Selbstversorger sein - so gingen einige Tage der Vorbereitung ins Land.

Am 10.10. um 08.00 Uhr verließen wir das Grundstück. Mein Begleiter fuhr mein Auto, auf der Ladefläche Teddy und Oscar, die wir unterwegs in einer Hundepension absetzten. Die Kamele im LKW plus ... allem: Sättel, 9x20 l Trinkwasser, voller Wasser- und Dieseltank, Essen, Ersatzteile, Notfallausrüstung, Satteltaschen, Gewehr ... you name it, we've got it 😀.

Die Fahrt bis Beltana verlief gemütlich. Wird legten extra Zwangspausen ein, um nicht zu früh anzukommen. Vereinbart war: 17.00 Uhr an der Abzweigung der B83 zur station, was wir locker schafften. Dann begann die eigentlich Herausforderung: 15 km schlimme dirt road. Richtig schlimm. Mit Wellblech ohne Ende, die Kamele wurden ordentlich durchgerüttelt. Aber auch das ging vorbei und schließlich erreichten wir die camel yards. Ein ungefähr 10 km² großes mit Büschen bewachsenes Gelände mit 37 Kamelen! Kamelhimmel, falls es sowas gibt. Ich führte meine drei vom LKW, entfernte ihre Halfter und Halsbänder und entließ sie in die neugierige Schar. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie Ali und Jamahl weg waren. Laila zeigte sich desorientiert. Sie wurde von einem feschen, gleichaltrigen bullock namens Zaki in Empfang genommen, ließ sich ca. 30 m entführen, drehte sich dann um und kehrte zu uns zurück. Ganz große Augen hatte sie, brüllte ein paar Mal irritiert, um schlussendlich wieder Anschluss an ihren Verehrer zu finden.

Mir war etwas mulmig ob der gigantischen Überzahl so vieler Höckertiere. Ob sie meine verwöhnten Spacken in Einzelteile zerlegen? Ob sie in Panik davonlaufen?

Am nächsten Morgen kehrte ich ungeduldig zu den Yards zurück. Der laufende Motor meines Autos und ermunternde Rufe, sowie die diskrete Andeutung, dass ein 20 kg Sack Möhren darauf wartet seine Abnehmer zu finden, ließen die Kamele recht schnell zum Tor kommen. Aus allen Richtungen strömten sie herbei. 



Ob ich meine drei wieder erkenne? Das ist kein Witz. Ich hatte tatsächlich Bedenken, meine drei mit den anderen zu verwechseln. Aber es bestand keine Gefahr. Als erstes schlenkerte Jamahl heran. Sein Gang mit den langen Haxen ist unverkennbar. Er hatte kaum Chance eine Karotte zu ergattern, schenkte mir aber ein leichtes Beben der Nüstern als Zeichen der Begrüßung. Ach, war ich glücklich. Ali und Laila folgten kurze Zeit später. Laila würdigte uns keines Blickes, war ausnahmslos mit den anderen Kollegen beschäftigt, Ali ließ sich dazu herab (eine Möhre als Bestechung) ihren Bart kraulen zu lassen.

Eine Woche sollten sie dort bleiben. Wir packten unsere Sachen und fuhren zum Wilpena Pound. Zelten und wandern waren angesagt.






Sonntag, 29. September 2019

Kräftemessen

Zur Zeit raufen und blubbern alle drei als gäbe es kein Morgen.



In der Früh fand ich Jamahl und Laila völlig verdreckt vor: ihr Fell im Halsbereich und an den Vorderbeinen war klebrig-feucht und stellenweise blutig. Laila hat eine Schnittwunde unterhalb des linken Kniegelenks



sowie eine Schürfwunde im Bereich ihres linken Auges.


Wie das passieren konnte ist mir ein Rätsel. Eigentlich hat doch der Frühling angefangen, da sollte die Brunftzeit vorbei sein? Ich hoffe, es ist nur ein letztes Aufbäumen und die Gemüter beruhigen sich bald.

Heute wieder eine Runde mit Anhäger gedreht: drei Auto kamen uns in den zwei Stunden entgegen und eine Handvoll Motorradfahrer: sie waren sehr rücksichtsvoll und tuckerten langsam an uns vorbei - alles im grünen Bereich.